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27. Jahrgang.

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Iukda, Dienstag, dm 6. Febmar 1900.

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Der Sommer war vorüber. In den Blumen­bouquets des Heimbacher Gartens wiegten die Georginen und Aitern, diese letzten Kinder des Herbstes, ihre bunten Häupter und der Wind spielte mit dem sinkenden Laube.

Am Morgen lagen dichte Nebel über dem See und hüllten das Land in ihre grauen, feuchten Schleier ein, bis die Mittagssonne, sie zertheilend, siegend emporstieg und die Welt in die bunten Farben des Herbstes getaucht, doppelt schön sich enthüllte.

Es war gegen Abend an einem solch sonnigen Oktobertage, als ein kleines Boot von den Wellen, die ein kleiner Windhauch kräuselte, sanft ge­schaukelt, über den See schwamm. Ein Fähnlein in den Wartegs Farben wehte lustig vom Kiel Und der Blick des Schiffers, der in dem Nachen saß, schaute unverwandt nach Schloß Heimbach hinüber, deffen Fenster im Gold der Abendsonne erglänzten.

■ Es war Prinz Egon. Er hatte eine helle Gestalt auf der Terrasse erspäht, in der sein Auge, von der Liebe geschärft, richlig Isabella erkannt hatte und sein Herz schlug höher beim Anblick der Geliebten. Hatte sie vielleicht nach ihm gespäht?

Der Krieg in Südafrika.

W e die .Fuldaer Zeitung' schon gestern in ihren Dtp eschen aus London meldete, will die

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Ausland.

+ Wie«, 5. Febr. Offiziös wird verbreitet, daß die heute beginnenden Ausgleichs-Ver­handlungen wegen des umfangreichen Ma­terials von langer Dauer sein werden und an eine Beendigung derselben vor Einberufung deS Reichsraths nicht zu denken ist. Der Reichsrath soll mit Rückficht auf die wirthschaftlichen Konse- qu-nzen des Kohlen-Arbeiterstreiks bereits am 17. Februar einberufen werden. Bezüglich des Resultats der Konferenz find die Ansichten fort« dauernd sehr pessimistisch.

= chaökouz, 6. Febr. Nach wiederholten Ruhestörungen der Tschechen wurde der 18- jährige Sohn des Bürgermeisters Heidrich auf offener Straße von Tschechen überfallen und durch Mefferstiche schwer verwundet. Die Auf­regung unter der Bevölkerung ist groß.

* Setersvnrg, 5. Febr. In dem Abschlüsse der persischen Kprozentigen Gold an leihe erblickt der ,Swet' einen weiteren Schritt des russischen Vordringens nach dem Indischen Ozean und einen Beweis für das Wachsthum der Finanz- kraft Rußlands. Daß Rußland im Stande sei, so theure und ausgedehnte Kombinationen zu reali- siren, das verdanke es der unermüdlichen Energie, dem staatsmännischen Geschick und den weitange­legten Plänen des Finanzministers Witte.

* HSashiugto«, 5. Febr. England und die Vereinigten Staaten sind zu einem freundschaftlichen Abkommen betreffend die Nica­ragua-Kanalfrage gelangt. Dasselbe läuft darauf hinaus, daß England seine Ansprüche auf die gemeinsame Kontrolle des Kanals ohne Gegenleistung aufgibt.

