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mit Nnteröattungs-Aeikage „Jllustrirte Somüags-Zeiümgf «"Sä-“
27. Jahrgang.
Jrrl'öa, Samstag, den 17. März 1900.
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gestiegen.
O „Zlttzttlreffeud" wird von der offiziösen ,Nordd. Allgem. Ztg/ die Nachricht genannt, daß die Kanalvorlage an diesem Samstag dem preußischen Landtage zugehen werde. Natürlich! Auch die andere Meldung ist nach dem genannten halbamtlichen Blatte unzutreffend, daß über den Großschifffahrtsweg Berlin- Stettin abgesondert von der Kanalvorlage dem Landtage eine besondere Vorlage zugehen werde.
h Die Jt-visto» des Zolltarifs ist am heutigen Freitag Gegenstand von Besprechungen m der Budgetkommission des Reichstages gewesen. Dies geschah bei der Besprechung einer Petition >er Stettiner Schiffsbaugesellschaft „Vulkan" um Gewährung von Zollfreiheit für Sch'ffsmaterml. Der anwesende Vertreter der verbündeten Regierungen erklärte, die Revision des Zoll- arifs sei in Arbeit. Bei den Vorberathungen
zum Zolltarif würden alle Interessenten Gelegenheit haben fick auszusvrechen. Es werde sorgfältigste und eingehendste Prüfung der ganzen Frage stattfinden; das Ecgebniß werde darin der neue Zolltarif sein.
* Zur WsreiufachvAg des HckkzeUmegs- beznZes wird nach der poftosiiziöfen .Deutschen Verkehrszeitung' gegenwärtig im Reichspostamte erwogen, ob allgemein die Zeitungsgelder vor Beginn der regelmäßigen Bezugsfrist durch die Briefträger eingezogen werden sollen. Die Oberpostdirektionen haben fast allseitig die Frage als zweckmäßig bejaht. Ueber die Regelung des Verfahrens im Einzelnen weichen die Vorschläge aber wesentlich von einander ab. Deshalb hat das Reichspostamt mehrere Oberpostdirektionen beauftragt, ein ihnen geeignet erscheinendes Verfahren auszuwählen und für das zwecke und dritte Viertel des laufenden Jahres versuchsweise anzuwenden, lieber die hierbei gewonnenen Erfahrungen soll dann unter genauer Schilderung des Verfahrens berichtet werden.
öi» Flottenvorlage fürchten .... Die Sache । liegt ganz anders. Das Fleischbeschau-Gesetz hat ja mit der Flottenvorlage unmittelbar nichts zu khun, wohl aber mittelbar. Es liegt auf der Hand .... daß durch die Ablehnung des Fleischbeschau-Gesetzes die Stimmung in allen landwirthschaftlichen Kreisen für die Flott« sehr bedenklich beeinflußt werden müßte. Wenn es wegen der Flotte zur Reich?>- tagsauflösung kommen sollte, ohne daß die Fleischbeschau-Frage erledigt wäre, dann können wir mir aller Bestimmtheit versichern, daß die Zahl der Flottenfreunde im Reichstage wesentlich vermindert würde." So weit die .Deutsche Tages- Zeitungs Man wird gut thun, mit der Bildung eines abschließenden Urtheils über diese Angelegenheit noch ein wenig zu warten, bis die Sachlage sich mehr geklärt haben wird.
x Der IsleischverSranch im Deutsche« Mich- ist der Gegenstand einer interessanten Studie des Prof. Dr. Hucke rt in Neiße gewesen. Nach den statistischen Berechnungen des Genannten ist der jährliche Bedarf an Schlachtvieh in Deutschland seit 1872 kus jetzt um mehr als die Hälfte, nämlich um 58 v. H. gestiegen. Die Bevölkerung des Reiches hat sich innerhalb der 20 Jahre von 1872 bis 1892 um etwa 22 v. H. vermehrt. Stellt man beide Zahlen zusammen, so erhält man daraus das Ergebuiß, daß der Fleischverbrauch auch im Berhältniß zur Kopfzahl der Bevölkerung erheblich zugenommen hat. Bei den Reichen und Wohlhabenden wird dies nicht der Fall fein. Diese werden heute schwerlich mehr Fleisch verbrauchen als vor zwanzig oder dreißig Jahren. Der vermehrte Fleischverbrauch kommt also den weniger bemittelten Theilen des Volkes zugute, und das ist ein neues Zeugniß für die allgemeine ; Hebung des Wohlstandes und gegen die Wahr- - heit der unsinnigen Verelendungslehre der Sozml- ! demokratie. Daß es sich so verhält, daß also die Vermehrung des Fleischverbrauches rsicht durch die wohlhabenden Bevölkerungskreike und durch die großen Städte verursacht worden ist. geht aus einer gudern Huckert'scben Berschnuna hervor: während der zwanzig Jahre von 1872 bis 1892 ist der Fleischverbrauch beispielsweise in Berlin im Durchschnitte auf den Kopf der Bevölkerung berechnet nur um knapp zwei Kilogr.
