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mit Nnterhallungs-Beikage „Issukrirte Sonntaqs-Zeitung!'

Stuföa, Mittwoch, den 18. April 1900.

M88.

IX. Kritlil-Ntchmlmg des dchol. jlchrer-vcrdtliidks des SkiWa Leiches.

I.

Fulda, 18. April.

Der katholische Lehrer-Verdand deS Deutschen Reiches hält in diesen Tagen hier in der Boni- fatiusstadt Fulda, in der Stadt, wo der heil. 'Rhabanus, der primus praeceptor Germaniae, gewirkt hat, seine 9. General-Versammlung ab. Es ist von besonderer Bedeutung, daß der katho­lische Lehrer-Berband im Jubiläumsjahre sich am Grabe des hl. Bonifatius, des Apostels der Deut­schen, versammelt, um sich zu stärken im Kampfe gegen die Entchristlichung unseres Volkes, die gerade auf dem Gebiete der Schule große Ver­heerungen anrichten müßte. Das ganze katholische Deutschland begleitet die Berathungen der Lehrer mit den innigsten Wünschen, und insbesondere die Bewohner der Stadt Fulda nehmen regen An therl an den Veranstaltungen der General-Versamm­lung, da es sich in erster Linie um das geistige und sittliche Wohl und Wehe unserer Kinder und damit um die Zukunft unseres ganzen Volkes handelt.

Die Veranstaltungen nahmen ihren Anfang mit einer Delegirtenversammlung des Vereins kath. Lehrer in der Diözese Fulda, die gestern Nachmittag um 5 Uhr im M. ks.-Saale der Harmonie tagte. Außer fünf Vorstandsmitgliedern waren 27 Delegirten der . Zweigvereine des Diözesanvereins Fuldaerschienen. Der Vorsitzende, Herr Ritzel-Fulda, eröffnete nach herzlicher Begrüßung die Versammlung und ertheilte den Rechnungsführern des Lehrervereins, des Unterstützungsvereins und der Sterbekaffe das Wort zu einem Rechenschaftsberichte. Nach Erstattung dieser Berichte wurde den Herren Rechnungsführern Vonderau und Dietrich Decharge ertheilt; hierauf berichtete der Vereins­schriftführer über die im Dezember vorgenommene Vertheilung von WeibnachtSgaben an die Hinter­bliebenen verstorbener Vereinsmitglieder. — Von den auf der Tagesordnung stehenden Anträgen wurde der erste abgelehnt, der zweite nach er­folgter Aufklärung seitens desjHerrn Vorsitzenden zurückgezogen und der dritte einstimmig ange­nommen. Zufolge der Annahme des dritten An­trages soll künftighin alle zwei Jahre eine Generaloerfammlung und zwar während der Herbstferien stattfinden, so daß in einem Jahre im Anschluffe an die Exerzitien eine Dele­girtenversammlung und im folgenden eine General­versammlung abgehalten werden soll. Sodann wurden Beschlüsse gefaßt über die Art der Stellung des Hauptvereins Fulda im katholischen Lehreroerbande, über Angelegenheiten des Vereins­organs und die Aufnahme neuer Vereinsmit- glieder. Als letzter Punkt stand auf der Tages­ordnung die Wahl eine Ortes für die nächste Generalversammlung im Herbst 1901. Auf Vor­schlag deS Herrn Schwanenberger-Seiferts wurde Hilders in Aussicht genommen. Der Vereins­vorstand übernahm es, mit dem Lehrerkollegium zu Hilders deshalb in Verbindung zu treten. Um 6*/4 Uhr war die Versammlung beendigt.

Gleichzeitig fand im großen Saale der Har­monie die erste Sitzung des Vorstandes und

Das KMckskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

32 ------ Nachdruck verboten.

