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Juköa, Donnerstag, den 19. April 1900.

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nichts wollte ihr einfallen, was diese plötzliche Abreise bedeuten mochte. Tage lang wartete sie nun auf Nachricht, die doch kommen mußte, — aber nicht das Geringste ließ der vielleicht schon in weiter Ferne Weilende von sich hören. Da erwachte der Stolz, der unbändige, tief beleidigte Mädchenstolz, der ihr schon von jeher eigen ge­wesen.

„Welches Recht habe ich denn an diesen Mann, warum gräme ich mich denn eigentlich um einen, der mit mir gespielt, mein thörichteS Herz mit süßem Blick und Schmeichelwort um­garnt hat, und nun, weil es ihm vielleicht zu langweilig wurde, sich andere Kurzweil sucht. Wenn es ihm Ernst gewesen wäre mit seiner Liebe, hätte er dann nicht längst davon gesprochen und um mich geworben?"

So redete sich Röschen immer tiefer in ihren eingebildeten Zorn hinein, und versuchte, wieder heiter, wie ehedem, zu erscheinen. Doch eS ging nicht.

In solchen Momenten, wo sie sich das Bild des ernsten Mannes vergegenwärtigte, wie seine Augen leuchteten, wenn er von Ferne ihrer an­sichtig wurde, wie er so gütig, und ihr gegenüber trotz seines Reichthums und trotz seines reichen Wiffens stets bescheiden, fast demüthig erschien, und Niemanden fühlen ließ, daß er durch seine hohe Bildung und seinen Schatz an Kenntnissen allen weit überlegen war, wie auch sein ganzes Wesen eine hohe Begeisterung für alles Gute und Schöne verrieth, dann kehrte auch die heiße Sehnsucht nach dem Fernen zurück, aber meistens wurde das alles schnell wieder verdrängt durch andere zornige Gedanken, Sie wollte nicht mehr

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Fulda, 19. April.

II.

Die Hauptversammlung, welche gestern Vormittag 11 Uhr im neuen Stadlbausaale ihren Anfang nahm, erhielt durch die Anwesenheit des Hochw. Herrn Bischofes und des Herrn Provinzial- schulrathes Dr. Pähler-Kaffel ein besonders festlicher Gepräge. Der Vorsitzende des Ver­bandes Herr Rektor Brück-Bochum eröffnete die Versammlung mit folgenden Worten:

