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JuLöa, Dienstag, den 24. April 1900.

27. Jahrgang.

37

Auch er blickte erst irit Staunen auf die zarte, junge Frau, über deren bleiche Wangen ein leises Rot huschte, dann stand er rasch auf, und streckte der Angekommenen herzlich und mit gewinnendem Lächeln beide Hände entgegen.

„Welch' seltsamer Zufall, daß wir uns gerade hier begegnen," begann er nach einer kleinen Pause. „ES ist mir sehr lieb, daß es mir endlich ver­gönnt ist, Sie wiederzusehen; denn ich habe ein Umecht an Ihnen gut zu machen, das ich Ihnen einst, allerdings unwissentlich, zufügte, und das ich oft und bitter bereute, — nachdem ich von der alten Marthe, zu der man mich eines Tages rief, — erfahren, wie edel und hochherzig Sie an der armen, kranken Frau gehandelt hatten, — und gerade diese That war es, die mich irreleitete und auf den falschen Weg brachte. Wollen, können Sie mir verzeihen, gnädige Frau?"

Rost hatte indeß Zeit gefunden, sich zu sammeln, lieber das schöne Gesicht huschte der Schein eines Lächelns, als sie leise antwortete: „Ich that e» längst, Herr Doktor. Das alles liegt fo weit hinter mir, als wären schon zehn Jahre darüber vergangen; ich dachte, aufrichtig gestanden, schon lange nicht mehr an Sie."

„Na, das nenne ich deutlich sein," lachte der junge Arzt hell auf, „wahrhaftig, eine Schmeichelei ist es gerade nicht für mich, daß Sie Ihre erste Liebe so schnell vergessen konnten, aber —" dabei blickte er schelmisch lächelnd auf die ihm gegenüber Sitzende, — „lieb ist mir's doch, daß es so ist. Sie müssen nämlich wissen, ich — habe ein aller­liebstes Bräutchen, — es ist ein herzensgutes, liebes Geschöpfchen, und mir von ganzer Seele zugethan. Nur eines störte immer mein Glück,

— der Gedanke an Sie, gnädige Frau. Ich wußte nicht, wohin Sie, nachdem ich Ihnen geschrieben, verschwunden waren, sonst hätte ich mein Unrecht längst wieder gut gemacht, nachdem ich eingesehen, daß ich Sie schwer gekränkt mit meinem bösen Verdachte. Jetzt stand mir allerdings, da Sie wieder hier leben, der Weg zu Ihnen offen, allein — ich gestehe, — ich konnte mich immer nicht entschließen, Sie aufzusuchen, da Sie, wie es all­gemein heißt, durchaus keine Besuche annehmen."

„Nun mit Ihnen, einem alten Freunde, hätte ich schon eine Ausnahme gemacht. Ich gedachte Ihrer niemals mehr mit Groll, obgleich ich heute noch nicht weiß, wie es geschehen konnte, daß Sie mir jenen Brief, — der allerdings in der ersten Zeit eine furchtbare Aufregung bei mir hervor« rief, — geschrieben haben, und es ist mir bis heute ein Räthsel geblieben, mit dessen Lösung ich mir, wie ich gestehe, nicht den Kopf zerbrach —, aber jetzt müssen Sie berichten, wie das zuging."

Röschen fühlte sich lebhaft angeregt, durch diese Unterhaltung. Mit sichtlichem Interesse lauschte sie dem Berichte des jungen Doktors, der lächelnd erzählte:

„Wo meine Mutter von der Sache erfahren hat, konnte ich nicht ergründen; sie weigerte sich entschieden, mir darüber Näheres mitzutheilen. Auch ist mir unbekannt, wer ihr gesagt hatte, daß' Sie — verzeihen Sie, wenn ich Ihnen wehe thun muß, — daß Sie leichtsinnig mit Ihrem Eigen- thum umgingen, und um Geld zu bekommen, Ihre ererbten Schmucksachen und Sonstiges im Leihhaus versetzen. Der Zufall. — oder Berechnung — hatte es gefügt, daß ich Ihnen auf einem solchen

