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J|6 51. IrrLöa, Samstag, den 3. März 1900. 27. Jahrgang.

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Deutsches Deich.

Berlin, den 2. März.

+ Die halbamtliche.Berliner Korrespondenz' schreibt: Die Verhandlungen des Reichstages über den für daS ReichSand in Geltung stehenden sogenannten Diktalurparagraphe« haben eine Mehrheit für die Beseitigung dieses Paragraphen ergeben. Dieser Beschluß des Reichstages kann die für die Gestaltung der Verhältniffe im Reichs­lande und für die Sicherung des Vaterlandes in erster Linie verantwortlichen Verbündeten Re­gierungen in ihrer Ueberzeugung nicht irre machen, daß die angefochtene Bestimmung zur Erreichung einer immer festeren Angliederung Elsaß-Lothringens an das Reich und zum Schutze gegen auswärtige Gefahren bis auf weiteres noch nicht entbehrt werden kann. Die Reichsregierung vertritt diesen Standpunkt auf Grund der von ihr in der Verwaltung der Reichslande gemachten Erfahrungen. Wiewohl die Loyalität der überwiegenden Mehrheit der Berölkerung Elsaß-Lothringens unzweifelhaft fest­steht, so sind daselbst doch noch gewiffe, der Zugehörigkeit der Reichslande zu Deutschland widerstrebende und agitatorisch thätige Kreise vorhanden, deren für die innere Entwickelung Elsaß-Lothringens und für die Sicherheit des Reiches gleich gefährliche Wirksamkeit in der Presse und anderweitig mitunter so bedenkliche Formen annimmt, daß die Reichsregierung auf hi? Beibehaltung des für dringlich? Ausnahme­fälle bestimmten Diktaturparagraphen noch nicht Verzicht leisten kann. — Die arme, schwache Reichsregierung!

+ Iie Berichte der Iavrtkinspektore« sollten nach einer Meldung der .Frankfurter Zeitung' vor ihrer Veröffentlichung einer Zensur in Berlin unterworfen werden, nicht etwa nur die Berichte der preußischen Inspektoren, sondern auch die anderen. Das genannte Blatt hatte das insbesondere von der Behandlung der Be­richte der badischen Gewerbe-Inspektion gemeldet und hinzugefügt, die badischen Berichte sollten in Zukunft nur als Anhang der preußischen Be­richte erscheinen. Die Meldung klang von vorn herein unwahrscheinlich. Jetzt ist sie durch den Staatssekretär des Innern, den Grafen Posa- dowöky, in der Unfallversicherungs-Kommission des Reichstages als vollständig unwahr be­zeichnet worden. Der Staatssekretär wies gleich­zeitig auf den muthmaßlichen Ursprung der Falsch­meldung hin: Veranlassung dazu, so meinte Graf Posadowsky, habe wohl ein Rundschreiben gegeben, in dem die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten aufmerksam gemacht werden auf die im Reichstage ausgesprochenen Wünsche, daß die Berichte der Gewerbe-Inspektoren vom Reiche im Wortlaute herausgegeben werden. Gleichzeitig wird darum ersucht, mit dem Drucke der Berichte nicht schon jetzt zu beginnen, um vorher eine Ver­ständigung anzubahnen über die zukünftige Form

Marianne.

Dem englischen Originale der Lady Fullerton nacherzählt. Bon M. Röhr.

15 ------ (Nachdruck verboten.)

12. Kapitel.

Das von Lady Davement geerbte Haus in London wurde in kostbarer Weise restaurtrt. Es hatte eine sehr schöne Lage; vor sich den Fluß, hinter sich einen großen Garten. Die Abfahrt von Richmond in einem Viergespann und die Ankunft in einem Hause, das an Pracht alles übertraf, was Anna brS jetzt gesehen; die Diener in Livree, die sie in den Hallen erwarteten, er­füllten das so plötzlich mit all-m Komfort und Luxus umgebene Mädchen mit Entzücken. Sie kam sich wie im Traume vor. und ihr Erstaunen wurde noch erhöht, als Lady Davement ihre „süße" Anna in das eigene Zimmer führte. Nie­mals hatte sie ein solches beseffen, und nun sollte dieser schöne Raum mit dem prachtvollen Bett, dem goldrahmigen Spiegel, mit den hochlehnigeu Stühlen, dem Toilettentisch, der Garderobe, zwei Fenstern mit besondern Sitzen und der Aussicht nach dem Fluffe allein ihr gehören! Sie hatte eine neue Welt vor sich. War es ein Traum, war es Wirklichkeit? War Lady Davement wirk­lich ihre gütige Mutter? und jene andere Mutter im Gefängnisse nicht eine überirdische Vision? Hätte sie Lady Davement nur zärtlicher lieben können! Vielleicht gelänge es ihr, so hoffte sie, mit der Zeit, besonders wenn Hanna sie dazu er« muthigen würde. „Wenn ich ihr das Kreuz und

