Cen- echen. lieber :ation eigen,
Ver. haben ■ auf,
<L
>
M 1928 ihn. m
m
191( r,
fett,
—- em»
Sib
irien hen, llis,
litt)
üda.
e
12C.
681
i
13i h?it
—- I
rftr.
n
en. U, u.
so»
t
11
2.
n
VA
-S
t
>e.
«r Arbeitslosen-Bersicherung.
Die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit oder aber di» Unterstützung der Arbeitslosen ist eine Frage, die schon seit Jahren auf der Tagesordnung der öffentlichen Aus- einandersttzungen steht, und zwar nicht nur bei uns in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. Während der jüngsten Tage ist das Thema mehrfach behandelt worden in Versammlungen von Gewerkschaftsverbänden, die in der Osterwoche abgehalten wurden.
Daß diese Verhandlungen zur gedeihlichen Weiterentwickelung der Frage bei getragen hätten, kann man nicht sagen. Es hat überall heftige Ausein andersetzungen gegeben, und überall sind schließlich die ergangenen Vorschläge abgelehnt worden
Am bemerkenswerthesten ist die Behandlung der Frage von der Unterstützung der Arbeitslosen in der Versammlung des Holzarbeiterverbandes. Diese Organisation von Arbeitern hat sich jetzt zum dritten Mal mit der Angelegenheit beschäftigt, und jedesmal sind die gr stellten Anträge abgelehnt worden. Auch diesmal, in der letzten Versammlung des Holzarbeitrroer- bandes, empfiehlt der Vorstand desselben lebhaft die Einführung der Unterstützung von Arbeitslosen und fügte hinzu, daß gerade die jetzt günstige Geschäftslage geeignet sei dazu, die noth- wendig höhere Beitragsleistung eir.zuführen. Der Wochenbeitrag dcs Mitgliedes solle um 10 Psg. erhöht werden; dafür würde dann der Verband eine wöchentliche Unterstützung von sechs bis zehn Mark an Arbeitslose gewährt werden können, je rach der Dauer der Mitgliedschaft. Ader der Antrag ist ebenso wie vorher abgelehnt morden, diesmal mit der starken Mehrheit von 47 gegen 19 Stimmen bei 14 Stimmenrhalten. Ganz ähnlich ist es zugegangen in den Versammlungen der Gewerkschaften der Sattler, der Schuhmacher und der Vergolder: überall Anträge auf die Einführung einer pflichtmäßigen und geregelten Unterstützung der Arbeitslosen, überall Ablehnung.
Bemerkenswerth ist, daß die ablehnende Stimmung innerhalb der sozialdemokratischen Arbeiterschaft gegen diese Art der Unterstützung oder Versicherung sogar zuzunehmen scheint. Früher hatte im Verdandstage der Sattler einmal eine Urabstimmung stattgefunden über die Einführung der Arbeitslosenunterstützung und hatte eine geringe Mehrheit dafür ergeben. Der Vorstand der Ge- rverkschast hak aber nicht gewagt, daraufhin die Unterstützung emzusühren; und nunmehr hat der Verbandstag nach erneuter Berathung den aufs neue gestellten Antrag mit 18 gegen 12 Stimmen obgelehnt. Genau ebenso ablehnend fielen die Ab. stimmungen aus in den Verbandrtagen der Vergolder und der Schuhmacher, die ebenfalls über diese wichtige Frage beriethen.
Man kann es sich ohne weiteres denken, daß die Blätter, die einseitig einen engherzigen Unter-
Das KMcKsKind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
38 ------ Nachdruck verboten
Ein Ausruf des Staunens brach von Röschens Appen.
„Wie ging denn das zu?"
„Sehr einfach. Ich vollzog an ihr eine sehr schwierige Operation — sie glückte vollständig, und verlief ohne jede weitere Nachwirkung. Die Marthe wurde so gesund, wie ein Fisch, — wenn sie nachher heimkommt, werd n Sie staunen, wie blühend sie aussieht, — und seitdem sich die Kunde von der wunderbaren Heilung verbreitete, kamen die Patienten haufenweise; man drängte sich zu wir, ich war sozusagen berühmt geworden. Ja, so etwas brauchen wir Aerzte," schloß er lächelnd.
„Ich freue mich herzlich, daß es Ihnen so gut geht, Herr Doktor," entgegnete Röschen lebhaft
Der Andere zupfte verlegen seinen Bart. Man Iah es ihm an, er hätte gern noch etwas gefragt, Und wagte es doch nicht. Das Aussehen der jungen Frau wollte ihm gar nicht gefallen, sie konnte nicht glücklich fein, das krankhaft bleiche Gesicht redete tine zu deutliche Sprache.