Garge begegnete, und da glaubte ich an alles

sozialdemokratischem Glauben eine höhnische Ab­kanzlung. Damit nicht genug! Zur weiteren Verdächtigung müssen auch noch die „Männer der Kirche" herhalten. „Deshalb haben sie die sogenannte „christliche" Arbeiterorganisation in's Leben gerufen, als „Gegengewicht" gegen die­jenige, welche auf dem gesunden Geist und den gerechten Prinzipien des demokratischen Sozialismus beruht. Sie fürchten die Ein­heit der Arbeiterbewegung, die ihrem ganzen Wesen und ihren Aufgaben nach die Vormund­schaft der „Mutter Kirche" ebenso wenig anerkennen kann, wie die Vormundschaft des Kapitalismus und der reaktionären öffentlichen Gewalten." Von der christlichen Arbeiterschaft erhofft man, daß sie „sich frei mache von den Banden des religiösen Vorurtheils, um zu schwören auf die Loosung ihrer Klaffe auf dem weiten Erdenrund: Brod, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit".

Diese kleine Sammlung von „Ostergrdanken" mag genügen! Wie es christliche Arbeiter, die noch in den freien Gewerkschaften sich befinden, in Zukunft mit ihrer Ehre und religiösen Ueberzeugung noch vereinbaren können, sich solche Verhöhnung ihrer Ueberzeugung bieten zu lassen, und diejenigen selbst besolden und bezahlen, welche ihre heiligsten Gefühle mit Füßen treten, ist unerklärlich. Selbstverständ­lich werden nach einigen Wochen sämmtliche sozialdemokratische Blätter es ableugnen, gegen die christliche Religion ein Sterbenswörtchen ge­sagt zu haben.

Aurelia hier und da einmal oorsprach. Dieselbe war jedoch keine erheiternde Gesellschafterin für die junge Frau; denn da sie selbst schwer genug an ihrem häuslichen Unglücke zu tragen hatte, befand sich die sehr gealtert aussehende Tante I meistens in gedrückter Stimmung.

Mit Böhler kam Röschen niemals wieder in Berührung, die beiden mieden sich einander, wo sie immer konnten. Nur selten noch ging die junge Frau aus, jeden Morgen, so oft ihre Ge­sundheit es gestaltete, ging sie zur Kirche und dann und wann besuchte sie das Grab der Eltern.

Einmal, als sie eben aus dem Rückwege vom Friedhöfe begriffen war, kam sie an dem Häus­chen, wo die alte Martha, ihr ehemaliger Schütz­ling wohnte, vorüber. E ner raschen 'Eingebung folgend trat sie durch die niedrige Thür in das I kleine, ärmliche Stübchen, das noch genau so aus­sah wie damals, als Röschen zum letzten Male über diese Schwelle geschritten war.

Dort an der Wand stand noch daS schmale Bett, welches sie einst aus dem Leihhause geholt hatte. Dicht am Fenster saß auf einem elenden, wackeligen Stuhle ein Herr, welcher der Ein­tretenden halb den Rücken zuwandte und sich mit einem etwas leid-nd aussehenden Kinde beschäftigte.

Bei dem leisen Geräusch kehrte er sich um und im nächsten Augenblicke stand Rosi in peinlicher Verlegenheit Doktor Hermann Pächtner gegenüber.

Im ersten Moment hätte sie ihn fast nicht er­kannt, so stattlich und männlich sah er aus. Ein dichter Vollbart umrahmte jetzt das Gesicht, auch war er viel breitschultriger und stärker geworden, — mit einem Worte, die zwei Jahre hatten ihn sehr verändert.

Das KMckskinö.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

------ Nachdruck verboten.

Deutsches Reich«

Berlin, den 23. Apnl.

X Kitte« katte« Wasserstrahl sendet die oberoffiziöse ,Nordd. Allgem. Zig.' in das Lager der liberalen, freisinnigen und demokratischen Freihändler. Linksliberale Blätter machen dem Reichsamte des Innern fortgesetzt den Vor­wurf, daß es „mit dem Wirthschastlichen Ausschüsse nicht nur über das zukünftige Zolltarif-Schema be- rathen, sondern bei dieser Gelegenheit auch gut­achtliche Wünsche der Jnteressenten-Kreise über die Höhe einzelner Zollsätze entgegengenommen hat". Gemeint sind damit hauptsächlich Zölle im Interesse und zum Schutze der Landwirthschaft, und sehr richtig entgegnet darauf weiter das offiziöse Blatt: „Nun aber bildet eine möglichst genaue Kenntniß der Wünsche aller an der Regelung unserer Zolltarife interessirten Kreise eine Haupt­bedingung für den günstigen Abschluß der be­vorstehenden Tarifverhandlungen, und es ist ledig- ich Sache des Reichskanzlers, Mittel und Wege zu wählen, durch welche die mit der Vorbereitung ier Zolltarife betrauten Behörden sich diese noth- wendige Kenntniß verschaffen können. . . . Somit müssen die Vorwürfe jener linksliberalen Blätter mit aller Entschiedenheit als völlig unhaltbar zurück­gewiesen werden. Es hat fast den Anschein, als sei eine gewisse Presse bemüht, die Vertreter der in Betracht kommenden Erwerbsstände völlig mundtodt zu machen. Dieses Bestreben wird aber keinen Erfolg haben . . . ." Dieser nöthige Wink mit dem Zaunpfahl ist sehr dankens- werth.

