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KuldaerMZeitung

M 84.

Jutöa, Mittwoch, den 11. April 1900.

27. Jahrgang.

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Es würde sich — so schreibt die ,Kons. Korr.'

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* Deutschland und Frankreich — ein sozialpolitischer Vergleich.

Die Dauer der Arbeitszeit in den Fabriken ist auf die Weisung der bayerischen Regierung hin von den bayerischen Gewerbe- Inspektoren zum Gegenstände einer Untersuchung gemacht worden. Die Ergebniffe dieser Unter­suchung findet man in dem Berichte der bayerischen Gewerbe-Inspektoren vom Jahre 1899: danach hat die Mehrzahl der Fabrik­arbeiter in der Mehrzahl der Betriebe eine

auf freier Bahn (davon 10 bei Personenzügen), 23 Entgleisungen in Stationen (davon 5 bei Personenzügen) und 20 Zusammenstöße in Stationen (davon 3 bei Personenzügen) oorge- kommen. Dabei wurden 1 Reisender und 7 Bahnbedienstete verletzt. Zusammenstöße auf freier Bahn sind nicht vorgekommen.

**, Merlin, 10. Avril. Der Kaiser besuchte heute Bormiltag den Staatssekretär des auswärtigen Amtes. Staatsminister Grafen v. Bülow und nahm von lOUHr an die Borträge des Kriegsministers, Generals v. Goßler, des Chefs des Militärkabinets, Generals v. Hahnke, des Präses der General-Ordenskommission, Generalleut­nants Prinzen zu Salm Horstmar und des Chefs des Admiralstabes der Marine, Vizeadmirals v. Diederichs entgegen. — Der Kaiser hat dem Oberbürgermeister von Berlin den Besuch des Kaisers Franz Joseph

lich wird darauf hingewiesen, daß der öster­reichische Monarch von seinem Minister des Aeußern, dem Grafen Goluchowski, be­gleitet sein wird. Man will daraus den Schluß ziehen, daß politische Verhandlungen ganz beson­derer Art mit diesem Besuche verknüpft sein wür­den. Nun werden ohne Zweifel die beiden Mo­narchen sich nicht nur über das Wetter und über die schönsten Toiletten der Hofdamen unterhalten. Aber auf der anderen Seile liegt doch wirklich auch keine Veranlassung dazu vor, aus dem Be­suche auf außergewöhnliche politische Vorgänge zu schließen. Namentlich die eine Annahme kann man ohne weiteres zu dem politischen alten Eisen werfen. Kaiser Franz Joseph empfinde solche Be- sorgniffe wegen Bulgarien, daß er das Bedürf- niß fühle, in Berlin sich darüber auszusprechen. Gerade in der neuesten Zeit ist wiederholt in Wien und Petersburg so bestimmt versichert wor­den, daß Oesterreich und Rußland über die Dinge an der untersten Donau sich vollständig verständigt haben, daß ein Zweifel an der Wahr­heit dieser Versicherungen gänzlich überflüssig ist.

* Dem Abgeordnetenhause ist der Me- richt der S1aatssch«kde«kommisfio« über dir Verwaltung des Staatsschuldenwesens im Rechnungsjahre vom 1. April 1898/99 zuge­gangen. Danach belief sich die preußische Staats­schuld am 31. März 1898 auf 6,484,878.569 M. 74 Pf. und am 31. März 1899 auf 6,600,176,995 Mk. 19 Pf. Sie hat also im Jahre 1898/99 zugenommen um 115.298,425 Mk. 45 Pf. Ein Betrag von 9,701,574 Mk. 55 Pf., für welchen in dem genannten Jahre Schulden getilgt worden find, ist dabei schon mit in Rechnung gezogen. Schatzanweisungen war der Minister in jenem Jahre auszugeben berechtigt für 20 Mill. Mark. Es sind aber nur ausgegeben worden und nach drei Monaten wieder eingelöst für 8 Millionen Mk. Schatzanweisungen zu 4 Prozent. In das Staatsschuldbuch waren eingetragen am 31. März | 1898 Forderungen im Gesammtbetrage von

durchschnittliche Arbeitszeit von zehn bis elf Stunden täglich. Bei etwa einem Viertel aller Arbeiter und Betriebe beträgt die Arbeitsdauer elf bis zwölf, und nur bei 8,4 v. H. aller Ar­beiter zwölf und mehr Stunden. Gleichzeitig kann man aus den Berichten der bayerischen Beamten entnehmen, daß im allgemeinen das Bestreben dahingeht, die Mittagspause zu ver­größern, also daß das Streben im Großen und Ganzen darauf gerichtet ist, die Dauer der Ar­beitszeit noch weiter zu verkürzen. Tie bayerischen Erhebungen kann man so ziemlich für ganz Deutschland als maßgebend ansehen.