worden. „ „,
X Die Wahl des Aög. Irhr«. v. Stumm ist am'heutigen Freitag durch einen Beschluß der Wahlprüfungskommission des Reichstages bean- 'tandet worden. Der genannte Abgeordnete ist bekanntlich Vertreter des Wahlkreises Ottweiler-
St. Wendel im Reichstage.
X Der Kugeküudigte Wachtragsetat für das Rechnungsjahr 1900 ist dem Bundesrathe zugegangen. An einmaligen Ausgaben werden 5 881,057 Mk. gefordert, davon 4,500.000 Mk. an Reichszuschüssen zu dem Bau der Bahnstrecken Mombach-Kostheim, zum Anschlüsse an die Linie Frankfurt a. M.-Kastel mit fester Ueberbrückung des Rheines bei Mainz; Gaualgesheim-Münster a Stein; Münster a. Stein-Scheidt; Schridt- Brebach. Für die Kolonialverwaltung werden 997 300 Mk. gefordert, nämlich Zuschuß für Kamerun 865,300, 52,000 Mk. für Samoa u. a. mehr. Die Nachforderung für Kamerun wird wesentlich durch den Hinweis darauf begründet, daß zur Sicherung des Besitzes in Kamerun ein weiteres Vordringen im Benuö-Gebiete noth- wendig sei. Die deutsche Herrschaft müsse bis zum Bernis ausgedehnt werden. Zu diesem Zwecke soll die Schutztruppe auf mindestens 750 Köpfe erhöht werden.
h Die Aerathimg des IcerschLeschem- chesetzes iS vertagt, und zwar vorläufig auf unbestimmte Zeit, das ist die neueste Ueber- raschung in der Entwickelung dieser wechselvollen Angelegenheit. Die am Donnerstag verbreitete Nachricht von einer entgegenkommenden Stellung des preußischen Ministeriums und des Bundesrathes war augenscheinlich nicht richtig. Vielmehr sollen sich angeblich beide Körperschaften nicht nur gegen die Beschlüffe des Reichstages in der zweiten Lesung erklärt haben, sondern auch die abgeschwächten Forderungen, wie sie nachträglich vertraulich aus den Parteien heraus der Regierung unterbreitet wurden, als unannehmbar ansehen Vor Ostern ist an eine Verständigung nicht zu denken. Die agrarisch konservative .Deutsche Tages- Zeitung' schreibt: „Man nimmt wohl nicht mit Unrecht an. daß den verbündeten Regierungen daran liegt, vorher das Flottengesetz unter Dach und Fach zu bringen. Es wird uns allen Ernstes versichert, daß maßgebende Re- aierungSstellen von der Annahme des Fleischbe- ; schau-Gesttzes eine ungünstige Rückwirkung auf
tages selbst Wochen lang nur von denjenigen Mitgliedern des Hauses besucht, gewissermaßen aufrecht erhalten wurden, die irgend einer Kommission angeboren und deswegen in Berlin ich aufhalten mußten; und somit ergab sich für >ie Mitglieder der Budgeikommission ein überreichliches Tagespensum. Da nun aber die folgende Woche die letzte vor dem Beginne der Osterferien des Reichstages ist, so ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß vor den Ferien nur noch die Generaldebatte erledigt werden lann. Das war auch, wie an dieser Stells bereits berichtet, von Anfang an der Plan.
G Die AerntHumg der Ilotte«voL!«ge in der Budgetkommission des Reichstages wird vermuthlich am 27. März beginnen. Feste Bestimmung ist darüber noch nicht getroffen
Deutsches Reich.
Berlin, den 16. März.
war. Derselbe lebte mit seiner Gattin auf einer einsamen Försterei mitten im Walde. Dorthin wollte Böhler sein Mündel bringen, denn selten verirrte sich ein Fremder nach dem etwas abseits gelegenen, wenig bekannten Hause. Und wenn es gelang, Röschen dort unterzubringen, so war man wenigstens für einige Zeit der Sorge los. es möchte sich einer in das reizende Mädchen verlieben und es zu seinem Weibe begehren.
