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mit Nnterhattungs-Mrilage „ZDckrirte Sonntags-Ieitung?

27. Jahrgang.

Iulöa, Montag, den 12. März 1900.

JK 58.

0 Schnöde Unduldsamkeit.

Jeder Zeitungsleser erinnert sich noch des Falles, in dem ein Waisenknabe aus Berlin in dem katholischen St. Joseph-Waisenhause in Potsdam auf übertriebene Art gezüchtigt worden sein sollte. Der Fall beschäftigte zwei­mal das Gericht, und jedesmal wurde durch die Gerichtsverhandlung festgestellt, daß die erfolgte körperliche Züchtigung nicht über das Maaß hinausgehe, das überhaupt in solchen Anstalten üblich sei, und daß überhaupt das Züchtigungs- Techt des Erziehers nicht überschritten wurde. Die Feststellung dieser Thatsache war klar und zweifellos. Aber sie kümmerte diejenigen nicht, die sich heimlich über die vorher verbreiteten falschen Gerüchte von roher Mißhandlung des fraglichen Berliner Waisenknaben gefreut und von vorn herein beschloßen hatten, diese Gerüchte zum Vorwande zu nehmen sür einen Schlag gegen das katholische Waisenhaus in Potsdam und in weiterer Folge gegen die katholische Erziehung katholischer Berliner Waisenkinder überhaupt. Wer nicht glauben will, daß die — wie sie sich nennen — „freisinnigen" Berliner Stadtväter nach diesem System schnöder Unduld- famkeit handeln, betrachte genau die Reihenfolge der nachstehend verzeichneten Thatfachen.

Im Sommer des vorigen Jahres entstanden jene falschen Gerüchte über die angebliche Miß­handlung des Waisenknaben Steiner im Pots­damer Waisenhause. Der Leiter der „freisinnigen" »Berliner Volkszeitung', Vollrath, hielt sofort, ohne eine bestimmte Aufklärung über den Fall abzuwarteu, eine Entrüstungsversammlung ab, in der verlangt wurde, die Berliner Waisenkinder sollten sammt und sonders auS dem Potsdamer Waisenhause entfernt werden. Die Berliner Stadtverordneten-Versammlung ging freudigst auf diese Anregung ein. Kein Mensch dachte daran, das Ergebniß der Gerichtsverhandlung abzuwar- ten; ehe eine solche stattfand, hatte schon am 10. Mai v. Js. besagte Versammlung einen Be­schluß gefaßt, in dem sie den Magistrat von Berlin ersucht, die Berliner Waisenkinder aus dem St. Josephs-Waisenhause in Potsdam heraus­zunehmen. Die Gerichtsverhandlungen kamen und bewiesen, daß jene Gerüchte von der angeb­lichen Mißhandlung des Waisenknaben Steiner durchaus unwahre Dinge behauptet hatten; aber keiner der „freisinnigen" Stadtoäter kümmerte sich darum. Ihnen kam es auf einen Schlag gegen die katholische Erziehung der Waisenkinder an, nicht auf die Ergründung der Wahrheit, nicht auf wahrhaft freisinnige und gerechte Hand­lungsweise. Und so wurde in der Sache weiter gemacht.

Am 2. März d.J, wurde in dem Ersatzaus- schusse der Berliner Stadtverordneten-Versamm­lung die Anfrage gestellt, ob der Beschluß der Versammlung vom 16. Mai 1899 über die Heraus­nahme der Kinder aus dem Potsdamer Waisen­hause zur Ausführung gelangt sei. Darauf

Das Mückskind.

Erzählung von Irene von Hellmuth.

2 ------ Nachdruck verboten.

II.

Weihnachten stand vor der Thür. Frau Ma­thilde faß, ganz in ihre Arbeit vertieft, am Fenster. Aus der ehemals so lebenslustigen, in allen besseren Kreisen der Stadt wohlbekannten Frau, war eine stille, in sich gekehrte, trauernd« Witwe geworden. Sie arbeitete in den letzten Wochen fast zu viel, um ihren und der Kinder Unterhalt zu verdienen.

Einen Augenblick ruhten jetzt die fleißigen Hände, um den Mund irrte ein leises Lächeln, als sie nach den eifrig spielenden Kindern schaute.

Röschen hantirte emsig mit allerlei Puppen­geschirr, indem sie lustig dazu sang:

„Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin. Dann weiß ich, was ich werd'.

