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0 Zur Entwickelungsgeschichte der preußischen Novelle zum Gemeinde­wahlgesetze.

In der Kommission des preußischen Abge­ordnetenhauses, die in der voraufgegangenen Tagung mit der ersten Novelle zum Gemeinde- Wahlgesetze sich beschäftigte, erklärte die Regierung nach dem Scheitern der Verhandlungen, die Vor­tage solle unter Berücksichtigung der Kom­missionsverhandlungen dem Landtage in seiner folgenden Tagung wiederum zugehen. Der Ausdruck war dunkel, mindestens vieldeutig. Er konnte ebenso gut bedeuten, daß die Gesichts­punkte des Kompromisses Fritzen-Sattler berück­sichtigt werden sollten, als auch das Gegentheil davon, daß die Regierung Rücksicht nehmen wolle auf die G e l d sack int e r e s s e n, die nament­lich in geradezu brutaler Art von der ,Kölnisch-n Zeitung' und ihren Hintermännern verfochten wurden. Diese befolgten das Rezept des „Schreiens, Schreiens, Schreiens" — und auch diesmal scheint dasselbe nicht ohne Wirkung ge­blieben zu sein.

Zunächst freilich ertönte alsbald nach dem Amtsantritte des neuen preußischen Ministers des Innern, Freiherrn von Rheinbaben die Versicherung, daß dieser nicht die Absicht habe, in Sachen der Novelle zum Gemeindewahlgesetze — „Reform" wird sie kühn genannt! — die Spuren seines Vorgängers zu wandeln. Eine Kommission des Ministeriums des Innern reiste nach Köln, nach Magdeburg, nach BceSlau und nach Posen; es mußte doch wenigstens äußer­lich so scheinen, als würden nochmals ernstliche Erhebungen veranstaltet. Als man nun aber die neue Vorlage sah, da wußte man auch, was die offiziöse Ankündigung zu bedeuten hatte, daß die Novelle umgewandelt worden sei nach den Erfahrungen, die der Herr Minister während seiner Amtsthätigkeit als Regierungspräsident in Düsseldorf gesammelt hätte. Geschrieen — geschrieen — geschriee« hatten die Ver­treter der reinen Geldsackherrschaft im Rheinlands und in Westfalen und der neue Herr Minister hatte sie gehört: die neue Vorlage kommt den Rittern vom Geldsacke um einen weiteren mächtigen Schritt entgegen. Kann doch sogar die nationalliberale National-Zeitung die Bemerkung nicht unterdrücken, daß bei der Ab- faffung des neuen Entwurfes wohl „eine gegen das Vorjahr vergrößerte Sorge vor der De- mokratisirung der Gemeindewahlen maßgebend gewesen sei" — eine zarte Umschrei­bung der Thatsache, die, in ehrlichem Deutsch gekennzeichnet, eben nichts weiter ist als eine neue Verbeugung der Regierung vor dem Groß­kapital und seinen Sonderinteressen.

Sogar das Berliner Organ des Central- Verbandes der Industriellen, die ,Berl. Reuest. Nachr.', meint von der neuen Novelle: „. . . Die­jenigen, welchen der vorjährige Entwurf schwere

Marianne.

Dem englischen Originale der Lady Fullerton nacherzählt. Von M. Röhr.

q ------ (Nachdruck verboten.)

Wieder einige Wochen spater ging Hanna am Feste Mariä Empfängniß in die Kapelle der spanischen Gesandtschaft, welche sie seit ihrer Kindheit zu besuchen nicht unterließ. Einmal war sie daselbst auch mit ihrer Herrin Donna Luise de Carvajal gewesen. Von dem bekannten Bilde der Kreuzigung über dem Altar zog sie manche -Ermahnung zum Muth und zur Ausdauer, welche ihr Hais, den Gefahren zu begegnen, dem Tode ins Antlitz zu schauen, und sich selbst dem Dienste anderer zu widmen.

Als sie ihr Haupt, das lange im Gebet ge­beugt war, erhob, sah sie in einer geringen Ent­fernung vor sich eine schwarzgekleidete Frau knieen Es verging ihr, wie sie sagte, der Athem, und ihr Herz fing an, stärker zu schlagen; denn ein Etwas in deren Gesicht, so viel sie davon sehen konnte, erinnerte sie an Frau Dates. Die hl. Meffe sollte gerade beginnen.

