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t» Jultfok lh>3«ll<l tx Seite. mit Zlnterhaktungs-Meikage „Illüstrirte Sonntags-Zeitung"
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Deutsche« Keich.
Berlin, 14. Februar.
0 Staatsminiger Aerrfurth, früher preußischer Minister des Innern, ist heute früh nach längere Krankheit verschieden. Der.Staatsanzeiger' stellt dem Entschlafenen mit Recht das Zeugniß aus, daß in Herrn Herrfurth „ein treuer Diener seines königlichen Herrn und des Vaterlandes, ein durch die höchsten Gaben des Geistes und des Herzens wie durch persönliche Liebenswürdigkeit ausgezeichneter Mann aus dem Leben geschieden ist". Seit seinem Scheiden aus dem Amte hat Herr Herrfurth in Berlin gelebt.
tt Kral Zlegent Grast z« Kippe hat vom Kaiser ein Dankestelegramm erhalten, und diese erfreuliche Ereigniß hat der Graf- Regent der Flotte zu verdanken. In seinem Lande ist ein Landesausschuß des Deutschen Flottenvereins gebildet worden, über den der Graf-Regent das Protektorat übernommen hat. Dieser hatte dem Kaiser Meldung darüber erstattet, und nunmehr hat der Kaiser geantwortet, daß er für diese Meldung seinen „freudigen und verbindlichen Dank ausspreche".
• Aög. Ar. Liever hat vom Dienstag zum Mittwoch eine ruhigere Nacht verbracht als bisher. Im Verlaufe des heutigen Mittwochs haben sich aber wiederum die alten Schüttelfröste eingestellt. Es handelt fich um die Bildung eines Absceffes, der auch die Leber beeinflußt hat und verschlimmert wurde durch das Vorhandensein von Gallensteinen, die den Gallengang verstopften.
* Für die Ikotteuvorkage tft als Referent in der Budgetkommission der Centrums- abgeordnete Müller-Fulda bestellt-worden, als Korreferent Abg. Dr. Paasche.
+ Der WikitärGtat ist am Mittwoch von der Budget-Kommission des Reichstages weiter berathen worden. Nach einem Anträge des Abg. Bassermann (natl.) sollen die Bezüge der Militär-Roßärzte erhöht werden, nach einem andern Anträge derAbgg.Graf Carmer (kons.) und Müller-Sagan (freis. Volksp.) auch das Gehalt der Z a h l m e i st e r. Nach längerer Debatte wurde nach einem Anträge des Centrums-Abgeordneten Speck beschlossen, die vorliegenden Petitionen der Roßärzte der Regierung als Material zu überweisen. Dann wird ein Antrag des Abg. Gröber (Centr.) angenommen, den Stabshoboisten die Servisklafse der Feldwebel zu gewähren. Auf eine Anfrage des freis. Abgeordneten Müller- Sagan erwiderte General-Leutnant v. d. Bo eck, die Zeit seit der Einführung der zweijährigen Dienstzeit sei noch zu kurz, um schon jetzt ein abschließendes Urtheil darüber abzugeben. Schließlich wurden unverändert bewilligt die Kapitel „Naturalvrrpflegung" und „Bekleidung und Ausrüstung der Truppen".
• Die Wahl des Avg. Ireiherr« vo« Strrmm ist von der Wahlprüfungs-Kommission des Reichstages beanstandet worden. Es sollen Beweiserhebungen stattfinden über verschiedene, in den Wahlprotesten erhobene Behauptungen.
0 Wie der .Schief. Volksztg.' aus Berlin gemeldet wird, ist beabsicktigt, sämmtliche Jäger- Bataillone im deutschen Heere mit je einer Maschmeugewehr Malterie auszurüsten. Auch
Marianne.
Dem englischen Originale der Lady Fullerton nacherzählt. Von M. Röhr.
------ (Nachdruck verboten.)
1. Kapitel. Marianne.
In einem kleinen Hause in London lebte vor mehr als 200 Jahren eine gute, alte Dame, allgemein nur als die Wittwe Coggle bekannt. Sie und ihre Magd Hanna Porter wohnten hier bereits seit einem Vierteljahrhundert, seit dem Tode des Herrn Coggle, und obgleich es während dieser ganzen Zeit nicht einen einzigen Tag gab, an dem nicht beide über jedes in ihrem Gesichtskreis- liegende Dina verschiedener Meinung gewesen wären, so kam es doch niemals zu einem wirklichen Streit und sehr wahrscheinlich hätte keine von beiden ohne die andere leben mögen.
