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27. Jahrgang.

IuLöa, Freitag, den 16. Februar 1900.

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Deutsches Keich.

Berlin, 15. Februar.

* Im Befinden des Abg. Dr. Lieber war heute, wie die.Germania' meldet, eine wesentliche Aenderung nicht zu verzeichnen. Die erste Hälfte her letzten Nacht war sehr unruhig, dann aber stellte fich ein stärkender Schlaf ein. Das Be­finden war im Laufe des heutigen Vormittags wieder zufriedenstellend, auch die Nahrungsauf­nahme ist noch immer verhältnißmäßig gut. Der heute Morgen hier eingetroffene auf der Durchreise nach Hildesheim befindliche Cardinal-Fürst­bischof Kopp von Breslau ließ sogleich über das Befinden des Abg. Dr. Lieber ErkundigrkKg «inziehen. Der Kranke war im Verlaufe des heutigen Nachmittags fieberfrei und sein Befinden im Ganzen, namentlich was den Kräftestand be­trifft, zufriedenstellend.

-j- Zur Iko11envorl«ge schreibt heute die halbamtliche .Berliner Korrespondenz': „Der Redner des CrntrumS stellte, wie nach den bis­herigen Auslastungen der Preffe dieser Partei zu erwarten war, die Deckungsfrage in den Vordergrund. Was diesen Punkt andelangt, darf die Zuversicht gehegt werden, daß eine ge­deihliche Lösung in der Budget-Kommission gefunden wird." Der Redner des Centrums hat gesagt, daß die Kostendeckung niemals die schwächeren Steuerschultern belasten dürfe, sondern daß die Last auf die Interessen­ten und Vermögenden abgewälzt werden müsse. Hat sich die,Berl. Korresp.' und haben sich die Herren, welche hinter ihr stehen, so schnell mit den Anschauungen des Centrums befreundet? Das wäre ja sehr erfreulich, aber in der Schnelligkeit des Eintretens dieses freudigen Ereignisses nichts­destoweniger außerordentlich überraschend. Man wird gebührende Zweifel daran zu hegen haben, daß das der Fall sei. — Das Neueste auf dem Gebiete der Deckungs-Vorschläge ist eine Reichs- Flottensteuer, ein Vorschlag, der in einem rheinischen Centrums - Blatte auftaucht. Gewiß, wenn das Reich Flotten bauen will und sonst kein Geld dazu hat, dann liegt der Gedanke einer solchen Steuer am allernächsten. Und wenn eine solche Steuer so abgestust würde, daß die unteren Steuerklaffen vollkommen frei von der Belastung blieben, der Steuer-Prozentfatz der Flottensteuer aber nach den oberen Steuerstufen hin immer kräftiger würde, dann würde wenig gegen eine solche Kostendeckung einzuwenden sein. Die ein­zelnen Bundesstaaten müßten die Steuer erheben nach den Grundsätzen der in ihnen gel­tenden Einkommen- oder Vermögenssteuer, müßten also durch entsprechende Erh ö hung der M atri- kularbeiträge ihre Beiträge für die Flotte an das Reich abführen. Die Steuer brauchte ja auch nur dann erhoben zu werden, wenn in den lau­fenden Einnahmen oes Reiches die Deckung nicht enthalten wäre. Im Allgemeinen entspricht der Vorschlag demjenigen, der vor einiger Zeit in der ,Fuld.Ztg.' zur Kostendeckung gemacht worden ist.

+ Der Militär Ktat wurde am heutigen Donnerstag von der Budget-Kommission des Reichstages weiter berathen. Mit großer Mehr­heit wurde ein Antrag des koaserv. Abg. Graf Stolberg angenommen, den Herrn Reichskanzler

Marianne.

Dem englischen Originale der Lady Fullerton nacherzählt. Von M. Röhr.

2 ------ (Nachdruck verboten.)

