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JIS 50.

Papst Leo XIII.

unser glorreich regierender heiliger Vater, vol­lendet heute sein 90. Lebensjahr und morgen be­geht er den 22. Jahrestag seiner Krönung zum Oberhaupte der katholischen Kirche im St. Peters- dom zu Rom. Geliebt und verehrt von den Katholiken des ganzen Erdkreises, geachtet und bewundert von den Andersgläubigen steht der

Aahnge Greis Leo XIH. auf seiner hohen Warte und leitet das Schifflein Petri mit sicherer Hand. Und wie er alle Stände mit gleicher Liebe umfaßt und auf das Wohl aller stets be­dacht ist, so senden heute auch alle Christgläubigen, in den Palästen der Reichen wie in den Hütten der Armen, ihre Gebete zum Himmel empor, auf daß der allmächtige Gott seinen Stellvertreter auf Erden schützen und erhalten möge und seine Arbeit segne zum Besten der Kirche und zum Heile der Seelen.

Deutsches Keich.

Berlin, 1. März.

+ J3" diesen Tagen war an einer Stelle in ernem Münchener Blatte, an der man sonst halb- amtliche Berliner Kundgebungen zu finden ge­wohnt ist, so etwas wie eine Drohung ausqe- lprochen worden gegen den Reichstag, daß die Auflösung über ihn verhängt werden würde, wenn er sich nicht willig zeige in der Annahme der Flottenoor läge und in dem Verzichte darauf, die DeÄnvgsfrage vor den geforderten Reubauten von Schiffen zu erledigen. Dann hatte 2e, Z^stnmge Zeitung" die Nachricht gebracht, Schatzsekretar Freiherr von Thiel mann ver- yatte sich gegen alle irgendwo austauchenden Vor­schläge zur Kostendeckung vollkommen ablehnend, «err von Thielmann sollte sich dabei aus Herrn stutzen, der seinerseits unentwegt hinter den Kulissen auf die Auflösung des Reichstages hinarbeite. Wir haben in der,Fuld. Ztg." bereits mehrfach darauf hingewiesen, daß die Annahme,

WM

Irrlöa, Freitag, den 2. März 1900.

27. Jahrgang.

von Veragua

sorgungsgesetzgebung ist von zuständiger Stelle,

© Zur Aossesdeckungsfeage i« der Ikotteufrage schreibt die .Deutsche Tages­zeitung", es verlaute neuerdings, daß man einer wesentlichen Erhöhung der Börsensteuer und einer Reichs st euer auf S urrogate zu­neige. Das genannte Blatt bemerkt dazu: „Wir können uns nicht dafür verbürgen, daß diese Gerüchte begründet seien. Wenn sie es aber sein sollten, würden wir das mit großer Freude begrüßen." Das Gleiche würde wohl auch bei vielen anderen Leuten der Fall sein.

st Der Kulwmf eines AteiHs-Senchen- gefetzes soll, wie berichtet wird, dem Reichstage möglichst noch vor Ostern zugehen, damit das Gesetz noch in dieser Tagung verabschiedet werden könne. Das gesetzgeberische Programm des Reichstages wird auch diesmal so reichhaltig, daß die Be­wältigung alles vorhandenen Stoffes ein Zusammen­treiben des Reichstages bis tief in den Sommer hinein nothwendig machen wird.

+ I" Sache» der lex KeinHs ist eine Verständigung zwischen Vertretern der Mehrheits- Parteien erfolgt, und es ist, wie nunmehr auch die .Deutsche Tagesztg." bestätigt, anzunehmen, daß „die verbündeten Regierungen der neuen Formulirung ihre Zustimmung nicht versagen wer­den." Uiber die Art der Verständigung gehen falsche Darstellungen in der Presse um:' danach soll die Regierung in die Beibehaltung der Herauf­setzung des Schutzalters für unbescholtene Mädchen von 16 Jahre auf 18 Jahre einzuwilligen geneigt sein. Leider ist das nicht zutreffend. Dieses Za- geständniß wollen die verbündeten Regierungen nicht machen, und ebenso wenig wollen sie den Arbeitgeber-Paragraphen annehmen. Dagegen ist