„Verzeihm Sie die Frage," begann er endlich ^eder, „es ist gewiß nicht Neugierde, was sie veranlaßt hat, — aber Sie sehen nicht gut aus, verehrte Frau, fühlen Sie sich nicht roobt ?"
„O, doch — doch — Herr Doktor!"
Die Antwort kam überhastig heraus.
In diesem Augenblicke trat auch die alte Garthe ins Zimmer, und begrüßte mit lebhaftem Wortschwall die junge Frau.
Ute e. pri
intet
Wich erde» gen« ig z»
«rschedck täglich, Ai. SMiSüir;:t der Sons» UM Feiertage. Merteljährl.
vhneBrmgerloyii »md Bestellgeld in «ulfcä und aut» LirrrlM.SOPf.
FuloaerMZeitmrg
Wette; Sie** spalt. Garmond- Kkil« oder beteü
Namen die Petter geile 25 Pf.; N Wiederholung«« toird entsprech«^ Rabatt jMSHÄ
«6* JwfflKst« t* sxto*. mit NnLeryalLurss-AeiKlge „Illüffrirte Sormtags-Mümg? "Tsmzsr*
ff _______________________
M 94.__________Iuwa, Mittwoch, den 25. April 1900. 27. Jahrgang.
nehmerstandpunkt vertreten, diese Beschlüsse sozialdemokratischer Gewerkschaften ausnützen, um alle Bestrebungen, die auf eine geregelte Unterstützung der Arbeitslosen oder Arbeitslosenversicherung hinauslaufen, als grundsätzlich verfehlt zu brandmarken. „Wir meinen — so schreibt ein solches Organ — wenn unter den Arbeitern selbst, und zwar, wie die Sozialdemokratie behauptet, unter der geistigen Elite derselben die Zweckmäßigkeit der Arbeitslosenunterstützung ober gar der obligatorischen Arbeitslosenversicherung so starken Zweifeln begegnet, so sollten auch die Heißsporne unter unseren SoziAreformern unterlassen, noch ferner auf gesetzgeberische Experimente in dieser Richtung drängen."
Die Schlußfolgerung ist falsch. Erstens folgt aus der Ablehnung der gestellten Anträge gar nicht, daß diese Ablehnung auf grundsätzlicher Abneigung gegen geregelte Arbeitslosenunterstützung überhaupt beruht; und von einer solchen grundsätzlichen Abneigung im Allgemeinen kann in der That nicht die Rede sein. Zweitens aber geht noch weniger daraus hervor, daß ein Werk, an dem die sozialdemokratische Schcffenskunst scheitert, überhaupt reif dazu fein sollte, zum alten Eisen geworfen zu werden; höchstens könnte man zunächst den Schluß daraus ziehen, daß die sozialdemokratischen Arbeiter-Organisationen sich in solchen Fällen unfruchtbar zeigen, wo es sich um die Belebung wirklich nützlicher sozial- reformatorifcher Gedanken zur Thal handelt, nicht nur um die verhetzende Agitation gegen Unter« nehmerthum und Kapital. Die Sozialdemokratie, welche im Reichstage mit Vorliebe auch gegen die wichtigsten, im Interesse der Arbeiterschaft ausgearbeiteten Gesetze stimmt, ist und bleibt nun einmal unfruchibar im positiven Schaffen und zeigt sich strls von Neuem nur als der Geist, der verneint; und so ist sie auch nicht im Stande, die Frage der Regelung der Arbeitslosenunterstützung zur gedeihlichen Entwickelung zu bringen. Das aber wird die wahren Arbeilerfreunde nicht abhalten davon, dieser Frage jetzt und in aller Zukunft die regste Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Deutsches Deich.
Berlin, den 24. April.
• Neichskavzker ISrst KoyenloHe ist von Nizza über Cannes nach Paris gereift und dort am Montag eingetroffen, lieber die Dauer feines Aufenthaltes dort ist nichts Genaueres bekannt. Als Zweck dieser Reise wird der Besuch der Weltausstellung angegeben; man vermuthet, daß er am 3. Mai wieder in Berlin eintreffen werde.
h Der Kerzoz von A-rK, der Sohn des PZnzen von Wales, wird nach einer Meldung der,Nat. Ztz/ als Vertreter ter Königin von England bei der F-i-r der Großjährigkeit des deutschen Kronprinzen in Berlin zugegen ft in.
