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J2 64. JuLöcl, Montag, den 19. März 1900. 27. Jahrgang.
tD Die Finanzwirthschast des Reiches und der Einzelstaaten
ist am Donnerstag und Freitag Gegenstand der Berathung in der Budgetkommission gewesen. Veranlassung dazu war der von der Regierung beantragte Gesetzentwurf, der im wesentlichen ^Folgendes bestimmt:
„Uebersteigen im Rechnungsjahr 1900 die den Bundesstaaten zustehenden Ueberweisungen aus den Erträgen an Zöllen, Tabaksteuer, Branntweinverbrauchsabgabe und Zuschlag zu derselben sowie an Reichsstempelabgaben die aufzubringenden Matrikularbeiträge, so ist der Ueberschuß an den hen Bundesstaaten zu überweisenden Beträgen zu kürzen und zur Verstärkung der Betriebsmittel der ReichSkasse zurückzuhalten. Uebersteigen im Jahre 1902 die Matrikularbei träge das Etatssoll der Ueberweisungen sür die gleiche Periode, so bleibt der Mehrbetrag insoweit unbehoben, als auf Grund des § 1 Mittel zur Verstärkung des Betriebsfonds der Reichs koste verfügbar geworden find."
Gleich im Anfänge der Debatte erhoben die Abgeordneten Müller-Fulda (Centrum) und -Eugen Richter (freis. Voksp.) grundsätzlichen Widerspruch gegen die Grundsätze des Entwurfes, ohne daß außer den Vertretern der Verbündeten Regierungen einer der anwesenden Abgeordneten etwas Wesentliches für den Entwurf der Regierung vorgebracht hätte. Abg. Richter bezeichnete es mit Recht als unrichtig, angesichts der zunehmenden Verschuldung des Reiches die Einzelstaaten zu erleichtern, und Abg. Müller-Fulda sagte geradezu, wenn dieses Gesetz zustande kommen würde, dann würde der ganze Begriff der Matrikularbeiträge verloren gehen. Man dürfe gerade Jetzt die Pflicht der Bundesstaaten gegen das Reich nicht erleichtern, um so weniger als die Vertreter derselben im Bundesrathe stets außerordentlich geneigt seien, große Summen ohne jegliches Bedenken zu bewilligen, so beispielsweise für die Flottenvorlage. Auch darauf hat der genannte Abgeordnete hingewiesen, daß in der schlechten Finanzlage des Reiches nicht an eine Unterbrechung der Schuldentilgung gedacht werden darf, und er hat im Sinne der großen Mehrheit der Budgetkommission gesprochen, was daraus hervorgeht, daß gegen die Verwahrungen der RegierungSver- treter mit starker Mehrheit ein ganz neuer, vom Abg. Müller-Fulda beantragter Gesetzentwurf angenommen worden ist. Derselbe lautet:
„§ 1. Uebersteigen im Rechnungsjahre 1900 die den Bundesstaaten zustehenden Ueberweisungen aus den Erträgen an Zöllen, Tabakssteuer, Branntweinverbrauchsabgabe und Zuschlag zu derselben, sowie an Reichsstempelabgaben die auf- Wbringenden Matrikularbeiträge, so sind drei Viertel des Ueberschusses an den den Bundesstaaten aus dem Ertrage der Zölle und der Tabakssteuer zu überweisenden Beträgen zu
Das KlucKsKind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
8 ------ Nachdruck verboten.
Ein lauernder Seitenblick streifte dabei das ruhig dahin gehende Mädcken, das ebenso gleich- giltig erwiderte: „Seien Sie ohne Sorge, ich habe nicht viel aufzubewahren; bei mir wird auch keiner etwas suchen, und wenn es der Fall wäre, er würde schwerlich etwas finden, weil ich meine Schätze in der Kommode sicher verschlossen habe."
Diese Mittheilung genügte Böhler, er suchte eine heitere Unterhaltung anzuknüpfen, und brachte das Mädchen unter fortwährendem Geplauder nach Hause, so daß sich Röschen über die plötzliche, merkwürdige Redseligkeit ihres Vormundes im Geheimen verwunderte.
