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IHSSAKSSÄK'* mit Anterhattungs-Aeilage „Zssuktrirke Sonntags-Deitung
JuLöa, Dienstag, den 13. Februar 1900.
A Kohlenstreik und Kohlennoth.
Herr Bebel hat zwar in der Budget-Kommission des Reichstages mit einer allgemeinen Arbeitsniederlegung der deutschen Kohlenbergleute gedroht, aber die Ereignisse haben ihm bisher nicht recht gegeben. Im Aachener Revier haben die Kohlen- bergleute vorübergehend die Arbeit eingestellt; aber die Bewegung ist nur eine ganz flüchtige Erscheinung gewesen, und schon nach sehr kurzer Zeit hatten fast alle Streiker die Arbeit wieder ausgenommen. Die Verhältnisse liegen auch jetzt ganz anders als vor zehn Jahren. Als im Jahre 1889 die große Lohnbewegung unter den deutschen Kohlenbergleuten ausbrach, konnten diese auf Zustimmung in weiten Kreisen des deutschen Volkes rechnen, und thatsächlich hat ja damals ihre Arbeitsniederlegung ihnen reichliche Früchte getragen. Ihre Lage hat sich seitdem ganz bedeutend gebessert, und jetzt gehören sie zu den Arbeitern, die die allerbesten Löhne beziehen. Eben deswegen würde man es im Volke nicht verstanden haben, wenn jetzt die deutschen Kohlenbergleute ebenso wie ihre .österreichischen Kameraden die Arbeit niedergelegt hätten, und außerdem würde eine solche Arbeitsniederlegung wahrscheinlich großen Massen von anderen deutschen Arbeitern sehr schädlich geworden sein. Der industrielle Unternehmungsgeist steht augenblicklich nicht mehr auf derselben Höhe wie kurz vorher; er ist im Abflauen. Das Leihkapital ist theuer, nirgends hat die Industrie große Kohlen- vorräthe angesammelt, so daß wahrscheinlich sehr viele industrielle Unternehmungen ganz einfach ihre Thore schließen müßten für einige Zeit, ohne besonderen Schaden davon zu haben, wenn durch einen deutschen Kohlenarbeiter-Ausstand die zur Zeit voihandene Kohlennoth noch erheblich gesteigert werden würden. Dann aber würden auch .große Massen von anderen Arbeitern arbeitslos und brotlos werden, und dann müßten die Streikkassen sehr bald erschöpft sein. Sehr schnell würde dann die ganze Lohnbewegung nutzlos verpufft sein, die deutschen Kohlenbergleute aber würde der berechtigte Vorwurf treffen, daß sie durch eine übermüthig begonnene Lohnbewegung viele Andere in Schaden und Roth gebracht hätten, ohne eine innere Berechtigung für eine Lohnbewegung in Anspruch nehmen zu können und ohne Nutzen für sich selbst.
Anders steht es zum Theil mit den österreichischen Bergleuten. Deren wirlhschaftliche Lage ist bisher nicht so gut gewesen wie die ihrer Kameraden im deutschen Reiche; und auch sonst haben sie sich über manche Ucbelstände zu beklagen, unter denen sie zu leiden haben, die bei uns in Deutschland längst beseitigt sind. Die österreichischen Kohlenbergwerke haben deswegen auch in den bürgerlichen Kreisen des österreichischen Volkes ebenso wie bei der österreichischen Regierung sichtliches Verständniß sür ihre Forderungen und Bestrebungen gefunden; die Regierung ist sogar eifrig an der Arbeit, um zwischen Unter- nebmrrn und Arbeitern einen angemessenen Vergleich zu Stande zu bringen. Namentlich hat
Km Hohes Ziel'.
Original-Erzählung von W. Dora.
$6 ------- (Nachdruck verboten-)
Frau von Lastorf, die erwartet hatte, mit des Grafen und Isabellas Rückkehr werde wieder lebensfrohe Gesellschaft in Heimbach einziehen, jühlte sich bitter enttäuscht. Es kamen wohl dann und wann Gäste aus Stadt und Umgegend, aber die Geselligkeit, wie sie in früheren Jahren in Heimbach geherrscht, kehrte nicht wieder. Isabella vermied so viel als möglich allen Verkehr nach Außen, um sich ganz Cäci- liens Pflege zu widmen, und auch dem Grafen, der die frühere Rüstigkeit verloren hatte, behagte das stillere Leben.
Der Zustand der Kranken ward immer schlimmer und bald konnte sie dar Zimmer nicht mehr verlaffen, aber sie verlor ihre Heiterkeit nicht uud ihren Muth und bewahrte in den schwersten Leidensstunden ihr sonniges Lächeln.
