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spalt. Garmond

27. Jahrgang.

Iulöa, Montag, den 12. Februar 1900.

terefse derer, die in Deutschland an der Erzeugung von Fleisch und an dem Handel mit demselben betheiligt sind.

euuuwiv v|.,ew- ftanen die Petit- zeit« LS Pf.; kf Wiederholunge« wird entsprech eni . Rabatt gewährt

„Ich weiß wirklich nicht, was der Doktor gedacht hat, uns hierher zu schicken; statt bester wird es ja täglich schlimmer mit Dir, ein Seebad, wie ich vorgeschlagen hatte, wäre gewiß bester gewesen." .. L .

„Du weißt, der Doktor meinte, ich wurde tm Seebade nicht die nöthige Ruhe finden", erwiderte Cäcil'e.

„Ruhe, ja, die haben wir zur Genüge ge­funden; es war ja oft zum Sterben langweilig in diesem einsamen Schlosse und ich bin recht froh, daß Heinrich und Isabella endlich kommen, so wird es doch wieder etwas mehr Geselligkeit geben. Diese lange Krankheit stellt meine Geduld wirklich auf eine harte Probe."

Daß die-Geduld ihrer Tochter auf eine noch viel härtere Probe gestellt wurde, daran dachte Frau von Lastorf nicht. Rach der Art selbst­süchtiger Leute faßte sie stets nur das ins Auge, was sie selbst zu leiden hatte.

Eine Stunde später hielt der Rersewagen vor dem Portal des Schlosses und der Graf und Isabella stiegen aus.

Graf Heinrich hatte sichtlich gealtert rn den zwei Jahren, und auch an Isabella war die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Ihr schönes Antlitz war marmorbleich, ihre dunklen, früher so lachen­den Augen, blickten ernst und ein leiser Zug von Schmerz lag um den feinen Mund.

In der Halle waren alle Bewohner des Schlosses, die Beamten des Gutes und die Diener­schaft versammelt, um die Ankommenden zu be­grüßen, und es that dem Grasen wohl, die Freude zu sehen, mit der ihm die Seinen in der Heimath

Mn Hohes Zieh'.

Original-Erzählung von W. Dora.

15 ------ (Nachdruck verboten')

Als Reinhold eine Stunde später, nachdem er seine Angelegenheiten geordnet hatte, nach seinem Zimmer ging, trat Cäcilie ihm im Korri­dor entgegen. „Sie wollen fort?" ries sie be­wegt. „Sie wollen uns verlassen? und schon so bald?«

„Ja, wünschen Sie mir Glück, ich bin endlich am Ziele!" erwiderte Reinhold.

„Ich weiß, Sie sind glücklich, und ich möchte Sie fast beneiden um dieses Glück — aber Isabella? was wird aus ihr werden?"

„Beruhigen Sie sich, sie ist auf guten Wegen. Seien Sie, Cäcilie, der gute Engel, der Sir zum Lichte emporsührt."

„So beten Sie für mich, wenn Sie am Altäre stehen", sagte Cäcilie, „daß auch ich mein Ziel bald erreiche."

Am Nachmittage fuhr der Graf selbst mit Reinhold zur Stadt. Er hatte all seine Ueber- redungskunst angewandt, um ihn von seinem Vor­haben abzubringen, oder wenigstens zu bewegen, dessen Ausführung zu verschieben. Aber seine Bemühungen waren an Reinhold's unumstößlicher Festigkeit gescheitert, mit der er darauf bestanden hatte, am selben Tag noch abzureisen.

Als der Graf am Abend zurückkam, war er ganz weich gesinnt. Er hatte den jungen Mann in der kurzen Zeit des Zusammenlebens lieb ge­wonnen und der Abschied war jhjn schwer geworden.

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0 Das Fleischbeschau-Gesetz.

Die Kommission des Reichstages, der die Borberathung des Fleischbeschau- Gesetzes überwiesen ist, soll, wie berichtet, am 20 ds. Mts. ihre Berathungen beginnen. Eine außergewöhnlich lange Pause liegt zwischen den Berathungsabschnitten dieser Kommission. Die­selbe ist im Frühsommer des vorigen Jahres mit der ersten Lesung des Gesetzentwurfes fertig ge­wesen und hätte alsbald danach, noch beträcht­liche Zeit vor der Vertagung des Reichstages, auch die zweite Lesung erledigen können. Aber da keine Aussicht darauf war, das Gesetz vor der Vertagung auch noch im Plenum des Reichstages zur Verhandlung zu bringen, unterblieb damals diese zweite Lesung in der Kommission. Unter solchen Umständen konnte man auch den überan­strengten Parlamentariern diese Entlastung voll­kommen gönnen. Es war durchaus verständlich, daß damals die zweite Lesung unterblieb. Dann aber sollte, nach der Wiedereröffnung des Reichs­tages, die Kommission wieder am 30. November zusammentreten; und warum das auch damals nicht geschehen ist, erscheint weniger verständlich.

