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Jutöa, Freitag, den 30. März 1906.
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27. Aahrgan».
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Bestellungen auf die »Fuldaer Zeitung^ für das zweite Q -artal zum Preise von 1,50 Mark werden fortwährend angenommen.
0 Tie Flottenvorlage in der Budget- kommijsion des Reichstages.
Wirft man einen Rückblick auf di? Verhandlungen^ der Budgetkommiffion des Reichstages, so erhält man nicht den Eindruck, daß die Aussichten der Flottenvorlage während dieser Verhandlungen sich gebessert hätten. Im Gegentbeil, manche der politischen Ausführungen des Staatssekretärs Grafen Bülow sind mit bemerkenswerther Kühle ausgenommen worden und Abg. Müller-Fulda vom Centrum hat ausdrücklich von mehreren dieser Ausführungen gesagt, daß sie ihn nicht befriedigt hätten. Aber das würde auch ein falscher Schluß sein, wenn man behaupten wollte, man könne aus den bisherigen Beratungen der Budget- kommisfion auf die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung schließen. Selbst der Abg. Roeren, der von den CentrumSrednern der Annahme der Flottenvorlage am wenigsten geneigt sein dürste, hat sich mit einem gewiffen Vorbehalte ausgesprochen; er hat gesagt, zur Zeit könne er nach dem bisher Gehörten ein Bedürfniß für die Vorlage nicht anerkennen. Nur gegen die schönfärberischen Berichte der Flotten- schwärmer-Preffe muß man sich verwahren, die systematisch die Annahme zu erwecken suchen, das Centrum sei drauf und dran, mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen in das Lager der Flottenschwärmer selbst einzurücken. Daß davon ganz und gar nicht die Rede sein kann, das hat von neuem die doppelte i itzung der Budgetkommission am heutigen Donnerstug ergeben.
Heute (Donnerstag) wurde zunächst die am Mittwoch abgebrochene Verhandlung über die Kosten und die Beschaffung der Mittel fortgeführt. Auch hier spielten die Hauptredner des Zentrums, die Abgg. Groeber und Müller- Fulda, eine vorwiegend kritische Rolle, indem sie ihren lebhaften Zweifeln daran Ausdruck gaben, daß die Reichseinnahmen längere Zeit hindurch in derselben Weise weiter steigen würden wie bisher ; und nicht minder sprach es der freikonservative Abg. von Kardorff als seine Meinung aus, daß es bei der Flottenvermehrung auf die Dauer nicht ohne neue Steuern abgehen werde.
Ein sehr wichtiger Punkt sind bekanntlich die Panzerplatten und ihre Preise: allgemein ist die Annahme verbreitet, daß die Firmen Krupp und Stumm unverhältnißmäßig viel an diesen Panzerplatten verdienen. Freiherr v. Stumm hat an die Kommission ein Schreiben gerichtet, in dem er bestreitet, daß die Angaben in den Zei- tungen über die Millionengewinne der Lieferanten an den Panzerplatten richtig seien, die Preise seien neuerdings dieselben geblieben, obwohl dasMaterial theurer geworden sei. Abg. Müller-Fulda meinte, das Reich würde billiger davonkommen,
Das Glückskind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
18 ’ Nachdruck verboten.
Kaum eine Stunde später befand sich Röschen, em Buch in der Hand tragend, auf dem Wege nach dem moosbewachsenen Ruheorte. Sie ging langsam dahin auf dem weichen Waldboden, die Sonne stand hoch am blauen Himmel, und ehe sie sich zum Untergange neigte, pflegte Onkel Franz nicht zurückzukchren.
DaS junge Mädchen dachte daran, daß die süße, traumhafte Stille, welche hier immer herrschte, nuu wohl bald einem geräuschvollen Leben und Treiben weichen mußte, und das that ihr im Herzen leid.
Wie oft hatte sie hier ungestört geseffen, lesend, oder mit einer Handarbeit beschäftigt, oder auf den Onkel wartend, die Hände müßig im Schoße gefaltet; dann stellte sie sich im Geiste das Bild der schönen Adelinde vor, die drüben im Schlößchen neben ihrem alten, eifersüchtigen Gemahl ein unglückliches Leben geführt hatte, k.au k vor Sehnsucht nach den Zerstreuungen der Weir, die chr verschlossen waren und die sie doch so sehr geliebt haben sollte.