X Do« der Ki«schranKtt«g der Lotte- riee« ist am heutigen Donnerstag in der Budget- Kommission des Reichstages die Rede gewesen. Auf eine Anfrage des freikons. Abg. Dr. Arendt hat Staatssekretär Frhr. von Thielemann geantwortet, daß zwischen der preußischen Regie­rung und den Regierungen mehrerer Einzelstaaten auf der einen und der Reichsregierung auf der andern Seite Verhandlungen schweben über die Einschränkung des Lotteriewesens. Es sei be­gründete Hoffnung darauf vorhanden, dieses Ziel zu erreichen. — Schon im preußischen Abgeordnetenhause wurden in neuester Zeit vom Regierungstische aus Andeutungen über diese Verhandlungen gemacht, aber so sehr von fern, daß man daraus nicht entnehmen konnte, ob die Verhandlungen Aussichten auf handgreif­liche Erfolge eröffnen oder nicht.

Airs -em Reichstage.

•09 157. Sitzung vom 1. März 1900.

Zur Berathung des Etats des Auswärtigen Amtes, der auf der Tagesordnung steht, ist am Tische des Bundesraths Staatssekretär Graf Bülow er­schienen.

Ohne besonders bemerkenswerthe Vorkommnisse wurde dieser Etat nach den Ansätzen der Regierungs­vorlage erledigt — man müßte denn etwa als solches Borkommniß die Thatsache ansehen, daß Abg. Bebel den Abg. Liebermann v. Sonnenberg einen „zahnlosen Bullenbeißer" nannte und dafür von letzterem als „vorübergehende Erscheinung" bezeichnet wurde.

Der Sozialdemokrat Gradnauer erging sich in leider berechtigter Kritik an der Friedenskonferenz im Haag, die nach ihm Herr Bebel eine „Komödie" nannte.

Staatssekretär Graf Bülow versicherte aber mit großem Nachdrucke in der Stimme, daß Deutschland mit allem Eifer und auch mit Erfolg an den Be- rathungen der Konferenz sich betheiligl hat.

Am Freitag beginnt der Marine-Etat.

V Aerkin, 1. März. Der Kaiser hörte heute Vormittag 9 Uhr den Vortrag des Chefs des Civil- kabinets. Wirklichen Geheimen Raths Dr. von Lucanus, nahm darauf die Rapporte der Leibregimenter, Leib kompagnien und Leibeskadrons entgegen und ließ sich im Schloßhofe heliographische Apparate vorführen. Hierauf nahm der Kaiser die Vorträge des Krtegs- minifters Generals der Infanterie von Goßler und des Chefs des Mililärkabinets Generals von Hahnke ent­gegen. Um 12 Uhr empfing der Kaiser und die Kaiserin mit dem Kronprinzen die spanische Spezial­kommission unter Führung des Herzogs von Veragv im königlichen Schlosse. Um 1 Uhr wohnte der Kaifi

die Reichsregierung wolle in Sachen der Flotten­vorlage Gewaltpolitik treiben, sehr wenig Wahr­scheinlichkeit für sich hat. Diese Auffassung der Sachlage findet volle Bestätigung durch eine halb­amtliche Notiz in den,Berliner Polit. Nachrichten": „Die Schwierigkeiten in der Deckung der Flotten­kosten — so schreibt besagtes Organ — sind nicht entfernt unüberwindlich. Im Gegen­teil . . . Wenn bei Ausschlag gebenden Faktoren der Wunsch besteht, schon jetzt für den Fall et­waiger zukünftiger vorübergehender oder dauernder Unzulänglichkeit der Reichseinnahmen Fürsorge zu treffen, so liegt kein Anlaß vor, sich dagegen grundsätzlich ablehnend zu verhalten, weder bei den Negierungen noch bei den Parteien. Bei allseitig gutem Willen wird eine Verständigung auch diesmal so gut sich erreichen lassen, wie dies 1898 bei dem Flottengesetze gelungen ist." — Daß die andere Meldung von der Bildung einer „freien Kommission"" im Reichstage zur Anbahnung einer Verständigung über die Flottenvorlage, bevor die Budget-Kommission mit dieser sich beschäftigt, ebenfalls unrichtig war, haben wir in der ,Fuld. Zeitung" bereits vor mehreren Tagen festgestellt. Jetzt wird in Bestätigung dieser Feststellnng von der freisinnigen Zeitung' der Stand der FlotteN- vorlage dahin gekennzeichnet, daß noch alles „genau in demselben Stadium sich befinde, wie am 10. Februar"". Das entspricht ungefähr den That- sachen. Auch die Regierung hat noch gar nicht darauf gedrängt, die Entwickelung besonders zu beschleunigen, und sie hat vermuthlich ihre be­stimmten Gründe dazu.

