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mit Anterhatüings-Beilage „Alkustrirte Sonntags-Zeitung;

27. Jahrgang.

Zsutöa, Freitag, den 9. Februar 1900.

oder aber durch Lockungen mit der Gewährung von Lohnerhöhungen und dergleichen weibliche Angestellte oder Dienstpersonen zu unsittlichen Handlungen zu bewegen. Neben der Unfittlich- keit steckt in einer solchen Handlungsweise ein so hoher Grad von Rohheit und von Treu- brud), daß jeder anständige Mensch durchaus wünschen müsse, solche unsittliche Thaten mit besonderer Strafe zu treffen; aber auch hier boten Redner der Rechten und der Linken alles auf, um diesen sogenannten Arbeitgeber-Para­graphen zu Fall zu bringen, und sogar die Re­gierung verfielst sich darauf, diesen Paragraphen nicht annehmen zu wollen. Staatsfekretär Nieberding hat behauptet, er sei für die ver­bündeten Regierungen „absolut unannehm­bar". Angeblich befürhtet man, eine solche Strafbestimmung werde ausgenützt werden zu allerhand böswilligen und leichtfertigen Denun­ziationen; aber man vergißt ganz und gar, daß jegliche Strafbestimmung überhaupt in einer solchen Weise mißbraucht werden kann, und außerdem steht noch die ausdrückliche Bestimmung dabei, daß Verfolgung nur auf Strafantrag bin eintreten soll. Also auch hier ist wohl mehr Uebelwollen der Grund der Gegnerschaft, als wirkliche Ueberzeugung, daß der Paragraph wirklich ganz besonders in der angedeuteten Weise mißbraucht werden könnte. Der Richter müßte ja auch bei der Untersuchung eines Falles sehr schnell dahinter kommen, wie es damit beschaffen fein würde.

Geradeso ist es nun mit der Grenzbestimmung des Schutzalters für unbescholtene Mäd­chen, das von 16 auf 18 Jahre hinaufgefetzt werden soll. Auch diese Bestimmung hat Staat!- sekrrkär Nieberding für unannehmbar erklärt für die Regierung. Der Reichstag hat alle diese angefochtenen Bestimmungen in zweiter Berathung angenommen, zum Theil mit recht knappen Mehr­heiten. Aber damit ist, wie man sieht, der Kampf um diese äußerst wichtigen Ergänzungen des Strafgesetzbuches noch lange. nicht ausgekämpft.

Es ist sehr die Frage, wie das Ganze enden wird. Ist das Ende gut, so kann das Verdienst darum mit gutem Gewissen das Centrum fast ganz allein für sich in Anspruch nehmen. Endet die Sache auch diesmal wieder nicht so, wie sie im Interesse einer nachdrücklichen und erfolgreichen Bekämpfung der Unstttlichkeit enden soll, dann kann das Crntrum mit ruhigem Gewissen sich sagen, daß es hier seine Pflicht im vollsten Maße erfüllt hat. Dann aber müßte unbe» dingt der Kampf von neuem aufgenommen werden, bis die gute Sache doch endlich zum Siege gelangt!

Befinden des Kranken ein. Möchten die Hoff­nungen auf eine Genesung desselben doch noch in Erfüllung gehen!