„Du bist so blaß, mein Töchterchen," sagte Böhler deshalb eines Tages, als Röschen sich eben anschickte, nach dem Friedhöfe zu gehen, „Du brauchst unbedingt frische, duftige Waldluft, damit Du wieder rothe Backen bekommst; am Ende wirst Du mir noch krank, und ich werde dafür verantwortlich gemacht. Ich will deshalb an meinen Onkel schreiben, und zwar deute noch, daß er Dich einige Zeit bei sich aufnimmt; er thut es sicher gern. Die beiden Alten werden erstem sein, wenn ein wenig Abwechslung in ihre Einsamkeit kommt, und Dir thut die Ruhe, die Du dort findest, sehr gut."
Röschen ließ ihn ruhig ausreden. Ihr Gesicht war noch bleicher geworden, und die Augen richteten sich mit verwundertem Ausdruck auf den Sprechenden, der gespannt ihrer Antwort wartete.
Ich bitte Sie, was soll ich jetzt, im Winter, dort "machen?" entgegnete das Mädchen langsam, doch fest. „Uebrigens fühle ich mich vollkommen wohl, Sie können meiner Gesundheit wegen ganz unbesorgt sein." — .
Böhler wandte sich ab, um seinen aufstelgenden Zorn zu verbergen. In das Gesicht war eine flammende Röche gestiegen, es zeigte einen haßerfüllten Ausdruck.
ti Arr dcrr Harter sind nach einer Mit- theiluna der ,Nordd. Allgem. Zeitung' von einer Reihe von landwirthschaftlichen Vereinigungen Telegramme gerichtet worden, welche zum Zwecke der Aufrechterhaltimg der zu dem ^leisch- beschau-Gesetze von der Reichstagskommisston beschlossenen Vereinbarungen die Hilfe des Monarchen anrufen. „Es konnte - so bemerkt das genannte halbamtliche Blatt dazu _ nrn jo weniger vorausgesetzt werden, daß in dieser schwebenden Frage der Kaiser eine persönliche Initiative ergreifen würde, als die Verbündeten Regierungen zu den im Reichstage gefaßten Beschlüpen Stellung zu nehmen noch nicht in der Lage gewesen sind. Wie wir hören, sind alle diese Kundgebungen ohne Beantwortung geblieben."
_L Die Merkmer Stadtverorduete« Wer sammkuug bat die von ihrem Finanz-Ausschüsse beantragte Resolution über die Behandlung der katholischen Berliner Waisenkinder nun doch nicht angenommen. Es handelte sich dabei bekanntlich darum, die katholischen Waisenkinder in die protestantisch geleiteten Berliner Waisenhäuser zu stecken, obwohl die noch im katholischen St. Josephs-Waisenhause in Potsdam untergebrachten Kinder ganz vortrefflich aufgehoben sind. Aber den Potsdamer katholischen Schwestern sollten die Kinder nach der Ar.sich der Mehrheit des Finanz-Ausschusses unbedmg genommen werden, auch auf die Gefahr hin, daß sie in schlechteren Pflegestellen als üblich, oder aber in den protestantisch geleiteten Walsenanstalten untergebracht werden müßten. Der Haß und die Gewaltherrschaft sprachen aber gar zu deutlich aus der Resolution des Finanz-Ausschuffes, so deutlich, daß auch die Mehrheit der Stadtverordneten - Versammlung davor zurückichreckte und diese Resolution am Donnerstag Abend ablehnte. Die Sachlage und die Stellung der Pa^ leien zu dieser Frage werden am besten dadurch gekennzeichnet, daß für die Annahme der gehässigen Resolution in der Stadtverordneten-Versamm- fung am Donnerstag namentlich sozialdemokratische Stadtverordnete eintraten, wiederum eine recht hübsche Beleuchtung der erbärmlichen Heuchelei, welche die Herren Genossen mit ihrem berühmten Spruche „Religion ist Privat- fache" treiben. Bei jeder neuen Gelegenheit beweisen sie von neuem, daß ihre Handlungen genau
st Die Ikolleuvorkage wird entgegen dem ursprünglichen Plane in Der nächsten Woche noch nicht von der Budgeikommission des Reichstages in Angriff genommen werden. Erst tn der folgenden Woche soll die Berathung be- ginnen und es wird als Grund hierfür angegeben, daß die Mitglieder der Kommission nach der langen und unausgesetzt angestrengten Durch- berathung des Etats einer Erholung bedürfen. Thatfache ist ja, daß die Sitzungen des Reichs-
Das Glückskind.
