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Iuröcr, Montag, den 26. März 1900.
27. Jahrgang
© Der Stand der Dinge im Reichstage.
; Wohin geht die Reise? — Diese Frage hört man allenthalben im Reiche aussprschen. Wohin geht die Reise mit der lex Heintze, mit dem Fleischbeschaugesetze, mit der Flottenvorlage? Die Antwort pflegt meist ein stummes Achselzucken zu sein. Möglicherweise könnte im gegenwärtigen Augenblicke der Herr Reichskanzler selbst eine andere Antwort auch dann nicht geben, wenn er die Frage wirklich mit Aus- richtigkeit beantworten wollte. Vielleicht aber würde er sagen: Die Lage ist recht verwickelt. Und er würde kaum mit unanfechtbarem Erfolge die Behauptung widerlegen können, daß die Regierung an dieser Verwickelung der Hauptsache nach die Schuld trägt.
Bis in die letzte Zeit hinein konnte man von den meisten Politikern auf die Frage nach der wahrscheinlichen Entwickelung der Flottenvorlage die ziemlich bestimmte Vermuthung aussprechen hören, daß die Vorlage, wenn die Regierung einer vernünftigen Regelung der Kostendeckung nicht widerstrebt und sonst ein wenig Entgegenkommen zeigt, einige Aussicht darauf habe, angenommen zu werden. Aber in der allerneuesten Zeit ziehen wieder bedrohliche Wolken am Flottenhimmel auf: lex Heintze, Fleischbeschau im Reichstage — Aenderung des Gemeindewahlrechtes und manches Andere im preußischen Abgeordnetenhause. Will die Reichsregierung die Flottenvorlage durchdringen, so kann ste daS nicht ohne das Centrum und ohne die konservative Rechte; aber gerade die Anzeichen der allerletzten Tage sehen beinahe danach auS, als wollten es die verbündeten Regierungen muthwillig mit diesen Gruppen des Reichstages verderben, die ihr nothweudiger für die Erreichung ihrer Ziele als jemals sind.
In der liberalen Presse wird mit großer Beharrlichkeit behauptet, die verbündeten Regierungen legten keinen Werth mehr auf die Durch- berathung der lex Heintze; und ein Berliner Blatt, das vom Reichskanzlerpalais her recht gut bedient zu werden pflegt, dem auch Fürst Herbert Bismarck jüngst das Zeugniß ausstellte^ daß es »hoch offiziös" sei, nämlich die ,Berl. Neuesten Nachr.', hat mit vollem Ernste behauptet, der Reichskanzler theile die Ansichten seines Eohnes Prinz Alexander über die lex Heintze. Dieser aber hat, wie männiglich bekannt, im Reichstage erklärt, er werde gegen das Gesetz in seiner bisherigen Gestalt stimmen. Andere Blätter haben auch schon auf eine Hinterthür hingewiesen, durch die die Reichsregierung vor der lex Heintze, genauer gesagt vor den Sozialdemokraten und Freisinnigen unter sozialdemokratischer Führung veranstalteten Hetze angeblich auszureißen gedenken soll: auf den Wohnungsparagraphen, der anders ausgefallen ist, als Herr Staatssekretär Nieber- ding ihn haben wollte. Kläglicher Vorwand! Aber leider ist es wirkliche Thatsache, daß auch bei der bayerischen Regierung nicht alles so steht, wie es stehen sollte. Schon die bayerisch- ministerielle ,AugSb. Abendztg.' hatte vor einigen Tagen in einer Notiz angedeutet, die bayerische Regierung stehe nicht, oder nicht mehr auf dem
Das KMckskind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
14 —---- Nachdruck verboten.
VI.
Es war fünf Tage später. Auf der breiten Chaussee, die zu beiden Seiten mit hohen Pappelbäumen eingefaßt war, fuhr ein offener, zweisitziger Schlitten, wie man ihn öfters auf dem Lande anzutreffen pflegt, in langsamem Tempo dahin. Bon Ferne schimmerten schon die Lichter des Stationsgebäudes wie glühende Punkte durch die hereinbrechende Nacht. Die volle Mondscheibe stand am Himmel und breitete ihren silbernen Schein über das herrliche Landschaftsbild. Links und rechts der Straßen erhoben sich ansehnliche Berge, von dunklen, alten Fichten gekrönt, deren weitausgrstreckte breite Aeste sich unter der furchtbaren Schneelast bogen.
