Druck and verlas 6#» Fuldaer ActieudruckereS petersgaSe ll». 2 (Harmonie).
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TTSAtSXXStxr- mit Anterhaktungs-Weikage „Mussrirte Sonntags-Ieilung
JuLöcr, Dienstag, den 20. Mürz 1900.
27. Jahrgang.
Ai! eim Mftirbciza^.
Deutsches Reich.
Berlin, den 19. März.
* Der ArmdesraLH hat in seiner außergewöhnlichen Sitzung am Samstag die Vorlage betr. den Entwurf eines Gesetzes wegen Feststellung eines Nachtrages zum Landes-Haüshalts-Etat von Elsaß-Lothringen für das Rechnungsjahr 1900 den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Der Vorlage betr. Bestimmungen für die Vornahme einer Volkszählung für die land- und forstwirthschaft- lichen Aufnahmen und eine Viehzählung im Jahre 1900, ferner der Vorlage betr. die Ausprägung von Nickel- und Kupfermünzen und den Ausschuß- Berichten über a) die Ergänzung zum Entwurfs des Reichshaushalts-Etats für das Rechnungsjahr 1900 und b) die Ergänzung des Entwurfes zum Haushalts - Etat für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1900 wurde die Zustimmung er- theilt.
+ Die 200 Iatzr-Ieier der Akademie der Misse» schäfte« hat gestern Abend mit einer Begrüßung der Gäste im Hotel de Nome ihren Anfang genommen. Die eigentliche Feier fand heute Mittag im Weißen Saale des königlichen Schlosses in Gegenwart des Kaisers statt und ging mit großem Pompe vor sich. Um den Einzug des Kaisers zu erwarten, hatten sich eingefunden der Reichskanzler, die Staats Minister und Staatssekretäre, die Spitzen der Militär- und Civilbehörden des Staates, die fremden Botschafter, die Gesandten der deutschen Staaten, Vertreter der Provinzial- und städtischen Behörden, die Direktoren verschiedener Kunstinstltute, zahlreiche Professoren sowie fremde Deputationen. Nachdem die Versammlung geordnet war, zog der Kaiser mit Fanfarenklängen, gefolgt vom Kronprinzen und den Prinzen des königlichen Hauses und einer großen Suite in den Weißen Saal ein. Als der Kaiser auf dem Throne Platz genommen hatte, wurde der Festakt mit einem Chorgesange eröffnet. Alsdann hielt der vorsitzende Sekretär der Akademie eine Ansprache, in welcher er auf die Bedeutung des Tages hinwies, an welchem vor 200 Jahren Kurfürst Friedrich III. seine Entschließung zur Errichtung einer Akademie der Wissenschaften kundgeben ließ. Der Kultusminister brachte einen Erlaß des Kaisers zur Verlesung, wonach die Zahl der Stellen für ordentliche Mitglieder der Akademie in jeder Klaffe von 27 auf 30 erhöht wird. Weiter wurde mitgetheilt, daß der Kaiser an eine Anzahl um die Arbeit der Akademie besonders verdienter Männer Ordensauszeichnungen verliehen hat. U. A. wurde Profeffor Theodor Mommsen der Rothe Adlerorden 1. Klaffe verliehen. Weiterhin sprach der vorsitzende Sekretär der Akademie deren Dank für die derselben gewährten Bewilligungen und die den Mitarbeitern verliehenen Auszeichnungen aus und verkündete die von der Akademie anläßlich ihrer Jubelfeier vollzogene
Das Glückskind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
9 ------ Nachdruck verboten.
Röschen zitterte noch immer am ganzen Körper, deshalb ließ Aurelia in ihrem eigenen Zimmer ein zweites Bett auffchlagen, und nahm das geängstigte Mädchen mit sich.
Dankbar schmiegte dieses die weiche, blaffe Wange an das Gesicht der sehr gealtert aussehenden Tante.
„Du kannst immer, oder doch so lange Du willst, in meinem Zimmer schlafen, armes, liebes Kind", sagte sie, zärtlich den lockigen Scheitel streichelnd, „beruhige Dich nur endlich, und versuche einige Stunden zu schlafen."
Dabei ging sie hinaus, und kehrte gleich darauf mit dem werthvollen Kasten zurück, ihn im untersten, geheimen Fache ihres Schreibtisches bergend."
„Der ist hier sicherer, als bei Dir," meinte sie dann, „nicht viel hätte gefehlt, und er wäre fammt feinem Inhalt für Dich verloren, man kann nicht vorsichtig genug sein, — da sucht niemand etwas."