Vor der lebhaften Phantasie der stillen Träumerin erschien ein verzweifelndes Weib, das sich in die hochaufspritzende Fluth stürzte, das Kind rm Arme — und danach ein Mann, der wie gehetzt den breiten Waldweg dahinfloh, Alles zurück- laffend, was das Schlößchen enthielt.
Zu gern hätte Röschen einen Blick hineinge-
wenn es die Platten selbst erzeugen wollte. Staatssekretär Tirpitz hingegen äußerte, die Selbstherstellung der Platten biete große Schwierigkeilen; die Staatswerften könnten doch auch nicht so billig liefern wie die Privatwe sten, deswegen hält der Staatssekretär die Selbstherstellung der Panzerplatten zur Zeit nicht für empfehlenswerth. Die Firma Krupp habe sich erst auf das Drängen der Marineverwaltung hin zu der Fabrikation der Panzerplatten entschlossen.
Im englischen Parlament hat, worauf Abg. Mülle r- Fulda hinwies, Staatsminister Goschen erklärt, die britischen Kriegsschiffe kosteten um ein Fünftel weniger als die deutschen. Staatssekretär Tirpitz will dies — die Wahrheit des Berichtes vorausgesetzt — daraus erklären, daß der von Alters her ein gearbeitete englische Schiffsbau unter günstigeren Bedingungen arbeite. Später werde auch der deutsche Schiffbau billiger arbeiten.
In der Nachmittags - Sitzung am heutigen Donnerstag kam dann die Frage der Kostendeckung an die Reihe, wobei Abg. Müller- Fulda die Debatte mit dem erneuten Hinweise darauf ein leitete, daß man sich mit der Fortsetzung der Anleihewirthschaft öurchaus nicht einlaffen darf und im Reichstage dafür eine Mehrheit auf keinen Fall zu finden sein wird. Die befriedigende Erledigung der Flotten - Novelle hängt vielmehr namentlich ab von der Klarheit über die Frage der Kostendeckung.
Schatzsekretär Frhr. von Thielmann verwies auf zwei neue Steuern, die im Be- dürfnißfalle zur Verfügung stehen würden: die Verdoppelung des Lotteriestempels und die Besteuerung des Saccharins. Der erftern stimmen der Reichskanzler und die preußische Regierung bereits bei; mit dieser Steuer müßte dann die Freizügigkeit der Loose innerhalb des Reiches Hand in Hand gehen. Der Staatssekretär hofft auf einen Mehrgewinn daraus von 17 Millionen Mark; das Saccharin werde dre Millionen bringen. Weitere Steuerpläne konnte der Schatzsekretär noch nicht mittheilen; dagegen empfahl Abg. Müller-Fulda eineKanosse- ment-Steuer, also eine Steuer, die die Seeschifffahrt zu tragen haben würde je nach der Anzahl und Größe der Fahrzeuge einer Seefirma, und außerdem eine Steuer auf die Fahrkarten der Schiffspassagiere. Nicht minder gut gefallen Herrn Müller eine bessere Ausgestaltung des Börsenstempels, namentlich für Dividenden- und Spielpapiere, und ein Ausgabestempel für fremdländische Papiere.
Abg. Groeber unterstützte die Aus- führungen seines Parteifreundes Müller-Fulda: die einzelnen Stände, die von der Flotten- vergrößerung besondern Nutzen haben, müssen auch ganz besonders zu den Lasten derselben herangezogen werden. Das ganze Centrum legt in diesem Sinne der DeckungSftage die größte Wichtigkeit bei und macht von der Lösung dieser Frage seine Stellung zu der ganzen Vorlage abhängig. Herr Groeber erinnerte dabei auch wieder an eine Reichserbschaftssieuer und an Luxussteuern, wie beispielsweise Besteuerung von feinen Schnäpsen, Champagner, Jmport- zigakren u. s. w.
worfen in das stille Haus am See, in das seit Menschengedenken Niemand den Fuß gesetzt hatte. Wie es wohl da ausschauen mochte?
