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tir Inserate I.paezellev mit Zlnterhattungs-Beilage „Issuflrirte Sonntags-Zeiümgf PeteregaK« Nr. 2 «Larmonte).

M 75.

JEcr, Samstag, den 31. März 1900.

27. Jahrgang.

ZZ2 Zur Flottensrage.

Um die Floltenvorlage zu unterstützen, läßt das Rrichsmarineamt eine neue Denkschrift erscheinen, die eine Ueberficht geben soll über die deutschen Kapitalanlagen in über­seeischen Ländern.

An der Spitze ficht die „südamerika­nische Welt" mit einer Summe deutscher Werthe von l3 < bis 2 Milliarden Mark, die sich un esähr mit einem Viertel auf die Westküste, mit je einer Hälfte der übrigen Summe auf die argentinische Republik und auf die anderen Länder an der südamerrkanischen Ostküste vertheilen. Tausend bis zwölshundert Millionen entfallen auf Mittelamerika, zweitausend auf die Ver­einigten Staaten von Nordamerika, ungefähr 600 Millionen auf Australien, fast tausend Millionen auf Asien, ebenso viel auf Afrika. Das sind nun freilich recht stattliche Summen; alle zusammen machen beinahe 7x/a Milliarden aus, und man darf nach der erwähnten Denk­schrift annehmen, daß das deutsche Nationalein­kommen durch diese überseeischen Kapitalanlagen einen jährlichen Zuwachs von 420 bis 450 Mil­lionen erfährt. Auch das ist ein sehr stattlicher Betrag, und es ist auch ganz erfreulich, daß es so ist. Das kann man ohre weiteres zugeben.

Noch mehr: man kann ohne Bedenken die Sätze unterschreiben, welche die ,Berl. Neuesten Nachr/, das Berliner Organ des großkapitalisti­schen Central - Verbandes der Industriellen, an diese Thatsachen knüpfen. „Es liegt auf der Hand," so schreibt das genannte Blatt, „welche steigende Verantwortlichkeit mit der zunehmenden Ausdehnung der sich immer vielgestaltiger ver­breitenden Kapital-Interessen über die Erde hin entsteht. Nicht nur in diesen ober jenen kleineren Staaten muß Deutschland in der Lage sein, die Arbeit seiner Staatsangehörigen und deren Ec- trägnisie zu schützen, sondern vor Allem muß feine Aufmerksamkeit sich darauf richten, zu ver­hindern, daß andere Großmächte sich berechtigt oder im Stande erachten, die Rechte oder das Interessen - Gebiet deutscher Unterthanrn direkt oder indirekt anzugreifen." Das find ganz selbst­verständliche Sätze, so selbstverständlich, daß man sie als Gemeinplätze bezeichnen kann. Und den­noch beweisen sie nichts von dem, das aller Wahr­scheinlichkeit nach durch die Denkschrift und nach dem Sinne der großkapitalistischen Presse bewiesen werden soll, daß nämlich das ganze deutsche Volk ein gleichmäßiges Interesse an diesen Dingen und eine gleich große Pflicht habe, mit Opfern für den Schutz dieses überseeischen deutschen Kapitals einzutreten. Schon das Wort Kapital an sich zeigt als deut­licher Wegweiser nach einer ganz andern Richtung: nach den Kreisen, die in der Lage sind, ihr Ka­pital in überseeischen Ländern anzulegen und ar­beiten zu lassen; und das sind zum allergrößten Theil immer und wieder die Herren des Groß­kapitals, der großen überseeischen Handelsfirmen und Rhedereieu und eines Theils der deutschen

Das GMckskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

T9 ------ Nachdruck verboten.

An der andern Seite, längs der Wand, be­fand sich eine Art Ruhesofa, darüber lag ein mottenzerfressenes Bärenfell gebreitet, davor ein Paar zierliche, rothsammtne Pantöffelchen standen, auf deren hohen Absätzen Frau Adeline einst durch dos Haus getrippelt fein mochte. Hohe Marmorkonsolen mit reizenden Figürchen, zwei deckenhohe'Spiegel in breiten Goldrahmen, jjer> Dollständigten die Einrichtung, an der man sich gar nicht sott zu sehen vermochte.

