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27. Jahrgang.

IuLöa, Samstag, den 24. März 1900.

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.HL 69.

mit Anterhattmtgs-Mläg« „Issuflrirte Sonntags-Zeitungs

Deutsches Keich.

Berlin, den 23. März.

h Ireiherr vo« Stumm sendet ans Italien, wo er sich bekanntlich gegenwärtig aufhält, an fein Berliner Organ ,Post' das folgende Tele­gramm: „Die Behauptung in der ,greif. Ztg/ und in der «Franks. Ztg/, daß ich von Krupp Summen für die Unterlassung von Konkurrenz erhalte, ist eine völlig aus der Luft ge­griffene Lüge." Im Jntereffe deS Freiherrn von Stumm ist eS erfreulich, daß er so prompt den chm gemachten Vorwurf zurückweisen kann. Im übrigen aber ändert das an der Haupt­sache gar nichts, und diese Hauptsache besteht — es sei zum Ueberdruffe wiederholt! — in der absoluten Nothwendigkeit, daß in der Budget­kommission deS Reichstages genaue Nachforschung gehalten werde nach der Höhe deS Verdienstes der Firma Krupp an den Panzerplotte- für die Kriegsflotte.

* In Kamerun haben neue Kämpfe statt- gefunden, die für die deutschen Mannschaften nicht glücklich geendet haben. Es war eine Expedition unter Hauptmann v. B e s f e r ausgerüstet worden, um die M örder des Leutnants v. Queis und des Forschers Conrau zu bestrafen. Die Offi­ziere dieser Expedition, Hauptmann v. Besser und die Leutnants Buddeberg und v. Peters­dorfs und ebenso der Asfistenzarzt Dr. Ditt­mer find verwundet worden, namentlich der letz­tere schwer. In Kamerun selbst ist Regieruugs- Affesfor v. Eagern am Hitzschlage gestorben — ein schwerer Verlust für Deutschland. Die ge­naueren Einzelheiten über die Expedition Befser's fehlen noch. Der verstorbene RegierungS-Affeffor v. Eagern, ein Enkel deS im Jahre 1848 bekannt gewordenen Freiherrn v. Eagern, befand fich erst ein Jahr im Kolonialdienste. Hoffentlich bringen genauere Nachrichten Beruhigung darüber, daß die Expedstion Bester nicht etwa vernichtet wor­den ist. Die von der Reichsregierung verlangte Verstärkung der Schutztruppe in Kamerun wird schwerlich unter solchen Umständen von irgend einer Seite Anfechtung erfahren.

-7s- Der Aeichstag wird, wenn es nach den Plänen seiner für die Unfallverficherungsnooelle eingesetzten Kommission geht, mit seinen Arbeiten vor dem Pfingstfeste nicht fertig sein. In der heutigen (Freitags-) Sitzung der Kommission wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, mit der Vorberathung der Novelle bis Pfingsten fertig zu fein, so daß nach Pfingsten int Plenum des Reichstages die Spezialberathung be­ginnen könnte. Pfingsten fällt bekanntlich in diesem Jahre sehr spät, auf den 3. Juni. Es ist aber ohnehin ziemlich ausgeschlosten, daß der Reichs­tag in dieser Tagung sowohl die Unfallnooellen als auch die neue Seemanns-Ordnung verab­schieden könnte, da diese letztere vermuthlich auch viele Schwierigkeiten machen wird; und deswegen tritt der Gedanke einer neuen Vertagung anstatt Schluß schon jetzt in den Vordergrund. Man

Das Mückskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

13 ------ Nachdruck verboten.

Unten auf der Straße batte bereits das Leben begonnen. Der fest gefrorene Schnee knirschte unter den Tritten eiliger Fußgänger, die alle bis zur Nasenspitze eingemummt, hastig ihren Weg verfolgten, um so schnell als möglich wieder in den Bereich eines wärmenden Ofens zu kommen. Eine Schaar hungriger Spatzen balgte fich piepsend um das karge Futter und einige über- müthige Jungen eröffneten ein scharfes Bombarde­ment mit Schneebällen.

Das bleiche Mädchen am Fenster sah das alles wie im Traum. Es fühlte sich so über- flüfstg, — so unnütz auf der Welt. Jedes hatte doch einen Beruf, hatte zu sorgen und zu schaffen für seine Lieben, nur sie nicht; ihr blieb nichts zu thun, ste kannte keinen einzigen Menschen, der sie lieb hatte.