Frau v. Lastorf hielt sich dem Krankenzimmer so fern als möglich. Ein Herz, das all' sein Sinnen und Trachten dem Irdischen zugewendet hat, schaut nicht gern dem Tode ins Auge. Sie kam wohl zuweilen herein, um nach der Kranken zu sehen und ihr einen flüchtigen Gruß zu bieten, aber immer verschwand sie schnell wieder.
Um so getreuer hielt Isabella bei ihr aus, und es war ein eigenes Leben stillen Schaffens und Wirkens, das in dem kleinen Krankenzimmer sich entfaltete.
die Regierung den ausständigen Arbeitern zu verstehen gegeben, daß sie die Einführung einer achtstündigen Schichtdauer gemeinschaftlich mit den Arbeitern für wünschenswerth hält. Die Regierung hat sogar den Arbeitern schon jetzt das feste Versprechen gegeben, daß sie im künftigen Herbste im Reichsrath einen Gesetzentwurf einbringen will, der die Schichtdauer im Bergbau in ange- meffener Weise regeln, das heißt verkürzen soll. Aber gerade gegen diese Forderung sperren sich noch immer die Unternehmer, namentlich im mährischen Kohlenrevier, von dem bekanntlich die ganze Bewegung in Oesterreich ausgegangen ist. Am letzten Samstag haben die Verhandlungen des in Teschen zusammengetretenen Einigungsamte begonnen, und dort erklärte der Sprecher der Unternehmergruppe, Generaldirektor Dostal, daß die Grubenbesitzer gern zu weiteren Verhandlungen bereit seien, aber gerade nicht zu Verhandlungen über den Achtstundentag. Die Unternehmer wollen das Verdienst der Arbeiter erhöhen, vorausgesetzt daß diese zunächst die Arbeit wieder aufnehmen; aber vom Achtstundentage wollen sie nichts wissen. Die Verhandlungen des Einigungsamtes sind noch nicht beendet. Man kann aber nicht recht einsehen, wie sie bei den bestehenden schroffen Gegensätzen in den Anschauungen der Unternehmer auf der einen und der Arbeiter auf der andern Seite bald zu einer Einigung führen sollen.
Bei uns in Deutschland haben die Kohlen- preise die bisher höchsten Preise von 1890 noch nicht erre cht. Aber sie sind nicht mehr allzu weit davon entfernt, und schon hört man davon belichten, daß rheinische Eisenwerke ihre Kohlen zu noch theurerem Preise aus England sich kommen lassen müssen, um nur überhaupt Kohlen zu haben. Und daß die Kohlennoth vielfach in anderen Kreisen schon sehr schmerzlich empfunden wird, namentlich auch von Landwirthen, ist im preußischen Abgeordnetenhause bei der kürzlich statt- gehabten Berathung des Hütten- und Bergwerks- Etats in überraschender Weise festgestellt worden.
Es ist die Pflicht unserer Regierung, diese Kohlennoth nicht noch weiter fördern zu helfen, sondern alles zu thun, um sie so viel wie möglich zu lindern. Und das sollte vor allen Dingen, dadurch geschehen, daß sofort die besonderen Frachttarife für die Ausfuhr von Kohlen nach dem Auslands aufgehoben werden. Die böhmische Industrie macht natürlich alle Anstrengungen, um die österreichische Kohle, die ihr fehlt, durch deutsche zu ersetzen; und diese Ausfuhrvergünsti- gungen kommen ihr dabei zu statten. Diese letzteren waren eingesührt worden, als die deutschen Kohlenzechen den ausländischen Markt brauchten, um den von ihnen geförderten Kohlenvorrath abzusetzen. I tzt können sie nicht einmal den deutschen Jnlandbedarf decken. Es ist also höchste Zeit, diese Vergünstigungen sür die Ausfuhr deutscher Kohlen nach dem Auslande aufzuheben. Sollten sie später wieder einmal nöthig werden im Interesse des deutschen Kohlenbergbaues, so sind sie ja sehr leicht wieder einzuführen.
Deutsches R^ich»
Berlin, 12. Februar.
• Das ZL.finds« des Avg. Ar. Lieöer hat seit dem letzten Sonntag eine Besserung auf-
In ihrem unermüdlichen Eifer setzte Cäcilie auch jetzt noch ihre Arbeiten fort zur Unterstützung der Armen und Ausschmückung der Kirchen, und da ihre eigene Kraft nicht mehr ausreichte, ward Isabella ihre Helferin. Sie besuchte die Hütten der Nothleidenden und Kranken und ihre, der Arbeit ungewohnten Finger, lernten unter Cäciliens Anleitung das grobe Zeug zur Bekleidung der Armen verarbeiten und mit feinen Gold- und Silberfäden kunstreiche Stickereien anfertigen zum Schmuck der Altäre.