* Johannes Miquel «nd die Aand- werkerfrage. Als der jetzige Finanzminister und Vizepräsident des preußischen Staats- Ministeriums noch Oberbürgermeister von Osna­brück war, hielt er anläßlich der Einweihung des neuen Vereinshauses des dortigen katholischen Gesellenvereins — es war, wie man uns schreibt, im Jahre 1866 — eine Rede, welche in vieler Beziehung bernerkenswerth war, u. a. auch des­halb, weil sie zeigte, daß die Handwerkerfrage bereits im Jahre 1866 in ein Stadium getreten war, welches große Aehnlichkeit mit dem heutigen Stande aufwies. Herr Miquel führte u. a. Folgendes aus: „Einiges ist es, was ich hervor­heben will: dir Hinweisung auf die großen Schwierigkeiten, mit denen das Handwerk ht unseren Tagen zu kämpfen hat, den Verfall, dem es unleugbar unterlegen ist, sodann aber dos frohe Wort der Hoffnung auf das Wiedererstehen dieses Handwerks. Der verehrte Präses hat uns gesagt, und es ist gewiß sehr richtig, daß das Handwerk im Mittelalter sich besonders dadurch adelte, daß es sich zur Kunst erhob. Dasselbe aber muß auch in unseren Tagen geschehen, wenn das Handwerk Bestand haben will. Theilung der Arbeit, das Fabrikwesen, bewirkt den Verfall des Handwerks, wenn es nicht wieder zur Kunst wird. Im Mittel­alter war beides vereint. Der Handwerker war zugleich ein Künstler in feinem Fache. Jetzt ist es anders. Die Stelle des eigentlichen Hand- werks, die Stelle der Hand nimmt die Maschine ein. Der Mensch muß die Kunst ersetzen. Erst bann, wenn der intelligente Mensch die Kunst im Handwerk repräsentirt, wird er nicht nur nicht entbehrlich sondern erst recht nothwendig, da keine Maschine die Kunst liefert. Aber diese Kunst- teiftung erfordert vom Menschen, vom Handwerk, nicht nur Geschick, Fertigkeit, sondern sie erfordert anch Gemüth, sie erfordert Religion und sittliche Ehrenhaftigkeit. Gerade die tüchtigsten Hand- werker und Künstler — daS lehrt uns die Ge­schichte — waren auch die religiösesten."

X Die lex Keiutze beschäftigt die Berliner Offiziösen in einer Weise, als gehöre es zu einer der wichtigsten Aufgaben der Regierung, das Ge­setz zum Scheitern zu bringen ober aber so ab­zuschwächen, baß es gerade in sehr wichtigen Stücken versagen müßte. So bringt jetzt wieder die ministerielle .Berliner Korrespondenz' eine lange Ausführung gegen den „Arbeitgeberpara­graphen" und erklärt von Neuem, daß die Reichs­regierung „aus den im Reichstage und in den Kommissionen angeführten vielfachen Bedenken zu dem vom Reichstage beschloffenen Arbeitgeber­paragraphen ihre Zustimmung nicht geben könne". Es wäre bedauerlich, wenn der Ge­setzentwurf in Folge dieses Paragraphen schei­tern sollte; die Reichsregierung würde „solchen­falls mit dem Bewußtsein sich trösten müffen,. daß sie, wenn auch vergeblich, das Ihrige gethan hat, um schweren Uebelständen entgegenzuwirken". Das genannte offiziöse Organ behauptet, daß es widersinnig und falsch sein würde, gerade den „vielgestaltigen B-gr'ff des Arbeitgebers

behauptete, das geräuschvolle Leben der Stadt nicht ertragen zu können, und wie immer, gab er auch diesmal ihren Wünschen nach.

Cäeilie war auf Isabellas Bitten in Heimbach geblieben, und eines Abends war der Graf zur Stadt gefahren und die beiden Mädchen waren allein zu Hause. Es war schon finstere Nacht. Der Regen goß in Strömen hernieder, der Wind fuhr heulend und pfeifend um das Haus und rüttelte an den Fenstern, als wolle er sie aus ihren Angeln heben. Isabella ging mit unruhigen Schritten im Gemach auf und ab. Der Sturm, der draußen heulte, weckte ein Echo in ihrer Seele. Sie trat an's Fenster und schaute eine Weile hinaus in das Toben der Elemente.

„Ich wollte, Papa wäre nicht draußen bet diesem entsetzlichen Unwetter", sagte sie, „es könnte ihm etwas zustoßen in der ftockstnstern Nacht." m

„Er hat ja den geschlossenen Wagen bet sich, und Thomas ist so vorsichtig im Fahren, was sollte ihm begegnen?" erwiderte Cäeilie, die mit ihren stets fleißigen Fingern an einer feinen Spitze nähte, „es ist jetzt so still hier, die kleine Zer- strenung wird ihm gewiß wohlthun und ihn ein wenig erheitern."

„Gott gebe es," seufzte Jtabella, indem sie sich in einen Lehnstuhl neben Eäeilie niederließ, „ich kann Dir nicht sagen, wie sein trauriges Gesicht mir ins Herz schneidet, ©ein Schweigen ist mir ein lauterer Vorwurf, als alle Worte es wären, und oft komme ich mir wie eine Verbrecherin vor, wenn ich Zärtlichkeiten empfange von diesem Herzen, bas ich so schwer gekränkt habe. Ach alles wollte ich tbun, um ihn glücklich zu machen.