wie offiziös berichtet wird, in Angriff genommen. — Wie seit 1894 alljährlich, so hat der Minister für Handel und Gewerbe auch in diesem Jahre die preußi­schen Regierungs- und Gewerberäthe zu einer am 22. März beginnenden, drei Tage dauernden Konferenz nach Berlin berufen. — Der Oberbürger­meister von Berlin Kirschner ist durch allerhöchsten Erlaß vom 12. Februar d. I. nach der seitens der Stadt Berlin erfolgten Präsentation in das Herrenhaus berufen worden. — Deuts che Postämter werden nach der ,Pol. Korresp/ demnächst in Smyrna, Beirut und Jerusalem errichtet werden. — Der Verordnung über das Inkrafttreten der Handwerks­kammern hat der Bundesrath in seiner Sitzung am Donnerstag die Zustimmung ertheilt.

lonigiiujcn '©ajiojje. um i uyr woynle der Kaiser der Taufe des Sohnes des Prinzen Pleß bei, bei wel­chem der Kaiser Pathenstelle angenommen hat. — Der Kaiser wird auf der Reise nach Wilhelmshaven am Montag Morgen in Oldenburg eintreffen und im Elisabeth Anna-Palais das Frühstück etnnehmen. — Der Kaiser befahl die Neuformation des Offizierkorps der Kiautschautruppe. 7 Offiziere wurden, wie der.Hannov. Cour/ meldet, heimbeordert, 10 hinauS- gesandt — Der schwedische Kabinet-sekcetär Graf Taube ist am Mittwoch zum schwedisch-norwegischen Gesandten an den deutschen Höfen ernannt worden. — Eine organische Neuordnung der Militär-Ber-

Ans dem Landtage.

Äp>AVgeord«ete»ha«s. — 35. Sitzung v. 1. März 1900.

Auf der Tagesordnung steht die Berathung des Eisenbahn-Etats.

Ein freisinniger Antrag (Wiemer und Gen.) ersucht die Regierung, bei der in Aussicht genommenen Reform der Personenfahrpreise nicht nur eine Vereinfachung des Tarifwesens, sondern auch eine Er­mäßigung der Tarifsätze, unter Ausschluß von Er­höhungen bestehender Fahrpreise, eintreten zu lassen.

Abg. Mölke theilt als Berichterstatter der Kommis­sion mit, daß zunächst auf der Waunseebahn Versuche mit dem elektrischen Betriebe einer Vollbahn gemacht werden sollen.

Minister von Gtzieke« schildert die Lage der Eisen­bahnverwaltung und ihre finanziellen Erfolge als günstig, obwohl allein während der letzten zwei Jahre 20,821 neue Beamten angestellt worden feien. Die Zahl der Dienstwohnungen fei auf 32,400 gestiegen.

Der freikons. Abg. Konrad trägt Wünsche örtlicher Art vor, der freisinnige

Abg. HSiemer begründet seinen Antrag in ausführ­licher Rede, erzielt aber damit keinen Erfolg bei dem

Minister v. Thieken. Dieser sagt, er habe in den Ausführungen des Antragstellers „nur Mißverständniß und Jrrthum gefunden". Der Minister sagt: Unsere Tarife sind billiger als die übrigen deutschen und inter­nationalen Personentarife. Die preußische Staatsbahn bietet die billigste Fahrgelegenheit trotz aller süddeutschen Sonderermäßigungen; und die Verbilligungen, die neuer­dings auswärtige Staaten vorgenommen haben, bewähren ich gar nicht. Oesterreich hat seine Tarife schon zwei- nal ändern und Ungarn hat zum Ausgleiche des Aus- älles an Bahneinnahmen eine Anleihe von 172 Millionen Gulden aufnehmen müssen. Eine Erhöhung der Tarife wollen wir aber durch unsere Tarifreform nicht herbei­führen. Aber eine Vereinfachung der Tarife ist noth- wendig. Unsere Personentarife haben sich zu einem bunten Chaos entwickelt; in Berlin allein werden 47000verfchiedene Fahrkart en feilgehalten. — Im übrigen sucht der Minister darzuthun, daß die Ermäßigung des