Vor den korbähnlichen Schlitten war ein an» schechend sehr widerspenstiges Pferd gespannt, denn von Zett zu Zeit blieb es stehen und war weder durch Hiebe noch durch Zureden zum Weitergrhen zu bewegen.»
Das Gefährt wurde von einem älteren Herrn in grüner Waidmannsjoppe gelenkt, Haar und Bart waren leicht ergraut, aber aus den Augen leuchtete es f-* jugendlich, und aus den Zurufen, die er geleMtlich an das eigensinnige Pferd r'chtete, konnte man schließen, daß der Mann sehr öid Geduld besaß.
„Na, nun noch ein Stückchen, alter Hans, dann sind wir da," klang es ermunternd in gutmütigem
Standpunkte, den der bayerische Gesandte in Berlin Graf Lerchenfeld als maßgebend bei seiner Regierung für die Beurtheilung der lex Heintze gekennzeichnet batte. J'tzk bat die ganz offiziöse .Münchener Korrespondenz Hoffmann' ausorückirch bestätigt, daß die,Augsb. Bbendztg.' die Sachlage richtig gekennzeichnet habe. „Die fragliche Notiz (nämlich eben der ,Augsb Abendztg.') war unbeschadet ihrer tbatsächlichen Richtigkeit nicht offiziösen Charakters." Das ist ein albernes Spielen mit Worten. Die Notiz der ,Augsb. Abendztg.' hat das Richtige getroffen, daraus kommt es hier für die Oeffentlichkeit allein an; und danach scheint von den verbündeten Regierungen zuerst die bayerische den Muth zum Auskneifen vor den Herren Singer, von Volkmar, Eugen Richter und Genossen finden zu wollen.
Im Centrum, das weiß die Welt, gibt es Leute, die der neuen Flottenoorlage hold sind; andere aber, das ist ebenfo allgemein bekannt, sind ihr durchaus abhold, und ein dritter Theil steht dem Gesetzentwürfe vorläufig noch unentschieden gegenüber. Es ist klar, daß die Flucht der verbündeten Regierungen vor der Opposition gegen die lex Heintze, auf die das ganze Centrum in seiner Gesammtbeit den allergrößten Werth legt, auf die allgemeine politische Stimmung decer im Centrum. die bis heute zur Flottenvorlage noch keine bestimmte Stellung eingenommen haben, einen nur ungünstigen Einfluß ausüben, die Aussichten der Flottenvorlage also keineswegs verbessern kann.
Genau so steht es mitFleischbeschau und Flottenvorlage bei allen denjenigen Politikern, die ein wesentliches Interesse an den Vortheilen für die deutsche Landwirthschaft haben. Die höchst zweifelhafte Stellung der Reichsregierung zu dem Fleischbeschau - Gesetze und die unwidersprochen gebliebene Meldung, daß vom Auswärtigen Amte unmittelbare Anregung gegeben worden sei zur Veranstaltung von Kundgebungen gegen das Fleischbeschau-Gesetz wirken in allen agrarisch gerichteten Kreisen im höchsten Grade verstimmend.
Darum mögen sich die verbündeten Regierungen beeilen damit, klaren Wein einzusLenken darüber, wie es bei ihnen in Wahrheit steht mit der lex Heintze und mit der Fleischbeschau. Sonst könnte es ihnen unversehens gehen wie dem sprüch- wörtlichen Lohgerber, dem seine Felle wegschwimmen, ehe er es nur denkt; und bann könnte der Abg. Dr. Hahn darüber triumphiren, daß wir die „ gräßliche Flottenvorlage" wirklich los wären.
Deutsches
Berlin, den 24. März.
0 Avg. Dr. Lieber bringt nunmehr täglich mehrere Stunden Vormittags und Nachmittags außerhalb des Bettes zu und empfängt mehrfach politische Freunde zu längeren Berathuugen. Die anderweit aufgetauchte Meldung jedoch, daß er bereits an diesem Sonntag nach seiner Heimath Camberg übersiedele, ist nicht zutreffend. Herr Dr. Lieber will für diese Reise milderes Wetter abwarten.
Ton. Er ließ die Peitsche spielend auf dem glänzenden Rücken des ThiereS tanzen: „Geh' doch, mein Brauner, geh' doch, wir kommen sonst mcht vorwärts!" rief er wiederum, doch der Braune stand wie angewachsen und rührte sich nicht vom Flecke.