Das anstoßende Gemach war etwas kleiner, aber mit derselben Pracht eingerichtet. Den größten Raum nahm ein mächtiges, mit verblaßten, damastenen Gardinen verhangenes Himmelbett ein. Dasselbe zeigte wiederum reiche Schnitzereien, über demselben wölbte sich ein Baldachin, eben­falls mit in Falten geordnetem Damast bezogen. Auf dem blauen, längst verblichenen Grunde schimmerten goldene, eingewebte Sterne, und über dem Ganzen schwebte mit ausgebreiteten Flügeln ein Adler, ebenfalls vergoldet und kunstvoll ver­ziert. Die zierlich verhangene Korbwiege mit seidener Decke enthielt ebenso wie das Himmel­bett noch die Kissen mit den Damastbeziigen.

Von der Wand herab grüßte ein lächelndes Frauenantlitz, mit blonden Locken und großen, braunen Augen. Ohne Zweifel war es das Bild der unglücklichen Bewohnerin dieser Räume.

Ein Schauer rann durch den zarten Körper

Großindustrie. Aber die ganze Londwirthschaft, der ganze deutsche Mittelstand und die große Masse des Volkes sind nicht daran betheiligt. Niemand wird jemals auf den Gedanken kommen, den Avg. Müller-Fulda als einen „Agrarier" anzusprechen. Diejenigen Leute vielmehr, die zu einseitiger Vertretung agrarischer Interessen geneigt sind, werden eher Herrn Müller-Fulda — natürlich ganz und ganz ungerecht! verdächtigen wollen, als zeige er nicht immer das genügende Interesse für die Landwinhschaft. Und gcabe Abg. Müller-Fulda hat in der Budgetkommission des Reichstages auf die Möglichkeiten hingewiesen, die nach Annahme der neuen Flottenvoilage der Landivirthschast schaden können.

Also trotz aller und aller Denkschriften des Marineamtcs, trotz der unendlich vielen Tinte und Druckerschwärze, die die Prcffe des Groß­kapitals dagegen schon vergeudet hat und noch immer vergeudet, bleibt die alte Wahrheit be­stehen, daß es nur beschränkte Kreise des deut­schen Volkes sind, die Vortheil von der neuen Flottenvermehrung haben würden — eben die Kreise, die schon so oft angeführt worden sind und auch hier soeben erst aufgezählt wurden: Großhandel, Schifffahrt, Großkapital, Groß" industrie, Spekulantevthum an den Börsen.

Geht alles gerecht zu, so n.üffen diese auch die Hauptlasten der Flottenoermehrung tragen; und oas Centrum — darauf hat in der Budget- kommission des Reichstages von neuem mit kräf­tigem Nachdrucke Abg. Gröber hingewiesen! — wird der Flottenoorlage seine Zustimmung nicht geben, wenn nicht Vorsorge dafür getroffen wird, daß reu aus der Flottenvermehrung entstehende Lasten auf die Schultern derer gelegt werden, die den Vortheil davon haben. Vermehrung der Börsenstempelsteuer, Besteuerung ausländischer Papiere, Besteuerung ausländischer Luxusartikel, Canossement- und Schiffpassagiersteuer, das sind die Vorschläge, die das Crntrum in diesem Sinne gemacht hat, und diese Vorschläge geben der Aus­wahl reichlichen Spielraum.

Der Vertreter der Hansastadt Bremen im Reichstage, der Abg. Frese, hat am Donners­tag in der Kommission erklärt, er habe nichts gegen die vom Abg. Müller-Fulda vorge- schlagenen Schifffahrtssteuern. Dieselbe Erklärung hat Schatzsekretär Freiherr von Thielmann abgegeben. Wenn nun Interessenten und Regie­rungen einig in dem Grundsätze sind, die Haupt- last den Interessenten aufzuladen, so sollte man glauben, der Weg zur Lösung der Kosten­deckungsfrage sei gefunden.

Ob es so ist, werden wir sehen, wenn die Budgetkommission nach den parlamentarischen Osterferien ihre Arbeiten wieder aufnehmen wird. Steuern vorzuschlagen ist Sache der Regierungen. Mögen diese nun mit den geeigneten Vorschlägen heroortreten!