Riecke erschien eben mit dem Kaffeebrett in der Hand.

„Um Gott — Fräulein, wie sehen Sie denn aus!" rief die Dienerin erschrocken, „was ist denn passirt?"

„Schreie nicht so, Riecke, — ein wenig Kopf- schmerz, das ist alles. — Deinen Raffte nimm nur wieder mit, ich will erst einen kleinen Spa­ziergang machen, um frische Luft zu schöpfen. Sage der Tante, daß ich bald zurück sein werde."

'„Aber Fräulein Röschen, bei der Kälte einen Spaziergang?"--

Zett in der Oeffentlichkeit zu verhandeln . . . . SDie konservative Partei werde sich mit dieser Frage noch eingehender zu beschäftigen haben." So wird berichtet. Man weiß im Augenblicke nicht, ob der Bericht ganz genau ist. Aber man wird dadurch an die Mttthellung erinnert, die vor einigen Tagen in einem ausgesprochen industriellen Organe erschien, in der ,Rhein.° Westfäl. Zeitung'. Dort ist die Mittheilung ergangen, daß die Kundgebungen indu- strieller Kreise gegen einen Theil des Fleischbeschaugesetzes theilweise zurückzuführen seien auf einen Wunsch deS Auswärtigen Amtes. Dieser Behauptung ist in der Re- gierungSpreffe nicht widersprochen worden. Sie wird wohl also wahr fein. Die Annahme eines innerlichen Zusammenhanges zwischen den Aeußerungen des Grafen Kliuckowström und den Mitthettungen des genannten Blattes liegt nahe genug.

Ausland.

• Antwerpen, 23 März. In Homme bei Fermonde kam es gestern Abend zu einem Zu- fammenstoß zwischen den aufständischen Webern und der Gendarmerie. Zwei Gen­darmen wurden verwundet, darunter einer lebens« gefährlich. Auch mehrere Arbeiter erhielten Ver­letzungen. Die Zahl der Aufständischen beträgt 2000. Die Behörden haben um Entsendung von Truppen gebeten.

* Saris, 23. März. Der Kriegs- Minister entwickette vor der Heereskommisfion seine Ansicht über die zweijährige Dienst­zeit. Er verwarf sie nicht grundsätzlich, erklärte aber, daß es ihm unmöglich erscheine, die 60000 Mann, die durch ihre Einführung ausfallen würden, durch die Mannschaften des Hilfedienstes zu ersetzen, es müßte denn fein, daß diese die doppelte Dienstzeit ableisten. Die Ansichten der Kommiffion über die zweijährige Dienstzeit sind gethellt. (Die Mannschaften des Hilfedienstes find in Frankreich bestimmt für Dienstleistungen, die mit dem Waffendienst nichts gemein haben. D. Red.)

* chraz, 23. Mäh. Die S ko da'sche Waffen­fabrik in Pilsen hat 45 schwere Geschütze per Eilzug nach Triest geschickt, welche für die Engländer in Südafrika bestimmt find. Der Abgeordnete Semifd) hat den Ministerpräsiden­ten telegraphisch ausgesordert, die Sendung zu sistiren und die Geschütze mit Beschlag zu belegen.

O N«enos Ayres, 23.März. Der Auf- stand in der Provinz Entre Rios ist beendet. Die Aufständischen legten die Waffen nieder und unterwarfen sich der regulären Armee.

Staufie (Eentr). Sämmlliche Redner begrüßten im allgemeinen die Borlage als eine geeignete Grundlage, nm z« dem gewünschten Ziele zu gelangen.

Die Minister von Atiqnet und Irhr. ». Aammer» ftei« konnten fich in Folge besten auf kurze Ausführungen beschränken und der begründeten Hoffnung Ausdruck geben, daß man in der Kommission zu einer gedeihlichen lebereiastimmung der Ansichten gelangen werde.

Die beiden Eentrumsredner wiesen mit Bedauern daraus hin, daß in der Vorlage nicht auch die Regulirung der Dppa und Zinna ins Auge gefaßt ist; und nament­lich die Zinna verursacht, rote Abg. Stanke ausführte, große Hochwaflerschäden, ohne daß eS bisher gelungen noch auch darauf in absehbarer Zeit zu hoffen ist, eine Wafferbaugenossenschaft ins Leben zu rufen.

Nach vierstündiger Berathung wurde die Vorlage an eine besondere Kommission verwiesen.

