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mit Zlnterhattungs-Meilage „Ilkuflrirte Sonntags-Ieitung"

Juföa, Dienstag, den 1. Mai 1900.

27. Jahrgang.

^Zweites

# Der erste Mai.

Es ist von einem Jahre zum anderen stiller geworden am ersten Mai. Die Tage sind längst vorüber, in denen bängliche Gemüther am ersten Mai im Geiste schon den Tritt der Arbeiter­bataillone hörten, die heranmarschiren würden, um die bestehende Gesellschaftsordnung zu stürzen durch einen Gewaltstreich der internationalen und revo­lutionären Sozialdemokratie. Die Zeiten sind sehr kurz gewesen, in denen die Herren „Genoffen" sich einbildeten, sie könnten der ganzen übrigen Welt Schach bieten mit der übermüthigen Herausforde­rung, die so tausend und abertausend mal er­gangen ist: „Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm nicht will". Die bürgerliche Gesell­schaft ist so schwach nicht, daß sie von dieser Herausforderung sich in's Bockshorn jagen ließ; und die Gesammtheit der Arbeiterschaft ist viel zu verständig und einsichtsvoll, als daß sie sich hätte zum größeren Ruhme der Herren Obergenoffen in dieser Weise bethören und verhetzen lassen.

Allgemeine Arbeitseinstellung am ersten Mai — so begann der Maitagrummel; Generalstreik am ersten Mai in der ganzen Welt — so wurde einst verkündet. Und heute? Der ganze Maitag ist bei den Herren „Genossen" zu einem ziemlich unschuldigen Bierabende herabgesunken, an dem sozialdemokratische Männlein und Weiblein sich versammeln, um unter den unvermeidlichen rothen Fahnen einige Musikstücke und Reden anzuhören und entsprechende Lieder zu singen. Schon so manches sozialdemokratische Blatt hat die volle Schale bittern Spottes auf diese Veranstaltungen herabgegossen, die den letzten Rest bilden der einst mit vollen Reklamebacken ausposaunten Herausforderung der bestehenden Ordnung der Dinge. Die Sozialdemokraten in Frankreich haben in diesem Jahre sogar ganz davon abge­sehen, dem ersten Maitage in bisher gewohnter Weise Kundgebungen zu widmen.

Die Sache hat eine ganz besondere innere Bedeutung: bei den Sozialdemokraten selbst schwindet von einem Jahre zum andern mehr die Anschauung, daß wir den einst von Bebel prophezeiten „Großen Kladderadatsch" bekommen und mit einem großen Rucke durch einen revolutionären Gewaltstreich aus der heutigen Ordnung der Dinge hinübergeschleudert werden können in den sozialdemokratischen Zukunstsstaat. Roch vor 1900 sollte ja sogar dieser „Große Kladderadatsch" kommen. Er ist ausgeblieben, und alles Andere ist ausgeblieben, dem etwas wie eine Aehnlichkeit damit nachgesagt werden könnte. Dafür stehen innerhalb der Sozial­demokratie neue Männer auf, die aufzuräumen beginnen mit den alten Lehren von der Verelendung der Massen und von dem gewaltsamen Umstürze, der als Folge aus der Verzweiflung dieser ver­elendeten Massen hervorgehen sollte; Männer wie Bernstein und David, die beweisen, daß der Wohlstand der Massen sich hebt, daß darum die Lehre von dem nothwendig eintretenden Elende und der absoluten Unzufriedenheit mit den herrschenden Zuständen Unsinn ist. Von den Oberhäuptern der Sozialdemokratie werden die neuen Männer bekämpft bis auf's Blut. Aber die neuen Männer werden einst siegen über die alten, müssen siegen, weil sie die mächtige Waffe der Wahrheit für sich haben; und nicht gar zu lange mehr wird es dauern, bis die Gesammt­heit der Sozialdemokratie die Lehren von der Verelendung der Maffen und von dem „Großen Kladderadatsch" lächelnd zum alten Eisen wird geworfen haben.

