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mit Ilnterhaktungs-Meitage „Zllnstrirte Sonntags-Zeitung!' peterazaKe Nr. 2 tDarmonie).

27. Jahrgang.

JuLöcr, Samstag, den 17. März 1900.

enagitation. Alles,

angeführt wurde, ist unge-

was sonst an „ , ,

nügend, um das Zusammenhalten und Anschwellen der reaktionären Masse zu erklären." Dieses sozialdemo­kratische Bekenntniß verdient aufmerksame Beachtung! In den nächsten Tagen wird übrigens die Budget­kommission des Reichstages die Berathung der Flotten-

Die Ersatzwahl zum Reichstage im Wahlkreise Kalbe-As ch er Sieb e n verdient noch einmal Er­wähnung. Tort ist bekanntlich der bisherige sozial­demokratische Vertreter des Wahlkreises Schmidt Lurch den nationalliberalen Placke verdrängt worden. Dies ist — so schreibt ein sozialdemokratische- Blatt — „ein Erfolg der Flottenagitation. Alles,

Vorlage in Angriff nehmen!

Der Streik der Kohlenbergleute in Oesterreich hat nunmehr schon sieben Wochen ge­dauert und war die ganze Zeit über in Ruhe und Ordnung verlaufen. Jetzt plötzlich sind Unruhen in Böhmen entstanden. Namentlich im Teplitzer Revier haben bösartige Zusammenrottungen stattgefunden, die zu Kämpfen zwischen der Menge und der Gensdarmerie führten. Die Entstehungsursache ist augenscheinlich in einer ganz mißverständlichen Auffassung zu suchen, die eine Kundgebung der Unternehmer bei den Strei­tern gefunden hat. Die Vertreter der Arbeiter hatten erklärt, sie seien bereit zur Aufgabe des Streiks, wenn die Unternehmer keinen einzigen Streiker aus dem Ar­beitsverhältnisse entlassen, also Generalpardon ertheilen würden. Darauf machten die Unternehmer bekannt, zum 16. März sollte die Arbeit wieder ausgenommen werden, dann sei der Generalpardon bewilligt. Das betrachteten die Arbeiter als eine ihnen gestellte Falle

und es folgten die Unruhen der Ausständigen. Leider ist es nicht ausgeschloffen, daß durch diese Vorkomm­nisse die Beilegung der Lohnbewegung wiederum für längere Zeit vereitelt worden ist.

Die Jungtschechen im österreichischen Abge­ordnetenhause haben es bisher noch bei der Drohung mit der Obstruktion bewenden lassen, ohne wirklich in die Obstruktion einzutreten. Ohne die Hilfe der Par­teien der Rechten würden sie so ziemlich einflußlos sein, und diese Parteien haben bisher sehr nachdrück­lich den parlamentarischen Revolutionsgelüsten der Tschechen widerstrebt.

In Ungarn hat es wieder einmal einen tüch­tigen Skandal gegeben. Nicht zum ersten Mal ist im Abgeordnetenhause in Budapest die Thatsache an die Oesfentlichkeit gezogen worden, daß die Regie­rung mit geheimen Geldern bei den Wahlen für ihre Zwecke arbeitet. Aber dies Mal hat Herr Gabriel Ugron, einer der Führer der sogenannten Unab­hängigen, den früheren Ministerpräsidenten Baron Banffy auch noch verdächtigt, er habe unlautere Durchstechereien mit diesen Geldern getrieben, und es hat nicht viel gefehlt daran, daß die Beiden öffentlich einander Beschimpfungen sich angethan hätten. Schließ­lich endete die Sache nichts weniger als schön in einem unblutigen Zweikampfe.

Ein trübes Ereigniß hat die Stadt Paris heimgesucht. Das Theatre francais ist ein Raub der Flammen geworden, und in der Feuers­brunst ist eine jugendliche Künstlerin, die Großes zu leisten versprach, auf fürchterliche Weise umgekommen. Das Theater steht seit mehr als drei Jahrhunderten an der Spitze der dramatischen Kunst in Frankreich und ist deswegen einzig in seiner Art in der ganzen Welt. Sein Archiv und seine Bibliothek bargen große Schätze an Kunstwerken und litterarischen Seltenheiten; aber diese sind zum großen Theile gerettet worden. Man hofft, das Theater in seiner alten Gestalt wieder ausbauen zu können. Ueber die Entstehungsursache des Brandes weiß man noch nichts.

