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27. Jahrgang.
Iuköa, Dienstag, den 1. Mai 1900.
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Aamrn die PeM Stile 26 Ps.; N Wiederholungen toirdentsprrchn-L Rabatt gctnä6$£
Der KobeLmann.
Ein Bild aus dem Volksleben von August Butscher.
------ (Nachdruck verboten.)
1 Werben und Erben.
Wir finden den Helsen unserer kleinen Erzählung in einem reichen Sch wabendorfe.
Ec trat — es war Hochsommer — gegen Abend am Ende des Dorfes in ein wohnliches Haus, über deffen Thüre sich ein Gewinde von Schlingrosen spannte und dessen Spiegelscheiben wie Gold blitzten, das die dunkelgrünen Laden ungemein sreundlich und zugleich ein wenig vor- uehm erscheinen ließen. Dort wohnte sein alter Pathe Dornftied mit seiner Frau und der einzigen Achter Ilse, die eigentlich Elisabeth hieß, wie lhre Mutter.
„Guten Abend, Dornftied," sagte der Ein- rretende sreundlich und vertraulich zu dem allen, ?^witterten Männlein, das in einem Lehnstuhle iwstelte trotz der Hitze draußen, und so „lottrig" ^>uh, daß der junge Mann, der die graue Schürze und den Zollstab trug, recht gut als ein eroa8 verfrühter „Maßnrhmer" zum letzten kleinen psuse gelten konnte. Aber der Alte dachte h; "vH nicht an die „vier Bretter und 'b zwei Brettchen," er wollte noch lange husten and ftösteln in dem sonnigen Daheim," das er ^7, .°urch harte Arbeft errungen hatte und in nJ fem ^eben ausglimmte wie ein halb verzehrter Docht.
er m'TU"tln ^E>end gleichfalls, Hobelmann," sagte wn ächzender Stimme und setzte sich ein wenig
Augen gekommen. Du wirst das in fremden Ländern gelernt haben.
Nun — dumm bist du nicht, das sieht ein Blinder. Also die Ilse willst Du kurzweg? Hab' schon lange das Gespenzel gemerkt. Bin deinem Vater immer ein guter Freund gewesen und kann auch dich sonderlich leiden aber — aber — da sind so viele aber. Da sieh," er zählte an den knochigen, zitternden Fingern: „Erstlich bist du arm wie eine Kirchenmaus, trotz deiner Gescheidtheit — zum andern bekommt die Ilse, wenn's Gott will, einmal einen erklecklichen Hausen Geld, was also nicht zusammenpaßt — zum dritten thäte mein Weib wie der Leibhaftige — zum vierten würde man den alten Narren noch auslachen, wenn er den Streich machte, den du verlangst, und zum fünften kann ich noch lange leben und möchte mich wohl noch besinnen. Du thust mir leid, Hobelmann, aber es wird nicht gehen wollen !“
Ec hustete lange und starrte vor sich hin.
Hobelmann — er hieß wirklich so und war auch einer — war noch bleicher geworden als sonst, aber seine Augen blitzten und seine Erwiderung klang zuversichtlich, als er, auch an den Fingern zählend, rasch antwortete:
„Ich habe auch Gründe, die freilich anders lauten, als die Eurigen, und Ihr werdet sie noch einmal hören müsien, denn gelesen habt Ihr sie schon. Erstens ist mir Ilse aus Herzensgrund gut, so gut wie ich ihr bin; zweitens muß ich eine Hausfrau haben, denn meine Mutter ist schon alt und herbstet stark; drittens würde mir Ilsens Mitgift die Welt noch aufthun für mein anerkanntes Talent; viertens werdet Ihr doch noch ein wenig Meister sein im eigenen Hause und
Deutsches Deich.
Berlin, den 30. April.
Il-ichskauzker Iürft K-h-nkoh- ist Sonntag Nachmittag von Paris wieder abgereist und heute in Berlin angekommen. Zum Abschiede hatten sich auf dem Nordbahnhofe in Paris eine größere Anzahl von Herren der deutschen Botschaft und der deutschen Kommission der Weltausstellung eingefunden, außerdem namentlich auch der französische Botschafter in Berlin, Marquis de Noailles, der gegenwärtig in Paris sich aufhält.