bände neue Ausgaben nur noch bestreiten können durch Erhöhung der Steuerzuschläge, die auf die einzelnen Kreise entfallen (Zuschläge zur Ein­kommen-, Gewerbe- und Grund- und Gebäude­steuer). Die Staatskasse macht Riesenüberschüffe, die Staatsbürger aber sollen auf dem Umwege der Kreissteuern immer mehr Abgaben zahlen: das ist kein gesundes Verhältniß. Es ist also nicht zu leugnen, daß der nationalliberale Antrag viel für sich hat. Nach dem Sinne der Antrag­steller sollen auS dem Ueberschuffe 50 Millionen als Fonds zurückgelegt und die Zinsen davon, also etwa i8/< Millionen jährlich, an die Pro­vinzen ausgezahlt werden. Im Durchschnitte würden also jährlich auf jede Provinz etwa 150000 Mark entfallen. Die Jahresrente, die jetzt auf Grund des Gesetzes vom 8. Juli 1876 und der früheren Gesetze den Provinzen vom Staate gewährt wird, beträgt 38 Millionen. Sie würde sich also, wenn der nationalliberale An­trag Gesetz würde, um 5 v. H. erhöhen. Es fragt sich nur, ob das allgewaltige Oberhaupt der preußischen Staatsfinanzen ja zu dem Anträge sagen wird.

• Di- Hlachttax- für Apotheker, deren Einführung von den Apothekern angestrebt wurde, wird nicht zur Thatfache. Die Eingabe ist vom Ministerium ablehnend beschieden worden.

Parlamentarische Nachrichten.

* Die Kentrnmsfraktion des Abge­ordnetenhauses hat sich nunmehr endgiltig konstituüt. Nachdem in der ersten Sitzung der Fraction Herr Dr. Frhr von Heer em an als Ehrenvorsitzender, Herr Landesrath a D. Fritzen als Vorsitzender und Herr Justizrath Dr. Porsch als Stellvertreter gewählt waren, wurde in der jüngsten Sitzung gewählt Herr Gutsbesitzer Herold (der bekanntlich zugleich auch dem Reichstage angehört und zwar als Vertreter des Wahlkreises Fulda-Gersfeld-Schlüchtern) als zweiter Stellvertreter des Vorsitzenden, im übrigen aber der frühereVorstand definitiv wiedergewählt, sodaß derselbe nunmehr aus nachfolgenden Herren besteht: Dr. Bachem, Graf von Ballestrem, Branden­burg, Dauzenberg, Dr. Dittrich, Fritzen (Borken), v. Grand-Ry, Dr. Frhr. v, Heereman, Herold, Frhr. v. Huene, Letocha, Dr. Lieber, Dr. Porsch, Dr. Rintelen und von Strombeck.

x Di- Aauak-Dorkag- soll nach einer Meldung de .Köln. Ztg/ spätestens binnen sechs Wochen an den preußischen Landtag ge­langen. Ein Berichterstatter meldet, dies solle im Anfang des Monats März geschehen. Die .Deutsche Tageszeitung* will ebenso bestimmt er­fahren haben, daß diese Meldungen nicht zu­treffe n, ein bestimmter Zeitpunkt für die Ein­bringung der genannten Vorlage vielmehr noch gar nicht ins Äuge gefaßt sei. Allem Anscheine nach dürfte diese letztere Meldung der Wahrheit am nächsten kommen.

De«1fches Reich»

Berlin, 5. Februar.

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besonderen Besorgnissen liegt nicht vor.

h Avg. Arzpriefter Iravk, Pfarrer bei St. Pius in Berlin, hat sich nach Bern begeben, um dort in einer Klinik Heilung von seinem Hals­leiden zu suchen. Möge er bald und gesund nach Berlin zurückkehren.