Man nennt das die „Mauserung der Sozial­demokratie"; und tatsächlich ist die Mauserung nicht Hinwegzuleugnen. Aber man hüte sich doch ja davor zu wähnen, daß die in diesem Sinne gemauserte Sozialdemokratie weniger gefährlich sei als die alte Sozialdemokratie mit den blutigen Lehren vom gewaltsamen Umstürze und vom großen Kladderadatsch nach dem Muster der wüsten französischen Revolution am Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Das Umgekehrte ist das Richtige: die Sozialdemokratie, die offen blutigen und ge­waltsamen Umsturz predigt, ist weniger gefährlich als die neu aufkommende Schule mit den sanftere« Manieren. Unter dem Deckmantel der angeb­lichen Versöhnlichkeit lauert derselbe sozialdemo­kratische Wolf, der bisher offen nach dem Blute des „MastbüryerS" und nach dem Großen Klad­deradatsch schrie; er ist nur nach außen schwerer -u erkennen als jener, der offen mit seiner un­verhüllten WolfSmiene dahertrottete und „suchte, «en er verschlingen könne".

Die neue Schule ist gefährlicher, als die alte, «eil ste in ihrem wahren Charakter schwerer zu «kenne« ist. Und darum darf der Kampf der

Geister, darf namentlich der Kampf aller christ­lich gesinnten Männer und Arbeiter gegen die Sozialdemokratie niemals auch nur einen Augen­blick erlahmen. Der Kampf muß im Reiche des Geistes bleiben, darf nicht zu der Waffe der Gewaltsamkeit greifen. Aber dafür muß er desto eifriger und nachhaltiger geführt werden. Und sind und bleiben alle, die berufen sind, am rechten Platze, dann wird der Sieg nicht ausbleiben, der Sieg der Wahrheit über die Unwahrheit, der Sieg des Glaubens über den Unglauben. An diesem neuen ersten Maitage müssen wir alle von neuem das ernsthafte Gelübde ablegen, in diesem Kampfe niemals zu erlahmen, so lange er auch dauern und so schwer und unerquicklich er auch manchmal sich gestalten möge!

± Zur ehemaligen Befestigung Fuldas.

(Schluß.)

Auch alle altersgrauen Vertheidigungsthürme, welche Lange s. Z. noch vorfand, sind von ihm sorgfältig untersucht und abgebildet worden. Dar­unter auch der sogen. „Bierthurm", sowie ein im Herbst 1843 abgebrochener Bastionsthurm, der da, wo jetzt die Mühlenstraße beginnt, also dem Landgerichtsgebäude gegenüber, gestanden hat. (Einen ähnlichen sehen wir noch heute weiter unter in der Königstraße). Lange schreibt über den ab­gebrochenen Thurm: „Er war der an dem Thür- sturz auf der inneren Seite — über der an der Stadtmauer hinaufführendenTreppe — eingehauenen Jahreszahl zufolge a. 1427 erbaut worden. Dieser Thürsturz ist schon früher mit dem die Treppe bedeckenden Gewölbe abgebrochen worden und liegt jetzt im Hofe eines Hauses in der Kanalstraße.

Vielleicht dürfte sich dies.s alte Wahrzeichen auch jetzt noch ermitteln lassen. Und wir sollten ihm um so mehr Jntereffe zuerkennen, als es ja zugleich als Denkmal eines historischen Ereigniffes angesprochen werden kann. Wurde doch just im Jahre 1427 Fulda belagert vom Erzbischof Kon­rad von Mainz, welcher den Erzbischof Theodorich von Köln, den Grafen Diether von Isenburg, Johann von Wertheim, Adolf von Wilnau und andere Herren, be­sonders die von Buchenau zu Bundes- genoffen in dieser Fehde zählte. Die dem Abte Johannes ‘I. 'von Merlau (1395 bis 1440) getreuen Bürger, sagt der Bericht, ver- theidigten sich tapfer, indem sie auf baldigen Ent­satz rechneten, der auch nicht lange ausblieb. Der Landgraf Ludwig von Hessen, der mit dem Abte verbündet war, erschien mit seinen Truppen und besiegte am 10. August 1427 in einer heißen Schlacht auf dem Münsterfelde die Belagerer vollständig. Aus dieser Thatsache erhellt, warum in dem genannten Jahre eine Verstärkung der Stadtbefestigung für nothwendig erachtet wurde.

