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27. Jahrgang.

Iutöa, Freitag, den 16. März 1900.

Jfä 62.

empor.

MM mH »«Sag 6« SMsev SKnaöraawS Vrt,A»S-Si 08. s iLaonrsrmJ.

X Wora« mangelt es im Kandwerk? Noch immer im weitesten Maße an der Einsicht, daß die Handwerker des genossenschaftlichen . Zusammenschlusses nicht entbehren können, wenn . sie ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber den Groß- ; betrieben nach Möglichkeit stärken und ausrecht erhalten wollen! Leider geht es ja an den meisten Orten auch mit der Jnnungsbildung, von der man eine günstige Einwirkung auf den genossen­schaftlichen Sinn erwarten dürfte, erst langsam voran oder hier und da sogar schon wieder rück­wärts. — Wenn nur überall einer oder einige einsichtsvolle thatkräftige Handwerksmeister sich fänden, die den vielfach mit Recht erhobenen Vorwurf der Saumseligkeit nicht aus sich kommen lassen wollen, dann wäre der Sache des Hand­werks schon viel gedient. Solche Handwerker, welche die Noch wendigkeit gegenseil,ger Unter­stützung im Konkurrenzkampf erkennen und den Trieb fühlen, über die Mittel sich zu unterrichten, würden damit wenigstens den ersten und gewiß nicht einzigen Schritt thun, sich selbst und zugleich vielen Berufsgenossen werthvolle Stützen zu

I schaffen. Einer muß den Anfang machen, und I unser Handwerkerstand weist doch hoffentlich überall noch Männer auf, welche genug Selbst- intereffe und auch Gemeinstnn besitzen, die Ge- nosfenschoftsfrage einmal zu prüfen. An Material hierzu fehlt es ja nicht. E) gibt eine Reihe guter und gemeinverständlich geschriebener Bücher, welche mit dem Wesen, der Einrichtung.und den bisherigen Erfolgen der Handwerkergenossen­schaften bekannt machen. Da ist z. B. die treff­liche Schrift von B. Retzbach: „Die Hand­werker und die Kreditgenossenschaften; ferner Crügers „Anleitung zur Gründung von Hand­werker- (Rohstoff-, Magazin- und Werk-) Ge­nossenschaften", sowie „Rohstoffgenossenschasten der Handwerker mit Anleitung zur Buchführung" von Crüger u. Jäger. Da sind auch zu nennen die kleinen Schriften über Bedeutung und Aufgaben der „Handwerkerinnungen und Ge­nossenschaften", über die „Rohstoff- und Werk­genossenschaft der Tischler zu Osnabrück", ihre ; Einrichtung, Wirksamkeit und Erfolge, rc. Die । beiden letzten Schriftchen sind nur von der Cen-

tralstelle veS Polksyereins für das kath. » Deutschland in M.-Gladbach zu erhalten, i welche aber aus ihrer großen Bibliothek auch die vorher genannten — übrigens billigen, nur 1-2 Mk. kostenden — Bücher jedem Volksoer- cinsmitglied leihweise unentgeltlich überläßt. Eine kurze Mittheilung dorthin genügt. Möchten sich nur immer mehr tüchtige Handwerker finden, die sich über den Nutzen der richtig geleiteten Ge­nossenschaft unterrichten und dann in den Kreisen ihrer Standesgenossen die Anregung weiter ver­breiten. Auch Flugblätter und Statuten stellt ihnen zu diesem Zwecke die Centralstelle des Volksvereins unentgeltlich zur Versügung.

reißendes Wort.

Eine Herzlähmung hatte dem Leben der stillen, blaffen Frau ein rasches, aber sanftes und schmerz­loses Ende bereitet.

Röschen war in den ersten Tagen taub für jeden tröstenden Zuspruch. Starr und stumm saß das tiefgebeugte Mädchen bei der theuren Leiche, und hielt bereit kalte Hände in der ihren.