Montag 11 Uhr: Verschiedene kleine Vorlagen.

A«s dem ßaudtagr.

SS Aggeorduekeuhous. — 53. Sitzung vom 23. März.

Bei der ersten Berathung deS Gesetzentwurfes über Maßnahmen zur Verhütung von Hochwasserge­fahren in Schlesien sprachen auS dem Hause die Abgg. Irhr. von Mchlhofe« (kons.», Seydek (natl), Baensq-Schmidtkei« (freikons), Hraf Strachwitz (Centr.), Gothei« (fieis. Berg), Aeivnitz (natl.) und warst heute schon aus, wie ich sehe, ich glaubte Dich noch in den Federn."

Die blauen Augen der Angeredeten hafteten am Boden, sie gab keine Antwort, und Böhler fuhr fort: „Du siehst wirklich schlecht aus, Kind, fehlt Dir etwas?"

Er hätte gar zu gern Näheres darüber er­fahren, ob er mit seiner Vermuthung das Richtige getroffen, allein der bleiche Mund öffnete sich nicht; die Lippen fest auf einander gepreßt, ver­harrte Röschen einen Augenblick schweigend. Ein leises Kopfschütteln war die ganze Antwort; doch ihm schien auch das gu, genügen. Er pfiff erst lustig vor sich hin, blinzelte dabei mit den Augen und flüsterte kaum vernehmlich: «Der Hieb sitzt " Darauf trat er, eine Operettenmelodie summend, in fein Zimmer.

Röschen patte indeß vor der Tante noch ein peinliches Verhör zu bestehen. Ta8 ungemein blafft Aussehen, die mechanischen Bewegungen des sonst so flinken Mädchens fielen Aurelia auf und sie wollte durchaus wiffen, was geschehen war, da sie einen neuen Streich ihres Gatten ahnte, und doch nicht wußte, wo sie suchen sollte.

„Sprich Dich au8, Röschen, sage mir, was Dir fehlt, vielleicht kann ich Dir helfen", bat sie.

Aber alles Zureden war vergebens, und seuf­zend gab Aurelia den Versuch auf, etwas aus dem schweigsamen Mädchen herauszubringen.

Endlich hatte dieses einen Entschluß gefaßt.

Fort, — nur fort wollte sie, und zwar so bald als möglich; vielleicht würde ihr anderswo leichter, vielleicht gelang es ihr, das Leid zu ver- geffen, das wie eine Centn erlast ihr Herz be­drückte.

hatte aber dem Reichstage nicht diese beiden schwierigen Vorlagen auf einmal aufpacken sollen.

O Der Aerliner Schkohpkatz und seine Regulirung standen Donnerstag Abend auf der Tagesordnung der Sitzung der Berliner Stadt- verordneten-Verfammlung. Der Platz ist that- fächlich in feinem gegenwärtigen Zustande nichts weniger als schön, und der Wunsch des Kaisers ist sehr berechtigt, es möge am Schlöffe entlang ein grüner Rasenstreifen angelegt werden. Auch fehlt es durchaus nicht an Platz dazu, so daß der Plan gar keine praktischen Bedenken hat und der Verschönerung nur zu statten kommen würde. Aber in der Stadtverordneten-Bersammlung wur­den nichts desto weniger vorgebliche Bedenken laut mit dem Hinweise auf Rücksichten des Straßenverkehrs, und von anderer Sette sagte man, wenn man dies bewillige, müsse man an­dere Leistungen dafür empfangen. In sehr leb­hafter Betonung ist Oberbürgermeister Kirsch­ner diesen Bedenken entgegengetreten mit dem dringlichst ausgesprochenen Wunsche, diese Ange­legenheit rein sachlich zu behandeln und nicht mtt anderen Gegenständen zu verquicken. Hier habe man es nicht mit dem Fiskus, sondern nur mit der Krone zu thun, und man müsse doch daran denken, welche großen Aufwendungen der Träger der Krone für die Verschönerung der Stadt Ber­lin gemacht habe. Das ist ohne Zweifel ein richtiger Hinweis des Berliner Stadtoderhauptes. Ein Ausschuß der Stadtverordneten-Versamm- lung hat sich zunächst mit der Sache zu be­schäftigen.