Heber die wankende Holzbrücke kam eben ein Mann; es war der weiderfemdliche Fremde, der sich vor einig n Stunden nach dem Wege erkundigt hatte. Kurz entschlossen trat das junge Mädchen ihm entgegen, und die blauen Augen bittend zu ihm ausschlagend, sagte es mit einschmeichelnder Stimme: „Würden Sie mir vielleicht gestatten, verehrter Herr, daß ich mich drüben ein wenig umsehe? Ich hegte schon längst diesen Wunsch und ich hoffe. Sie schlagen mir die bescheidene Bitte nicht ab.“
Allein so rasch, als Rosi geglaubt hatte, ging das nicht; der Mann legte die Stirn in finstere Falten und entgegnete in seiner mürrischen Art: „Ich habe hier nichts zu erlauben und nichts zu verbieten, warten Sie, bis mein Herr kommt, dann wenden Sie sich an ihn."
Er wollte rasch weiter gehen, doch Röschen vertrat chm den Weg: „Ach, bis dahin wird Alles verändert fein, die Kunst der Dekorateure und Maler wird das Schlößchen neu einrichten; dann hat die ganze Sache ein anderes, modernes Aussehen und ist für mich nicht mehr interessant, und außerdem, wenn Ihr Herr so bärbeißig ist wie Sie, mag ich ihn nicht darum bitten."
„Mein Herr gedenkt Alles so weit als möglich zu lassen wie es ist," fiel der Angeredete um vieles milder ein. Es mußte etwas in den noch bittend auf ihn gerichteten Augen liegen, was ihn zum Nachgeben zwang; denn plötzlich sagte er ganz freundlich: „So kommen Sie, ich will Sie führen."
Von großer Bedeutung find die Erwiderungen des Schatzsekretärs und des konservativen Abg. Graf Klinkowström auf diese An- reaungen der beiden Centrumsredner: Staatssekretär Frhr. von Thielmann erklärte, bei den Regierungen bestehe kein Widerstand gegen die Kanossements- und Schiffs- vassagier-Steuer; und auch Graf Klinkowström stimmte im allgemeinen den Ausführungen des Abg. Müller zu.
Damit schloffen die Berathungen am heutigen Donnerstag. Am Freitag werden dieselben fortgesetzt.
Deutsches Deich.
Berlin, den 29. März.
O Der Iteichs Ktat ist vom Bundesrathe heute (Donnerstag) in dessen Plenarsitzung nach den Beschl ffen des Reichstages angenommen worden. Bekanntlich hat der Reichstag nur wenit; an den Anschlägen der Regierung verändert.
• Aas Keichs Serrchengesetz, nach der amtlichen Bezeichnung „Gesetzentwurf betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten", ist heute dem Reichstage erst zugegangen, obwoh l es bereits auf der Tagesordnung der ersten Sitzung nach den Osterferien steht. In dem Entwürfe wird der gesetzgeberische Stoff in sieben Abschnitten behandelt: Anzeigepflicht, Ermittelung der Krankheit, Schutzmaßregeln, Entschädigungen, Allgemeine Vorschrfften, Straf und Schlußbestimmungen. Die Ausführung der einzelnen Bestimmungen wird durch den Gesetzentwurf hauptsächlich dem Bundesrathe vorbehalten.
x Neber das Merschbeschrmgefetz haben, wie berichtet, die Konservativen im preußischen Abgeordnetenhause eine Interpellation eingebracht. Der Wortlaut der Interpellation ist, um diesen noch nachzutragen, folgender: „Ist der Herr Ministerpräsidentbereit, darüber Auskunft zu geben, in welcher Weise er seinem in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 27. April 1898 ab- gegebenen Versprechen bezüglich der Fleischbeschau im Deutschen Reiche gegenüber den jetzigen Beschlüssen des Reichstages nachzukommen gedenkt?" Das Versprechen des Fürsten Hohen- lohe, auf das in der Interpellation hingewiesen wird, wird in der folgenden Aeußerung desselben erblickt, die er an dem genannten Tage im preußischen Abgeordnetenhaufe that: „Wenngleich die obligatorifche Fleischbeschau in einer Reihe von Bundesstaaten bereits besteht, so bin ich doch der Ansicht, daß zum Schutze von Gesundheit und Leben der Bevölkerung diese Einrichtung im ganzen Reiche und zwar nach übereinstimmenden Grundsätzen einzurichten ist. . . Selbstredend werden gegenüber der ausländischen Einfuhr von Fleisch und Fleischwoaren mindestens gleichwerthige hygienische Vorsichtsmaßregeln zur Anwendung gelangen müffen, wie gegenüber den inländischen Erzeugnissen gleicher Art." Da das Abgeordnetenhaus an diesem Freitag in die Osterferien geht, kann die Interpellation erst nach der Osterpause auf die Tagesordnung gesetzt werden. — Von weiteren Kundgebungen liegt nunmehr auch eine Petition
Er ging voraus; bei der Brücke machte er Halt: „Vorsichtig, Fräulein," mahnte er; „dieses alte wackelnde Holzgestell ist das erste, was fällt und einem neuen eifernen Platz macht."
