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27. Jahrgang.

IuLöa, Mittwoch, den 7. März 1900.

«HL 54

18

Coggle zurücklassen. In jener Nacht versprach mir Hanna Porter, eine bescheidene Freundin meiner Familie, auch meinem armen Kinde eine Freundin zu sein, und sie hat ihr Versprechen treu gehalten. Aber gnädige Frau, nun kommt das Merkwürdigste der ganzen Geschichte. In derselben Nacht, nachdem ich das Haus verlassen, fügte es die göttliche Vorsehung, daß ein anderes Kind denselben Händen übergeben wurde. Es war das aus dem Davement'schen Hause. Durch verschiedene Umstände hervorgerufen, entstand über die Identität beider Kinder zwischen Frau Coggle und ihrer Dienerin Streit. Als ich gerade im Begriffe war, mein Kind — Jahre waren in­zwischen vergangen — von Frau Coggle zurückzu­holen, wurde ich bei der Erfüllung einer heiligen Pflicht von unfern Verfolgern überrascht, und ins Gefängniß geworfen. Dort blieb ich zehn Jahre. Hin und wieder erhielt ich in demselben eine Nachricht und erfuhr, daß gegen Hannas Millen meine Tochter Ihnen von Frau Coggle als die Ihrige bezeichnet wurde, daß diese Ihnen die Anwesenheit meines Kindes verschwiegen habe, wie auch, daß das andere, unbekannte Kind nach empfangener Taufe im Alter von drei Jahren gestorben ist. Hanna liegt auf dem Sterbebette und will beschwören, daß die sogenannte Anna Davement meine Tochter ist. Dies ist die unge­schminkte Wahrheit; prüfen Sie dieselbe vor Gott, und möge Ihnen dieser zu einem gerechten Ent­schlüße verhelfen. Sie waren meinem Kinde eine gütige Mutter, Sie haben für sie und ihre Er­ziehung gesorgt und nahmen sie ohne vollgültigen Beweis an Ihr liebevolles Herz. Ich kann ihr außer einem liebevollen Herzen nichts kneten, ich

Minister Studt ist von seinem Unfälle immer noch nicht hergestellt. Er trägt den linken Arm in einer Binde. Zu seiner Bequemlichkeit hatte man am Ministertijche einen mit Riffen versehenen gepolsterten Sessel aufgestellt, in dem der Mini­ster Platz nahm.

* Der Abg. Freiherr v. ggtrntte« hat nut Unterstützung der Mitglieder der Centrums-Frak­tion im Abgeordnetenhause folgenden Antrag ein­gebracht: Das Haus der Abgeordneten wolle -beschließen, die KSnigl. Staatsregierung zu ^er­suchen, womöglich noch im Laufe dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher den Kirchen­gemeinden der anerkannten Religions-Gesellschaf­ten im preußischen Rechtsgebiete des französischen Dekretes vom 23. Prairial des Jahres XII die Anlage konfessionellerFriedhöfe ermöglicht.

* Die Berathung der Irollem-Asrkage in der Budget-Kommission des Reichstages wird, wie man in Kommissions - Kreisen annimmt, i n etwa zwei Wochen ihrenAnsang nehmen. Um den bisherigen Mitgliedern der Kommission, die sehr eifrig gearbeitet Haden, Ruhe zu gönnen, wird für dieseBerathung in der Zusammensetzung eine theilweise Erneuerunq statt finden.

(Nachdruck verboten.) 14. Kapitel.

Marianne.

Dem englischen Originale der Lady Fullerton nacherzählt.

Von M. Röhr.

Aus dem Haudtage.

«p Avgeordnelenhans. — 39. Sitzung v. 6. März 1900.

Bevor daS Haus in die Berathung des KultuS- Etats eintritt, kündigt Kultusminister Dr. Studt an, daß die in der Budgetkommission verlangte Uebei sicht über d e verschiedenen Fonds dem Hause im nächsten Jahre vorgelegt werden sollte.