Waldemar, der zum Begräbnisse herbeigeeilt

lassen.

Das Gericht bestätigte seinen Antrag, der Vormund der beiden Kinder zu werden. Das paßte alles sehr gut zu den Wünschen des Mannes, und er rieb sehr vergnügt die Hände. Doch

der'heißgeliebten Schwester; erst als er Abschied nehmend vor ihr stand, da warf sie sich ungestüm immer wieder an seinen Hals, so daß er sich nur mit Mühe loszureißen vermochte.

Alle Bekannten und Freunde nahmen innigen Antheil an dem herben Verlust der Geschwister einer nur war's, der sich freute: Böhler.

Bester konnte es gar nicht kommen; sein Plan aina dahin, das verwaiste Mädchen zu nch zu nehmen, und es nicht mehr aus den Augen zu

MFMMvovtllch: AM Ms LröÄkttM BsvA.

Woche soll überhaupt keine Sitzung der Sommiffton staltfinde". Es wird angenommen, daß die Generalde­batte über die Flottenvorlage vor Ostern zumi Abschluß gelangen kann, auch wenn dieselbe erst dem erwayn- Reitvunlte beginnt. — Die neue Kan aIvorläge, deren Kostenvoranschlag sich auf 42 ' Millionen Mark beläuft, wird voraussichtlich am nächsterl Samstage dem Abgeordnetenbsuse zugehen. — Die Verlobung des Prinzen Max von Baden, des nach dem (kinder­losen) Erbgroßherzog nächst berechtigten Agnaten, mit bet Prinzessin Luise von Cumberland wird in Karlsruher Gesellschaftskreisen als vollzogene Thatsachen migesehen. — Amtlicher Nachweisung zufolge hat die Etnnahme an Wechselstempelfteuer m den ersten elf Monaten des laufenden Etatsjahres 10,929,123.u5 Mark oder 889,484.35 Mark mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres betragen. — In den Verhandlungen über das Fleischbeschau-Gesetz im preußischen Mini- sterium wird in einer vereinzelten Zertungsmeldung berichtet, das Ministerium habe einem Kompromisse zu- gestimmt auf der Grundlage, daß gesetzliche Einfuhrver­bote gegen Würste und Konferv n eingefuhrt, dagegen Pökelfleisch nach wie vor unter Kontrolle zugelassen werden soll. Die weiteren Einfuhrverbote haben nach dieser Meldung, die nicht unwahrscheinlich klingt, nicht die Zustimmung des preußischen Ministeriums gefunden. Höchstens könnte dem Bundesrathe die Befngniß weiterer Einfuhrverbote zukommen.

Umfang genommen, das soll nicht geleugnet werden. Aber wenn man sich Vie Sache genauer betrachtet, . so findet man, daß der Freihandel wieder । einmal alle seine Mannen mobil gemacht hat, . um für seine Ansichten und Interessen etwas zu ‘ erreichen. Würden alle Freunde des Gesetz­entwurfes im Reiche ebenso mobil gemacht worden । sein, wie es mit allen Gegnern geschehen ist, so würden so ungeheure Massenkundgebungen zustande gekommen sein, daß diejenigen, die jetzt von Geg­nern veranstaltet worden sind, vor den andren verschwinden müßten wie die Mücke vor dem E.e- phanten. Daß es sich bei den Vereinbarungs- Lerhandlungen namentlich um die Zulassung von Pökelfleisch und um eine Aenderung des von der Kommission vorgeschlagernn § 14a über das Einfuhrverbot für ausländisches Fleisch von 1904 ab handelt, ist in der ,Fuld. Ztgck schon vor mehreren Tagen berichtet worden. Die Agitationen und Kundgebungen gegen das Zu­standekommen des Gesetzes sind leider tn so un­geschickter Weise in Szene gesetzt worden, dog im 1 Auslande der Eindruck erweckt werden könnte, als zittere ganz Deutschland vor den Handels-. politischen Drohungen der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Wahrheit, auf die nicht os. genug hingewiesen werden kann, ist die, daß Amerika in handelspolitischer Beziehung auf Deutschland allermindestens ebenso angewiesen ist, wie wir auf Amerika, wenn nicht mehr. Bei der zweiten Lesung des Fleischbeschau-Gesetzes haben sür das Einfuhrverbot gestimmt die Konservativen, die Freikonservativen und die ] Antisemiten geschlossen und das Centrum mit nur vier Ausnahmen. Von den Nationaüiberalen haben zehn dagegen gestimmt, außerdem dagegen die Sozialdemokraten, die süddeutsche Volkspartei, die beiden freisinnigen Parteien und die Polen.