2. Kapitel.

Hannas Voraussetzung war richtig, es ge­schah kein Wunder, oder etwas dem Aehnliches. Das Feuer, welches einen großen Theil des alten Londons verzehrt und viele seiner großen Gebäude, fcroie viele Tausende seiner eng ge­bauten hölzernen Häuser in Asche gelegt hatte, wüthete mit unverminderter Gewalt fort. Groß war der Verlust und die Verzweiflung, die diese Feuersbrunst hervorrief. Manches kostbare Leben ging verloren, manches glückliche Heim wurde plötzlich zerstört. Wer kann die Zahl der ver­schwundenen Freuden, der vernichteten Hoff­nungen. der gebrochenen Herzen zählen?

Oeffenlliche Ereignisse von solcher Großartig­keit beeinflussen oft, während sie die Welt in heiliger Scheu halten, ein dunkles Schicksal, mit welchem sie sonst in gar keinem Zusammenhangs stehen. Das Feuer hatte sehr viel mit dem Ge­schick des kleinen Geschöpfes zu thun, welches Frau Coggle durchaus in seiner Wiege sehen wollte. Aber während sie das Umsichgreifen der Flammen beobachtete, dachte sie gar »acht daran, wie glücklich es sich getroffen hatte, daß der Regen sie zu Hause, auf der sicheren Seite des Flusses gehalten. Sie und Hanna standen noch immer auf derselben Stelle, zitternd und schau­dernd, während sich die eiligen Schritte und das Geschrei der Vorübergehenden hörbar machten.

zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob fich nicht im Interesse der Erhaltung der Aufzucht von Remontepferdrn eine Erhöhung des RemontepreiseS empfiehlt. Abg. Gröber (Ctr.) äußerte den Wunsch nach einer Statistik der Strafrechtspflege beim Militär. General von Viebahn erwiderte, die gewünschte Statistik sei bereits fertig gestellt und unterliege zur Zeit der Beschlußfassung deS Bundesrathes. Schließlich wurde das gesammte Ordinarium des preußischen, sächsischen und württembergischen Etats unverändert nach den Ansätzen der Re­gierung bewilligt. Beim württembergischen Etat äußerte Abg. Gröber den Wunsch, die Sol­daten in den Kasernen durch strenge Visitationen vor unsittlichem Lesestoffe zu bewahren und die Zeit des Hauptgottesdienstes am Sonntag dienst­frei zu erhalten. Der württembergische KriegS- minister Schott von Schottenstein sagte volle Berücksichtigung zu.

x Ausführung der Asvekke zur che werSe-Hrdunug vo« 1897. Nach dem Artikel 9 dieser Novelle wird der Zeitpunkt, an dem der größere Theil der Novelle in Kraft tritt, kaiser­licher Verordnung Vorbehalten. Dem Bundesrathe ist nunmehr der Entwurf einer kaiserlichen Ver­ordnung zugegangen, wonach die Bestimmungen über die Bildung der Handwerkskammern mit dem 1. April d. I. in Kraft treten. Die Bestimmungen über die Befugniß zur A u s b i l d u n g von Lehrlingen und die Bildung von Aus­schüssen für Gesellenprüfungen sollen erst am 1. Januar 1901, die Bestimmungen über die Ertheilung des Meistertitels am 1. Oktober desselben Jahres in Kraft treten.

h Saccharin und verwandte künstliche Süß­stoffe sollen nach einer Eingabe, die der „Verein der deutschen Zuckerindustrie" gleichzeitig dem Reichstage und dem Bundesrathe eingereicht hat, in die Liste der Präparate eingereicht werden, die dem Apothekerzwang unterworfen sind. Der Petition ist eine ausführliche Begründung beigegeben, worin nachgewiesen wird, daß die Erzeugung von künstlichen Süßstoffen von 78 363 Kg. i. I. 1897/98 auf 132,287 Kg. i I. 1898/99 vermehrt, daß somit das Gesetz vom 6. Juli 1898 über den Verkehr mit künstlichen Süßstoffen seine Wirkung verfehlt hat. Der dadurch nur im Jn- landverbrauche verdrängte Zucker beträgt nach der Petition 39 680100 Kg.

