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Juköa, Samstag, den 10. März 1900.
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Deutsches Deich.
Berlin, den 9. März.
x Züeichskavzker Dürft Kohevlotze und -sein Verbleiben im Amte war in parlamentarischen Wandelhallengesprächen das hauptsächliche Thema am letzten Donnerstag und zu Beginn der Sitzung des Reichstages auch noch am heutigen Freitag; und das hatte das Fleischbeschau-Gesetz gemacht, dem im Anfänge feiner Entwickelungsgeschichte niemand eine solche folgenschwere Gewalt zugetraut hatte. Namentlich, als am Donnerstag bekannt wurde, daß der Kaiser beim Reichskanzler vorgefahren war zu einem längeren Besuche, nahmen die allerhand Vermuthungen sehr verschiedenartige Gestalt an. Die Fleischbeschau war, wie bekannt, durch einige Zeitungsäußerungen mit der Flottenvorlage verquickt worden; und es war nun bei vielen die Annahme entstanden, wenn die Regierung nicht die Kommissionsvor- schlüge in der Fleischbeschau annehme, werde durch einen Theil der Rechten die Flottenvorlage zu Fall gebracht werden. All' diese Gerüchte — „Foyer-Klatsch" würde Herr Eugen Richter sagen! — waren grundlos, wie sich nunmehr gezeigt hat: aus den Erklärungen des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe und des Staatssekretärs Grafen Posadowsky am heutigen Freitag im Reichstage geht hervor, daß diese Spitzen der Reichsregierung bestimmte Gegner des Einfuhrverbotes für ausländisches Fleisch sind und daß Fürst Hohenlohe für denselben Standpunkt auch den Kaiser gewonnen hat. Der Reichskanzler hat also keine Veranlassung zum Rücktritte von seinem Amte, und das Ende vom Liede wird wieder ein Kompromiß sein zwischen zweiter und dritter Lesung, dem das Einfuhrverbot zum Opfer fallen wird. Taß die Konservativen die Fleischbeschau und die Flottenvorlage mit einander verquicken wollen, hat am heutigen Freüag Abg. Freiherr v. Wangenheim entschieden in Abrede gestellt.
0 Abg. ZS. Reichert ist, wie schon telegraphisch gemeldet, gestorben, ein langjähriges Mitglied des Centrums im badischen Landtage und auch im Reichstage, in dem er den 7. badischen Reichstags.Wahlkreis Kehl-Offenburg vertrat. Der Verstorbene war am 23. März in Duttinqen (Würltemberg) geboren und gehörte dem Reichstage seit dem Jahre 1889 an. Sein biederes urd liebenswürdiges Wesen und seine eifrige Thätigkeit für die Sache seiner Grundsätze sichern ihm ein bleibendes und ehrenvolles Andenken in denKreisen, denen er nahe stand. R. I. P.
• Are Schifföarmachttttg des RHeius vis Aehk Straßv«rg wird vermuthlich zur Thatfache werden. Es schweben noch Verhandlungen zwischen Baden, Bayern und der Regierung von Elsaß-Lothringen; aber nach einer halbamtlichen Meldung darf man annehmen, daß diese Verhandlungen zu einer Einigung führen werden.
Aas Glückskind.
Erzählung von Irene von Hellmuth.
------ Nachdruck verboten.
I.
Heulend fuhr der Herbstwind durch die Straßen 'der Stadt, er rüttelt an den Fenstern, daß sie leise klirrten, und riß unbarmherzig die letzten gelben Blätter von den Bäumen, so daß diese die völlig kahlen Aeste wie klagend emporstreckten zum nachtschwarzen Himmel, an dem kein einziger Stern sich zeigen wollte.
Wer nicht nothgedrungen hinaus mußte, der blieb im schützenden Hause. Jetzt hatte der wüthende Sturm einen lockeren Fensterladen erfaßt, und schleuderte denselben mit solcher Gewalt gegen die Mauer des Hauses, daß der Kranke drinnen im Zimmer erschrocken aus seinem Halb- fchlummer erwachte und sich mühsam ein wenig im Bette aufrichtete.
Vor demselben lag auf den Knieen ein noch junges Weib, die Hände wie krampfhaft verschlungen ; den Kopf hatte sie an den Bett pfosten gelehnt, und man sah es, wie ein schmerzliches Schluchzen den Körper erbeben machte.
„Mathilde," sagte der Kranke mit matter Stimme, „bist Du bei mir?"
