KuUmerMZeitung
27. Jahrgang.
IuLöcr, Mittwoch, den 28. Februar 1900.
das kann nicht geleugnet werden, durchaus der
es denn verbietet, daß sich jemand zur Erde bestatten läßt, und welche Religion es fordert, daß ihr Anhänger seinen Leichnam verbrennen laßt. Das ist doch wohl nur die heidnische, die bei unserer Gesetzgebung nicht in Betracht kommt. — Und wer verbietet es denn den Neuheiden und jedem Anhänger der Feuerbestattung, seine Leiche in einem der bereits (außerhalb Preußen) vorhandenen Krematorien in Gotha
Jahrtausende gebildeten christlichen Sitte. Und darum thuen die kirchlichen Behörden wohl
oder Hamburg oder Heidelberg oder Jena oder Offenbach, verbrennen zu lassen? Niemand. Also verschone man uns mit unbegründeten Klagen über Intoleranz.
Noch hohler und lächerlicher aber ist das Gerede von Aberglauben und Vorurtheil, diesen Feinden einer „vernünftigen Entwickelung". Von Entwickelung kann doch keine Rede sein, wo nur die krasseste Reaktion geplant wird. Die Leichenverbrennung ist ja nicht etwa ein Fortschritt, sondern einRückschritt in die vorchristlichen Gebräuche. Sie war stets eine Begleiterscheinung des Heidenthums, obwohl nicht einmal allgemein (z. B. nicht bei Chinesen, Persern, Egyptern). Allmählich verdrängte das Christenthum die alt« heidnische Sitte. Etwa im 4. Jahrhundert war der Sieg des Christenthums im Gebiete des römischen Reiches entschieden, und seit der Zeit war die Grabbestattung oder Beerdigung allgemein üblich.
Erst mit der französischen Revolution tauchte die Verbrennungsfrage wieder auf. Wie man damals die Kirchhöfe zu rein bürgerlichen, profanen Begräbnißstätten degradirte, da die Kirche mit der Bestattung der Todten nichts mehr zu thun haben sollte, so wollte man auch an die Stelle der kirchlichen Beerdigung die Verbrennung der Leichen setzen. Dieser Ursprung der Berbrennungsfrage muß schon alle christlich denkenden Menschen stutzig machen; nicht minder auch der Umstand, daß unter denjenigen, die später als die hauptsächlichsten Vertheidiger und Befürworter der Leichenverbrennung ausgetreten sind, in erster Linie stehen krasse Materialisten (wie Moleschott) und Freidenker. Seit einigen Dezennien haben sich dann von Italien aus die Leichenverbrennungsvereine wieder ausgebreitet, und diese sind es, die eine Umgestaltung der Gesetzgebung zu Gunsten der fakultativen Feuerbestattung auch bei uns herbeizuführen trachten.
Bisher ist ihnen das zu ihrem Verdruß in Preußen noch nicht gelungen, und wenn der Abgeordnete Barth meint, Preußen müsse sich beeile.1, hier endlich einmal mitzukommen, so wollen wir umgekehrt wünschen und hoffen, daß Preußen noch recht lange sich weigert, diesen „Kultur-Fortschritt", der in Wahrheit ein Kulturrückschritt wäre, mitzumachen.
Es ist kein Aberglaube und kein Vorurtheil, wenn einer glaubt und urtheilt, daß der fragliche Antrag in Wahrheit ein Verstoß sei gegen die alte, geheiligte, christliche Sitte und gegen das christliche Fühlen und Empfinden.
Die Verbrennung der Leichen widerspricht,
Bestrebungen der Leichenverbrennungsfreunde gutzuheißen, fo hätte er noch andere triftige Gründe, um an dem Widerstände gegen die Leichenoerbrennung festzuhalten. Diese aber liegen auf dem juridisch-kriminalistischen Gebiete.
