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11 Uhr 2 Minuten von Wien kommend auf dem Anhalter Bahnhofe hier eingetroffen. Zum Em­pfang waren auf Bahnhofe anwesend: der Kaiser, die kaiserlichen Prinzen, das Staats­ministerium mit dem Fürsten Hohenlohe an der Spitze, die Präsidien des Reichstages und der beiden Häuser des Landtages, zahlreiche Offiziere sowie sämmtliche hier anwesenden Marine-Offiziere. Als der Zug hielt, eilte der Kaiser seinem Bruder entgegen. Nachdem der Prinz mit schnellen Schritten den Wagen verlaffen hatte, begrüßte ihn der Kaiser, indem er ihn umarmte und dreimal küßte. Alsdann schritt der Kaiser mit seinem Bruder die Front der Ehrenkompagnie ab und bestieg mit demselben einen offenen Wagen. Auf der Fahrt zum königlichen Schlosse wurden dem Kaiser und dem Prinzen Heinrich von dem zahlreich Spalier bildenden Publikum anhaltend Ooalionen dargebracht. Das Aussehen des Prinzen Heinrich ist vorzüglich.

• Das Msfirrderr des Avg. Dr. Lieber hat sich seit Montag wesentlich verschlimmert. Am Montag gegen Abend trat ein starker Fieber­anfall ein, ebenso heute Morgen; aber die Auf­nahme der Nahrung war noch befriedigend. Im Laufe des Vormittags stellte sich Erbrechen ein, worauf ein sehr heftiger Fieberanfall folgte. Seit­dem ist der Kranke sehr schwach und sein Zustand im höchsten Grade bedenklich. Mit bewunderns- werther Fassung erträgt der Kranke seine schweren Leiden.

X Der Militär Ktat bildete heute (Dienstag) wiederum den Berathungs-Gegenstand der B u d g e t- Kommission des Reichstages. Im An­schlüsse an die Verhandlungen der letzten Sitzung beantragten die Centrumsabgeordneten Gröber, Speck, Lingens, Dasbach, Szmula, Graf Hompesch und Müller-Fulda folgende Reso­lution: „Den Herrn Kriegsminister zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß den Soldaten keinerlei Vorschrift darüber gegeben wird, in welcher Sprache sie beichten sollen, und daß keinerlei Untersuchung darüber stattfindet, in welcher Sprache sie beichten". Die Resolution wurde mit allen Stimmen gegen diejenige des sozd. Abg. Meister angenommen. Auch der konservative Graf Roon gab seinem Bedauern darüber Aus­druck, daß in dieser Sache die Militärverwaltung augenscheinlich zu weit gegangen sei. Weiterhin kamen infolge einer Petition die Verhältnisse der Militärärzte zur Sprache; die überwiegende Mehrheit der Kommission bekannte sich zu der Anschauung, daß diese Verhältnisse der Aufbesserung bedürftig seien; auch Abg. Groeber (Centr) äußerte sich in diesem Sinne. Die Berathung wird am Mittwoch fortgesetzt.

h Die Kauak-Wiuister find am Montag im preußischen Finanzministerium versammelt ge­wesen: Finanzminister von Miquel, Handels­minister Brefeld, Landwirthschaftsminister Frhr. v. Hammerstein und Verkehrsminister v. Thielen. Es wird berichtet, daß zwischen den Herren Uebereinstimmung erzielt worden sei über die Ka- naloorlage, die demnächst dem Landtage zugehen solle. In dieser Form kann die Meldung wohl nicht ganz zutreffend sein, denn die Kanalvorlage an sich ist doch schon längst fertig. Höchstens also kann es sich noch um die

junge Gelehrte, der einen Sommer lang bei uns in Heimbach war?"

„Ja, Papa, Reinhold Schönberg hat er ge­heißen und dieser selbe Reinhold Schönberg ist ohne Zweifel der Missionar, von dem hier die Rede ist."

„Reinhold Schönberg" wiederholte der Graf noch einmal, als wolle er mit dem Namen sein geschwächtes Gedächtniß auffrischen, „ich erinnere mich seiner ganz gut, ja, ja, er war ein schöner hochherziger Mann und ein Freund des Prinzen." Er schwieg und nickte sinnend vor sich hin.

Isabella saß still in sich versunken an seiner Seite. Auch über sie war die Erinnerung an jene Tage mächtig hereingebrochen und überfluthete, wie ein Sturm, der plötzlich sein künstlich ge­mauertes Bett durchbrochen hat, ihr Herz.

