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FuldaerMZeitung
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verantwortlich: Lnr die Redaktion Jos. Lau«. t»r Inserate I. Parzelle» in Anita.
mit Nnterhaktungs-Aeilage „Ilkustrirte Sonntags-Zeitung" petersgaffe Nr. a lldarmonie).
M 66.
JuLber, Mittwoch, den 21. März 1900.
27. Jahrgang.
© Kunst und Afterkunst,
Von den Leuten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, gegen die Bestrebungen zu Hetzen, die Kunst und die Schriftstellerei vor unflathigen Auswüchsen zu bewahren, wird jetzt mit Vorliebe die unsinnige Behauptung in die Maffen geschleudert, daß nach der Einführung der sogenannten Kunstparagraphen der lex Heintze niemand mehr Gemälde mit unvollkommen bekleideten oder unbekleideten Gestalten werde öffentlich ausstellen dürfen, und daß nach entsprechenden Grundsätzen gegen die Schriftstellerei verfahren werden solle. Jeder Schutzmann, jeder untergeordnete Polizist werde alsdann gegen die Ausstellung von Gemälden und ähnlichen Dingen, die diesen Grundsätzen zuwider laufen würden, einschreiten dürfen.
Natürlich denkt keiner der Freunde der lex Heintze daran, solche Grundsätze maßgebend für die Ausführung des Gesetzes machen zu wollen, denn thatsächlich würden der Ausübung der darstellenden Künste die schwersten Hindernisse bereitet werden, wenn man nach solchen Grundsätzen verfahren wollte.
Das, worauf es ankommt, liegt auf ganz anderem Felde. Die wahre Kunst soll nicht getroffen werden, sondern nur die Afterkuust. An praktischen Beispielen kann man sich das am besten klar machen.
Es gibt Maler, die in der Ausübung der Technik des Malens wirkliche Künstler, Meister sind. Ihre ganze Thätigkeit im Allgemeinen verdient deswegen durchaus die Bezeichnung der Kunst. Aber nun kann es doch vorkommen, daß solche Künstler auf Abwege gerathen; und an Versuchungen dazu fehlt es leider nicht. Es gibt sehr reiche Wüstlinge, die in ihren prachtvoll ausgestatteten Wohnungen ein Gelaß haben, in dem sie in Gemeinschaft mit gleichgesinnten Kumpanen widerliche Gelage begehen. Geld haben sie in Hülle und Fülle, und so lieben sie es, auch ein solches Gemach, wie sie sich ausdrücken, „künstlerisch" auszustatten. Sie wollen diese Ausstattung auch von bekannten Meistern der Malkunst besorgt haben, und so wenden sie sich denn an diesen und jenen bekannten Maler mit dem Anliegen, Bilder auszuführen, die dem Zweck des Gemaches entsprechen, in das sie gebracht werden sollen. Namentlich jüngere Maler, deren Einkommen noch nicht glänzend ist, fallen solchen Versuchungen leicht anheim; und wenn das geschieht, so kommen dann Bilder zu Stande, die nach ihrer kunstfertigen Herstellungsweise in das Gebiet der wirklichen Kunst gehören, nach dem aber, was sie darstellen, und nach der Art, wie sie das darstellen, ganz klar und deutlich das Gepräge der Gemeinheit zur Schau tragen. Und diese Gemeinheit wird um so gefährlicher und um so aufreizender auf jugendlich unreife und reizbare Personen einwirken, je größer die technische Kunstfertigkeit ist, mit der solche Bilder ausgeführt werden. Der Gegenstand oder die Handlung an sich, die auf einem solchen Bilde zur Darstellung gelangt, braucht auch gar nicht unzüchtig zu sein, und dennoch kann ein solches Bild im höchsten Grade anstößig wirken durch den Ausdruck, denn ihm liegt, durch den Geist, den er zur Anschauung bringt.
Das KMckskind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
10 ------ Nachdruck verboten.
„Sie werden entschuldigen, ich möchte gern Herrn Böhler sprechen, und zwar in einer für mich hochwichtigen Sache," fiel die Angekommene dem Dienstmädchen ins Wort, dasselbe bei Seite schiebend, und durch eine Handbewegung auffordernd, sich zu entfernen; indeß sie selbst ein« trat und die Thüre schloß, musterte sie den vor ihr Stehenden mit scharfen Blicken.