! müssen, das ist ziemlich sicher. Aber was nun innerhalb dieser vier bis fünf Wochen noch wird erledigt werden, darüber schwebt das geheimniß volle Dunkel der Zukunft. Zunächst kommt es darauf an, ob die Linke auch jetzt wieder es mit der Obstruktion versuchen wird, um ihr unliebsame gesetzliche Bestimmungen über den Haufen zu werfen. An Drohungen in diesem Sinne fehlt es nicht; und da die Linke nun einmal zu diesem Gewaltmittel gegriffen hat, so ist es ganz leicht möglich, daß sie es auch noch weiter anwendet. Lex Heintze und Fleischbeschaugesetz würden namentlich den Angriffen der Obstruktion ausgesetzt fein, fo daß möglicherweise diese beiden Gesetzentwürfe zu denjenigen gehören, die „unter den Tisch fallen". Nach einer unverbürgten Meldung eines Berliner Blattes soll innerhalb der verbündeten Regierungen bereits eine Zurückziehung des Fleischbeschau- ! gesetzes erwogen werden. Die Seemanns- | orbnung hat gar keine Aussicht auf Ver- abschiedung schon von Anfang an nicht gehabt, so daß die Einbringung derselben thatsächlich keinen anderen Erfolg gehabt hat, als den der Verzögerung der Arbeiten des Reichstages. Und daß alle Unfallverficherungsgesetze er­ledigt werden könnten, ist leider auch nicht an- zunehmen. Da diese aber innig mit einander zusammenhängen, ist schwerlich anzunehmen, daß man sich vorläufig mit der Verabschiedung eines Theiles derselben begnügen werde. Es liegt also auch hier sogar bei dieser wichtigen sozialen Sache die Vermuthung nahe, daß eine Ver­schiebung des ganzen Werkes bis zur nächsten Tagung nothwendig eintreten werde.

Das Geheimniß der Haltung der bayerischen Regierung zur lex Heintze hat einige Aufklärung erfahren durch eine Verhandlung in der bayerischen Abgeordnetenkammer: dem vom Gesandten Grafen Lerchenseld im Reichstage vertretenen Schau­fensterparagraphen (tz 184 a) stimmt die bayerische I Regierung zu. Aber von dem Theaterparagraphen will sie nichts wissen. Also angenommen auch, im Reichstage gelänge wider Erwarten doch noch eine Verabschiedung der lex Heintze, fo würde es wirklich noch immer zweifelhaft sein, ob da­nach der Bundesrath Ja zu seinem eigenen Gesetz­entwürfe sagen, ob er nicht vielmehr durch das Hinterthürchen des Wohnungsparagraphen und des Theaterparagraphen Reißaus nehmen würde vor den Größen vom sogenannten Goethe-Bunde, den Mannen unter der Führung der Herren Singer, von Vollmar und Genossen.

Sicher dagegen ist etwas Anderes: wenn der Reichstag auseinander gehen wird, so werden die meisten seiner Mitglieder in die Heimath reifen mit dem Gefühle der Ueberzeugung, daß es so nicht weiter gehen könne, daß unbedingt etwas geschehen müsse, um dem deutschen Parla­mente für die Zukunft zahlreichem Besuch zu sichern. Leider aber ist auch hier das Wie noch im Nebel der Zukunft verborgen.

* Sozialdemokratische Oster- gedankerr.