Zum Schluffe seien noch zwei mit besonders liebevoller Sorgfalt ausgeführte Abbildungen von dem alten Mauerthurm in der Kanalstraße, „am Thörle" genannt, erwähnt. Rach Schneider's „Buchonia" führte er früher den Namen „Jungfernthurm". Die eine Lange'sche Zeich­nung gibt diesen Thurm wieder, wie er noch jetzt erscheint; doch ist noch eine interessante Nachbar­schaft von reizend malerischer Wirkung mit auf- genommen, welche heute nicht mehr existirt: das historische von Schildeck'sche Haus, „Kemete" (Kemnate) genannt. Die zweite An­sicht ist eine Rekonstruktion, welche uns ein Stückchen Mittelalter vorzaubert, indem sie den Thurm in seiner ehemaligen Gestatt mit einem runden, spitz zulaufenden Helm, sowie die an­schließende Stadtmauer mit dem Wehrgang und dem „Thörle" darunter zeigt. Die Mauer, wUche sich zwischen dem Besitzthum des Herrn Sanitätsrath Dr. Schneider und dem des Herrn Wiegand nach dem „Aeußern Traben" hinzog, schloß die Stadt gegen den Klosterbezirk ab. Das Aus­laßpförtchen führte unmittelbar am Thurm vor­über, fo daß Lange an diesem genau die Maße der noch sichtbaren östlichen Hälfte feststellen konnte. Er bemerkt dazu:

„Es diente vornehmlich zum Durchgang aus der Stadt nach der Kirche des Hauptklosters, an welcher sich an der Südseite des Lang­hauses ein entsprechendes Portal befand, das den Einwohnern Fuldas als Eingang diente — ad meridiem qua jam ex oppido aditus eet in baeilicam — sagt Brower p. 23. Vergl. auch p. 127"

Links vom Thörle deutet die Abbildung den unter der Mauer hindurchlaufenden Kanal an.

„In den Seitenmauern des Kanals haben sich noch zu beiden Setten die Einschnitte er­halten, in welchen das Fallgatter vor dem Wasserlache lief." (Lange.)

Der Mauergang, zu dem östlich und westlich die beiden am Thurm noch heute vorhandenen Eingänge führten, weist die oben beschriebenen

Schießlöcher für Armbrustgewehre auf, wie sie auch an der Nordseite des Thurmes noch sicht­bar sind.

„Auf den Platten, womit der Mauergaug belegt war," schreibt Lange, „befanden sich in regelmäßiger Entfernung Zapfenlöcher, worin die Pfosten einer hallenartigen Uiberdachung des Umlaufs eingelassen waren. (Nach der Aussage des Herrn Professors Wehner, der in seiner Jugend im anstoßenden Schildeck'schen Hause wohnte.) Wegen des abhängigen Bodens liegt der Mauergang östlich vom Thurme mit der Thurmthürshwelle beinahe gleich, der westlich anstoßende aber etwa 1' 3" tiefer, wie auch schon die Zapfenlöcher im Thurm der die Platten tragenden Bindesteine anzeigen. Die Mauer bis an den Thurm" (jedenfalls ist nur die östliche gemeint) „wurde im Mai 1845 abgebrochen."

Jos. Grau.

