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mit Nnterhatümgs ZSeilage „Zssukrirte Sonntags-Zeitung?

73.________________________Juiöa, Donnerstag, bett 29. März 1900. 27. Jahrgang.

0 Die Flottenvorlage in der Budget- tommission des Reichstages.

'Nach kurzer geschäftlicher Auseinandersetzung kam man heute überein, nicht die einzelnen vom Centrum aufgestellten Fragen nacheinander zu erörtern, sondern alle zusammen zu besprechen und dabei von den vier Hauptabschnitten des Antrages Müller-Fulda zunächst die Noth- wendigkeit und den Umfang der Flotten- vermehrung zu behandeln.

Abg. Bebel vertrat die Meinung, die Vor­lage richte sich hauptsächlich gegen England, während der konservative Abgeordnete Graf Stolberg von dem Gesichtspunkte ausgeht, daß ein Angriff gegen England auf keinen Fall be­absichtigt sei, wenn die Vorlage auch dem äußeren Anscheine nach gegen. England sich richte. Der natl. Abg. B a s s e r m a n n hält die Verstärkung der Flotte für nothwendig im Interesse der Erhaltung des Friedens, worauf Abg. Richter von der freis. Volksp. an einen Ausspruch des Fürsten Bismarck erinnert, daß Deutschland niemals eine solche Seemacht werde», könne wie England. Herr Richter will der ge­forderten Flottenvermehrung nicht zustimmen.

Abg. Müller-Fulda (Centr.) steht auf dem Standpunkte, daß man die Frage ganz sachlich prüfen muffe. Alle größeren Staaten sind jetzt daran, ihre Lchlachtflotten zu ver­größern. Aber die Gründe, die bei uns bisher für die Verstärkung der Auslandflotte vor­gebracht wurden, sind nicht durchschlagend; ein dringendes Bedürfniß ist nicht nachgewiesen. In diesem Punkte schießt die Vorlage über das Ziel hinaus und Redner hält eine Verstärkung der Auslandflotte nicht für dringend.

Staatssekretär Graf Bülow: Unsere Diplo­matie thut ihre Schuldigkeit, und unsere Politik verfolgt weder phantastische, noch kriegerische Ziele. Sie will nur den Frieden und die Würde des Reiches wahren. Aber Vorsicht und Geschicklich­keit thun es nicht allein; es müffen auch Macht­mittel dahinter stehen. Unsere Beziehungen zu England sind gegenwärtig die besten; aber Volksleidenschasten spielen ost eine große Rolle, und sie sind unberechenbar. Die Vorlage hat den Zweck, größere Bürgschaften für den Frieden zu bieten.

Abg. Groeber (Centr.) erklärt, daß die Gentrumsfraktion für ihre Entschließungen sich freie Hand vorbehält. Jetzt spricht .jeder Centrumsredner nur für seine Person. Jedenfalls scheint dem Redner ein Maßhalten in der Erwerbung von Kolonien im Jntereffe des Friedens geboten.

Abg. Roeren (Centr.) ist zur Zeit sowohl gegen eine Vermehrung der Schlachtflotte als auch der Auslandflotte, da ihm noch keine Gründe bekannt geworden sind, die ein Abgeheu von dem letzten Flottengesetze von 1898 nöthig machen.

Abg. Prinz Arenberg (Centr.) tritt der Auffassung des Grafen Bülow bei, daß die Er­folge der Diplomatie auch wesentlich von den .vorhandenen Machtmittel abhängig sind.

Die Debatte wendet sich nunmehr zu dem Zweiten Hauptabschnitte der Generaldtskussion:

Das Glückskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

L7 ------- Nachdruck verboten.

VII.

Schon mehr als ein Jahr weilte Rosi in dem traulichen Forsihause. Zum zweiten Mal zog jetzt der Frühling ins Land.

Immer inniger, immer fester schlossen sich die alten Förstersleute an ihr „liebes Kind" an, das des Hauses Sonnenschein geworden war.

„Ich kann mir gar mqt denken", sagte der Förster öfters zu seiner Frau, „wie wir vorher ohne unser Mädel gelebt haben, und was wir thäten, wenn sie wieder sortginge."