Erzählung von Irene von Hellmuth. ------ Nachdruck verboten.
Nach kurzer Pause fubr sie dann fort: „Mein Brautschmuck ist darin, ich trug ihn an meinem Hochzeftstage, und bei frohen, längst verrauschten Festen. Der Vater schenkte nur denselben, als wir noch glücklich waren. Auch sonstige werthvolle Familienerbstücke, und den von Tante Aurelia ausgestellten, für Dich hochwichtigen Schein birgt der kleine Kasten. Dies alles gehört Dir. Du besitzest nichts mehr, wenn es Dir verloren geht oder gestohlen wird; denn den kleinen Rest unseres einstigen Vermögens braucht Waldemar zur Vollendung seiner Studien. Tante Aurelia sprach zwar einmal davon, dieselben zu bezahlen, doch scheint sie es vergeffen zu haben, und ich will sie nicht Daran mahnen."
Es lag ein ungemein trauriger Ausdruck tn dem Gesichte der Mutter, als Röschen das Kleinod nach ihrem Stübchen trug, wo es sorgfältig eingeschloffen wurde.
Einige Wochen waren seitdem vergangen. Böhler hatte sich einen, nach seiner Meinung vorzüglichen Plan ausgedacht, stieß jedoch bei Aurelia auf entschiedenen Widerstand.
„Arthur, ich bitte Dich, quäle das Kmd nicht," flehte sie dringend.
Er stampfte zornig mit dem Fuße aus
„Du bist doch unverbesserlich," fuhr er wild die Frau an, die seufzend schwieg.
Er besaß nämlich einen Onkel, der Förster
Nur schwer fand er seine Gelassenheit wieder; etwas gereizt klang es, als er sich seinem Mündel, die inzwischen mit bebenden Fingern die chwarzen Handschuhe zugeknöpft hatte, wieder zuwandte.solltest meitten wohlgemeinten Rath nicht so ohne weiteres von Dir weisen, überlege ihn ,och erst, er wäre nicht so übel."
„Kurz und gut, ich will jetzt nicht fort", unterbrach Röschen heftig den Sprechenden, „mir steht doch hoffentlich noch die Entscheidung zu, zu thun und zu lassen, was ich will, und wenn ich Ihnen etwa zur Last falle, bitte, sagen Sie es ungenirt, dann ziehe ick aus;, waS ich brauche, das kann ich leicht verdienen."
„Was Du doch gleich auffährst! So war es keineswegs gemeint, mein Kind", besänftigte Böhler, etwas erschrocken, das Mädchen, das sich der Thür zuwandte.
„So warte doch einen Augenblick, ich begleite Dich!" rief er der Forteilenden nach.
Röschen seufzte. Wäre nur Hermann nicht, mit Freuden würde sie von hier fortgeben, irgend wohin, um die Nähe des ihr verhaßten Menschen, Der ihr immer unerträglicher wurde, nicht mehr erdulden zu müffen.
Aber so, - die Hoffnung aus ein zufälliges Zusammentreffen, wo man einen Back, em Wo, von dem Gelickten erhaschen konnte, «^r das Einzige, was sie hier zurückhielt. O, daß er so stolz und hochmüthig ihr Anerbieten zurückwies von ihrem Gelbe, das ihr nach Tante Aureliens Willen am Tage der Hochzeit ausbezahlt werden sollte, einstweilen feine Schulden zu zahlen, und
davon zu leben, bis seine Praxis groß genug war, eine Familie zu ernähren.
Röschen hatte Hermann diesen Vorschlag UN- längst brieflich gemacht. Doch er wollte davon nichts hören. Durch eine ihrer vertrauten Freundinnen hatte sie die Antwort erhalten, daß er nie und nimmer daraus eingehen werde, er wolle aus eigener Kraft sich emporarbeiten, nicht durch fremde Mittel. Und wer könnte die Garantie übernehmen, daß er überhaupt das werde, wonach er so eifrig strebe, ein vielgesuchter, gut bezahlter Arzt? Und wenn er es nicht würde. waS bann? Das hinge nicht von ihm allem ab, son- dem von allerlei verschiedenen Umstanden und glücklichen Zufällen. Wenn es ihm nicht gelang, sich das Vertrauen seiner Mitbürger zu erringen, so konnte an eine Heirath nicht gedacht werden.