Vermischtes,

(*) Kleine Nachrichten. Berlin. Bei der Lichtenstembrücke in der Nähe des Zoologischen Gartens sprang eine 6Sjährige Frau in den Landwehrkanal. Der vorüberreitende Kommandeur der Gardekavalleriedivision Graf v. Wartensleben sprang vom Pferde und in voller Uniform in den Fluß und brachte die Lebensmüde ans Land, die jedoch bald darauf in der Charits verstarb. — Die „Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft" hat auf der Weltausstellung zu Paris eine Dynamomaschine ausgestellt, die 80000 Glühlampen von je 16 Normal­kerzen Helligkeit gleichzeitig zu speisen, oder für Elektro­motoren mit einer Gesammtleistung von etwa 4000 Pferdekräften die erforderliche Elektrizität zu liefern vermag. Das Gesammtgewicht der Maschine beträgt nicht weniger als 160 0:0 Kilogramm. Für den Trans­port nach Paris fanden 11 Spezialwagen Verwendung — Einen Streikfonds in Höhe von 1 Million Mark wollen sich die Berliner Putzer durch Verdoppelung ihrer wöchentlichen Beiträge beschaffen. — Coburg. Die Herzogin Alexandrine von Sachsen-Coburg und Gotha befindet sich nach Meldungen aus Nizza wieder auf dem Wege der Besserung. — Dortmund. Ein Bergmann wurde im benachbarten Büdinghausen von seinem Schwiegervater mit einem Beil erschlagen. Der Mensch hat sein Opfer im Bette überfallen und ihm den lödtffchen Schlag beigebracht. — Kihingen. Knaben der hiesigen Mittelschulen hatten ein „Buren- lagcr" in einem entlegenen Steinbruche aufgeschlagen. Das verborgene Lager bildete eine große Hütte, die innen eine vollständige Hauseinrichtung nebst Wein und Mundvorrath aufwies; an der Etngangsthüre war eine Warnungstafel angebracht, die dem Betreter dieser Stätte Vernichtung durch Selbstschüffe und Minen an­kündigte. Als Bertheidigungsmittel hatten sich die Jun gen Revolver und Terzerole angeschafft. Die Polizei hob jetzt das Lager auf; 200 Patronen und Bleikugeln fanden sich als Munition und der Rädelsführer besaß 1000 M. — München. Die Sitzung der bayerischen Abgeordneten­kammer dauerte am Sonnabend nur bis 11'/» Uhr, weil zu der Zeit im Hofbräuhaus der erste Bockanstich in diesem Jahre stattfand und die Abgeordneten in ihrem parlamentarischen Gewissen sich verpflichtet fühlten, sich zu überzeugen, ob das HosbräuhauS, dessen Etat ja auch ihrer Bewilligung unterliegt, zufriedenstellende Leistungen aufwcist. — Brüssel. In einem benachbarten Dorfe starb im Alter von 102 Jahren der dortige Todtengräber, der 82 Jahre hindurch sein Amt bekleidet hatte; er wurde inmitten seiner Arbeit auf dem Friedhöfe vom Tode überrascht. — Athen. Die der verstorbenen österreichischen Kaiserin Elisabeth gehörige Villa Achilleion wurde für eine Million Franks an eine französische Aktiengesellschaft verkauft, die daselbst eine Spielbank nach der Art von Monte,Carlo errichten will. — B r e s l a u. Bei einer Vergnügungsfahrt auf der Ohle ertranken durch Kentern des Boots drei junge Leute. — Buda­pest. Im Dorfe Szolva im Borsoder Komitat kamen bei einem heftigen Brande 8 Menschen ums Leben. — Madrid. Durch einen heftigen Cyclon wurden in Cartagena (Provinz Huelva) 12 Häuser zerstört und etwa 60 beschädigt. Der Materialschaden ist bedeutend.— New-Aork. Ein von Ueberschwemmungen be­gleiteter Orkan richtete in Texas großen Schaden an. In Waco sind etwa 12 Personen ertrunken. Der Eisen­bahnverkehr ist vielfach unterbrochen.

+ Skaikartengeberanzeiger. „Wer gibt?" Diese Frage wird beim Skatspieler, sehr häufig auf­geworfen und jedem Spieler ist auch bekannt, wie un­angenehm es ist, wenn sich nach ausgegebenem Spiele herausstellt, daß der falsche Mann gegeben hat. Streit und Zwist beim Spiel sind nicht zum Geringsten hieraus zurüchuführen. Daß diesem Uebelstand aber auch schon abzuhelfen versucht worden ist, zeigt am besten der Umstand, daß über 20 Patente auf Kartengeberanzeiger genommen wurden; sie sind aber sämmtlich wieder ver­fallen, ohne je eine nennenswerthe Einführung erreicht zu haben. Entweder führten sie sich wegen der un­praktischen Größe oder Komplizirtheit überhaupt nicht ein, oder sie waren deshalb unzuverlässig, weil es eines besonderen Handgriffes bedurfte, sie in Thätigkeit zu setzen. Wurde aber das Stellen vergessen, dann war der Anlaß zum Streit wieder da. Nach einer uns zugegangrnen diesbezüglichen Mittheilung des Patent- und technischen Bureaus von Richard LüderS in Görlitz wird diesem Uebelstand durch einen neuen praktischen Apparat, der nie versagen kann, abgeholfen. Bei diesem durch den Notirenden unbewußt bethätigten Karten­geberanzeiger wird dadurch, daß der Schreibstift in seiner Mitte mit einer aufschiebbaren Kugel versehen ist, welche beim Hinlegen deS Stiftes mit diesem rollt, der Notirende darauf aufmerksam gemacht, den Stift in den Apparat rinzuführen. Durch daS Einführen des Stiftes wird aber der Zeiger verstellt, welcher den nächsten Sorten* jeher markirt; der ganze Apparat ist so kompendiSS ge- >aut, daß er mit den Karten, dem Schreibstift und der Notiztafel in einem Kästchen von der Größe emrr Brief­tasche Platz findet. Der Apparat ist gänzlich neu, was am besten dadurch bewiesen wird, daß daS Kaiserlich deutsche Patentamt für ihn ein Patent (Nr. 104277) ertheilt hat. Der Inhaber des Patentes ist bereit, seine Rechte zu verkaufen oder Licenzen abzugeden.