Frau Therese nickte lächelnd: „O, die denkt -gar nicht, täglich wiederholt sie, daß es ihr nie­mals einfallen würde, nach der Stadt zurückzu- kehren, oder uns zu verlassen."

»Ja, jo, so lange bis einmal der Rechte kommt, und uns das Mädel entführt."

„D, und wo sollte der wohl Herkommen?" „Das weiß ich vorläufig selbst nicht." „Na, also, darüber mache Dir keine Sorgen. Der Alte trat ans Fenster, und beobachtete Röschen, die eben die Hühner fütterte. DaS Mädchen bot in dem Hellen leichten Somme» kleide einen herzerfreuenden Anblick. Von allen Setten kam das gackernde Hühnervolk gelaufen, und pickte tiftifl die Körner auf.

In diesem Augenblick trat Kathi, die Magd, mis dem Hause, und rief, lachend nach der Straße deutend: „Ja was kommt denn da für

Kosten und Beschaffung der Mittel. Da­bei gibt zunächst Schatzsekrelär Freiherr v. Thiel- mann zahlenmäßige Mtttheilungen über die Reichs­einnahmen. Die Lage der Reichseinnahmen be- zeichnet der Redner als sehr günstig: von der Stempelsteuer können, wenn der Antraq auf Verdoppelung derselben Annahme findet, große Mehreinnahmen erivartet werden, und ebenso wird die neue Lotteriesteuer, über oie zwischen mehreren Bundesstaaten bereits Einigkeit erzielt ist, erhebliche Beträge abwerfen. Die Zölle, abgesehen von den Getreidezöllen, weisen eine erfreuliche Steigerung auf; in der Zuckersteuer liegt ein kräftiger Rückhalt für die Zukunft; Branntweinsteuer und Brausteuer zeigen steigende Erträge. Redner rechnet für die Zukunft auf Mehreinnahmen im Betrage von 30 Millionen, ohne die neu geplante Lotteriesteuer, d»e nach seiner Berechnung 17 bis 18 Millionen bringen würde.

Nach der Rede des Staatssekretärs wurde die Weiterberathung auf Donnerstag vertagt. Die Generaldebatte soll auf jeden Fall vor den Osterferien beendet werden, auch für den Fall, daß die Kommission länger beisammen bleiben müßte als das Plenum des Reichstages.

0 Die „große liberale Partei".

Die Hetze gegen die lex Heintze hat eine wundersame Erscheinung gezeitigt. Erst war es ein „Heintze-Bund", der gegründet werden sollte als Kampftruppe gegen die Be­strebungen, der Unstttlichkett überall da, wo sie ihr freches Haupt erhebt, ein wenig nachdrück, licher auf den Leib zu rücken. Dann erfuhren erst die ahnungslosen Heintze-Bündler, wer eigentlich den Namen Heintze trug, nämlich einer der gemeinsten und wüstesten Berliner Zuhälter; und darauf wurde aus dem Heintze ein — Göthe, aus dem Heintze-Bunde ein Göthe- Bund. Wenn der große Dichterfürst über den Mißbrauch sich äußern könnte, der mit seinem Namen getrieben wird! Mit dem Essen aber kommt bekanntlich häufig erst der Appettt, und so haben findige Köpfe in München und ander­wärts die kostbare Idee ausgeheckt, die Gelegen­heit zu benützen zur Gründung einer „groß- liberalen Partei mit Einschluß der Sozialdemokratie".

Es ist nun erstens recht bemerkenswerth, daß die neuen „Großliberalen" auch die Sozial- demokraten in ihre Arme eivschließen wollen, dieselben Liberalen, die Zeter und Mordio schrieen, als in München und in Speyer bei den letzten bayerischen Landtagswahlen einige sozial­demokratische Wahlmänner für Centrums-Kandi­daten ihre Stimmen abgaben. So also steht es mit der sogenannten „Entrüstung" der Herren Liberalen darüber, daß das Centrum, wie selbst­verständlich, damals jene vereinzelte Unter­stützung durch einige sozialdemokratische Wahl­männer sich ruhig gefallen ließ — jetzt werben sie sogar offen um die Freundschaft der Herrrn Genossen und Vereinigung mit ihnen in einem Bunde!

