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(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 28. April.
Dreibundfeindliche Stimmen sind in Italien laut geworden wegen des Besuches, den Kaiser Franz Joseph von Oesterreich vom 4. bis zum 6. Mai in Berlin zu machen gedenkt: man stellte die eifersüchtige Behauptung auf, daß die Zusammenkunft zweier Dreibundmonarchen ohne den dritten ein offenes Zeugniß sei für das untergeordnete Verhältniß Italiens im Dreibunde; gleichzeitig wurden in einigen italienischen Zeitungen, die der Regierung nahe stehen, oder doch bisher nahe gestanden haben, auf die zukünftige deutsche Handelspolitik hingewiesen, und von ihr behauptet, daß sie dein Lande Italien fchweren Schaden bringen werde. Von Paris aus wird diese Mißstimmung natürlich wacker geschürt; und die maßgebenden italienischen Regierungsleute haben einige Zeit verstreichen lassen, ehe sie gegen jene Zeitungsstimmen ihres Landes Widerspruch erhoben. Dieser Widerspruch ist aber nicht in italienischen Organen zum Ausdrucke gekommen, sondern in der allerweltsoffiziösen .Wiener Politischen Korresp.'. Dort wurde nachträglich versichert, der Mehrheit der Italiener liege der Gedanke fern, diese Monarchenbegegnung mit vorsichtig prüfendem Blicke zu betrachten; die Kaiserzusammenkunft werde gewiß eine neue Kundgebung für den Dreibund sein . . . Das klingt ganz hübsch. Man darf aber nicht vergessen, daß diese nachträgliche Versickerung Diplomatenmache ist und jene Stimmen der Presse frei aus dem Empfinden italienischer Volkskreise hervor gegangen loaren. Es fragt sich sehr, welche Kundgebung mehr Wahrheit in sich birgt: jene in den italienischen Zeitungen, oder diese spätere in dem offiziösen Organ.
Eine Ueberraschung für alle Welt war die Begegnung des deutschen Kaisers in Altona mit dem Prinzen von Wales, der von Kopenhagen nach London zurückceiste; sicherlich war sie auch für den englischen Thronfolger selbst ein vollkommen unerwartetes Ereigniß. Der Kaiser fuhr in Berlin nicht einmal vom Hamburger Bahnhofe ab, sondern vom Potsdamer Bahnhofe und dann erst von der Verbindungsbahn um halb Berlin herum nach der Hamburger Bahn, um bas Geheimniß der Reise bis zum letzten Augenblicke zu wahren. Der Kaiser hatte wohl nichts anderes im Auge als eine besondere Liebenswürdigkeit gegen den Prinzen von Wales persönlich, um diesen für die glückliche Errettung aus Mördcrhand zu beglückwünschen; aber englische Blätter haben daraus sofort nach ihrer Art Kapital geschlagen und die Behauptung ausgestellt, gerade jetzt, unmittelbar nach der Ankunft der außerordentlichen Burengesandtschaft in Europa, müsse man die Aufmerksamkeit des Kaisers gegen den britischen Thronfolger als eine Kundgebung zu Gunsten einer englandfreundlichen internationalen Politik auffassen. Die Begegnung in Altona wollen englische Zeitungen als eine günstige Vorbedeutung auffassen für eine spätere freundschaftliche Verständigung beider Völker. Aber in einem Punkte irren sich die Herren Zeitungsschreiber in London: niemals wird das deutsche Volk sich sein klares Urtheil darüber trüben lassen, daß der englische Krieg gegen die südafrikanischen Buren eine rohe Ungerechtigkeit und eine Schmach für unsere Zeit ist.
Obwohl es sich nun so verhält, hat die Buren- gesandtschäft kaum Hoffnung auf Verwirklichung ihrer vermuthlichen Wünsche: nämlich die freundschaftliche Vermittelung irgend einer Großmacht zum Friedensschlüsse mit England und zur Erhaltung der Unabhängigkeit der Burenrepubliken zu erlangen. Tie Regierung der Niederlande hat bereits vor längerer Zeit eine solche Vermittelung versucht, ist aber ab- gewiesen worden. Eine Großmacht kann sich dieser Möglichkeit nicht aussetzen. Die Burengesandtenwerden wohl überall höflich empfangen, aber leider wahrscheinlich mit derselben bedeutungslosen Höflichkeit wieder aus Europa herauskomplimentirt werden.