der gemeinsamen Berichte. Inzwischen sind aber die bayerischen Jnspektionsberichte für das Jahr 1899 bereits erschienen. Namentlich interessant ist in diesen das Lob, das dem Wirken der weiblichen Hilfskräfte bei der Gewerbe- Inspektion gespendet wird. Endlich soll, wie bekannt, in diesem Jahre auch in Preußen der erste Versuch mit solchen weiblichen Hilfskräften gemacht werden.

h. BroteSautifirttttg, nicht Germani- strnng — dieses alte Wort deS Frhrn. von Schorlemer über das Ansiedelungswerk in den preußischen Ostprovinzen bewahr­heitet sich stets von neuem. Dem preußischen Abgeordnetenhause ist die Denkschrift zugegangen über „die Ausführung des Gesetzes bett. die Beförderung deutscher Ansiedlungen in den Provinzen Westpreußen und Posen für das Jahr 1899", und diese Denkschrift gibt auch in dankenswerther Weise Aufschluß über die Konfession der Ansiedler. Wenn man nun die aufgeführten Ziffernnachweise zusammenzählt, dann gelangt man zu dem intereffanten, nach allen früheren Erfahrungen aber leider nicht mehr überraschenden Ergebnisse, daß nach ihrer Konfession von den Ansiedlern des Jahres 1899 im Ganzen 3696 protekavtisch und — 209 Kattzokisch sind. Da trifft das Wort zu: Zahlen beweisen! Jede weitere Be­merkung dazu würde den Eindruck dieser Ziffern nur abschwächen!

X Für die rveiöttcherr Angestellte« im Kattdekskewerve ist die Beschaffung geeig­neter Sitzgelegenheiten in den Geschäfts­räumen eine sehr wichtige Frage, die auch eine sehr hohe gesundheitliche Bedeutung hat. Bei uns in Deutschland fehlte es daran bisher noch ebenso sehr wie in Frankreich und in England. In England ist nun mit dem letzten Jahreswechsel eine gesetzliche Bestimmung in Kraft getreten, wonach den weiblichen Angestellten in Handels­betrieben aller Art in der Weise Sitzgelegenheit geboten werden soll, daß auf je zwei Angestellte ein hinter dem Verkaufstische angebrachter Sitz­platz kommt. Zuwiderhandlunqen sollen mit hohen Geldbußen bestraft werden. Ganz ähnliche Vor­schriften sind nun kürzlich auch von der französi­schen Deputirtenkammer angenommen worden. Bei uns hat der Reichstag von der Fassung eines ent­sprechenden Beschluffes Abstand genommen, weil Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte, der Bundesrath bereite eine Verordnung in diesem Sinne vor. In einigen Blättern sucht man jetzt flau in der Sache zu machen, als ob diese Maßregel doch gar nicht so sehr nöthig wäre oder eine zu große Zumuthung an die Ladeninhaber stelle. Das ist doch aber vollkommen falsch. Im Gegentheil kann nicht dringend genug der Wunsch ausgesprochen werden, daß die Verord­nung recht bald und recht umfassend er« lassen rauben möge.

+ In der Andeetkommifsion des Reichs­tages befürworteten heute (Freitag) die Abg. Graf ® armer (konf.), Graf Stolberg (konf.) und Müller-Fulda (Ctr.) bei der Berathung des Etats der Zölle und Verbrauchs­steuern den Apothekenzwang für den Ver­kauf des Sacharins. Abg. Gröber (Ctr.)

die Briefe zurückgegeben habe, bann kann ich mich als Lady Davements Tochter fühlen."

Kaum aber hatte sie diesen Gedanken gefaßt, als sie in Thränen ausbrach, das Kreuz küßte und ihre Briefe überlas; sie fühlte eine über­mächtige Liebe zu ihrer katholischen Religion und katholischen Mutter. Im Zimmer war ein eleganter Betschemel mit aufgeschlagener Bibel; sie schob diese bei Seite, und legte das Kreuz auf das Sammetkiffen; auf jede Seite stellte sie eine Vase mit prachtvollen Blumen, die sie vom Kamin holte. Während sie nun knieend und betend auf die durchbohrten Glieder des Heilandes blickte, empfand sie eine unwiderstehliche Liebe für die Mutter, welche für ihren Glauben duldete.