Am nächsten Morgen wurde der Vorfall auf Drängen Aureliens der Polizei angezeigt, doch trotz sorgfältiger Untersuchung fand sie nichts, was irgend einen Anhaltspunkt zur Ermittelung des frechen Einbrechers bot, und da er nichts, rein nichts mitgenommen, ließ man die Sache ruhen.
Es schien, als ob jenes Ereigniß eine noch größere Scheidewand zwischen den Böhler'fchen Ehegatten errichtet hätte.
Ehrenwahl. Zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden u A ReichSkanzler FürftHohenlohe, die Staatsminister Dr Falk, v. Goßler, Dr. Studt, der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld und der Ministerial-Direkior Dr. Alt hoff. Hierauf ergriff der Kaiser das Wort zu einer längeren Rede, in der u. A. ausführte: Er erinnere sich gern der Beziehungen, welche die Akademie mit dem Hohenzollernhause verknüpften. Alle Könige Preußens hätten als unmittelbare Protektoren theilnehmend, leitend und fördernd über dieser Schöpfung des Kurfürsten Friedrich HL gewaltet. Er freue sich, heute anerkennen zu können, daß die Akademie der Wissenschaften nun durch zwei Jahrhunderte ihre unversiegte Lebenskraft bewahrt und daß sie den Erwartungen, die seine Vorfahren in sie gesetzt haben, völlig entsprochen hat und wenn die Akademie die Wissenschaft von vornherein in ihrer Universalität erfaßt habe, so könne man cs ihr andererseits nachrühmen, daß sie sich der Verfolgung oller außerhalb der Wissenschaften liegenden Interessen gänzlich fern gehalten habe. Sie habe es stets verschmäht, in das Gebiet der politischen Leidenschaften hinab zu steigen und ihre oberste Pflicht vielmehr allezeit in der reinen und interesselosen Pflege der Wiffenschaft erblickt. In diefer felbstlosen Hingabe, der sie großes zu danken habe und die ihr weiterhin den Erfolg ihres Schaffens verbürgt, diene sie zugleich dem gottgewollten Ziele alles Wissens, die Menschheit in die Erkenntniß der göttlichen Wahrheit einzuführen. Daß dies allezeit geschehe, so schloß der Kaiser, dazu walte der Segen des Höchsten über der Akademie auch im neuen Jahrhundert. Der Vorsitzende Sekretär der Akademie antwortete mit einem Hoch auf den Kaiser und ein Chorgesang schloß die Frier. Nach Schluß derselben fand im festlich geschmückten Uhrsaale der Akademie der Wissenschaften der Empfang der auswärtigen Delegationen statt.
© Dem Abgeordnetenhause ist der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Grwette- r««g des Stadtkreises Ike«sS«rg zugegangen. Es wird beabsichtigt, die Landgemeinde Jürgensgaard int Landkreise Flensburg vom 1. Mai 1900 ab mit der Stadtgemeinde und dem Stadtkreise Flensburg zu vereinigen.
ti Die gestrige Märzfeier ist ruhig verlaufen. Auf dem Friedhöfe der Märzgefallenen war trotz des strömenden Regens der Andrang ziemlich groß. Die Seitenzugänge zum Friedhöfe waren abgesperrt und ein großes Polizeiaufgebot zur Stelle. Gegen Mittag waren etwa 200 Kränze niedergelegt. Die streikenden Tischler aus einzelnen Fabriken waren ziemlich zahlreich vertreten. Die Inschrift ihres Kranzes lautete: „Von den streikenden Tischlern." Auch von den Anarchisten waren mehrere Kränze mit schwarzen Schleifen niedergelegt. Die Polizei entfernte auch diesmal eine Anzahl Schleifen mit Inschriften. Von liberaler Seite hatten der Verein Waldrck, der freisinnige Volksverein und der liberale Bezirksverem Kränze niedergelegt Ferner war ein Kranz niedergelegt von der sozialistischen Reichstagsfraktion. Mittags fanden mehrere sozialistische Festoersamm- lungen statt.
Nicht einmal am Mittag speisten sie mehr gemeinschaftlich, und geschah es ja zuweilen, daß sie sich begegneten, so trat regelmäßig ein verächtlicher Ausdruck in das Gesicht Aureliens, die keinen Hehl daraus machte, daß sie ihren Mann richtig verabscheute.