Es ist zwar erzählt worden, daß die Reichs­regierung diese Hinausschiebung gewünscht habe, um gerade vor dem Abschlüsse des Samoa- Vertrages in den Vereinigten Staaten von Amerika keine Verstimmung zu erregen; aber man begreift nicht recht, in welchem Zusammen­hänge beide Dinge mft einander stehen sollen. Wenn etwas in den Berathungen über diese Dinge enthalten sein könnte, das man im Aus­wärtigen Amte als unliebsame Sache für ameri­kanische Empfindungen ansehen möchte, so könnte das einzig und allein das in der Kommission lebhaft hervorgetretene Bestreben sein, den deutschen Verbraucher zu schützen vor minderwerthiger oder unappetitlicher Einfuhr aus dem Auslands, also auch aus Nordamerika, und sich dagegen zu wehren, daß bei der nach dem neuen Gesetze auszuübenden Fleischbeschau nicht das ausländische Fleisch offen­bar begünstigt werden vor dem in Deutschland selbst erzeugten Fleische. Beide Punkte sind so außerordentlich selbstverständlich und sind so fest begründet in den allgemein gütigen Grundsätzen der ausgleichenden Gerechtigkeit, daß man — wie gesagt — nicht recht fassen kann, warum man an so selbstverständlichen Dingen in Amerika hätte Anstoß nehmen sollen.

Dennoch ist gegen Ende des verwichenen Jahres die Sachlage so aufgefaßt worden, ohne daß von irgend einer Seite ein Widerspruch gegen diese Auffassung sich erhoben hätte. Als Grund dafür, daß die Berathungen der Kommission nicht sofort nach Weihnachten wieder ausgenommen wurden, wird angegeben, daß ein Mitglied der Kommission, der konser­vative Abgeordnete Graf Klinckow ström, um diesen weiteren Aufschub gebeten hätte. Graf Klinckowström war erkrankt und mußte sich einer längeren Badekur in Aachen unterziehen.

Deutsches Deich.

Berlin, 10. Februar.

X Sriuz Heinrich von ^reutze« soll auf Befehl des Kaisers bei seiner Rückkehr nach Berlin in besonders feierlicher Weise empfangen werden. Reichskanzler Fürst Hohenlohe und das gesammte preußische Staats­ministerium werden den Prinzen auf dem Bahnhofe begrüßen. Ebenso werden bei dem Empfange die Präsidenten des Reichstages und der beiden Häuser des preußischen Landtages an­wesend sein. Außerdem ist bestimmt worden, daß am Dienstag alle öffentlichen Gebäude in Berlin zu flaggen haben. Der Besuch des Prinzen in der Hofburg zu Wien ist nicht als eine rein äußerliche Höflichkeitshandlung zu be­trachten. Nach einer Darstellung, die aus diplomatischen Kreisen stammt, soll der Besuch neuerdings bekunden, daß das Büudniß zwischen Deutschland und Oesterreich- Ungarn ungeschwächt fortbesteht und in unerschütterlicher Intimität fortdauern wird. Es wiro als ein „Moment von nicht zu unter­schätzender Bedeutung" bezeichnet, daß „Prinz Heinrich sich nach so langer Abwesenheit von Deutschland nicht auf direktestem Wege m die Heimath begibt, sondern absichtlich einen Um­weg macht, um bei dem verbündeten Kaiser vor­zusprechen . . . ." Diese Kundgebung kann in Deutschland nur angenehm berühren.

ft AVg. I>r. Lieöer ist von Neuem von Fieber und Schüttelfrösten heimgesucht worden, nachdem er von Freitag auf Samstag eine Der» hältnißmäßig gute Nacht verbracht und am Sams­tag Morgen mit Appetit Nahrung zu sich genom­men hatte. Im Laufe des Sonntages wieder­holten sich die Fieberanfälle mehrfach, unterbrochen von kurzen Pausen unruhigen Schlummers.

ft Die preußische Aattal-Dorkage soll nach einer Mittheilung der ,Berl. Pol. Nachr/ etwa Mitte März dem preußischen Landtage zugehen, und zwar „in dem Umfange und in der Fassung, wie sie in der Thronrede zur Eröffnung des Landtages angedeutet wurde".