Das englische Parlament hat einen interes­santen Tag gehabt: Dienstag Abend ist in beiden Häusern des Parlamentes ein Schreiben verlesen worden, das Präsident Krüger von Trans­vaal an die britische Regierung gerichtet hat. Präsident Krüger bietet darin den Frieden an unter der Bedingung, daß den beiden Burenrepubliken ihre Freiheit erhalten bleibe. „Wenn aber — so schreibt Oom Krüger — die britische Regierung entschlossen ist, die Unabhängigkeit der Burenrepubliken zu ver­nichten, bleibt unserem Volke nichts anderes übrig, als bis zum Ende auf dem eingeschlagenen Wege auszu­harren . . ." Die britische Regierung will, so hat sie geantwortet, die Unabhängigkeit der Republiken nicht zugestehen, und so ist denn nach wie vor Krieg die Loosung. Eine in sehr höflichem Tone gehaltene Anfrage der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, ob sie als Vermittler im Dienste des Friedens wirken könne, ist ebenso höflich von London aus ablehnend beantwortet worden — also Krieg, Krieg! Habsucht, Herrschbegier und Beutelust siegen über Recht und Gerechtigkeit, und das tapfere kleine Volk der Buren muß noch länger den Verzweiflungskampf kämpfen gegen die Uebermacht der britischen Söldnerheere!

£ Die lex Heilltze angenommen.

Die dritte Lesung der sogenannten lex Heintze hat noch einmal volle drei Tage in Anspruch genommen, um endlich am vierten Tage die An­nahme des Gesetzes herbeizuführen. Die Gegner des Gedankens, daß dem Volke und namentlich der Heranwachsenden Jugend gesetzlicher Schutz geboten werden müsse gegen die Uebe'fluthung mit unsittlichen Machwerken, haben noch einmal alle ihre Minen springen lassen, um womöglich dem Volke diesen Schütz doch noch zu nehmen ober wenigstens zu verkümmern. Sie haben in Verdrehungen der Thatfachen und auch in unmittelbaren Unwahrheiten einander förmlich Überboten; noch mehr, sie haben sich selbst so hinzustellen versucht, als seien sie die wahren Hüter der Voiksmehrheit und ihrer Wünsche, als gelte es, das Volk zu schützen gegen eine Vergewaltigung durch die große Mehrheit des Reichstages, die im Vereine mit den verbündeten Regierungen einen gesetz­geberischen Damm aufrichten will, so weit das möglich ist, gegen die Verseuchung des Volkes durch schamlose Erzeugniffe des Pinsels, des Meißel?, der Feder und der Mimik — ja nicht einen Damm gegen die freie Entfaltung der wahren Kunst.

Aber es ist ganz eigenartig, mit welchem Eigensinne die Gegner an dieser Unterstellung festhalten, eS solle der Freiheit der Kunst zu Leibe gehen. Namentlich der sozial­demokratische Abgeordnete von Vollmar hat am Donnerstag, am letzten Tage der Debatte, ein Uebriges gethan, um dieser falschen Dar­stellungsweise neues Leben einzuhauchen; und er hat in irregeleitetem Selbstbewußtsein dabei ausgerufen, er sei mit Stolz als Vertreter der Sozialdemokratie bei einer Versammlung in München zugegen gewesen, die so urfrisch und lebenskräftig Widerspruch dagegen erhoben habe, daß man der Kunst und Literatur den Schutz der Freiheit nehmen wolle. Herr von Vollmar wird schwerlich von allen Gegnern der lex Heintze

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verbottu.)

Fulda, 17. Febr.