O Die Ilolleuverstärkuttg nach dem von der Budget-Kommission des Reichstages angenommenen Kompromiß - Anträge des Centrums soll nach einer Meldung vom preußischen Staatsministerium in seiner letzten Sitzung am Samstag gutgeheißen worden sein. Die preußischen Vertreter im Bundesrathe sollen nach dieser Meldung angewiesen worden sein, im BundeSrathe für den Antrag des Centrums zu stimmen. Die Meldung sei verzeichnet in der Form, in der sie auftaucht. Ob sie richtig ist, wird man ja sehr bald sehen; unwahrscheinlich klingt sie nicht Aber sie könnte vielleicht den kommenden Ereigniffen ein wenig vorauseilen.
+ Die Besteuerung der Waarenhäuser wird nach wie vor vom Minister von Miquel mit einer „Kühle bis ans Herz hinan" behandelt, die offen zeigt, daß der im preußischen Landtage eingebrachte entsprechende Gesetzentwurf von der preußischen Regierung mehr der Noth gehorchend, als nach eignem Triebe ausgearbeitet worden ist. Herr von Miquel hat am letzten Sonntag eine Abordnung der Berliner Waarenhaus-Angestellten empfangen und gleich im Eingänge seiner Erwiderung auf die Ausführungen des Sprechers der Abordnung den Satz hervorgehoben: er sei „durchaus davon überzeugt, daß die Waarenhaus- steuer eine wesentliche Besserung in der Lage des Kleinhandels nicht herbeiführen werde". Nachher ist der Herr Minister sogar so weit gegangen, die Vorlage der Regierung geradezu zu entschuldigen. Herr von Miquel hat nämlich gesagt, dem Grundsätze der Besteuerung nach dem Umsätze ständen auch bei der Regierung Bedenken entgegen; diese Form sei nur deswegen gewählt worden, weil der auf anderer Grundlage beruhende frühere Gesetzentwurf keine Aussicht auf Annahme gehabt habe . . . Unter solchen Umständen geräth man stets von neuem auf den Verdacht, daß die preußische Regierung förmlich sucht nach Vorwänden, um auch diesmal wieder das ganze Gefttz scheitern zu laffen; und deswegen wird diesmal mehr als je der Grundsatz gelten müffen für den Landtag, den Sperling in der Hand der Taube auf dem Dache vorzuziehen — auch dann, wenn es nur ein recht kleiner Sperling sein sollte. Herr von Miquel würde sich vermuthlich freuen, wenn er Handhaben bekommen würde, um auch diesen Gesetzentwurf „zu den Uebrigen zu legen" und in der Versenkung verschwinden zu lassen.
* AnlerpeKalio« im Herrenhause betr. die Ritualmorde. Wegen der in Folge des Konitzer Mordes in verschiedenen westpreußischen Ortschaften hervsrgerufenen Ruhestörungen wird, wie die in Neustettin erscheinende ,Norddeutsche Presse' berichtet, Herr von Hertzberg-Lottin Veranlassung nehmen, im Herrenhause eine Interpellation an die Regierung zu richten, betreffend die sogenannten Ritualmorde.