0 Dur Dorrage über die Amättderttttg des preußische« chemeiudewahlrechtes wird gemeldet, sie sei von dem Minister des Innern Freiherrn von Rheinbaben nach dessen Erfahrungen im Rheinlands umgestaltet worden und werde dem Landtage demnächst zugehen. Darauf kann man ja nun recht begierig fein. Es ist nur zu wünschen, daß die Vorlage nun wirklich bald im preußischen Landtage erscheine.

• Der chesetzeutnmrf über die ZSeSene- r«vg der Waareuhäuser ist nach halbamt­licher Mittherlung im preußischen Staatsministerium durchberathen worden und hat schon die könig­liche Genehmigung erhalten. Aus Karlsruhe ist bekanntlich dieser Tage schon wieder über einen großen Waarenh ausbrand berichtet. Dort ift das Waarenhaus von Gebrüder Landauer niedergebrannt, und wiederum sind auch Men­schenleben dabei vernichtet worden. ES wird nachgerade unbegreiflich, wie die Regie- lebt und kehrte nun nach Abwesenheit von beinahe einem Jahre in die Heimath zurück. Sie wollten noch einige Wochen in Heimbach bleiben, wo Frau v. Lastorf mit ihren Kindern den Sommer zugebracht hatte und dann gemeinsam mit diesen nach der Residenz Übersiedeln.

Cäcilie war schon seit einiger Zeit leidend. Sie magerte sichtlich ab, hüstelte und fühlte sich matt und müde. Der Arzt hatte sie, der guten Landluft wegen nach Heimbach geschickt, aber die Kur wollte nicht anschlagen. Im Gegentheil, Cäcilia'S Zustand ward von Tag zu Tag schlimmer. Der Husten quälte sie Tag und Nacht. Am Abend stellte sich ost Fieber ein und häufig fühlte sie sich so schwach, daß sie den ganzen Tag nicht anf- stehen konnte.

So saß sie denn auch heute, während Alles im Schlosse geschäftig war, in einem Lehnstuhle am offenen Fenster ihres Zimmers.

Sie hatte den Kopf müde auf die Lehne des Stuhles zuiückgelegt und ließ die Perlen eines Rosenkranzes durch die kleinen, durchsichtigen Hände gleiten, die gefaltet in ihrem Schooße ruhten, während ihre Lippen leise die Gebets­worte sprachen.

Da trat Frau v. Lastorf in'S Zimmer und ihr Blick verfinsterte sich, als er auf die Tochter fiel, die so sichtlich matt in ihrem Lehnstuhle tag.

„Ich hatte gehofft, Du könntest zum Empfang in die Halle hinunter kommen, Cäcilie" sagte sie, „es wird seltsam auffallen, wenn Du nicht da bist."

„Ich hatte es auch gehofft, Mama, aber meine Füße sind heute so schmerzhaft müde, daß ich nicht weiß, ob sie mich tragen würden."

Nun endlich sollen also die Arbeiten der Fleischbeschau-Kommission von neuem ausgenom­men werden. Für diese Arbeiten sind ver­schiedene inzwischen eingetretene Umstände sehr zu beachten. Erstens sind in der Zwischenzeit dem Reichstage sehr viele Petitionen zuge­gangen, die um baldige gesetzliche Regelung dieser Dinge bitten, und zwar fast alle von dem Gesichtspunkte aus, daß dem vom Auslande her eingeführten Fleische nicht Vortheile eingeräumt werden sollen vor dem einheimischen. Zweitens ist über die Sache in verschiedenen deutschen Landtagen gesprochen worden: in Sachsen, in Bayern, in Preußen. In der zweiten sächsischen Kammer ist eine besondere Inter­pellation eingebracht worden darüber, daß das ausländische Fleisch nicht anderen Bestimmungen unterworfen werden dürfe als das deutsche. In Bayern ist der Antrag gestellt worden, die Re­gierung möge in demselben Sinne int Bundes- rathe ihren Einfluß geltend machen und außer­dem auch darauf hinwirken, daß das Fleisch­beschaugesetz so bald wie möglich zustande komme; und im preußischen Abgeordnetenhause ist bei der Berathung des landwirthschaftlichen Etats dieselbe Frage in demselben Sinne be­sprochen worden und zwar mit der ausdrücklichen Zustimmung des Landwirthschaftsministers Frei- Herrn von Hammerstein.