Mit derselben Regelmäßigkeit, mit der die Schwalben im Frühjahr erscheinen, stellen sich

auch die sozialdemokratischen Ostergedanken ein; nicht etwa, um Zmgniß abzulegen für denjenigen, der glorreich aus dem Grabe erstand, weit ge­fehlt — sondern um mit bekannter Regelmäßig­keit diejenigen mit Hohn und Spott zu über­schütten, die sich zu Christus und dem wahren Christenthurn bekennen.

Der.Vorwärts', das sozialdemokratische Zentralorgan, stellt das Osterfest als ein „ w u n d e r- sames Gemisch von heidnischen und christlichen Vorstellungen" dar. Er ist vielmehr ein „sozial Hoffender", dessen „ganze Seele das Ideal mit hoher Begeisterung erfüllt, das Himmelreich auf Erden zu errichten". Nach der .Leipziger Volkszeitung' feiert das kämpfende duldende Proletariat zwar das Oster­fest mit, aber nicht als „Institution einer Kirchen­gemeinschaft", sondern als den „Glauben an den Sieg der vorwärtsstrebenden Menschheit und fühlt sich in diesem Sinne als Mitglied der großen unsichtbaren Kirche".

So die beiden Hauptparteiblätter; die Pro­vinz- und Lokalpresse steht ihnen an Verunglimpfung des Christenthums am Ostertage nicht nach. Wir gehören nun nicht zu denjenigen, welche sich Über diese christenthumfeindliche Haltung des Sozialis­mus wundern; von der politischen Presse sind wir solches ja schon seit Jahren gewohnt. Rar möchten wir einmal wieder festnageln, daß stch in der Gefolgschaft der Parteipresse auch diesmal wieder einige sozialdemokratische Gewerkschafts- btatter befinden. Dies ist insofern wieder in­teressant, als die freien Gewerkschaften immer und immer wieder behaupten: die Religion werde von den Christlichen in die Gewerk- fchaftsfrage hineingezogen. Sie „freien", thatsächlich aber sozialdemokratischen Gewerk­schaften hätten mit Religion und Politik nicht das mindeste zu thun. " Der „Tabakarbeiter" meint: „Das christliche Osterfest ist nichts anderes eine legendenhaft mit der Person des Reli­gionsstifters in Zusammenhang gebrachte Feier der Abstoßung des Welken. Alten, Ueberlebten, des Sieges, den Licht und Wärme über Düsterkeit und Kälte des Winters alljährlich erringen, eine Feier des Wiedererwachens, der Auferstehung der verjüngten Natur. Die Auferstehung des Gottes­sohns ist eine „christliche Sage", welche das Christen- thum den alten Heiden abgelauscht hat." Der .Grundstein', Organ des Zentralverbandes deutscher Maurer, stellt, getreu seiner sozialdemokratischen und religionS feindlichen bisherigen Haltung, das Osterfest als eine „christliche Mythe" (Mär­chen) dar; gleichzeitig rechtfertigt es sich aber gegenüber den Mitgliedern des Verbandes; denn „einige" unter den 80,000 haben sich beschwert, daß in den Festartikeln „die Religion angegriffen" würde. Diese naiven Leute führt der .Grund­stein' mit folgenden Worten ab: „Diesen „Armen im Geist" müssen wir sagen, daß es uns niemals eingefallen ist, echte und rechte Religion arzutssten." Echte und rechte Religion st bei den Sozialdemokraten aber bekanntlich der Glaube an den Erlöser Sozialismus. Daß die „Armen im Geiste" sich dem Christen- thum noch immer an schließen mit seinem Glauben an „Gottes Vorsehung" und ein „besseres Jen- eits", diese „Dummheit" allein verdient nach

G Der Reichstag nach derOsterpause.

Der Reichstag beginnt heute (Dienstag) seine Berathungen von neuem. Er steht am Ende feiner laufenden Berathungsperiode, und dennoch kann heute niemand sagen, wie wohl diese letzten vier Wochen Reichstagsarbeit verlaufen »erben, auch nicht annähernd. Wir stehen viel­mehr vor einer vollkommen ungewissen Zukunft.