Das junge Mädchen zog sich heute zeitig auf ihr Zimmer zurück. Es hatte heftige Kopfschmerzen, und wollte deshalb bald ihr Lager aufsuchen.
Das kleine Schlafgemach war eine Art Alkoven, der nur durch hübsche braune Ripsgar. dinen von dem daneben befindlichen, ebenfalls sehr kleinen, aber recht nett eingerichteten Wohnzimmer getrennt war. Die gut gemalten Del« bilder der Eltern, von einem Jmmortellenkranz umgeben, schmückten die hell tapezirte Wand, verschiedene Nippsächelchen, sowie eine Blumen- Etagere mit schönen, saftig-grünen Blattpflanzen, lauter Sachen auS Röschens Elternhause, gaben im Verein mit den an den Fenstern niederwallen
kürzen und zur Verminderung der Reichsschuld zurückzubehalten. Die Verminderung der Reichsschuld erfolgt durch entsprechende Absetzung vom Anleihesoll. Soweit geeignete Anleihekredite nicht mehr offen stehen, wird über die Art der Schuldentilgung durch den Reichs- haushalts-Etats Bestimmung getroffen."
„§ 2. Uebersteigen im Rechnungsjahre 1902 di- Matrikularbeiträge das Etatssoll der Ueberweisungen für die gleiche Periode, so bleibt der Mehrbetrag insoweit unbehoben, als auf Grund des § 1 Mittel zur Schuldentilgung verfügbar geworden sind. Die infolgedessen zur Herstellung des Gleichgewichtes im ordentlichen Etat erforderliche Deckung erfolgt zu Lasten des außerordentlichen Etats. Jedoch ist von dieser Bestimmung nur in dem Maße Gebrauch zu machen, als der Bedarfsbetrag nicht durch Mehrerträge bei den Ueberweisungssteuern Deckung findet."
Es ist interessant, festzustellen, daß die anwesenden Vertreter mehrerer kleinerer Bundesstaaten, so beispielsweise die Vertreter von Sachsen- Weimar und Sachsen-Altenburg, den vom Abg. Müller- Fulda beantragten neuen „Gesetzentwurf wegen Verwendung überschüssiger Reichseinnahmen aus dem Jahre 1900 zur Schuldentilgung" heftig bekämpften mit dem Hinweise auf die f i n a n - Stellen Schwierigkeiten ihrer Staaten. Dieselben Vertreter derselben Bundesstaaten haben aber ohne Bedenken im Bundesrathe der neuen Flottenvorlage mit ihrem ungeheuren Kostenaufwande zu gestimmt. Es ist leicht, Finanzminister eines Bundesstaates zu sein, wenn man sorglos der Verschlechterung der Reichs- Finanzen zusehen kann, durch fortgesetzte Bewil- ligungen selbst zu dieser Verschlechterung beiträgt und aus ausnahmsweise erzielten Ueberschüffen deS Reiches mit seiner fortgesetzt wachsenden Schuldenlast dann auch noch Vergünstigungen für die eigene Staatskaffe erhalten soll. Aber richtig und im Interesse der Reichsallgemeinheit kann eine solche Finanzgebahrung niemals sein. Bereits vor einigen Wochen haben wir in der ,Fuld. Ztg/ auf die Unhaltbarkeit solcher Finanzgrundsätze hingewiesen; nunmehr hat die große Mehrheit der Budgetkommission des Reichstages durch die Annahme des vom Abg. Müller-Fulda beantragten neuen Gesetzentwurfes dargethan, daß sie diese Finanzwirthschast aus denselben Gründen nicht dulden will. Herr Abg. Müller-Fulda aber hat sich durch seinen Antrag zu seinen vielen anderen großen Verdiensten ein weiteres Verdienst erworben, für das ihm alle Freunde einer gefunden Finanzpolitik aufrichtig dankbar sein müffen.
Deutsches Weich.
Berlin, den 17. März.
* Der Zkachtragselat, der dem Bundesrathe zugegangen ist, fordert an einmaligen Ausgaben 5,881,057 Mk., darunter 4,500,000 Mk. zur Vervollständigung des Eisenbahnnetzes im Jnter- effe der LandeSvertheidigung (Reichszuschüfle zu BahnbautenMombach-Kostheim, zum Anschluß an die Bahnlinie Frankfurt a. M.-Kaffel mit fester Ueberbrückung des Rheins bei Mainz; Gaualges-
den, schneeweißen Vorhängen, dem Zimmer ein gar trauliches, behagliches Aussehen.