△ Dum 1. Mai. Am heutigen Tage begeht die Sozialdemokratie ihren Weltfeiertag; dieser soll dazu dienen, der bürgerlichen Gesellschaft die Macht des in der Sozialdemokratie organisirten Proletariats zu zeigen. „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will": dieser Satz soll am 1. Mai durch allgemeine Arbeitsruhe zur Geltung kommen. Die leitenden Kreise der Sozialdemokratie verhehlen sich nun nicht die Schwierigkeit einer allgemeinen Arbeitseinstellung an diesem Tage, rote dieselben sich ja auch stets gegen einen Generalstreik erklärt haben; sie benutzen vielmehr diesen Tag zu einer Demonstration für die Arbeiterschutzforderungen, speziell den achtstündigen Arbeitstag, für eine internationale Verbrüderung und den Weltfrieden. In den letzten Jahren ist auch die Begeisterung für die Maifeier in den Reihen der Sozialdemokratie immer mehr geschwunden, zumal da die Arbeitgeber gegen jede Einstellung der Arbeit an diesem Tage sich wendeten und dieselbe unmöglich machten; man begnügte sich damit, am Abende der Bedeutung des Tages in einer Versammlung zu gedenken, oder die Feier auf einen Sonntag zu verlegen. Diese Wandlung hängt damit zusammen, daß der Glaube an eine Umwandlung der Gesellschaftsordnung im Sinne der Forderungen der Sozialdemokratie nachgelassen hat; an seine Stelle ist die mehr sozialreformatorische Richtung eines Bernstein, David rc. getreten, die Opportunitätspolitiktreiben, d. h. nach dem politisch zunächst Erreich baren streben, praktische Gewerkschaftsarbeit verfolgen und auf diesem Wege dem sozialistischen Ideal zusteuern will. Namentlich die letztere Richtung besitzt innerhalb der Sozialdemokratie starken Einfluß und ihr gehört aller Voraussicht nach die Zukunft. Da ist die Gefahr um so größer, daß die Sozialdemokratie die Arbeiter gerade durch ihre neueste Richtung sich mehr geneigt macht. Das Hinarbeiten auf eine praktische Sozialreform und die Erfolge der erstarkenden sozialdemokratischen Bewegung werden die Arbeiter der Sozialdemokratie zuführen, wenn nicht die liberalen und konservativen Parteien, ebenso wie das Centrum für eine kräftige Fortführung der Sozialreform und besonders für die Förderung der Arbeiter-Organisation eintreten, und es so den noch nicht sozialdemokratischen Arbeitern ermöglichen, ihre Standes- intereffen zu vertreten. Nicht die werbende Kraft der sozialdemokratischen Zukunstsziele allein ist es gewesen, welche breite Arbeitermaffen der Sozialdemokratie zugeführt hat, sondern der Glaube, daß bei anderen Parteien ihre Interessen nicht ihre volle Vertretung fänden. Hieraus ergibt sich von Neuem die Wahrheit des von katholischer Seite immer betonten Grundsatzes, daß die beste Bekämpfung der Sozialdemokratie die Förderung der Sozialreform ist. Deshalb ist auch die beste mehr aufrecht. Dabei blinzelte er wie neidisch den großen, kräftigen und doch schlanken Mann an, der gleichsam das Leben vorstellte dem Kandidaten des Todes gegenüber.
Hobelmann hakte eine etwas lässige Haltung, die vom vielen „Grübeln" herkam wie die Leute behaupteten, eine große, klare Stirn, über die schon schmole Furchen krochen, einen kleinen Mund, welcher die Schwermuth, die man ihm nachsagte, am deutlichsten derrietb, und einen schwarzen Spitzbart, welchen die schmale weiße Hand fast immer wie in Selbstvergessen heit des Besitzers drehte. Man würde ihm nie und nirgends den Handwerker angesehen haben, wenn er nicht den Arbeitskittel getragen hätte und wenn nicht fast immer dünne Hobelspäne, gleich kleinen weißen Flöckchen in seiner schwarzen, etwas verworrenen Kopfmähne gehangen hätten.
Der Ankömmling setzte sich auf das Ledersofa, das neben dem Lehnsessel des alten Dornsried stand, und in seinen verständigen dunklen Augen spiegelte sich die hohe Spannung seiner Seele. Er kam wohl nicht aus einem alltäglichen Grunde.