Ich werd'eine Köchin, eine Köchin am Herd."

Waldemar der Junge, mit dem blonden Krauskopf, schwang seinen hölzernen Säbel, und siel lachend mit heller Stimme ein:

„Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Weiß ich auch, waZ ich werd'.

Ich werde ein Reiter, ein Reiter zu Pferd."

In diesem Augenblick trat Tante Aurelia, zum Ausgehen gerüstet, ein.

„Faße Muth, Liebste, Du wirst jetzt schaffen müssen. Deinen und der Kinder Unterhalt zu ver­dienen, und ich will Dir gerne dabei behilflich fein."--

„Mathilde," sagte sie, auf die blasse Frau .zutretend, „es ist ein klarer, heller Tag heute;

erwiderte nach dem amtlichen Sitzungs - Berichte des genannten Ausschusses der anwesende Ver­treter des Magistrates, daß von den früher in Potsdam untergebrachten 83 Waisenkindern 38 herausgenommen seien, daß 47, darunter 7 Ge­schwister - Paare, sich noch dort befänden. Die Unterbringung dieser 47 Kinder in katholischer Privatpflege sei nicht möglich gewesen, obwohl — man höre! — die Ansprüche an die Pflege­stellen heruntergesetzt worden seien.

Also hätten es auch schlechte Pflegt stellen sein können, das wäre dem Berliner Magistrat gleichgiltig gewesen, wenn nur die Kinder den katholischen Pflegeschwestern m Potsdam genom­men werden.

Aber alles das genügte dem Etatsausschusse der Berliner Stadtverordnetenversammlung nicht: jener Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 10. Mai 1899 muß dennoch zur Aus­führung gebracht werden, das ist die Ansicht der Mehrheit des genannten Ausschusses; und wenn die katholischen Waisenkinder nicht in katholischer Privatpflege untergebracht werden können, so muß die Erweiterung der städtischen geschlossenen Waisenpflege ins Auge gefaßt, das heißt also, die Kinder müssen in den städtischen Waisen­häusern untergebracht werden — „unbeschadet ihrer katholischen Erziehung", so heißt es in dem von dem Etatsausschusse angenomme­nen Beschluffe. Daß Gott erbarm'! Das müßte eine nette „katholische Erziehung" werden! Die Kinder würden durch diese gewaltsame Unterbringung in den städtischen Waisenhäusern ihrem Glauben entfremdet, sie würden prote­stantisch gemacht oder allem Christen­glauben vollkommen entfremdet werden; das würde und müßte die unausbleibliche Folge dieses Beschlusses sein, wenn dieser auch von der Gesammtheit der Stadtverordnetenversamm­lung angenommen werden sollte, auf deren Tages­ordnung diese Frage am Donnerstag, den 15. März steht.

Dieser Beschluß würde aber auch den ge­setzlichen Bestimmungen über die Erziehung der Kinder widersprechen, wonach jedes Kind die Erziehung erhalten soll, die dem Glauben seiner Eltern entspricht. Und somit würde es zur Pflicht der Staatsregierung werden, sich dieser Angelegenheit zu bemächtigen, wenn die Stadtverordneten-Versammlung und nachher auch der Magistrat der Stadt Berlin dem Be­schlüsse des Etatsausschusfes beitreten sollten.

Durch das ganze Reich aber muß der Fall bekannt werden zur Beleuchtung und Kennzeich­nung der Gewaltthätigkeiten, die der so­genannte Berliner „Freisinn" gegen die Ber­liner Katholiken sich erlaubt. Diesen schlagenden Thatfachen gegenüber wird jede Redens­art, als wolle man niemals etwas thun, das wie eine Handlung gegen die katholische Konfession aussähe, zur elenden Heuchelei!

Deutsches Deich.

Berlin, den 10. März.

h, Aöß. Dr. Kieker hat am heutigen Sams­tag zum ersten Mal das Bett verlassen können.

ich gehe aus, um einige Freundinnen zu besuchen, willst Du, daß ich die Kinder mitnehme? Ich dächte, es würde ihnen gut thun, ein wenig frische Luft zu schöpfen."

„Röschen kann allenfalls mit Dir gehen," erwidert« jene, „Waldemar klagte heute über Schmerzen im Hals, und soll deshalb im Zimmer bleiben."