* die Ilotte! Ein neues Erzeugniß der tzanauer Industrie ist: „Deutsches Flottenklofet­

papier, desinfizirend, weich und fest. Frei von schäd­lichen Stoffen!" Dieses praktische Produkt patriotischer Geschäftsgeister ist mit einem prächtigen Umschlag ge­schmückt, auf dem in voller Farbenpracht eines von den neuen Kriegsschiffen, stolz an der Küste einer unserer herrlichen Kolonien liegend, zu sehen ist. — Wenn das nicht hilft ....

' 24,000 amerikanische Schnkknaven haben ihrer Sympathie für die Buren in eigenartiger Weise Ausdruck verliehen. Nachdem die Vertreter Jung-Amerikas in Newyork, in Boston und in Philadel­phia ihre Unterschriften unter die Sympathie-Adresse gesetzt hatten, übergaben sie dieselbe bei einer großen Versammlung in Philadelphia einem .Messenger Boy“, einem jener leichtfüßigen Botenknaben, die man dort in allen großen Hot ls, Geschäftsgebäuden und auch in vielen Privatgebäuden mittels einer elektrischen Vor­richtung herbeizitiren kann. Dieser Bote ist 16 Jahre alt und aus Brooklyn gebürtig. Er ist seinen Kame­raden und dem großen Publikum als „No. 1534" bekannt und heißt James F. Smith. Befragt, ob er nach Prer toria reifen und Präsident Krüger persönlich die Pergc, men trotte, welche die Sympathie-Botschaft enthält, über­geben wolle, meinte er einfach: „Ich gehe nach irgend einem Orte, wohin die Gesellschaft mich schickt." Und so hat et denn kürzlich unter dem Jubel von Hunderten von Schulknaben auf dem Dampfer „St. Louis" die Reise angetreten. Er wird England nicht berühren, sondern über Frankreich reifen. Der Knabe ist am 21. April in Paris eingetroffen und sollte am 23. oder 24. April nach Marseille Weiterreisen. Eine amerikanische Zeitung trägt alle Kosten der Botenreise. Nur Knaben von 16 Jahren oder darunter haben die Adresse unter­schreiben dürfen.

* Die Verbilligung der kleineren Postanweisungen hat eine ganz neue Industrie sich baldigst zu Nutze gemacht. Es kommen Reisende und verkaufen Formulare dieser Postanweisungen mit Aufdruck ihrer Firma und Angabe des Betrages von 1 Mark, das Stück zu 25 Pfg. Gegen Einsendung an die Firma soll darauf der Käufer einen gewünschten Gegenstand erhalten, Uhrkette,Cigarren- spitze, selbst eine Weckeruhr. Zugleich erhält er vier neue dieser Anweisungs-Formulare, um sie das Stück zu 25 Pf. an Freunde und Bekannte zu verkaufen, so­daß er seine Mark wieder erhält und den bestellten Gegenstand für 25 Pfg. hat. Der Käufer dieser Karten sott dann dasselbe Verfahren wiederholen, und so ins Unendliche. Schon ist z. B. Mayen mit diesen For­mularen überschwemmt, denn wenn nur 100 ursprüng­lich abgesetzt worden wären, so ergäbe der vierte Um­schlag schon 25,000, und dafür sind keine Käufer zu finden. Da werden auch wohl andere Städ:e erfreut werden müssen. Bei Zeiten zu warnen, ist der Zweck dieser Zeilen.