+ Die Meralhnsg der Ilotteuvorkage in der Budgetkommission des Reichstages beginnt am Donnere tag von neuem. In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß diese Berathung nicht mehr allzu lange Zeit be- amprudben werde,' wahrscheinlich nur noch drei oder höchstens vier Tage. Von den gestellten
Röschen verabschiedete sich bald darauf und Doktor Pächtner begleitete sie noch ein Stück des Weges.
XIII.
Drei Monate waren seitdem vergangen.
Was ist es nur, das die gute Stadt P . . . heute in eine so furchtbare, offenkundige Aufregung ve.setzt? Gruppenweise stehen die Leute, meist kleine Bürger und Arbeiter, beisammen, und gestikuliren lebhaft, und ergehen sich in den heftigsten Schmähungen gegen einen, den sie bis jetzt so hoch geachtet, und dessen Gruß oder Ansprache sie bis jetzt als besondere Gunstbezeigung betrachtet hatten.
Am ärgsten war es vor dem eleganten Winter- schen Hause, wo ziemlich an hundert Personen stehen mochten, die olle mehr ober minder laut Verwünschungen und Drohungen gegen den Besitzer ausstießen, und in maßlosem Grimm die Fäuste hoben und unter rauhen Flüchen nach dem still daliegenden Hause unzweideutige Bewegungen machten.
„Wenn wir ihn nur hätten, der uns um unser sauer erspartes Geld gebracht hat!" —rief einer, ein stämmiger, hochgewachsener Bursche, — mit lauter Stimme, „erwürgen wollte ich ihn, nicht mehr lebendig sollte er von hier wegkommen!" —
„Recht hast Du schon," schrie ein anderer, .aber der schlaue Fuchs ist uns entwischt, ehe wir ihn strafen konnten, für sein scheußliches Vergehen."
„Nur Geduld, sie werden ihn schon einfangen, und dann Gnade ihm Gott!"
„Ja. wir werden ihn wohl niemals in die Hände bekommen," hieß es weiter, „wenn sie ihn
vierzehn Fragen find noch vier unerledigt, darunter namentlich Frage Nr. 12: Wäre es nicht beffer, die Vorfchriften des geltenden und des geplanten Flottengesetzes in ein einheitliches Gesetz zusammenzufaffen? — und Nr. 13: In welcher Weise gedenken die verbündeten Regierungen den Nachtheilen zu begegnen, die aus der Verstärkung der Flotte für die Land- wirth schäft zu befürchten find? Frage Nr. 14 weist dann selbst hin auf eine angemessene Erhöhung der Schutzzölle für landwirthschaftliche Erzeugniffe bei den bevorstehenden neuen Handelsverträgen als auf ein geeignetes Mittel in diesem Sinne. Interessant ist eine Mittheilung der nationalliberalen .Dortmunder Zeitung'. Danach soll der nationalliberale Landtagsabgeordnete Schmieding Klage in einer Versammlung darüber geführt haben, daß einige nationalliberale Mitglieder des Reichstages nur dann der Flotter vorlage zustimmen wollen, wenn das Fleisch- beschaugesetz nach den Beschlüffen der $ weite a Lesung von den verbündeten Regierungen angenommen werden.
+ Das Ikeischöeschaugesetz ist vor einigen Tagen in einer Versammlung der Mitglieder des Bundes der Landwirthe für Ostpreußen besprochen worden, wie in s hr vielen entsprechenden anderen Versammlungen auch. Bemerkens- weith aber ist, daß in dieser in Allenstein ab- gehaltencn Versammlung eine versöhnliche Tonart die Oberhand behalten hat. Diese versöhnliche Tonart wurde von den konservativen Parteiführern Graf Mirbach und Gras Klinckowström vertreten, die schärfere Tonart durch den Abg. Dr. Hahn, Direktor des Bundes der Landwirthe. Nach den vorliegenden Berichten traten die Versammelten den Anschauungen bet, die von den beiden genannten konservativen Abgeordneten vertreten wurden. Diese wiesen namentlich darauf hin, daß auch ohne Einfuhrverbot für Pökelfleisch das Gesetz die Landwirthschaft nicht belaste, da von einer Untersuchung der Hausschlachtungen abgesehen werde. Bald wird sich zeigen, wie viele Mitglieder der konservativen Partei im Reichstage hinter den Parteifüh'ern stehen, die einer Verständigung mit der Regierung das Wort reden. Etwas zaghaft meint die parteikonseroative ,Krenz- Ztg/, es stehe „hinter den Führerpersönlichkeiten doch ein nicht unwesentlicher Theil der konservativen Partei". Die ,Kreuz-Ztg/ übersieht die Sachlage augenscheinlich selbst nicht recht. Daß die Regierung, wie die agrarkonservative ,Deutsche Tagesztg/ anbeutete, bas Fleischbeschaugesetz zurück- ziehen wolle, wirb übrigen« in einer anscheinenb offiziös beeinflußten Zeitungsnotiz bestritten.