Auch die Uebersiedelung nach der Residenz brachte in dieses Leben wenig Veränderung. Gottes Hand, in Gestalt der Nothleidenden, streckt sich uns überall entgegen, wenn wir uns nicht absichtlich von ihr abwenden; denn Altäre und Kirchen gibt es überall zu schmücken und der Welt hielt sich Isabella hier so fern, wie dort, denn sie hatte den Geschmack an ihren Festen und Freuden verloren.
Der Winter ging vorüber, ein junges frisches Leben kämpft lange gegen den Tod. Erst als linde Lüfte Blätter und Knospen weckten, als es in Busch und Hag sich zu regen begann und die warme Frühlingssonne in das kleine Krankenzimmer hereinschien, schloß Cäcilie die Augen zum ewigen Schlafe. Sanft wie ihr Leben, war auch ihr Sterben.
Frau von Lastorf gab sich am Sarge ihrer einzigen Tochter, mit der sie so viele stolze Hoffnungen zu Grade trug, leidenschaftlichen Ausbrüchen ihres Schmerzes hin. Doch schon nach Kurzem schob sie alles bei Seite, was die
zuweisen. Die Schüttelfröste haben in ihrer Häufigkeit nachgelassen, die Nacht vom Sonntag zum Montag hat der Kranke gut verbracht, und auch während des heutigen Montags hat das bessere Befinden angehalten.
ft Heute fand im Circus Busch die diesjährige General-Versammlung des Amrdes der rvirthe statt. Die Betheiligung war sehr groß. Gegen IO3/» Uhr eröffnete der Vorsitzende, Reichstagsabgeordneter Dr. Rösicke die Versammlung mit einer längeren Ansprache. Alsdann erstattete der Direktor des Bundes, Abgeordneter Dr. Diedrich Hahn den Geschäftsbericht über das Jahr 1899. Demselben ist zu entnehmen, daß der Bund der Landwirthe zur Zeit 206,000 Mitglieder zählt. Hierauf sprach Freiherr von Wangenheim über die politischen Ereignisse des letzten Jahres. Alsdann sprach der Vizepräsident des Reichstages Freiherr von Frege.
x Der Derschlag einer Zreichs-Krv- schafls-Steuer zur Deckung der Kosten neuer Flottenvergrößerungen beschäftigt noch nachträglich die ,Berl. Pol. Nachrichten', von denen bekanntlich allgemein angenommen wird, daß sie in engen Beziehungen zum preußischen Finanzministerium stehen. Das genannte Organ wendet sich gegen diesen Vorschlag, indem es bemerkt, „e8 bedürfe nicht" der Einführung einer Reichs-Erbschafts-Steuer, denn das Steuersystem in den meisten deutschen Bundesstaaten sei ohnehin so angelegt, daß die steuerkräftigen Schultern ver- hältnißmäßig stärker belastet seien als die schwächeren. Wenn damit gesagt werden soll, daß besondere Steuern zur Deckung der Kosten neuer Flottenvermehrungen, die ausschließlich die Wohlhabenden treffen, von der Regierung grundsätzlich bekämpft werden sollen, dann wird eben die Regierung mit diesem Grundsätze die Mehrheit des Reichstages gegen sich haben.
+ Die deutsche Dolkszätzkrmg, die, wie berichtet, am 1. Dezember d. I. vorgenommen werden soll, wird von einer neuen Einrichtung begleitet sein. Es soll dabei zum ersten Mal der Versuch gemacht werden, die Zählung über die Reichsgrenzen hinaus auszudehnen und auch diejenigen Personen mitzuzählen, die sich auf Schiffen außerhalb des Reiches befinden. In die Fragen, die beantwortet werden sollen, sind einige neu ausgenommen worden: Arbeitsort in Verbindung mit dem Wohnorte, Muttersprache, Gebrechen (blind oder taubstumm), Religion. Diese letztere Frage war auch früher gestellt, aber bei der letzten Volkszählung im Jahre 1895 weggelassen worden.