+ Iüttfzig Millionen für die preußische« Drovivze«. Der im preußischen Abgeordneten­hause eingebrachte Antrag der nationalliberalen Abgeordneten von Eynern, Dr. Friedberg und Schmieding, aus den Ueberschüffen des Etatrjahres 1899/1900 eine Summe von 50 Millionen Mark an die Provinzen zu überweisen, entspricht im allgemeinen einem Be­schlüsse, den im Vorjahre das Herrenhaus gefaßt hatte. In diesem letzten Beschlüsse wur­den gefordert erstens die Ueberweisung von ent­sprechenden staatlichen Mitteln an die Selbstver- waltungskörper bei Auferlegung neuer Pflichten, zweitens eine baldige Neuregelung der jetzt unzu- länglichen, in einem richtigen Verhältnisse von Leistung und Gegenleistung nicht mehr stehenden Dotation dieser Körper. „Auf den ersten Blick — so bemerkt sehr richtig die ,Nat.-Ztg/ — wird ein an Herrn von Miquel gerichtetes Ansinnen, 50 Millionen Mark (von den ange­kündigten 85 Millionen Ueberschuß) herauszu­geben. auf viele den Eindruck eines sehr ge­lungenen Scherzes machen." Aber das ist ja gar nicht zu leugnen und ist auch während der allerletzten Debatten im preußischen Ageordneten- hause mehrfach von Centrumsmitgliedern und Rednern anderer Parteien heroorgehoben worden, daß in der neueren Zeit den Kommunal­verbänden immer mehr und größere Lasten vuferlegt worden sind, so daß die Prooinzialver-

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Original-Erzählung von W. Dora.

----— (Nachdruck verboten.) IV.

Das ist der schwerste Kampf in Wahrheit Wo's eigene Her, das Schlachtfeld ist. Wo sich des Geist's errungene Klarheit Mit des Gemüthes Träumen mißt

In Prinz Egons glückathmender Seele war nicht der Schatten einer Furcht. Er legte im Hinausgehen seinen Arm in den Reinholds, zog ihn mit sich fort und- sagte:

„Du, mein Freund, Du sollst der erste sein, der mein Glück erfährt, weiß ich doch, daß Du es am innigsten mit mir theilst, Reinhold, sie ist mein, ich stehe am Ziel meines Hoffens!"

„O Egon", sagte Reinhold ernst, „welch' köstliche Perle liegt tn Deiner Hand, vergiß es nie, sie hoch und werth zu halten, — Egon, mache sie glücklich, wie sie es verdient."

Sie schritten über den Hof nach dem Thor, wo der Reitknecht mit dem Pferde des Prinzen wartete. Die Nacht war sternlos und dunkel; Nebel verhüllten den Mond. Der Prinz flieg aufs Pferd und reichte Reinhold nochmals die Hand herab. , . .

„Morgen also komme rch, »m mein Glück für ewig festzuhalten", sagte er, „gute Nacht Reinhold!

Gute Nacht!" sagte Reinhold, drückte seines Freundes Hand und schaute ihm nach, wie er davon sprengte mit seinem Glücke und seinem Hoffen in die Nacht hinaus. Dann wandte er sich und ging langsam in's Schloß zurück.

Als et in fein Zimmer kam, lag ein Brief auf feinem Tische. Er trug den Poststempel seiner Heimath, aber nicht seine Mutter, eine ihm fremde Hand hatte die Adresse geschrieben. Er öffnete das Schreiben, schaute nach der Unter- schrist und erblaßte. In bebender Hast überflog er die Zeilen, dann entfiel das Blatt seiner Hand, er sank aus einen Stuhl nieder und bedeckte das Gesicht mit den Händen. Der Brief war von

ein, daß die vom Abg. Dasbach angeführten Fälle al 8 Kennzeichen für den gesammten Bergbau aufgefaßt würden; die gegenwärtige BergwerkSaufficht wirke viel­mehr vorzüglich.

Abg. Dasbach (Ctr.) macht dem gegenüber daraus aufmerksam, daß ja der Minister selbst seine (deS Red­ners) Ausführungen zum Theil bestätigt habe. Gegen anerkannte Mißstände dürfe man doch nicht Bogel Strauß-Politik treibe; man müsse dieselben vielmehr zur Sprache bringen Dann sehen die Arbeiter, daß auch andere Parteien, nicht nur die Sozialdemokratie» sich ihrer annehmen.

Der kons. Abg.». Aockekverg hält die Betheiligung von Arbeitervertretern an der Bergwerksaufstcht für vollkommen unverträglich mit dem Bergbau: durch solche Arbeitervertreter würde nur Unfriede in Belegschaften hineingetragen werden.