Herr von Rheinbaben, der Chef des kaiserlichen Civilkabinets Geheimerath von Lucanus und ber Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg. Nach ber Vereidigung waren ber Erzbischof und bie anwesenben Herren Gäste des Kaiser^ bei einem Frühmahle. Heute Abend folgt der Hochw. Herr Erzbischof einer Einladung zum Mahle beim Kultusminister Dr. Studt.

h Die Kivikkik- des Kaisers sollte an­geblich nach Zeitungsmeldungen erhöht werden. Von augenscheinlich unterrichteter Seite wird diesen Meldungen mit der Bemerkung entgegengetreten, daß sie ber Begründung entbehren.

• Die erste Keraltzaag der Ikottertvor- kage hat heute im Reichstage begonnen. Die Hauptredner des ersten Tages waren Admiral Tirpitz und der Centrumsabgeordntte Dr. Schädler. (Den ausführlichen Bericht über die Sitzung finden unsere Leser unter den Parla­mentarischen Nachrichten. D. Red.)

• Das Kefiade« des Avg. Dr. Lieber hat feit gestern sich verschlechtert. Am Morgen des heutigen Tages traten von neuem Fieber­erscheinungen mit wiederholter Erhöhung der Temperatur auf, aber sie haben nicht lange an­gehalten. Nichtsdestoweniger erregt das Be­finden des unsäglich leidenden Kranken fortgesetzt die schwerste Besorgniß und man muß stündlich auf bas Schlimmste gefaßt sein. Dr. Lieber ist bei Bewußtsein und vollkommen klar Über das Gefährliche seines Zustandes. Auch seine Gattin ist heute früh durch den behandelnden Arzt über die Gefährlichkeit der Krankheit unterrichtet worden. Die Diagnose der Aerzte geht dahin, daß Herr Dr. Lieber an Gallensteinen leidet; dieses Leiden ist durch eine schwere Er­krankung der Leber komplizirt. Seit gestern Mittag ist ein erheblicher und anhaltender Ver­fall der Kräfte eingetreten. Die Genesung scheint gänzlich ausgeschloffen zu sein. Die Gattin und bie älteste Tochter (eine Franziskaner­schwester aus Aachen) verweilen unausgesetzt am Krankenlager. Der zur Zeit in Berlin an­wesende Hochwürdigste Herr.Erzbischof Sim ar fuhr am Krankenhaufe der Grauen Schwestern vor, um sich nach dem Befinden des Abg. Dr. Lieber zu erkundigen. Dem hl. Vater wurde gestern durch den in Rom weilenden Professor Dr. Frhr. von Hertling die Nachricht von der Verschlimmerung im Befinden des Centrums- führers unterrichtet, worauf derselbe telegraphisch seine Theilnahme ausdrückte und dem Schwer- kranken seinen Segen spendete. Das Telegramm des Kardinals Rampolla lautet in deutscher Übersetzung:

„Unser HI. Baier tiefbetrübt über die Nachrichten von Ihrer Krankheit sendet Ihnen als Unterpfand seiner väterlichen Liebe seinen besonderen Segen."

Dr. Lieber war über diese Theilnahme des hl. Vaters hocherfreut und diktirte seinen Ange- gehörigen folgendes Danktelegramm an den Kar­dinal Rampolla:

„Abg. Dr. Lieber empfing soeben mit innigstem Danke das Unterpfand der väterlichen Liebe, welches Se. Heiligkeit ihm mit dem apostolischen Segen ge­geben hat."

Sowohl der Reichskanzler Fürst Hohenlohe als auch der Reichstagsprästdent Graf Ballestrem ziehen täglich mehrmals Erkundigungen über baS fragte er, indem er sie vom Boden aufhob, „ist er Deiner Liebe nicht würdig?"

„Doch Papa, doch, er ist tausendmal besser als ick, aber ich kann ihm niemals angehören."

„Aber mein Kind, wenn er Deiner nicht un- roertb ist und Du ihn liebst, warum kannst Du chm nicht angehören? ich wäre zu Vielem zu thun bereit, um Dein Glück zu erkaufen."