Eine kleine Pause entstand, die An geredete hob ein wenig den Kopf, indessen der Leidende fortfuhr: „Es war gut, Mathilde, daß Du unfern guten Pfarrer rechtzeüig zu mir gerufen hast. Seitdem ich meine Rechnung mit dem Himmel geordnet habe, fühle ich mich ruhiger und wohler.
X Ein ,,KeivHe ZL«vd" ist in allem Ernste von dem Schriftsteller Max Halbe in einer Münchener Versammlung vorgeschlagen worden, die gegen das Zustandekommen der lex Heivtze Widerspruch erhoben hat. Wer war nun Heintze? Das war einer der wüstesten und widerlichsten Berliner Zuhälter, deffen verbrecherisches Treiben zuerst den Anstoß gab zu der Entstehung der lex Heintze. Und Herr Mox Halbe will nun einen Bund gründen, der sich nach einem Scheusal benennt . . . Man sieht, diese Versammlungen gegen das Gesetz geben das allerbeste Material für dasselbe ab!
+ Die ZLaHnvattte« i« HftafriKo, deren Etat auf den Antrag des Abg. Richter vom Reichstage an die Budgetkommission zurück- oerwiesen wurde, standen in der heutigen (Freitags-) Sitzung dieser Kommission auf der Tagesordnung. Die Kommission wurde dabei durch ostafrikanischen Kaffee und Zigarren von derselben Abstammung erquickt. Die Regierung hatte einen Pflanzer aus Ostafrika hinzugezogen, der über verschiedene der einschlägigen Verhältnisse Auskunft gab, im Allgemeinen, wie man sich denken kann, alles in recht angenehmen Farben erscheinen ließ. Heute handelte es sich zunächst um die Usambara-Bahn. Als wesentlichen Punkt führte Kolonialdirektor von Buchka an, daß die Bahnen nicht etwa wegen der Plantagen gebaut werden sollen, sondern um das Land überhaupt erst zu erschließen. Der Abg. Richter beantragte, die 72 000 Mk. für den Weiterbau der Bahn von Korogwe bis Mombo zu streichen. Abg. Müller-Fulda (Ctr.) empfahl, doch erst noch ein wenig die Entwickelung der wirthschaftlichen Verhältnisfe abzuwarten, ehe man die Bahn weiterbaue. Abg. Gröber (Ctr.) sprach gegen die von anderer Seite empfohlene Maßregel, die Pflanzer zu den Kosten der Bahn heranzuziehen. Man müsse doch wünschen, daß sich kleine Leute als Pflazer in Usambara nieder lasten, und diese könnten doch neben dem eigenen großen Wagniß ihres Unternehmens nicht auch noch zu den Lasten der Bahn herangezogen werden. Abg. Prinz Arenberg bezeichnete die bisherige Entwickelung in Usambara als durchaus befriedigend. Auf den Antrag des Abg. Gröber wurde die Abstimmung über den Antrag Richter auf Absetzung von 72000 Mk. bis zur Entscheidung über die geforderte Centralbahn ausgesetzt und sodann die Weiterberathung auf nächsten Dienstag vertagt.
♦,* Aerkin, 9. März. Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich heute Vormittag nach Char- lottenburg, um am Sterbetage Kaiser Wilhelms I. im dortigen Mausoleum einen Kranz niederzulegen. Nachmittags besuchte der Kaiser die kgl. Porzellanmanufaktur, um dort dre für die Pariser Weltausstellung bestimmten Gegenstände der Manufaktur sowie für denselben Zweck bestimmte Gegenstände der Bernstetnproduktion und -Industrie zu besichtigen. — Heute Abend um 10 Uhr 15 Min. beabsichtigt der Kaiser sich nach Wilhelmshaven zu begeben. Unterwegs wird der Kaiser morgen den Ecbgroßherzog von Oldenburg in Oldenburg besuchen. — Der Bundesrath hält am kommenden Montag eine besondere Sitzung ab zur Erörterung der Deckungsfrage bei der Flottenvorlage. Die leitenden Minister der Einzelstaaten werden dazu in Berlin ein! reffen. — Miquels Ausführungen in der Tischrede auf dem Festmahl des deutschen Landwirthschastsraths waren, wie die .Deutsche Tageszeitung" sich ausdrückt, „so klug", daß sie nach keiner Richtung hin erwähnens-
Die liebevollen Worte des Pfarrers haben mich gestärkt und getröstet. Aber ich wünschte doch, daß die Nacht schon vorüber wäre, die schreckliche Nacht, wo man sich so verlassen fühlt, so einsam, wo der Schlaf die brennenden Äugen flieht; ich meine, es stirbt sich viel leichter an einem sonnenhellen Tage, als in solch' finsterer, entsetzlicher Sturmnacht."