Bon den beiden einsam dahin Wandelnden hatte indeß keines eine Ahnung, daß ihnen eine hohe Männergestalt vorsichtig von weitem nach­folgte. Die tiefschwarzen Augen leuchteten förm­lich aus dem blassen Gesicht, auf dem ein eigen« thümlich gespannter Ausdruck lag. Mechanisch fuhr der Mann zuweilen mit der Hand über die Stirn, als wolle er quälende, unangenehme Ge­danken verscheuchen, doch wandte er keinen Blick von dem vor ihm hergehenden Paare, dem er vach und nach ganz nahe gekommen war. Die dicken Stämme der ölten Bäume verdeckten die Gestalt des Mannes, er trat so sachte auf und der weiche Waldboden dämpfte die Schritte, daß >van nicht das leiseste Geräusch vernahm.

Doch mit einem Male blieb der Späher wie angewurzelt stehen, sein Gesicht bedeckte Todten- dlässe, die Züge verzerrten sich in unheimlicher Weise, die Augen blickten starr mit entsetztem Ausdruck auf die beiden Menschen vor ihm, es Wien, als sträubte sich das Haar, die Hände sffeckten sich wie abwehrend aus, und mit einem Hessen Wehlaut stürzte er nieder in das duftende, leuchte Moos; das Haupt sank schwer auf die Hande, ein Schluchzen erschütterte den starken Körper, der sich wand wie in fürchterlichen schmerzen.

Das also, — das war das Ende von all' der Nichkeit, das Ende all' seines Glückes! Was vnte er sehen müssen! DaS Mädchen, auS dessen

der Delegirten des Verbandes statt. Die Verhandlungen erstreckten sich hauptsächlich um folgende Punkte: 1. Vereinfachung der deutschen Rechtschreibung; 2. Einjährig-freiwilliger Militär­dienst der Volksschullehrer; 3. Festsetzung der Berathungsgegenstände für die demnächstigen Ver­sammlungen der Provinzialvereine und der Ver- bandsoersammlungen; 4. Jugendschriften. Ueber die Einzelheiten der Berathung, die nur für Lehrer von Interesse ist, können wir hier hinweg­gehen, da die Lehrer den ausführlichen Bericht über dieselben in ihren Verbandsorganen erhalten.

Abends 8 Uhr fand sodann im neuen Stadt­bausaale die Begrüßungsfeier mit einem solennen Kommers statt, an dem sich außer den vielen Lehrern auch die Bürger der Stadt Fulda recht zahlreich betheiligten und damit durch die That zeigten, wie sehr ihnen die Bestrebungen des katholischen Lehrerverbandes sympathisch find. Die Musik wurde von dem Trompeter- korps des Feldartillerie-Regiments Nr. 47 aus­geführt. Der schöne Saal, der in elektrischem Lichte erstrahlte, wachte auf Alle einen imposanten Eindruck, und es konnte erfreulicherweise konsta- tirt werden, daß die Akustik des Saales vorzüg­lich ist. Der Vorsitzende des hiesigen Lokalkomi­tees, Herr Lehrer Ritzel eröffnete die Versamm­lung mit folgender Ansprache:

Ein herrliches lautes Alleluja durchbrauste in den letzten Tagen die Kirchen Fuldas und der ganzen christlichen W»lt. Ein volltönendes Alleluja möchte auch ich hineinrufen in diesen Saal. Der herrliche Saalbau der Stadt Fulda steht vollendet da, durchströmt von angenehmer Wärme, durchfluthet von elektrischem Lichte, gefüllt von einer froh bewegten Menge. Leichten Herzens entledige ich mich der Aufgabe, die mir obliegt als Vorsitzender des Ortskomitee's, ferner als Vorsitzender des festgebenden Zweigvereins des katholischen deutschen Lehrerverbandes, meiner Aufgabe, die darin besteht, ein herzliches Willkommen »uzurufen der hochverehrten Fest­versammlung. Diese Grüße entbiete ich allen Anwesenden, herzliche Grüße allen unseren lieben Freunden und Ber- bandsgenoflen, mögen sie kommen von der -Ostsee oder von ver Nordsee, vom schönen Rhein, von den Ufern der Isar, oder aus der Hauptstadt des deutschen Reiches, kurz aus allen Provinzen unseres Landes, die sich unserem Verbände angeschloflen haben; — sie alle heiße ich willkommen und ihre Delegirten, unter denen ich gar manchen Areund, gar manches bekannte Gesicht finde; denn ich habe schön oft Gelegenheit gehabt, auf den Versammlungen Freundschaft und Bekanntschaften anzuknüpfen. Darum noch einmal allen lieben Veretnsmitgliedern ein herzliches Willkommen. Ich bin fest überzeugt, daß Sie gern hierher gekommen sind. Denn schon lange war es der Wunsch des Ver­bandes, hier an dieser Stätte die katholischen Lehrer Deutschlands vereint zu sehen. Denn welches katholische Herz schlägt nicht höher, wenn es sich erinnert, daß Fulda gewissermaßen die Metropole des katholischen Deutschlands ist. Denn es ist die heilige Stätte, wo der hl. Bonifatius, der Apostel Deutschlands, der kommenden Auferstehung entgegenharrt. Hier ist die Stadt, wo der hl. Sturmius gewirkt, wo der heilige Rhabanus Maurus gelehrt hat. Fulda hat eine große Vergangenheit aufzuweisen und insbesondere die Schulen Fuldas genossen schon in früher Zeit einen Weltruf. Und auch heute noch besitzt Fulda vortreffliche Schulen. Darum können wir stolz sein auf unsere Stadt. In Sulda sind alle Schulgattungen vertreten, von der olkSschule bis zu den höheren Schulen, mit Ausnahme der Universität. Dafür haben wir aber eine besondere Anstalt hier, in der die Priester der Diözese Fulda ihre Ausbildung erhalten. Mein Willkommen gilt nicht weniger der verehrten Bürgerschaft Fuldas, die unserer Einladung so zahlreich Folge geleistet hat, die uns hilft, die weiten schönen Räume gefüllt zu sehen. Gewiß ist das, verehrte Bürger Fuldas, ein Beweis dafür, daß Sie Jnterefle an unseren Bestrebungen haben, an den

Augen ihm ein neue?, großes, unfaßbares Glück entgegen lachte--in den Armen eines andern.

Dr. Malljar schlug sich vor die Stirn, in wahnsinnigem, namenlosem Schmerz.

„O Gott, Gott — laß mich nicht wahnsinnig werden," flehte er, und wieder sank die hohe, edle Slim auf die ausgebreiteten Arme — — er sah nichts mehr.---

Er sah nicht, daß Röschen, die erst wie be­täubt und kraftlos vor zorniger, fürchterlicher Ueberraschung einige Sekunden lang in den Armen des frechen Menschen lag, in wilder Hast davon­stürmte, verfolgt von Winter, der bis aufs Aeu- ßerste erregt war. Als er vorhin den kühnen An­sturm wagte, und die vor Schrecken wie leblose, fast ohnmächtige Gestalt Röschens in seinen Ar­men hielt, da glaubte er schon gewonnen zu haben, weil das Mädchen nicht, wie er gefürchtet hatte, zornig aufgefahren war, sondern sich willenlos von ihm umarmen ließ. Aber bald kehrte ihr das momentan entflohene Bewußtsein zurück. Mit Gewalt sich losreißend, lief das geängstigte Mädchen, so schnell es die bebenden Glieder gestatteten, quer durch den Wald, ohne auf den Weg zu achten, dem Forsthause zu. Winter hatte sie bald ein­geholt.

„So höre doch, geliebtes Kind," bat er flehent­lich, „ich weiß, ich war zu ungestüm, aber — ich liebe Dich, schon länger, als Du ahnst, — und Du mußt die Meine werden, und sollte ich Dich mit Gewalt zum Altäre schleppen."

Sprachlos vor Entrüstung hörte Rosi eine Weile zu, dann rief sie bebend: „Ich verbiete Ihnen, mich „Du" zu nennen, — was gibt Ihnen ein solches Recht?"