Die Berathungen begannen sodann mit einer ein- müthigen Berurtheilung eines abscheulichen UebergriffeS» den der klinische Proseffor Reißer in Breslau an Kindern sich erlaubt hat. Er hat dieselben als Ber- üchsobjekte benützt, um zu sehen, wie er sie durch Ein­impfung einer widerwärtigen ansteckenden Krankheit gegen diese widerstandsfähig machen könnte. Auch der freis. Abg Prof. Dirchow verurtheilte dieses Vorgehen des Breslauer Profesiors entschieden. Dieser wird auf dem Disziplinarwege aus seinem Amte entfernt, wie Ministerial­direktor Äkthoff mittheilte. Aber der kons. Abgeordnete o. ^appentzeim, der den Fall oorbrachte, sprach mit Recht sein außerordentliches Erstaunen darüber aus, d ß die Regierung erst mehrere Jahre später Kenntniß davon erhielt, nachdem der Fall schon mehrfach in wisienschaftlichen Blättern besprochen worden war.

Kultusminister Dr. Studt versichert, daß er erst in der Budgetkommission von diesen Dingen Kenntniß erhalten habe. Der Minister erklärt, daß er dieselben aufs Tiefste bedauert, und daß er Alles thun werde, um die Wiederholung solcher Fälle für die Zukunft zu ver­meiden.

Bei dem Ausgabetitel „Gehalt des Ministers" weift

Abg. Strijr. von Aeerema« (Ctr.) auf die rück­sichtslose Behandlung der Katholiken und Polen hm und auf die Behandlung des Unterrichtes in der Volksschule: Der Schulzwang ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Eltern sicher sind, daß die Kinder in ihrem Sinne er­zogen werden. Von einer christlichen Erziehung kann nur dann gesprochen werden, wenn die Kirche und nicht der Staat über den Religionsunterricht zu bestimmen hat. Der Pfarrer ist das geborne geistliche Oberhaupt über die Schule; ganz selbstverständlich soll in seinen Händen der Religionsunterricht liegen. Die Volksschule muß auf christliche Grundlage gestellt werden. Wenn das nicht geschieht, so wird unsere Kultur zurückgehen. Denn deren Unterlage kann nur die fitiliche, die christ­liche Erziehung des Menschen sein. Kultur ist nicht allein Wissen! (Lebh. Beifall im Centrum.)

Minister Studt- So milde der Ton der Rede deS Frhrn. von Heereman war, so wenig versöhnlich ist ihr Inhalt. Unter der geltenden Gesetzgebung (Ruf tm Centrum: trotz derselben!) hat die katholische Kirche außerordentlich an Kraft gewonnen. Die Zahl der Ordensniederlassungen hat sich von 890 i. I 1887 auf 1585 mit 19,700 Insassen im Vorjahre vermehrt. Bon Katholiken selbst find Bedenken geäußert worden, daß es in diesem Tempo nicht weitergehen könne. (Oho! im Centrum). Ueber die Schule halte ich eine Verständr- gung mit dem Redner deswegen für unmöglich, weil er in seiner Rede den Boden der preußischen Gesetzgebung verlassen hat. Aber darin stimme ich dem Vorredner zu, daß der christliche Charakter unserer Volksschule er­halten bleiben muß.

Abg. Graf Mottke (freikons.) meint, das Centrum habe alles Erreichbare erreicht; der natl. Abg. Dr. Iriedverg behauptet, das Centrum gefährde durch seine Forderungen den Frieden der Bevölkerung.

Abg. Dr. forsch (Ctr.) weist darauf hin, daß noch starke Ueberbleibsel der Kulturkampfgesetzgebung in Preußen vorhanden sind. Das Centrum steht auf dem einzig rechtmäßigen Standpunkte, daß in unserer Gesetz­gebung wieder der Zustand erreicht werden muß, wie er vor dem Beginne des Kulturkampfes bei uns bestand. Rur dann, wenn das geschehen wird, kann man sagen, daß der Kulturkampf beendet sei.