„Armes Kind" sagte der Graf nach einer Weile, „ick hatte mir Deine Zukunft einst anders gedacht! Du, die dazu geschaffen schien, eine glänzende Stelle in der Welt einzunehmen, ver­trauerst nun die schönsten Jahre deines Lebens am Krankenbelte eines müden alten Mannes."

Da hob Isabella den Kopf empor; ihr Auge war hell und klar, als sie zum Vater emporschaute.

„Warum willst Du klagen, Papa, daß Alles so gekommen ist? es ist ja gut so, wie Gott es gefügt hat. Du wärest sehr einsam jetzt, wenn ich damals fortgezogen wäre, so weit, weit fort."

„Ja, Kind, Du hast recht, ich wäre einsam ohne diese treue Hand, die so sanft mich gepflegt und Gott möge Dir die Liebe lohnen, die Du mir altem Manne erzeigst. Aber meine Tage sind gezählt, und es thut mir wehe, Dich mein einziges, heißgeliebtes Kind so allein und glücklos in der Welt zurückzulaffen, wenn ich sterbe."

Begründung gehandelt haben und um den Z-it« punkt, an dem die Vorlage an den preußischen Landtage zugehen soll. Aber auch schon vor einigen Tagen hat das Preffe-Organ des preußi­schen Finanzministeriums gemeldet, daß dieser Zeitpunkt der Anfang des Monats März sein solle.

0 Die Dokkkzähkttvg in diesem Jahre findet zum regelmäßigen Zeitpunkte statt, fünf Jahre nach der letzten. Seit 1875 ist immer alle 5 Jahre eine Volkszählung im Deutschen Reiche ver­anstaltet worden. In außergewöhnlicher Reihen­folge soll aber diesmal auch eine neue Vieh­zählung und eine neue Aufnahme über die Bodenbenützung vorgenommen werden. Die erstere würde nach der regelmäßigen Reihenfolge erst 1902, die letztere erst 1903 fällig gewesen sein. Aus diesem letztgenannten beiden Erhebungen soll Material gewonnen werden für die Maßnahmen auf dem Gebiete der Zoll- und Handelspolitik in den Jahren danach.

Ans dem Reichstage.

*<* 147. Sitzung vom 13. Februar 1900.

Das Gesetz über die Verträge mit Tonga, Sa­moa und Sansibar wird in dritter Lesung ohne Debatte angenommen.

Sodann wird die zweite Berathung des Etats beim Kolonial-Etat fortgesetzt, in Verbindung mit dem Kapitel Kolonialoerwaltung des Etats deS Auswärtigen Amtes und der Denkschriften über die Verwaltung der Kolonieen.

Zuerst werden diese Denkschriften zur Berathung gestellt. Der freis. Abg. Wükter-Sagan warnt vor dem schlechten Klima in Südwestafrika und wünscht sorg­fältigere Auswahl der Beamten.

Abg. Dr. Aaste (natl.) bittet darum, nicht nur Offiziere und Juristen, sondern auch Männer des prak­tischen Lebens als Beamten nach den Kolonien zu ent­senden.

Die Denkschrift wird für erledigt erklärt und e8 folgt der Etat für Ostafrika. Auf eine Anfrage des sozd. Abg. Aevek, ob es wahr sei, daß ein Leutnant eine Frau zu Tode geprügelt habe, erwidert Kolonial­direktor von Wnchka, daß ihm davon nichts bekannt sei.

Die Budget-Kommission (BerichterstatterAbg. Prinz von Arenberg) beantragt folgende Resolutionen:

a) den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin zn wirken, daß die unteren Beamten der Kolonie» aus der eingeborenen christlichen Bevölkerung entnommen werden;

b) der Herr Reichskanzler wolle auf die Vorbüdung des einheimischen Elementes zur niedern Be­amtenlaufbahn nach folgenden Grundsätzen Be­dacht nehmen:

1) In die zur Zeit bestehenden religionslosen Schulen werden womöglich nur Muhamedaner ausgenommen;

2) Es werden Vereinbarungen mit den MissionS- anstalten getroffen, wonach in den neu zu gründenden staatlich subventiontrten Schulen der Unterricht von Mitgliedern der Misfions- anstalten ertheilt wird;

3) In diesen Schulen darf außer der Landessprache nur deutsche Sprache gelehrt werden.