An dem Tage, an dem diese Erzählung beginnt, saß Frau Coggle an ihrem Nähtische, und auf ihrem ernsten Gesichte las man Unzufriedenheit und Trostlosigkeit, jedenfalls weil sie das Bedürsniß fühlte, sich über irgend etwas oder irgend jemand zu beklagen. Sie hatte dabei die bestimmte Hoffnung, daß, sobald Hanna Porter käme, ihr innerer Zustand sich besinn würde. Sie war ja dann in der Lage, diese zu schelten, oder sie konnte erwarten, daß Hanna sie in irgend einer Weise zur Rede stellen würde! aber etwas mußte geschehen, eine Aenderung mußte eintreten. „Käme Hanna nur bald," dachte sie, „ich werde es schon verstehen, das Gespräch auf einen Parkt
IrrLöa, Donnerstag, den 15. Februar 1900.
für die Infanterie soll diese Einrichtung für später beabsichtigt sein.
X Maare«ya«s Steuer. Nunmehr ist auch die Begründung des preußischen Gesetzentwurfes einer Waarenhaus-Steuer erschienen. Sie ist indeffen ziemlich dürftig ausgefallen und insofern wenig befriedigend, als die Regierung darin ausdrücklich es ausspricht, daß sie mit der Vorlage dieses Gesetzentwurfes mehr „der Roth gehorchend, als dem eigenen Triebe" handelt. Es heißt nämlich wörtlich in der Begründung, daß die Staatsregierung „nach wie vor der Ansicht ist, daß ein autonomes Vorgehen der einzelnen Gemeinden den Vorzug verdient" vor einem Staatsgesetze — womit die Staatsregierung das Bekenntniß ablegt, daß sie wenig Verständniß besitzt für das, was dem gewerblichen Mittelstände Noth thut. Daß die Bestimmungen des Entwurfes sehr, ja sogar außerordentlich milde gehalten sind gegenüber den Großbazaren, daß namentlich die einzelnen der im Ganzen nur vier Waarengruppen ungemein weit umgrenzt sind und die allerverschiedenartig- sten Maaren in sich vereinigen, ist an dieser Stelle bereits berichtet worden. Augenscheinlich hat auch die preußische Staatsregierung das richtige Gefühl für diese ihre überraschende Liebenswürdigkeit gegenüber den Großbazaren. Wenigstens läßt eine andere Stelle in der Begründung darauf schließen, daß die Regierung in diesem Punkte Opposition schon im Voraus erwartet. Die Staatsregierung — so heißt es in der Begründung — „wünscht keinen Zweifel darüber zu lassen, daß mit diesen Vorschlägen auch die äußerste Grenze erreicht ist, daß für eine Verschärfung des Entwurfes ... auf ihre Zustimmung nicht zu rechnen sein würde . . ." Es geht wieder einmal nach dem alten Motto: „Wasch mir den Pelz, aber mach ihn mir nicht naß!"
* Gin sächsischer Kotzkenarveiter Ausstand ist zu dem österreichischen hinzugekommen — „wider Erwarten", schreibt das sozialdemokratische Berliner Centralorgan.Vorwärts': Die Werkbesitzer „lehnen es ab, die Bergleute als gleichberechtigte Faktoren anzuerkennen." Das sozialdemokratische Blatt spricht vom „Uebermuthe des Unternehmerthums", der daran schuld sei, daß eine Einigung nicht zu Stande kam; immerhin ist bemerkenswerth, daß während der letzten Tage der sozialdemokratische Abgeordnete Sachse in dem Bergrevier von Weißenfels-Zeitz- Meuselwitz sich aufgehalten und dort eine eifrige Agitation entfaltet hat. Es ist darum recht fraglich, ob auch Herrn Sachse der Streik so gänzlich „wider Erwarten" gekommen ist; und daß die Grubenbesitzer es ablehnten, mit Herrn Sachse zu verhandeln, ist auch nicht gerade ver- wunderlicd, denn Herr Sachse ist als völlig fremder Mann in dem Braunkohlenrevier von Zeitz-Weißenfels erschienen. Mit den Vertretern ihrer eigenen Arbeiter wollten die Werkbesitzer wohl unterhandeln. Im Zwickauer Revier aber hat noch am letzten Sonntag eine Bergarbeiterversammlung ftaltgefunden, und auch diese Versammlung zeigte gar keinen streiklustigen Charakter. Außerdem kommt noch der Stein- kohlenbeziik von Oels nitz-Lugau hinzu, in