Der Alte räusperte sich einigemale verlegen und begann dann in abgebrochenen Sätzen Folgendes zu reden:
„Du hast mir da am Sonntag einen sonder- baren Brief geschrieben. Ich hab' ihn verbrannt, denn meine Alte hätte ihn doch zerrissen und dich vielleicht auch dazu. Das ist eine sonderbare Mode, über solche Sachen einen so langen und hochstudirten Brief zu schreiben; sonst redet man so etwas mit einander. Das muß man dir lassen: schreiben kannst du rote ein Advokat, und es ist mir ein paarmal naß in die
Wählerklasse nicht mehr Wähler haben darf, als eine niedere.
Der kons. Abg. Frhr. v. Hskettenverg-Weßrum bittet, es im wesentlichen bei den Anträge» der Kommission zu beiaffen, jedoch so, daß § 4 einen Zusatz erhält, wonach auch außerhalb der dort bestimmten Zeitpunkte (das erste, elfte und einundzwanzigste Jahr nach dem Inkrafttreten des Gesetzes bezw. nach Erreichung der Einwohnerzahl von 10000) ausnahmsweise die Ortsstatute auf Vorschlag der zuständigen Behörde sollen abgeändert werden können. Bei Ablehnung dieses Antrages soll nach dem Anträge des Redners in § 2 bestimmt werden, daß bei Berechnung des durchschnittlichen Steuerbetrages die Wähler, die zur Staatseinkommensteuer nicht veranlagt sind, nicht in Betracht kommen sollen.
Abg. Irhr. von Zedlitz beantragt als Redner der freikonseroativen Partei, an die Stelle der §§ 2 bis 4 einen einzigen neuen Paragraphen zu setzen, der die Zwölftelung in allen Gemeinden mit mehr als 10,000 Einwohnern grundsätzlich vorschreiben soll, jedoch mit der Bedingung, daß Personen, die zu bestimmten Steuersätzen veranlagt sind (Berlin 192, in Gemeinden mit mehr als 100,000 Einwohnern 146, 50,000 bis 100,000 Einwohnern 104, 10,000 bis 50,000 Einwohnern 70 Mk.), stets der ersten oder zweiten Abtheilung zugewiesen werden müssen. Das von der Kommission angenommene Durchschnittsprinzip wollen die Freikonseroativen nicht annehmen.
Minister Jetzt. von Aheluvaven: Ich bedauere, daß die Vorschläge der Regierung nicht von der Kommission angenommen worden sind. Ich bedauere noch mehr, daß für die Aenderung der OrtSstatute die Zweidrittelmehrheit maßgebend sein soll. Aber noch mehr als diese beiden Dinge würde ich bedauern, wenn nach dem Anträge der Nationalliberalen an die Stelle des Durchschnittsprinzips die Zwölftelung gesetzt werden sollte. Damit würde dem Mittelstände das Maß von Einfluß wieder verkümmert werden, das ihm durch die Vorlage eingeräumt worden war, um die durch die Steuerreform veranlaßte Verschiebung wieder auszugleichen. Die Wiederherstellung des Zustandes vor 1893 ist erschwert durch den Vorschlag der Kommission, wonach die Zweidrittelmehrheit zur Einführung des Durchschnittsprinzips durch Ortsstatut nöthig sein soll. Nach einer während der Osterpause von mir veranstalteten Umfrage würde in den weitaus meisten Gemeinden eine solche Zweidrittelmehrheit nicht zu erzielen sein. Dann würde das Durchschnittsprinzip in vielen Gemeinden unwirksam bleiben, denn der Durchschnitt würde von einem Jahre zum andern schwanken. Ich empfehle darum den vom Abg. Frhrn von Zedlitz neben feinem Hauptantrage gemachten Vorschlag zur Annahme, Aen- derungen des Ortsstatutes außerhalb der zehniährigen Perioden auszuschließen. Ohne diesen Zusatz würde die Regierung nicht in der Lage fein, für das Gesetz in bet Fassung der Kommissionsanträge zu stimmen. Mit diesem Zusatz will die Regierung diese letzteren aber annehmen.