Gelobt sei JefuS Christus! In Ewigkeit. Hochw. Herr Bischof! Hochverehrter Herr Peovinzialschulrath! Liebe Herren, die zu unserer heutigen Versammlung er­schienen sind! Die S. Generalversammlung des katholischen Lehrerverbandes zeichnet sich dadurch vor allen ihren Vorgängerinnen aus, daß fie gleichzeitig die Jahrhundert­feier des katholischen Lehrerverbandes sein soll. Aus diesem Grunde haben wir uns hier in der Stadt Fulda -versammelt, an jener Stätte, wo ein hl. Bonifatius, ein hl. Rhabanus Maurus und andere heilige Männer ge­wirkt haben, an jener Stätte, von welcher Glauben und -Gesittung über einen großen Theil unseres Vaterlandes fich verbreitet haben. Daß diese Feier etwas Außer­ordentliches bedeutm soll, das, meine Herren, haben Sie heute morgen schon alle empfunden in der hehren Feier, die wir im Dome gehabt haben. Wir wollen uns nun in diesem Augenblicke dankbar erinnern alles besten, was für die Volksschule, für den Lehrerstand im ver­gangenen Jahrhundert geschehen ist. Welch ein gewaltiger Fortschritt, wenn wir den Anfang mit dem Ende des Jahrhunderts vergleichen. Allerdings war auch im 18. Jahrhundert schon manche? für das Bolksschulwesen ge­schehen. In Preußen z.B hatten die Könige Friedrich Wil­helm II. und sein Sohn Friedrich II. schon manche Anregung Hur Besterung der Verhältnisse gegeben. Aber die wohl­meinenden Absichten dieser Fürsten konnten nicht zur -Ausführung gelangen, oder wenigstens nicht in ge­wünschtem Maße, weil es an denjenigen fehlte, die diese Absichten hätten ausführen können: es fehlte an Lehrern. Dasjenige, was im 18. Jahrhundert erreicht worden ist, wurde wieder hinweggefegt durch die Stürme, die im Anfang des 19. Jahrhunderts über unser Vaterland dahinbrausten. Aber der liebe Gott hatte schon Männer erweckt, die auf die bohe Bedeutung der Jugend­erziehung hinwiesen. In der Schweiz war es ein Pestalozzi, besten rastlose Thätigkeit und warme Begeisterung für die Jugend alle Herzen mit sich fort­riß. Seine Gedanken verpflanzte der selige Over berg auf katholischen Boden. Durch Heranbildung einer -großen Zahl von Lehrern und Lehrerinnen wurde er der Vater des katholischen Bolksschulwesens nicht nur in seinem engeren Wirkungskreise Münster, sondern im ganzen deutschen Vaterlande. Im Süden war es der edle Bischof Sailer, „der Erzieher der Erzieher", der im gleichen Sinne wirkte. Ihre Aufgabe übernahm unser unvergeßlicher Dr. Lorenz Kellner, den zum Mitglied gehabt zu haben der katholische Lehrerverband sich für alle Zeiten zu hoher Ehre rechnen wird. Auch die Regierung säumte nicht, nachdem die Unglücksjahre glücklich überstanden waren, das Bolksschulwesen nach allen Richtungen zu heben. Es wurden Schulbehörden eingesetzt und Seminarien errichtet. Auch die materielle Lage der Lehrer bewerte sich nach und nach. Sie wurde auf eine gesetzliche Grundlage gestellt und den Zeit- verhältnisten angepaßt. Wenn so, m. H., das 19. Jahr­hundert uns ein glänzendes Bild des Fortschrittes der Volksschule zeigt, eines Fortschrittes, der von unfein Nachbarländern als Muster hingestellt wird, so fehlte «s doch auch nicht an Schattenseiten. Schon in der ersten Hälfte des Jahrhunderts waren Männer auf-

von der göttlichen Vorsehung mit hohen iSpestattet, die aber nicht auf dem festen Boden des ChrifteuthumS standen. Der Samen, den fie ausstreuten, schoß üppig in's Kraut, als in den 7Oei Jahren der Streit zwischen Staat und Kirche aus-

„Und hat Ihr Herr keine Zeile — keinen einzigen letzten Gruß für mich zurückgelassen?" fragte Röschen mit erstickter Stimme.

„Nichts, — gar nichts, Fräulein, er hat über­haupt nicht von Ihnen gesprochen," — antwortete Lebrecht finster und grollend.

„Das — das ist unmöglich, — das kann ja nicht sein, er kann nicht so, ohne Abschied, fort sein, sehen Sie, bitte, — doch noch einmal nach!"

„Das ist umsonst, Fräulein, er hat sich gar nicht niedergesetzt, als er heim kam, sondern ist sogleich abgereist."

Ltbrecht fühlte beim Anblicke dieses todtenbleichen, wankenden Mädchens seinen Groll etwas schwinden, und fuhr in milderem Tone fort: „Könnten Sie uns nicht sagen, was vorgefallen ist, vielleicht ließe sich noch alles wieder zum Besten wenden."

Röschen schüttelte traurig den Kopf. „Ich weiß von nichts, gewiß nicht."

„Das mag der Teufel glauben", brummte der Andere.

Rosi wanke ins Haus. Die bebenden Glie­der schienen den Dienst versagen zu wollen, ihre Hand suchte nach einer Stütze, sie griff in die Luft und wie ein müdes Kind setzte sie sich am Fuße der Treppe nieder.