Hier hielt sich Röschen auch am liebsten auf. Die Ruhe that ihr unendlich wohl, hier konnte sie ungestört ihren Gedanken nachhängen.
Die Uhr vom nahen Kirchthurm hatte bereits Zwölf geschlagen, und noch immer lag Röschen wachend auf ihrem Lager. Der schmerzende Kopf ließ sie nicht zur Ruhe kommen, außerdem beschäftigten sich ihre Gedanken lebhaft mit dem Geliebten. Warum er nur gar nicht versuchte, ihr irgend eine Nachricht zukommen zu lasten! Freilich, es war ziemlich schwer; der einzige Weg hierzu bot sich nur, wenn er ihrer vertrauten Freundin einen Brief gab, den diese dann heimlich an die Adreste besorgte. Das ging eben auch nicht immer an. Eine förmliche Sehnsucht nach einem liebevollen, zärtlichen Wort überkam das sinnende Mädchen. Ihr Leben schlich so einförmig, fo arm an Liebe dahin, daß ein herzliches Wort für sie eine wahre Wohlthat bedeutete. Nach und nach verwirrten sich ihre Gedanken, und ein sanfter Schlaf schloß die müden Augen.
Plötzlich ließ sie ein Geräusch, wie von einem umgeworfenen Gegenstand heftig erschrocken auffahren. Angestrengt, mit verhaltenem Athem lauschte sie nach dem Wohnzimmer hin. — Doch alles blieb still, nichts regte sich mehr.--
Schon glaubte Röschen, geträumt zu haben, als ein leise tappender Schritt vernehmbar wurde.
„Ach Gott,--was war das?"--
Heftig pochte das Herz in der Brust des armen Mädchens, das nicht wußte, was es beginnen sollte.
Wenn es ein Dieb wäre, der sich eingeschlichen hatte?
Heim-Münster a. St.; Münster a. St.-Scheidt- Scheidt-Brebach.) Für die Kolonialverwaltung werden 997,300 Mk. gefordert, nämlich Zuschuß für Kamerun 865,300 Mk. und Zuschuß zu den Berwaltungskosten sür Samoa 52,000 Mk.
* Das NegrSVniß des verkorveueuIrHr«. v. A«e«e wird am Montag Vormittag 1/211 Uhr in Thule in Oberschlesien (Kreis Kreuzburg) statt- findeu. Der Verewigte wird in der Gruft seiner
Schwiegereltern von Blacha, welche die dortige Kirche gebaut haben, beigesetzt weiden; dort ruht auch seine Gemahlin, sowie deren Schwester Frau v. Schalscha und der Gatte der letzteren, der frühere Centrumsabgeordnete v. Schalscha.
* Die Aohke««oth steigt von einer Woche zur anderen. Namentlich aus westdeutschen Bezirken werden laute Klagen darüber laut. Im Ruhrbezirke fehlt es vielfach kleinen Leuten an der allernothwendigsten Hausbrandkohle; viele industrielle Betriebe, darunter auch Ziegeleien, mußten aushören zu arbeiten und jetzt wird auch wieder aus den sächsischen Jndustriebezirken über von neuem wachsende Kohlennoth berichtet. Auch die Ergänzung der Kohlenvorräthe der sächsischen Staatsbahnen ist in Frage gestellt, aber von einer Beseitigung der Ausfuhrvergünstigungen für deutsche Kohle nach dem Auslande hört man bis zum heutigen Tage kein Sterbenswörtchen, obwohl der Herr Minister von Thielen vor mehreren Wochen behauptete, es fknden Erwägungen statt über die Anordnung dieser Maßregel. Mit Bedauern muß man daraus von neuem den Schluß ziehen, daß in den Kreisen der Regierung recht wenig Verständniß vorhanden ist für sehr viele dringende Bedürfnisse des Volkes. Geht der Regierung denn wirklich das Händlerintercsse über das Volksinteresse?