Abg.Dr. v.Aeqdevrand (kons.): Meine politischen Freunde sind bei ihrem Verhalten in dieser Sache vor allem von dem Gedanken geleitet, den Mittelstand zu stärken; und darin werden wir uns durch keinen Angriff von nattonallideraler Seite beirren lassen. Der wiederum vorgeschlagenen Zwölftelung werden wir nicht »ustimmen. Aber den auch vom Minister empfohlenen Vorschlag des Freiherrn v. Zedlitz wollen wir annehmen in der verbesserten Form, wie er vom Freiherrn v. Plettenberg-Mehrum vorgebracht worden ist.
Abg. Dr. Wachem <Centrum): Meine Partei hat sich ebenso wie die Konservativen von dem sozialen Gedanken leiten lassen, dem Mittelstände den Einfluß wiederzugeben, den er durch die Steuerreform verloren hat. In diesem Sinne hat auch die Mehrheit der Kommission gearbeitet, und die Vorschläge bet Kommission flnb für meine politischen Freunbe durchaus annehmbar. Der von den Nationalliberalen wiederum vorgeschlagenen Rro6lftelung können wir dagegen nicht zustimmen. Die Antragsteller selbst sehen wohl auch ein, daß dieselbe keine Abhilfe bringen würde, denn sie schlagen ,a nebenher auch andere Abänderungen vor. Aberden Vorschlägen der Abgg. Freiherrn v. Zedlitz undFreihertn v. Plettenberg-Mehrum kann das Centrum ebenfalls zustimmen.
fünftens habt Ihr noch ein Herz für die Mitmenschen und fürs eigene Kind, und daS alles wird doch stark genug fein, Eure Scheingründe auf einmal tobt zu schlagen!"
Ec erhob sich und e« war fast, als ob er hier etwas zu befehlen hätte.
DaS alte Männlein maSkirte feine Verlegenheit durch Hustenanfall, der diesmal nicht natür- lich war, und schien die Knöpfe seiner Sammet- weste zu zählen. Nach (engerem Besinnen sagte er etwas kleinlaut:
„Du hast gut reden, Hobelmann, Du bist jung, qescheidt, heißblütig und verliebt — alles mit einander; aber so etwas Wichtiges läßt sich nicht übers Knie brechen Man thut eben in der Welt sonst das Gleiche zusammen und nicht das Ungleiche und "
To — also darauf läuft es immer wieder hinaus?" unterbrach ihn mit zornigem Schmerz der Werber. „Es geht alles nach Schablone meint Ihr, nach Maß und Winkel, wie wir Hobelmänner sagen. Mein Vater — Gott hab ihn selig! — hat auch so gerechnet. Er hat m meinen jungen Tagen zu mir gesagt: „Ich bin ein Schreiner, also mußt Du auch einer sein und bleiben!" So meint der Alltagsmensch, aber grundfalsch ist diese Meinung."
Dornsried hatte ihm wie verständnißlos zugehört und nestelte an seiner Weste. Dann erwiderte er fast ängstlich:
„Du redest einen geradezu nieder und ich kann Deine Worte nicht recht fassen, Du hast vielleicht recht, aber ich versteh' es nimmer und die Liebe hab' ich nie verstanden. Ich will Dir "nur eins noch sagen, denn daS Reden geht mir heute ganz besonders hart." (□• 1)
Antwort auf die sozialdemokratische Demonstration der Hinweis darauf, daß das Centrum wie bisher, so auch in Zukunft kein Mittel unversucht laffen wird, nach Möglichkeit die berechtigten Forderungen der Arbeiter bei der Gesetzgebung zur Geltung zu bringen. Aber auch die christliche Arbeiterschaft kann mit gleichem Rechte gegenüber der sozialdemokratischen Maifeier darauf Hinweisen, daß die christlichen Gewerkoereine und konfessionellen Arbeitervereine mit allen Mitteln der organisirten,Selbsthilfe aus die Besserung der Laqe der Arbeiter hinroirken.