„Ach Mutter, wenn Waldi nicht mitgeht, bleibe ich auch da, sonst ist er ganz allein," meinte Röschen treuherzig.

„Geh Du nur mit," entschied die Mutter, „Ihr kommt ohnehin jetzt zu selten hinaus. Waldemar bleibt schön bei mir, nicht wahr, mein Jungchen?"

Der Kleine nickte, aber doch traten ihm die Thränen in die blauen Augen, als sein Schwester­chen, ihm die Hand reichend, sagte: „Ich komme ja bald wieder, Waldi, dann spielen wir weiter."

Er wäre doch gar zu gerne mitgegangen, nun fühlte er sich so einsam, die Mutter saß meist still bei ihrer Arbeit und weinte wohl nicht selten, seit der Vater tobt war.

Waldemar eckte an das Fenster, drückte das Stumpfnäschen platt an die Scheiben, und schaute traurig den sich Entfernenden nach, bis sie seinen Blicken entschwanden.

Tante Aurelia schritt, Röschens kleine Hand in der ihrigen, eilig vorwärts. Die Wintersoune lag grell auf dem frisch gefallenen Schnee, der wie Diamanten glitzerte, und blendete fo die Augen, daß man sie fast nicht aufschlagen konnte.

Einige Straßen hatten die beiden schon durch­schritten, als Röschen plötzlich stehend bleibend, lebhaft ausrief: „Ei, sieh doch mal, Tantchen,

Die Aerzte gestatteten ihm, eine Stunde außer­halb des Bettes zuzubringen. Die Nahrungsauf­nahme ist bei gutem Appetit reichlich, und die Kräfte heben sich beständig.

* liebet die derrtscherr Kokome« als Der kaufsovjekt berichtet die ,Rhein. Wests. Ztg/, daß aus einem sehr hohen Munde das Wort ge- allen ist: „ach, wenn uns die Kolonien zu chwierig werden, dann verkaufen wir sie und nehmen dafür die Levante." — Die ,Rhein. Wests. Ztg/ beruft sich auf diesen Ausspruch als Beweis dafür, daß die deutsche Regierung „von England bezw. einer englandfreundlichen Gruppe n Deutschland planmäßig dahin gedrängt wird, die Reibungsfläche mit England zu ver­mindern und künstlich Reibungsflächen mit Rußland zu schaffen, welche uns in letzter Stunde in einen Krieg mit Rußland treiben müffen." Zur Gewißheit sei diese Politik geworden, „seitdem der Ausbruch des Krieges zwischen England und den Buren in erschreckender Deutlichkeit geoffenbart hat, daß Deutschland das Marschall'sche Gleichgewicht in Südafrika preis­gegeben, die Buren den Briten überlassen und damit seine eigenen Kolonien in Südwestafrika und Ostafrika vollkommen aufgeopfert hat."

* Zur GemeidewaHkvorkage hat der Abg. Freihr. v. Zedlitz in der Kommission den Antrag eingebracht, daß bei der Bildung der Wahlab- theilungen außer der mehr als durchschnittlichen Steuerleistung zur Zuweisung in die zweite oder erste Abteilung erforderlich sind die Veranlagung zur Staatseinksmmensteuer zu einem Steuersätze in Berlin von 192 Mk., in Gemeinden mit mehr als 100,000 Einwohnern von 146 Mark, von 50,000 bis 100,000 Einwohnern von 104 Mark, von 10,000 bis 50,000 Einwohnern von 70 Mk.

* Die Audgelkommiffio« des Avgeord «eteuhanses hat am Freitag Abend den Etat der Ansiedelungskommission erledigt. Bei den Verhandlungen wurde darauf hingewiesen, daß der im Vergleich zur Erwerbung der Güter aus polnischer Hand und der verhältnißmäßig große Ankauf von Gütern aus deutscher Hand nicht der Absicht des Gesetzes entspreche und außerdem der Ankauf aus potenter Hand zu einer ungerechtfertigten Steigerung der Grundstücks­preise führe. Seitens der Regierung wurde selt­samer Weise erklärt, daß das Gesetz nicht den Ankauf aus polnischer Hand fordere, und daß die Regierung daher freie Hand habe. Gegenüber Beschwerden von katholischer Seite er­widerte die Regierung, daß eine ungleiche Be­handlung von Katholiken und Evangelischen bei der Ansetzung von Ansiedlern sowohl der Ver- faffung als dem Gesetz widerspreche, und daß eine solche Tendenz nicht bestehe. Die Schwierig­keit liege in der Pastorisirung der deutschen Katholiken. Gegen den Wunsch der Regierung, daß die Ansiedler Geistliche aus ihrer Heimath erhalten, habe der Erzbischof namentlich kirchen- rechtliche Bedenken gehabt. Neuerdings sei der Erzbischof bereit, solche Geistliche zuzulaffen, wenn die kirchlichen Oberen damit einverstanden sind.