Aber die Sozialdemokratie will nichts wissen davon. Schnöde weist das Münchener Organ der Sozialdemokratie das Liebeswerbender

einer daher, der ist auch nicht aus unserer Gegend!" —

Röschen schaute nach der angegebenen Rich­tung und erblickte einen Mann, der auf das Forsthaus zuschritt. Er mochte etwa 40 Jahre alt sein, das Gesicht war dunkel gebräunt, auf dem gelblichen Haar saß ein großmächtiger Filz- hut mit breitem Rand. Die Kleidung war nicht eben elegant, doch modisch, über der Achfel hing an einem Stock eine anscheinend schwere Reisetasche.

„Sie entschuldigen", begann der Fremde, näherkommend, „hier herum muß doch ein Schlößchen liegen, ist's noch wett bis dahin? Ich bin in der Irre gelaufen, sollte schon längst dort fein."

„Sie meinen doch nicht das „Erlengründer Seefchlößchen?" fiel die Magd verwundert ein.

„Ja, dasselbe."

„Um Gottes willen, was wollen Sie denn dort machen?"

Der Fremde kraute sich hinter dem Ohr. „Ja, das Schlößchen wird in Zukunft wieder bewohnt fein, es sind schon Arbeiter bestellt, die eS wieder in Stand setzen sollen und ich muß die Aufsicht über dieselben führen."

In mürrischem, unfreundlichem Tone wurde diese Auskunft ertheilt, während Kathi in namen­loser Verwunderung die Hande zusammenschlug:

„Sie, — Sie flunkern wohl; das glaube wer mag", sagte sie endlich.

„Ich flunkere nie, am allerwenigsten mit einem Frauenzimmer", klang es erbost.

„So, — Sie mögen die Frauenzimmer wohl nicht leiden?" rief Kathi dagegen.

„Großliberalen" zurück, und nun fehlt es nicht an Spott für diese im weitesten Umfange. Aber die Gelegenheit ist günstig, um sich wieder einmal ins Gedächtniß zurückzurufen, was denn eigent­lich alle die Leute, die sich liberal nennen, noch mit einander gemein haben. Kanal und Flotte, so rälh der Abg. Barth in seiner Wochenschrift .Nation' der Regierung, solle diese benützen, um sich eine große liberale Mehrheit zu verschaffen und mit dieser zu regieren. Kanal und Flotte — es ist erstaunlich, wie ein immerhin kluger und erfahrener Mann von dem Schlage des Dr. Barth einen solchen Unsinn schreiben kann. Die Flotten- freundschast reicht nur bis zur freisinnigen Ver­einigung; bei den freisinnigen Wafferstieflern arbeitet man in grundsätzlicher Opposition gegen die neue Flottenvorlage, also würde damtt von Anfang an nichts zu machen sein. Die «National- Zeüun g', die am linken Flügel der Nationalliberalen marschirt, macht einen anderen Vorschlag: auf drei Forderungen, so meint sie, möge die Regierung eine großliberale Partei aufbauen, nämlich Ein­treten für des Reiches Wehr, Abwehr aller Angriffe auf die Freiheit des geistigen Lebens und nationale Wirthschaftspolitik. Aber für die „nationale Wirthschaftspolitik" find nun gleich alle beide freifinnige Gruppen »ich zu haben, weder die Wafferstiefler noch die Wadelstrümpfler. „Des Reiches Wehr" in der Auffaffung der Nationalliberalen ist wiederum nicht nach dem Geschmacke des Herrn Eugen Richter, und so bliebe von dem Programm der ,National-Zettung' nur ein Punkt übrig: die so­genannte Abwehr gegen alle Anqriffe auf die Freiheit des geistigen Lebens. Was soll das heißen? Das ist erstens nur eine Verneinung; gar kein wirkliches politisches Programm; und zweitens gewinnen solche Vorschläge einen recht eigenthümlichen Beigeschmack gerade in dieser Zett des Kampfes um die lex Heintze. Rechnet denn die .National-Zeitung' zu den „Angriffen auf die Freiheit des geistigen Lebens" auch die Kuppelei- und Zuhälter-Paragraphen dieser Novelle zum Strafgesetzbuche?