„Sprich nicht vom Sterben, Eduard," flehte schaudernd die Frau, indem sie das thräuengebadete Gesicht dem Gatten zukehrte, „Du sollst. Du darfst nicht sterben — jetzt nicht, wo ich eingesehen habe, wie viel mir gut zu machen bleibt — und wie vieles ich verschulde! habe."
Der bleiche Mann schüttelte traurig das Haupt: „Ich fürchte, es ist zu — spät — Thilde, — zu spät."
„Du darfst nicht sterben, Eduard," wiederholte jammernd die der Verzweiflung nahe unglückliche Frau.
„O hättest Du doch früher, vor Jahren schon, auf meine Bitten gehört, Mathilde, freilich, ich trage auch einen Theil der Schuld, ich — ich war zu schwach, zu nachsichtig Dir gegenüber, — allein, meine Liebe war zu groß, ich konnte Dich nicht traurig sehen,--und traurig wurdest
Du jedes Mal, wenn ich Dich bat: Schränke Deine Ausgaben ein ich kann unmöglich so viel verdienen, als Du brauchst, wir müffen sparen. Du warst in LuxuS ausgewachsen und hattest nie den Werth des Geldes gekannt, ich glaubte aber. Du würdest sparen lernen,--Du lerntest es
leider nie — nie.".
Der Kranke hielt erschöpft inne und fuhr mit der bleichen schmalen Hand über die Augen.
werth sind".— Der Abg. Prinz v. Arenberg hat im Abgeordnetenhause folgenden Antrag zu der zweiten Elatsberathnng eingebracht: Das Haus der Abgeordneten wolle beschlieeßen: die königliche Staatsregierung zu ersuchen, in den nächstjährigen Etat das Gehalt der Eisenbahnbetriebssekretäre mit 1500 bis3300 Mark und einer Aufsteigefrist von 18 Jahren einzustellen. — Der Minister des Innern hat dem Komitee für den Luxuspferdemarkt in Marienburg die Erlaubniß ertheilt, in Verbindung mit dem diesjährigen Pferdemarkte eine öffentliche Verloojung von Pferden Wagen und anderen Gegenständen zu veranstalten und die Loose in der ganzen Monarchie zu vertreiben.
Aus -em Reichstage.
163. Sitzung vom 9. März 1900.
Die zweite Berathung des Ileifchveschau-Heletzes und zwar zunächst über die Paragraphen 1, 2 und 14a bis 14 d wird fortgesetzt.
Die Regierung lehnt das von der Kommission des Reichstages vorgeschlagene Einfuhrverbot für ausländisches Fleisch ab — das war der Inhalt der Erklärungen, die heute (Freitag) vom Reichskanzler Dürfte« Koheutotze und Staatssekretär Grafe« Wo- sadowskq im Reichstage abgegeben wurden. Die beiden Erklärungen unterschieden sich nur dadurch von einander, daß diejenige des Grafen Posadowsky eingehüllt war in das Gewand einer längeren und formvollendeten Rede, die mit allerhand Zukunftsverheißungen für die Landwirthschaft angefüllt war, diejenige des Fürsten Hohenlohe aber sich durch eine gewisse Schroffheit der Kürze auszeichnete. Nach der Erklärung des Staatssekretärs, die derjenigen des Reichskanzlers vorausging, entstand im Hause eine so lebhafte Unterhaltung und Unruhe, daß längere Zeit hindurch die nachfolgenden Aussührnngen in dem wogenden Meere der Töne vollkommen untergingen. Man hatte aus eine Erklärung vom Regierungstische aus eben schon lange gewartet; und nun bildeten sich zahlreiche Gruppen von Abgeordneten, die die soeben ergangene Miltheilung des Grafen Posadowsky besprachen.
Gegen die Kommisfionsvorschläge sprachen die Abgg. Dr. ^achnicke (fieis.Bzg.) und Fischbeck (freis. Volksp.) und der hamburgische Bevollmächtigte zum Bundesrathe, Senator Dr. Aurcharb, für dieselben die konservativen Abgeordneten Graf Kanitz und Ireiherr t>. Wangenheim und der natlib. Abg Dr. Waasche.