Die Kapellen der katholischen Gesandten waren in jener Zeit der einzige Ort, an dem die Gläu­bigen von London die heilige Messe ruhigen Herzens anhören konnten. Ueberall sonst, obgleich Jahr aus, Jahr ein, die Erfüllung des hl. Opfers der Entdeckung entgangen sein mochte, war der Tag zu fürchten, an dem die ruhelosen, unbarm­herzigen Verfolger einbrechen konnten, um die Priester zu ergreifen, die Gemeinde zu zerstreuen und gewaltsam Hand an die heiligen Gefäße zu

27. Jahrgang.

Irrlöa, Samstag, den 24. Februar 1900.

Bedenken einflößte, können sich mit der neuen Vorlage befreunden. Insbesondere möchten wir das von den rheinischen Nationalliberalen meinen, die den vorjährigen Entwurf am schärfsten be­kämpft haben. Vorwürfe, wie den damals er­hobenen, daß alle rheinischen Gemeindem dem Centrum ausgeliefert werden würden, werden sie jetzt n i ch t m e h r aufrecht erhalten können. Anderer­seits müssen sie anerkennen, daß der Grundsatz der Wiederherstellung des Zustandes von 1891 derGerechtigkeit entspricht."

Das schreibt sogar eine Zeitung von dem Schlags des genannten Berliner Krupp-Blattes. Aber die .Kölnische Zeitung' und ihre Hinter­männer bleiben beim Schreien. Jetzt, nachdem sie gesehen haben, daß die Regierung durch ihr Schreien sich beeinflussen läßt, erheben sie ihr Haupt erst recht und stellen das weitere Ver­langen: es solle alles beim alten bleiben, ohne Novelle; die Ungerechtigkeiten, wie sie aus der Verbindung des alten Gemeindewahlgesetzes mit den neuen Steuergesetzen heroorgehen, sollen bestehen bleiben. Allerhöchstens könnte man viel­leicht etwas ändern an den Zuständen in den Städten mit mehr als 100,000 Einwohnern.

Der Ausdruck von der „Demokratisi- rung" der Gemeindewahlen stammt aus den Ausführungen konservativer Redner in der Kom­mission des Abzeordnetenhausesim vorigen Jahre — als ob eine Demokratisirung überhaupt mög­lich wäre unter der Herrschaft des alten Gesetzes mit seinen drei Steuerklassen, durch dessen Bestimmungen auch vor der Steuerreform, vor 1891, schon mehrmals 80 oder 85 v. H. aller Wähler in die dritte Abtheilung und damit von vornherein in die Minderheit gedrängt wur­den! Für den volksfreundlichen Politiker war schon der Zustand vor 1891 nichts weniger als erfreulich; die neuen Mißstände aber, wie sie entstanden sind aus den Einflüssen der neuen Steuergesetze, sind vollkommen unerträglich, eine schreiende Ungerechtigkeit, und einer solchen machen sich alle diejenigen schuldig, die dazu beitragen wollen, daß nicht allerwenigstens wieder der Zustand vor 1891 erreicht werde.

Der neue Entwurf entspricht sogar dem, was Minister von Miquel in der vorjährigen Kom­mission als leitenden Grundsatz der Regierung hinstellte. „Die plutokratischen Verschiebungen — so führte Herr von Miquel damals aus — sind durch staatliche Gesetze herbeigeführt worden. Deshalb ist es auch Aufgabe des Staates, durch allgemeine Gesetze die Übeln Folgen für das Gemeindewahlrecht wieder zu beseitigen....."

Herr von Miquel erklärte ausdrücklich, die Regierung werde einer allzu ausgedehnten Selbst­ständigkeit der Gemeinden in dieser Sache nicht ihre Zustimmung ertheilen; und nun macht es Herr jvon Rheinbaben mit seinem neuen Entwürfe und seinen vielerlei Möglichkeiten von Bestimmungen in den Ortsstatuten den Gemein­den so recht bequem, bei sich daheim so recht nach Belieben und freier Willkür zu Hausen. Ist denn Herr von Rheinbaben mächtiger als Herr von Miquel geworden?

legen. Es war deshalb ein besonderes Vorrecht, Zutritt in jene Häuser zu haben, wo die Rechte der fremden Mächte ein derartiges Eindringen verhinderten, und wo, Dank der unermüdlichen Gebeten und Anstrengungen der Donna Luisa de Corvajal, seit mehr als einem halben Jahrhunderte die hl. Sakramente im Geheimen gespendet und verehrt wurden.