Er zog sie an feine Brust und küßte die Thränen von ihren Augen. Er hatte seinen Zorn und seinen Unmuth schon ganz vergessen, ber gute Mann und buchte nur daran, wie er ihren Schmerz lindern könnte. Isabella schlang bie Arme um seinen Hals; preßte den Kopf an seine Brvst und flüsterte:

„Frage mich nicht, Papa, nur j tzt nicht; mache mich nicht noch elender, als ich es schon bin." —

Am anderen Morgen verließ Prinz Egon Schloß War? eg; nachdem das Billetchen, das er von Isabella.' Hand empfangen, all die schönen Blütden seines Hoffens zerstört hatte, rote ein Reif in ber Frühlingsnacht Blätter und Blüthen zerstört.

Auch in Heimbach war es plötzlich still ge­worden, als ob ber Herbstflurm die Sommergäste dort verjagt hätte.

Erich und seine Mutter waren abgere-st und Frau von Lastorf kehrte zum Beginn ber Schulen mit den Knaben nach ber Residenz zurück. Sturm und Regen hielten auch bie Besucher aus der Umgebung fern, und in den eben noch so belebten Räumen war es öd und still.--

Der Graf wäre am Liebsten auch abgereist, aber Isabella wollte davon nichts wissen. Sie

G Zur lex Heintze.

Endlich ist am Mittwoch bie lex Heintze in zweiter Lesung von dem Reichstage durchbe- rathen worden, nachdem auch diese noch einmal auf längere Zeit unterbrochen werden mußte. Das war ein Stück mühsamster parlamen­tarischer Arbeit, und nur schwer ist eS zu begreifen, wie es möglich sein kann, daß einem großen Theile unserer Volksvertreter das Ver- ständniß dafür fehlt, wie außerordentlich noth­wendig diese Ergänzungen des Strafgesetzbuches sind. Durch Debatten und Winkelzüge ohne Ende suchte fortgesetzt die Linke des Hauses die Vor­schläge der vorberathenden Kommission abzu­schwächen, Beschlüffe im Sinne dieser Vorschläge zu verhindern, und leider ist die Linke häufig genug in diesem Beginnen unterstützt werden durch einen Theil der Rechten.

Theilweise beruht diese Haltung auf Mangel an Berständniß für das, was eigentlich mit diesen Ergänzungen zum Strafgesetzbuche beab­sichtigt ist. Das bewies noch am letzten Be- rathungstage der freisinnige Abg. Müller- Meiningen, indem er behauptete, die Vorschläge der Kommission würden, wenn man sie zum Ge­setze machen wollte, die Kunst in schwerer Weise schädigen, die fernere Ausstellung mancher Kunstwerke in Museen und ©alerieen unmöglich machen und den ehrlichen deutschen fiunsthandel mit theilweiser Vernichtung bedrohen. Daran ist aber in Wirklichkeit gar nicht zu denken. Es handelt sich in keinem einzigen Paragraphen des Gesetzes um eine Bedrückung der Kunst; es sst nur von einem Kampfe die Rede, ber aufge­nommen werden soll gegen das verdammenswerthe Bestreben, Kunstwerke in solcher Weise und in solcher Absicht zu vervielfältigen, daß sie in der Thal zu schamlosen Erzeugnissen werden, die das Sittlichkeitsgefühl in grober Weise verletzen. Solche schamlose Darstellungen werden dann öffentlich ausgestellt in Schaufenstern von Buchhandlungen und sogenannten Kunst­handlungen und wirken dann aufs verderblichste auf den Sinn ber unreifen Jugend ein.

Daß hier eine arge Lücke im Gesetze besteht, geht schon daraus hervor, daß die Po­lizei keine Handhabe hat, um gegen solche scham­lose Ausstellungen einzuschreiten; und in der Mittwochsitzung des Reichstages wies ausdrück­lich ein Vertreter der verbündeten Regierungen auf bie Thatfache hin, daß das bestehende Gesetz nicht dazu ausreicht, die Mißstände zu treffen, um die es sich hierbei handelt. Aber die Gegner dieser Reformbestrebungen auf dem Gebiete des Strafgesetzes lassen sich nicht be­lehren, auch nicht durch den handgreiflichen Be­weis solcher Darstellungen selbst, wie sie Abg. Roer en vom Centrum zur Ansicht in den Reichstag mitgebracht hatte, vermuthlich des­wegen , weil sie sich nicht belehren lassen wollten!