Böhler zupfte die Krawatte zurecht und fuhr sich einige Male durch's Haar, um dieses in Ordnung zu bringen, ehe er seinerseits fragte: „Was verschafft mir die Ehre?"
Die Dame räusperte sich, es schien fast, als ob sie nun doch etwas in Verlegenheit wäre, wie sie beginnen sollte. „Es ist, wie ich vorhin schon betonte, eine überaus wichtige, aber etwas heikle Angelegenheit, — die mich zu Ihnen führt, heikel eben insofern, als ich nicht wissen kann, wie Sie die Sache aufnehmen werden. Dazu muß ich vorausschicken, daß ich gewohnt bin, rasch und sicher auf mün Ziel loszugehen, und mich deshalb mit meinem Anliegen an Sie wende, da ich von Ihnen die beste und richtigste Auskunft zu erhalten hoffen darf."
Böhler fing bereits an, ungeduldig zu werden. Was wollte diese Frau von ihm? Die Zeit, wo er gewohnt war, auszugehen, kam allmählich heran, und nun hielt ihn diese hochmüthige Fremde hier fest.
Daß solche Malerei häßlich und widerwärtig ist, wird niemand im Ernste bestreiten wollen. Thäte das jemand wirklich, so würde er ohne weiteres alle diejenigen zu Gegnern haben, die noch ein ganz klein wenig auf Anstand und Sitte halten. Und nun bedenke man, daß nach den sogenannten Kunstparagraphen der lex Heintze auch eine solche Afterkunst noch gar nicht einmal verboten ist. Auch wenn die lex Heintze Gesetz geworden sein wird, können reiche Wüstlinge solche widerwärtige Bilder sich bestellen, feile Maler können sie ausführen und die Besteller dürfen sie in ihren Gemächern aufhängen. Nur öffentlich ausgestellt sollen solche Bilder nicht werden, und das ist doch wahrhaftig das Allerwenigste, das man im Interesse des Schutzes von öffentlichem Anstand und öffentlicher Sitte verlangen kann. Ein sehr großer Theil des deutschen Volkes, darauf kann man mit Bestimmtheit rechnen, würde, wenn man Mann für Mann im gesummten Volke um seine Meinung darüber fragen wollte, viel weiter gehen und sagen, solche Bilder sollten überhaupt nicht mehr gemalt werden dürfen. Aber so weit reichen die Kunstparagraphen der lex Heintze noch gar nicht.
Jedermann weiß, daß es in der Malerei und in der Bildhauerkunst auch mitunter unvollkommen oder mangelhaft bekleidete Gestalten geben muß. Es kommt nur darauf an, wie solche Gestalten ausgeführt und angebracht sind. Wer kennt nicht die Hebe des großen Bildhauers Canooa? Eine jugendliche Mädchengestalt, nur halb bekleidet, der ganze Oberkörper ohne Gewandung — und dennoch liegt über der ganzen Gestalt der unverfälschte Zauber vollkommener Keuschheit ausgegoffen. Aber wenn man in den modernen Kunstausstellungen die „weiblichen Aktstudien" sieht, die vielen „Bacchanten-Züge" und dergleichen mehr, so wendet man sich meistens von diesen Gestalten mit Widerwillen ab, nicht deswegen, weil sie unvollkommen oder gar nicht bekleidet sind, sondern darum, weil ihnen der Stempel absichtlicher Lüsternheit oder unmittelbarer Gemeinheit aufgedrückt ist. Und wenn nun solche Bilder nicht mehr öffentlich in Schaufenstern ausgestellt und nicht mehr in Tausenden von Nachbildungen an die Schülerinnen höherer Mädchenschulen und Gymnasiasten verkauft werden dürfen, wer findet den traurigen Mutb, das zu bedauern? Sehr viele der Gegner der Kunstparagraphen der lex Heintze werden ihn ebenfalls nicht finden, wenn sie von ihren Wählern ernstlich darum befragt werden!
Deutsches Reich.
Berlin, den 20. März.