Bestrebungen des Katholischen Lehrerverbandes. Und das ist ja auch selbstverständlich. Denn welcher Vater interesstrt sich nicht dafür, welches Ziel die Lehrer uud Erzieher seiner Kinder verfolgen. Es muß das Herz eines christlichen Vaters mit Freude erfüllen, wenn er sieht, wie die katholischen Lehrer des deutschen Reiches die Schule nach den Grundsätzen des Christenthums, nach den Lehren der katholischen Kirche verwalten. Herzlich willkommen heiße ich besonders auch die Mitglieder des Magistrats, die heute erschienen sind, und an ihrer Spitze Herrn Oberbürgermeister Dr. Antoni. Besonders sind wir ihnen Dank schuldig für die Bemühungen, dieses Fest zu ermöglichen, indem sie dafür gesorgt haben, daß der Saal rechtzeitig fertiggestellt worden ist. Noch einmal rufe ich allen verehrten Anwesenden ein herzliches Willkommen entgegen. Möge der heutige Abend einen recht schönen Verlauf nehmen, möge er eine Vorbedeutung sein dafür, daß auch die morgigen Veranstaltungen des Verbandes zu einem schönen Ende und Ziele geführt werden

Nachdem sodann ein gemeinschaftliches Lied gesungen war, begrüßte Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni die Versammlung mit folgender Ansprache:

Hochansehnliche Festversammlung! „Seid gegrüßt in Fuldas Mauern, Lehrergäste allzumal", rufe ich Ihnen mit den Worten des eben verklungenen Liedes zu. Einen Willkommensgruß Ihnen zu bringen, bin ich hier erschienen, einen Willkommensgruß von der Bürgerschaft der Stadt Fulda. Der sehr verehrte Herr Vorsitzende des hiesigen Lokalkomitees hat Ihnen bereits einen Gruß entboten. Er hat ihn Ihnen entboten als Kollege. Ich entbiete Ihnen denselben als Familienvater den Lehrern unserer Kinder, als Oberhaupt unserer Stadt und im Namen der Bürger den Bildnern unserer Jugend, un­serer christlichen Jugend. Unsere Herzen schlagen Ihnen entgegen, wie Ihnen mein sehr verehrter Herr Vorredner bereits gesagt hat. Wir wissen es zu schätzen, was wir an unfern christlichen Lehrern besitzen. Sie sind es, die unsere Jugend heranbilden. Und ihnen müflen wir dafür unfern Dank entgegenbringen. Ein herzliches Willkommen also am heutigen Feste.

Doch, meine Herren, ich bin nicht nur hierherge- gangen, um Ihnen einen herzlichen Willkommensgruß zu bieten. Ich benutze zugleich die Gelegenheit, um auch einige einweihenden Worte für diesen Saal zu sprechen, der heute zum ersten Male zu einer Versammlung be­nutzt wird, seitdem er fertig geworden ist. Schon im vorigen Jahre, im August, hatten wir Gelegenheit, hier in diesen Hallen eine illustre hochansehnliche Versamm­lung zu begrüßen. Fast sämmtliche Bischöfe Deutsch­lands waren hier erschienen, eine unzählige Menge hatte sich hier eingefunden, um das Jubelfest eines Vereins, der unserer Sache ja so nahe steht, hier zu feiern. Allein, damals war der Saal noch nicht fertig. Er war zwar im Rohen vollendet, allein er entbehrte noch des inneren Schmuckes, er entbehrte noch der Schön­heit, ich darf es mit Stolz und ohne Uebertreibung sagen, die ihn heute ziert und schmückt. Inzwischen ist er fertig gestellt worden, und heute ist cs wieder eine illustre Versammlung aus ganz Deutschland, bte sich hier zusammengefunden hat, um in gemeinsamer Be­rathung . die christlichen Ideen zu festigen und auszu­führen. Bei der damaligen Versammlung hat mein verehrter Herr Vertreter, der erste Beigeordnete Kircher, die Worte gesprochen: „Mögen alle folgenden Versamm­lungen, die in diesem Saale stattfinden, im Geiste der heurigen Versammlung tagen; möge keine der im Laufe der Zeit hier tagenden Versammlungen etwas be- rathen oder beschließen, was gegen die Ehre Gottes und das Wohl des Nächsten ist." Meine Herren, heute hat sich diese Mahnung im vollsten Maße erfüllt. Wir haben wieder eine große christliche Versammlung, sie tagt hier in denselben Räumen, wie damals. Sie, meine Herren sind es, die eine würdige Fortsetzung jener ersten Versammlung bilden. Darum begrüße ich Sie nochmals um so freudiger und mit um so gröberer Freude haben wir den Saal Ihnen hier zur Verfügung gestellt. Ich glaube deshalb auch im Sinne und im Auftrage der ganzen Bürgerschaft zu sprechen, wenn ich Ihnen meinen Willkommengruß ent­gegenbringe. Ich bitte zum Zeichen dafür, daß die Bürgerschaft mit mir einverstanden ist, die anwesenden Bürger Fuldas, sich zu erheben und mit mir ein drei-