X „Jas Aerrerrhans der Jreisivuigeu" nennt das sozialdemokratische Centralorgan die Berliner Stadtverordneten - Versammlung, weil die Sozialdemokraten in dieser Körperschaft bei ihrer Ablehnung der vom Magistrat geforderten 50000 Mk. für städtische Vorbereitungen zum Empfange des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich von den Freisinnigen im Stiche gelassen worden sind. „Der in Royrlismus und Loyalität ersterbende Junker ist ein umstürzlerischer SchreckenSmann gegenüber so einem kommunalen Fortschrittler —", so und ähnlich schimpft das Centralorgan auf die Mannen des Herrn Eugen
erwischen, wird er ein paar Jahre eingesperrt, was hilft uns das?"
„Wir bekommen darum unsere eingelegten Spararoschen nicht wieder zurück."
„O, — solch ein Schuft!" brüllte es im Kreise, „der gehört an den Galgen, ich möchte ihn baumeln sehen, den Lumpen."
.Kommt, wir wollen das Haus bemoliren, nichts ganz lassen, was ihm gehört."
„Ach, was hilft das," mahnten die Verständigeren, „die arme Frau, die kann nichts dafür."
„Die arme Frau, das hochnäsige Geschöpf!" riefen verschiedene Stimmen, „die ist auch nicht besser, — hat a^ch mitgeholfen, unser Geld zu verprassen, und hat in Saus und Braus gelebt, dabei es nicht der Mühe werth erachtet, unser- einen zu grüßen, — kommt, — mir nach — hierher!" —
„Laßt das, Leute," schrie ein alter, weißhaariger Marn, „wenn Ihr alles kurz und klein schlagt, werdet Ihr höchstens noch obendrein eingesperrt, und bringt Eure Familien ins Unglück; wenn Ihr aber vernünftig seid, so wird jedenfalls der ganze Plunder verkauft, und kommt uns zu Gute, wenn das Geld vertheilt wird."
Das wirkte. Die Leute sahen wohl ein, daß der Friedensstifter recht hatte. Aber an ihren finsteren Gesichtern merkte man es, daß sie gar zu gern ihre Rache an irgend etwas gekühlt hatten.
Wäre nicht eben zur rechten Zeit die Polizei eingeschritten, wer weiß, wozu die Menge in ihrer blinden Wuth noch fähig gewesen wäre. Jetzt wichen sie der Gewalt unter drohenden Geberden,
Richter: es fei „eine komische Ueberschätzung der freisinnigen Steuerzahler," wenn man „diese freisinnigen Hüter des mobilen und immobilen Kapitals," diese „gezähmten Hoflieferanten deS Liberalismus" als gefährliche Rebellen ansehe. Man scheint also oei der Sozialdemokratie bestimmt daraus gerechnet zu haben, daß die Freisinnigen meistenthe-.ls auch die 50000 Mark ab» lehnen würden.
* lieber das Recht der Presse, öffentliche Mißstände zu besprechen und zum Gegenstände ihrer Kritik zu machen, hat das Kteichsgericht ein für die gesammte Presse wichtig?« Urtheil gefällt, indem darin der Presse das Recht zuerkannt wird, Uebelstände zur Sprache zu bringen. Einerseits werden dadurch den Behörden solche bekannt gegeben, andererseits wird ein gewisser moralischer Druck auf die vorgesetzte Behörde ausgeübt, eine Untersuchung einzuleiten, eventuell eine Abhilfe herbeizuführen. Rügen in der Presse über wabrgenommene Mißstände handeln in Wahrnehmung des berechtigten Interesse«, das jeder Staatsbürger daran hat, daß solche Handlungen nicht vorkommen
* Nach der statistischen Korrespondenz war der Saaleustaud in Arenßen Mitte April folgender: Winterweizen 2,8, Winterspelz 2,4, Winterroggen 3.0, Klee 3,1, Luzerne 2.8, Wiesen 3,1; die wegen Auswinterung, Mäuseschaden, Schncckenfraß und bergt umgepflügte Fläche in Hunderuheiien des Anbaues beträgt: Winter- weizen 2 86, Winterspelz 0.02, Winterweizen 1,19, Klee 3,13, Luzerne 1,1t pCt.