Eine ängstliche Scheu davor, amerika­nische Empfindlichkeiten bei der Behand­lung dieser für unser Wirthschaftsleben sicherlich sehr wichtigen Frage zu verletzen, würde um so unbegreiflicher sein, als man in den Vereinig­ten Staaten von Nordamerika selbst sich gar keiner Täuschung darüber hingibt, daß dort die staatliche Aufsicht über die menschlichen Nahrungsmittel durchaus m an g elh a f t ist. Es bestehen zwar entsprechende Vorschriften in einem Theile der amerikanischen Einzelstaaten, aber noch fehlt vollkommen ein einheitliches Nahrungsmittel-Gesetz für die Gesammtheit der nordamerika­nischen Staaten-Union. Ein solcher Gesetz­entwurf soll erst demnächst dem Kongreffe der Vereinigten Staaten vorgelegt werden. Thatsache ist also, daß das gegenwärtig aus Nordamerika ausgesührte Fleisch einer einheitlichen Kontrolle überhaupt nicht unterliegt. Diese Dinge liegen in Nordamerika sogar so sehr im Argen, daß die einzelnen amerikanischen Bun- desstaaten selbstvollkommen machtlos sind gegenüber verfälschten Nahrungsmit­teln, die aus anderen Bundes st aalen über ihre Grenzen eingeführt werden. Man sollte da­her endlich einmal aushören, die vollkommen un­sinnige Behauptung aufzustellen, daß das Fleisch in den Vereinigten Staaten von Nordamerika einer eben solchen Aussicht unterliege wie bei uns in Deutschland.

Noch viel schlimmer steht es mit dem Fleische, das aus anderen überseeischen Ländern zu uns gebracht wird. Es ist also geradezu ein Zwang, ausgeübt durch die zweifellos bestehenden That- sachen, daß Deutschland in einem neuen Gesetze ÜberFleischdeschau für ausländisches Fleisch genau dieselben Aufsichts-Bestimmungen einsühren muß wie für inländisches Fleisch im Interesse der deut­schen Fleischverbraucher genau ebenso wie im Jn-

„Er ist ein Mann von seltenen Gaben des Geistes und des Herzens" sagte er, als er mi den beiden Mädchen am Theetische saß, „es ist schade, daß er sich von seinen Ideen nicht ab- btingen läßt."

„Schade?" rief Cacilia, „warum schade Onkel? was könnte denn Größeres, Herrlicheres aus ihm werden als ein Priester Gottes!"

Isabella sagte nichts. Sie war den ganzen Abend ernst und schweigsam, aber Cäcilie war so munter und sprach so lebhaft, daß ihre Schweig­samkeit gar nicht ausfiel. Und als Isabella sich früher als gewöhnlich zurückzog, las sie dem Grafen auS seinem Lieblings-Dichter vor und wußte ihn so gut zu unterhalten, daß er gar nicht darüber nachdachte, warum Isabella heute den ganzen Tag so seltsam gewesen.

VI,

In der Geduld liegt eine tief energische Thal; sie ist die im Mark der Seele vor sich gehende Einigung des Willens mit dem Willen Gottes.

Alban Stolz.

Zwei Jahre waren vorübergegangen und wieder ging es dem Herbste zu. Der Wind wehte über die Stoppeln, und die Sonne wurde kaum noch Meister über die Nebel, die tagelang über dem See lagen.

In Schloß Heimbach waren viele Hände ge­schäftig. Es ward gelüftet und gescheuert, alle Zimmer in Stand gesetzt und die Vorhalle zu festlichem Empfang mit Eichenlaub geschmückt.

Gras Heimbach hatte mit feiner Tochter den Winter in Italien, den Sommer auf Reifen ver-

rungen unthätig diesen stets sich wiederholenden Brandkatastrophen in solchen Waarenhäusem zu­sehen können. Unbedingt sollten allgemein die Waarenhäuser dazu gezwungen werden, ihre bau­lichen Einrichtungen so zu treffen, daß gegen die jetzt bestehende ungemeine Feuersgefahr hinreichen­der Schutz geschaffen werde.

Aus dem Reichstage.

*<#> 142. Sitzung vom 10. Februar 1900.