Röschen mußte sich allerdings gestehen, daß er recht hatte. Es hieß eben geduldig ausharren, einmal mußte doch die Zeitkommen..woersahen würde: „Nun ist es so weit, daß ich Dich heim ^Und "sie würde ihm jubelnd folgen, dann war
Das Leben im Hause Böhlers war so unge» rnüthlich als möglich. Es fehlte eben die Liebe, die alles verschönt und dem Leben erst den rechten Werth gibt. Die beiden Ehegatten gingen sich aus dem Wege, so viel sie.immer konnten, oas eine hier, das andere dort, zedes suchte fern eigenes Vergnügen. Aurelia besuchte viele Freun- dinn-n. Kaffeekränzchen und dergleichen, wahrend ihr Mann die Zeit im Klub, wo er regelmäßig jeden Abend veilehrte, bei Kartenspiel und lustigen Gelagen verbrachte. Er lieh seinen Freunden
Aus -em Reichstage.
-«p 169. Sitzung vom 16. März 1900, 1 Uhr.
Die gestern wegen der festgestellten Beschlußunfähigkeit des Hauses unterbrochene dritte Lesung der lex Heintze wird fortgesetzt und gestaltet sich zu einer andauernden Geschäftsordnungsdebatte, unterbrochen von den Abstimmungen über die mehrfach gestellten Schlutz- anlräge und die Paragraphen des Gesetzentwurfes.
Zunächst liegt ein Antrag der Abg. Hrak Hompesch und Gen. (Centr.) auf Schluß der Debatte vor. Der sozd. Abg. Singer beantragt namentliche Abstimmung über diesen Antrag und findet dafür ausreichende Unterstützung. Der Schlußantrag wird m namenllicher Abstimmung mit 196 gegen 82 L-tnnmen angenommen. .
Mehrere Abgeordneten stellen fest, daß ihnen durch den Schluß der Debatte das Wort abgeschnitten sei, so die Abgg. Träger (freis. Vp.), SHönlank und Thiele (sozd.), Dr. Aargman« (freis. Vp.), As«bewald (Antis.) und Dr. Hertel (kons.). Bei ewer R-lhe von persönlichen Bemerkungen der Abgg. Stomer (kons.), Mooren (Centr.), Hchrempk (kons.), Wüller-Meimngen (freis Vp.) werden die Redner wiederholt vom Präsidenten Grafen Ballestrem daran erinnert, daß ste zur Sache nicht mehr sprechen dürfen. Abg. Zr«kler-Mei- ningen wird außerdem vom Präsidenten gerügt, weil er sagte, auf die Grobheiten des Abg. Stocker könne er nicht antworten. . v _
§ 184 wird in der Abstimmung tn der Fassung des Kompromißantrages mit großer Mehrheit angenommen, ebenso § 184». Zu diesem letztern Paragraphen bringt der freis. Abg. Iischvech den Antrag auf namentliche Abstimmung em. Aber der Kompromißantraa hat Anspruch darauf, zuerst zur Abstimmung gebracht zu werden und wird mit großer Mehrheit angenommen, fo daß der Antrag Fischbeck hinfällig wird.
Daraufhin beantragt nunmehr zu § 184b der fozd. Abg. Singer die namentliche Äbstimmuug nicht nur über S 184b selbst, sondern auch über alle dazu vorliegenden Anträge. Die Freistnmgen und Sozialdemokraten haben für eine stattliche Anzahl solcher Anträge gesorgt, die keinen andern Zweck haben, als die Eiu- scheidung über das Gesetz zu verzögern.
Der Antrag Singer findet die erforderliche Unterstützung. In namentlicher Abstimmung wird darauf § 184 b mit 166 gegen 124 Stimmen angen ommen.
Es folgt nun die Berathung deS § 184c (Bestrafung für Aergerniß erregende Mittheilunaen aus Gerichtsverhandlungen, für die d,e Oestentlichkeit aus- gesch^sieNsch). $bg ^adlhagen erscheint auf der Rednertribüne mit einem sehr umfangreichen Bündel Schriften. Da ihm der Ruf vorausgeht, er wolle etwa drei Stunden sprechen, verlassen unter lauten Rusen ; berechtigten Unwillens die allermeisten Abgeordneten den