Handelsminister Krefeld legt dar, daß die Mehr­zahl der Unfälle in den Kohlengruben auf den sogen. Kohl en fall zurückzuführen sei, und theilt mit, daß er eine Kommission berufen habe zur genaueren Unter­suchung dieser Erscheinung Es sei zu hoffen, daß die Kommission noch tn diesem Jahre ihre Arbeiten be­enden werde. , ,,

Nachdem der kons. Abg. Aekilch gegen die Therl- nahme von Arbeitervertretern an der Bergwerksaufsicht sich ausgesprochen hat, wird die Diskussion geschlossen und das Kapitel „Bergwerke" bewilligt.

Ohne Debatte werden bewilligt die Kapitel „Salz­werke", „Hütten- und Werke, die mit anderen Staaten gemeinschaftlich betrieben werden".

Die Weiterberathung wird um 4 Uhr Nachm. auf Dienstag 11 Uhr vertagt.

q »ri«z Heinrich von Srenßer, wird het feiner Rückkehr aus Ostafien feinen Weg über trieft und Wien nehmen und in der österreichischen -.aup'stadt als Gast des Kaisers in der Hofburg absteigen. Dieser Besuch wird für den 10. Februar ""^IinanMtnist-r von Miquel ist nach der Meldung eines Berichterstatters wieder so weit genesen, daß er Ende dieser Woche wieder ausfahren kann. Einer Sitzung, die am heutigen Montag das Staatsministerium abhielt, hat er nicht beigewohnt. Gleichzeitig taucht von neuem die Meldung auf, Minister von Miquel wollte nach Erledigung der Kanalvorlage sich ins Privat­leben und zwar nach Frankfurt am Main zurückziehen, wo er vor einiger Zeit ein ©arten« qrundstück erworben und nach seinen Wünschen

El habe umbauen lassen. Die Meldung von der Erwerbung des Grundstückes ist nicht mehr neu. Die andere Meldung kann wahr fein oder auch nicht. Eher ist anzunehmen, daß sie nicht zu­treffend sei. — Nach der Meldung des .Berliner Lokalanzeigers' dürften noch mindestens 3 Wochen vergehen, bis der Arzt dem Minister wieder die Theilnahme an den Amtsgeschäften gestatten würde.

0 Aas A-fiad-« des Avg. Dr. Ai-ö-r ist fortgesetzt Schwankungen unterworfen. Vom heutigen Tage ist kein weiteres Fortschreiten in der Besserung zu machen; aber auch Grund zu

Aus hm Landtage.

Abgeordnetenhaus. — 16. Sitzung v. 6. Febr. 1900.

In zweiter Lesung werden ohne Debatte bewilligt die Etats des Fideikommiß-Fonds, der Landes­vermessung und des Ministeriums für aus­wärtige Angelegenheiten.

stand sie dort seiner harrend? Selige Hoffnung stieg in ihm auf und wie ein Pfeil schoß das kleine Fahrzeug unter seinen kräftigen Ruder­schlägen durch die Fluth.

Isabelle aber sah ihn nicht. Ihr Auge sprach nicht von Hoffnung — nicht von Liebe. Sie schaute hinüber nach dem sich herbstlich färbenden Walde und gedachte des Versprechens, das sie ihrem Vater gegeben hatte. Es war nun Zeit, es einzulösen. Ihr Herz hatte sich so lange ge­sträubt, das Wort zu sprechen, an das so viele Hoffnungen sich knüpften, nun aber war sie des Kämpfens und Ringens endlich müde und: vielleicht wird mir leichter, wenn es einmal unwiderruflich entschieden ist, dachte sie und sah nicht, wie das Boot sich näherte, wie es an der Landungsteeppe anlegte und eine Gestalt durch den Garten herauf­kam.

Erst als sie Schritte hinter sich hörte, wandte sie sich um und — stand dem Prinzen gegenüber. Sie erröthete. War die Entscheidung gekommen, an die sie eben gedacht? sollte sie ihren Vorsatz gleich zur Ausführung bri.:gen.