* Die Lehrerinnen au bett öffenttiche« höhere« Mäbcheuschttken. In einem Erlaß an sämmtltcke königliche Regierungen und die königlichen Prooinzialschulkollegien hat sich der preußische Kultusminister über die Stellung der Lehrerinnen an öffentlichen höheren Mädchen- schulen wie folgt ausgelassen:

Den Wunsch der Lehrerinnen, auch am Unterricht in den oberen Klassen der öffentlichen höheren Mädchenschulen in weiterem Umfang betherligt zu werden, habe ich als berechtigt anerkannt und dem Bedürfniß des Nachweises einer vertieften und erweiterten Bildung durch Einrichtung der wifienschoftlichen Prüfung der Lehrerinnen entsprochen. Augenscheinlich besteht in­dessen an manchen Stellen noch ein durch die Erfahrung kaum gerechtfertigtes Bedenken, den Lehrerinnen den ihnen zukommenden Antheil an der Erziehung der Mädchen auch in den öffentlichen Schulen einzuräumen. Unbestreitbar aber ist, daß namentlich in den Jahren der Entwicklung der Einfluß der Lehrer­innen nicht zu entbehren und nicht zu ersetzen ist. Die

Hanna suhr fort zu beten, und wenn es lauter als sonst krachte, und sich somit der Ein­sturz eines Gebäudes ankündigte, gedachte sie der Seelen, die in demselben Moment in die Ewig­keit hinübergingen und murmelte, sich demüthig bekreuz'gend: „Gott fei ihnen gnädig!"

Plötzlich klopfte es laut an die Thüre. „Meiner Seele," tief Frau Coggle, „wer in des Himmels Namen kommt noch jetzt mitten in der Nacht? Ich bin vor Schrecken ganz starr. Um des Himmels willen' Hanna, öffne nicht, ehe Du gesehen, wer es ist."

Es war unmöglich für Hanna, diesen Rath zu befolgen, denn es war zu finster, um durch's Schlüsselloch sehen zu können. Aber sie sagte mit ausdrucksvollem Achselzucken: „Ich kenne ihre Stimmen. Es ist Frau Peterkin und Frau Kruwp, sie laufen immer zusammen herum und bereden alles, was passtet."

Sie öffnete die Thür und die beiden Ge­nannten stürzten in daS Zimmer.

„O Nachbarin, Nachbarin! O Frau Coggle!" liefen beide aus, und dann sagte Frau Peterkin sehr pathetisch: „Aber liebe Frau Coggle, wie können Sie ruhig am Fenster stehen und hinaus- sehen, während London abbrennt ?"

„Gerade das habe ich auch zu Hanna gesagt", antwortete Frau Coggle in ärgerlichem Tone. „Ich wollte auSgehen; Hanna, wollte ich nicht? und Du gabst es nicht zu. Wer hat je gehört, daß man zu Hause bleibt, wenn London ab- bremst! Gib mir meinen Mantel, Hanna!"

„Nein, Frau Cogale, Sie werden nicht aus­gehen, wenigstens nicht eher, bis die Themse brennt. Und Sie, meine Damen, werden die