Es steht nämlich aktenmäßig fest, daß z. B. in der kurzen Zeit von 1872—1875 in einer ganzen Reihe von Fällen Mordthaten nicht entdeckt worden wären, die Bestrafung von Mördern nicht hätte erfolgen können, wenn die Leichenverbrennung zulässtg gewesen wäre. Die bloße Leichenschau, welche die Antragsteller gleichzeitig eingeführt wissen wollen, reicht erwiesenermaßen nicht aus, um Sicherheit zu geben, daß ein Mord nicht vorliegt. Diese Sicherheit ist erst dann vorhanden, wenn die Obduktion des Leichnams in ausgedehnter Weise stattgefunden hat, und zwar auf Grund ganz bestimmter Verdachtsmomente und nach einer ganz bestimmten Richtung hin. —
Schon allein dieser kriminalpolitische Gesichtspunkt reicht also aus, um den Widerstand des Staates gegen die Leichenverbrennungvollständig begründet erscheinen zu lassen. Der Widerstand der Bevölkerung aber, der aus dem christlichen Denken und Fühlen entspringt, wird trotz der eifrigen Agitation für die moderne Leichenverbrennung, die im Grunde eine mit sog. Aufklärung verquickte Gefühlsoerrohung bedeutet, so bald nicht überwunden werden, wenn auch demnächst im goldenen Mainz ein neues Krematorium zu den anderwärts schon vorhandenen hinzukommen sollte.
daran, daß sie dem Geistlichen jede amtliche Mitwirkung bei den sog. Feuerbestattungen untersagen und auch der Staat thut wohl daran, daß er einem solchen Angriff und Verstoß gegen christliche Sitte und christliches Gefühl seinerseits jede Förderung und Unterstützung versagt.
Und wenn der Staat selbst durch christlichreligiöse Bedenken nicht behindert würde die
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5# Leichenverbrennung oder Beerdigung?
Wie seit geraumer Zeit alljährlich, so wurde auch jetzt wieder von dem freisinnigen Abgeordneten Dr, Langerhans und Genossen ein Antrag betreffend die Einführung der fakultativen Feuerbestattung eingebracht, der in der Sitzung vom 16. Februar berathen und, wie zu erwarten stand, ab gelehnt worden ist.
Die Beharrlichkeit der Herren wäre einer besseren Sache würdig; denn die Begründung ihrer Forderung ist äußerst schwach und wird von Jahr zu Jahr, so scheint es, immer schwächer.
Früher stellte man die Sache so dar, als ob $om hygienischen Standpunkte das bisherige Begräbnißwesen zu verurtheilen sei. Aber in dieser Beziehung sind die Herren jetzt sehr kleinlaut geworden. Vor dreißig Jahren noch war es so ein Schlagwort, daß die Kirchhöfe ungesund seien. Jetzt haben die wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt, daß, wenn ein Kirchhof ordnungsmäßig angelegt ist, in keiner Weise eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit zu befürchten sei.
Noch schwächer dürfte die von Langerhans versuchte Begründung fein, daß „schließlich das Terrain für große Kirchhöfe — gar nicht mehr zu haben sein wird". Wenn es auch in Berlin nicht ganz leicht ist, Kirchhofsland in nächster Nähe zu gewinnen, so ist es doch noch nicht nöthig, wie Dr. L. meint, daß man deswegen meilenweit aus Berlin hinausgehen muß, um Kirchhofsland zu beschaffen; die Erfahrungen der neuesten Zeit haben dieses bewiesen. Aber was wollen diese Schwierigkeiten, die in Berlin und ein paar anderen großen Städten vorhanden sein mögen, für die Allgemeinheit beweisen?
Nein, mit praktisch-opportunistischen Gründen läßt sich die Förderung der fakultativen Feuerbestattung nicht plausibel machen. Darum kehrt man denn auch den wahren Grund des Antrags, seinen Zweck und seine Tendenz deutlich genug hervor, wenn man betont, daß man draußen im Lande noch mit Aberglauben und Vorurtheilen zu kämpfen habe", und pathetisch hinzufügt: „Aberglauben und Vorm- theile, meine Herren, sind die schlimmsten Feinde vernünftiger menschlicher Entwickelung!" — Nicht minder ist es deutlich, wenn ein zweiter Redner die Sache auf das Gebiet der Toleranz hinüberspielt und verlangt, daß seitens der Gesetzgebung die Anschauung von so und so viel tausend Menschen respektirt werden, daß diese Minorität der Bevölkerung bei der Bestattung so behandelt werde, wie sie es mit ihren Ästhetischen, religiösen und sonstigen (d. h.?) Anschauungen für verträglich hält.