„Na, das kann gut werden heute. Wenn's so weiter geht, versäume ich noch die Ankunft des Zuges," brummte der Insasse des Schlittens.
Zwei Bauern, die eilig die Straße entlang schritten, zogend freundlich grüßend die Hüte.
„Ach, Sie sind's Herr Förster, ja, wo wollen Sie denn heute noch hin?" fragte der eine.
„Zur Station will ich; das Forsthaus bekommt längeren Besuch, und nun spielt mir der Malesiz- Gaul den Streich und will nicht weiter."
Die Beiden nahmen das Pferd am Zügel und führten es eine Strecke weit, dabei mit dem Förster plaudernd.
„Wie kommt es denn, daß Sie jetzt mitten im Winter Besuch kriegen, Herr Förster?"
„Im Sommer da ist's wohl schön bei uns. aber um diese Zeit, mein ich, wär's in der Stadt schöner," fiel der andere ein.
„Es ist ein krankes Mädel," erwiderte der Förster, „dem nichts noth thut als Ruhe und frische, gute Luft, wie mir mein Neffe schreibt. „Na, beides ist ja hier in reichlichem Maße zu haben," fügte er lachend bei.
Der Zug brauste eben heran, als der Förster vom Schlitten sprang die durch das lange Sitzen steif gewordenen Wieder dehnte.
Nur ein einziger Fakflgast stieg an der kleinen Station aus und blickte suchend umher.
Der Förster schwenkte grüßend den grünen,
X La«drvlrLtzschaMiche Iraye». Im Reichstage haben die Cel-trums Abgeordneten Rembold und Genossrn folgenden Antrag gestellt:
Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, angesichts der überaus schweren wirthschaftlichen Schädigungen, welche durch die Wartk- «Äd Kka«e«s-»che, sowie durch die zur Verhütung augeorbneten Sperrmaßregeln in den letzten Jahren herbeigeführt worden sind, die bestehenden Vorschriften über Be- kämvsung der Maul- und Klauenseuche auf Grund der gemachten Erfahrungen einer eingehenden Revision zu unterziehen, insbesondere darauf Bedacht zu nehmen, daß vorAnord- nu g der Sperre eines Orts, einer Feldmark oder eines sonstigen Sperrgebiets und des Marktverbots die Nothwendigkeit aufs Sorgfältigste geprüft und jede Verzögerung bei Aufhebung dieser Maßregeln vermieden wird.
Hinfichtlich des Fleischbefchaugesetzes bricht sich immer mehr die Ueberzeugung Bahn, daß der „Bund der Landwirthe" die Sache wieder einmal gründlich verfahren hat. Der Bundesrath wird unter keinen Umständen seine Zustimmung zum § 14a wie er nach den Reichstagsbeschlüffen sich gestaltet hat, geben und muß deshalb eine Verständigung bis zur dritten Lesung gesucht werden. Ein großer Theil der Konservativen wünscht eine solche jetzt, nur die Herren ! Dr. Hahn, ! Dr. Oertel, ! Dr. Roeficke (die drei berühmten Bundes- „Doktoren") und ihre Getreuen wollen keine Verständigung. Man glaubt jedoch allgemein, daß eine solche gleichwohl zu Stande kommt, weil die Leitung der Verhandlungen jetzt dem Abgeordneten Aerokd-Inkda, einem durch feine Umsicht und Mäßigung rühmlich bekannten verständigen Land wirth anvertraut ist. (Der Kreis Fulda - Hersfeld - Schlüchtern kann sich zu diesem Abgeordneten nur gratuliren!)
* Bei der zweiten Berathung des NeichstzaasHaktseLais im Reichstage sind, wie die Zusammenstellung jetzt ergibt, an Ausgaben gestrichen worden 206 201 Mk. bei den fortdauernden Ausgaben und 2572803 Mk. bei den einmaligen Ausgaben. Der Hauptabstrich betrifft das Grundstück behufs Errichtung eines Dienst- grbäudes für die Kolonialabtheilung mit 1 753000 Mk. Zugleich ist mit Rücksicht auf die Errichtung einer Lotterie in Hessen die Emnahme aus dem Lotterienempel um 936 000 Mk. erhöht worden. Der Ausgleich des Etats wird erreicht durch Verminderung des Anleihebedarfes um 3328382 Mk.