* Ueber den SlaaLsHaushattsetat für 1900 schreibt die halbamtliche ,Berl. Korresp/: Im Abgeordnetenhaus« ist gestern der Staatshaushaltsetat für das Etatsjahr 1900 in dritter Lesung genehmigt worden. Daß der Voranschlag für das am 1. April beginnende neue Rechnungsjahr rechtzeitig hat festgestellt werden können, muß mit Befriedigung konstatirt werden. Der hervorragende Eifer, den das Abge-
Er scharrte mit den Füßen unruhig den Boden. Jene bemerkte dies und beeilte sich, fort- zusahren: „Ich werde Sie nicht allzu lange belästigen, Herr Böhler, hören Sie zu: Mein Name ist — Pächtner, — Alice Pächtner, geborene Freiin von Falt, — ich weiß nicht, ob Ihnen der Name bekannt ist?"
Die Gestalt der Frau schien noch gewachsen zu sein bei den letzten Worten, so hoch und stolz stand sie vor dem etwas verwundert drein- fchauender. Böhler, diesen fast um halbe Kopfeslänge überragend. Die Augen bohrten sich förmlich in die ihres Gegenüber, auf das der so besonders betonte Name nicht den geringsten Eindruck machte.
Dann fuhr sie fort: „Durch Zufall habe ich die Entdeckung gemacht, daß mein Sohn Dr. Hermann Pächtner und Ihr Mündel oder Nichte in ziemlich vertraulichem Briefwechsel mit einander stehen, aus dem unzweifelhaft hervorgeht, daß die Beiden ein Liebesoerhältniß unterhalten."
„Aha", unterbrach Frau Pächtner ihre Rede, „das Thema scheint Sie zu interesstren!"
Mit Böhler war denn auch eine furchtbare Veränderung vorgegangen. Die Hände ballten sich zur Faust, die Augen, die vorher so gleich- giltig, fast gelangweilt blickten, traten fast aus den Höhlen, und im ersten Augenblick schien es, als wollte der Erregte sich auf die erschrocken innehaltende Frau stürzen; doch schon in der nächsten Sekunde schoß blitzschnell ein Gedanke durch sein Hirn, an den er sich anklammerte, den er festzuhalten suchte um jeden Preis.
ordnetenhaus bei der Erledigung dieser Aufgabe an den Tag gelegt hat, bezeugt, daß die Herren Abgeordneten der unerläßlichen Nothwendigkeit einer prompten Verabschiedung des Etats sich voll bewußt sind. Erfreulich ist aber auch, daß die Sonderwünsche, welche über den Rahmen der vorgelegten Finanzgebahrung hinaus die Bewilligung von Staatsmitteln in Anspruch nehmen möchten, den von der Staatsregierung beantragten finanziellen Krediten insoweit fich eingeordnet haben, daß die Voranschläge, wie schon seit einer Reihe von Jahren, so auch diesmal mit nur geringen Abänderungen durch die drei parlamentarischen Lesungen hindurchgegangen find. Der neue Etat hat bekanntlich von so günstigen finanziellen Verhältnissen seine Gestaltung empfangen, wie fie in der Finanzgeschichte Preußens kaum je zuvor bestanden haben. Es haben eben in dem Staatshaushalts - Etat für 1900 Ansprüche befriedigt werden können, die unter anderen Zeitumständer, vielleicht noch lange offen hätten bleiben müffen. Da aber nun einmal die Gunst der Gegenwart dem nächstjährigen Ausgaben - Programm zugewandt war, hat die Finanzverwaltung keinen Anstand genommen, den preußischen Etat bei aller Vorsicht in der Abmeffung der Gesammtlage außerordentlich freigebig zu dotiren. Das Abgeordnetenhaus aber hat durch die Geringfügigkeit der von ihm an dem Voranschlags Vorgenommenen Abänderungen zum Ausdruck gebracht, daß es dem Finanzplane sowohl in Bezug auf seinen Ausbau als auch auf seine Begrenzung die Anerkennung zweckmäßiger und umsichtiger Veranlagung nicht vorenthält.