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Deutsches D^ch.
Berlin, 27. Februar.
• Kttttnsminifter Dr. Studt kann schon in den nächsten Tagen wieder an den Berathungen des preußischen Abgeordnetenhauses theilnehmen. Er hat in diesem Sinne erklärt, daß es ihm recht fei, wenn am nächsten Donnerstag der Kultus-Etat int Abgeordnetenhause in Angriff genommen werde.
X Zur Ikstte« Morkage hat der Centralvorstand der nationalliberalen Partei, der am Montag im Reichstagsgebäude versammelt war, einen einstimmigen Beschluß gefaßt, der folgenden Wortlaut hat: „Der Centralvorstand der nationalliberalen Partei betrachtet es als selbstverständlich, daß alle Parteifreunde mit voller Kraft für das dem Reichstage von dem Bundes- rathe vorgelegte Flottengesetz eintreten." Es ist nicht recht einzusehen, zu welchem Zwecke diese Resolution gefaßt wurde, denn man weiß ja längst, daß die Nationalliberalen die allereifrigsten Flottenfreunde sind. Der tiefere Sinn des Beschlusses wird wohl in dem Wunsche liegen, sich wieder einmal „nach oben hin" in empfehlende Erinnerung zu bringen. Man hat sich auch mit der Möglich- keit einer Auflösung des Reichstages beschäftigt. „Die Verhandlungen des Centralvorstandes — so berichtet darüber die ,Natl. Korr/ — ließen . . . deutlich hervortreten, daß . . . für den Fall einer Reichstagsauflösung wegen der Flotte die Aussichten auf Herstellung einer flottenfreundlichen Mehrheit allgemein als günstige be
zeichnet werden können." Die Reichsregierung wird schwerlich große Lust haben, es ohne Noch auf eine solche Probe ankommen zu lassen. Staatssekretär .Graf von Posadowsky hat es erst im November des letzten Jahres ausgesprochen, wie die verbündeten Regierungen über eine Reichstagsauflösung denken: sie glauben nicht, daß durch Neuwahlen eine wesentlich andere Zusammensetzung des Reichstages herbeigeführt werden würde, mit anderen Worten, daß eine Auflösung ihren Zweck verfehlen müßte.
+ Der DiklakurparagrapH i« Eksah- Koltzriuge« war von dem Abgeordneten Prinz zu Hohenlohe bekämpft worden, als dieser um die Wahl in den Reichstag in dem elsässischen Wahlkreise Hagenau-Weißenburg sich bewarb. Das wurde am Mittwoch voriger Woche schon von zwei Reichstagsrednern hervorgehoben. Jetzt erscheint zum Beweise dieser Angabe in der Presse eine Stelle aus einem Wahlaufrufe des Prinzen Alexander zu Hohenlohe; sie lautet: „Ich werde im Falle meiner Wahl eintreten für die Gleichstellung Elsaß-Lothringens mit den übrigen deutschen Bundesstaaten und vor allem für Abschaffung des sogenannten Diktaturparagraphen." Hätten die Wähler des Prinzen diesem bestimmten Versprechen kein Vertrauen entgegengebracht, würden sie ihm schwerlich ihre Stimme gegeben haben. Jetzt, nachdem der Prinz im Reichstage für den Paragraphen eingetreten ist, sind sie ohne Zweifel sehr enttäuscht.
+ Die Vorlage über die ZLeflenernng der Waareuhäuser ist heute (Dienstag) nach vierstündiger Berathung an eine Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen worden. Von den Rednern aus dem Hause wurden kaum noch neue Gesichtspunkte vorgebracht, ausgenommen den natl. Abg. v. d. Borght, der die trügliche Schlußfolgerung aus dem Gesetzentwürfe zog, nun müsse man auch dem kleinen Industriellen und dem kleinen Landwirthe behilflich fein gegen den großen Industriellen und den land- wirthschaftlichen Großbetrieb. Natürlich erzielte Redner mit diesem Trugschlüsse nicht den von ihm gewünschten Erfolg. Die Freikonfervativen wollen nach der Erklärung des Abg. Gamp am Zustandekommen des Gesetzes mitarbeiten. Am interessantesten war eine weitere Rede des Staatsministers von Miquel, der von neuem darthat, er wolle ja gar nicht die Kleinen gegen die Großen unterstützen, er wolle nur nicht dulden, daß die Kleinen in ihrem Wettbewerbe unmittelbar geschädigt würden durch die Vortheile, die die Waarenhäuser durch die Art ihres Betriebes vor jenen voraus haben. Aber heute hob auch der Minister von Miquel hervor, daß eS nicht vortheilhaft sei, wenn die Zahl der kleinen selbständigen Existenzen verringert und diejenige der abhängigen Leute vermehrt werde. — Am Mittwoch wird die Etatsberathung fortgesetzt.