4- lieber dieKi«f«hr frische« Höstes «ach Deutschland sind, wie an dieser Stelle bereits mehrfach berichtet wurde, vom Reichsamte des Innern Fragebogen an verschiedene Interessenten in Deutschland versandt worden, darunter auch an den „Verein Berliner Agenten". Aus den Antworten dieses Vereins geht von Neuem hervor, daß die genannte Einfuhr in starkem Wachs-
Vielleicht, wenn sie um Hilfe rief, kam ihr Leben in ernstliche Gefahr, und wer sollte wohl auch hören, jetzt um diese Stunde? Ihr lauschendes Ohr vernahm nun deutlich, wie nebenan ein Fach ihrer Kommode vorsichtig geöffnet wurde.
Also doch ein Dieb,--ein Einbrecher--,
der hier nach Geld oder Schmucksachen suchte. — —
„O Gott, schütze mich," betete sie leise, indeß ihr das werthvolle Kästchen einfiel, das dort verborgen war. —
„Du besitzest nichts mehr, wenn es Dir ge- stöhlen wird."
Diese Worte, die die Mutter kurz vor ihrem Tode gesprochen, fuhren ihr plötzlich durch den Kopf, und mit Aufbietung aller Kraft und Geistesgegenwart, riß sie, bebend am ganzen Körper, das nahe Fenster auf, und rief gellend auf die menschenleere, verödet: Straße hinab: „Zu Hilfe, zu Hilfe, Diebe!" — — Doch ungehört verhallte der Ruf in der stillen Nacht.
Gleichzeitig hörte sie jedoch, wie die Thür schallend ins Schloß fiel.
Etwas erleichtert athmete das gequälte Mädchen auf. Unheimliche Stille herrschte jetzt, kein Ton war vernehmbar, der freche Eindringling schien sich entfernt zu haben.
Nur mit Mühe gelang es den zitternden Fingern, Licht zu machen. Sie warf rasch ein paar Kleidungsstücke über, und begab sich nach dem Wohnzimmer. Hier sah es allerdings übel aus. Ein Stuhl lag umgestürzt am Boden, die Kommode war aufgeriffen, die Schubfächer, in denen sonst alles zierlich geordnet an seinem Platze lag, befanden sich in furchtbarer Unordnung, alles war durchwühlt, ein Theildes Inhalts bedeckte den Boden.
thum begriffen ist. So betrug der Werth bet Einfuhr 17,3 Millionen im Jahre 1892, 27 Millionen 1898 und mehr als 69 Millionen im Jahre 1899. Die Ausfuhr von frischem Obst sinkt dabei ebenso gleichmäßig. Sie betrug an Werth lOWa Mill, im Jahre 1897, 82/s Mill, im Jahre 1898 und nur 4'/z Mill. im Jahre 1899. Uebri- gens ist es eine falsche Anffaffung, zu glaube«, daß diese Einfuhr zum großen Theile aus Amerika stammt; Oesterreich - Ungarn ist beispielsweise in weit stärkerem Maße daran betheiligt. Die Behandlung des Obstes und auch des frischen Gemüses, die jetzt beide vollkommen zollfrei bei «nS eingehen, wird als eine wichtige Frage zu behandeln fein bei der Aufstellung der neuen Zollsätze und des künftigen Zolltarifes.
O KSk», 17. März. Die erste Pilger- Karawane des deutschen Vereins vom hl. Lande ist heute von Köln abgereist. Am 22. April geht die zweite Karawane nach Rom und Jerusalem. Damen und Herren können sich an der- felben betheiligen. (Betreff Anschluß wende man sich an Pfarrer L. R i ch e n Viersen, Rheinland.)
* Dresden. 17. März. Der langwierige krankhafte Zustand des hochwürdigsten Herrn Bischofs hat in den letzten Tagen einen Be- sorqniß erregenden Charakter angenommen. Nahrungsaufnahme und Schlaf fehlen fast gänz- ltch. In Folge deffen sind die Kräfte des hochwürdigsten Herrn sehr zurückgegangen. ES werden für den schwer erkrankten Oberhirten öffentliche Gebete verrichtet.