Wohl ahnte sie den Zusammenhang jenes nächtlichen Einbruches, allein selbstverständlich verbarg sie dies im Grunde des Herzens. Sollte sie selbst zur Anklägerin des Gatten werden? Nein, nein, — aber auf der Hut wollte sie sein, und dem arglosen, geliebten Kinde ihres Bruders eine treue Beschützerin.--
Einige Wochen waren wieder vergangen, Röschen hatte schon halb und halb ihr nächtliches Abenteuer vergeffen, — als sie eines Tages zu Tante Aurelia ins Zimmer trat, und zu ihrem Erstaunen auch den Vormund dort traf, was sehr selten vorkam. Das war nicht eben angenehm, da sie ohne Erlaubniß ausgegangen, und deshalb, wie gewöhnlich in solchem Fall, eine Strafpredigt fürchtete.
„Wo warst Du denn eigentlich wieder?" begann denn auch Böhler sogleich in scharfem Tone, „ich suchte Dich hier, und hörte zu meiner Verwunderung, daß Du fort seiest."
Das Mädchen warf trotzig die Lippen auf, streifte den Frager mit einem vielsagenden Blick, und that, als hätte es seine Anrede überhaupt nicht gehört.
Aurelia gab ihr einen mahnenden Wink, den Rosa ebenfalls nicht beachtete, so daß die Tante nun ihrerseits eingriff.
„Ich sah Dich doch schon vor einer Stunde eilig das Hans verlaffen, mein Kind, was hattest Du denn vor?"
Merlin, 19. März. Der Kaiser hatte heute Vormittag 9 Uhr im auswärtigen Amte eine Besprechung mit dem Staatssekretär Grafen Bülow und empfing alsdann im königlichen Schlöffe den Chef des Civilkabinets v. Lukanus und später den Staatssekretär Tirpltz zum Vortrag. — Man würde erstaunt sein, schreibt die .Frankfurter Zeitung', wenn man erführe, auf wie ver- bältnißmäßig seltene Gelegenheiten sich der Verkehr des Trägers der Krone mit manchem leitenden Minister beschränkt. — lieber die Beurlaubung von Offizieren nach Frankreich hat der Kaiser neue Bestimmungen erlaffen. Unter Hinweis auf die Bestimmungen des französischen Spionagegesetzes ist jedem Offizier vor dem Urlaub einzuschärfen, sich jeder im entferntesten verdächtigen Handlung zu enthalten und niemals bei Geschäften oder in polizeilichen Listen den Stand oder die Staatszugehörigkeit zu verschweigen. — DieUeberreichungdes Ehrenpallasches an den Kaiser, den die Stadt Solingen als Dank für den vorjährigen Besuch im bergischen Lande dem Kaiser gestiftet hat, wird am Donnerstag dieser Woche im hiesigen königlichen Schlosse erfolgen. — Offiziös schreibt die ,Nordd. Allgem. Ztg.': „Durch eine rheinische Zeitung ist neuerdings die Nachricht verbreitet worden, daß in Regierungskreisen die Absicht bestehe, die S t e u e r- freiheit des Branntweins aufzuheben, insoweit derselbe zur Bereitung von Speise Essig dient. Wir sind ermächtigt zu erklären, daß die Regierung eine derartige Absicht nie gehegt hat."
Aus dem Reichstage.
171. Sitzung vom 19. März 1900.
Das Haus war nur schwach besucht, ebenso die Tribünen.
Erster Vizepräsident Dr. », Irege eröffnete die Sitzung mit der Mittheilung, daß ein Nachtragsetat eingegangen sei und mit der Verlesung einer langen Reihe von Urlaubsgesuchen.
Dann wurde die zweite Berathung des Reichshaushaltsetats fortgesetzt.
Der zunächst auf der Tagesordnung stehende Etat für den Scheckverkehr wurde, da der Referent fehlte, einstweilen zurückgestellt.
Beim Etat des Re ichs ei send ahnamt es ersuchte der freis. Abg. Dr. Machnilke den Präsidenten des Reichseisenbahnamtes, bei den Einzelstaaten auf eine gleichmäßige Herabsetzung der Eisenbahn-Personentarife hinzuwirken.
Präsident Dr. Schulz erwiderte, daß das Reichseisenbahnamt mit der Stellungnahme der preußischen Eisenbahnverwaltung in der Tariffrage, die aus finanziellen Gründen erfolge und von der Landesvertretung gebilligt werde, rechnen müsse. In der Tariffrage seien, abgesehen von dem in Artikel 46 der Reichsverfaffung vorgesehenen Nothstand, die Einzelstaaten unabhängig vom Reiche. Er vermöge keinen Zwang auszuüben.