»I • Kege« die KSIerschkächterei wendet sich in sehr verständiger Weise ein Rundschreiben des Landrathes im schlesischen Kreise Ohlau. Es heißt u. A. in dem besagten Rundschreiben: „Das wirksamste und an einigen Orten mit Erfolg angewandte Mittel ist die Selbsthilfe der Betheiligten in der Art, daß fämmtliche Besitzer
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Da fragt man doch mit Recht, wenn hier im Saufe der Jahrhunderte, ja durch bald zwei von Intoleranz die Rede ist, welche Religion" Jahrtausende gebildeten christlichen Sitte.
mit ZlnLerhakftmgs-Mellage „ILtflrirle Sonntags-Zeitung? -»west“
Marianne.
Dem englischen Originale der Lady Fullerton nacherzählt. Von M. Röhr.
12 ------ (Nachdruck verboten.)
Rosli Dawson sagte, daß in dieser Beziehung Anna Davernent am besten daran fe», sie bekäme aus Frankreich ganze Kisten gebackener Aepfel, getrockneter Pflaumen und seltener Biskuits. Jane behauptete, Anna Davernent sei ein sehr sonderbares Mädchen. Vessie Fair- schild aber sah ärgerlich von ihrer Arbeit auf und sagte, Anna Davernent fei das liebenswürdigste Mädchen der Schule und sie sähe nichts Sonderbares an ihr. Jane dagegen bemerkte, es sei doch sonderbar genug, daß sie alle freien Tage mit zwei alten Frauen verlebe, mit denen sie gar nicht verwandt sei. Rose sagte, das einzige Mal, da sie Anna hätte heftig Werden sehen, sei damals gewesen, als sie sich Über Fräulein Porter's Kleidung luftig gemacht hätten.
„Ich wundere mich", sagte Jane, „daß ihre Mutter, die sie so reich beschenkt, sie nicht zu sich nach Frankreich kommen läßt. Bessre mag sagen, was sie will, ich bleibe dabei, mi Anna ist es nicht ganz richtig, sie ist eine ganz ungewöhnliche Erscheinung".
„Ich sage nicht das Gegentheil", entgegnete Bef sie, „denn sie ist ja ungewöhnlich gut Und hübsch."
„Aber ich halte sie für einen Sonderling." „Nun Jane, mag sie ein Sonderling fein, ^Mrner aber ist sie bereit, uns eine Gefälligkeit
zu erweisen und sie spricht stets die Wahrheit, selbst wenn sie Schaden davon hat."
Rosa gab dies zu.
„Aber, ihr wißt nicht, was ich weiß," fügte Hanna geheirnnißvoll hinzu, „Sie trägt ein Kreuz, das sie unter ihrem Kleide versteckt. Ich habe auch gesehen, wie sie es geküßt hat. Sie wird furchtbar bestrafe wenn Frau Simple dies entdeckt."
„Glaubst Du, sie sei eine Papistin?" fragen die Mädchen ganz erschreckt.
„Wenn sie auch feine ist, die alte Frau, welche sie immer besucht, ist es ohne Zweifel. Das neue Dienstmädchen hat es gesagt."
„Nein, wie schrecklich! Ich muß sie mir das nächste Mal, wenn sie zu Anna kommt, genau betrachten. WaS sind denn eigentlich Papisten?"