Erziehung der Mädchen während dieser Jahre ausschließlich oder auch nur vorüber­gehend in die Hände von Männern zu legen, wäre unnatürlich. Unterricht und Erziehung sind aber in unseren Schulen, die durch den Unterricht erziehlich wirken sollen, untrennbar verbunden. Die Lehrerinnen werden ihren Einfluß auf die Heranwachsenden Schüler­innen nur dann in dem wünschenswerthen Maße geltend machen können, wenn sie mehr noch, als heute durch­schnittlich der Fall ist, mit Unterricht aus der Oberstufe betraut werden. Auch die sogenannten ethischen Fächer können denjenigen Lehrerinnen un­bedenklich übertragen werden, welche bewiesen haben, daß sie nach der erziehlichen Seite hin ihrer Aufgabe gewachsen sind. Zu meiner Befriedigung baden die Er­gebnisse der wiffenschafllichen Prüfung gezeigt, daß nicht nur in den fremden Sprachen, sondern auch im Deutschen, in der Geschichte und in der evangelischen Religionslehre bereits eine größere Anzahl tüchtiger Lehrerinnen für den Unterricht auf der Oberstufe wohl vorbereitet ist. Es ist anzunehmen, daß die in reger Arbeit stehenden Fortbildungskurse in Berlin, Göttingen, Königsberg, Münster und Bonn in Zukunft den noch fehlenden Ersatz wissenschaftlich vorgebildeter Lehrer­innen werden stellen können. Die Gewinnung geeigneter weiblicher Lehrkräfte für den Unterricht auf'ber Ober­stufe dürfte demnach den größeren Städten nicht mehr schwierig sein. Bei dem ernsten Streben der Lehrerinnen vertraue ich, daß sie durch tüchtige Leistungen die gegen ihre Verwendung im wissenschaftlichen Unterricht an einzelnen Orten noch bestehenden Borurtheile und Be­denken zu beseitigen wissen werden. Ich hoffe auch, daß immer mehr Patronate sich im Interesse ihrer Schulen bereit finden werden, begabte Lehrerinnen be­hufs Theilnahme an den Fortbildungskursen zu beurlauben und zu unterstützen; ich werde ihnen hierbei im Bedarfs­fall gern nach dem Maß der verfügbaren Mittel ent­gegenkommen.

Aus -em Reichstage.

•<#> 150. Sitzung vom 15. Februar 1900.

Ohne Debatte werden zunächst die Reste des Ko­lonialetats bewilligt.

Alsdann folgt der Etat der Eisenbahn-Ver­waltung. Zum Kapitel „Centralverwaltung" bean­tragt der freis. Abg. Wülker-Sagan zwei Resolutionen: 1) über baldmöglichste Verbilligung und Vereinfachung der Personentarife; 2) über Herabsetzung des Militär- tarifes für Urlauber von 1,5 auf 1,0 Pfennig für das Kilometer.

Verkebrsminister v. Thieken tritt der ersten Re­solution entgegen; eine Verbilligung der Tarife werde die Regierung niemals zugeben. Die zweite Resolution erscheint ihm ebenfalls nicht gerechtfertigt

Der elsässische Abg. Kautz bemängelt es, daß im Reichslande noch immer keine Kilometerhefte und noch keine Sonntagsfahrkarten eingeführt seien. Außerdem befürwortet Redner eine Verkürzung der Dienstzeit für die Betriebsbeamten.

Minister v. Thieken erklärt es für unzweckmäßig, vor der Tarifreform noch solche Neuerungen einzuführen wie Kilometerhefte und Sonntagsfahrkarten. Fälle von b'sonder er Ueberschreitung der Dienstzeit der Betriebs­beamten bittet er zu seiner Kenntniß zu bringen.

Abg. Miss (freis. Bg.) befürwortet die Beseitigung der Niveau-Bahnübergänge in Straßburg und dessen Bororten. Die Verbilligung der Personentarife hält Redner für dringend geboten, gerade in Elsaß-Lothringen verstehe man es nicht, daß die hohen Tarife fortbestehen sollen, während Frankreich seine Tarife bereits vor mehreren Jahren herabgesetzt hat, und zwar ganz be­sonders für die dritte Wagenklasse. Einen erheblichen Einnahme-Ausfall brauche man doch nicht zu befürchten von der Herabsetzung der Personenfahrpreise.

Auf eine Anfrage dks freit. Abg. Graf Merukorff- Lauenburg antwortet der Minister, die Rückfahrkarten würden bei der Tarifreform vermuthlich Wegfällen. Das werde aber nichts anderes bedeuten, als daß das Pu­blikum nachher zwei Karten kaufen werde anstatt einer.

Abg. Mülker-Sagan (freis. Vp.) ist der Ansicht, daß gerade für eine Herabsetzung der Personenfahr­preise dringendes Bedüssniß vorhanden sei, ebenso der Güte haben, Platz zu nehmen. Lassen Sie andere sich zum Narren machen, wenn es ihnen gefällt, oder halten Sie eS für gut, sich von der Menge zu Tode drücken zu lassen?"