In dieser Verfassung traf sie Winter, der wohl erkannte, daß hier etwas Besonderes vorge­fallen sein mußte.

Er versuchte, durch liebreiches Sprechen und Zureden sie zur Mittheilung zu bewegen, allein sie würdigte ihn gar keiner Antwort. Hätte sie nur eine Ahnung gehabt, wie das alles zusammen- hing, dann wäre ihr wohler gewesen, aber so, — umsonst war alles Grübeln, nichts, rein gar

würbe unS Rektor Kielholz in Magdeburg durch den Lod entriflen, der es trotz feines hohen Alters auf sich genommen hatte, in feinen letzten Lebensjahren den Provwzialverein zu leiten. Am 18. März traf unS der " ...... "berltin, Gründer

Das Kluckskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

33 ------ Nachdruck verboten.

Ich half ihm dann die Kleider wechs In, und hoffte, er werde sich ein paar Stunden nieder­legen, aber er wollte nichts davon wissen; eilig mußte ich ihm ein Weniges in ein Köfferchen packen, — dann, — dann nahm er Abschied auf lange Zeit, — vielleicht auf — immer, wie er mit matter, tieftrauriger Stimme und einem herz­zerreißenden Lächeln sagte, — und ich glaube uuch, daß ich meinen Herrn nicht wieder sehen werde, denn so, — wie der aussah,--ich

sürchte das Schlimmste." —

Ich bat und flehte, ich umklammerte seine Knie und beschwor, mich mitzunehmen, — alles umsonst, alles vergebens.

„Bleibe, wo Du bist, mein treuer Alter," sagte er zu mir, „und versuche, glücklich zu werden, — glücklicher als Dein armer, bedauernswerther Herr, dem auf Erden nichts als Enttäuschungen besckieden ist, der trotz seines Reichthums keine Freude mehr am Leben hat. Heirathe das Mädchen Deiner Wahl, ich will nicht, daß Du meinetwegen Dich von ihr trennen sollst, — verwahre mein Haus gut, Ihr werdet später, wenn es mir möglich ist, von mir hören."

Damit ging er, — ob ich auch schluchzend die Hände rang, er blieb dabei, ich konnte den sonst sanftmüthigen, nachgiebigen Mann nicht von 'einem Vorsatz abbringen."

Hastig, als schäme er sich deffen, fuhr Lebrecht tviederum mit dem buntgewürfelten Taschentuche

brach. Doch die katholischen Lehrer erkannten zum großen Theil die Gefahren, die der Jugenderziehung drohten. Sie thaten sich zu Vereinen zusammen. Zu­nächst waren es die beiden Diözesanvereine „Fulda", in deflen Mitte wir ja heute tagen, und der Diözesan­verein „Osnabrück". Nachdem aber im Jahre 1889 bei Gelegenheit der 36. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Bochum der katholische Lchrerverbaud des deutschen Reiches gegründet worden war, entstanden allenthalben katholische Lehrervereine. Der 11 jährige Bestand beS katholischen Lehrerverbandes ist ein elfjähriger Kampf gewesen. Verdächtigt von übelgesinnten Gegnern bei den Behörden, lächerlich ge­macht bei unfern katholischen Kollegen, hat er sich dennoch stattlich, wenn auch lanufam entwickelt. Heute, m. H., sind die größten Schwierigkeiten über­wunden; heute haben wir nicht mehr mit dem Miß­trauen der Behörden zu kämpfen. Im Gegeutheil, unsere Schulbehörden haben erkannt, daß der kath. Lehrer­verband nidjtS anderes will, als waS jede gute Staats­regierung will, nämlich die Unterthanen christlich und dadurch königstreu zu erziehen! (Bravo.) Auch die Zu­rückhaltung der Kollegen hat mehr und mehr aufgehört. Ja, ich kann Ihnen versichern, daß es in einigen Gegenden unseres Vaterlandes als selbstverständlich betrachtet wird, daß der junge Lehrer sogleich nach feiner Anstellung Mitglied eines katholischen Lehrervereins wird. (Bravo.) Das ist eS, was wir erstreben wollten. Wir ältere Männer haben ja Erfahrung genug, wir wissen, was unser Standpunkt ist und daß wir ihn festzuhalten haben; aber unsere jüngeren Kollegen auf denselben Weg zu führen, muß stets unser Bestreben fein. Wir dürfen also mit freudigem Dank am Ende des 19. Jahrhunderts rückwärts schauen, wir dürfen mit froher Hoffnung auf das 20. Jahrhundert vorwärts blicken. Möge auch bte heutige Versammlung dazu beitragen, daß wir unferm Ziel immer näher kommen und das Band zwischen den katho­lischen Lehrern immer enger geknüpft wird.