* Sehr richtig. Der Lehrer einer ländlichen Schule fragte kürzlich seine Schüler, wo die vom Deutschen Reiche neu erworbenen Karolinen- und Marianen-Jn- seln liegen. Von einem kleinen Knirps, der rasch den Finger erhoben hatte, erhielt er die lakonische Antwort: „Im Wasser."

Gartenvanarttette« iw Monate Mai.

Im Obstgarten sind von den Bäumen die schädlichen Jnsetten abzuschütteln, aufzusuchen und zu vernichten, dir Klebgürtel zu erneuern. Verpflanzte Bäume sind bei trockener Witterung zu begießen. Das Veredeln ist fortzusetzen; unter der Beredelungsstelle hervorsprossende Triebe sind zu entfernen. Die Erdbeer­beete sind mit strohigem Mist ober Lohe zu belegen, um den Boden nicht völlig austrocknen zu taffen und damit die Früchte bei Platzregen nicht beschmutzt werden. Bon den Himbeeren Johannis- und Stachelbeeren sind alle schwachen Wurzelausläufer und Wurzeltriebe, die nicht zur Vermehrung und Verjüngung dienen sollen, zu ent­fernen. Das Ausbrechen und Pinziren bei unseren Zwergobstbäumen beginnt.

Im Gemüsegarten beginnt jetzt die Hauptsaat­zeit für Gurken, Bohnen, Kürbisse und Spätkartoffeln, Salat-, Kohl-, Sellerie- und Porreenpflänzlinge sind auszusetzen, weitere Aussaaten von Erbsen, Radieschen, Sommerrettigen, Petersilie und Suppenkräutern zu machen. Bis Mitte Mai begieße man die Beete Abends, von da ab Morgens und Abends. Erbsen sind zu behacken und die Beete mit Reisig zu bestecken, zu dicht ausge­hende Saaten sind zu verdünnen und Unkraut auszu- jäten. Im übrigen halte man den Boden der Gemüse­beete locker und begieße die angewachsenen Pflänzchen, vornehmlich Blumenkohl und Sellerie bei Regen mit flüssigem Dünger; die Spargelernte beginnt.

Literarisches.

Journal Fraii<;ais pour 1’AlIemagne, A. Dreffel's Verlag, Berlin SW. 48. Preis per Quartal 2 Mark.

Diese neue Zeitschrift, deren erste Nummer uns vor­liegt, hat den Zweck, denjenigen zu dienen, welche sich in der französischen Sprache vervollkomm­nen wollen. Die Kenntniß der Formenlehre und Grammatik wird bei den Lesern vorausgesetzt. Der vorzugsweise literarische Inhalt ist so ausgewählt, daß er sich für deutsche Familien eignet. In besonderen Anmerkungen werden die schwierigeren französischen Redensarten und seltene Vokabeln erklärt. Beiträge von Schriftstellern wie Fran<?oii Goppee, Alph. Daudet, Vallery-Radot, Claretie u. A. geben Gelegenheit, die modernen französischen Schriftsteller kennen zu lernen. Soweit sich nach dieser einen Nummer ein Urtheil fällen läßt, dürfte diese neue Zeitschrift dem ange­gebenen Zwecke besser angepaßt sein, als ähnliche ältere Unternehmungen, so daß man ein Abonnement empfehlen kann.

2>l< Deutsch« Ikotte. Unter diesem Tttel ver­legt die Kunstanstalt Dr. Trenkler u. Eo. in Leip­zig eine stattliche Reihe von Postkarten mit Ansichten von unserer Marine. Nach auSgewählten Origtnakauf- nahmen, den besten existirenden, werden SchiffSanstchten und Lebensbilder in vorzüglicher phototypischer Wieder­gabe reproduzirt unter gleichzeitiger Verwendung von geschmackvollen Farbenstimmungen und künstlerischer Dekoration, dem Postkartenzwecke entsprechend. Die Druckausführung der kleinen Kunstblätter ist sorgfältig und gelungen, die Gortirung neu und eigenartig. Außer den vorliegenden 4 Serien sind wettere in Vorbereitung