„Mädchen, mach mich nicht toll mit Deinem unbändigen Stolz, ich weiß nicht, was ich thue, wenn Du mich nicht erhörst." —

„Nie, — niemals wird das geschehen." — Zu Hause angekommen, eilte Röschen sofort auf ihr Zimmer, und beschloß, dasselbe nicht eher wieder zu verlassen, bis dieser zudringliche Freier abgereift wäre.

Ihr Vormund klopfte an die Thür, und bat und beschwor das Mädchen, doch vernünftig zu ff in. Es regte sich nichts im Zimmer, der Riegel wurde nicht zurückgeschoben. Nichtsdestoweniger fuhr Böhler fort, zu bitten: „Winter ist eine Partie, die man nicht so ohne weiteres von der Hand weisen darf, weil sich so etwas nicht alle Tage findet,"--umsonst, er mußte unver­

richteter Dinge umkehren.

Unterdessen saß der abgewiesene Freier bei Frau Therese im Wohnzimmer und berichtete der gutmüthigen Frau, wie heiß und innig er Rös­chen liebe und wie er alles daran gebe, das Mädchen zu besitzen.

Die Försterin ließ ihn ruhig ausreden. Sie war dem allezeit liebenswürdigen Manne, der sich so fein zu benehmen wußte, aufrichtig zuge- than, und hätte allerdings gewünscht, Röschen ziehen lassen zu müssen, aber der liebeschmachtende Mann that ihr herzlich leid, deshalb suchte sie ihn so gut als möglich zu trösten.

So brach der Abend an, ohne daß Röschen noch einmal zum Vorschein gekommen wäre.

Dem guten alten Förster war die ganze Sache äußerst peinlich. Er wünschte im Stillen, die beiden Freunde wären nie hierhergekommen, den Frieden und das Glück seines Lieblings zu stören.

27. Jahrgang.

faches Hoch ausmbringen, auf daß Ihre Versammlung einen würdigen Verlauf nehme und daß Sie in Zukunft unser in Freude gedenken. Der katholische Lehrerverbani» des deutschen Reiches, er lebe hoch! hoch! hoch!

Im weiteren Verlaufe des Abends wurden bann noch eine Reihe von Ansprachen und Be­grüßungen von Lehrern aus allen Theilen Deutschlands gehalten, deren ausführliche Wieder­gabe an dieser Stelle zu weit führen würde. ES sprachen die Herren Verbandsvorsitzender Rektor Brück-Bochum, Lehrer Ri es-Ludwigshafen, Lehrer und Landtagsabgeordneter Sittart- Aachen, Ries-Stundweiler im Elsaß, Schlaweck- Berlin, Quadslieg-Aachen, Firmenich-Wies- baben, Lewandowsky-Danzig. Die Pausen zwischen ben einzelnen Reden wurden durch Musikpiöcen der Kapelle und durch gemeinschaft­liche Gesänge in schönster Weise ausgefüllt, so daß sich eine recht gemächliche Stimmung ent­wickelte, unter der die Stunden allzuschnell dahin­schwanden.