+ Die Kaudrverkskammer« sollen, wie bereits vor einiger Zeit berichtet wurde, mit ; dem bevorstehenden 1. April ins Leben treten. । Die Bestimmungen über das Lehrlings­wesen sollen vom 1. April 1901, diejenigen ■ über das Meisterwesen vom 1. Oktober 1901 ab Giltigkeit erhalten. Die kaiserliche Ver­ordnung über die Regelung der Verhältnisse im Handwerk wird im Laufe der nächsten Tage er- cheinen. Bald nach dem 1. April wird e» also an die Wahlen zu den Handwerkskammern gehen. Nach dem Gesetze werden die Mit­glieder dieser Kammern von den Handwerker- nnungen und Handwerker- oder Gewerbevereinen gewählt, und es steht außer allem Zweifel, daß die Kammern befähigt dazu sind, eine bedeutende Rolle in unserem Wirthschastsleben, möglicher­weise auch im politischen Leben zu spielen. Die- enigen Handwerker, die sich noch nicht an eine der vorgenannten Körperschaften angeschlossen haben, werden gut thun, diesen Anschluß noch vor dem 1. April zu bewerkstelligen. Nur dann können sie ihr Wahlrecht zu den Handwerks­kammern nach dem 1. April ausüben.

© Die Karmk-Dorlage soll nach einer vereinzelten Meldung „am nächstcn Sonnabend" an den preußischen Landtag gelangen wit dem veranschlagten gesammten Kostenaufwande von 420 Millionen Mark. Die Meldung sei der Vollständigkeit wegen verzeichnet. Zu glauben braucht man sie zunächst noch nicht

IV.

Am Tage darauf, — es war ein Sonntag, und der erste Schnee fiel in kleinen Flöckchen her­nieder — da traf das arme Kind der fürchterliche, schreckliche Schlag, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, um so niederschmetternder, da er so un­erwartet kam, so ungeahnt.

Die Mutter starb. — O gräßliches, herzzer-

Deutsches Weich.

Berlin, den 15. März.

mit Unierhaltmigs MetlM „Mustrirte Somttags-Mungk

Das Mückskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

$ ------ Nachdruck verboten.

Etwas überrascht drehte der junge Arzt den zierlichen Brief hin und her, doch seine Mienen hellten fick keineswegs auf, als er, das Kouvert öffnend, die Unterschrift „Rosa Mahler" fand.

Röschen versicherte ihm wiederholt in ihrem Schreiben, es sei ihr unmöglich gewesen, abzu­kommen, da der Besuch ihres Oheims sie daran verhindert hätte. Hinzugesügt war noch, daß es für den guten Ruf eines jungen Mädchens nicht gerathen wäre, mit einem Manne am dritten Orte zusammenzutreffen.

„Lächerlich, einfach lächerlich!" setzte er sein Selbstgespräch von vorhin fort, „solche Prüderie, — als ob ich sie in den Urwald bestellt hätte. Ich finde durchaus nichts Unrechtes dabei, wenn wir uns da oben, wo jeder es sehen kann, be­gegnen."

Rasch setzte der Doktor seinen Weg fort, und befand sich, ehe er selbst es gewollt, nach kaum einer Viertelstunde vor dem Hause, wo Röschen wohnte. Ohne sich zu besinnen, trat er ein, und traf auf der breiten Treppe, die schon im Dämmer­schein des Abends lag, mit dem jungen Mädchen zusammen.