dem sich die Arbeiter ebenfalls dem Ausstande angeschloffen haben. Die Zahl der Kohlenarbeiter beträgt im Zwickauer Revier etwa 12000, im Revier von Meuselwitz gegen 4000. Der Durchschnittsverdienst beträgt im Zwickauer Revier gegen 1100, im Meuselwitzer Bezirk eher mehr als weniger. Möglicherweise entwickelt sich auch in Ungarn eine Ausstandsbewegung größeren Stils. Die Arbeiter der Staatsgruben von.Re- schitza stehen bereits im Streik, ebenso wie die Arbeiter des dortigen Eisenwerkes; und es ist möglich, daß dieser Streik weiter um sich greift. Im mährischen Revier haben sich die Heizer und Maschinenwärter dem Ausstande angeschlossen, so daß in Mährisch-Ostrau jetzt die Ingenieure die Maschinen bedienen müffen, um die Bergwerke vor dem Ersaufen zu schützen. Der Kohlenmangel wird nun auch schon in Sachsen bedrohlich. Briketts sind in Leipzig um 70 v. H. im Preise gestiegen, viele Kleinkohlenhändler schloffen ihre Verkaufsstellen, weil sie nichts mehr zu verkaufen haben. Im Interesse der Kohlenverbraucher ist es durchaus nöthig, daß die Vergünstigungstarife für Kohlenausfuhr endlich aufgehoben werden, was noch immer nicht geschehen ist.
□ Dom Niederrhein, 14. gebt. Die Aus- sichten auf Rückberufung der Jesuiten seitens des hohen Bundesrathes scheinen trotz der so und so vielten Anregung des Reichstages und trotz mancher Gespensterseher-Artikel aus dem Lager der evangelischen Bundesbrüder leider noch sehr gering zu sein. Wir schließen das aus dem Verhalten der Jesuiten-Patres selbst, welche, wie wir bestimmt versichern können, in Sittard, also einer holländischen Stadt von circa 3000 Einwohnern (Bahnstation an der Staatseisenbahn Maestricht- Roermond-Venlo) im Herbste 1900 ein Knaben- Pensionat mit Gymnasium nach der in Preußen geltenden Studienordnung eröffnen und für einen Pensionspreis von jährlich nur 600 Mark einschließlich Schulgeld schon zu Herbst dieses Jahres Zöglinge anzunehmen, welche Ostern 1901 die Reife für die Sexta beziehungsweise Quinta oder Quarta eines preußischen Gymnasiums haben werden. Zum Rektor des zukünftigen Kollegs ist der als tüchtiger Pädagoge bekannte deutsche Pater Franz Becker ausersehen, der vorläufig noch in Exaeten bei Baaksem in Holland wohnt, aber schon jetzt zu Mittheilungen über seine demnäch- stige Studien-Anstalt bereit ist. Da die Jesuiten- Anstalt in Feldkirch für uns Norddeutsche doch gar zu weit abliegt, war es schon längst für viele Eltern Nordwest - Deurschlands, welche ihre Söhne den erprobten Händen der Jesuiten zur Erziehung übergeben wollten, dringendes Bedürsniß, daß so eine Anstalt hier mehr im Norden gegründet würde. Für die Verwirklichung der Gründung muß man gewiß den Jesuiten dankbar sein; daß sie aber auch jetzt noch beim Eintritt in das 20. Jahrhundert mit dieser Anstalt nach Holland flüchten müssen, läßt uns klar erkennen, wie wenig Hoffnung sie immer noch auf eine Zurückberusung nach Deutschland setzen. Sollen wir denn in Preußen den Segen der auf der ganzen Welt berühmten und geachteten Jesuitenschulen niemals mehr genießen dü'fen?
27. Jahrgang.
Ans -em Reichstage.
*<*> 148. Sitzung vom 14. Februar 1900.
Die Berathung des Kolonial-Etats wird fortgesetzt bei den Eisenbahn-Bauten in den afrikanischen Schutzgebieten. Zunächst werden zur Berathung gestellt die Forderungen für Ostafrika, nämlich Fortführung der Bahn Tanya-Muhesa bis nach Korogwe, Vorarbeiten für die Bahn von Dar-es-Salaam nach Mrogoro und für die telegraphische Verbindung von Dar-es-8alaam nach Kilossa. — Der Abg. Arinz vo« ArenSerg beantragt als Berichterstatter der Budget- Kommission Bewilligung der Forderungen.
Nach langer Debatte wurden die Eisenbahn- Forderungen nach einem Anträge des Abg. Eugen Richter an die Budget-Kommission zur genauem Prüfung zurückverwiesen.