Ireiherr v. Wangenheim wies die Unterstellung zurück, als hätten die Konservativen die Absicht, Schacherpolitik zu treiben und die Flottenvorlage nur bann zu bewilligen, wenn die Regierung ihnen in der Fleischbeschau nachgebe.
lieber die Paragraphen 1, 2 und 14a wurde namentlich abgestimmt, Paragraph 1 (Untersuchung vor und nach der Schlachtung) wurde einstimmig angenommen.
Paragraph 2 (Hausschlachtungen) wurde nach dem Vorschläge der Kommission mit 2 9 gegen 75 Stimmen angenommen, und Paragraph 14a, der eben das Einfuhrverbot enthält, mit 168 gegen 99 Stimmen.
Die übrigen Paragraphen, die zur Debatte standen, also §§ 14a, 14c und 14d, wurden ebenfalls angenommen und sodann die Weiterberathung auf Samstag 1 Uhr vertagt.
Aus dem ßandtage.
<gf> ASgeard»ete«ha«». — 42. Sitzung v. 9. März 1900,
Die Berathung des Kultus-Etats >irb fortgesetzt beim Kapitel „Sberkirchenrath", das fast ohne Debatte bewilligt wirb.
BeibemKapitel „Evangelische Konsistorien" entwickelt sich eine längere Debatte, zunächst wegen ber vom kons Abg von chölichen angeregten Errichtung einer zweiten Generalsuperintenbentur für Schlesien, sv- bann wegen des vom freis. Abg. Virchow angeschnittenen „Falles Weingart".
Es handelt sich dabei, wie bekannt, um die Absetzung eines protestantischen Predigers dieses Namens in Hannover. Der Itnttnsminiker weist darauf hin, daß es sich dabei um ein rechtskräftiges Urtheil handelt.
Die Fra« rang die Hände, eine wahnsinnige Angst sprach deutlich genug aus ihren bleichen Zügen.
„Aber jetzt, — jetzt werde ich es lernen, mein Eduard! Werde mir nur wieder gesund, und Du sollst sehen, was ich alles vermag. Ich will gar keinen einzigen Dienstboten mehr, will arbeiten Tag und Nacht, das Härteste will ich ohne Murren vernichten, nichts soll mir zu schwer sein, — und wenn wir recht sparen, werden wir bald wieder in die Höhe kommen, glaube mir, ich werde alles daran setzen, Dich zufrieden und glücklich zu sehen." —
Ein verklärtes Lächeln zog über das blasse Gesicht des Kranken bei diesen hastig hervorgesprudelten Worten. Indem er die Hände faltete, stahl es sich leise, wie ein Gebet von den blutleeren Lappen:
„O wie schön, — mit solcher Aussicht — ja, — da möchte ich wohl gerne wieder gesund werden, so oft ich mir früher auch gewünscht habe, — zu sterben, — weil ich mir sagen mußte, daß wir dem unvermeidlichen Ruin entgegen gehen."
Es war, als ob plötzlich der sieche Körper dem starken Willen gehorchte: viel kräftiger, als man erwarten durfte, richtete sich der Mann im Bette auf, reichte der Frau die Hand und sprach in sanftem Tone:
„Weißt Du noch, Mathilde, wie glücklich wir waren, als vor nunmehr bald acht Jahren unsere Kinder geboren wurden?"
Die Angeredete nickte, unter Thränen lächelnd.
Der Mann aber fuhr fort: „Ich war so stolz auf das herzige, allerliebste Zwillingspaar, daS just in der heiligen Nacht, als die Glocken hehr
27. Jahrgang.
Es sprechen darüber in langer Reihe bie Abgg. Stockmann freikons ), Dr. Marty (freis. Berg), Schalk (kons ), Imckenverg (natl), Waurhoff (natl.), Mrchow (freis. Bp ).
Aus ber Debatte zieht ber Abg. Schalk, ber selbst protestantischer Prediger ist, ben für ihn bedauerlichen Schluß, baß nicht einmal die im Abgeordnetenhause als Mitglieber besselben anwesenden protestantischen Geistlichen über ben Fall Weingart einig sind. (Es handelt sich bei diesem Falle, wie bekannt, um eine Grundlehre des Cbristenlhums, um die Lehre von der Auferstehung. Red.) Weingart, so schließt Abg Schall, fei im höchsten Grabe intolerant gegen die positiv Gläubigen gewesen. — Das Kapitel wirb daraus bewilligt.
Bei dem Kapitel „Katholische Geistliche und Kirchen" tragen die Centrumsabgg. Schwarze und Schmidt-Warburg sehr begründete Beschwerde vorüber mangelhafte Unterhaltung von katholifchen Pfarrhäusern und geringe Besoldungen einzelner Kaplanstellen — ein schon so oft und doch noch immer fruchtlos im Abgeordnetenhaus gerügte: Fehler.