Die Berathung wird am Mittwoch fortgesetzt.

„Meine sehr geehrte Cousine!

„Mein Name und meine Verwandtschaft sind Ihnen nicht unbekannt, denn mein Mann, den der Allmächtige zu sich gerufen, war Georg Dates, der Neffe von Herrn Mordaunt. Er sprach mir oft von jenen glücklichen vergangenen Tagen, in denen Sie ihm so gütig in seines Onkels Haus begegneten. Sie wiffen ohne Zweifel, gnädige Frau, warum mein, einst von seinem Onkel so sehr geliebter Mann, von ihm verbannt wurde, -sowie, daß er auch in seinen Augen keinen andern Fehler begangen hat, als daß er seine Seele nicht verderben lassen wollte. Die nachfolgende Heirath mit einer Frau seines Glaubens ließ keine Ver­söhnung zwischen ihnen aufkommen. Während mein Mann oft jene Entfremdung beklagte, freute er sich doch, daß fein noch immer geliebter Onkel Ihre liebenswürdige Gesellschaft, Ihre töchterliche Zuneigung und verwandtschaftliche Pflege genoß.

„Meine eigene Geschichte ist nur eine fort­laufende Kette von Leiden, die mit meines Mannes schwankender Gesundheit begannen und die ver­größert wurden durch jene hastige Flucht und durch seinen Tod in einem unbedeutenden fran­zösischen Dorfe. Jene schnelle Flucht war für mich die Ursache neuen und großen Kummers. Ich mußte meine kleine, drei Wochen alte Tochter in London bei der Ihnen wohlbekannten Frau

sind der Erwägung werth, so daß die Aussichten auf die Erreichung greifbarer Ergebnisse in der Behandlung der Kostendcckungssrage sehr tm Steigen begriffen sind. Wenn der Gesichtspunkt nicht aus dem Auge verloren wird, daß unbe­dingt erst die Kostendeckungsfrage zu lösen ist, ehe man an die Forderungen der Vorlage selbst sieb heranmackt, dann ist nicht einzusehen, warum eine solche Lösung nicht auch gefunden werden sollte.

ft Die SokscheL Dorkag- ist heute (Diens­tag) von der Budgetkommission erledigt worden. Nach längerer Debatte ist nach einigen Aende- rungen der Vorschlag der Unterkommission ange­nommen worden. Der Etat für die Einführung der Scheckvorlage ist unverändert genehmigt wor­den; nur soll die Einführung nicht am 1. April, sondern erst am 1. September ds. Js. erfolgen.

x Aeöer bas Ileischöescha«-Gesetz hat die 15. Kommission des Reichstages heute (Diens­tag) den Bericht sestgestellt. Nach diesem Be­richte haben die Vertreter der Regierung in der Kommission die Erklärung abgegeben, daß die Forderung einer formell gleichen Untersuchung des ausländischen und inländiscken Fleisches mit dem Verlangen des gänzlichen Ausschlusses ftem- den Fleisches gleichbedeutend sei. Gegen den § 14 in der von der Kommission beschlossenen Fassung, der das bekannte Einfuhrverbot enthält, machte ein Regierungskommissar eine Reihe von Ein­wendungen ; er sagte, die Regierung hege sehr schwere Bedenken dagegen, und es sei fraglich, ob auf dieser Grundlage ein Gesetz zu Stande kommen werde. Nach der Behauptung des Re­gierungskommissars soll eine Abmilderung dieser Bestimmung im eignen deutschen Interesse zu empfehlen sein; denn es fei sehr fraglich, ob schon von 1903 ab die deutsche Landwirthschast im Stande sein werde, allein das Reich mit Fleisch zu versorgen. Außer diesem Einfuhrver­bote vom 1. Januar 1904 ab bezeichnete der Re- gierungSkommiffar eine Einigung auf der Grund­lage der Rommissionsoorschläge für wohl möglich. Die Meldungen, die Vereinigten Staaten von Amerika wollten wegen des deutschen Fleischbeschaugesetzes die handelspolitischen Ver­handlungen mit Deutschland abbrechen, sind u n­richtig gewesen. Man konnte sich das im Voraus denken.