Und die nationalliberale Partei allein für sich umfaßt Elemente von so gewaltig verschie­denen wirthsch af tlichen und auch politischen Anschauungen, daß ihr Zerfall nur noch eine Frage der Zeit genannt werden kann. Man denke nur die kurze Zeit zurück an die Verhandlungen über das Zuchthausgesetz: nicht einmal über so hervorragend wichttge Gesetzentwürfe konnten die Nationalliberalen im Reichstage zu einer ©inigunc; in ihren eignen Reihen gelangen. Und auf folcher Grundlage sollte eine großliberale Partei auf gebaut werden? Selbst die Berliner ,Vossische Zeitung', die sonst gern mit solchen Traumbildern, hervor­gerufen durch die angenehmen Erinnerungen an vergangene Machtgröße, sich beschäftigt, schreibt mit Betrübniß: „Der Gedanke der einen großen liberalen Partei erscheint gegenwärtig aussichtslos. Man kann diese Thatsache bedauern, aber nach der Lage der Verhältnisse nicht füglich bestreiten. . Bei der Börsengesetzgebung klaffte ein tiefer Riß in der nationalliberalen Partei; bei der Fleisch­sperre theilt sie sich in verschiedenen Grilppen; selbst in der Währungsfrage zeigte sie sich nicht immer einig. . ."

„Nein, — das sag' ich offen einem jeden in'S Gesicht, — ich weiß nicht, wozu so viele Herumlaufen auf Gottes weiter Welt; überall, wohin man nur den Fuß setzt, muß man gleich auf ein Frauenzimmer stoßen, die taugen mit­einander nicht viel, ich mach' immer drei Kreuze, wenn mir eins begegnet." —

„Da schau mir einer den Grobian an. — Na, hören Sie, so etwas gibt's Gott sei Dank nicht oft. Was haben Ihnen denn die Frauen­zimmer gethan, daß Sie so erbost sind, — es hat Sie wohl noch keine haben wollen!" —

„Kathi, Du Naseweis," mahnte die Försterin, die eben aus dem Hanse trat, und die letzten Worte gehört hatte, indeß der Fremde, ehrlich erschrocken, einen Schritt zurückwich, und in komischem Entsetzen die Hand gegen den Himmel reckte: „Gott steh' mir bei, nun noch eine Weibs­person ! —Ha, wie viele Frauenzimmer find denn eigentlich noch da drinnen?"

Kathi stemmte die runden Arme kampflustig in die Hüften, indem sie sich an ihre Herrin wandte, lachte sie höhnisch: „Da ist einer, der die Weiber nicht leiden kann, weil ihn noch keine gemocht hat."

„Ha, ha — ha, — gemocht hat —, ich sage Ihnen, zehn an jedem Finger hält' ich haben können, — und noch mehr, — aber wer nicht wollte, war ich,--ich." — —

Das Gesicht des erzürnten Mannes hatte eine »unkelrothe Färbung angenommen, die Stimme klang trotzig und feindselig.

Aber plötzlich änderte sich sein Ton, fast wehmüthig begann er von neuem: „Ich hab'S mit erlebt und durchgemacht, wie eine Eures

Mit der großliberalen Partei ist es nichts^ jetzt und in alle Zukunft. Der Liberalismus geht seinem vollen Ruin entgegen, und den Vortheil davon haben diejenigen, deren Vorfrucht nach dem bekannten Ausspruche des Fürsten Bismarck der Liberalismus war und noch ist: die Mannen der Sozialdemokratie.

Deutsches Deich.

Berlin, den 28. März.

® Der Aeichstag hat sich bis zum 24. April vertagt. Hoffentlich werden die Abgeordneten nach den Ferien sich in größerer Anzahl als bis­her in Berlin einfinden, sonst würde wohl wieder viel Mühe und Arbeit umsonst verwendet worden sein.