Der Reichstag und das preußische Abgeordnetenhaus haben am 24. April ihre Arbeiten ^ach der Osterpause wieder ausgenommen. Die Landtage anderer Bundesstaaten, so die bayerische A b- Zoordnetenkammer, haben kürzere Osterferien Amacht. In dem zuletzt genannten Parlamente ist oie Rede von der lex Heintze gewesen: vom Mi- wstertische ist die Erklärung gefallen, daß die bayerische Regierung über den Schaufensterparagraphen (ParaGraph 184 a) dieselbe Ansicht habe, wie sie der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld im Reichstage äußerte, also für den Paragraphen eintrete. Aber «ein Theaterpacagraphen will die bayerische Regierung wcht zustimmen, und im Ganzen genommen haben °>ese Ministererklärungen den Männern vom sogenann- wn Goethebund zur hohen Freude gereicht. Diese ^tzteren schließen daraus, daß die bayerische Regie- tUl?9 im Bundesrathe gegen die lex Heintze in ihrer Nfgcn Gestalt stimmen werde, wenn nämlich der Rouhstag es wirklich dahin bringen sollte, das Gesetz zu verabschieden. Die Sozialdemokraten drohen '3)0,1 wieder mit Obstruktion; und wenn im Reichs- wge nicht alle Abgeordneten Mann für Mann er» iReinen, jst nicht daran zu denken, daß diese Obstruk- mundtodt gemacht werden könnte.
^..Die Flottenvorlage ist von der Budgetkom- llfion des Reichstages am 25. April in Angriff ge onnnen worden; ihre Berathung in der Kommission ttö ohne Zweifel rasch gefördert werden. Das "^ischheschaugesetz ist noch immer der Gegen
stand lebhafter Auseinandersetzungen innerhalb der konservativen Partei und zwischen dem Vorstande dieser letzteren und der Leitung des Bundes der Land- wirthe. Eine Klärung darüber, ob die versöhnliche Tonart oder die schärfere mit ihrem Festhalten an dem Verbote der Einfuhr von Pökelfleisch und dem gänzlichen Verbote der Fleischeinfuhr von 1903 ab schließlich die Oberhand behalten wird, ist erst im Laufe der nächsten Tage zu erwarten. Die Kanalvor- lage wird aller Voraussicht nach dem preußischen Landtage nicht mehr in dieser Tagung zugehen, so daß der Landtag sicherlich noch vor Pfingsten mit seinen Arbeiten fertig werden kann.
Besondere Vorsichtsmaßregeln mußten für die Gegend der ostpreußischen Stadt Könitz getroffen werden. Dort ist, wie bekannt, in grauenhafter Weise ein Gymnasiast ermordet worden, und in der Bevölkerung ist die Annahme verbreitet, daß Juden den Mord ausgeführt hatten. Die Haltung der Bevölkerung ist infolgedessen sehr drohend gegen die Juden geworden, und es sind mehrfache Ausschreitungen gegen dieselben vorgekommen. Von Berlin aus ist nun der Ministerialdirektor Maubach aus dem Ministerium des Innern nach Könitz entsandt worden, um die geeigneten Vorsichtsmaßregeln zu treffen.
Ein Streit ist ausgebrochen zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten vonAmerika. Die Türkei hat es bereits Jahre lang anstehen lassen, die versprochene Entschädigung zu zahlen für die Zerstörung der amerikanischen Missionen in Kleinasien während der armenischen Wirren. Jetzt ist den Amerikanern der Geduldfaden gerissen und sie drängen ernstlich auf Bezahlung. Aber Geld ist bei der Hohen Pforte ein sehr seltener Artikel, so daß die Regelung dieser Sache wohl noch immer einige Zeit in Anspruch nehmen wird.
Auch die Amerikaner haben ihre Flotten- vorlage. Diese ist nunmehr in ihren Hauptzügen gesichert. Nach der Vollendung der geforderten Neubauten wird die Kriegsflotte der Vereinigten Staaten 18 Linienschiffe und 8 Panzerkreuzer besitzen. Auch die Amerikaner benützen nur Panzerplatten der Firma Krupp in Essen und beziehen von dieser allein für 17 Millionen Dollars oder rund 70 Millionen Mark Panzerplatten. Ja, das ist ein Geschäft, das bringt noch was ein!
Römische Briese.
XXVI.
CZj Rom, 24. April 1900.