Eine Kammerjungfer kam, um sie anzukleiden, und der himmlische Traum verschwand. Aber es war ihr amüsant, hübsch angezogen zu werden, und das gelbe Seidenkleid, das der blonden Lady Davement schlecht gestanden daben würde, har- monirte mit ihrer eigentümlichen Schönheit vor­trefflich. Gäste kamen zum Diner, denen sie vor- gestellt wurde, aber so oft Lady Davement „meine Tochter" sagte, empfand sie einen Stich in's Herz Sie fühlte es, daß sie eine Stellung ruhig ein­nahm, die ihr nicht gebührte. Ihre Verlegenheit und ihr Erröthen betrachtete man als Zeichen der Bescheidenheit, wodurch ihre kindliche Schön­heit nur erhöht wurde.

Unter den Gästen war auch der junge Mark Le Grange, der Erbe eines großen Vermögens, der eigens zu dem Zwecke gekommen war, Anna kennen zu lernen, da sie ihm von seinem Vater und Lady Davement zur Frau bestimmt war.

Zu jener Zeit verfügten die Eltern vollständig

empfahl außerdem hohe Besteuerung bet künst­lichen Süßstoffe und möchte die Sacharinfadti- kation unter besondere Kontrolle gestellt sehen. Schließlich wurde folgende, von dem natl. Abg. Dr. Paasche beantragte Resolution ange­nommen: „Die verbündeten Regierungen zu er­suchen, den Verkauf der künstlichen Süßstoffe an die Apotheken zu verweisen mit der Maßnahme, daß sie nur auf ärztliche Verordnung verkauft werden dürfen." Bei der Brausteuer (30,165,000 Mk. d. h. 1,018,000 Mk. mehr als im Vorjahre!) theilte Abg. Dr. Paasche mit, daß die Kommission zur Berathung deS Ver­botes von Surrogaten bei der Bietbereitung zu einem befriedigenden Ergebniffe gelangen werde. Abg. Müller-Fulda verwies darauf, daß der Widerstand gegen das Surrogatoerbot vom preußischen Finanzministerium ausgehe, das neue Steuerpläne damit verbinden wolle. Man müsse aber das Verbot von Surrogaten ganz und gar von Steuerplänen trennen. Ein Vertreter des Reichsschatzamtes theilte mit, daß die Surrogatfrage erst bann spruchreif sei, wenn die Existenz der Kleinbetriebe gesichert werde. Der preußische Finanzminister sei der Ansicht, daß hier sozialpolitische und wirthschaftliche Rücksichten obwalten. — Am nächsten Dienstag soll die Be­rathung des Postscheckgesetzes beginnen.

• Die WshtprüLttugs Aommissto« des Reichstages beantragt, die Wahl des Abg. Boltz (natl.), gewählt im Wahlkreise Saarbrücken, zu beanstanden, ebenso die Wahl des im 5. Berliner Wahlkreise gewählten Abg. Zwick von der freis. Volkspartei.

d Das IteifchSelchavchesetz und die Be­schlüsse der vorbereitenden Reichstags-Kommission darüber veranlassen die offiziösen ,Berl. Polit. Nachrichten" zu einer weiteren Kundgebung. Nach­dem die halbamtliche Notiz darauf verwiesen hat, daß die Kontrolle ebenso des ausländischen wie des inländischen Fleisches ganz hervorragend im Interesse der deutscher Verbraucher liegt, um diese vor minderwerthigen oder gar schädlichen Nahrungs­mitteln zu schützen, sagt sie sehr richtig, es „ver­biete sich vom Standpunkte des Rechtes unb der Billigkeit von selbst, das vom Auslande eingeführte Fleisch von der für das inländische Fleisch zu ver­fügenden Kontrolle freizulassen". Dann heißt es weiter an der erwähnten Stelle: „Ein feindseliger Akt gegen Amerika könnte in dem Erlasse des geplanten Gesetzes um so weniger gefunden werden, als die Fleischeinfuhr von anderen, beispielsweise den skandinavischen Staaten des amerikanischen nicht unerheblich überlegen ist. . . Der Reichs­tag aber würde sich ein desto größeres Ver­dienst um die Lösung der in Rede stehenden Problems erwerben, je eher er endgiltige Be­schlüsse faßt, welche für die verbündeten Regierungen annehmbar sind." Leider schweigen sich aber alle Offiziösen hartnäckig darüber aus, wie die verbündeten Regierungen die neuesten Beschlüsse der Reichstags-Kommission beurteilen; ob sie dieselben für annehmbar ansehen oder nicht. Das ist doch zu allererst notwendig, wenn Klar­heit in die Sache gebracht werden soll.