Verheiratete Frauen in Fabriken.

Auf eine von dem Centrumsabgeordneten Prof. Hitze im Reichstage ergangene Anregung hin haben, wie bekannt, die Gewerbeaufsichtsbeamten des jungen Mädchens, als es vor diesem Ge­mälde stand.

Was für Kämpfe mochte das schöne Weib durchgemacht haben, ehe fein Geist so umnachtet wurde, daß es den Sprung in die kühle Fluth wagte. — —

Fort, fort — — von hier, wo die herrschende dumpfe Luft einem fast den Äthern benahm!

Etwas hastig dankte Röschen dem finster vor sich hinblickmden Manne und eilte leichtfüßig die Treppe hinab, über den Hof und die Brücke hinaus in den grünen, duftenden Wald. Eine wonnige Luft herrschte da, das Gewitter war bereits im Abzüge, ferner und ferner hallte der Donner und alles schien wie neu belebt.

Es rauschte in den Sträuchern, in den Kronen der Bäume, überall im ganzen Walde ertönte em Klingen und Singen aus Hunderten von kleinen Vogelkehlen.

Als Rost nach Hause kam, war alles in be­greiflicher Angst und Unruhe ihretwegen. Der Förster, den das Gewitter früh heimgetrieben, hatte zuerst an der Bank vergebens nach ihr ge­sucht, kein Mensch hatte eine Ahnung gehabt, wo das Mädchen sich während des heftigen Un­wetters aufgehallen.

Die Försterin lief dem geliebten Kinde wie närrisch entgegen, sie geberdete sich, als wäre „ihr Töchterchen" in Todesgefahr gewesen.

Röschens lebhafte Schilderung von dem ro­mantischen Schlößchen erregte natürlich das In­teresse aller. Selbst Kathi stand vor der Thür, legte das Ohr an das Schlüsselloch und lauschte gespannt den Worten der Erzählerin drinnen. Etwas enttäuscht ging sie wieder an ihre Arbeit.

den Auftrag erhalten, Erhebungen zu veranstalten über die Beschäftigung verheiratheter Frauen in Fabriken. In dem Berichte "der badischen Beamten iür das Jahr 1899, der soeben als einer der ersten Berichte erschienen ist, ist der Gegenstand ausführlich behandelt worden.

Zunächst ist die Thatsache zu verzeichnen, daß die Zahl der in Fabriken tbätigen Frauen in Baden ebenso wie im ganzen Reiche beständig zu­nimmt, sowohl in der Gesammtzahl als auch in dem Verhältnisse der verheiratheten Frauen zu der Zahl der weiblichen Arbeiter überhaupt — also eine in zweifacher Beziehung leidige Thatsache. Von 1894 bis 1899 hat sich die Zahl der in Fabriken beschäftigten Frauen in Baden von 10878 bis auf 15 046 vermehrt und gleichzeitig von 27,05 auf 31,27 v. H. aller weiblichen Fabrik ar beiter. Die Industrie für Nahrungs- und Ge­nußmittel, die Zigarrenfabrikation, die Gewerbe- Industrie, die kleine Metall-Industrie, namentlich die Pforzheimer Bijouterie Erzeugung — das sind die Gewerbszweige, in denen die meisten Frauen thätig sind, so allein bei der Industrie der Nah­rungs- und Genußmittel 7726.

Die Gründe für die Arbeit verheiratheter Frauen in den Fabriken sind nach dem Berichte der badischen Gewerbe-Inspektoren im wesentlichen keine anderen als diejenigen, die überhaupt für die Fabrikarbeit weiblicher Arbeiter den Ausschlag geben. „Sie liegen — so sagt der Bericht wört­lich — in der Unzulänglichkeit des Verdienstes des Familienhauptes für die nothwendigen Be­dürfnisse der Familie. Wo diese Unzulänglichkeit keine allzu große ist, ober wo sie nicht durch eine allzu zahlreiche Familie hervorgerufen wird, be­gnügt man sich damit, die unverheiratheten weib­lichen Glieder der Familie in die Fabrik zu schicken. Wo aber hierdurch das Einkommen der Familie nicht auf die erforderliche Höhe gebracht werden kann, muß . . die verheirathete Frau . . mithelfen. . . Es ist die Roth, welche zur Fabrik­arbeit auch der verheiratheten Frau drängt. Das geht auch daraus hervor, daß die Arbeiter in Industrien mit Löhnen, die für die Existenz einer nicht allzugroßen Familie genügen . . . zunächst ihre Frauen und dann auch ihre Töchter niemals in die Fabrik schicken".