Der braunschweigische soziald. Abg. Kakwer beschwerte sich über die Vergewaltigung der braunschweigische» Eisenbahnen durch die preußische Eisenbahnverwaltung.
Der sächsische soziald. Abg Stoll« beschwerte sich über den unlauteren Wettbewerb, den die preußischen Eisenbahnen den sächsischen machen, über die zu lange Zeit der Eisenbahner und über die Verfolgung des Eisenbahnverbandes Seitens der sächsischen und preußischen Eisenbahnverwaltung.
Der sächsische Bundesrathsbevollmächtigte Dr. Graf v. Aohenthal erwiderte, daß der Wettbewerb zwischen den Eisenbahnen zwar stellenweise nicht sehr bequem sei, daß derselbe aber durchaus loyal geführt werde. Das Berhältniß zwischen der preußischen und sächsischen Eisenbahnverwaltung sei das beste, kollegialischfie und freundschaftlichste Der Eisenbahnerverband sei sozialdemokratisch und untergrabe durch Erregung von Unzufriedenheit die Disziplin, weshalb die Förderung desselben in Sachsen mit Entlassung auS der Arbeit geahndet werde.
Abg. v. Kardorff tadelte die Verhätschelung der Beamten zu Wahlzwecken, da dies zur Demoralisation des Parlaments und der Beamten führe. Es sei der schlimmste Fehler der Regierung seit Abgang des Fürsten Bismarck, daß sie die Regelung der Gehälter der Beamten ganz in die Hände der Parlamente habe gleiten lassen.
„Ich war bei der alten Marthe, Du weißt doch, Tante, unsere ehemalige Aufwärterin," gab Röschen jetzt bereitwillig Auskunft, „die arme Frau liegt schon feit Wochen krank, und kann nichts verdienen; der Mann, ein nichtsnutziger Trunkenbold arbeitet wenig und verbraucht viel, die Kinder wollen effen, so daß die Noth dort groß ist; das Herz thut mir weh', wenn ich daran denke. Da habe ich ein wenig Ordnung geschaffen in dem Haushalt, und den armen Kindern Kaffee gekocht. Aber denke Dir nur, nun hat die Aermste aus bitterer Noth ihr letztes Stückchen Bett im Leihhaus versetzt, sie liegt auf einem blanken, alten Strohsack, — dazu ist sie recht krank, — ich wollte ihr so gerne wenigstens das Bett wieder verschaffen, allein mein Taschengeld reicht nicht ganz. Möchtest Du mir vielleicht einige Mark schenken, Tante? Ich würde dann sofort die Sachen vom Versatzhaus holen."
„Du sollst haben, was Du brauchst, Röschen; aber ich bitte Dich, geh' morgen hin, heute mußt Du mich zu Frau Rath Chorbach begleiten, die uns für den Nachmittag zum Kaffee eingeladen hat, und Du weißt, da darf man nicht zu spät kommen, — die Frau Rath liebt die Pünktlichkeit über alles," erwiderte Aurelia, freundlich nickend.
„Liebe Tante, gehe Du allein hin und entschuldige mich, ich verzichte mit Freuden auf die Einladung."
„Nein, mein Kind, diesmal mußt Du unbedingt mit, eS ist mir das vorige Mal schon sehr verübelt worden, alS Du nicht kamst."
„Du weißt, ich Haffe Eure Kaffeeoisiten mit dem unvermeidlichen Klatsch über Dienstboten und den lieben Nächsten auS dem Grunde meines
Der Etat des Reichseisenbahnamts füllte fast die ganze Sitzung aus, doch brachten die Verhandlungen viele Wiederholungen. Zuletzt befanden sich kaum noch drei Dutzend Mitglieder im Saale.
Bon sozialdemokratischer Seite verbreitet sich Abg. Koch über die Etsenbahnarbeiterverhältnisse im Eisenbahndirektionsbezirk Frankfurt a. M.
Nach 5 Uhr trat das Haus noch in die Berathung des Etats des allgemeinen Pensionsfonds ein, über den zunächst der Referent der Budgetkommission, Abg. Hrak chtrioka, einen einstündigen Bericht erstattete.
Ohne Debatte wurde dieser Etat bewilligt.
Morgen 1 Uhr: Fortsitzung.
Aus dem Kandtage.