V SSertin, 30. April. Der Kaiser trifft morgen Vormittag gegen 9 Uhr in Begleitung seines ganzen Jagbgefolges in Cronberg zum Besuche seiner Mutter, bet Kaiserin Friedrich, ein. Gegen Abend verabschiedet sich bet Monarch wieber von seiner Mutter und kehrt nach Berlin zurück. — Der Kaiser wirb am Mittwoch früh in Potsdam eintreffen und dort von 9 Uhr ab auf dem Bornstedter Felde die drei Bataillone des 1. Garberegiments zu Fuß besichtigen. Für ben 3. Mai ist die Vorstellung der ersten Bataillone des 3. Garde-Grenabier- regiments, des Kaiser Alexander-Garde-Grenadieregi- ments Nr. 1 und des Königin Augusta-Garde-Orenadier- regiments Nr. 4 auf bem Tempelhofer Felde vor dem Kaiser befohlen. - Der ,Post' zufolge wirb bet Kaiser auch in biesem Jahre einen Ausflug nach Essen unternehmen, um bem Geh. Rath Krupp auf Villa Hügel einen etwa zweitägigen Besuch abzustatten. Der Zeitpunkt bieser Reise ist noch nicht festgesetzt, doch soll sie kurz vor Antritt ber Nordlandreise des Monarchen erfolgen. - Der deutsche Reichskanzler verließ gestern Abend mit dem Nord-Expreßzuge Paris, um nach Berlin zurückzukehren. Denselben Zug benutzte der Gesandte in Berlin, um die Geschäfte der Gesandtschaft zu übernehmen. - Die ,Nordd. Allg. Zeitung' theilt heute Abend das Programm der Feierlichkeiten anläßlich der Anwesenheit des Kaisers von Oesterreich und der Großjährigkeitserklärung des deutschen Sronprituen mit, die zum größten Theile schon bekannt sind. — Wie verlautet, wird Kaiser Franz Joseph dem deur- schen Kronprinzen bei dessen Großjährigkeitserllärung eine Alpenhütte des österreichischen Kaiserhauses und einen Offiziers säbel mit Portepee zum Geschenk machen. - Prinz Albrecht von Preußen hat seinen Aufenthalt in Korfu beendet und auf dem Wege über Venedig die Rückreise nach Berlin angetreten, wo er zum Empfange des Kaisers von Oesterreich eintreffen wird. — Der frühere deutsche Botschafter am italienischen Hofe, Freiherr von Saurm-Jeltsch ist auf Schloß Brauchitzschdorf bei Lüben im Alter von 64 Jahren gestorben. — Die Sozialdemokraten Haven für den morgigen 1. Mai über 76 Versammlungen einberufen. Davon sind 33 von den sozialistischen Wahlkreisen arrangtrt, die übrigen von ben Gewerkschaften.
Aus dem Kandtage.
& ASgeotbueteutzau«. — 63. Sitzung vom 30. April.
Auf der Tagesordnung steht die zweite Berathnng des Gesetzentwurfes über die Bildung der WLHler- abtheilungen bei den Gemeindewahlen.
Der erste Paragraph hat in der Kommission einen Zusatz erhalten, in dem ausgesprochen wird, daß Per- sonen, die zu keiner Staatensteuer veranlagt sind, stets in der dritten Abtheilung zu wählen haben.
Die Nationallibetalen wollen, wie der Abg. van bet Aotgtzt erklärt, dem Gesetze in der vorliegenden Fassung nicht zustimmen. Leider kann man von den Ausführungen des Redners in Folge der Unruhe, die im Saale herrscht, und der schlechten Akustik auf der Zeitnngsttibüne sehr wenig verstehen. Redner scheint aber hauptsächlich gegen das Durchschnittsprinzip zu sprechen und dieses in der Praxis für undurchführbar zu halten, namentlich in größeren Gemeinden. Die Nationalliberalen wollen zu 8 2 einen Abänderungsantrag einbringen, durch den die Zwölftelung wieder eingeführt werden soll, fo daß auf die erste Klaffe fünf, auf die zweite vier und auf die dritte drei Zwölftel der gejammten Steuersumme entfallen sollen, mit der Maßgabe, daß eine höhere
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