X Der chefctzeulrvurf üver die KeKene ruug der Waarevhäuser in Preußen ist dem Landtage zugegangen. Die Vorlage besteht aus 15 Paragraphen, von denen der erste die leitenden Grundsätze des Gesetzentwurfes enthält. In diesem ersten Paragraphen wird bestimmt: „Wer das stehende Gewerbe des Klein(Detail-)handels mit mehr als einer der in § 6 dieses Gesetzes unterschiedenen Waarengruppen betreibt, unterliegt, wenn der Jahres - Umsatz 500,000 Mark übersteigt, der nach Vorschrift dieses Gesetzes zu entrichtenden, den Gemeinden zufließenden Waaren- haus - Steuer. Ob der Kleinhandel im offenen Waarenhause, Laden, Lager und bergt, oder als Versandt-Geschäft betrieben wird, macht für die Besteuerung keinen Unterschied. Vereine, ein- Erinnerung an Cäcilia in ihr weckte: sie wollte nicht an ihren Schmerz gemahnt sein. All' ihre Hoffnungen wandten sich nun ihren Söhnen zu, und sie schmiedete neue Pläne, baute neue Luftschlösser.
Isabella hingegen weinte stille Thränen eines tiefen Sckmerzes, aber auch sie sollte sich ihrem Kummer nicht lange hingeben dürfen. Wenige Wochen nach Cäciliens Tod traf sie ein neuer Schlag, der sie zu energischem Handeln auf- rüttelte.
Eines Abends, als der Graf, der schon seit längerer Zeit kränkelte, um die gewohnte Zeit nicht in den Speisesaal kam, ging Isabella nach seinem Zimmer, um nach ihm zu sehen. Sie erhielt auf ihr Klopfen keine Antwort und öffnete die Thüre.
Der Graf faß in seinem Lehnstuhle am Fenster, das Haupt zurückgelehnt, die Arme schlaff herniederhängend, bleich und bewegungslos. tzZ „Um GoUeswillen, Papa, was ist Dir?" rief Isabella erschreckt auf ihn zueilend und seine Hände erfaffend. Aber sie prallte entsetzt zurück — er gab keine Antwort auf ihre Frage, er schlug die gesenkten Lider auf — das Bewußtsein hatte ihn verlassen.--
Meder war ein Jahr vorüber gegangen; ein langes Jahr für Isabella, das sie am Krankenlager ihres Vaters verbracht hatte. Der Graf war nach jenem Schlage, der ihn getroffen, wieder zum Bewußtsein erwacht, aber seine geistige und körperliche Kraft blieb gebrochen. Isabella pflegte ihn unermüdlich und treu, und in den vielen einsamen Stunden, die sie bei dem
27. Jahrgang.
getragene Genossenschaften und Korpora tionen, die . . . der Gewerbesteuer nicht unterworfen find, unterliegen auch der Waarenhaus- Steuer nicht. Die Steuer soll (nach § 2 der Vorlage) betragen bei einem Jahres-Umsatze von 500,000— 550,000 Mark ----- 7500 Mark, 550,000 bis 600 000 — 8500 Mark und immer steigend, so sür 800,000-850,000 Mark Jahres-Umsatz 13,500 Mark, sür 950,000—1,000,000 Mark Jahres-Umsatz 18,000 Mark, für 1,100.000 bis 1,200,000 Mark Jahres - Umsatz 22,000 Mark. Für jede 100,000 Mark mehr Jahres - Umsatz sollen 2000 Mark Steuer mehr erhoben werden, höchstens aber 20 v. H. des Betrages. Die Waarengruppen sind außerordentlich umfangreich genommen. Man hat deren nur vier unterschieden, so daß man schon daraus auf den sehr großen Umfang der einzelnen Gruppen schließen kann. Es gehören beispielsweise in eine einzige Waarengruppe (Gruppe D) Edelmetalle, Kurz- wharen, Papierwoaren, Waffen rc. rc., sicherlich eine so liberale Handhabung iber Gruppenunter- scheibimg, daß die Waarenhäuser sich wirklich nicht beschweren können über allzu große, ihnen gegenüber beabsichtigte Strenge. Es muß noch besonders hervorgehoben werden, daß die Steuer nur auf die sogen. Großbazare abzielt, nicht auf solche Geschäfte, die nur mit einer Waarengruppe sich beschäftigen, und sei ihr Umsatz noch so groß.