Ohne lange zu überlegen ergriff er ihre Hand und fragte: „Hast Du mich lieb, mein geliebtes Mädchen?"

Sie nickte bloS, wobei sie tief erröthend dre Augen niederschlug. „Ich muß fort," sagte sie

dann ängstlich, „die Mutter wartet; komm, wir wollen ihr alles anvertrauen, ich mag kein Ge- heimniß vor ihr haben."

„Nicht io rasch, Du kleine Ungeduld Du, — lachte der Doktor und drohte scherzend mit dem Finger. „Ich möchte gern, daß unser Herzens­bund vorläufig noch geheim bliebe; denn sieh mein schmales Einkommen gestattet mir nicht, jetzt schon an das Heiratheu zu denken. Ich muß meine Zukunft erst sicher begründen, muß mir erst eine Praxis schaffen, ehe ich öffentlich um Dich werben darf: wer weiß, ob es mir so bald gelingen wird, das hohe Ziel zu erreichen."

Seine Stimme klang sehr ernst, als er nach einer kleinen Pause fortfuhr: „Ich schulde Dir volle Offenheit, ich fordere sie aber auch von Dir. Dies ist die erste Bedingung zukünftigen ,--------------- -------

Glückes. Siehst Du, meine Studien verschlangen vermochte ebenfalls nichts auszurichten bei ein ganzes Kapital, — Vermögen besaßen wir ' -- - " - orLfX"k

mcht so blieb mir als einziges Mittel übrig, Schulden zu machen. Die Mutter darbte und sparte, sie tbeilte den letzten Bissen mit mir, um es zu ermöglichen, daß ich meine Studien vollenden konnte. Nun habe ich die Theure zu mir genom­men um ihr sso viel als möglich den Lebensabend zu verschönern. Aber ehe nicht meine Schulden vollständig abgezahlt sind, werde ich — ■ —"

„Röschen, mein Kind, wo bleibst Du nur so lange," unterbrach plötzlich eine klagende Stimme das Geflüster der Beiden.

„Ich komme schon, Mutter, gleich!" rief Ros­chen zurück. Noch ein flüchtiger Händedrucks und dann eilte das Mädchen leichtfüßig die kreppe

Aus -em Reichstage.

168. Sitzung vorn 15. März 1900, 1 Uhr.

In der Fortsetzung der Berathung der lex Aeintze fährt der Reichstag heute fort mit der Emzeldrskusfion bvr §§ 184, 184a und 184b. Es handelt sich bei diesem ^aIa(§ri84) Feilhaltung, Ausstellung von unzüchtigen Gegenständen, Schriften, Darstellungen und Verkauf derselben an Personen unter 18 Jahren (nach dem neuen Kompromißantrage unter 16 Jahren, entsprechend der ursprünglichen Regierungsvorlage) außerdem öffentliche Ankündigungen, die unzüchtigen Verkehr herbeiführen s°ll°"ß184 ^Schriften, Darstellungen und Abbildungen, die, ohne unmittelbar unzüchtig »u sem, das Schamgefühl gröblich verletzen und ihre öffentliche Ausstellung sowie Ueberlassung derselben an Personenunter 18 Jahren (nach dem Kompromißantrage unter 16 Jahren) uw» enblid) um ^iche Verletzung des Scham- und Sitt- kääväs? antrage lautet dieser letztgenannte Paragraph, der „Theaterparagraph", wörtlich: Wer in öffentlichen Vorträgen von Gesangs- oder sonstmen llnt-r. Haltungsstücken ober innerhalb öffentlicher Schaustellungen oder Ausführungen öffentlich ein «ergern.ß M durch eine Handlung, welche, ohne unzuchttg zu fern, das Scham- aefühl ar üblich verletzt, wird mit Gefangmß bis zu Sem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

tzMemi räglich, ^.Ku-rrahMe^rr gcnu» und Feier-° tsge.BierrelMrl.