Frau Peterkin hielt diese Bemerkung für sehr herzlos und meinte, manche Leute feien einmal ohne Gefühl, worauf Hanna antwortete, sie hätte das Gefühl, daß es gut märe, wenn Frau Peter­kin sich um sich bekümmerte und ihre Herrin allein ließe.

Ein scharfer Wortwechsel, nicht der erste der beiden Kämpfer, wäre wohl gefolgt, wenn nicht in diesem Augenblick der Brand eines großen Hauses auf dem gegenüberliegenden Ufer mit einem schrecklichen Glanze die ganze Szene grell beleuchtet hätte.

„Es ist der Tag des Gerichtes," ries Frau Krump, und fing an zu weinen.

„In diese n Falle könnten Sie lieber beten, und nicht andere Leute noch mehr erschrecken," bemerkte Hanna

Diese Bemerkung hemmte etwas den Gefühls­ausbruch der Frau Krump und Frau Peterkin benutzte diese Pause, um feierlichst und pathetisch zu erklären: „Ich bezeuge hiermit, meine Damen, daß die Papisten — so nannte man in England damals die Katholiken — dieses Feuer angelegt haben. Ich hab' es immer gesagt, sie werden uns noch in unseren Betten verbrennen."

Hanna wandte sich mit strenger Miene an Frau Peterkin: „Wenn Sie so gut sein wollen, meine liebe Dame, dann halten Sie gütigst Ihre Zunge besser im Zaume; wenn Sie von Papisten sprechen wollen, so verbreiten Sie über dieselben nicht solche grobe Lugen."

elf. Abg. Kautz. Die Abgg Graf Stolberg (lonfj und Gamp (frei!.) sprechen gegen die Herabsetzung.

Bom Abg. Lantz ist inzwischen eine weitere Resolution eingegangen, die die Gewährung freier Rückfahrt an die Theilnehmer an den Genoffenschafts- tagen der Darlehnskassenverbände und der landwirth- schaftlichen Kreisvereine fordert.

Abg. Müller-Sagan erweitert feine Resolution über die allgemeine Herabsetzung und Vereinfachung der Personentarife auch auf die Gütertarife aus.

Minister v. Wirker» macht darauf aufmerksam, daß es mit der ganzen Reform noch gute Weile, die heutige Auseinandersetzung also nur akademischen Werth habe. Die Gegensätze der Anschauungen zwischen Süd und Sterb seien noch sehr groß, und es sei noch keine Ausficht vor­handen auf baldige Ausgleichung derselben.

Darauf wird die Diskusston geschloffen, die Ab­stimmung über die Resolutionen bis zur dritten Lesung ausgesetzt. Das Kapitel wird bewilligt.

Beim Kapitel „Betriebsverwaltung" bittet der elf. Abg Lantz um Erlaß eines Verbotes, für Ehrengeschenke unter den Beamten zu sammeln.

Geheimrath Hköikuer erwidert, ein solches Verbot fei bereits klaffen.

Abg. pasvach (Ctr) befürwortet Besserstellung der Telegraphisten, worauf

Geheimrath HkS«ner mittheilt, daß er eine Gleich­stellung der Telegraphisten bei der Eisenbahn mit denen der Reichspost nicht in Aussicht stellen könne.

Darauf werden dieses Kapitel und der Rest bei Ordinariums bewilligt. Am Freitag soll die Be- rathung fortgesetzt werden.

Airs dem Landtage.

Abgeordnetenhaus. — 25. Sitzung v. lö.Febr. 190».

Bei der fortgesetzten Berathung des Etats bei Ministeriums des Innern beschwert sich

Abg. Stanke (Ctr.) über die zahlreichen Aus­weisungen ausländischer Arbeiter ans den schlesischen Grenzbezirken. „ L.

Abg. Goldschmidt (freis. Vp.) kommt auf bte Berliner Oberbürgermeisterfrage zurück und meint, es sei befremdlich, daß der Minister ihm gestern nicht auf feine Frage geantwortet habe.