Hanna betete mit ihrer gewöhnlichen Inbrunst, ja noch inbrünstiger als sonst, obgleich ihre Augen und Gedanken sich fortwährend dem Orte zuwandten, wo die schwarzgekleidete Dame kniete. Kaum war das „Ite missa est“ gesagt, als sie sich erhob und zur Thür eilte, um die Dame zu sehen, wenn sie die geheiligte Stätte verließ. Die Dame betete noch immer, und als sie endlich zu gehen sich an­schickte, zog sie einen dichten Schleier vor ihr bleiches Gesicht und glitt mit leichtem Schritt zur Thür hinaus, die Treppe hinunter und durch die Vorhalle auf die Straße. Hanna folgte ihr, und endlich sah sie sich ein Gesicht zugewandt, welches so weiß war wie ein Tuch. Als sie in diese dunklen Augen, in das kranke blasse Gesicht blickte, flog ein Strahl innigster Freude über ihr Gesicht. Frau Dates, denn sie war es, lehnte athemlos an der Mauer und drückte in ihren Blicken eine Frage aus, die in Worte zu kleiden sie keine Kraft hatte.

„Sie lebt und ist gesund" flüsterte ihr Hanna zu, und dann erleicherte ein Thränenstrom das über­bürdete Herz der armen Mutter.

„Weinen Sie nicht so, Frau Dates; kommen Sie mit mir, um Polly zu sehen."

„Er wird sie niemals sehen."

„Der arme Herr Dates, nein, wenigstens nicht in dieser schlechten Welt; aber wir werden uns

alle im Himmel wieder begegnen. Kommen Sie heute noch mit mir nach Paddington?"

„Ich weiß nicht; o ja, vielleicht wenn meine Glieder mich bis dahin tragen. Ist sie — o Hanna, — soll ich sie wirklich sehen?"

„Natürlich; aber warum, in Gottes Namen, haben Sie uns nie geschrieben in dieser ganzen langen Zeit?"

,.Jch habe geschrieben. Haben Sie keiner meiner Briefe erhalten?"

„Nicht eine Zeile."

„Auch kein Geld?"

„Keinen Heller."

„Sehr viel konnte ich niemals senden; aber das eine Mal vertraute ich einem nach England reisenden Bekannten eine kleine Summa an, die er getreulich abzuliefern versprach. Wir lebten in einem so abgelegenen, kleinen Dorfe, meilenweit von jedem größeren Orte, an dem Theile der Küste, auf dem mir Schiffbruch litten."

„Und wie haben Sie denn dort gelebt?"

„Elend genug. Mein Gatte wurde sterbens­krank, ich konnte ihn nicht verlassen, und nur da­durch, daß ich meine sämmtlichen Sachen in der nächsten Stadt verkaufte, hatten wir einige Mittel. Als er dann starb, erschien mir alles, was ich schon vorher gelitten, nichts im Vergleich mit meinem gegenwärtigen Verlust. An demselben Tage, an dem er in sei» bescheidenes Grab aus dem Dorfkirchhofe gelegt wurde, machte ich mich nach England auf. Aber Hanna, ich habe kein Geld, und wie soll ich von Frau Coggle mein Kind verlangen, wenn ich kein Geld habe, ihre Auslagen zu bezahlen? Alles wckr meinem Manne genommen worden, als er muthig zu

Derrtsches Reich.

Berlin, 23. Februar.

h. Pas Befinde« des ASg. Pr. KieSer ist in fortschreitender Besserung begriffen. Der Vorsitzende der Budgetkommission des Reichstages, Abg. von Kardorff, erbat sich heute (Freitag) in der genannten Kommission die Erlaubniß, Namens derselben dem auf dem Wege der Besserung befindlichen Abg. Dr. Lieber die Glückwünsche der Kommission zur Genesung zu übermitteln. Die Kommission ertheilte ein­stimmig ihre Ermächtigung dazu.