Vom Centrum wurde dieser Antrag durch den Abg. Dasvach lebhaft unterstützt. Gleichzeitig vertrat Abg. Dasbach den Standpunkt, daß man den Bau so unsicherer Bahnen dem Prioatkapital überlassen und nicht auf Kosten des Reiches bauen sollte. Würde das Privatkapital auf Gewinn rechnen, bann würde es sich gewiß diesen Gewinn nicht entgehen lassen.
Kolonialdirektor vo« Auchka gab sich alle Mühe, die Forderungen zu retten; auch Unterstaatssekretär Irhr. vo« Itichttzofe« kam ihm zu Hilfe. Aber schließlich wurde der Antrag Richter auf Rückverweisung an die Kommission mit großer Mehrheit angenommen.
Wunderlich hörte sich eine Rede des Abg. Dr. vo« Siemens von der freis. Vereinigung an, der wohl ausforderte, sich mit vollen Segeln m den Ozean der afrikanischen Eisenbahnpläne zu stürzen, aber sich außerordentlich sorgfältig davor hütete, sich etwa selbst dafür zu verpflichten. Herr von Siemens ist nämlich Leiter der Deutschen Bank und wurde sofort von den
Abgg. Aevek (sozd ) und Dr. Hertel (kons.) auf diesen innere Widerspruch in seiner Rede festgenagelt.
Am Donnerstag wird die Berathung des Kolonial- Etats fortgesetzt.
Aus dem Landtage.
O ASgeord«ete»tza«s. — 24.Sitzung v. 14. Febr. 1900.
Bei der Fortsetzung der Berathung des Etats deS Ministeriums des Innern beschwert sich der freisinnige
Abg. Aopsch darüber, daß in Ostpreußen ein Kreisschulinspektor (in Ragnit) auf Anordnung des Landrathes amtlich den Lehrern seines Bezirkes daS Halten deS konservativen Blattes .Der Volksfreund' empfohlen habe.
Minister Ireiherr v. Mheinvaven antwortet, in der Sache könne er die Empfehlung des konservativen Blattes durch Beamte nur billigen; in der Form hätten die Beamten nicht korrekt gehandelt, da die Verbreitung von Zeitungen nicht zu ihrem Amte gehöre. ES seien Maßregeln getroffen worden, um die Wiederholung solcher Fälle zu verhüten.
Abg. Wettstei« (Centrum) führt Beschwerde darüber, daß in St. Goar nicht der vom Kreistage vorgeschlagene Herr zum Landrath ernannt, sondern ein ganz anderer Herr als Landrath eingesetzt worden sei. Wenn man so verfahre, werde doch das ganze Borschlagsrecht hinfällig.
Der Minister erwidert, es sei ihm peinlich, hier eine solche rein persönliche Sache vor aller Oeffentlich- keit zu verhandeln. Der Minister erklärt, nur nach dienstlichen Erwägungen sei die Entscheidung getroffen worden, auf keinen Fall nach konfessionellen Gründen. Die Stimmung im Kreise sei dem neuen Landratheauch durchaus günstig; wo sie es nicht sei, liege das in künstlicher Agitation. Das Centrum sollte endlich einmal das Mißtrauen fallen lasten, daß die Regierung nach konfessionellen Rücksichten handele.
Der natlib. Abg. Lotichius unterstützt den Standpunkt des Ministers, während
Abg. Welkfiei« (Centrum) darauf hinweist, daß er ja von der Untergrabung des Vorschlagsrechtes deS Kreistages gesprochen habe, nicht von der Konfession des neuen Landrathes.
Der kons. Abg. v. Keydevrand hält das Verfahren der Regierung für korrekt. Ein neues Thema schlägt
zu lenken, in dem unsere Ansichten immer aus- einanderqehen." Frau Coggle war nämlich zwar Katholikin, im Gegensatz zu Hanna, aber keine Bekennerin des Martyriums, und dieser Umstand war der Punkt, der am häufigsten zwischen ihr und ihrer Dienerin bisputirt wurde. Hanna Porter war in jener Zeit ein wohlbekannter Charakter; sie hatte schon mancher katholischen Familie aus Verlegenheiten geholfen, manchen Priester vom Gefängniß gerettet, und sie vereinigte mit einem außerordentlich einfachen Wesen und Gemüth viel Schlauheit.*)
Frau Coggle hatte sich vorgenommen, heute bei Frau Brodle vorzusprechen. Diese war Wirthschasterin bei einer Frau Kaufmann Dates, deren verstorbener Schwiegervater ein Geschäftsfreund ihres seligen Mannes war. Der junge Herr Georg Dates und seine Frau, welche das Vermögen der Eltern geerbt hatten, fuhren fort, der Wittwe mit Güte zu begegnen.