Prinz Egon schaute entzückt in ihr erglühen­des Antlitz und rief:

„Darf ich eS als eine gute Vorbedeutung an- sehen, Gräfin, daß ich Sie hier finde? Dars ich auf Erhörung meiner Wünsche hoffen?"

„Wer dürste nicht hoffen, mein Prinz!" er­widerte sie und schaute ihn an mit ihren wunder­schönen, nachtschwarzen Äugen, über welche die dunklen Wimper einen zarten Schleier warfen Da faßte er, von ihrem Wort und Blick et» muthigt, ihre Hände und zog sie stürmisch an seine Lippen.

Beim Etat der Lotterie-Berwaltung tritt der freikons.

Abg. Dr. Arendt 'ebenso wir in den Borjahren für eine einheitliche Gestaltung des Lotteriewrsens im Deutschen Reiche ein, worauf

Unterstaatssekretär Lehnert antwortet, daß die Sache sehr viele Schwierigkeiten biete. Es schweben Verhandlungen mit dem Reiche; aber der Erfolg der Verhandlungen ist vollkommen unbestimmt.

Abg xkeß (Ctr.) ist für Abschaffung aller Lotterieen.

Abg. ItiiSert (fretf. Berg.) spricht gegen die Schaffung einer Reichslotterie.

Abg. Dr. Ilrhr. von Leerema« (Etr) kann in der Aufhebung aller Lotterieen nicht den richtigen Aus­weg aus den gegenwärtigen mißlichen Zuständen er­blicken. Nach der Abschaffung der Lotterieen würde um so mehr dem geheimen Glücksspiele gestöhnt werden.

Der Etat wird darauf bewilligt. Beim Etat der Seehandlung bittet

Abg. Dr. Arendt um baldige Besetzung des Präfi- dentenpostens, und zwar mit einer kaufmännisch ge­bildeten Kraft. Nach einigen Bemerkungen des Abg. Frhr. von Zedlitz und des Unterstaatssekretärs Lehnert wird der Etat bewilligt, ebenso die Etats der Münzverwaltung,des Staatsministeriums, der General-Ordens-Kommisfion, des Geheimen ZivUkabinets und verschiedene kleinere Etats.f

Es folgt die Fortsetzung der Berathung der B e rg -, Hütten- und Salinenverwaltung.

Abg. Dasvach (Ctr.) tadelt es, daß nicht überall die Berieselung der Bergwerke in ausreichendem Maße vorgenommen werde. In dem jetzt vorliegenden Berichte über die Untersuchung der Ursachen desGrubenunglücks auf der Zeche „Borussia" bei Dortmund sei wieder einmal hervorgehoben worden, daß die Berieselungsanlage mangelhaft gewesen sei. Auf der Zeche „Unser Fritz" seien bei einer Revision skandalöse Ueberschrertungen der bergpolizeilichen Borschriften festgestellt worden. Man habe dort jugendliche Arbeiter bis zu 18 Stunden täglich beschäftigt und dies durch Radirungen auf den Arbeitszetteln nachträglich zu verbergen gesucht. Redner tritt entschieden für die Theilnahme von Arbeiterver­tretern bei der Bergwergsauslicht ein; nur dann werde eine genaue Durchführung der bergpolizeilichen Vor­schriften möglich sein. Die Befürchtungen, daß dadurch die sozialdemokratische Agitation gestärkt werden würde, theilt der Redner durchaus nicht; den Beweis für das Gegentheil kann man sehen bei den Arbeiteraurschüffen in der Industrie. Gerade die Grubenbenbesttzer sollten sich der Einstellung von Arbeiterverlretern nicht länger widersetzen, in ihrem eigenen Jntereffe. Werde doch heute vielfach behauptet, es unterblieben viele Schutz- maßregeln nur deshalb, um zu sparen und auf diese Weise höhere Gewinne für die Direttoren und AufstchtS- räthe zu erzielen.