4- UeSerraschurtgeir? In einem Berliner Blatte, das mitunter zu halbamtlichen Kundgebungen benützt wird, steht zu lesen: „Nach der in Bundesrathskreisen vorherrschenden Stimmung zu urtheilen, muß es als ausgeschlossen betrachtetwerden, daß die sogenannte lex Heintze die Zustimmung des Bundesrathes finden könnte, wenn es der Mehrheit des Reichstages gelingen sollte, den Entwurf durch die dritte Lesung zu bringen. Die wachsende Erregung in ernsten literarischen und Künstlerkreisen hat auch auf die maßgebenden Regierungsstellen Eindruck gemacht, wenn diese auch jene Bewegung im wesentlichen auf Mißverständniffe über die Tragweite der in Betracht kommenden Paragraphen zurückführen. Der Bundesrath legt ferner das größte Gewicht auf den Wohnungsparagraphen, der bekanntlich in dritter Lesung gestrichen worden ist, entgegen der dringenden Vorstellung des Staatssekretärs Dr. Nieberding." Die Notiz s-i damit verzeichnet, so wie fie erscheint. Man könnte sogen, die Stellungnahme des Prinzen Alexander zu Hohenlohe, des Sohnes des Reichskanzlers, sei vielleicht ein erstes Vorspiel gewesen zu der Anbahnung einer Wandlung in der Anschauung der Bundesrathsmehrheit. Aber bekanntlich ist an jenem Tage im Reichstage prompt dem Prinzen zu Hohenlohe geantwortet worden, es sei „lebhaft zu bedauern", daß der Prinz in dieser Weise in Gegensatz sich bringe zu den Anschauungen der verbündeten Regierungen; und man kann doch nicht gut annehmen, daß diese Anschauungen über Nacht dahinschmelzen wie
Infolgedessen veränderten fich seine Züge, eine tiefe Wehmuth spiegelte sich darin wieder, während er wie schmerzverloren dastand, und einen Moment beide Hände vor das Gesicht preßte.
„Nicht möglich, — Sie müssen sich getäuscht haben, gnädige Frau. — es, — es wäre ja ein Unglück", tönte es klagend von den enttäuschten Lippen des Mannes.
„Eine Täuschung ist völlig ausgeschlossen, da in dem Briefe, den ich natürlich „zufällig" fand, sowohl von ewiger Liebe und Treue, als auch von hoffentlich baldiger Heirath die Rede ist. Da auch Ihr Name mehrfach vorkommt und zwar in nicht eben schmeichelhaften Ausdrücken, so entschloß ich mich kurz, mir von Ihnen Auskunft über das Mädchen zu erbitten. Ich will nämlich mehr, daß mein Sohn sich hinreißen läßt, eine unpassende Wahl zu treffen. Seine Studien kosteten viel Geld, und legten mir eine Menge Entbehrungen auf, daß ich wohl hoffen darf, im Alter ein ruhiges, sorgenfreies Leben führen zu können; denn ist meine Familie auch von altem Adel, so ist sie eben niemals reich gewesen, und ich mußte mich sehr einschränken, sollte mein Sohn standesgemäß erzogen und ausgebildet werden.
Deshalb darf und soll er nur ein Mädchen freien, dem auch ich meine volle Zuneigung schenken kann, und das reich — sehr reich ist, — dabei Herzensgüte und sparsamen häuslichen Sinn besitzt, — kurzum, das mir gefällt. Um nun zu erfahren, in wie weit Ihr Mündel meinen Anforderungen entspricht, bin ich hier."
Frau Pächtner hatte dies alles sehr rasch hervorgesprudelt, aber Böhler hatte während der
ein Frühjahrsschnee vor der warmen Lenzluft. Wenn man nun gar sagt, wie es in der vorerwähnten Notiz geschieht, daß man annehme, die Opposition gegen die lex Heintze in „ernsten litterarischen und Künstlerkreisen" beruhe „im wesentlichen aus Mißverständnissen über die Tragweite der in Betracht kommenden Paragraphen", dann kann man doch um so weniger damit eine solche Wandlung in Regierungskreisen wahrscheinlich machen. Wahr ist freilich, woran vor einigen Tagen wiederum die konservative .Kreuz-Zeitung' erinnerte, daß einst auch das Volksschulgesetz des Grafen Zedlitz in Preußen durch den Widerstand ungefähr derselben Kreise zu Fall gebracht wurde. Aber man sollte doch meinen, es sei ausgeschlossen, daß die verbündeten Regierungen einem Singer weichen wollen; und es würde eine armselige Ausflucht fein, das ganze Gesetz mit dem Hinweise auf den „Wohnungsparagraphen" ablehnen zu wollen.