«HneBnngerlohu -x® Lad Bestellgeld in M jättfoa und en«* LärtSlM-bOPs.

• * Werkin, $15. März. Im königlichen Schlosse »u Kiel fand Mittwoch Abend eine größere Tafel statt, an welcher der Kaiser, die Gäste des Prinzen Heinrich, sowie das Offizierkorps des Kreuzers „Deutschland" theilnahmen. — Als Nachfolger des Frhr. von Huene in der Präsidentenstelle der Centralgenoffenschastskaffe wird nach den H. N. in parlamentarischen Kreisen der Ab-, geordnete von Jagom genannt. - Die Budget - komm iss i on des Reichstages wird nach neuerer Be­stimmung die Berathung der Flottenvorlage erst nach der nächsten Woche beginnen. In der nächsten

ss HZerprasidesl v. ^«ttkamee ist auf ] seinem Gute Karzin in Pommern gestorben. | Derselbe war am 5. Mai 1828 zu Frankfurt ( ■a d. Oder als Sohn des Oberpräsidenten v P. geboren und ging im Jahre 1832 als Regierungs- reserendar zur Regierung über. 1859 wurde er -Oberpräsidialrath in Koblenz, 1860 Landraih in Demmin, 1871 Regierungspräsident in Gumbinnen, 1875 Bezirkspräsident in Elsaß-Lothringen und 1877 Oberpräsident von Schlesien. 1879 üver- vahm er das preußisch? Kultusministerium, und als Leiter dieies Ministeriums führte er die neue Rechtschreibung ein. Minister des Innern war rr von 1881 bis 1889. Gerade seine Thatigkeit als Minister des Innern kennzeichnet ihn am meisten. Zum Oberpräsidenten von Pommern wurde der Verstorbene im Jahre 1891 ernannt.

h Die Beschlagnahme deatschsr Schiffe durch die Guglauder wird in einem besondern „Blaubuche" besprochen, das am letzten Mittwoch dem englischen Parlamente zugegangen ist. Haupt­sächlich enthält diese Denkschrift den Schriften- wechsel über die Schiffsbeschlagnahmen Wischen der Berliner und Londoner Regierung. Es geht daraus hervor, daß die Berliner Regierung die deutschen Rechte gewahrt hat; denn der englische Ministerpräsident Lord Salisbury sagt an einer Stelle, er finde die vorausgegangene deutsche Note „schroff". Wirklich schroff ist sie sicherlich nicht gewesen. Sie wird energisch gewesen sein, und diese Eigenschaft sichert ihr schon im voraus den Beifall des ganzen deutschen Volkes zu.

X Kitt Me«es JideiKommitz Gesetz ist für Preußen seit mehreren Jahren angekündigt, aber bis heute noch nicht im preußischen Land­tage eingebracht worden. Jedenfalls wird auch diese Tagung desselben vorübergehen, ohne daß es geschieht. Halbamtlich wird geschrieben: „So wünschenSwerih es auch wäre, wenn sich die Ein­bringung des Gesetzentwurfes während der nächst­jährigen Session des Landtages erreichen ließe, -so ist es doch im gegenwärtigen Zeitpunkte nicht möglich, mit Sicherheit vorauszusagen, ob das der Fall sein wird, oder ob nicht vielmehr die darauf folgende Session abgewartet werden muß." -Ein Gesetzentwurf war nach der halbamtlichen Mittheilung ausgearbeitet worden. Aber er unter­liegt gegenwärtig, nachdem die Gutachten der Prooinzialbehörden darüber eingeholt worden sind, einer Umarbeitung.