-f- Die Srotestveweginrg gegen die lex Aeintze wird in einer Darlegung der ministe­riellen .Verl. Korresp/ durchaus verurtheil t. Dort steht zu lesen: „Wer den einzelnen Phasen der anschwellenden Bewegung gefolgt ist, wird dem Eindrücke fich nicht entziehen können, daß der beabsichtigte Widerspruch gegen einzelne an­geblich mißrathene Paragraphen der lex Heintze zu einem heftigen Ansturm auf bestimmte politische Verhältnisse angewachsen ist. die nur in höchst gezwungener Weise zu dem vorliegenden Gesetzentwürfe in Beziehung gebracht werden können." Da hat man also wieder eine Regierungsstimme für das Gesetz hn Gegensätze zu einigen Andeutungen der letzten Tage, au8 denen man auf Regierungsneigungen zur Ab­lehnung des Gesetzes schließen konnte. Ist schon wieder einmal innerhalb der Regierung selbst ein fo scharfer Gegensatz ausgebrochen in so wich­tigen Dingen? Aufklärung thnt dringend noth.

X Da» Ikeischveschattgesetz war in diesen Tagen der Gegenstand einer Auseinandersetzung in der ostpreußischen Landwirthschaftskammer. Auf der Tagesordnung einer Versammlung dieser Körperschaft stand u. A. ein Vortrag des konservativen Abgeordneten Grafen Klinckow- ström Über das Fleischdeschaugefetz; aber nach der Eröffnung der Sitzung theilte der Vor­sitzende mit, daß der Vorstand beschlossen habe, den Vortrag von der Tagesordnung abzusetzen. Graf Kanitz fragte, warum fo verfahren werde. Graf Klinckvwström antwortete nach vorliegenden Zeitungsberichten, „der gegen­wärtige Stand der Angelegenheit sei so diskreter Natur, daß eS sich nicht empfehle, dieselbe zur

Kopfschüttelnd nahm Riecke das auf den Tisch gestellte Kaffeegeschirr wieder an sich.

„Ein anderer Mensch ist froh, wenn er hübsch daheim bleiben kann, und Sie wollen ausgehen! Na, erkälten Sie sich nur nicht", sagte sie dabei, wandte aber im HmauSgehen noch besorgt den Blick nach dem jungen Mädchen, das so starr und unbeweglich am Fenster stand, uns ein Stück Papier in 'Atome zerpflückte. Etwas mußte da doch nicht in Ordnung sein. —

Endlich raffte sich Röschen auf, kleidete sich rasch an und verließ das HauS, um den Weg nach dem Friedhof einzuschlagen. Hier war es still« todtenstill; kein Mensch ließ sich sehen weit und breit. Der weiche, weiße Schnee lag wie eine schützende Decke auf allen Gräbern, auf den dunklen Cy pressen und den kahlen Sträuchern.

Aber selbst an dem Grabe der Mutter wollten die erlöfenden Thränen nicht kommen. Eine fast neidische Empfindung beschlich das gequälte Herz. O, wer doch da unten liegen könnte und den Frieden hätte, den man auf Erden nicht findet, dann wäre es vorbei mit Schmerz und Leid, vorbei für immer.

Langsam kehrte Röschen nach Hause zurück. Im Flur begegnete fee ihrem Vormund, Über keffen unangenehme Züge beim Erblicken des bleichen Mädchens ein triumphireudes Lächeln huschte.

„Aha, — mir scheint, — das ist schon die Wirkung meines gestrigen Versuches", murmelte er für sich. Es kostete ihm einige Mühe, seine Freude zu verbergen und unbefangen zu scheinen. Etwas wie leises Frohlocken klang doch in feiner Stimme mit, als er verwundert fragte: „Du

Airs dem Reichstage.

HP 175. Sitzung vsm 23. März 1900.

Ja der GeneraldiSkufstou, mtt der die dritte Lesung deS Gesetzentwurfes über die Patentanwälte be­ginnt, erklären die Redner aller Parteien, die Abgg. Kirsch (Eentr.), MSlker-Duisburg (natl.), Aoffmeifter (freis. V-rg), Dr. Hertel (tonf.) und Kievermann »•* Sonnenverg (Antis.), daß ihre Parteien für daS Gesetz stimmen wollen. Die entgegengesetzte Erklärung gibt nur der sozd. Abg. Schmidt-Frankfurt ab Die Ab­stimmung fällt demgemäß aus: daS Gesetz wird in drttter Lesung mit allen Stimmen gegen diejenigen der Sozialdemokraten angenommen.