+ Die ArrLöfrrng des Reichstages wegen Ablehnung der Flottenvorlage wird von dm „Mittheilungen für die Vertrauensmänner der nattonalliberalen Partei" als Schreckgespenst an die Wand gemalt; die „Mittheilungen" gebe» ihren Freunden im Lande allerhand nützliche Winke über das geeignete Verhalten bei etwa nothwendigen Neuwahlen. Es ist nicht recht klar, wie das genannte Organ der nationalliberalm Partei dazu kommt; denn über das Schicksal 8er Flottenvorlage im Reichstage kann man heute doch noch nichts Vorhersagen. Dieses Schicksal kann erst im Saufe der Einzelberathung der ver­schiedenen Gesetzesbestimmungen und der Be- rathung über die Frage der Kostendeckung nach den Osterferien des Reichstages entschieden wer­den, und im unmittelbaren Gegensätze zu jenem nationallibkralen Organ schöpft umgekehrt die »Nationallib. Korrespondenz' au8 dem Verlaufe des ersten Berathungstages in der Kommission die rosigsten Hoffnungen. „Der Eindruck dieser Eröffnungen (nämlich der Staatssekretäre Graf Bülow und Tirpitz) war — wie die ,Natl. Korr.' schreibt — auf allen Sette» ein ganz außer­ordentlicher. Auf keiner Sette dürste ernsthaft mehr bestritten werden, daß die Nothwendigkett der geforderten Flottenverstärkung grade im Jn­tereffe der Wetterführung einer friedliebenden deutschen Politik unwiderleglich nachgewiesm worden ist... Dieser erste Tag der Generaldebatte ist von grundlegmder Bedeutung für die Wetter­berathungen, und sei» Ergebniß kann dahin zu­sammengezogen werdm, daß über das Ziel jetzt Klarhett besteht und nunmehr die Frage jetzt spruch­reif geworden ist, auf welchem Wege dieses Ziel erreicht werden kann." Das ist nun augenschein­liche Schönfärberei; so großartigen Eindruck haben lange nicht alle Kommissions-Mitglieder aus dieser ersten Flottmfitzung mitgenommen. Im Gegen - theil: man hört, daß mehrere der Kommissions- Mitglieder die entgegengesetzte Wirkung davon verspürt und auS der ersten Kommissions-Sitzung die Ansicht mitgenommen haben, daß die Ableh­nung der Flotten - Vorlage jetzt wahrscheinlicher fei als tue Annahme. Aber gerade auS diesen verschiedenen Mtttheilungen, die einander voll­kommen widersprechen, ersieht man, daß die Lage nach wie vor vollkommen ungeftärt ist. Das Abwarten ist in diesem Falle wenig angenehm, aber nothwendig.

* Bischof v. Anzer, der Apostolische Vikar von Süd-Schantung, ist gestern in Berlin eiv- Geschlechts meinen guten, sanften Herrn, den besten der Menschen, fast zu Grunde richtete durch ihre Falschheit und Untreue, wie fie ihn hinaustrieb, fort von der Heimath, vom Vater­lande, wie er lange Jahre krankte an der Herzens wunde, die nimmer heilen wollte, und darum Haffe ich fie alle, — alle, wie er, mein Gebieter sie haßt." —

„Ihr habt kein Recht, wegen einer Einzigen daS ganze Geschlecht zu verachten," mischte sich Röschen, die bisher belustigt dem kleinen Streit gefolgt war, sehr ernst in das Gespräch.

Ueberrascht wandte der Fremde sein gebräuntes Gesicht der Sprecherin zu: „Das, was jene Eine gethan, ist wohl hinreichend, und Grund genug, alle Andern zu Haffen." —

„Nun und Euer Gebieter, der kann doch auch mit schuld sein."

Das Gesicht des jungen Mädchens war sehr »leich, die Erinnerung an das Leid, welches Emer ihr zugefügt, kam mächtig über sie, indeß >er leidenschaftliche kleine Mann drüben eine o heftige Bewegung machte, daß die Reise - asche, die er noch immer über der Achsel trug, zu Boden fiel.

„Mein Herr,--sollte schuld sein, oh—.

Sie wissen nicht, was Sie da sprechen.--

Er mit dem warmen, edlen Herzen, ich sagte es schon, es gibt keinen befferen."

In diesem Augenblick trat der Förster aus dem Hause, Gewehr und Jagdtasche um die Schultern gehängt; er pfiff feinem Hunde, der 'nutrenb und brummend um den Fremden herum- schnüffelle.