MSgeorduetenya«». — 50. Sitzung vom 19. März.
Dritte Berathung des Etats.
Eine Generaldebatte findet nicht statt.
Die Etats der Domänen- und Forstverwaltung, sowie der Ansiedclungskommission für Westpreußen und Posen werden debattelos bewilligt.
Bei verschiedenen Etats kam es nochmals zu einer Aussprache von Beschwerden und Wünschen aller Art, so bei den Etats der landwirthschaftlichen Verwaltung, der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung, der Eisenbahn-, der Justizverwaltung usw.
Sämmtliche Etats wurden genehmigt, desglerchen auch das Etatsgesetz. „ ±
Beim Justizetat wurde ein Kompromrß-Antrag, das Mindestgehalt der Gerichtsvollzieher auf 1800 M. zu erhöhen und das pensionsfähige Maximalgehalt auf 2000 M. festzusetzen, einstimmig angenommen.
Nächste Sitzung Mittwoch. Tagesordnung: Kleine Vorlagen. ' _____
Ausland.
© Wie«, 19. März. Wie die ,Nsue Freie Preffe' erfährt, ist eine Einigung in der Sprachenfrage, soweit es sich um die autonomen Behörden in Böhmen handelt, zwischen den deutschen und tschechischen Vertretern der Verständigungs-Konferenz bereits gesichert.
* Saris, 19. März. Der Oberste Kriegsrat h trat heute Vormittag im Elysöe zu einer Sitzung zusammen, in welcher Präsident Soubet den Vorsitz führte; auch die Minister Galliffet, Laneffan und Waldeck-Rousseau waren zugegen.
* London, 19. März. Das Oberhaus hat die Kriegsanleihebill in allen Lesungen angenommen.
Der Krieg m Südafrika.
Wichtige Nachrichten aus Südafrika liegen auch heute nicht vor, und voraussichtlich dürfte auch in den nächsten Tagen nichts von besonderer Bedeutung zu erwarten sein. Wie schon mitgetheilt, sollte gestern eine besondere Gesandtschaft der beiden Republiken zu dem Zwecke, Friedensvermittelungen in die Wege zu leiten, von Prätoria aus nach Europa und Amerika abreisen. Die Reise dieser Abordnung soll nach Berlin, Paris, Petersburg und Washington gehen, um die Regierungen in den genannten Hauptstädten um Vermittelung deS Friedens zu ersuchen. Leider werden die Engländer, wenn die Dinge in der bisherigen Weise sich weiter entwickeln, den Krieg vermuthlich schon vollkommen zum eigenen Vortheile entschieden haben, wenn die genannte außerordentliche Gesandtschaft die weite Reise vollendet haben wird. Die Aufnahme, die die siegreich in der Hauptstadt be8 Oranje-Freistaates einziehenden englischen Truppen Herzens, ich würde Dir sehr dankbar sein, wolltest Du mich davon entbinden."
„Es geht nicht, Röschen, diesmal nicht."
Das Mädchen mochte wohl einsehen, daß weiteres Reden umsonst wäre, und fügte sich, wenn auch seufzend und widerwillig ins Unvermeidliche.
„Vielleicht kommen wir bald loS, dann kann ich immer noch sehen, was sich thun läßt; eine gute That soll man nicht über Nacht aufschieben," meinte Rosa.
Böhler stand noch immer mit verschränkten Armen da und brummte etwas in den Bart, was kein Mensch verstand, es kümmerte sich auch niemand um ihn.
Nicht lange, nachdem die beiden Frauen daS Haus verlassen hatten, klopfte das Dienstmädchen an die THÜre von Böhlers sogenanntem Arbeit«- zimmer und meldete: „Es ist jemand da, der Sie zu sprechen wünscht."
„So, wer denn?"
„Es ist eine Dame, sie wollte aber ihren Namen nicht nennen, ich weiß nicht, waS--"
Dicht hinter dem Mädchen erschien jetzt eine hohe, trotz der vorgeschrttteneu Jahre schlanke Frauengestalt, mit ernsten, strengen Zügen und kalt blickenden grauen Augen. Stolz und unbezähmbarer Hochmuth sprachen deutlich au8 dem blaffen Gesicht. Auf dem kaum ergrauten Haar saß ein eleganter Sommerhut, der Sammtmantel war nicht nach der neuesten Mode, aber doch verlieh er der ganzen Erscheinung ein vornehmes Aussehen.
(Fortsetzung folgt.)