Ohne Debatte wird angenommen in dritter Lesung daS Gesetz über die Bestrafung der Entziehung elektrischer Kraft.

ES folgen KommisfionSberichte über Petition en. Zunächst wird die neulich unterbrochene Berathung fort­gesetzt über die Petition auf Wiedereinführung der Prügelstrafe für Rohheitsverbrechen, über die nach dem Anträge der Kommiffion zur Tagesordnung übergegangen werden soll, «ährend im Gegensätze dazu ein Antrag deS tonf. Abg. Dr. Hertek-Sachfrn Ueber- Weisung dieser Petition an den Reichskanzler alS Ma­terial verlangt.

Für den Antrag Dr. Oertel sprachen konservattve und freikonservative Redner, außer dem Antragsteller selbst die Abgg. Hraf Stoköerg, Limönr«, 00« JUrborf und der Refocmparteilrr Werner, für den Antrag der Kommission die freisinnigen Abgg. AeSh- Koburg und Wachnich«. Abg. HröSer (Eentr.) und von den Sozialdemokraten Nevek.

Nach einigen wetteren Bemerkungen der Abgg. Graf Stolberg und von Kardorff wird der Antrag Oertel ab­gelehnt, der Antrag der Kommission auf Hebet» gang zur Tagesordnung angenommen.

Eine größere Zahl von Petittonen, die einen wirk­sameren Vogelschutz beanspruchen, sollen nachdem Anträge der Kommission dem Reichskanzler zur Be­rücksichtigung überwiesen werden. Dieser Antrag wird von den Abgg. Weckih-Koburg (freis. Bp.), Hraf Hrioka (natl.) und no« Sakisch (kons.) befürwortet und vom Hause angenommen.

Nächste Sitzung Montag 1 Uhr: Erste Lesung der SeemannSordnung. Dritte Lesung des Etats.

Der Krieg in Südafrika.

DaS englische Kriegsamt bestätigt, daß General Gatacre bei Bethulie von den Buren mit schweren Verlusten zurückgeschlagen worden ist. Von einer Gefangennahme Gatacre'S dagegen „weiß das Kriegsamt nichts". Die meisten Londoner Blätter glauben nicht, daß daS Gerücht fich bestätigen werde, obschon der Nam« Gatacres einen Übeln Klang hat seit den verschie- denen Schlappen, die gerade dieser General im ersten Theil des Feldzuges erlitten hat. Im übrigen find die Nachrichten vom Kriegsschau­plätze heute wieder äußerst dürftig. Wir verzeich- neu folgende:

Aber wohin? — Das war allerdings nicht leicht; doch gleichviel, — hier feffelte sie nichts mehr, und es mußte eine wahre Wohlthat sein, andere Menschen zu sehen und neue Eindrücke zu empfangen. Dann brauchte sie auch nicht mehr im täglichen Verkehr mit dem verhaßten Bor- mund zu leben, Niemand würde sie vermiffen, — Niemand als vielleicht die alte Marthe, der dann keiner den kleinsten Liebesdienst erwies.

Ganz eingenommen von ihrem Vorsatz, trat Rosi etwas eiliger bei Böhler ein, der nicht wenig verwundert war über das seltene Vor« kvmmniß. Sie hiett sich nicht lange mit unnützen Reden auf, sondern schoß direkt auf ihr Ziel los.

„Onkel", begann sie ohne Umschweife, „ich möchte fort von hier, und zwar so bald als mög­lich. Sie hatten recht mit ihrer neulichen Be­hauptung, daß mir Luftveränderung noth thut. Ich _ ich fühle mich nicht mehr wohl in der Stadt; deshalb bitte ich Sie, doch noch heute an Ihre Verwandten zu schreiben, ob ste mich einige Zett bei sich aufnehmen wollen."

Wiederum flog, wie vorhin, das tnumphirende Lächeln über» daS Gesicht des aushorchenden Mannes. O, da hatte man ja zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen ; der Bruch mußte ein vollständiger sein, sonst ginge sie doch gewiß nicht fort. . ,,Ä

„Es freut mich, daß Du mit recht gibst, Röschen", sagte Böhler gemessen, „ich habe immer nur Dein Bestes im Auge, und werde sogleich an meinen lieben Förster-Onkel schreiben. Ich zweifle keinen Augenblick, daß derselbe gern meine Bitte erfüllen wirb, wie ich auch sicher voraus­setze, daß es Dir dort gefällt. Ich selbst war