Heute Vormittag wurde im hohen Dome ein Festgottesdienst abgehalten, dem der Hochw. Herr Bischof und das gesummte Dom­kapitel beiwohnte. Das hl. Amt wurde von Herrn Seminarregens Domkapitular Dr. Schmitt celebrirt. Der stadtpfarrliche Kirchenchor fang mit gewohnter Accurateffe eine fünfstimmige Messe von Haller, sowie zur Opferung als Einlage das überwältigende, der Osterfreude angepaßte „Terra tremuit“ und zum Schlüsse ben Auferstehungschor aus der Passion von Dom­kapitular H. F. Müller.

Um 11 Uhr begann sodann die Haupt­versammlung des Verbandes im Stadt­bausaale, über deren Verlaus wir in der nächsten Nummer der ,Fuld. Ztg.' berichten werden.

Deutsches Deich.

Berlin, den 17. Apnl.

ff Im Ikeichslagswatzkkreise Kmde«- Anrich will der Bund der Landwirthe nicht für den nationalliberalen Wahlbewerber Dr. Semler, sondern für den antisemitischen Kandidaten Bruhn eintreten, so erklärt nun­mehr der Wahlkreisvorfitzende des Bundes der Landwirthe, Domänenpächter WillmS. Die Mit­glieder des Bundes in dem fraglichen Wahlkreise — so heißt es in der Erklärung — wollen sich damit „keineswegs mit der antisemitischen Rich­tung der Reformpartei identifiziren", sondern wollen einen Mann wählen, der mit ihnen volks- wirthschaftlich auf einem Boden steht. Vor einigen Tagen aber hatte Herr Bruhn in einer Wählerversammlung gesagt, er wolle auf keinen Fall auf das Programm des Bundes der Land­wirthe sich verpflichten lassen. Die Vorgänge im Wahlkreise Aurich-Emden erscheinen darum ein wenig räthselhaft.

• Die überseeische Anvwanderrmg auS Deutschland hat während des letzten Jahres wiederum erheblich abgenommen. Man ersieht dies aus einem zahlenmäßigen Vergleiche dieser Auswanderung in den Monaten März 1899 und März 1900. Es wurden befördert deutsche Auswanderer über

Bremen März 1899: 1092, März 1900: 741, Hamburg desgl: 913, desgl.: 714.

Noch immer sprach keiner ein Sterbenswört­chen von der Abreise, im Gegentheil, sie schi-nen sich erst recht hier festsetzen zu wollen. Was sollte man da machen? Fortschicken konnte man die Gäste doch auch nicht. Mehr als einmal kraute der Alte sich hinter den Ohren, als müßte ihm dabei ein guter Gedanke kommen.

Röschen kniete auf ihrem Zimmer vor einem Bilde der „Trösterin der Betrübten" nieder und verweilte lange in stillem inbrünstigem Gebete. Dann erhob sie sich beruhigt, legte sich frühzeitig zu Bett und schlief ttotz aller Aufregung wie em Murmelthier. Am nächsten Morgen erwachte sie neugestärkt und fühlte den alten Muthwillen und die Freudigkeit zurückkehren.

Was konnte ihr schließlich der zudringliche, abgeschmackte Freier schaden? Mochte er doch so lange bleiben, als er wollte, was kümmerte sie denn das? Deshalb sich Tage lang in ihr Zimmer einzuschließen, weil jener sie begehrte und für sich zu erringen hoffte, wäre doch wirk­lich Thorheit. Wenn ihm die Zeit zu lang wurde, bann ging er sicher von selbst wieder fort. Sie wollte ihn überhaupt nicht mehr beachten, das schien ihr bas Beste.

„Soll ich hier oben unthätig sitzen, während es brunten Arbeit für mich gibt? Nein, nein, ich würbe mich zu Tobe langweilen," sprach Röschen leise, und sich rasch ankleidend, fuhr sie in ihrem Selbstgespräch fort: „Heute will ich klüger fein als gestern, will doch mal sehen, ob ich dem lästigen, alten Gecken nicht entschlüpfe."

Ein Lächeln schwebte um ben kleinen Mund: „Wenn — ich — ihn — Dr. Malljar — wieder treffe, — bann werde ich ihm erzählen, — hei»