Doch die Thüre öffnete sich und Anna kam herein. Sie war schlank und sehr hübsch, ihr Gesicht ausdrucksvoll, und ihr Betragen liebenswürdig. Selbst diejenigen ihrer Mitschülerinnen, die sie eben abgeurtheilt hatten, konnten sich dem Einflüsse ihres gewinnenden Benehmens nicht entziehen. Eine Schachtel Chokolade, welche sie in der Hand hielt, bot sie sämmtlichen Mädchen so lange an, bis sie leer war.
„Nun hast du nichts für dich," sagte Bessre leise.
„Ich mache mir nichts daraus. Aber du siehst so müde aus, Jane."
„Ich bin todtmüde von dem vielen Nähen. Ich bin eine langsame Arbeiterin und werde mit meiner Aufgabe niemals zur rechten Zeit fertig."
Anna streckte ihre Hand aus und sagte sanft:
„Laß sie mich beendigen. Ich hatte heute eine so leichte Arbeit und möchte mich gern an der Deinigen noch etwas üben."
Bessre, welche neben Jane saß, flüsterte: „Nicht war. Sie ist ein Sonderling?"
Jane that, als wenn Sie nichts höre, ließ Anna ihre Arbeit und lehnte ihren Kopf gegen den hohen Lehnstuhl mit einer Miene der Befriedigung. Rosa sagte, die Chokolade fei vorzüglich und fragte, ob sie aus Frankreich fei. Anna nickte, worauf Fanny frug, ob sie sich nach Frankreich sehne.
„Wenn ich an Deiner Stelle wäre, würde ich vor Sehnsucht sterben."
„Hast Du niemals deine Mutter gesehen?"
Anna antwortete nicht und beugte sich Über ihre Arbeit herunter.
„Warum fährst Du in den Ferien nie hin?"
„Ach Deine geographischen Kenntnisse müssen sehr gering fein, liebe Jane, die Reise nach Montpellier nimmt mehr Zeit in Anspruch, als unsere Ferien dauern," sagte Fanny.
„Es ist aber zu dumm, wenn man seine Mutter nicht sieht."
„Du betrübst Anna mit deinem kindischen Geschwätz, kümmere dich doch um Deine eigene Sache," sagte Bessie.
Mit dem Glockenschlage erschien Frau Simple, und gab den Befehl, daß die jungen Samen, die ihre Arbeit vollendet, nun ihren Abendfpazier- gang machen sollten. Bessie packte ihre Arbeit wieder aus, um mit Anna ungestört eine Stunde allein im Schulzimmer bleiben zu können. Ihre Strategie war erfolgreich. Nachdem die jungen Mädchen, Frau Simple an der Spitze, das Zimmer
verlassen hatten, wurden zwei Stühle ans Fenster gerückt, und die Freundinnen hörten den Gesang der Vögel, genossen den Suft der LindenblÜthen, die kühle frische Luft, die vom Flusse herwehte, und konnten ungestört ihre Gedanken austauschen.
„Ich bin so froh, daß wir allein sind. Ich möchte Sich fragen, wann Su Hanna zuletzt gesehen hast."
„Schon lange nicht. Ich hoffe, sie kommt bald oder schreibt mir. Sie ist keine große Schriftstellerin, und eine Feder zur Hand zu nehmen, macht ihr viel Arbeit. Du bist die einzige, Bessie, außer Hanna, mit der ich von dem sprechen kann, was alle meine Gedanken gefangen hält."
„Du meinst Deine zwei Mütter?"
„Ja es ist sonderbar, so verschiedene gütige Briefe zu empfangen von zwei Personen, die sich meine Mutter nennen, ohne daß ich weiß, welche die wirkliche ist."
„Frau Simple und Frau Coggle sagen, daß es Lady Saoement ist."
„Aber Hanna bestreitet es, und fast glaube ick, daß sie recht hat."
„Welche Mutter hat Sir zuletzt geschrieben?"
„Lady Saoement; sie schreibt mir sehr oft, auf so feinem, duftenden Papier. Sie nennt mich rur ihr süßes Kind und verspricht mir, daß ich bald bei ihr wohnen solle, in einem schönen Hause mit zahlreicher Gesellschaft und (eben in allen Freuden und Genüssen der Welt."
„Ach wirklich, was für ein Wechsel das für Dich fein wird! Denkst Du gerne daran?"
(Fortsetzung folgt.)