Abg. Leistg (Ctr.) wünscht mehr Rücksichtnahme auf die ländlichen Verhältnisse bei der Festsetzung der Sonntagsruhe durch die unteren Verwaltungsbehörden in Schlesien, beklagt außerdem ebenso wie Abg. Stanke die Ausweisungen ausländischer Arbeiter.

Der polnische Abg. Moltq kommt auf dir Be­schwerden der Polen zurück und meint, die Polen wür­den ja fortgesetzt genöthigt zur Borbringung von Be­schwerden durch die andauernde Vernachlässigung der ihnen gegebenen königlichen Verheißungen.

Der kons. Abg. von Iagow nennt diese Beschwerden der Polen ungerechtfertigt. ,

Sodann bringt der Abg. AirÜert von der fretf. Vereing. den Bund der Landwirthe wieder auf8 Tapet; habe doch der Landrath von Flensburg offen ausge­sprochen, daß ihm eine ähnliche gemeingefährliche Hetze bei keiner andern politischen Partei bekannt geworden fei.

Abg. von Iedlitz-Hlenkirch (fieitonf.) spricht dafür, daß die Sozialdemokratie nicht wie jede andere politische Partei behandelt werden dürfe; sie müsse viel­mehr mit allen Mitteln niedergehatten werden. Redner begreift nicht, wie der freis. Abg. Dr. Barth den Bund der Landwirthe gestern mit der Sozialdemokratie ver­gleichen konnte. Herr Dr. Barth scheine gestern gerstes- abwesend gewesen zu sein . . . (Präsident von Kröcher rügt diesen Ausdruck.) Gerade zwischen der Sozial­demokratie und dem Liberalismus sei die Verwandt­schaft vorhanden, namentlich dem entschieden freihänd­lerischen Liberalismus. Dieser werde dadurch blind gegen die Gefahren der Sozialdemokratie.

Abg. Dr. Aarth (freis. Berg.) vertheidigt seinen Standpunkt, indem er hinzufügt, die Sozialdemokratie könne keine bessere Förderung erfahren al8 die, daß man sage, sie und die anderen Parteien seien mit ver­schiedenem Moßstabe zu messen, und daß man e8 den Beamten als Verdienst anrechne, wenn sie mit Gewalt­maßregeln gegen die Sozialdemokratie vorgehen. Diese stehe aber in manchen Stücken mehr zur Regierung al­ber Bund der Landwirthe. so in der Behandlung der Handelsverträge, der Währungsfrage u. s. w.

Den beiden fremden Frauen schien nach dieser wenig höflichen Entgegnung Hanna's der Aufent­halt bei Frau Coggle ungemüthlich zu werden, denn sie empfahlen sich darausi

Die Magd schloß die Thüre hinter den Weg­gegangenen und als sie zum Fenster zurückkehrte, und die Beiden über die Brücke gehen sah, er­leichterte sie ihr Herz durch die Bemerkung: „D» gehen die albernen Personen; wie wahnsinnig drücken sie sich durch die Menge."

3. Ka pit el.

Bald nachher klopfte es sehr leise au die Thür, und als Hanna vorsichtig öffnete, fragte eine ängst­liche Stimme:

»Ist Frau Coagle zu Hause?"

„Ja, aber wer ist da?" fragte Hanna.

„Ich, Frau Yates, lassen Sie mich em'.

„Frau Yates und das Baby dazu! Kommen Sie herein, gnädige Frau."

Hanna nahm das Kind von der Mutter Armen und führte sie in das Wohnzimmer.

„Nun, Frau, das Ktvd, das Sre durchaus sehen wollten, kommt von selbst zu Ihnen. Hier ist Frau Yates."

„Großer Golt! gnädige Frau, seien Sie will­kommen! Es ist em Glück, daß Sie und das Kind nicht lebendig verbrannt sind. Aber wo ist Herr Yates?"

„Nehmen Sie ein Weilchen das Kind, Frau Coagle," sagte Hanna, „während ich nach der armen Frau sehe; sie ist so schwach."

„Setzen Sie sich, gnädige Frau," fuhr sie, zum Gast gewendet fort; „legen Sie den schwarzen Mantel ab und machen Sie es sich bequem; ich hole Ihnen etwas Wein."