X @in Nachtrags - Ktat für Maß- Lothringer» ist dem Bundesrathe zugezangen. Es werden darin als einmalige Ausgabe 300 000 Mark verlangt zur Gewährung von Zulagen an solche Geistliche und Kultusbeamte, deren Einkommen als unzureichend zu erachten ist. Für die katholischen Geistlichen sind von dieser Summe 214000 Mark bestimmt, für den protestantischen Kultus 78000 und für die Israeliten 8000 Mk. Die Bemessung der Zulagen erfolgt durch das Ministerium im Einvernehmen mit den kirchlichen Oberbehörden. Späterhin soll die Angelegenheit dauernd durch ein besonderes Gesetz geregelt werden. „Wegen der Vorbereitung, die dieser Gesetzentwurf fordert — fo äußert sich die dem Nachtragsetat beigegebene Denkschrift — und im Hinblick auf die Geschäftslage des Landes- ausschuffes ist es wenig wahrscheinlich geworden, daß die Angelegenheit noch in der gegenwärtigen Tagung zum Abschluffe gelangt . . . Deshalb ist für dieses Jahr die Nachtragsforderung gestellt."
X s« der Sache der «euer» Kaudeks- verträge ist dem Reichstage von der „Vereinigung der Steuer« und Wirthschastsreformer" eine Petition zugegangen, worin uM' die Bildung eines autonomen (selbständigen) Zolltarifs als Grundlage für den Abschluß der neuen Han- delsoerträge gebeten wird. Aus einem kürzlich veröffentlichten Berichte des Berliner österreichischen Generalkonsulates geht hervor, daß die Reichsregierung nach ihrer gegenwärtigen Absicht den Verhandlungen über die neuen Handelsverträge nicht die in diesen Verträgen vereinbarten Zollsätze, sondern die Zusätze des allgemeinen deutschen Zolltarifs zu Grunde legen will.
X Der Wange! ar» ländlicher, ArSeiter« ist gegenwärtig, wie sattsam bekannt, einer der bösesten Uebelstände für die Landwirthschaft. Am 5. ds. Mts. hat auf Veranlassung der preußischen Minister des Innern und der Landwirthschaft eine Besprechung mit sachkundigen Abgeordneten über die Maßnahmen stattgefunden, die mit Erfolgegen diesen Mißstand angewandt werden könnten, und es ist dabei nach halbamtlicher Mittheilunz „allseitig anerkannt worden", daß „es zur Milderung des Mangels an ländlichen Arbeitern
langen Rede, von der er nur eins verstand, das Wort „Heirath", —- dennoch Zeit gefunden, fich zu fassen. und einen Plan für sein Verhalten zurecht zu legen.
„Ach gnädige Frau", begann er deshalb traurig, „wenn Sie wüßten, wie viel Kummer und Herzeleid dies Mädchen mir schon verursacht hat. Sie würden mich bedauern. ES ist fein leichtsinniges, kokettes Geschöpf, das feiner Eitelkeit jedes Opfer bringt. Würde es Ihnen gelingen, Ihren Sohn von einer solchen Wahl, die nur fein Unglück bedeutet, abzubringen, wahrlich, auf den Knieen müßte er Ihnen danken."
Er hielt einen Augenblick inne, und machte zu feiner großen Befriedigung die Bemerkung, daß feine Worte den gewünschten Eindruck auf seine Zuhörerin nicht verfehlten, denn diese nickte mehrmals mit dem Kopfe, und sagte bann kalt: „Lassen Sie das nur getrost meine Sorge fein, — doch fahren Sie fort."
Ein kaltes, höhnischesLächeln,welches das Gesicht nicht eben verschönte, umspielte dabei ihren Mund.
Seuftend berichtete Böhler weiter. „Freilich, der Leichtsinn liegt bei dem Mädchen im Blute. Ihre Mutter war ebenso, und sie hat ihre Verschwendungssucht, der ihr ganzes großes Vermögen zum Opfer fiel, auf die Tochter vererbt. Das Unglück war, daß der Vater, ein schwacher, nachgiebiger Mann, es nicht verstand,' seiner Frau energisch entgegenzutreten, und so vergeudete diese nach und nach alles, was da war. Ich habe mir deshalb gelobt, so viel in meinen Kräften steht, der Wiederholung eines solchen namenlosen Unglücks vorzubeugen, indem ich mein Mündel von jeder Heirath fern zu halten suche.