ES liegt mir nun die traurige Pflicht ob, derjenigen Mitglieder dcs BerbandeS zu gedenken, die im Laufe dieses Jahres in die Ewigkeit abgerufen sind. Sehr herbe Verluste waren es, die uns getroffen haben, namentlich in den letzten Wochen des BerbandSjahreS. Im Januar

starb der Hauptlehrer Siena im Rheinlande. Er war ein Mann ohne Tadel, ein Mann nach dem Herzen Gottes. Was er gewirkt durch feine edle Selbstlosigkeit, in den Vereinen durch Vorträge, in den Schulzeitungen durch Aufsätze, durch Schriften, die er herausgegeben, das, meine Herren, wissen die am besten, die ihm nahe gestanden haben. Kurz, er war ein Manu ohne Tadel. Meine Herren, gedenken fie dieser genannten Verstorbenen im Gebete, namentlich beim heil. Meßopfer. Wir wollen den Entschluß fassen, dies fortwährend zu thun; und nun zum Zeichen, daß auch Sie damit einverstanden sind, daß wir diese öffentliche Ehrung unfern verstarb. Mitgliedern zu Theil werden taffen, bitte ich Sie, sich von Ihren Sitzen zu erheben.

Alsdann beehrten Se. Bischöflichen Gnaden die Versammlung mit folgender An­sprache :

Liebe, verehrte Herren Lehrer! Bevor ich den bischöflichen Segen Ihnen ertheile, möchte ich einige Worte an Sie richten. Zunächst möchte ich Sie be­grüßen, alle die herbeigeeilt sind aus den Gauen Deutschlands und möchte Sie begrüßen im Namen der Stadt Fulda, wo selbst der erste Lehrer, der „primus praeceptor Germaniae", der hl. Rhabanus seine segens-

2. herbe Verlust. Unser lieber Häl

und Leiter des kath. LehrervereinS Bayerns, wurde uns durch den Tod entriffen. Meine Herren! Es ist nicht meine Aufgabe, seine Verdienste hier darzulegen. Sir find wohl,genugsam ausgesprochen In dem Wunsche: Möge es dem kath. Lehrerverein Bayerns gelingen, einen feiner würdigen Nachfolger zu finden! An demselben Tage