* Wie von maßgebender Seite aus Arbeits­kreisen mitgetheilt wird, beträgt nach den bis­herigen Feststellungen^ie Dahl der ausgesperr­te« Tischler 13,501^ dabei sind die Ziffern aus dem Norden und Südosten, die noch nicht voll­ständig vorliegen, nicht berücksichtigt. Man spricht die bestimmte Erwartung aus, daß mindestens 15,000 Mann bis jetzt ausgesperrt sind. Der Centralverband der Bautischlermeister, der schon mit einer zwanzigprozentigen Aussperrung vorge­gangen ist, hat in der gestrigen Versammlung be­schlossen, die Unterstützungen der Möbeltischler­meister sortzuführen und die Arbeiter nach Fertig­stellung ihrer Arbeit zu entlohnen. Es werden demnach bis Ende des Monats alle Bautischler feiern.

Parlamentarische Nachrichten.

* Der heute zur zweiten Lesung des Kultus- Etats im Abgeordnetenhause erschienene Anttns-

Deutsches

Berlin, den 6. März.

* Im N-siude« des Aög. Dr. Lieöer Trat heute nach einer 5tägiqen Ruhepause wieder ein Schüttelfrost em. Gleichwohl hat, wie von Seiten des behandelnden Arztes mitgetheilt wird, sein Allgemeinbefinden nicht gelitten, und somit bleibt die Hoffnung auf baldige Genesung ungetrübt. — Die Generalversammlung des AugustinusvereinS, welche heute hier tagte, sandte an Herrn Abg. Dr. Lieber folgendes Telegramm:

„Der zu seiner diesjährigen Berliner Versammlung 'soeben zusammengetretene Augustinusverein hat mit hoher Freude die Nachricht von der fortschreitenden Besserung in Ihrem Befinden vernommen und sendet Ihnen mit dem Wunsche baldiger vollkommener Wieder­herstellung seine herzlichsten Grüßet

* Herr Professor Dr. Iriedtteö, der ver­diente Senior der katholisch-theologischen Fakultät an der Universität Breslau, Jubilarpriester und .Jubilardozent, ist zum Geheimen Regie­rungsrath ernannt worden. Der verehrte Jubilar vollendet am 1. September sein neun­zigstes Lebensjahr.

• Die Gericht««- ei«er kathokisch- lyeokogtsche« IaKuttät i« Strstzvurg soll mach einer römischen Meldung der ,Pol. Rorr/ noch ungewiß sein. Es wird dabei auf den Widerstand der elsässischen Geistlichkeit gegen den Plan hingewiesen; man könne „das Ende der Verhandlungen noch nicht absehen".

X Die Konservative« «ud dieDeckrrngs- srage i« der Itottenvorrage. DaS Een- trurn hat einen großen Erfolg zu verzeichnen für seine Anschauungen in der Beurtheilung der Flottenvorlage: das leitende Blatt der konser­vativen Partei, die.Kreuz-Zeitung', schließt fich in der grundsätzlichen Beurtheilung der Frage der Kostendeckung vollkommen den Grund­sätzen an, die Abg. Dr. Schaedler in seiner Rede bei der ersten Lesung der Flottenvorlage als leitend für das Centrum aufgestellt hat:

„Bon den verschiedensten Setten — so schreibt die .Kreuz-Zeitung' — ist betont worden, daß die Flottenerweiterungsfrage nicht zu lösen ist, so lange die Deckungsfrage eine befriedigende Erledigung nicht gefunden hat. Wrr können uns dieser Anschauung nur anschließend Ohne einigermaßen genügende Lösung dieser -Frage, wie die recht beträchtlichen Forderungen be­friedigt werden können, ohne an die Leistungsfähigkeit der breiteren Schichten des Volkes aufs Neue zu appelliren, will uns die Durchführung der Flottenvorlage schwierig erscheinen. Wie bei den Berathungen der letzten Flottenvorlage, so wird auch jetzt darauf hingewiesen, daß die Lasten für Die Flottenvermehrung auf „stärkere Schultern" zu legen seien. Und in der That, der erwerbende Mittelstand auf dem Lande und in der Stadt ist bereits in seiner Steuerleistungsfähigkeit derart in An­spruch genommen, daß ein weiteres An­spannen feiner Kraft nach mehr als einer R chtung hin bed enklich erscheint. Aber ist denn die Lösung der Deckungsfrage in dem von uns angedeute­ten Sinne so schwer? Wir glauben kaum."

Sodann macht die.Kreuzpeilung' verschiedene praktische Vorschläge zur Lösung der Deckungs- frage: erhöhte Börsensteuer, Tantiemen steuer, Dividendensteuer, Steuer aus dem Reingewinn -er Flottenlieferungsfirmen, stärkere Heranziehung der großen Vermögen. Alle diese Vorschläge

Aus -em Reichstage.

«qp 160. Sitzung vom 6. März 1900.

Zunächst wird der Gesetzentwurf über die Kon­sulargerichtsbarkeit auf Antrag des freis. Abg. Schrader in zweiter Lesung im Ganzen angenommen.

Sodann gelangen Kommissionsberichte über Pe­titionen zur Berathung.

®em Reichskanzler zur Berücksichtigung über­wiesen wird eine Petition um den Erlaß eines Reichs­vereinsgesetz es, im Gegensätze zu dem Anträge der Kommission, der Uebergang zur Tagesordnung be­antragt, nach dem Anträge der Abgg. Dr. Müller- Sagan (freis. Vp.) und Rickert (freis. Bg.).

Mesen letzteren Antrag begründet Abg. Wach«i<ke -freis. Bg.) mit dem Hinweise darauf, daß das Ver­bindungsverbot für politische Vereine zwar aufgehoben, aber in den meisten Bundesstaaten noch immer die Be­stimmung maßgebend fei, daß Frauen von allen poli- tifchen Vereinen ausgeschlossen werden. Das entspricht nach der Begründung des Redners der heutigen sozialen Stellung der Frauen nicht mehr; denn eine große An­zahl von Frauen stehe selbständig da im Erwerbsleben, sie müßten also auch theilnehmen an den wirthschaft- liehen Kämpfen.

Der ntl. Abg. Be ck-Herdelberg spricht für den Antrag Müller-Rickert, ebenso der sozd. Abg Stolle, der sozd. Abg. Dr. Herzfeld, der freis. Abg. Beckh- Koburg und der sozd Abg. Baud er t. Im gleichen Sinne äußern sich die Abgg. Büsing (ntl.) und Heine (sozd.), woraus der Antrag Müller-Rickert an­genommen wird.

Eine Petition um Einführung des Befähigungs­nachweises im Baugewerbe soll nach dem An­träge der Kommission dem Reichskanzler zur Berück­sichtigung überwiesen werden. Es entsteht darüber eine längere Debatte, in der

Abg. Irohme (sozd.) erklärt, daß die Sozialdemo­kraten gegen den Kommissionsantrag stimmen, die Abgg. Werner (Antis.), Dr. Hahn (wildkons.),Pauli (frei- kons.) und Bindewald für den Antrag der Kom­mission eintreten. Sehr wirkungsvoll tritt

Abg. Hroever vom Centrum für den Antrag der Kommission ein: derselbe weist daraus hin, daß seine Freunde schon feit langer Zeit für die Einführung des Be­fähigungsnachweises für das gefammte Handwerk ein­treten, ganz besonders für den im Baugewerbe.

Der Kommissionsantrag wird danach mit allen Stimmen gegen diejenigen der Freisinnigen und Sozial­demokraten angenommen. .