„Bis wann trifft denn der Besitzer hier ein?“ fragte Röschen.
„Sobald alles einigermaßen in Ordnung fein wird, etwa an Pfingsten."
Sie traten durch em schweres eisernes Thor, das sich kreischend in den Angeln drehte, in eine Art Vorhof, wo dichtes Gestrüpp wucherte, und von da in den schön gewölbten, mit Steinfließen belegten Flur, in dessen Wänden sich buntgemalte Fenster befanden. Rechts führte eine hohe, eichene, reich mit Schnitzwerk gezierte Thür in ein salon- artiges Gemach, das einst als Speisezimmer gedient haben mochte; davon zeugten sowohl die langen Tafeln sowie die dunkelbraunen, ebenfalls geschnitzten Stühle, die in langer Reche davor standen. Die eine Längswand nahm em bis an die Decke reichendes Büffet ein, auf dem wohl ein halbes Dutzend schwerer Humpen sowie die verschiedensten Gläser standen. Dies Zimmer machte einen recht düsteren Eindruck, weil die ebenfalls gemalten Fenster dem hellen Tageslicht den Eingang wehrten. Nebenan befanden sich einige Gemächer, die anscheinend nicht als Wohn- räume benutzt worden waren, denn sie enthielten nichts als altes zerbrochenes Gerümpel und überflüssige, bunt zusammengewürfelte Gerüche, eine ehemalige Brunnen-Nymphe ohne Kopf, Stühle mit nur drei Beinen, wacklige Tische und Bänke.
Die beiden hintersten Zimmer waren jeden- allS für die Dienstboten, denn sie enthielten nur wurmstichige, hohe Bettladen und Schränke, und
der Landwirthschafts kämm er von Schleswig-Holstern vor, die an den Reichstag und an den Bundesrath die dringende Bille richtet, die Fleischbeschau „in einer Weise zu regeln, die den Beschlüssen der Kommission des ReichStageS in erster und zweiter Lesung entspricht."
K Der römisch-katholischen Lerche habe« sich angefchkoffe» der syrische Erzbischof Msgr. Boutros und der größte Theil d-s Klerus und der Mitglieder seine' Diözese. Es ist dies ein neuer, außerordentlich erfreulicher Erfolg des ständigen Anrufes des hl. Vaters an alle Christen, sich wiederum mit der Kircde zu vereinigen. Möchten bald noch recht viele Andere folgen!
V Berlin, 29. März. Der Kaiser halte Henle Morgen im auswärtigen Amt eine Besprechung mit dem Staalssekretär von Bülow und hörte im Schloß die Borträge des Kriegsministers von Goßler und bei Chefs des Miliiär-KabinetS von Hahnke — Der Kaiser wird im Laufe deS kommenden Herbürs als Jagdgast des Herzogs von Ujest auf Slawentzttz in Ober- schiesien erwartet, doch ist der Zeitpunkt noch nicht festgesetzt. Voraussichtlich weiden die beiden Jagdausflüge nach Pleß und Slawentzitz mit einander verbunden werden. — Die dem Kaiser geschenkte Hohkönigs- burg bei Schlettstadt ist, wie die .National-Zeitung' er'ährt, zur Aufnahme eines historischen Museums bestimmt, welche die Geschichte und Vergangenheit, Völkerkunde und Eigenart des Elsaß veranschaulichen soll. Die Wiederherstellung der gewaltigen Burgruine wird bald in Angriff genommen werden. — Um den deutschen Kronprinzen mit den Insignien des Hosenbandordens zu bekleiden, soll der Herzog von Uork Anfangs Mai sich nach Berlin begeben. — Wie aus Danzig berichtet wird, ist die Abreise deS kommandirenden Generals v. Lentze, wozu alles vorbereitet war, plötzlich aufgeschoben; wie es heißt, west der Kaiser das Abschiedsgesuch nicht bewilligt habe. — Der Landtags-Abgeordnete Kolisch von der freisinnigen Bereinigung, welcher vor einigen Tagen vom Schlage gerührt wurde, ist heute Vormittag infolge eines erneuten Schlaganfalles gestorben.