scheidensten, den wichttgsten Jahren die Kinder von der Vorsehung in die Hand gegeben sind, welch' ein ehren­volles und segensreiches, zugleich aber auch welch' ein verantwortungsvolles Apostolat Ihnen der Herr des Himmels und der Erde in die Hand gegeben hat. Und darum habe ich vorhin schon im Dome innig gefleht und werde es an dem heutigen Tage noch wiederholt thun. Möge der hl. Bonifatius Ihnen einen recht lebendigen Glauben verleihen, der Ihnen stets vergegenwärtigt, was ein Kind tn den Augen Gottes ist, für das der Heiland sein Blut vergoffen hat. Möge Ihnen der hl. Bonifatius eine recht opferwillige Liebe erflehen, eine Liebe, die Sie dahin führt, daß Sie dem Kinde alles werden. Undmöge der hl. Rhabanus Ihnen ein Funken von jener Berusstreue erflehen, in der fein ganzes Leben aufgegangen ist. Und dann, meine Herren, wird der Lohn Ihnen nicht ausbleiben. Hier auf Erden schon wird Ihnen Kirche, Staat und Familie nicht genug Dank sagen können, denn alle nehmen Theil in gleicher Weise an dem Segen, den ein wahrhaft guter, christlicher Lehrer wirkt. Aber einer wird Ihnen den Lohn geben, den ewigen unaussprechlichen Lohn. Sie wissen, wer seine eigne Seele rettet, dem wird für den treubestandenen Kamps eine ewige Siegeskrone ver­liehen. Wer aber die Seelen vieler rettet und nament­lich derer, die ihm anvertraut sind, der ist ein Mit­arbeiter Jesu Christi am göttlichen Heilsgeschäfte. Darum darf ich.Ihnen mit vollem Recht die Worte zurufen, die der Engel zum Propheten Daniel fpricht: „Die da viele zur Gerechtigkeit erziehen, die werden glänzen wie die Sterne in alle Ewigkeit." Und, liebe Herren Lehrer, kommt einmal Ihre Stunde, da wird dann der ewige Richter vor Sie treten und mit unendlicher Milde und Huld Ihnen die Worte zurufen, die Sie dann erst recht verstehen werden: „Was Ihr guten und getreuen Lehrer an den kleinen Kindern gethan, das habt Ihr mir gethan. Aber Ihr seid mir nicht über Weniges und Geringes treu gewesen. Ihr seid mir treu ge­wesen über Großes und Vieles, über unsterbliche Seelen, die ich durch mein Blut erlauft habe. Ich selbst will Euer ewiger Lohn sein. Kommet und gehet ein in die Freude Eures Herrn." Damit der liebe Gott die Ver­sammlung der Delegirten ans allen Gauen Deutsch­lands in dieser Weste segnet, damit er sie segnet nach jeder Seite hin auf die Fürbitte der hl. Bonifatius, Rhabanus, Sturmius, des hl. Eigil, all der Fuldaer Heiligen, die am Throne Gottes stehen, in diesem Sinne will ich Ihnen recht gern den bischöflichen Segen er­teilen. (Die Versammlung kniet nieder und empfängt den bischöflichen Segen.)

Herr Provinzialschulrath Dr. Pähler richtete darauf folgende Worte an die Versammlung:

Hochverehrte Herren! Die kgl. Regierung zu Kassel hat mir den ehrenvollen Auftrag ertheilt, die General­versammlung des Verbandes der katholischen Lehrer von Deutschland freundlich zu begrüßen. Zugleich bin ich von Er. Exzellenz dem Frhrn. v. Zedlitz und vom Re­gierungspräsidenten Trott zu Solz ersucht worden, der Versammlung chre Grüße zu entbieten, zu bauten für die freundliche Einladung, die ihnen zugegangen ist, und dem Bedauern Ausdruck zu geben, daß dienstliche Ab­haltungen es den beiden Herren unmöglich gemacht haben, zu erscheinen. Mir persönlich ist es eine Freude, daß es mir vergönnt ist, an Ihren Berathungen theil- zunehmen. Die Ziele, welche der Vorsitzende des Ver­bandes, Herr Rektor Brück, mit beredten Worten dar­gelegt har, erfreuen sich der vollsten Billigung der kgl. Staatsregierung. Sie wollen, meine Herren, nach Ihren Satzungen die Schule heben auf dem Boden christlicher Jugenderziehung. Schon vorhin ist vom Hochw. Herrn Bischof ausgeführt worden, wie glücklich gerade die Mahl des Ortes ist, den Sie diesmal zu Ihren Be- raihungen gewählt haben. Ich brauche nicht weiter auszusühren, wie geweiht die Stätte ist und die Erinnerung an den großen Apostel der Deutschen, wie von dieser Stätte aus Ströme beS Lichtes und der Ge­sittung in unser Vaterland sich ergoffen haben und wie in der Geschichte der Erziehung diese Stätte einzig da­steht vor vielen anderen. Sie wollen, meine Herren, ferner fördern die Interessen des Lehrerstandes, wollen arbeiten an seiner geistigen und sittlichen, an seiner wirthschaftlichen und gesellschaftlichen Hebung. Mit vollem Recht hat Ihr Herr Vorsitzender bargelegt, welche gewaltige Fortschritte im letzten Jahrhundertder