Daß die nächsten vier Wochen auch die letzten vier Wochen dieser Parlamentszeit sein werden, kann man dagegen als wahrscheinlich annehmen. Das Pfingstfest fällt in diesem Jahre spät, bekanntlich auf den 3. Juni. Auf den 14. Juni trifft das Frohnleichnamssest. Da an Reichstagssitzungen in der Pfingstwoche selbst nicht zu denken ist, in der Woche danach aber das FrohnleichnamSfest ist, würde vermuthlich eine Nachsesfion nach Pfingsten nicht vor dem 19., nur im allerdringlichsten Falle schon am 12. Juni beginnen können. Wie schwer es ist, um diese Zeit noch ein beschlußfähiges Haus zusammen- zubringen, weiß alle Welt; um fo schwerer würde das fein, da ja der preußische Land­tag sicherlich vor Pfingsten geschlossen werden und damit ein weiterer Umstand fort« fallen wird, der sonst noch immer zu einem zahl­reicheren Besuche des Reichstages beiträgt. Man darf also vorläufig annehmen, daß dem Reichstage für seine Arbeiten nur noch die Zeit bis zum Ende des Monats Mai zur Verfügung steht. I

Aus dieser einen Annahme kann man die | weitere herleiten, daß der Reichstag mit feinen i Arbeiten bei weitem nicht fertig werden wird, dank der Ueberlaftung mit allerlei neuen und verspätet eingebrachten Regierungsvorlagen. Die Flottenvorlage, das Fleischbeschau - Gesetz, lex Heintze, Seemanns-Ordnung, Reichsseuchengesetz, Nachtragsetat, Postdampferoerbindung mit Afrika, Novelle zur Gewerbe - Ordnung, die schwierigen Unfallversicherungsgesetze: Das alles zu er­ledigen, ist vollkommen unmöglich; wer weiß, ob es möglich sein wird, das Flottengesetz zu verabschieden. Da nun schwerlich anzunehmen ist, daß die verbündeten Regierungen von neuem iu eine Vertagung willigen, vielmehr darauf bringen werden, daß die Tagung geschloffen werde, wird wieder einmal ein großer Aufwand von Arbeit vergeblich gewesen sein. Es werden mehrere Gesetzentwürfe unerledigt „unter den Tisch fallen" und in der nächsten Tagung von neuem ein-1 gebracht werden müssen. Dem Reichstage kann, wenn es so kommen sollte, deswegen nicht bet geringste Vorwurf gemacht werden; denn! er hat mit Hochdruck gearbeitet. Die ältesten Leute unter den Parlamentariern können sich keines Vierteljahres erinnern, in dem so viele Plenarsitzungen abgehalten und so wenige Pausen in der Berathung gemacht wurden wie in diesem abgelaufenen langen Vierteljahre von Neujahr bis Ostern 1900. Die Hauptschuld liegt bei den verbündeten Regierungen, deren gesetzgeberische Arbeit des nothwendigen klaren Planes vollkommen entbehrte.

Daß also der Reichstag seine Tagung wird vor Pfingsten beenden und daß viel Gesetzes- I Material wird als unerledigt zurückdleiben!

Hätte sie jemals geahnt, daß eine Ehe ohne webe, ohne Achtung — nur eine fortgesetzte Kette von Leiden bedeuten würde, fie hätte nicht ein­gewilligt, die Gattin Winters zu werden.

, Röschen hatte geglaubt, in treuer Pflichterfül­lung und in dem Bestreben, Andere glücklich zu Usachen, eine gewisse Befriedigung, und wenn auch richt das verlorene Glück, so doch Ruhe und Frieden finden zu können.

Statt dessen nagte jetzt die Sehnsucht nach ~*ebe und Verständniß an ihrem Herzen und «lachte sie elend trotz allem Luxus, der im Hause herrschte.

^Winter bot Alles auf, die Rosen auf die Mchen Wangen seiner schönen Frau zurückzu- Jwgen. Er hoffte dies durch Zerstreuungen aller 3« bewirken zu können, allein Rosi lehnte jetzt ?ues ob. Sie verweilte am liebsten einsam auf j hhe Ammer, wo sie in stillem Gebete Ruhe "w Kraft gewann, die Mühseligkeiten ihres Lebens ertragen.

Auf die Dauer wurde ein solches Leben dem gesellige Freuden sehr gewöhnten ©bemanne I ^lich zu langweilig. Oft und öfters ging er | * allein aus und tarn bann erst mit dem I 'Uenden Morgen zurück; Röschen kümmerte sich i darum.

Besuche wurden im Winter'schen Hause schon richt mehr angenommen, höchstens daß Tante I