Der natl. Abg. Dr. Schultz-Bochum hält tm Jn­tereffe des Friedens unter den Bergleuten die Zuziehung von Arbeitervertretern nicht für räthlich. Die Ueber- schichten auf der Zeche „Unser Fritz" seien durch Wagen­mangel nöthig geworden; die Arbeiter selbst hätten dre verstärkte Förderung gewünscht, um die Löhne zu et» böhen. Redner hält die Arbeiter wegen ihrer mangel­haften Schulbildung nicht für fähig, an der Bergwerks­aufstcht theilzunehmen. _ , . „ ., „

Handelsmintster Areteld versichert, daß die Re­gierung bestrebt sei, alle Uebertretungen der bergpoltzer- lichen Vorschriften zur Bestrafung zu bringen. Das sei auch in den vom Abg. Dasbach angeführten Fällen geschehen, und es seien Vorschriften erlaffen, um in Zukunft solche Un­ordnungen unmöglich zu machen. Eine Aenderung in dem System der Bergaufsicht bezeichnet der Minister als vor der Hand nicht möglich. Zu­nächst müsse das System der verstärkten Aufsicht durch- geführt werden; erst dann könne man sich schlüssig machen über die Zuziehung von Arbeitervertretern zur Berg­aufsicht. ... .

Der natl. Abg. Lohmann-Ottweiler,st nicht grund­sätzlich gegen die Betheiligung von Arbeitervertretern an der Bergwerksaufsicht. Nur müßte alsdann nach dem System der Gewerbegerichte immer em Arbeiter neben einem Unternehmer sitzen unter einem unpartei­ischen Vorsitzenden.

Der freis. Abg. Dr. Kirsch ist für die Betherligung von Arbeitervertretern, nicht so der steikons. Abg. Itzmer.

Abg. Schmieding (ntl.) legt Verwahrung dagegen

Jiabella," rief er in überströmenden Ge­fühle, „Sie roiffen es ja längst, daß ich Sie liebe, weifen Sie mich nicht wieder zurück, kaffen Sie mich Ihnen endlich sagen, was mir das Herz, erfüllt." r

„Nickt jetzt, nicht hier, sprechen Sie mit meinem Vater", wehrte sie verwirrt feiner leiden­schaftlichen Erklärung und entzog ihm die Hände, denn Schritte tarnen vom Garten herauf und der Graf trat mit andern Gästen auf die Terrasse. Isabella ging ihnen entgegen und der Prinz hatte den ganzen Abend keine Gelegenheit mehr zu einem" unbeachteten Zusammensein mit ihr. Aber er lebte wie im Traume. Er sah und hörte nicht, was um ihn vorging, sein Auge hing nur selig trunken an ihr, die ihm schöner erschien, als je, sein Ohr lauschte dem Tone ihrer Stimme, wenn sie mit andern sprach und bunte Bilder einer wonnevollen Zukunft umgaukelten ihn.

Als man endlich spät sich trennte und Prinz Egon 3)ab: 11 n feine Hand zum Abschiede bot, schlossen sich seine Finger einen Moment so fest um die ihren, als ob er sie schon festhalten wolle sür's ganze Leben und: „morgen!" flüsterte er leise und für sie verständlich. Sie nickte zustim­mend mit dem Kopfe, aber ihre Hand lag kalt und zitternd in der feinen und rasch wandte sie sich von ihm ab. Er war viel zu glücklich, um die Seltsamkeit ihres Benehmens zu beachten. Hatte sie ihm nicht Bejahung zugenickt? was wollte er mehr? stand er nicht am Ziele seiner Wünsche?

Armer, kurzsichtiger Mensch, halte dein Glück fest, wenn es vor dir stehl, laß nicht eine Nacht sich dazwischen legen. Weißt du denn nicht, wie zerbrechlich es ist?

MÜ Itnterßaktungs-Meikage „Ilknllrirte Sonntags-Ieitung!*