Drei Wochen vor dem Tage, an dem Frau Coggle ihren Launen freien Lauf lassen wollte, hatte Frau Dates einem kleinen Mädchen das Leben gegeben, und dies war der eine Grund, warum die Wittwe zu Frau Biddle gehen wollte. Sie hatte auch Fra» Astes als wenige Tage altes Kind in der Wiege gesehen, und sie konnte den Gedanken nicht ertragen, daß andere jLeute das jetzt neugeborene kleine Geschöpf vor ihr sehen sollten. Aber es regnete. — In diesem Augenblick öffnete sich die Thür und Hanna Porter
*) Es bestanden Damals in England sehr harte Gesetze gegen die Katholiken und besonders gegen die katholische Geistlichkeit.
trat ins Zimmer. Sir trug ein unbeschreibliches Kostüm, am merkwürdigsten sah ein roth und gelbgestreiftes Kopftuch aus, unter dem e was wie eine weiße Nachthaube hersorfah; in den Händen hielt sie einen Schirm, wie ihn heut noch alte Frauen in London tragen, grau, schwer und solide aussehend.
„Nun, Frau, die Leute sagen, es regnet nicht, sondern es gießt, und wenn es noch niemals ge- goffeu hat, so muß ich Ihnen sagen, daß dies in dieser gesegneten Stunde der Fall ist."
„Es regnet immer, Hanna, wenn ich mir etwas vorgenommen hake."
„Dann, Frau," bemerkte diese, indem sie ihren Schirm zum Trocknen aufspannte, wobei dieser kleine Pfützen auf dem Boden bildete, „bann, wenn dies der Grund des Regenwetters ist, nehmen Sie sich doch etwas vor, wodurch Sie schönes Wetter erzielen."
„Ich dachte, Hanna, wenn Du mir Deinen Schirm leihen wolltest."
„Recht, aber wer wird ihn über Ihren Kopf halten? Sie haben nicht mehr Kräfte als ein neugeborenes Kind."
„Gerade ein neugeborenes Kind will ich sehen, das von Frau Iates, das vor drei Wochen geboren ist."
Hanna zuckte mit ihren Schultern, als Zeichen unbeschreiblicher Verachtung.
„Nun wohl, Frau, ich hätte Sie für klüger gehalten, um einzusehen, wie thöricht es ist, naß zu werden, und sich den Rheumatismus und Gott weiß, was noch, zu holen, nur um fich ein Baby anzusehen. Babys sind ebenso überflüssig als Brombeeren. Ganz gewiß würde ich nicht gehen,
um mir zwanzig solcher Geschöpfe anzufehen, selbst wenn Sie mir noch was dafür bezahlen wollten."
„O, ich weiß," sagte Frau Coggle, „Du denkst mehr an die Kuchen von Frau Biddle und ihren Wein als an diesen kleinen Fremdling. Fran Dates schickt mir jedesmal etwas Gutes von ihrem eigenen Tisch, wenn ich bei Frau Biddle zu Abend bin, und wenn ich ihr auf der Treppe begegne, ist sie die Höflickkeit selbst.«
„O, gegen Frau Aates sage ich gar nichts, auch nichts gegen Kuchen und Höflichkeiten oder gegen kleine Kinder. Aber um ihretwillen ausgehen, wenn es regnet und sich den Rheumatismus holen, das nenne ich Unsinn."
Frau Coggle seufzte tief und nahm ihre Arbeit wieder auf; nach einigen Minuten sagte sie sehr ausdrucksvoll:
„Hanna, ich liebe neugeborene Kinder, weil sie so unschuldig sind."
„Sie sind nicht immer so unschuldig, wie sie aussehen," entgegnete die alte Magd, „sie werden außerordentlich heftig, wenn man ihnen widerspricht."
„Wenn man Dich hört, so sollte man denken. Du seiest selbst niemals ein Baby gewesen."
„Nun, ick mag eins gewesen fein oder nicht, jedenfalls entsinne ich mich dessen nicht. Können Sie fich erinnern, ein Baby gewesen zu sein?"
„Natürlich erinnere ich mick," antwortete Frau Coggle, „das heißt," fügte sie sich verbessernd hinzu, „wenn ich mein Bild ansehe, auf dem ich mit einer Rose in der Hand auf den Kniern meiner Mutter liege."