X Eine Maruurrg vor wirthschaflkicher Ileöerretzovg brachte die offiziöse ,Nordd. Allgem. Ztg.' am Freitag, eine Warnung zum „Maßhalten auf allen wirthschaftlichen Gebieten". Weiter schreibt das offiziöse Blatt: „Woran lag es, daß die früheren Perioden wirthschaftlichen Aufschwunges ein fo schnelles Ende nahmen? Wesentlich an der ungesunden Preis- und Kurstreiberei jmer Zeiten .... Wir stehen jetzt wieder an einem solchen kritischen Wendepunkte.. Mit der Vermehrung der Nachfrage wächst die
mit einer Auerhahnfeder geschmückten Hut und kam schnell herzugelaufen.
„Grüß Gott, zum Willkommen!" rief er heiter der Angekommenen entgegen, „Sie sind doch wohl Fräulein Mahler, die ich erwarte?"
Kopfnickend bejahte das Mädchen und legte müde die behandschuhte Rechte in die bargebotene Hand des Försters, indem es leise sagte: „Guten Abend Herr Bernsdörfer, habe ich Ihnen Ungelegenheit bereitet durch mein Kommen?"
„Ach was," lachte der freundlich blickende Alte, „gefreut haben wir uns wie die Kinder, ich und meine Theres. Ich sage Ihnen, die wußte gar nicht, was sie alles kochen sollte, unferm lieben Gast zu Ehren, na, ich darf ja nichts verrathen, es ist mir bei Strafe verboten worden, aber Sie werden schauen."
Er schnallte leicht mit der Zunge: „Fein, sag' ich Ihnen, sehr fein, Fräuleinchen, denn das versteht meine Alte, wie keine: 's ist auch nicht zu mupbern, war ja fünf Jahre Herrschaftsköchin.
In dem Auge des lebhaft Sprechenden leuchtete es auf wie Schelmerei; sorgsam half er seinem schweigsamen Gast in den Schlitten, und fort flog derselbe auf der glatten Bahn, daß der Förster hell auflachend rief: „Schau, schau, wie der Racker, dieser heillose Gaul, jetzt laufen kann, hätt's ihm wirklich nicht zugetraut; der merkt wohl, daß es heimwärts geht."
Immerzu plauderte Bernsdorfer und schien es nicht zu bemerken, daß er keine Antwort bekam.
„Eine wuudervolle Mitternacht," begann er eben wieder, „o es wird Ihnen schon gefallen bei uns, Fräulein Röschen, wenn Sie erst den herrlichen Wald lieben gelernt haben, so wie ich ihn
Gefahr, daß die Produzenten ihre Preise ins Ungemessene steigern, und bann sind wir wiebrr an der Klippe angelangt, die für Produzenten wie Konsumenten glerch verderblich ist. Sollte die weitere Entwickeln-! z der Dinge auf diesen tragischen Ausgang hintreiben, bann würden die Schäden diesmal schwerer sein denn je ... . Um diese Gefahr abzu- roenben, gibt es zur Zett nur ein Mittel, das ist Maßhalten auf allen wirthschaftlichen Gebieten ... Es wird in nächster Zeit alles daraus ankommen, ob es gelingt, diesen Geist der Mäßigung in möglichst weite Kreise hineinzutragen." Es ist lobens- werth , daß baS offiziöse Blatt in diesem Sinne seine warnende Stimme erhebt. Aber bie Warnung kommt etwas spät. Seit Jahr und Tag haben viele andere Organe ihre Warnungsrufs ertönen lassen, und was heute bie ,Norbb. Allg. Ztg.' sagt, ist nichts weniger als neu. Dennoch nehmen auch heute noch die Organe der Großindustrie bie Warnung nicht gut auf. »Wir fürchten — so schreiben die von dem Central« verbände der Industriellen in solchen Dingen beeinflußten ,Berl. Pol. Nachr.' — daß der Artikel der ,Nords. Allg. Ztg.' geeignet ist, in weiten Kreisen Beunruhigung und Mißstimmung gegen bie Industrie heroorzu- rufen ..." ES scheint also, baß man sich bereits fürchtet davor, die Wahrheit zu hören, und das ist sicherlich kein gutes Zeichen. Die unwirsche Aufnahme der verspätet nun auch in dem oberosfiziösen Blatte erschienenen Warnung mögen sich alle, die es etwas angeht, als ein doppelt bedeutungsvolles Warnungszeichen merken und immer wieder an den alten Spruch denken: den letzten beißen die Hunde!