V Dertt«, 2. März Der Kaiser hörte gestern Abend in Gegenwart seiner drei ältesten Söhne einen Bortrag über die Schlacht bei Roßbach. Heute Abend 7 Uhr fand im Schlosse die Ueberreichung des goldenen

über die Hand ihrer Kinder. Die Verbindung zwischen den beiden jungen Leuten erschien ihr paffend, denn der Vater Mark Le Granges besaß große Güter, und Lady Davement gab eine große Mit­gift. Letztere aber wünschte, daß die Heirath innerhalb eines Jahres ftattfinde.

Herr Mark Le Grange sollte am nächsten Tage nach dem Kontingent reifen, und deshalb fand heute noch die Zusammenkunft statt. Seine Augen ruhten mit Wohlgefallen auf dem Antlitz der ihm zur Frau bestimmten jungen Dame, und er benutzte die Gelegenheit nach Tisch, sich ihr zu nähern; während deS Spazierganges gingen sie neben einander, und es war augenscheinlich, daß sie Gefallen an einander fanden.

Mark Le Grange beglückwünschte sich selbst über die Wubl seines Vaters; er selbst hätte nicht bester wählen können; und Anna sagte sich, daß er ihr von allen anrar senden Herrn der will­kommenste fei. Es wurde mufizirt und unter den Bäumen gespielt und gescherzt.

Am nächsten Tage fragte Lady Davement Anna, ob sie an der Person des Herrn Le Grange etwas auszufetzen habe, was erröthend verneint wurde. Lady Davement freute sich darüber und theilte ihr jetzt mit, daß der junge Mann zu ihrem künftigen Gatten ausersehen sei. Das war aller­dings überraschend.

Diese schnelle Aufeinanderfolge der Ereigniffe überwältigte sie; sie fühlte das Bedürfniß mit Hanna zu sprechen, sie mußte von dieser hören, ob bet tiefe Eindruck, den der gestrige Nachmittag auf ihr Gemüth und Herz gemacht hatte, gefährlich für ihre Zukunft fei. Ihr Zweifel mußte ein Ende haben, sie mußte rarsten, ob die glänzenden

Vließes an den Kronprinzen statt. — Prinz Hein­rich ist heute früh hier eingetroffen. — Die Kaiserin Friedrich wird demnächst in Livorno erwartet, wo sie an Bord des „Kaiser" eintreffen und sofort nach Florenz Weiterreisen wird. — Die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, die jüngste Schwester des Kaisers, war in letzter Zeit nicht unbedenklich erkrankt, befindet sich aber nun wieder auf dem Wege der Besserung. — Deutschland entsendet nach einer Blättermeldung zu der anläßlich der Pariser Weltausstellung in einem französischen Kriegshafen stattfindenden Flottenschau ein Geschwader bestehend aus dem großen Kreuzer „Fürst Bismarck", sowie den Linienschiffen „Kaiser Wil­helm II." und „Kaiser Friedrich III." — Ter Harm- loson-Prozeß wird am 15. vor dem Reichsgerichte zur Verhandlung kommen. Gegen das freisprechende Urtheil hatte bekanntlich der Staatsanwalt Revision ein­gelegt. Bon den drei Angeklagten wird von Kröcher persönlich den Termin in Leipzig wahrnehmen, — Bei der zweihundertjährigen Jubelfeier der Königlichen Akademie der Wissenschaften wird der eigentliche Festakt am 19. März nach Be­stimmung des Kaisers im Weißen Saale des königlichen Schlosses abgehalten. Es erinnert das daran, daß auch nach der Reorganisation durch Friedrich den Großen die feierliche Eröffnungssitzung im Schlosse stattfand. — Die Große Berliner Kunstausstellung 1900 wird am 5. Mai eröffnet und dauert bis einschließlich 6. September.

(Weitere politische Nachrichten befinden sich im zweiten und dritten Blatte.)

Aus -em Reichstage.

•OP 158. Sitzung vom 2. März 1900.