Ministerialdirektor Schwarhüopf sagt Prüfung ber Beschwerben zu
Dieses Kapitel wird bewilligt, ebenso die folgenden Kapitel „Provinzialschulkollegien" und „Universitäten" nach unbedeutender Debatte Bei bem letztgenannten Kapitel regt der natl. Abg Di. Aöttinger die Einführung eines chemischen Staatsexamens an, bei dem bie Zulassung von dem Vorhandensein eines Abr- turientenzeugnisses abhängig sein müsse.
Ministerialdirektor Atthoff gibt darauf bie auS- weich nbe Antwort, baß das Thema schwierig und nicht im Handumdrehen zu lösen sei.
Am Sonnabend wird die heutige Berathung fortgesetzt.
und feierlich das schönste der Feste einläateten, zur Welt kam. Ich hatte den Christbaum angezündet, die strahlenden Kerzen beleuchteten hell die zarten Gesichtchen, — Du aber riefst erschrocken, daß das nicht tauge sür so junge, des Lichtes, ungewohnte Augen und schlangst besorgt ein Tuch um die zarten Köpfchen."
Aus den Augen des Kranken brach em warmer Strahl, aber die Stimme klang viel leiser, viel angestrengter, als er auss neue begann:
„Weißt Du noch, wie jedermann die Geburt der Kinder in solch feierlicher Stunde als em gutes Zeichen pries, und den Kleinen daraufhin eine glückliche Zukunft verhieß? — Weißt Du's noch?'
Wiederum nickte Mathilde, dem Gatten dte Hand drückend. ,,
„Damals ja, — damals war tch glücklich, und hätte mit keinem Fürsten der Welt tauschen mögen. Das Geschäft blühte und Du, - Du hattest mir versprochen, eine sparsame, tüchtige Hausfrau werden zu wollen, — daß Du es nicht wurdest, — ich will Dir heute keinen VorwM daraus machen, aber alles könnte anders und besser sein, — hättest Du damals Wort gehalten. Das angesehene Kausmannshaus Mahleru.Eo.— es würde heute ganz anders dastehen vor der Welt, ich könnte sorgenloser meine Augen schließen, aber so, ich laste Euch nur wenig zurück, wenn ich — sterben muß, — dies ist es, was mm so unendlich schwer auf der Seele lastet, daß ——
„Du sprichst zu viel, Ede," unterbrach Ma- thilde den Gatten, „das strengt Dich zu sehr an, komm jetzt zur Ruhe. Einige Stunden Schlat werden Dir gewiß gut thun, ich hole nun dre Kinder bei Aurelia, und bringe sie zu Bett.
Ausland.
* Atom, 9. März. Der Papst empfing heute früh viele ausländische Pilger, darunter auch solche aus Preußisch-Schlssien. Ansprachen wurden bei dem Empfange nicht gehalten.
* London, 9. März. Die Aktien- und Privatbanken wurden vom Schatzkanzler eingeladen, heute Nachmittag mit ihm in der Bank von England zu einer Besprechung über die Kriegsanleihe zusammen zu kommen, die wahrscheinlich morgen angekündigt werden wird.
* Wie«, 9. März. Heute Vormittag fand ein Ministerrath statt, in welchem angeblich sehr wichtige Beschlüsse gesaßt worden seien, daß sich der Reichsrath nicht weiter arbeitsfähig zeigen sollte. In Jungtschechenkreifen verlautet gerüchtweise, eS sei eine Militär-Diktatur geplant. — Das Abgeordnetenhaus wählte den Jungtschechen Dr. Czasek mit 168 gegen 56 Stimmen zum zwetten Vizepräsidenten. Der größte Theil der Linken sowie die Sozialdemokraten hatten sich der Wahl enthalten.
* Sofia, 9. März. Der Fürst von Bulgarien hat mit seinen Versuchen, di« Königswürde zu erlangen, wieder einmal kein Glück gehabt. Die bulgarische Regierung läßt daher in der ,Pol. Korr.' erklären, sie habe gar nicht daran gedacht, gegenwärtig die Unabhängigkeitserklärung Bulgariens zu betreiben. Solange eine solche Aktion nicht alle Chancen des Erfolges darbiete, solange insbesondere nicht die Zustimmung aller der in Betracht kommenden auswärtigen Faktoren zuverlässig erwartet werden könne, werde eine derartige Aktion den Lenkern Bulgariens nicht verlockend erscheinen.