zu hoffen, daß die Reichsregierung ja sagt zu der neu vereinbarten Faffung des Theater-Paragraphen. Vor allen Dingen muß aber der Reichstag er wieder einmal in beschlußfähiger Zahl versammel sein, um die lex Hrintze zu verabschieden. Seit der ersten Berathung der Flottenvorlage ist er aber nie mehr beschlußfähig gewesen, und bei so schwacher Besuchsziffer ist eine solche Verabschie­dung unmöglich; denn jeden Augenblick könnten und würden die Gegner des Gesetzes die Abstim­mung darüber unmöglich machen durch einen An­trag auf namentliche Abstimmung und dadurch herbeigeführte Auszählung des Hauses.

X Die dauernde Zulassung von 40,000 polnischen Arbeiter« liegt leider nicht in der Absicht der preußischen Staatsregierung. An dieser Stelle wurde bereits im Gegensätze zu der Mel­dung eines schlesischen Blattes auf diese vermuth­lich bestehende und bedauerliche Thatsache hinge­wiesen. Jetzt wird es halbamtlich bestätigt, daß die Regierung diese ihr untergeschobene gute Ab­sicht nicht hat: „Nachdem — so liest man in den ,Berl. Pol. Nachr." — i. I. 1886 eine Masfenausweisung polnischer Arbeiter nothwendig (?) geworden war, ist man zu dem Grundsätze übergegangen, polnische Arbeiter nur vorüber­gehend zuzulaffen. An diesem Grundsätze wird auch in der Zukunft streng festge­halten werden."

Marianne.

Dem englischen Originale der Lady Fullerton nacherzählt. Bon M. Röhr.

- (Nachdruck verboten.)

11. Kapitel.

haft» bel ^verflossenen zwölf Jahre M.lke ftch Lady Daoement gar nicht verändert. »°ch immer sehr hübsch und äußerst ^gezogen. Es war ein sonniges Lächeln auf ihrem Antlitz, als sie, an Seite sitzend, ihre Tochter ins Zimmer treten sah. Sie stand auf, breitete beide Arme aus und rief:

. " 0, meine Anna, mein Kind, welch' glück- icher Augenbt-ck!" Es war einigermaßen den ic»er Zett gemäß, daß Anno, anstatt sich von ihrer Mutter umarmen zu lassen, sich tief ?^ugte d,e Hand der Dame ergriff, küßte und sagte: „W-e gütig Sie sind l"

r D»»Ent erhob ihre kniende Tochter, ibrTft- l unb sie neben sich nieder,

festhaltend. Sie betrachtete sie mit , Befriedigung, denn selbst im em Zachen Schulende sah sie außerordentlich lieb- Ä ®ar «ne Schönheit eigener Art:

f rwar ein wenig Bläffe, aber nnen zarten, lieblichen Ausdruck, regelmäßige Züge und wundervolle Augen. Sie war Lady ^/ment mcht im Entferntesten ähnlich. Viel- !» diesem Augenblick ein leichter hrtHo k Gcmülh, der sich nicht erhoben hatte, wäre «Inna frisch und ruhig gewesen. Aber es war dies njp: ein flüchtiger Gedanke, denn

Anna'» Hand ergreifend, sagte sie zu Frau Dimple:

„Ich habe mich so lange nach diesem Augen- blick gesehnt. Schon fürchtete ich, der arme, liebe Herr Mordaunt würde mich überleben. Als er blind wurde, war ich ganz seine Sklavin. Wenn ich ihn auf nur einige Wochen verlassen hätte, um mein Kind zu besuchen, hätte er sicher sein Testament geändert und sein ganzes Vermögen der Willwe seines Neffen, einer Frau N^es hinterlassen. Nun hat er sie aber enterbt, weil sie eine Papistin ist. Seit Georg's Tode hörte er nichts mehr von ihr, und er hätte gern ge­wußt, ob sie Kinder habe. Einmal diktirte er mir eine Anfrage, und ich schickte die Briefe an verschiedene Freunde in England, es kam aber keine Antwort. Sie können sich denken, in wel­cher Angst ich war, aber alles hat ein gutes Ende genommen Ich habe alles geerbt und'kann nun mein Kind mit mir nehmen, welches.in Ihrem Institut wirklich eine vortreffliche Erziehung ge­nossen hat."