(Weitere politische Nachrichten befinden sich im zweiten Blatte.)
Aus -em Reichstage.
170. Sitzung vom 17. März 1900, Bonn. 11 Uhr.
Die Fortsetzung der dritten Berathung bet lex Heintze beginnt heule mit dem Anträge des Abg. Seine auf Wiederherstellung des in der zweiten Lesung abgelehnten § 327a: „Wer die Gesundheit einer Person dadurch gefährdet, daß er, wiflend, daß er mit einer ansteckenden Geschlechtskrankheit behaftet ist, den Beischlaf ausübt, wird mit Gefängniß bis zu einem Jahre ober mit Gelbstrafe bis zu 1000 Mark bestraft."
Der Antragsteller hat mit Unterstützung von 12 Mitgliedern für die Dauer bei Berathungen über diesen Antrag den Ausschluß der Oeffentlichkeit beantragt. _ ,
Aus den Vorschlag des Präsidenten Grafen Aalkesttem vertagt sich das Haus, um um 12 Uhr zu einer geheimen Sitzung zusammenzutreten. Das HauS ist damit einverstanden.
Geheime Sitzung vom 17. März, Mittags 12 Uhr.
Der Antrag Heine, während der Berathung über seinen Antrag auf Wiederherstellung des § 327a die Oeffentlichkeit auszuschließen, wird nach Unterstützung durch die Abgg. v. Kardorff (frerkons.) Büsing (ntl.), Liebermann v. Sonnenberg (anttf.), Roeren (Ctr.) und Dr. v. Levetzow (kons.) mit großer Mehrheit angenommen.
Abg. Singer (sozd) beantragt darauf, für bte Verhandlung über die Wiederherstellung des § 327a eine besondere geheime Sitzung anzuberaumen und wiederum namentliche Abstimmung über diesen seinen Antrag.
Dieser Antrag wird mit 185 gegen 62 Stimmen abgelehnt; das Haus tritt infolgedessen sofort in die Berathung des Antrages Heine ein.
Abg. Stadthagen (sozd.) begründet den Antrag Heine. Seme Rede wird oermuthlich mehrere Stunden dauern. Es sprechen zu dem Anträge noch Abg. Aevek und Geheimrath v. Hilchendorff. Dann wird
Röschen hielt sich nicht lange auf. Sie eilte zur Thür, und rief, so laut sie konnte, über den Flur, nach Tante Aureliens Zimmer hin, um Hilfe.
Gleichzeitig öffneten sich die zwei, zu den getrennt liegenden Zimmern ihrer Verwandten führenden Thüten. . „ , . _
In der einen erschien Böhler, eine flackernde Kerze hochhaltend, ohne Schuhe, das Haar hing ihm wirr in die Stirn, sein Gesicht war erschreckend bleich.
„Um Gottes Willen, was ist denn vorgefallen, daß Du so schreist, und die Leute aus dem Schlafe weckst!" rief er unwirsch, ganz gegen seine Gewohnheit, da er sonst immer nur Töne der tiefsten Zärtlichkeit hören ließ.
Statt aller Antwort eilte Roschen auf die noch immer wortlos auf der Schwelle ihres Zimmers stehende Tante zu, klammerte sich angstvoll an diese, indem ein heftiges Schluchzen den zarten Körper erschütterte.
Die ganze ausgestandene Angst überfiel sie noch einmal mit aller Gewalt. Liebevoll beruhigte Aurelia das aufgeregte Mädchen, doch dauerte es lange, bis dieses erzählen konnte, was vorgefallen.
Man durchsuchte hierauf, mit Hilfe der Dienstboten, das Haus, fand jedoch nicht eine Spur von dem frechen Eindringling, es schien, als hätte die Erde ihn verschlungen.
Murrend und brummend über die gestörte Nachtruhe zog sich Böhler auf sein Zimmer zurück, während Röschen, von Tante Aurelia begleitet, die verstreuten Sachen ordnete.
Angstvoll hatte sie nachgeforscht, ob der Dieb etwas erwischt. Doch nichts fehlte, der kleine, filberbe^ schlagens Kasten stand unversehrt in seinem Versteck, er war offenbar gar nicht berührt worden. (F. f.)