+ Der Gesetzentwurf über die DerHülmrH von KochwassergefaHreir in Schlesien ist dem preußischen Abgeordnetenhause zugegangen.

was ist denn da? Dort, ich meine, — wo die vielen Leute sind!"

Sie deutet« auf eine Gruppe von Menschen, die theils aus Neugierde, thells aus Theilnahmr einen ärmlich gekleideten Mann umstanden, der, wie es schien, vor Ermattung oder Schwäche auf einem Haufen Schnee niedergesunken war. Es mochte ein Hausirer fein, wenigstens berechtigte ein neben ihm stehendes, vielbenütztes, schwarzes Lederköfferchen zu dieser Annahme.

Auf dem Boden zerstreut lagen verschiedene Papiere, anscheinend Loose, die jedenfalls dem Manne aus der Hand geglitten waren.

In dem Augenblick, als Tante Aurelia mit Röschen herzutrat, kehrte dem armen Bedauerns- werthen die Besinnung zurück. Sein erster Blick galt den am Boden zerstreut liegenden Papieren, und mit dem Rufe: „Ach Gott, ach Gott, meine Loose, auch das noch," — wollte er den werth- vollen Besitz eiligst zusammenraffen, allein er taumelte und fiel kraftlos zurück, stöhnend und jammernd.

„Beruhigt Euch, armer Mann," meinte einer der Umstehenden mitleidig, „es soll keines ver­loren gehen."

„Euch ist gewiß unwohl?" fragte ein anderer, „Ihr seht so krank und elend aus."

„Ich habe heute noch keinen Biffen gegeffen, Herr, daher wurde mir vorhin fo schwach, daß ich nicht weiter konnte, dazu die Kälte," klagte der Aermste traurig.

„Nun lauf ich feit heute früh ununterbrochen von Haus zu Haus, ohne auch nur einen Pfennig verdient zu haben. Niemand will kaufen von mir, und zu Haufe, da warten sieben hungrige Kinder

Nach dem ersten Paragraphen dieses Gesetzen!» wurfes sollen die Lausitzer Neiße, der Bober, die Katzbach, die Wetstritz, die Glatzer Neiße und die Hotzenplotz, soweit re zur Provinz Schlesien gehören und nicht schiff- rar sind, nach den Vorschriften dieses Gesetzes ausgrbaut und unterhalten werden. Unter „Aus­bau" sind nach 8 2 zu verstehen „Maßnahmen jur ordnungsmäßigen Herstellung des Bettes und der Ufer des Wasserlaufes, soweit sie zur regel­mäßigen Hochwafferabführung sowie zur Ver­hinderung der Geschiebebitdung erforderlich find, sowie zur nothwendigen Freilegung des für den regelmäßigen Hochwafferadfluß wesentlichen Ge­bietes, und geeigneten Falls die Errichtung von Anlagen zur Zurückhaltung des Waffers." Der erstmalige Ausbau erfolgt durch den Pro­vinzialoerband. Die Pflicht zur Unterhaltung der im § 1 bezeichneten Wasserläufe geht in ihrem ganzen Umfange auf den Prooinzialverband über. Der Ausbau und die Unterhaltung ist der Aufsicht des Staates unterworfen. Zu den Kosten des erstmaligen Ausbaues trägt der Staat vier Fünftel bis zum Höchstbetrage von 31,312,000 Mark, der Provinzialoerband ein Fünftel bis zum Höchstbetrage von 7,828,000 Mark. Die Gesammtkosten sind in der Vorlage auf 39,140,000 Mark berechnet.