+ Per Mari«s- Ktat beschäftigte heute (Freitag) fortgesetzt die Budgetkommission des Reichstages. Der Rest des Ordinariums wurde nach unwesentlicher Debatte in der Fassung der Regierungsvorschläge angenommen. Bei der Be- rathung der einmaligen Ausgaben entspann sich eine eingehende Debatte. Der Referent Müller- Fulda empfahl die Bewilligung aller geforderten Neubauten, obwohl die Preise der Schiffsbauten erheblich gestiegen sind. Bei Linienschiffen sind diese Baukosten um 2^/- Millionen für jedes Schiff gestiegen, bei großen Kreuzern um 2300000, bei kleinen um 590000 Mark. Uebrigens bauen die Staatswerften theurer, als die Privatindustrie, wie der Berichterstatter mit- theilt. Dann äußert derselbe: „Ich befürchte als eine gefährliche Folge des neuen Flottengesetzes, daß es auf die allgemeire wirthschaftliche Lage des Landes einwirken, Ar- beiternoth und Preissteigerungen un­gesunder Art herbeiführen würde, worauf dann unliebsame Rückschläge nicht aus- b leib en können." Auf eine Anfrage erwiderte Staatssekretär Tirpitz, gegenwärtig gebe es keine anderen Bezugsquellen für gute Panzer­platten, als die Firmen Krupp und Stumm, worauf Abg. Müller-Fulda sich dahin äußerte, daß das sehr bedauerlich, sogar eine wirthschaftliche Gefahr sei. Gleichzeitig machte der Redner auf die großen Verdienste aufmerksam, die die Rohstoff- und Halbfabrikat-Syndikate aus den gestiegenen Preisen einheimsen. — Zur Be­schaffung von Munition wurden allein 3 Millionen Mark bewilligt. — Am Dienstag wird die Berathung fortgesetzt.

X Ilever die Aattak-Dortage gehen allerhand Gerüchte um, als sollte dieselbe inner­halb dieser Tagung gar nicht mehr an den preußischen Landtag gelangen. In allen mög­lichen Blättern erscheinen Bemerkungen dieses Sinnes, so daß man säst zu der Annahme ver­sucht werden könnte, diese Bemerkungen würden geflissentlich ausgestreut. Wenn man freilich bei der alten Annahme bleibt, daß die preußische Regierung erst abwarten will, was aus der Flotten-Vorlage wird, bevor sie die Kanal- Vorlage im preußischen Landtage einbringt, dann gewinnt man einen gewissen Grao von Wahr­scheinlichkeit für die Verschiebung der Kanal-Vor­lage bis zur nächsten Tagung des preußischen Landtages; denn die Flotten-Vorlage wird im Reichstage nicht eher in Angriff genommen wer­den, bis nicht der Etat vollständig durchberathen sein wird. Es könnte also recht wohl möglich sein, daß das vor den Osterferien gar nicht mehr

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geschieht. Es ist nur die Frage, ob nicht übe die Behandlung der Kanal-Vorlage unversehens ein mächtiger und energischer Wille anders ent­scheidet, im Gegensätze zu allen Ministerplänen. — Die «Nordd. Allg. Ztg.' schreibt offiziös, daß „die nunmehr kundgegebene Stellung der Staatsregierung zur Kanal-Vorlage sich in keiner Weise geändert hat". Weiterhin lautet die halbamtliche Kundgebung: „Die Ent­scheidung über den genauen Zeitpunkts der Ein­bringung der Vorlage kann selbstverständlich erst nach vollständiger Fertigstellung aller angekündig­ten Einzelvorlagen getroffen werden. Schon aus diesem Grunde kann die Nachricht nicht zutreffend sein, daß die Gesammtvorlage in dem Kabinet Sr. Majestät zur allerhöchsten Beschlußfassung sich befindet. Damit fallen auch die an diese Nachricht geknüpften Vermuthungen von selbst fort" — nämlich daß, wie manche Blätter wissen wollten, die Entscheidung des Kaisers in den nächsten Tagen dahin ergehen werde, die Kanal- Vorlage zu "Gunsten des Flotten-Gesetzes bis zur nächsten Landtags-Session zurückzustellen. Wenn man sich indessen die halbamtliche ;Ableugnung genauer besieht, dann findet man, daß sie sehr vorsichtig um jede bestimmte Aeußerung sich herumdrückt. Wenn jetzt noch nicht einmal der Entwurf fertig gestellt ist, dann kann es doch noch recht lange dauern, bis er seinen Weg bis zum Landtage zurückgelegt haben wird.