Erfreulich ist in diesen Sätzen das Eine, daß in einer Reihe von Jndustrieen also doch die Verhältnisse so geworden sind, daß der Kampf um das Dasein die Mitarbeit der Frau und auch der Töchter im allgemeinen nicht mehr nöthig macht. Außer diesem Kampfe um das Dasein führt der badische Bericht natürlich auch noch andere Gründe auf, die zur Vermehrung der Frauenarbeit in den Fabriken beitragen. Dazu gehören für manche Industriezweige die im allgemeinen größere Handfertigkeit des weiblichen Arbeiters. Dazu gehört für die Unternehmer namentlich auch der Umstand, daß der weibliche Arbeiter weniger Lohn beansprucht als der männliche.

Die A r b e i t s z e i t der verheiratheten Frauen in den Fabriken in Baden beträgt in Maschinen­betrieben im allgemeinen elf Stunden. Es fehlt in den allermeisten Fällen eine verlängerte Mit­tagspause sür die verheiratheten Frauen, und das ist ein ganz unleugbarer Nachtheil. Es

„Schade ist's eigentlich," murmelte sie dabei, „es ging ja gar fern Gespenst um da drunten. Wenn dem vorwitzigen, neugierigen Ding eins begegnet wäre, den Schreck härt' ich ihr wohl vergönnt. Was muß es die Nase in alles stecken, 's wär’ ihr gerade recht geschehen."

VIII.

In voller Kraft und Klarheit zog der Pfingst­sonntag herauf, majestätisch erhob sich die Sonne, und beschien die blühende, duftende, herrliche Welt. -

Gar weihevoll war es Röschen zu Muthe, als sie j-tzt, im weißen, mit Stickereien und rosa Schleifen verzierten Kleid, den Strohhut mit einem Kranz zierlicher, künstlicher Apfelblüthen auf dem braunen, welligen Haar, durch den Wald dahin zur Kirche schritt.

Es war derselbe Wald, den sie fast täglich durchwanderte, und doch erschien er ihr heute so feierlich, als hätte auch er ein Festkleid ange­zogen, um sich rn dem lieblichen Feste zu schmücken. Die Blätter schimmerten so frisch und grün, selbst die Vögel schienen heute anders zu fingen, viel luftiger als sonst. Der Ton einer fernen Glocke zitterte durch die sonnige Luft, und erhöhte noch die Feierlichkeit dieses herrlichen Morgens.

An Rosi's Seite ging der Förster, ebenfalls im Sonntagsstaat; den grünen Jägerhut trug er in der Hand, um die reine, köstliche Lust um die Stirne spielen zu lassen. Kein Mensch war froher, als er, daß endlich die angebrochenen Festtage der Scheuerei und Putzerei zu Hause ein Ende machten.

Die ganze Woche hatte das gedauert, und ihn oft genug fast zur Verzweiflung gebracht.

leidet darunter die Ernährung der Fam ilie, da die Zeit fehlt für eine sorgfältige Zubereitung der Speise:!. Es leidet darunter die Erziehung, die Wahrung der unerwachsenen Kinder, es leidet darunter der ganze Haushalt. „Man kann sich — so sagt der Bericht wörtlich — über Verrohung der Jagend so lange nicht mit Recht beklagen, als beide E iern zur Arbeit gehen müssen und die Kinder vielfach wild aufwachsen. Nun wohl; aber warum erschweren denn ober verbieten sogar die Staatsbehörden katholischen Ordensschwestern die Aufnahme, Pflege und den Unterricht in allerhand Handfertigkeiten an solche Arbeiterkinder, deren Eltern beide den ganzen Tag über beschäftigt sind? Man sollte im Gegen- theil meinen, der Staat müsse alles Mögliche aufbieten, um diese edele und im Jntereffe des Staatswesens selbst liegende Thätigkeit selbstloser Ordensschwestern so sehr wie nur irgend möglich zu sördern. Dieser Satz in dem Jahresberichte der badischen Fabrikmspekcoren ist eine glatte Verurtheilung aller der vielen engherzigen Ver­bote, die von den Behörden erlaffen worden sind und noch fortgesetzt erlaffen werben.