reiche Lehrthätigkeit entfaltet hat. Und ich begrüße Sie im Namen der Bischofsstadt Fulda, die nicht nur das theure National-Heiligthum, das Grab des hl. Bonifatius, in ihren Mauern birgt, sondern die auch den Lehren, die der hl. Bonifatius einst auggebreitet hat, bis heute treu geblieben ist, und welche stolz daraus ist, Fulda zu sein und Fulda zu bleiben. (Bravo!) Ganz besonders aber, liebe Herren Lehrer, begrüße ich Sie am Grabe des hl. Bonifatius, unseres Glaubensvaters, dem wir nach 'Gott das theuerste Kleinod, das wir besitzen, verdanken, den hl. katholischen Glauben. Meine Herren, Sie weilen hier auf einem hl. Boden. „Ich habe diesen Ort", fo schreibt der hl. Bonifatius, „von frommen Männern rechtmäßig er­worben und habe ihn dem Erlöser geweiht." Darum werden die Herren auch zwischen den Domthürmen eine gewaltige Salvator-Statue schauen, die diesen Ort segnet. Sie weilen hier, meine Herren, auf einer .terra saneta“ möchte ich ausrufen, in die der hl. Bonifatius das Senfkörnlein der Religion des Kreuzes hineinlegte, das alsbald zu einem kräftigen Baum heranwuchs. Sie weilen hier an einem hehren Orte, den der hl. Bonifatius einst in seinem Testamente sich als Ruhestätte erwählt hat. „Hic qnies, hic resnrrectio mea!“ „Hier soll meine Ruhe, hier der Ort meiner Auferstehung fein." Es kann uns darum nicht ver­wundern, wenn felbst der protestantische Professor Leo in Halle sagt: „Die Grabesgrust des hl. Bonifatius im Dome zu Fulda, die muß uns heiliger sein als den Israeliten die Gräber ihrer alten Väter, der Patriarchen. Denn alles was Großes in einem Jahrtausend in Deutschland geschehen ist, hat seine Wurzeln in dem Wirken des hl. Bonifatius." Und wie darum, meine Herren, viele Millionen seit tausend Jahren nach diesem Grabe gewallfahrtet sind, um sich dort Kraft und Stärke zu holen, und wie noch jüngst der Bonifatiusverein, den der Bekennerbischof Martin als die Hauptpflicht der Katholiken in der Gegenwart be­zeichnet, hier in der vollendetsten Weise sein goldenes Jubiläum feierte und wie die Bischöfe Preußens sich jedes Jahr an seinem Grabe zusammenfinden, um über ihre erhabenen Aufgaben sich an diesem Grabe zu be- rathen, so sind Sie meine lieben Herren Lehrer, aus ganz Deutschland hierhergeeilt, um Ihre wichtige General-Versammlung an diesem Grabe abzuhalten und zugleich die Feier der Jahrhundertwende damit zu verbinden. Sie wollen einmal, meine Herren, beim Rückblicke, wie der Herr Präsident so schön gesagt hat. Dank sagen, und Sie haben wahrhaftig Grund, Dank zu sagen, wenn Sie auf das blicken, wa§ im verflossenen Jahrhundert in geistiger und materieller Hinsicht für die Schule und den Lehrerstand geschehen ist. Ganz be­sonders haben Sie ein Recht, ein feierliches Te tieum anzustimmen; denn, was ja auch der Herr Präsident so schön andeutete, in den gewaltigen Stürmen da haben die katholischen Lehrervereine wacker ausgehalten, sie haben die Kinder treu erzogen in dem Geiste des Christen- tyumC und dadurch in die Herzen vieler Tausenden das Fundament zu einem ewigen Glücke gelegt. Liebe Herren Lehrer! Ich freue mich schon, wenn ich in einigen Tagen zu den Fußen des Stellvertreters Christi in Rom knieen werde, um ihm zu sagen, was speziell der katholische Lehrerverband in schwierigen Tagen in kirchlicher Be­ziehung geleistet hat. (Bravo!) Ich glaube, daß ich damit das Herz des Jubelpriesters erfreuen werde und daß es ihm Trost bringen wird. Diese Lehrervereine und vor allen der von mit so hochgeschätzte Verein der Diözese Fulda haben sich sodann zu einem gewaltigen Verbände zusamrnengethan, zusarnrnengethan im ganzen deutschen Reiche, um dadurch um so mehr an Stärke und Kraft zu gewinnen — und daran haben Sie wohl gethan, um, wie Sie im ersten Paragraphen der Sta­tuten Ihres Verbandes sagen, so recht die Schule christ­lich tief zu durchdringen. Sie sind nicht blos darum hierher gekommen, um ein Te Deum zu fingen, sondern auch um sich zu stärken am Grabe des hl. Bonifatius für Ihre hohe Aufgabe für die Zukunft. Ja, Sie wissen alle, so gut wie ich es nur sagen kann, es ist der Wille des himmlischen Vaters, daß alle Kinder erzogen wer­den sollen zu guten und nützlichen Gliedern der mensch­lichen Gesellschaft. Sie wissen so gut wie ich, daß die Seelen der Kinder vom Himmel stammen und zum Him­mel zurückkehren müssen. Sie kennen den Grundsatz, daß, wer die Jugend hat, dieZukunft hat; und darum, liebe Lehrer, sehen Sie, da Ihnen gerade in den ent