Andere strittige Punkte sind der Arbeitgeber« Paragraph und bie Grenze des Schutzalters für unbescholtene Mädchen.

Man kann sich kaum etwas Schmädlicheres denken, als Versuche eines Unternehmers ober Dien st Herrn, entweder durch Drohungen

Deutsches Reich-

Berlin, 8. Februar.

+ Krzvischof Dr Simar von Köku hat heute Mittag 12'/« Uhr im Rittersaale des königlichen Schlosses dem Kaiser den Hul- digungseid geleistet. Es waren bei der Eidesleistung zugegen 3Jlinifterpräfnent Fürst Hohenlohe, Kultusminister Dr. Studt, Jostiz- minister Schönstedt, Minister des I nern Frei-

„O Papa, vergib mir", flehte Isabella und wollte des Grasen Hand erfassen, aber er wandte sich kalt von ihr ab

„Geh", fegte er raub, „Du bist das Kind nicht mehr, bas ich so lange geliebt; ich habe mich bitter in Dir getäuscht, Isabella, ich glaubte Dich hochherzig und edel, und mein Herz hatte immer eine Entschuldigung für Deine Fehler, nun aber sehe ich, daß ich eine Schlange an meiner Brust gerä rt habe, eine Schlange voll Gift und Falschbeit."

Er wollte gehen, aber Isabella sank vor ihm nieder, hielt seine Hände fest und rief:

„Höre mich, Papa, Du mußt mich anhören! ich bin so schuldig nicht, als Du denkst — ich wollte Dich und ihn nicht täuschen. Gestern noch hatte ich den festen Vorsatz, Prinz Egon mein Jawort zu geben — ich wußte, daß ich ihn nicht liebe, aber ich wollte ihm ein treues Weib sein — heute kann ich es nicht mehr, ohne Verrath zu üben an ihm und mir — ich kann ihm nicht Treue schwören am Altar mit . . ", sie hielt einen Augenblick inne; eine heiße Blutwelle schoß in ihr bleiches Antlitz und sie senkte den Kopf tief nieder; dann sagte sie leise: „mit einer anderen Liebe im Herzen."

Da lag sie am Boden, sie, die einst ihr schönes Haupt so hoch getragen und bekannte, daß dies stolze Herz besiegt sei!

Der Graf sah ihren Schmerz und ihre Thränen und fühlte sich erweicht von rhrem Flehen Er konnte sie nicht meinen sehen und konnte ihr nicht lange zürnen — ihr, feinem einzigen Kinde!

„Und dieser Andere, Isabella? wer ist es?"

Original-Erzählung von W. Dora.

13 ------ (Nachdruck verboten.)

Der Graf betrachtete mit wachsendem Er­staunen den Brief, der Prinz Egons Adresse, von Isabellas Hand geschrieben, trug.

„Warte ein wenig, ich habe Dir vielleicht auch noch eine Botschaft mitzugeben," sagte er zu dem Knechte und ging, mit dem Briefe in ber Hand, nach Jsabillas Zimmer. Sie stand angekleidet am Fenster und war im Begriffe ge­wesen, zu ihrem Vater zu gehen, als er eintrat.

„Isabella," sagte der Gras und seine Stimme klang so streng, wie seine Tochter sie noch nie von ihm gehört hatte, „ich möchte wissen, was in diesem Briefe sttht."

Isabella war nicht feig und nicht muthlos. In diesem Augenblicke aber zitterte sie, daß sie sich an der Lehne eines Stuhles festhalten mußte, um nicht umzufinken. Sie wußte, daß sie mit dem, was fie zu sagen hatte, die theuersten Hoffnungen ihres Vaters, den sie zärtlich liebte, zerstöre.

„Lies", sagte sie nur, denn sie fand keine Worte für ihr Geständniß.

Der Graf erbrach das Kouvert und las. Schmerz, Zorn und Enttäuschung malten sich in feinen Zügen und als er zu Ende gelesen, schleu­derte er das Blatt entrüstet zu Boden.

„Verrätherin!" rief er, „so hast Du doch wieder ein schnöde- Spiel getrieben mit diesem edlen Herzen."