Ader auch ge sundheitliche Nachtheile für die Arbeiterinnen selbst sinb nach dem badi­schen Berichte unausbleiblich. Der Bericht sagt wörtlich: „Eine elfftünbige Arbeitszeit . . . ist mit den Wegen von und nach der Arbeitsstätte an sich schon eine genügende Anstrengung. Kom­men noch häusliche Verpflichtungen hinzu, so findet sich für diese kaum die Zeit, und es mag hieraus zu erklären sein, warum so viele Ar­beiterinnen schon in den mittleren Jahren den Eindruck des Abgehetztfeins und der Abspannung machen. Ganz besonders ist dies der Fall bei den verheiratheten Arbeiterinnen. . ."

Verkürzung der Arbeitszeit — daS ist der Rath der badischen Gewerbe Inspektoren: „Nachdem — so sagt der Bericht — schon an vielen Orten die zehnstündige Arbeitszeit durch einen Sieg der Arbeiter sich eingeführl hat, hal­ten viele Fabrikanten des In- und Auslandes sie sür unvermeidlich. Nachdem so der Boden genügend vorbereitet ist, ist eine Regelung durch den Staat im Interesse seines Ansehens vorzuziehen."

Deirtfches Keich.

Berlin, den 30. März.

x Die Kanal Dortage hat bis jetzt niemand mehr im preußischen Landtage für diese Tagung erwartet. Und man erwartete sie um so weniger, je klarer es würbe, daß die Entscheidung über die Flottenvorlage im Reichs­tage erst kurze Zeit vor Pfingsten' zu erwarten ist; denn selbstverständlich soll die Kanaloorlage nicht eher im Landtage erscheinen, als bis die Schicksale der Flotten Vorlage klar entschieden sind, ,2m Gegensätze dazu scheint aber eine Aeußerulg zu stehen, die Minister v. Miquel im Herrenhause gethan hat: der Minister sprach davon, daß die Tagung des Landtages möglicherweise eine sehr große Ausdehnung gewinnen könnte. Sollte diese Möglichkeit zur Thatsache werden und mit der Kanalvorlage Zu­sammenhängen, bann würbe man anzunehmen

so daß er, kaum nach Hanse gekommen, sofort wieber nach bem Hute griff unb dem recht un- gemüthlichen Heim den Rücken kehrte.

Kein Wunder auch! Der Scheuerbesen ging durch alle Zimmer: er verschonte nicht das kleinste Winkelchen, so daß fast alles ai$8 dem gewohnten Geleise kam, bis endlich am Pfingstsamstage die alte Ordnung unb Gemächlichkeit wieber her- gestellt war.

Das ganze Haus, vom Dachboden bis zum Keller, blinkte jetzt in Sauberkeit wie ein Schmuck­kästchen, mit feinen blendend weißen, frisch ge­waschenen Vorhängen, unb ben blitzenden Fenster­scheiben.

Zuflieden mit ihrem Werk, durchwanderte Frau Therese noch einmal alle die traulichen Gemächer. Im Garten schnitt sie dann große Büschel blühenden Flieders ab, dessen Duft sich mit dem des eben aus dem Ofen kommenden Pfingstkuchens vermischte. Der Flur war mit reinem, weißen Sand bestreut worden, und vor der Thür hatte man ein paar Maienbäume auf» gepflanzt.

Rosi hatte tüchtig mitgeholfen, alles festlich zu schmücken, dafür wurde sie heute von der treu sorgenden Försterin mit dem neuen Staat be« beschenkt, der ganz heimlich nach einem alten Kleide angefertigt worben war, unb zu des Mäd­chens großem Jubel wie angegossen paßte. Mit Freudenthränen fiel Röschen denn auch der glücklich lächelnben Tante Therese unb bem ver­gnügt schmunzelnden Onkel um ben Hals, und bie beiben Alten blickten mit berechtigtem Stolze auf das wunder liebliche Kind.