Mittwoch 1 Uhr: Entwurf über die Konsular- Gerichtsbaikeit und kleine Vorlagen.

bin ja nur eine arme Ausgestoßene. Vor der Welt würde es als eine gute Handlung gelten, wenn ich Ihnen mein Kind ganz überließe, und mich so zurückzöge, daß man nie wieder von mir hörte. Aber weder vor Gott, noch vor Ihnen, noch vor meinem Kinde und vor mir will ich so meiner Pflicht untreu werden. Es gibt ja nicht blos eine Welt. Das Leben ist kurz, aber die Ewigkeit ist lang. Wir haben nur eine Seele, und was kann der Mensch statt ihrer bekommen? Was nützte es, wenn wir die ganze Welt gewännen und litten Schaden an unserer Seele? Da ich fest überzeugt bin, daß das junge Mädchen mein Kind ist, so kann ich Sie Lady Davement, nur auf meinen Rnieen bitten, sie mir zurückzugeben. Sie will meine Armuth mit mir theilen, und ich kann ihr geben, was mehr werth ist, als irdischer Reichthum. Glauben Sie, daß eine so arme Person ein Kind von Ihnen verlangen würde, welches nicht ihr eigen ist? Hochgeehrte Frau, blicken Sie auf das kleine Bild, das mich dar­stellt, ehe Kummer und Sorgen meine Züge ver­änderten ; es könnte ebenso Ihre Anna oder viel­mehr meine Maria sein. Kommen Sie und hören Sie von Hannas sterbenden Lippen die Bestätigung alles dessen, was ich gesagt. Glauben Sie der, die aufrichtig und dankbar ergeben ist für alle die Liebe und Güte, die sie dem Wesen erzeigt haben, das ich für mein Kind halte.

Ihre demüthige und gehorsame

Marie Yates."

Lady Davement war beim Lesen dieses Briefes bald erblaßt, bald erröthet und fragte nun kalt: „Glaubst Du, daß Du die Tochter jener Person oder die meine bist?"

Ausland.

© Karmaux, 6. März. Gestern Abend fand eine große Versammlung der Grubenar­beiter statt, in welcher die Fortsetzung des Ausstandes beschloffen wurde.

„Hanna hat mir, seit ich denken kann gesagt, ich sei Frau Yates Kind und ich glaube es."

„Und mir wurde nie etwas davon gesagt'/' „F-au Coggle behauptete immer das Gegen- theil, und ich wagte nicht davon zu sprechen, ich wußte nicht, ob ich es durfte."

„Wo ist das erwähnte Bild?"

Als sie es lange betrachtet hatte, brach sie itt Thränen aus. „Ach, das ist eine bittere Ent­täuschung, und es ist auch so hart für Dich!"

Der Rest des Abends war für beide sehr trübe; sie sprachen nur von dem, was sie be­drückte, andern Unterhaltungsstoff fanden sie nicht. Lady Davement schloß während der Nacht kein, Auge; der Brief von Frau Yates beschäftigte sie fortwährend. Erst war sie ärgerlich und nannte Hanna Porter eine halbe Närrin und ihr Zeugniß ungiftig, aber bann sagte sie sich, daß Frau Yates' Brief nicht der einer Lügnerin und Schwindlerin fein könne, und endlich war die Aehnftchkeit des Bildes mit Anna auffallend. Es war ihr schon immer ausgefallen, daß Anna weder ihr noch jemanden ihrer Familie auch nur im Entferntesten ähnlich sah, dabei jedoch sehr an Georges YoteS erinnerte. Je länger sie nachdachte, desto weniger konnte sie zweifeln. „Nun, so mag es denn fein, ich bin grausam betrogen worden und darf gar nichts sagen. Wenn das undankbare Kind jene Unbekannte vorzieht, so mag sie ihrem eigenen Willen folgen, ich darf nichts sagen. Vergeben« versuchte sie zu schlasen, sie nahm Frau Yates Bries und las ihn nochmals. „Was Hilst es, wenn man die ganze Welt gewänne und Schaden nähme an meiner Seele?". Leben und Ewigkeit, Himmel und Hölle, das waren Gedanken, die sie