Zur Berathung des Marine-Etats, der mitdem Etat sür Kiautschou verbunden wird, ist am Tische des Bundesrathes Staatssekretär Tirpitz erschienen. Das Haus war nicht besser besetzt, als die Tage vorher. Namentlich im Anfang- der Sitzung sah man ganz er­heblich mehr leere Plätze als besetzte.

Der interessantere Theil der Sitzung war dem Etat für Kiautschou gewidmet, obwohl dieser heute schließ­lich noch gar nicht zur Berathung gelangte.

Der freisinnige Abg. Kickhoff beantragte nämlich im Namen der freisinnigen Bolkspartei, diesen Etat, der mit dem Marine-Etat zusammen eingebracht worden ist, an die Budget-Kommission zu verweisen, die sich mit diesem besondern kleinen Etat gar nicht eingehend be­schäftigt hat. Der AntragstellerwünschtinderKommission allerhand Aufschlüsse über wirthschaftliche und gesund­heitliche Verhältnisse, und schließlich wurde seinem An­träge gemäß beschlossen, obwohl konservative, sreikonserv. und nationalliberale Redner dagegen sprachen.

Der eigentliche Marine-Etat wurde in allen seinen Theilen bewilligt, so wie die Regierung ihn ein­gebracht hatte. Nur für die Werften wurden nur 42 statt der 45 geforderten Schutzleute bewilligt.

Nach sehr langer Berathung wurde eine Resolution des freikonservativen Abg. Stockmann angenommen, in der die verbündeten Regierungen aufgefordert werden, noch in dieser Tagung einen Gesetzentwurf vorzulegen über die Beitragspflicht der Reichsbetriebe zu den Kom­munallasten.

Am Samstag kommt der Etat der Zölle und Ver­brauchssteuern an die Reihe.

Aus dem Landtage.

^Av-eordnetentzan». — 36. Sitzung v. 2. März 1900.

Der Antrag des freis. Abg. Wiemer, die Per­sonenfahrpreise auf den preußischen Staatsbahnen zu ermäßigen, hat im Abgeordnetenhause keine Aussicht auf Annahme; das hat die Berathung am Freitag noch deutlicher gezeigt, als die gestrige Sitzung.

Heute sprachen die Abgg. Macco (ntl.) und Schmitz-Düsseldorf (Ctr.) dagegen, die letztere aus finanziellen und aus volkswirthschaftlichen Gründen.

Leider zeigte sich Minister ». Thieken nicht geneigt, einer Anregung des Abg. Schmitz zu folgen und den Soldaten mit Heimathurlaub freie Fahrt zu gewähren. Er meinte, diese führen ohnehin billig genug, und die freie Fahrt würde dem Staate jährlich 2l/s Millionen

Zukunftspläne sich erfüllen bürsten! SiebatLaby Davement, ihre Freundinnen in Paddington be­suchen zu bürsen. Lady Davement willigte ein, unb bet Wagen würbe bestellt. In Begleitung einer Kammerjungfer fuhr Fräulein Davement bem Häuschen zu, in dem sie ihre Kinbheit unb später bie Ferien verlebt hatte.

Frau Coggle war freubig überrascht, eine elegante Equipage vor ihrem Hause halten zu sehen; aber als sie bie junge, herausspringende Dame erkannt«, welche freudig unb liebevoll grüßte, verwandelte sich ihr Staunen in augenblickliche Bestürzung.

„Wo ist Hanna?" war bie erste Frage des Besuches.

„Nicht ganz wohl, Fräulein, sie ist in ber That sehr schwach unb hat das Bett seit einigen Wochen nicht mehr verlaffen."

„Ich ahnte bas, weil sie gar nicht nach Rich- monb kam; bie arme, gute Hanna! Aber, Frau Coggle, ich will gleich zu ihr."

„Ach, warten Sie boch ein bischen; mit wem kommen Sie benn?“

„Mit einer Kammerjungfer ber Lady Davement. Gestern holte sie mich aus ber Schule, unb ich lebe bei ihr in London."

„Ach, gehen Sie lieber nicht zu Hanna, wirklich, an ihrer Stelle ging ich wieder in den Wagen und führe dahin, woher ich kam."

„Ohne Hanna, meine liebe, gute, kranke Hanna gesehen zu haben? Was denken sie denn eigentlich, Frau Coggle?"

„Aber es ist jemand oben."

„Frau YckeS?"

„Ja." - (F- f.)