Aus dem Landtage.
CP Abgeordnete «hau«. — 57. Sitzung vom 29. März.
Auf der Tagesordnung steht folgende Interpellation der Abgg. Baensch-Schmidtlein (freikons.), Dr. Friedberg (ntl.), Reinicke (freit) und Seydel- Hirschberg (ntl.): „Welche Maßregeln gedenkt die kgl. Staatsregierung zur Beseitigung der immer schwerer empfundenen Mißstände und Ungerechtigkeiten in Bezug auf die Unterhaltung der Volksschulen zu ergreifen?“
Der Kultusminister Dr. Skudk erUSrt sich zur sofortigen Beantwortung bereit. — Zur Begründung der Interpellation führt
Abg. Naensch-Schmibtkei« etwa folgendes aus: Die Angelegenheit wird seit Jahren schon eingehend hier im Hause behandelt; etwas Neues läßt sich dazu nicht sagen. Auch werden die bestehenden Mißstände allgemein anerkannt von der Regierung selbst, nur find sie noch immer im Unklaren darüber, welche gesetzgeberischen Maßnahmen die Regierung zu treffen gedenkt. Deswegen haben wir unsere Anfrage an die Regierung gerichtet und hoffen auf eine befriedigende Antwort.
Kultusminister Dr. Kindt: Die Belastung der Gemeinden isttz allerdings rn dem letzten Jahrzehnt ge- sttegen. Ab'r die Regierung ist auch in einer ganzen Reihe von ^Gesetzen bemüht gewesen, den wentg leistungsfähigen Schulverbänden zu Hllfe zu kommen. Die Regierung wird auch weiterhin auf diesem Wege örtschreiten. Sie will vor allem 10 Millionen zur Verfügung stellen, um alle Härten zu mildern, die bisher noch nicht ausgeglichen werden konnten.
Bei der nun folgenden Besprechung der Interpellation wurde das Vorhandensein von Mißständen und die Nothwendigkeit einer gesetzlichen Regelung dieser Frage von allen Seiten anerkannt, aber der Minister konnte die Einbringung eines solchen Gesetzentwurfes
alles, auch in den besseren Gemächern, war von Spinngeweben, Staub und Moder überzogen.
Bis jetzt hatten die Beiden kein Wort gewechselt. Stumm folgte Röschen ihrem Führer )ie Treppe hinauf. Es hatte sich ihrer ein längliches Gefühl bemächtigt, von dem sie sich 'eine Rechenschaft zu geben vermochte. Rosi sehnte ich hinaus aus dieser dumpfen, beklemmende» Atmosphäre in den duftenden Wald, und sie uchte so viel aI8 möglich den Aufenthalt abzu- Ärzen, zumal ferner Donner ein herannahendes Gewitter verkündigte und die Sonne sich hinter düsteren, schwarzen Wolken verbarg, wodurch alles verdunkelt erschien.
„Ist Ihr Herr ein Nachkomme deS alten Geschlechts, dem das Schlößchen gehörte, oder >at er das Besttzthum käuflich eWvorben?" wandte Röschen sich an ihren Begleiter.
„Er ist der Letzte seines Stammes, trägt edoch nicht den Namen desselben. Er hat ihn bgelegt, weil kein einziger seiner Familie giftet« Ich gewesen ist; alle litten sie an demselben liebet, wer tiefen Schwermuth, und er glaubte, mit dem Namen auch den Fluch ablegen zu können, der auf der ganzen Familie wie ein Alp lastete. Deshalb suchte er um eine Namensveränderung nach und sie wurde ihm gewährt. Jetzt nennt er ich Malljar, Dr. Gerhard Malljar; aber glück- icher als seine Vorfahren ist er bisher auch noch nicht gewesen. Er ist ein hochgelehrter Mann, und ehe das Unglück kam, da war er ein lustiger, von allen wegen seiner Freigebigkeit gern aufge» achter Gesell, und jetzt,"--ein schwerer
Seufzer hob die Brust des treuen Diener-, er schien vergessen zu haben, daß ein junges SWftb*