In der Republik Frankreich liegen die Verhältnisse für die Arbeiter ungünstiger. Bisher bestand dort, aber nur auf dem Papiere und wenig beachtet, ein Maximalarbeitstag von zwölf Stunden täglich. Das Gesetz betrachtete also das als Regel, was bei uns in Deutsch­land sehr ungünstig für die Arbeiter ist; und dabei darf man nicht vergeßen, daß auch diese gesetzliche Vorschrift von den Unternehmern wenig gewürdigt wurde und Uebertretungen derselben kaum jemals geahndet wurden. Jetzt, unter dem sozialdemokratischen Minister für Handel und Ge­werbe, Herrn Miller and, ist von dem franzö­sischen Parlamente die gesetzliche Bestimmung über den Maximalarbeitstag abgeändert worden: die höchste zulässige tägliche Arbeitszeit soll fortan elf Stunden betragen. Das ist nun ohneZweifel eine Verbesserung. Aber wenn man sich das Schauspiel betrachtet, wie ein sozialdemokratischer Minister einen Gesetzentwurf über einen elfstün­digen Arbeitstag ausarbeitet, im Parlamente ein­bringt und dort mit großer Lebhaftigkeit verrhei- digt, so kann man an dieser Thatsache unmöglich vorbei, ohne gleichzeitig einen Blick auf unsere deutschen Verhältniffe zu werfen. Was Herr „Ge­nösse" Millerand in Frankreich gesetzlich neu ein» führen muß, besteht denThatsachen nach bei uns in Deutschland schon, und zwar ohne gesetzliches Eingreifen. Und bei uns im deutschen Reiche war es vor zwei Jahren das Centrum, welches im Reichstag einenAntrag einbrachte auf dieEinsührung eines Moximalarbeitstages von 107z Stunden. In Frankreicy führen. „Genosse" Millerand und mit ihm die „Genossen", die in der Teputirtenkammer sitzen, einen höchstens zulässigen Arbeitstag von elf Stunden ein; bei uns in Deutschland kämpft das Centrum längst für einen Maximalarbeitstag

daher, was an ihm lag, zu thun,um sich die Freund­schaft aufs neue zu sichern und zu erhalten.

Pünktlich, zur festgesetzten Stunde, erschien denn auch Georg Winter im Hause an der Marktstraße. Es war eine stattliche, hohe Er­scheinung von äußerst vornehmen Aeußeren, Lessen volles, glattrasirtes Gesicht keinen unan­genehmem Eindruck machte, wenngleich die für gewöhnlich recht oerschwommenenAugen nicht gerade dazu angethan waren, Sympathie zu erwecken.

Es war viel mehr Respekt, als Zuneigung, was seine Untergebenen für ihn hegten. Er wußte seinem Willen stets und unbedingt Geltung zu verschaffen und duldete keinen Widerspruch.

Seine Maßnahmen waren die allein richtigen in seinen Augen, er war klug und selbstbewußt und forderte strenge Pflichterfüllung.

Als er jetzt bei Böhler eintrat, gab sich in seinem Wesen etwas wie leise Befangenheit kund. Sein in Gesundheit und Frische prangen­des Gesicht bildete einen scharfen Kontrast zu den welk u»d eingefallen erscheinenden Zügen des ihm entgegenkommenden Hausherrn, der ihm mit auffallender Liebenswürdigkeit beide Hände hinstreckte und so über die immerhin etwas peinliche Situation dieses Besuches hin­weghalf.

„Siehst Du, Georg, daß Du zu mir kommst, das freut mich, — freut mich ganz außerordent­lich!" rief Böhler überlaut, „und was Du auch auf dem Herzen hast, sprich ungescheut, wenn es in meiner Macht liegt, ist es im Voraus gewährt!"