* Berlin, 24. Mär». Der Kaiser hat den Beitrag von 1500 Mark für die allgememen-Dwecke des Germanischen Museums und 500 M. für dWHohen- zollern-Stiftung für die Jahre 1900 bis 190»? wieder bewilligt. - Prinz Max von Baden hatsichFrer- tag in Wien mit der Prinzessin Marie Louise von Cumberland verlobt. Der Bräutigam, Prinz Maximilian Alexander Friedrich Wilhelm, ist der zweite Sohn des Prinzen Wilhelm, dem Bruder des Großherzogs von Baden, und am 10. Juli 1867 in Baden geboren. Er ist preußischer Rittmeister ä la suite des Garde-Kürassier- Regiments. Prinzessin Marie Louise ist die älteste Tochter des Herzogs Ernst August von Cumberland und der Prinzessin Thyra von Dänemark. Die Braut ist am 11. Oktober 1879 zu Gmunden geboren. — Der Berliner Offiziöse der Münchener ,Allgem. Zeitung' telegraphirt: In Bundesrathskreisen nimmt man an, daß die lex Heintze im Reichstag nicht wieder zur Besprechung tommen werde. — Der nationalliberale Landtagsabgeordnete Weidenhöfer, Vertreter des 5. Wahlkreises (Stade) ist in Achim gestorben. — Die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' schreibt: Nach einem hier eingetroffenen Telegramm des Gouverneurs in Kamerun liegen keinerlei Anhalts- puntte dafür vor, daß die Expedition des Hauptmanns v. Besser gefährdet sei. Die Expedition von Besser ist von der Station Johann Albrecht-Ruh au8 nach Norden vorgegangen. Seitens des Gouverneurs ist eine Nachricht über den Verlauf der Exprditton in Aussicht gestellt. — Auf die völlige Wiederherstellung des Abg. Dr. Lieber wird hier Anfang Mai gerechnet, so daß er, wie der ,National-Zeitung' zufolge verlautet, selbst damit rechnet, doch noch das Referat über bte Flotten-Borlage übernehmen zu können.
ft Iwickau. 24, März. Die Zahl der wegen des Streikes ans gesperrt en Bergleute beträgt bis heute, wie bie amtlichen Angaben besagen, 340. Dieselben verlieren alle
liebe. Ich sage Ihnen, mit keinem Fürsten möchte ich tauschen. Und erst im Sommer, wenn alles grünt und blüht und duftet rings um das liebe Forsthaus, da gibt es nichts Schöneres in der ganzen weiten Welt."
„Wie lange haben mir noch zu fahren?' fragte
Röschen. . r
„Wenn's so weiter geht, höchstens eine halbe Stunde. Sie frieren wohl sehr?"
„Nein, o nein.“ —
„Ich habe Decken mitgebracht, wickeln Sie sich nur fest hinein, es ist eine Bärenkälte."
Endlich war das Ziel erreicht. Freundlich schimmerten die erleuchteten Fenster des Forsthauses durch die stille Mitternacht.
Unter der Hausthüre, die ein mächtiger Kranz von Tannenreifern schmückte, stand eine rundliche, kleine Frau, eine Laterne in der Hand haltend, und rief mit wohllautender Stimme den Ankommenden entgegen: „Ei, da seid Ihr ja schon, das
freut mich aber!"
„Hier Alte, bringe ich Dir unseren heben Gast, sagte der Förster, Röschen seiner Frau zuführend.
„Willkommen, mein liebes Kind, möge Ihr Eintritt bei uns gesegnet fein!" —
Sie traten ins Haus. Aus der blitzblanken Küche, wo eine junge Magd emsig hantirte, strömte gar lieblicher Dust.
Man konnte wohl nicht leicht etwas Anheimelnderes und Behaglicheres finden, als das gleich neben der Küche liegende Wohnzimmer. Rings um die Wand lief eine braune Holzvertäfelung, der große grüne Kachelofen verbreitete wohlige Wärme, die mächtige Hängelampe inmitten der nicht sehr großen Stube spiegelte sich förmlich tn