© Ileßer dir lex Kei«tze verlautet, nach den Verabredungen zwischen den Vertretern der Parteien solle der Theaterparagraph abgeschwächt, der Arbeitgeberparagraph aber und die Herauf­setzung des Schutzalters für unbescholtene Mädchen fallen gelassen werden. Diese letztgenannten beiden Bestimmungen erklärte Staatssekretär Nieberding bekanntlich wiederholt für unannehmbar für die Regierung. Die neuen Vereinbarungen haben übrigens eine so starke Mehrheit hinter sich, daß ihre Annahme schon im voraus vollkommen ge­sichert ist.

x Telegramme der Zeitungen werden nicht ermäßigt, so hat von neuem Staats­sekretär von Podbielski entschieden. Der deutsche Handelstag hatte auf Betreiben der Ver­einigung ostdeutscher Handelskammern ein Gesuch in diesem Sinne an das Reichspostamt gerichtet nnd nunmehr diesen ablehnenden Bescheid erhalten. Namentlich die Provinzpresse hat den Schaden davon, die Berliner Großstadtpresse den Vortheil; und es ist darum nichts weniger als gesunde Mittelstandspolitik, daß das Reichspostamt auch hierin von nur fiskalischen Interessen sich leiten

läßt.

Berlin, 23. Febr. Das kaiserliche Paar wird morgen aus Huber tusstock nach Berlin zuruckkehren. Am Sonntag, den 4. März, fährt der Kars er zur Ver­eidigung der Marinerekrnten nach Wilhelmshaven und wird dort der Indienststellung deS neuen Panzerschiffes „Kaiser Wilhelm II." beiwohnen. - Der Kronprinz ist von Plön in Kiel eingetroffen, um sich vor ferner Abreise nach Potsdam vom Prinzen Heinrich und dessen Familie zu verabschieden. — Die ,Post erklärt, die Nachricht über angebliche Rücktritts-Absichten des Reichskanzlers und seines vermuthlrchen Nach­folgers seien mit äußerster Vorsicht auszunehmen, ms- besondere trage die Angabe, der Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg sei für das Amt des Rerchskanz lers ausersehen, den Stempel reiner Kombination deut­lich an der Stirn. Die neuerlichen Gerüchte übe^men

seinem Glauben zurückkehrte, nachdem er ihn vo^ her in schwachen Stunden verleugnet hatte. Ich will und muß alles bezahlen, was für meme Marie ausgelegt wurde."

„Ja, ja, mit der Zeit," erwiderte Hanna treuherzig, „ich will meine darüber be­ruhigen. Aber kommen Sie, holen Sie sich Ihre Polly heim." , .

„Heim?" frug Frau Yates mrt emeln so un­sagbar traurigem Tone, daß Hanna die Thranen in" die Augen traten; sie wußte jetzt, daß die ge­brochene verwittwete Mutter keine Hermath mehr hatte. Nach einer kleinen Pause fuhr Frau Dates fort: „Ich will mir in Ihrer Nähe ein Heine« Zimmer miethen." ..

„Ja, ja, das ist das Beste, was Sie thun können." , , c

„Ich werde Näharbeit suchen und all- '^„O ja, allmählig wird alles gut werden," tröstete sie Hanna. „Holen Sie nur Polly.

„Ist sie nicht glücklich, wird sur sie nicht ge­sorgt?"

„Ach Gott, ja, nur wird sie viel zu viel verzogen. Sie ist doch am besten.bei ihrer Mutter aufgehoben. Konnten Sie uns denn gar nicht finden?"

„Vergebens fragte ich in ihrer alten Nachbar­schaft nach; einer schickte mich hierhin, der andere dorthin, ich ging von Ort zu Ort, ohne Sie finden zu können."

„Jetzt aber kommen Sie bald?

„Heute Abend, wenn ich eine geheiligte Pflicht erfüllt habe."

„Lassen Sie alle Pflichten; die heiligste tfl dir, zu ihrem Kinde zu kommen." (F. !•)