In der vergangenen Woche hat der hl. Vater seine durch die Charwoche unterbrochenen Pilgerempfänge im großen Maßstabe wieder ausgenommen. Außer den vielen Einzelaudienzen, in denen auch einzelne Angehörige Deutschlands, Oesterreichs und namentlich Frankreichs von Leo XIII. empfangen wurden, ertheilte Letzterer am Freitag bin vielen hier anwesenden italienischen Pilgern, zu welchen sich auch viele Fremde gesellt hatten, in der Peterskirche den Apostolischen Segen. Man schätzte die Zahl der in der Basilika Versammelten ans mindestens 15,000. Das Konsistorium vom 19. ds. M. begann diesmal mit einem Geheimen, dem ein Oeffentliches folgte.
Vor einem je"en Konsistorium liebt es der Römer — wie dies ja auch ganz natürlich ist — sich selbst seine Kandidaten für dm Kardinalspurpur zu formen und zusammenzustellen, worauf dann in der Regel einige Enttäuschung folgt. Diesmal war diese nun besonders groß, denn der Papst creirte nicht nur keinen einzigen neuen Kardinal, sondern publizirte auch nicht einmal die se-t dem letzten Sommer Ernannten, in petto Reservirten. Alle schönen römischen Privatkombinatio.nen wurden zu Wasser, denn Leo X II. hat sich darauf beschränkt, die stattliche Zahl von 3 8 Kirchen neu zu besetzen, respektive die bereits in einigen Fällen durch Breve erfolgte Besetzung bekannt zu geben.
Im nachfolgenden öffentlichen Konsistorium, an welchem auch dir Neuernannten theil- nahmen, wurden von zwei Konsistorialadvokaten die üblichen Schritte in Betreff und zu Gunsten der beiden neuen Heiligen De Ic Salle und Rfla da Cascia unternommen. Die päpstliche Antwort wurde vom Sekretär der Breven au die Fürsten verlesen. Nach Ertheilung des Segens vrrtheilte der hl. Vater im Tbronsaal an die neuen Bischöfe die Rochetti, welche am folgenden Tage den vorgeschriebenen Eid in die Hände des Vizekanzlers der 8. R. C., Kardinal Parocchi, ablegten.
An demselben Tage vertheilte der älteste vom Orden der Diakonen und Großkarzler der päpstlichen Ritterorden, Kardinal Macchi, die Pallien an die neuen Metropoliten von Ferrara und Spoleto.
Der internationale Kongreß für christliche Archäologie hat in jeder Beziehung fleißig gearbeitet und das praktische Resultat desselben dürfte für die Wiffenschaft höchst erfreulich werden. In hervorragender Weise zeichneten sich Msgr. Wilpert aus, welcher allgemeines Jntereffe, auch in Laien
kreisen, durch seine gelehrten Vorträge und Demonstrationen heroorrief. Auch P. Janssens und vor allem der bekannte Musikhistoriker P. de Santi erregten durch ihre Ausführungen die besondere Aufmerksamkeit der Kongressisten. Am 19. ds. Mts. veranstaltete das Kollegium der Cultores Martyrum den Mitgliedern einen glänzenden Empfang im Palais Altemps, heute Abend findet ein gemeinsames Effen und morgen das historische Fest in den Ruinen der Basilika und in den Katakomben der Domitilla statt. Abends endlich ist Galasoiröe in den glänzenden Räumen des Laterarpalastes. lieber den Rest des Programms in meinem nächsten Briese.
Die kleine Kirche des heil. Isidor und das dabei stehende irländische Kollegium war gestern der Mittelpunkt eines feierlichen Aktes, nämlich der Bischosswoike, welche der Kardinal Satolli an dem neuerwählten Oberhirten der vereinigten Diözesen Nepi und Sutri, P. Bernhard Döb- bing aus Münster vollzog. Dem Kardinal assistirten bei der feierlichen Handlung der Erzbischof Costantini, päpstl. Geh. Almosenier, ein Vorgänger Döbbing's auf seinen Bischofssitzen, sowie Msgr. Ghezzi, zukünftiger Nachbar desselben, als Bischof von Civita Castellana und, gleich Msgr. Döbbing, Franziskaner. Unter den Eingeladenen saßen in erster Reihe der königl. preußische Gesandte beim päpstlichen Stuhl, Freiherr v. Roten Han, die Fürsten Odescalchi und bei Drago, die Konsuln von Deutschland und Oesterreich-Ungaro, die Generäle der Franziskaner und Dominikaner, P. Lauer und Frühwirth, Msgr Ehses, Direktor des hiesigen Instituts der Görresgesell- schaft, der Rektor des deutschen Campo Santo de Waal, P. Biedeslack, Rektor des Ger- manicum und viele andere Prälaten, Ordens- m>d Weltgeistliche der deutschen Nation. Eine Schwester Msgr. Döbbing's sowie ein Vetter desselben hatten den weiten Weg von Münster nach Rom nicht gescheut, um ihrem Bruder und Verwandten an seinem Ehrentage nahe zu sein. Auch einige Geistliche der Heimath Döbbing's, sowie Abgeordnete seiner neuen D özesen waren erschienen. Nach Beendigung der Ceremonie versammelten sich die Anwesenden im großen Saale des benachbarten Kollegiums, um eine Erfrischung zu sich zu nehmen. Diese bestand nach hiesiger Sitte in Chokolade, Eis, Kuchen, L'qeuer und einer Unmasse Süßigkeiten. — Heute Nachmittag sind drei deutsche Bischöfe hier eingetroffen: der Erzbischof von Freiburg, Dr. Nörber, der Bischof von Fulda, Endert, und der Bischof von Limourg, Willi.