Der Reichstag hat am gestrigen Tage ein Werk zu Ende geführt, das beinahe zehn Jahre zu seiner Vollendung gebraucht hat: die sogenannte „1 er Heintze" ist in dritter Lesung am genannten Tage mit guter Mehrheit angenommen worden, nach­dem vorher über einige strittige Punkte zwischen den Konservativen, den Freikonservativen und dem Cen­trum eine Vereinbarung, ein Kompromiß abgeschlagen worden war, das sofort die Unterschrift von 205 Mit­gliedern des Reichstages fand. Die überwältigende Mehrheit des Volkes ist augenscheinlich vollkommen damit einverstanden, daß gegen die zunehmende Un­sittlichkeit mit besonderen strafgesetzlich« n Bestimmungen vorgegangen wird; denn nirgends Hut man etwas vernommen davon, daß im Volke ein Widerspruch sich dagegen erhoben hätte. Die heftigen Protestver- sammlungen, die in einigen großen Städten gegen da» Gesetz abgehalten wurden, sind nichts weniger als der Ausdruck einer irgendwie bedeutsamen Regung der Volksseele; das ist die Mache einiger Weniger, die sich in ihren geschäftlichen Interessen bedroht fühlten und es dahin brachten, daß mehrere Künstler, Schriftsteller und Gelehrte von großem Rufe die Führung dieser Mache übernahmen. Die Herren haben aber die Sache auf den Kopf gestellt: sie thaten so, als sollte der Kunst zu Leibe gegangen werden, als laufe die Kunst Gefahr, unter lästigen Fesseln ihre Bewegungsfreiheit zu verlieren. Davon ist natürlich gar keine Rede. Nur das Schamlose, das Un­züchtige soll getroffen werde. Wo aber Unzucht und Frechheit sich entwickeln, da ist keine Kunst mehr. Und außerdem ist in den Protestversammlungen die ganze „lex Heintze" angegriffen worden in Bausch und Bogen, mit allen ihren Paragraphen gegen die Kuppelei und das wüste Zuhälterthum, die fast einmüthig von dem ganzen Reichstage gebilligt werden, die jSozial- demokraten mit eingeschlossen. Daraus sieht man am besten, daß die Veranstalter jener Versammlungen es gar nicht der Mühe werth gehalten haben, in den Geist des Gesetzes einzudringen, das sie bekämpfen wollten. Der gute und — Gott sei Dank! — noch immer bedeutend überwiegende Theil des deutschen Volkes will das Gesetz; und es ist die beste Hoffnung darauf vorhanden, daß auch die verbündeten Regie­rungen dasselbe gutheißen werden.

Außerdem hat der Reichstag in zweiter Lesung die Novelle zum Münzgesetze angenommen, wonach die goldenen Fünfmarkstücke, die silbernen und nitfeinen Zwanzigpfenmgstütfe eingezogen und dafür mehr Reichssilbermünzen geprägt werden sollen. Für diesen letzter» Zweck sollen Thalerstücke verwendet werden.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat den Kultus-Etat durchberathen und zwar so ein­gehend und gründlich, daß der Präsident mehrfach Abendsitzungen anberaumen mußte, um dieEtats- berathung so zu fördern, daß der Etat noch rechtzeitig an das Herrenhaus gelangen kann, um bis zum ersten April erledigt zu werden. Von großer Bedeutung waren bei dieser Berathung die Reden der Centrums- abgeordneten Freiherr von Hrereman und Dr. Porsch, die beide erneuten Beweis dafür erbrachten, daß in Preußen mit der Kulturkampfgesetzgebung noch immer nicht aufgeräumt ist. Wie aber sollen die Katholiken einer Regierung volles Vertrauen entgegen« bringen, die ihr eigenes Mißtrauen gegen die Katho­liken dadurch beweist, daß sie sich weigert, die deut­schen Jesuiten ans ihrer Verbannung zu befreien und bei jeder Gelegenheit mit Maßnahmen kleinlichster Art gegen die religiösen Orden vorgeht? An der preußi­schen Regierung ist es, mit Vertrauen gegen die Ka­tholiken voranzugehen. Dann werden die Katholiken mit Vertrauen antworten!

Römische Briese, xx.

□ Rom, 13. März 1900.

Nach dem Beispiel der Thuner Initiative, hat auch der Erzbischof von Neapel, Kar­dinal Prisco dem Papste eine Abresse mit 250 Unterschriften von Neunzigjährigen seiner Diözese überreichen lasten. — In ber vergangenen Woche waren es bte Ungarn, die Ober» schlesier und die französischen Pilger von Autun, zu welchen sich denn in den letzten Tagen die Salzburger gesellten, welche unsere Basi­liken und Straßen bevölkerten. Für Alle, mit Ausnahme der Salzburger, wurden am Freitag Mittag in der Aula der Seligsprechungen vom hl. Vater empfangen. Die Ungarn, alles vom griechisch-ruthenischen Ritus, erschienen größten- theils in ihren malerischen, hier sehr angestaunten Nationaltrachten und unter der Führung ihrer beiden Bischöfe Firczak und Valyi, sowie des Magnaten Baron Eugen von Szadö. Sie über­reichten dem Papste ein Riesenalbum mit 130,000 Unterschriften. Die Oberschlesier, unter welchen sich viele Polen befinden, unter Führung des Erzpriefters Konjestky, schenkten dem Papste ein großes Bild. Die Häupter dieser Pilger­schaft wurden dem hl. Vater durch den Rektor der Anima, Mgr. Nagl, vorgestellt. Die Schlefier versammeln sich allabendlich in den unteren Räumen des Kollegs vom heiligen Bonifatius, besten Rektor Mgr. Schmitz sich in besonderer Weise um diese Pilger verdient macht. Letztere, am 7. d. Mts., Abends spät eingetroffen, beab­sichtigen noch bis zum 18. hier zu bleiben.