„Wir werden ein angenehmes Leben führen, liebe Anna," fuhr si; zu dem jungen Mädchen gewendet fort, „das verspreche ich Dir. Lady und Miß Davement werden nächsten Winter am Hofe erscheinen und Aufsehen erregen. Aber ich sehe Thränen in Deinen Augen, hoffentlich Freudenthränen?"

Anna erröthete und sagte: „Ihre Güte über­trifft alles, was ich selbst nach so vielen Gunst, bezeugungen von Ihnen erwarten durfte. Aber dieser schnelle und große Wechsel erschreckt mich, ich fürchte, ich bin nicht das, was Sie wünschen und was Sie von mir erwarten."

„Im Gegentheil, ich freue mich außerordent­lich über die Demuth, ich bin sehr zufrieden mit Deiner Erscheinung, und wenn Du richtig ge­kleidet sein wirst, so wirst Du entzückend sein. Spielst Du irgend ein Instrument?"

„Die Guitare," sagte Anna bescheiden.

„Sie ist sehr musikalisch und tanzt sehr graziös, ihr Gemüth ist treu und freundlich, und ihr Herz liebevoll," fiel Frau Dimple mit bewegter Stimme ein. Anna war immer einer ihrer Lieblinge, und die Thränen, die sie dem Abschied von der Schule zuschrieb, rührten sie.

Die Unterhaltung ging weiter, Anna wurde mit zärtlichem Kusse entlassen und ihr erlaubt, ihren Freundinnen zu erzählen, daß sie in drei Tagen die Schule verlassen und daß am Abend ihres Wegganges ein großes Fest im Park ge­feiert werden solle. Die Gesellschaft war aber noch nicht zurück, und Anna fand nur ihre treue Bessie, roekhe auf sie wartete.

„Nun, Anna, wie ist sie, was hat sie gesagt?"

Anna feilte sich ans Fenster, bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und brach in einen Strom von Thränen aus. Die arme Bessie stand bei ihr und wußte nicht, wie sie ihre arme Freundin trösten sollte.

„Ach, liebe Anna, so erzähle doch. Die Mäd­chen werden bald kommen, und wir werden nicht mehr lange allein sein."

„Ich weiß nicht, was ich sagen, denken oder fühlen soll. Sie zweifelt gar nicht, daß ich ihr Kind bin, sie ist die Güte selbst. In drei Tagen holt sie mich."

„Ach, das habe ich mir immer gedacht; aber erzähle weiter, bist Du glücklich?"

„Ach — mein Herz erwärmt sich nicht für sie, und ich fürchte das Leben, das sie mir aus­malt; sie spricht nur von der Welt, von Freude und Genuß, aber kein Wort von--"

„Wovon?"

„Von Gott und seinem heiligen Willen. O Bessie, was soll ich thun? Keiner kann mir rathen; ach, wenn nur Hanna tarne! Ich würde ihr schreiben, aber sie bekommt den Brief nicht mehr, denn Frau Dimple wird keinen Boten zu ihr schicken wollen. Ich weiß nicht, ob es recht oder unrecht ist, wenn ich Lady Davement sage, daß mich auch Frau Dates für ihre Tochter hält. Es ist so heuchlerisch, wenn ich Lady Davement küsse, anstatt ihr zu sagen: Ich glaube nicht, daß ich ihre Tochter bin. Meinst Du, daß ich ihr es sagen soll?"

„Aber, wenn sie wirklich Deine Mutter ist, dann wird sie böse werden. Wenn ich an Deiner Stelle wäre, würde ich denken, sie ist es und würde sie als meine Mutter lieben und glück­lich sein."

„Du hast vielleicht recht, aber glücklich kann ich nicht sein; vgn meinen Zweifeln werde ich jedoch nicht sprechen, ehe Hanna gesagt hat, was ich thun soll. Ich werd- mit ihr gehen und ruhig sein, ich werde sie nur küssen, wenn sie mich küßt. Dann werde ich sie bitten, mich nach Pad­dington fahren zu lassen, und wenn ich Hanna treffe, wird diese mir den besten Rath geben können, was ich thun soll." .

Lady Davement kam in'S Schulzimmer, um noch zärtlichen Abschied von ihrer Tochter zu nehmen, sprach von dem Feste, das sie den jungen Mädchen geben wollte und lud Bessie, als sie