5. Skief mi btr WdlmMmg 1900.
Von unserem Spezialkorrespondenten.
(Nachdruck verboten.) Q Paris, 25. April. Paris in neuer Toilette.
„Paris wird grau, während in Berlin alles neu ist, proper, wie aus dem Ei gepellt", — so erklärte mir vor kurzem ein Herr, anscheinend ein biederer Pfälzer, mit dem ich von der deutschen Reichshauptstadt nach dem Süden fuhr. In der That ist ja Berlin in einem ganz andern wirth- schaftlichen Aufschwung begriffen wie Paris, das sich seit langem schon ziemlich auf derselben Höhe befindet. Von dem „Grauwerden" wird aber der Fremde, welcher vorübergehend zur Ausstellung nach Paris kommt, nur sehr wenig bemerken. Dazu versteht man sich in Paris viel zu gut auf die Toilettekünste aller Art, und eitel und spekulativ genug ist man auch, um dis Welt wenigstens glauben zu machen, daß man noch lange keine alternde Nation sei.
Lange schon hat sich Paris auf die Eröffnung der Ausstellung vorbereitet. In den Hauptvierteln, besonders aber in der Nähe der Ausstellung, waren auf weite Strecken hin die Straßen wochenlang aufgerissen. Stein- und Holzpflaster, Asphalt und Chaussirung wurden erneuert, und ganze Stadttheile standen im Zeichen der Dampfwalze. Viele Prioathäuser legten sich einen neuen Anstrich zu, die Hotels aber haben wohl sämmt- lich sich bemüht, nach innen und außen dem fremden Ausstellungsbesucher würdig sich zu prä- sentiren. Wehe dem Gaste, der geglaubt hatte, feine Nachtruhe etwas länger als landesüblich in den Morgen hinein verschieben zu können. Hämmern und Klopfen in Fluren und Gängen führten ihn bald zur gewohnten regelmäßigen Lebensweise zurück und trieben ihn hinaus auf die Straße. Das ist nun vorüber. Straßen und Trottoirs sind zumeist fertig, Hotels und Cafes haben ihre Erneuerung vollzogen. Unfertig ist nur noch die Ausstellung selbst. Noch in der Woche vor Ostern hatte man im Parlamente versucht, eine Hinausschiebung des EröffnungS- termines durchzusetzen, aber die Minister blieben fest und die übergroße Mehrheit der Deputirten mit ihnen. Stolz, aber vorsichtig erklärte Minister
Jutöa, Samstag, den 28. April 1900.