+ Das Ileischv-scha» Gesetz wird in dritter Lesung unmittelbar nach der lex Hemtze den Reichstag beschäftigen. Die Sachlage läßt die Annahme sehr wahrscheinlich erscheinen, daß auch in diesem Falle, ebenso wie bei der lex Heintze, in letzter Stunde ein Kompromiß zu­stande kommt, bei dem sowohl die verbündeten Regierungen als auch die Mehrheit des Reichs­tages der anderen Seite einige Zugeständnisse machen. In diesem Falle ist es freilich, wenn die Vereinbarung wirklich zustande kommen soll, nothwendig, daß die Annäherung in der Haupt­sache von den verbündeten Regierungen ausge- füyrt wird. Die Agitation gegen das Zustande kommen des Gesetzes hat einen nicht unbedeutenden

Röschen sträubte sich lebhaft dagegen, in das Haus des ihr so unsympathischen Vormundes zu ziehen.

Als er sein „liebes theures Töchterchen" nach dem neuen Heim geleiten wollte, da erwachte >hr -trotz.

„Ich will nicht Onkel, gewiß nicht; bin ich nicht selbst Herrin meiner Bestimmungen? rief

Erst dem mütterlich liebevollen Zureden Tante AurelienS gelang es, das Mädchen umzustimmen.

Der Gedanke, daß es nicht allzulange dauern konnte, bis der Geliebte ihr eine Heimstätte bot, söhnte sie einigermaßen aus.

Einmal nur war es den Liebenden gelungen, einige ungestörte Worte mit einander zu tauschen. Hermann redete seiner Verlobten liebevoll zu, ihr Vorurtheil — etwas anderes könne es doch nicht fein — tapfer zu bekämpfen, und Böhler, der em großes Ansehen in der ganzen Stadt genieste, mehr Vertrauen entgegen zu bringen.

Rur mit sichtlichem Widerstreben fugte sich Röschen in das Unvermeidliche.

Trostlos öde erschien ihr das Leben seit dem Tode der Mutter. Hätte sie wenigstens an der Seite Waldemars leben können, alles ließe sich leichter ertragen, aber so verlassen, so einsam dahin leben z i müssen, — es war kaum auszuhalten.

Böhler wußte es einzurichten, daß das junge Mädchen äußerst selten das Hans verließ, und wenn es geschah, immer begleitete er es als zärt­lich besorgter Vormund und Beschützer. So sehr sie ihm auch merken ließ, wie zuwider rhc dies sei, er kümmene sich nicht darüm. Unter dreien Umständen ivar natürlich an ein Zusammenti effeir. mit Hermaiui nicht zn denken.

Hauptredner gegen diese Paragraphen waren die Abgg. von ^offmar (svzd.) und WÜlker-Memrngen (fretf. Bolksp.,. Beide Redner bewiesen van neuem, daß sie den Sinn der Paragraphen entweder wirklich nicht verstehen oder nicht verstehen wollen.

Auf diese Thatsache wiesen als Redner der ver­bündeten Regierungen Staatssekretär Mieverding und der bayerische Gesandte Hraf von Aerchenferdvon neuem bin. Beide Redner der Regierungen betonten auch, daß § 184a durchaus nothwendig ist zur Ergänzung des 5 184; denn es müßten unbedingt nicht nur die un­mittelbar unsittlichen, sondern auch diejemgen Dwge ge- tr offen werden, die in anderer Art das Schamgefühl gröblich ve-letzen. Graf Lerchenf.tt. erklärte außer­dem mit ganz besonderem Nachdrucke, daß dre bayerische Steaieiuna auf biefc Ergänzung au^etorbentli$cn jßctu) lege. Daß Richter niemals im Zweifel fein tönnen bei der Unterscheidung der Dinge, aus die es b^rher an­kommt, stellten übereinstimmend die genannten Regierungs- Dettr3lbg. “StoeB« vom Centrum fest. Dieser faßte in packender Rede noch einmal alle Gründe zusammen, dre für die Annahme der Paragraphen sprechen.

Zwei Vertagung santräge wurden abgelehnt, einer um 6 Uhr, ein anderer um 6'/> Uhr. Der erste

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