V Nerti«, 24. April. Der Kaiser wird am Donnerstag von Schlitz zu kurzem Aufenthalte nach Karlsruhe reisen und alsdann einer Einladung des Fürsten Max Egon von Fürstenberg zur Auerhahnjagd auf der Benz-Ebene folgen. Nach Beendigung der Jagd gedenkt der Kaiser Schloß Donaueschingen zu besuchen und von dort nach Berlin zurückzukehren — Der Kaiser hat am heutigen Todestage des General-Feldmarschalls Grafen von Moltke in der Kapelle zu Greisau auf den Sarg des Entschlafenen einen Kranz mit Schleife nieder legen lasten. Ruch von Verwandten und Deputationen wurden Kränze gespendet. — Aus Anlaß der Großjährigkeits-Erklärung des Kronprinzen findet am Sonntag den 6. Mai Vormittags 11 Uhr in der Kapelle des königl. Schlaffes hrerselbst ein feierlicher Gottesdienst und unmittelbar darauf im Weißen Saale Gratulations-Cour beim Kaiseipaar und dem Kronprinzen statt. Im Anschluß daran werden die Botschafter und die anderen Chefs der hier accredilirten Mrssionen dem Kronprinzen vorgestellt. — Die Kaiserin Friedrich wird an den Feierlichkeiten anläßlich der Großjährigkeits-Erklärung des Kronprinzen theilnehmen. — Graf Bülow, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, ist von seinem Urlaub aus Bavcno in Oberitalien heute wieder in Berlin eingetroffen. — Wie die Abendblätter melden, ist die Interpellation der Konservativen betreffend das Fleisch- beschaugefetz vorläufig zurückgestellt worden und dürfte nicht sobald zur Berathung gelangen. — Die in den Holzbearbeilungsfabriken, Fraisereien und Schneidemühlen Berlins und Umgegend beschäftigten Arbeiter haben für den 1. Mai völligeArbeii sruhe beschlossen und diesen Beschluß dem betreffenden Arbeitgeberverbande mitgethetlt.
Aus dem Reichstage.
•O 179. Sitzung vom 24. April 1900, 2 Uhr.
Das sehr schwach besuchte Haus wird vom Präst- denten Graf Malrestrem nach der Ofterpause begrüßt und tritt in die erste Berathung des Uebereinkom- mens ein, das zwischen dem Reiche und Oester - und bald darauf lag das Haus wieder in feiner vornehmen Ruhe da.
Alle Jalousien waren Herabgelaffen, es schien wie auSgeftoxben; in der Thal schlich die Dienerschaft leise umher, man hatte vorhin die junge Frau ohnmächtig vom Boden aufgehoben und sie vorsichtig auf ihr Bett gelegt; das Gesicht war so weiß, fast wie das Kissen. Dem eilig herbeigerufenen Arzt gelang es zwar nach vielem Bemühen, die wie leblos Daliegende zur Wirklichkeit zurückzurufen, aber nichts verrieth, daß sie wußte, was um sie her oorging. Die Augen waren geschlossen, kein Zug bewegte sich in dem schönen Antlitz. -
Mit Blitzesschnelle hatte sich am frühen Morgen das Gerücht durch die Stadt verbreitet, daß wie die gestern stattgehabte unvorhergesehene amtliche Kassenrevision ergeben habe, in der Kasse des hs^av gesehenen Direktors Winter an Baar und Werthpapieren 600 000 Mark fehlten und daß er selbst entflohen sei.
Das rief erst ungläubiges Kopfschütteln, dann aber, als sich die Nachricht wirklich bestätigte, in allen Kreisen einen Sturm der Empörung hervor, umsomehr, als man von den Unterschlagungen des geachteten Mannes nicht die leiseste Ahnung hatte, und er sich immer den Anschein ungeheuren Reichthurns zu geben verstanden hatte.
Jetzt freilich wurde es jedem klar, woher er die Mittel für seine kostspielige, an Verschwendung grenzende Lebensweise nahm; denn wenn er auch eine gute Stellung hatte, so reichte sein Einkommen doch bei weitem nicht für alle Bedürfnisse deS eleganten Mannes aus.