Am Tische des Bundesraths sieht man die Staats­sekretäre Gras Posadowsky, Graf Bülow, Frhr. v. Thielmann und Tirpitz.

In der Fortsetzung der ersten Lesung der Flottenvorlage spricht als erster Redner der kans.

Abg. Graf Schwert« Loewitz seine Ansicht dahin au», daß durch die Erklärungen des CentrumsrednerS das Schicksal der Vorlage entschieden sei; er könne sich darum kurz fassen. Mit der Begründung der Vorlage ist der Redner nicht ganz einverstanden. Ihm ist darin die wirthschaftliche Seite der Vorlage zu stark betont, nicht genug die nationale Seite derselben. Die starke Betonung der Wichtigkeit des Aufschwunges in Industrie und Handel muß nach der Anschauung deS Redners bei dem stetigem Rückgänge der Landwirth- schaft Bitterkeit in den Kreisen der letzteren erregen. Redner ist ganz der Ansicht Eugen Richters, daß unsere Ausfuhrindustrie die Flotte nicht gebraucht hat zu ihrer Entwickelung und auch nicht braucht. Vor der Gefahr einer Blokade fürchtet sich der Redner gar nicht. Wir erhalten ja den größten Theil unserer Zufuhren auf dem Landwege. Vom nationalen Standpunkt aus will aber der Redner die neuen Flottenforderungen bewilligen. Er hofft, daß die Kommissionsberathungen zu einem gedeihlichen Ende führen werden.

Abg. Mevek (soz.): Die Herren von der Rechten haben von jeher für alle Heeres- und Flottenver­stärkungen gestimmt, wir immer dagegen; und so wird es auch bleiben, das stand auch diesmal schon vorher fest. Ich kann aber nicht begreifen, wie Graf Schwerin aus den Worten des Abg. Schädler eine Ab­lehnung der Vorlage herauslesen konnte. Wir haben umgekehrt den Eindruck gehabt, daß das Centrum alle? thun werde, um wenigstens die Annahme eines Theils der Forderungen zu sichern. Hinters Licht kann man den Reichstag nicht führen, namentlich nicht mehr nach den gestrigen Erklärungen des Staatssekretärs, aus denen man den bestimmten Schluß ziehen kann, daß nach diesen Forderungen neue kommen werden. Wir ver­größern unsere Flotte, England erst recht, und so wird dann der Wettstreit immer weiter gehen. Und doch haben wir zu solchen Rüstungen gegen England gar keinen Grund, ganz abgesehen davon, daß man den Frieden nicht durch Rüstungen fichert, sondern viel besser durch Anknüpfungen guter Beziehungen zwischen den Kulturvölkern unter ernander. Der Schutz des Handels wird als Beweggrund für die neuen Flotten­forderungen vorgeschoben Aber die Anregung dazu ist nicht vom Handel ausgegangen, sondern von einer ganz anderen Stelle, und erst später hat sich der Handel mit der Sache einverstanden erklärt, weil eben eine sehr ein­flußreiche Stelle daS wünschte. Man behauptet, die Arbeiter hätten großen Borthefl von der Vorlage. Wenn das wahr wäre, würden wir für die Vor­lage stimmen. Aber gerade das, was dem Arbeiter noth thut, wird nicht geschaffen. Es fehlen noch überall Schulhäuser zu Tausenden, eS fehlen Krankenhäuser und viel Aehnliches mehr; das würden nützliche Ausgaben sein, für die wir eintreten würden. Die Ausgaben für Heer und Marine hemmen aber nur die Kultur.

Staatssekretär tzirpltz legt entschiedene Verwahrung dagegen ein, daß der Reichstag durch die Marine-Ver­waltung hinters Licht geführt worden sei. Seit 1897 hätten sich eben die Verhältnisse geändert und damit auch dre Anschauungen der Marine-Verwaltung.

Abg. Iretherr von Wangentzeim (kons.): Ich habe nur eine persönliche Bemerkung zu machen. Ein Berliner Blatt (Die.Germania', Red.) hat die Nach­richt verbreitet, daß konservative Abgeordnete, die dem Bunde der Landwtrthe nahe stehen, auf das Centrum einzuwirken suchen, damit dasselbe fest bleibe in dem Widerstande gegen die Flottenvorlage. Ich erkläre, daß diese Meldung vollständig aus der Luft gegriffen, daß

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mit Aickrhaktungs-Meikage „Illllllrirle Sonntags-Zeitung" ■ä.

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