Der Angekommene wars einen prüsenden Blick auf das geröthete Gesicht des Sprecher-,

1,288,193.100 Mark und am 31. März 1899 in Höhe von 1,292,244,450 Mark. Die Staatsbuchschuld ist also gewachsen um 4,051,350 Mark.

+ Die Gewährung von Tagegeldern an die Mitglieder des Ileichstages wird, wie bekannt, nur noch von einem Theile der Konservativen bekämpft. Aber auch bei diesem Theile der konservativen Partei, die sich ab- ehnend dagegen verhält, bricht sich immer mehr )ie Ueberzeugung Bahn, daß irgend etwas ge- chehen müsse, um dem gegenwärtigen unleidlichen Zustande ein Ende zu machen. So mackt jetzt die »Kons. Korresp/, das ausgesprochene Organ der konservativen Parteileitung, die sich unlängst I ;egen die Gewährung von Tagegeldern auSge- prochen hat, einen Vermittelungsvorschlag, näm-1 ich den, Versäumniß-Gelder zu gewähren.

Deutsches Keich.

Berlin, den 10. April.

x Der Mesnch des Kaisers Iravz Joseph i« 38erlitt findet in der Presse Beurtheilungen und Besprechungen verschiedener Art. Nament­

von 107- Stunden. Die Thatsachen reden für sich selbst! Die deutschen Sozialdemokraten mögen sich also die guten Lehren hinter die Ohren schreiben, die bei der Berathung seines Gesetz­entwurfes „Genosse" Millerand in der französi­schen Kammer ertheilt hat: er ist nicht müde ge­worden, darauf hinzuweisen, daß die brennenden sozialen Fragen allmählich nur zu lösen sind durch vernünftige Verständigung und gutes Einvernehmen zwischen Unter­nehmern und Arbeitern. Die deutsche Sozialdemokratie aber schädigt die Interessen der Arbeiter, die zu vertreten sie vorgibt, fortgesetzt durch Verhetzung und Aufstachelung gegen die Unternehmer und Arbeitgeber in vollkommen fal­scher Auffassung dessen, was noch thut.

Bei uns in Deutschland besteht längst die gesetzliche Bestimmung, daß weibliche Ar­beiter täglich nicht länger als elf, jugendliche Arbeiter nicht mehr als zehn Stunden täglich beschäftigt werden dürfen. Die Bestimmung be­steht nicht nur auf dem Papiere, sondern wird auch genau und pünktlich durchgeführt; und aller Voraussetzung nach wird es bei uns in Deutsch­land nicht mehr lange dauern, bis die höchstens zulässige Arbeitszeit für verheirathete Frauen eine weitere Verkürzung erfährt. In Frankreich ist man endlich erst jetzt dazu gekommen, einen Minimalarbeitstag von elf Stunden Tagesdauer für weibliche und auch für jugendliche Arbeiter einzusühren. Diese gesetzliche Bestimmung ist in Frankreich erst mit diesem letzten 1. April in Kraft getreten, und auch das ist ein Werk, auf das der sozialdemokratische Minister Millerand als auf feine Arbeit stolz ist. „Genosse" Millerand in Frankreich ist mit seiner sozialen Gesetzgebung also etwa zehn Jahre zurück hinter der Arbeiterschutzgesetzgebung des deutschen Reiches, die unter der Führung des Centrums zum Wohle der industriellen Arbeiter eingeführt worden ist und einer fortgesetzten Vervollkommnung unter dem Vorantritte und namentlich durch die gesetzgebensche Arbeit desselben Centrums sich erfreut.

Natürlich herrscht in der sozialdemokratischen Presse Deutschlands tiefes Schweigen über alle liefe Dinge. Aber diese Spekulation auf die Unkenntniß des deutschen Zeitungslesers ist gar u kläglich und verfehlt deswegen ihre Wirkung. Alle Leute mit Verstand und gutem Willen mögen vielmehr die erfreuliche Thatsache ins Auge fassen und im Auge behalten, daß in Deutschland, namentlich durch den Einfluß der Centrumspartei, die Arbeiterschutzgesetz­gebung erheblich weiter und für den Arbeiter günstiger entwickelt ist als in der Republik Frankreich mit ihren radikalen Regierungen und ihrem gegenwärtigen Minister für Handel und Gewerbe, der sogar ein überzeugtes Mit­glied der sozialdemokratischen Partei ist!

alles auf; das konnte ich allerdings nicht wissen."