Der Hochwürdigste Herr Bischof Paulus Keppler von Rottenburg ist hier einge­troffen. Heute kommen in drei langen Extra- zügen die Pilger aus Venetien, in Zahl von mehreren Tausend unter der Führung ihres Pa­triarchen, Kardinals Sarto. Da daS vom Vatikan gratis den Pilgern zur Verfügung ge- stellte Hospiz von Sankta Martha längst über­füllt ist, so hat die päpstliche Pilgerkommisfion einen großen Palast in einem der neuen römischen Stadttheile gemiethet, woselbst denn bereit- schon viele der Oberschlesier untergebracht waren. So­weit bis jetzt bestimmt, sollen die Salzburger Pilger, an deren Spitze der Weihbifchof Katscht Hal er steht, gemeinsam mit den Bene- tiern und andern noch inzwischen eintreffenden kleineren Pilgerzügen, am Mittwoch vom Papste empfangen werden.

Selbst die antioatikanischen Blätter gestehen nunmehr ganz offen ein, daß von einem Miß­erfolg des JubiläumSjahreS nicht die Rede sein kann. Aus allen Theilen der Welt strömen jetzt Pilger und Touristen nach Rom, welches noch niemals ein solch' internationales Aussehen hatte, als gerade in diesen Tagen. Zu den Pilgermaffen haben sich nun in den letzten Tagen noch andere Gäste gesellt: diejenigen nämlich, welche die 75»/» Ermäßigung auf den Eisenbahnen benutzten, um gelegentlich der heute (13. März) stattfindenden Enthüllung deS Denkmals Karl AlbertS auf dem Qmrmal unserer Stadt einen Besuch abzustatten. Dieser Monarch war eS bekanntlich, welcher seinem norditaltenischen Königreich die Verfaffung gab. Eigenthümlich ist e« nun, baß seine Ehrung zu einer Zeit stattfindet, wo gerade diese Verfaffung die Hauptursache aller Parteikämpfe und Unzu­friedenheiten im Lande bildet. Ebenso merk­würdig ist eS ferner, daß auf dem Festprogramm ber Enthüllungsfeier ausschließlich sportliche Uebungen und Wettkämpfe figuriren und zwar aller Art, zu Pferde, zu Fuß, auf dem Zwerrad und dem Automobil. UebrigenS haben nur 500 Gemeinderäthe deS gesummten Königreichs (von 8000) eine Deputation nach Rom zu entsenden versprochen, waS sehr von den monarchistisch- liberalen Kreisen verurtheilt wird.

König Humbert erhielt vom Sultan von Sansibar deffen Bilbniß in einem kostbare«, n-assiv goldenen Rahmen, reich mit den seltensten Edelsteinen besetzt.

Vielfach ist die Frage aufgeworfen worden, auf welche Weife der hl. Vater den von chm selbst verkündeten Ablaß deS Jubiläums« juhreS gewinnen werde. ES ist nunmehr fest­gesetzt, daß der Papst sich - sobald wärmeres Wetter eingetreten sein wird — zwanztgmal ut die Peterskirche begeben wird und daselbst ledeS- mal vier Altäre besuchen wird. Se. Heiligkeit wird diese Jubiläumsvifiten in St. Peter in den Abendstunden nach Schluß der Basilika unter­nehmen. Auch der päpstliche Hofstaat, sowie die übrigen Bewohner des Vatikans könnten den Ju- biläumSablaß auf dieselbe Weise gewinnen.

Kardinal Agliardi. ber frühere lang- jährige Nuntius in München unb Wien, ließ einen Hirtenbrief in feiner Diözese Albano ver­lesen. welcher sich dmch seine christlich-sozi­alen Ideen unb Ermahnungen auszeichnet.

als ein besonbers willkommener Bundesgenosse angesehen werben, Aber allen den Anberen, die nicht zur Sozialdemokratie gehören und darum nicht wie diese alles das begrüßen unb fördern, was zum Untergänge ber bürgerlichen Gesell­schaft beitragen kann, hat Staatssikcetär Nieb er- bing am Dienstag bie bittere Wahrheit von neuem gesagt, daß sie burch die Art unb Weise, in der sie die lex Heintze unb ihre Bestimmun­gen gegen unzüchtige und schamlose Schriften und Darstellungen bekämpfen, den Beweis dafür erbringen, daß sie den Sinn deS Gesetzes gar nicht verstanden haben.