Die Abgg. Hrak Stokverg (kons.), Dasbach (Ctr.), Stockman« (kons.) sprechen für, Abg. Aebek gegen die Resolutionen. , ,,

Kolonialdirektok von Atuchka ist grundsätzlich mit den Resolutionen einverstanden, bittet aber aus prak­tischen Gründen, jetzt die Resolution b) abzulehnen. — Die Abstimmung über die Resolutionen wird bis zum Schluffe des Etats zurückgestellt ebenso die Abstimmung über zwei andere Resolutionen, wonach c) die Rechnungen für Ostafrika in Rupien aufgestellt werden sollen und d) möglichst bald eine Aenderung der Berg­ordnung vom 9. Okt. 1898 in Erwägung gezogen wer­den soll.__

„Nicht glücklos, Papa", sagte Isabella, indem sie des Alten Hand zärtlich an ihre Lippen drückte, „ich habe in Einsamkeit und Thränen gefunden, was ich in den Freuden der Welt vergeblich ge­sucht hatte: Befriedigung für die unersättlichen Wünsche meines Herzens."

Als Isabella an diesem Abende in ihr stilles Zimmer kam, kniete sie noch lange vor dem Bilde des Gekreuzigten, das über ihrem Schreibtische hing. Es war ein heißes Dankgebet, das aus ihrem Herzen aufstieg, nicht die leiseste Bitterkeit mischte sich in die Erinnerung an ihn, den sie einst geliebt und verloren! Nur Freude und Be­geisterung erfüllte sie bei dem Gedanken an sein großes, schönes Wirken, denn sie hatte ihr Herz über alles irdische Wünschen und Verlangen empor gehoben.

* * *

Etwa 15 Jahre später starb im Kloster der baarfüßigen Carmelitessen in S. eine Nonne im Rufe hoher Frömmigkeit. Die Schwester Maria Magdalena vom heiligen Kreuz war die demüthigste dieser demüthigen Mägde Christi gewesen.

Wo die schwersten Arbeiten zu verrichten waren, hatte sie Hilfe geleistet, wo ein Kranken­dienst recht mühevoll, halte sie sich darum beworben. Die niedrigsten Dienstleistuugen, die härtesten Bußübungen, die schwersten Entbehrungen hatte sie immer für sich gesucht, und doch hatte man den ganzen Adel ihrer Erscheinung, den selbst das rauhe Ocdenskleid nicht ganz zu verhüllen ver­mocht hatte, auf den ersten Blick erkannt, daß sie einst den höheren Ständen angehört hatte. Ihr Beruf brachte eine tückische Krankheit, viel Leiden und dann den Tod.

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MDieHurrahpolitiker an der Arbeit.

Die Ungeduld derer, welche die Interessen der Schiffs-Rheder ei, des Großkapitals und der Großindustrie verfechten, kennt keine grenzen. Kaum ist die erste Berathung der Flotten­vorlage im Reichstage erledigt, so ertönt schon der Ruf: „Ja, wo bleibt nun das Centrum mit seinen Vorschlägen zur Deckung der Kosten nach seinem Sinne? Das Centrum ist die Partei, welche den Ausschlag gibt; das Centrum als „regierende" Partei muß mit seinen Vorschlägen hervortreten." „Die Herren S ch aedler und Ge­noffen," so hetzt die nationalliberale Berliner Mtionalztg.' hinter dem Centrum her, „werden sich doch nicht das Zeugniß parlamentarischer Hilf- lofigkeit ausstellen wollen, zu erklären: „So, wie die Sache vorgeschlagen ist, wollen wir sie nicht; wir wollen sie anders, können aber nicht sagen, wie; es muß sich Jemand finden, der uns, die ausschlaggebende Partei, darüber aufklärt, in welcher Weise wir zu unserer Zufriedenheit den Ausschlag geben können . . . ." Und das ganze zwei Tage nach dem Schluffe der ersten Lesung! In ähnlichen Blättern klingt es ähnlich.