„Halt!" rief er dem sich Entfernenden nach, „Sie können gleich eine Antwort mitnehmen."

Dann schrieb er rasch ein paar Zeilen, adres- sirte das Couvert und reichte es dem Dienstmann hin, der unter höflichen Dankes worten die Thür leise ins Schloß drückte.

Als Böhler sich allein sah, brach er in ein schallendes Gelächter aus.

„Also Georg Winter, Du kommst zu mir!" sagte er ganz laut zu sich selbst. „Alle Wetter, — hat der sich gut eingeführt, — das laß ich gelten, — schön — sehr schön — habe lange genug keinen Sekt mehr getrunken, — ha, ha, — der soll mir köstlich munden. Aber was mag er nur wollen, der gute Freund, ich kann mir gar nicht denken, wie das alles zusammenhängt."

Der Korb wurde einer genauen Prüfung unter­zogen, und es ergab sich, daß er außer dem Sekt noch ein paar Dutzend Austern, Caviar und ver­schiedene Leckerbissen enthielt.

Böhlers Gesicht strahlte. Er schielte immer wieder nach dem Korb und dessen verlockendem Inhalt. Endlich klingelte er nach dem Dienst­mädchen und befahl, die Flaschen kalt zu stellen. Eine davon behielt er sich zurück; der Versuchung zu widerstehen dünkte ihm unmöglich. Knallend flog der Pfropfen zur Decke empor, und Böhler schlürfte mit viel Behagen das perlende Naß.

„Prost, Freund Winter, Du sollst leben!" rief er dabei. „Er hat Geschmack, mein alter Kamerad, will nur sehen, was der auf dem Herzen hat."

werden können . . ." Aber wer sollte dann be­stimmen darüber, wer „Berufsparlamentarier" ist und wer nicht, und nach welchen Merkmalen sollte diese Unterscheidung getroffen werden? Und sehr würdevoll würden wir dieses ganze Verfahren auch nicht finden können. Aber immer­hin muß man die Aeußerung des konservativen Partei-Organs als ein erfreuliches Zeichen dafür ansehen, daß auch bei den Konservativen die rechte Beurtheilung der Dinge sich Bahn bricht!

X I«m Ikeischvescha« Gesetze. Wenn man nach den verschiedenen Stimmen der Presse sich ein ÜRHeil bilden kann und will, dann ge­langt man zu dem Wahrscheinlichkeitsbeschluffe, daß eine Verständigung über das Fleisch­beschau-Gesetz und über seine umfi ritteneu Be­stimmungen erreicht werden kann. Daß eine solche Verständigung wünschenswerth ist, liegt auf der Hand, vorausgesetzt, daß sie sich im Rahmen desjenigen hält, was im Interesse der Abwehr minberwerthiger oder gar gesundheits­schädlicher auswärtiger Erzeugnisse und im In­teresse der vaterländischen Erzeugnisse nothwendig ist; denn wir haben gegenwärtig gerade genug Stoffe, die Anlaß geben können zu unwillkom­menen Konflikten. Daß auch innerhalb der konser­vativen Partei auf eine solche Verständigung hin- gearbeitet wird, ist bereits bekannt; und es ist erfreulich, daß nunmehr auch die .Deutsche Tageszeitung', das leitende Organ des Bunde- der Landwirthe, ausdrücklich hervorhebt, die Erklärung des Bundes in Sachen der Fleisch­beschau möge man nicht als keine Spitze gegen die konservative Parteileitung ansehen. Diese sanftere Tonart erhöht die Wahrschein­lichkeit, daß schließlich der Verständigung weniger Schwierigkeit gemacht werden wird, als | man im allgemeinen wohl bisher angenommen hat. Die Beschlüsse der zweiten Lesung sind ge­faßt worden von 277 anwesenden Mitgliedern. Es fehlten also 120, die durch ihre Stimmabgabe bisher in keiner Weise gebunden sind. Von denen ober, die für die Beschlüsse der zweiten Lesung stimmten, haben dies viele unter dem ausdrück­lichen Vorbehalte gethan, daß sie damit sich nicht für die dritte Lesung festlegen wollten. Kenn­zeichnend ist und bleibt, daß auch der konser­vative Abg. Graf Klinckowström, in der Kommission hauptsächlich der Befürworter der Beschlüsse derselben, allem Anscheine nach einer Verständigung mit der Regierung das Wort redet.