/, Derli«, 11. März. Der Kaiser wohnte gestern in Wilhelmshaven der Vereidigung der Marine-Rekruten bei. — Der Kaiser gedenkt erst am nächsten Freitag nach Berlin zurückzukehren. Er besucht auch Bremen und wird alsdann in Kiel der Taufe des Sohnes des Prinzen Heinrich beiwohnen. Für das Frühjahr ist der ,Post' zufolge eine Reise des kaiser­lichen Paares nach Homburg beabsichtigt, wo die Kaiserin mit ihren Kindern längeren Aufenthalt zu nehmen gedenkt. — Wie alljährlich, wird auch in diesem Frühjahr der Kaiser und die kaiserliche Familie eine Zeit lang auf Schloß Urville zubringen. Der Be­such wird vom 15. bis 27. Mai dauern und die Feier des Himmelfahrtsfeftes, wie schon seit mehreren Jahren, mit umfassen. Während der Anwesen^ heit des Kaisers werden voraussichtlich die Grund­steinlegungen für die protestantische Sladtkirche und für den neuen Centralbahnhof in Metz erfolgen. — Die Königin-Regentin von Spanien hat an Kaiser Wilhelm eine Dankadreffe für die überaus herzlichen Ausdrücke deS Toastes und die freundliche Aufnahme der spanischen Abordnung gelangen lassen. — Der Kaiser hat einen neuen künstlerischen Schmuck für den Thiergarten bestimmt. Bon Professor Rudolf Siemering, der s. Z. das große Washington- Denkmal sür Philadelphia geschaffen -hat, waren die Modelle dieses Werkes dem Staat als Geschenk über­wiesen worden; das Reiterdenkmal kam vor Jahren ein­mal in der Skulpturenhalle des Eisenpalastes am Lehrter Bahnhof zur Ausstellung. Auf der Terrasse des Denk­mals lagern, wie man sich erinnern wird, eine Reihe malerischer Gestalten, wie Elche, Hirsche, Büffel, Rinder und dergleichen. Diese Figuren sollen nun auf An­ordnung des Kaisers in Bronze gegossen und rings um den Floraplatz im Thiergarten auf niedrigen Posta­menten aufgestellt werden. Diese Angelegenheit bildete den Gegenstand der Besprechung, die der Kaiser gestern in Gegenwart des Ministe s Dr. Studt und des Professor Siemering mit dem Thiergarten-Direktor Gettner hatte.

* München, 10. März. Wie die Münchener Neuesten Nachrichten' mittheilen, richtete der Präsi­dent des Reichstages, Graf Batlestrem, an den Vorsitzenden der Protestversammlung Dr. Hirth ein Schreiben, welches besagt, daß der Protest der Münchener Künstler lex Heintze wegen des beleidigenden Inhalts des Protestes sich zur geschäftsmäßigen Behandlung im Reichs-

und ein armes, krankes Weib sehnsüchtig auf mich. Nun muß ich wieder mit leeren Händen heim und sagen, ich habe nichts, rein nichts ver­dient, kann euch deshalb fein Brod mitbringen. Das Klagen und Weinen zerreißt mir das Herz, es ist zu viel, zu viel, o arm«, arme Kinder."

Der Mann im zerlumpten Kittel hatte die Hände vor das Gesicht geschlagen, und große Zähren rannen ihm in den struppigen, ergrauenden Bart.

Aus's tiefste ergriffen von solchem Elend, das hier so sichtlich zu Tage trat, umstanden alle eine Weile den heftig schluchzenden Alten.

„Ihr sollt heute nicht ohne Brot heimkehren." sagte ein Mann in Arbeiterkleivung. Indem er sich an die andern wandte, fuhr er fort: „Wir wollen dem Unglücklichen seine Maaren abkaufen, jeder trage nach seinen Kräften zur Linderung dieser Roth bei."

Ein anderer hatte bereits die sämmtlichen Loose vom Boden aufgelesen, und hielt sie den übrigen Umstehenden entgegen, indem er lachend jedem zurief: „Lauter Treffer, meine Herrschaften, lauter Treffer, wer kauft? Wer hat noch Lust? Hier thut man ein gutes Werk."

„Wir wollen auch so einen Treffer haben, aber den Haupttreffer, Röschen, Du ziehst für mich ein Loos," fagte Tante Aurelia heiter. Als das Kind ihr das ausgewählte Papier übergab, legte sie lächelnd ein blankes Zweimarkstück in die kleine Hand. Röschen brachte es eilig dem glückstrahlen­den Mann, dessen Schmerz sich rasch in Freuden- thrünen aufgelöst hatte.

Im Nu war auch alles andere verkauft, was vorher niemand haben wollte, Hosenträger, Porte-