Man wird wohl aber nicht verlangen, daß das Centrum durch diese kindisch ungeduldige Drängerei sich imponiren lassen soll? Die Floiten- vorlage ist zur Vorberathung an die Budget- Kommission des Reichstages verwiesen. Dort müssen und werden die Berathungen über die Kostendeckung vorgetragen, dort also müffen auch die Vorschläge gemacht werden zur Aende­rung der Regierungs-Vorlage. Daß es nun gar keine leichte oder einfache Sache ist, solche Vor­schläge zu machen, die einen gangbaren Weg aus diesem Irrgarten der Flottenvorlage weisen, weiß Jedermann. Wie also kann ein ernsthafter Poli­tiker verlangen, daß solche Vorschläge binnen 24 Stunden fertig sind zur Verzapfung in der Presse und dort anstatt in der Budget-Kommission mip getragen werden, wohin allein sie gehören? Die Frage ist ohne Zweifel sehr schwierig und will also Weile haben zu ihrer Lösung, vorausgesetzt, daß sie überhaupt in befriedigender Weise gelöst werden kann,

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nachgerade unheimlichen Vermehrung der Aus­gaben für die Kriegsrüstungen des „bewaffneten Friedens" abgeneigt ist und in diese fort-

Dänn aber ist noch ein anderer Punkt von großer Wichtigkeit. Es wird nämlich die Be­hauptung ausgestellt, daß das Centrum ganz allein die Aufgabe habe, die Abänderungs­anträge zu stellen, die dazu führen sollen, die durch Bewilligung weiterer Flottenvermehrungen entstehenden Steuerlasten nicht der Allgemeinheit der Steuerzahler und damit auch den schwächeren Steuerschultern aufzuerlegen, sondern auf die Wohlhabenden und auf diejenigen abzuwälzen, die ein materielles Jntereffe an weiteren Flotten­vermehrungen haben. Das ist nun ohne Zweifel sehr bequem für die Flottenenthusiasten; aber zu rechtfertigen ist ein solcher Standpunkt ganz und gar nicht.

Die Sachen liegen doch so, daß eine sehr starke Mehrheit im deutschen Volke und dem-

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i’Ad > entsprechend auch im Parlamente dieses Volkes 19 eigentlich und grundsätzlich der fortgesetzten und

JuLöa, Mittwoch, den 14. Februar 1900.

dauernde Erhöhung der Lasten der Kriegs­rüstungen höchstens gezwungen willigt und nur dann, wenn der Nachweis geführt ist, daß es eben wieder einmal nicht anders geht unter dem Drucke des Wettbewerbes aller der Rüstungen, die die „Kultur"-Völker rings um uns herum ohne Aufhören vornehmen. Auf diesem Standpunkte stehen ganz vorwiegend die­jenigen, die der Centrumsfahne folgen. Daß auch in den Kreisen der Konservativen nichts weniger als Hurrah-Stimmung vorhanden ist für die neue — die „gräßliche"! — Flotten- Vorlage, wissen wir ja nun auch ganz genau. Das Centrum sehnt sich also gar nicht nach einer Kriegsflotte ersten Ranges. Es betrachtet vielmehr zunächst seine Aufgabe so, daß ihm die allererste Pflicht die ist, die schwachen Steuer­schultern vor neuen Belastungen zu schützen. Das ist ein Standpunkt der Abwehr, nicht aber die Freude und die Lust daran, unsere Schlacht­flotte zu verdoppeln; und wie man nun be­haupten kann, der abwehrende Theil habe vor allen anderen die Pflicht, sür das Zustande­kommen von Dingen zu arbeiten, an denen er grundsätzlich verzweifelt wenig Vergnügen hat, das ist allermindestens sehr sonderbar.

Wer will die Flottenoermehrung? Die Re­gierung und ein Theil derjenigen, die in Deutsch­land Handel und Industrie treiben. Das sind allein die Leute, von denen man mit Recht und unmittelbar behaupten kann, sie wollen die Flotten­verdoppelung haben. Von dem andern Theile der Bevölkerung kann man doch höchstens sagen, daß er die Flottenvecdoppelung zulassen wolle. Zu­nächst würde es also Aufgabe derer sein, die die größere Flotte wollen, auf Mittel und Wege zu sinnen, um die Ausführung dessen zu ermög­lichen, was sie sich wünschen, ohne daß die Art dieser Ausführung mit dem Willen und den Grundsätzen derjenigen verstößt, die den weitaus überwiegenden Theil des Volkes ausmachen. Also das Nachdenken über neue Wege, die zur Kostendeckung führen könnten, ist nicht in erster Reihe die Pflicht des Centrums. Daß es den­noch an der Lösung dieser Aufgabe mitarbeiten wird, ist selbstverständlich und entspricht voll­kommen den Ueberlieferungen des Centrums, das stets und allen Zeiten bereit gewesen ist, die Mittel herbeizuschaffen, die nachweislich nöthig sind zum Schutze des Reiches nach außen hin. Daß es das stets gethan hat und noch thut, ver­dient die Anerkennung aller anderen Parteien. Unverstand und Haß aber verräth man, wenn man zwei Tage nach der ersten Lesung dem Cen­trum Vorwürfe darüber macht, daß es die Frage der Kostendeckung nicht bereits gelöst habe. Und mit einer Politik, die aus Unverstand und Haß entspringt, kann die Flottenvorlage und ihre Be­rathung niemals gesördert werden; das sollten die Flottenschwärmer bedenken und danach ihre Handlungen und politischen Ecgüffe einrichten!