* Auf devtsche« Mettvahve« sind im Monat Februar d. I. 21 Entgleisungen

Das Glückskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

'28 Nachdruck verboten.

„Dennoch müssen Sie den Korb wieder fort« nehmen, ich bestehe darauf," fuhr Böhler heftig den Mann an.

„Aber fo lesen Sie doch erst den Bries, die «ache muß sich ja aufklären, Herr Böhler."

„Es wird nichts als die Rechnung sein; doch warten Sie einen Augenblick."

Er riß das Couvert ab und las:

„Mein lieber aller Freund und Kamerad!

Du wirst allerdings über meine Sendung, mit deren Annahme Du mir eine herzliche Freude bereiten würdest, etwas erstaunt fein. Doch vor allem möchte ich die Bitte an Dich richten: Laß den alten Streit, der uns Jahre lang trennte, endlich ruhen, und laß uns wieder werden, was wir ehemals waren: treue freunde.

Ich habe Wichtiges mit Dir zu besprechen, und werde mir, wenn Du gestattest, erlauben. Dich heute oder morgen, ober wann Du Zeit hast, zu besuchen. Ich denke mir, daß es sich bei einem Glase Deiner ehemaligen „Lieblings- Marke" angenehmer plaudern läßt und harre Deiner Antwort als Dein aufrichtiger Freund

Georg Winter, Bergstraße 8." o. s Böhler zu Ende gelesen, hatten sich die pwen seiner Stirn merklich geglättet; er griff It* k .Tasche- reichte dem noch immer unbeweg- ho» Wenben Manne ein kleines Geldstück mit 01 Worten: „Es ist richtig, der Brief klärt

— barßber reben lassen, baß allen Reichstags- abgeorbneten, die darauf Anspruch erheben, Versäumnißgebühren verabfolgt würden, die . .. etwa nach dem Muster der Zeugengebühren berechnet werden müßten. Solche Versäumniß­gebühren würden selbstverständlich an Berufs­parlamentarier auf keinen Fall gezahlt

Georg Winter, „Direktor und Kassirer des Leih- und Sparkassen-Vereins Gewerbetreibender," hatte als solcher eine gut bezahlte Vertrauensftelle inne, und zählte mit zu den angesehensten Persön­lichkeiten der Stadt. Er wußte sich das Zu­trauen seiner Mitbürger in hohem Maße zu er­ringen und zu erhalten.

Etwa in gleichem Alter mit Böhler stehend, waren die beiden von Jugend an die besten Freunde gewesen, bis sie sich eines Tages in heftigem Streit trennten, und sich seitdem mieden, I wo es immer ging. Das dauerte nun schon viele Jahre; der Grimm, den sie beide gegeneinander hegten, hatte sich zwar sehr gemindert, ja manch­mal war es vorgekommen, daß sie sich bei einem etwaigen, zufälligen Zusammentreffen im Leih- und Sparkassen-Verein, dem sie beide angehörten, über gleichgiltige Dinge unterhielten.

Gestern sogar in der Hauptversammlung war Böhler in den Aussichtsrath und zum Revisor des Vereins gewählt worden, und Winter hatte dem ehemaligen Freunde die Hand gedrückt, dabei die Hoffnung aussprechend, daß es ihm vergönnt sein werde, wieder öfters in seiner ihm so lieben Gesellschaft zu verweilen.

Und heute kündigte er seinen Besuch an.

Böhler zerbrach sich nicht länger den Kopf, was das zu bedeuten hätte.

Der feurige Wein begann bereits ganz leise | zu wirken, und überdies, recht lange würde der I Freund nicht mehr ausbleiben, — dann erfuhr er alles, was er zu wissen wünschte. Er über­legte, daß ihm der Umgang mit dem in allen Kreisen hochangesehenen, vornehmen und gebildeten Mann nur von Nutzen sein konnte, und beschloß 1