27. Jahrgang.
Millerand, daß noch niemals eine Ausstellung* im Vergleiche zu den entgegenstehenden Schwierigkeiten am Eröffnungstage so weit gewesen sei, wie die diesjährige. Und so blieb es denn da- b i; Paris kleidete sich in fein Festgewand. Die öffentlichen Gebäude wetteiferten mit den Banken, Hotels, Cafes, Restaurants und Geschästshäufern, Flaggen erschienen in den Fenstern und an den Häuserfronten und in Vorbereitung der Illumination wurden Gasleitungen in Form von Sternen, Wappen u. dgl. angelegt und vielfach schon vorher probirt. Fast durchweg sieht man in den Dekorationen nur französische Fahnen, doch findet man die Farben der fremden Länder wenigstens an den größeren Hotels vertreten. Namentlich ist das amerikanische Sternenbanner bevorzugt, welches besonders in der Gegend der Hauptboulevards sehr häufig vertreten ist. Aber vergeblich habe ich mich bemüht, an den Hotels, welche ich pafstrte, das schwarz-weiß-rothe Banner zu entdecken, trotzdem die Deutschen hier anscheinend von allen Nationen am stärksten vertreten find. In den Cafes und Restaurants der Boulevards, ebenso auf der Straße selbst hört man deutsche Laute häufiger, als alle anderen nichtfranzöfischen Sprachen zusammengenommen. Man scheint aber noch nicht den Muth zu haben, die deutsche Flagge öffentlich neben den anderen herauszustecken, obschon sonst der Deutsche hier im allgemeinen besser ausgenommen wird, als er zu Haus erwartete. Jedenfalls hat sich Paris großartig erneuert und geschmückt. Eine Rundfahrt bis zum Bastillenplatz und zum Montmartre zeigt, daß selbst diese weit von der Ausstellung gelegenen Stadttheile, wenigstens in den Hauptstraßen, mit den nähergelegenen im Ausputz der Häuser gewetteifert haben. Den großartigsten Anblick bietet natürlich, wie immer, die Gegend am Opernhause, die Boulevards des Italiens, des Capacines, de la Madeleine, die Avenue de l’Opera, die Rue de la Paix, Rne Royale, der Concordienplatz u. s. w. Hier liegt eines der schönsten Städtebilder der Welt, hier befinden sich die feinsten Geschäfte und die theuersten Restaurants und Cafs's, hier flanirt der Pariser wie der Fremde, kurzum hier ist das Parts, welches in der Vorstellung des französischen Provinzlers wie des Nichtfranzosen lebt, in seiner ganzen Großartigkeit zu finden.
Die neue Brücke Alexander III.
Jndeß ist nicht alles bloß für den Augenblick berechnet. Wo es anging, hat man mit dem Schönen auch das Nützliche zu verbinden gewußt. Einen bleibenden Gewinn hat Paris jedenfalls von der neuen Kolosfal-Brücke, welche die Jnvaliden- Esplanade mit dem Champs Elysees verbindet. In einem einzigen Bogen überspannt sie die Seine, welche hier volle 100 Meter breit ist, und auch der stärkste Verkehr wird aus der Brücke keine Stauung veranlaffen, da dieselbe nicht weniger als 40 Meter breit ist, also etwa so breit wie 3 nebeneinander laufende stattliche Straßen. Als der Zar Nikolaus II. im Jahre 1896 Paris besuchte, legte er gemeinsam mit dem verstorbenen Präsidenten Faure den Grundstein zu der Brücke. Man schwamm ja damals ganz in dem Freudentaumel über die französisch-russische Verbrüoei ung, Md das koloffale Werk erhielt zu Ehren des Vaters des Zaren de» Namen Pont Alexandre III. Dem Verkehr ist die Brücke schon seit einigen Monaten übergeben, ziemlich in der Stille. Wenn die Freundschaft mit Väterchen roch so warm wäre, wie vor vier Jahren, würde wohl mehr Aufsehen davon gemacht worden fein. Aber so ist wenig Aussicht, daß Nikolaus II. zur Ausstellung kommen wird, weshalb also mit der Brücke und Alexander III. noch viel Aufhebens machen? Das beste ist, daß sie da ist und dem Verkehr dient. In künstlerischer Beziehung findet stemanchen Tadel. Bei der architektonischen Ausschmückung ist es den Franzosen auch hier gegangen wie öfters, um nicht zu sagen wie in der Regel: der Künstler fand das Ende nicht. Die Ueberladung macht sich besonders geltend an den vier massiven Eckpylonen. Flügelpferde sitzen auf den Pylonen, weibliche Gestalten an den Pylonen, davor stehen Löwen und nebenan nochmals Blumenvasen und Granitpyramiden. Das ist eigentlich des Guten etwas zu viel, lieber die Brücke führt die großartige Prunkstraße Nikolaus II., ebenfalls eine Erinnerung an den Zarenbesuch, der zu Ehren der alte Jndustriepalast, ein Ueberbleibfel von der ersten Pariser Weltausstellung, niedergelegt werden mußte. An dessen Stelle sind jetzt zwei Kunstpaläste zu beiden Seiten der neuen Straße errichtet.
Das Hauptportal am Concordienplatz.
Eine Eintagsfliege, wenn auch eine gewaltige, glänzende, welche die Tage der Ausstellung nicht überdauern wird, ist das Hauptportal am Concordienplatz, welchem, wie schon erwähnt, der Volksmund wegen seiner schreienden Vielfarbigkeit