* In der Budgetkommisston des Aeichslages am Freitag, 9. Febr., thetlt Abg. v. Roon als Referent mit, daß der Etat sür das gelammte deutsche Heer für 1900 2 2 Millionen Mark mehr verlangt, als für 1899 gefordert war; darin sind die in der Militär- vorlage i. I. 1899 bewilligten Vermehrungen enthalten. Abg. Speck (Centr.) verliest einen Bericht über das Be- gräbniß eines im D u e l l gefallenen Offiziers in München, bei dem Major Deimling in dem Nachrufe sagte: „Das Regiment dankt dir dafür, daß du den Grundsätzen treu bliebst, in denen dich das Regiment erzogen hat." Der Vorsitzende schlägt vor, diese Sache später zu besprechen, wenn der Kriegsminister anwesend ist. — Abg. Dr. Müller (Sagan): Eine Bierbrauerei, die Bier für eine Kantine lieferte, wurde ersucht, zum KaifergeburtStag Freibier zu liefern; ich erbitte Auskunft über die Stellung der Militärverwaltung zu den Kantinen. Reg.-Vertreter: Die eingeforderte Auskunft über diesen Fall ist noch nicht eingetroffen. — Abg. Speck trägt jetzt, da der Kriegsminister erschienen ist, den Fall Deimling-München (Duell) vor. Der Minister antwortet: Der protestantische Militärpfarrer hatte in seiner Grabrede sehr scharf gegen das Duell gesproten; dadurch wurde große Mißstimmung hervorgerufen. Deshalb glaubte der Major, etwas zum Lobe des Verstorbenen sagen zu müssen. Uebrigens werden seine Worte von uns mißbilligt, und er ist bestraft worden. Abg. Speck erklärt sich befriedigt. Ein zweiter Tuellfall: Militärarzt Käst aus Triberg erhielt den Abschied, weil er ein Duell abgelehnt hatte. Kriegsminister: Die Sache liegt wesentlich anders; ich werde nächstens die Akten mitbringen und bitte, bis dahin die Sache zu vertagen. — Abg. Dr. Lingens (Etr.) trägt die Bitte eines Rabbiners vor, daß die jüdischen Soldaten nicht an ihren Feiertagen zum Dienste angehallen werden möchten Minister: In die Manöverzeit fallen hohe jüdische Feiertage; zu anderer Zeit beurlauben wir die betr. Soldaten gerne; aber während deS Manövers ist es unmöglich. — Abg. Dr. v. JazdzewSki: Polnischen Soldaten ist es verboten worden, in polnischer Sprache zu beichten. Der Minister erklärt, manche junge Militärgeistliche trieben polnische Agitation; das dürfe nicht geduldet werden. Ein Einfluß auf die Wahl der Sprache bei der Beichte soll nicht ausgeübt werden. Ein Unteroffizier hat sich dem Beichtstuhl genähert, um festzustellen, ob der Soldat polnisch beichte, er ist bestraft worden. Abg. Dasbach: Eine solche Belauschung der Beichte ist ein unerhörter Mißbrauch; der Unteroffizier muß doch ein Wort hören, wenn er sich vergewissern will, in welcher Sprache der Mann beichtet; es besteht
Kranken weilte, in ben endlosen Nächten, bie sie an seinem Lager burchwachte, vollenbete sich in ihrem Innern ber Kampf zwischen Gotl unb bet Welt, denn wie man ben Saft ber Reben unter bem Kelter auspreßt, so stcömt auch die Seele ihre edelsten Kräfte au§ unter dem Kelter ber Leiden.
Die Aerzte hatten dem Grasen ben Gebrauch ber Quellen von Baden-Baden verordnet, unb Heilung feiner kranken Glieder hoffend, war er mit feiner Tochter nach ber berühmten Bäderstabt
Baden-Baben mit feinen Quellen, feinen Üppigen Thälern, den waldbestandenen Höhen, den großartigen Ruinen alter Zeit und andererseits seinen reizenden Billen und riesigen Hotels, ist der Sammlungsort ber eleganten Welt Europas. Mit ben ersten Knospen, bie ber Frühling treibt, tarnen schon bie Menschen von nah und fern gepilgert unb wenn ber Sommer feine Rosen ausstreut und ganz Baden in einen duftenden Garten verwandelt, herrscht das regste Leben in dem wunderschönen Kurort.
An einem heißen Juniabenbe hatte sich unter ben herrlichen Bäumen ber Allee, bie nach Lichtenthal hinaus führt,' wie gewöhnlich um diese Zeit, ein buntes Leben entfaltet. Zu Pferb, zu Wagen unb zu Fuß bewegte sich bie bunte Menge bork auf unb nieber; bas wogte unb brängte, bas lachte unb scherzte durcheinander, als ob es ein Jahrmarkt ber ganzen civilisirten Welt fei.
Etwas abseits von ber Menge, auf dem schmalen Fußpfabe bes Flüßchens Oos entlang, ging still ein einsames Paar: Graf Heinrich unb