Deutsches Reich»

Berlin, 13. Februar.

+ Ariuz Aemrich vorr Preuße« ist, wie schon telegraphisch gemeldet, heute Vormittag um

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Original-Erzählung von W. Dora.

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Graf Heinrich nickte bejahend und sie gingen über die Straße hinüber nach der Bank, die am Wege stand. Die Ruhe that dem alten Herrn sichtlich wohl und er schloß müde die Augen. Die Sonne ging unter ; ihre letzten Strahlen streuten flüssiges Gold in die Wellen der Oos und der Abend wind zog flüsternd durch die Wipfel der Bäume. Der Gras war eingeschlafen und Isabella, die seine Ruhe nicht stören mochte, saß still zu seiner Seite. Sie war so in ihre Gedanken verloren, daß sie die Menge nicht sah, die vor ihr auf und uieder wogte. Da fuhr ein Wagen an ihnen vorüber so dicht, daß Isabella unwillkürlich emporsah. Diener in glänzenden Livreen saßen aus dem Bock, das fürstliche Wappen von Warteg prangte am Schlag und im Innern des Wagens saß ein stattlicher Mann, der sich zu einer jungen Dame niederbeugte, die an seiner Seite saß und lächelnd zu ihm auf sah.

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Jsabella's Augen hingen einen Augenblick wie . festgebannt an dem Manne und an der schönen, ijungen Frau an seiner Seite; als aber auch er »nach ihr hinsah, wandte sie sich rasch ab und zog I den Schleier über ihr Gesicht. Sie hatte genug ».gesehen. „Gottlob, er ist glücklich" dachte sie und I ein befriedigendes Lächeln glitt über ihre Züge. I Auch der Graf war durch das Rollen des »Wagens erwacht und wunderte sich, daß es schon so spät geworden.

„Komm Papa, wir wollen nach Hause gehen" sagte sie, indem sie seinen Arm ergriff und ihn weiter führte. Sie gingen noch eine Strecke, dann bogen sie nach einer der reizenden Villen ein, die vom Laubwerk halb versteckt hier an der Oos liegen.

Einige Wochen später saß Isabella bei ihrem Vater und las ihm die Zeitungen vor. Man sprach jetzt viel von den politischen Wirren, die China mit England, Frankreich, Rußland und den Vereinigten Staaten Amerika's entzweiten. Die Gesandten hatten wiederholt die Forderung neuer Vorträge an die chinesische Regierung gestellt, und da diese unbeantwortet blieb, langte im Frühjahr 1860 die vereinigte englisch-französische Flotte in Shanghai an und begann ihre militärischen Ope­rationen im Golf von Peking.

Isabella las stets mit besonderem Interesse die Berichte über diese Kämpfe, die die Zeitungen brachten. Auch heute enthielt eines der Blätter eine ausführliche Beschreibung der Einnahme der Befestigungen an der Mündung der Peiho und bei der Schilderung der furchtbaren Greuel, welche die Chinesen in ihrem fanatischen Fremden­hasse an den Christen der Pekinger Missionen verübten, geschah besonders eines Priesters der Gesellschaft Jesu Erwähnung, der als treuer Hirt die Gefahren und Leiden feiner Gemeinde mit aufopferndem Heldenmuthe getheilt hatte.

Isabella erblaßte, als sie den Namen des Priesters las und auch der Graf, der bis dahin ziemlich theilnamslos zugehört hatte, ward auf­merksam.

„Pater Schönberg?" wiederholte er den Namen, den Isabella genannt harte, „heißt nicht so der

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27. Jahrgang.