Und die Männer, von denen ber Staats­sekretär das sagte, sind wahrlich keine unbe- deutenden Leute: er meint die Theodor Momm­sen, Adolf von Menzel, Reinhold Begas und andere, die am Montag dieser Woche bei dem Reichskanzler unb dem Staats- fetetar des Reichsjustizamtes sich einfanben, um ihre Bedenken gegen die geplanten Gesetzesbe­stimmungen zu äußern. Mit diesen berühmten Leuten hat sich der Staatssekretär ausführlich unb eingehend über das Gesetz und seine Bestimmungen unterhalten; und wenn bann ein so außerordent­lich ruhiger Mann wie der Staatssekretär Nieber- bing in öffentlicher Reichstagsfitzung die Ein­drücke, die er in der Unterredung empfangen hat, in diesem Sinne roiebergibt, so barf man ihm ohne weiteres glauben, trotz ber großen Berühmt­heit derjenigen, die Vorstellungen gegen das Ge­setz erhoben.

Auf einen andern großen Jrrthum, den alle die Protestversammlungen begangen haben, wies Abg. Groeber vom Centrum hin: in allen diesen Versammlungen hat man nur von der lex Heintze im ganzen gesprochen, ohne mit einer Silbe daran zu denken, daß in demMsetze auch die hochwichtigen neuen Bestimmungen gegen bie Zunahme der Prostitution, gegen bas Zu- hälterthum und gegen gewerbsmäßige Kuppelei enthalten sind. Es war ein höchst leichtfertiges Beginnen, so in Bausch und Bogen über ein ganzes Gesetz herzufallen, das in seinem größer« Theile die lebhafte Zustimmung aller, aber auch lhatsächlich aller einigermaßen an- ständig gesinnten Elemente im Volke und den ungeteilten und einmütigen Beifall des Reichstages gesunden hat.

„Die höchsten Fragen der Kunst und Litera­tur" sollen angeblich durch das Gesetz nach einem Aussprüche des Abg. von Vollmar „verkoppelt" werden mit „den tiefsten Tiefen der Prostitution, mit dem Dirnen- und Zuhälterthum". Herr von Vollmar hätte den Beweis für sein Unver- ständniß des Gesetzes unb eines Theiles seiner Bestimmungen nicht deutlicher erbringen können als durch diesen Satz. Die Gemeinheit, die sich der Werkzeuge der Kunst bedient, ohne mit ber Kunst etwas gemein zu haben als nur die oberflächliche, die äußere Form, bie Schamlostg- leit, die Unsittlichkeit solcher Leute soll getroffen werben, bie durch ihre gemeinen Leistungen bie Kunst beschmutzen und durch den von ihnen er­zeugten Schmutz die Volksseele zu vergiften drohen; und Herr von Vollmar spricht von ben „höchsten Fragen der Kunst und Literatur". Wenn man eS hier nicht mit ben eigenen Ohren hörte, man könnte eS nicht glauben, daß Leute, die ihre fünf Sinne beisammen haben unb roch baju zu dem geistig begabtem Theile des Volkes aehören, in solche völlige Verwirrungen der Begriffe verfallen und sich noch dazu rettungslos in sie verbeißen können.

Eines aber sei Herrn v. Vollmar und den Gegnern des Gesetzes innerhalb und außerhalb ber Sozialdemokratie gesagt: ber Zusammen­hang der Ursachen zwischen schlechter Literatur und unsittlichen auf der einen und ben „tiefsten Tiefen der Prostitution" auf ber anbern Seite ist durchaus vorhanden und auf keinen Fall zu leugnen. Denn manches unglückliche Menschen­kind, daS heute in dem Schmutze jener „tiefsten Tiefen" versunken ist, erhielt den ersten An­stoß zum Hinabgleiten auf der schlüpfrigen Bahn des Lasters durch solche gefährliche und unsittliche Schriften unb Darstellungen. Die ersten unzüch­tigen Vorstelllingen in dem jugendlichen Hirn wurden durch solche Erzeugniffe geweckt, und gerade sie sind eS, die der Heranwachsenden Jugend am allergefährlichsten werden. Den Schmutz jener „tiefsten Tiefen" sieht auch das Auge ber uner­fahrenen Jugend und bebt vor ihm zurück. DaS schleichende und oft verborgene Gift aber solcher schlüpfrigen Darstellungen der Lsteratur unb so­genannter Kunst merkt die Jugenb meistens nicht sofort und wird doppelt dadurch mit schwerer Gefahr bedroht für ihre Seele.

Wer also Tugend und Sitte im deutschen Volke erhalten helfen will, der muß sich auf die Seite der Freunde des Gesetzes schlagen, das unter dem Beinamen der lex Heintze bei un8 bekannt ge­worben ist.