über die Augen, dann fuhr er grimmig fort: „Ich wette meinen Kopf zum Pfände, dahinter steckt ein Frauenzimmer, so ein---"

Kathi fuhr auf und legte ihm die Hand auf den Mund.

„Ja, Du," sagte Lebt echt mit veränderter Stimme, „Du bist wohl eine Ausnahme, brauchst nicht zornig zu werden; denn Dich will ich nicht schmähen, Du bist alle Zeit ehrlich und gut zu mir gewesen, — aber die andern, — Schlangen sind sie, alle miteinander, schlecht und niederträchtig. Denn, daß mein armer, guter Herr in das hüb­sche Lärvchen, Euer Prinzeßchen — verliebt war bis über die Ohren, das konnte doch ein Kind sehen. O, wie heiter und lustig konnte er in der letzten Zeit immer sein, so vergnügt, wie ich ihn nie gesehen. Run mag der Teufel wissen, was los ist; sie wird ihn mit einem Korbe heimgeschickt haben, wird vielleicht einen jüngeren, hübscheren wollen, — und nun ist er fort, wieder in die weite Welt hinaus, wahrscheinlich auf Nimmer­wiedersehen. Wenn ich nur wüßte, was dahinter steckt, ich gäbe was drum!'

Kathi versuchte, so gut sie es vermochte, den Aufgeregten zu beruhigen. ■ SÖÜ Droben aber, am Fenster lehnte ein todten- bleichcs Mädchen, die Hände krampfhaft ineinander­geschlungen, die Augen starr in die Weite gerichtet, unbeweglich und stumm. Erst als der Erzähler drunten sich zum Fortgehen anschickte und Kathi die Hand reichte, — da kam Leben in die Gestalt, eilends flog sie die Treppe hinab und stand in der nächsten Minute vor L-brecht, der erstaunt das Mä vchen an blickte, das mit fliegenden Haaren herzustürzte.