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Jutöcr, Samstag, den 3. Februar 1900.

27. Jahrgang.

mit NnterHaltungs-Mnlage „Illustrirte Sonntags-Zeilung^ ■äI-.täzsF“

n*.

0 Reichssteuern und Matrikular- beiträge.

Die sogenannte Reichsfinanzreform ist eine von den politischen Seeschlangen, die durch­aus nicht sterben wollen, obwohl sie keine Be­rechtigung zum Leben haben. Minister von Miquel ist der Vater des Gedankens und die Finanzminister anderer Bundesstaaten greifen ab und zu den Gedanken aus dem Schreine ihrer Erinnerungen wieder heraus, um ihn mit bewundernswerther Ausdauer stets von neuem als das einzig wahre Finanz-Ideal für Deutsch­lands Zukunft anzupreisen. Danach sollten das Reich auf der einen und die Bundesstaaten auf der anderen Seite eine finanzpolitische chinesische Mauer zwischen sich aufrichten: das Reich sollte seine Finanzwirthschaft ganz allein für sich haben und jeder einzelne Bundesstaat auch, und niemals mehr sollten die Geldangelegenheiten beider Theile miteinander in Zusammenhang gebracht werden.

Daß die Finanzminister einzelner Bundes­staaten für solche Pläne schwärmen, ist einiger­maßen begreiflich; denn durch eine solche Ein­richtung würde den Finanzministern ein herrliches Amtsleben erblühen. Mit den Finanzen der Einzelstaaten steht es fortgesetzt glän­zend; die Ucberschüsse erreichen eine vorher nie geahnte Höhe, und der Finanzminister des ein­zelnen Bundesstaates würde nach der Durchfüh­rung einer solchen Finanzscheidung meistentheils eine Zeit der außerordentlich angenehmen Auf­gabe widmen können, darüber nachzudenken, wie er am geeignetsten die Ueberschüsfe verwenden könnte. Was würde es dann ihn und den einzelnen Bundesstaat kümmern, ob es mit den Reichsfinanzen bergauf oder bergab geht, ob die Reichsschulden im Laufe eines.Jahrzehntes nm eine Milliarde oder um zwei Milliarden wachsen — nichts! Möchte dann das Reich sich darüber seinen Kopf selbst zerbrechen — der Finanzminister des ein­zelnen Bundesstaates läßt sich dadurch seine idyl- liiche Ruhe nicht mehr stören. Zwar befürwortet er, um den Spitzen des Reiches gefällig zu sein, Lieferpläne über Milliarden-Ausgaben für Reichs- Heer und Reichsmarine; aber darum kümmert er sich nicht mehr, wovon diese Milliarden bezahlt werden sollen. Die Einzelstaaten schwimmen im Ueberfluffe, des Reiches Schulden werden drückender von einem Jahre zum andern, immer neue Reichs­abgaben müffen erhoben werden, um für das Allernothwendigste im Reiche zu sorgen — den Einzelstaat und seinen Finanzminister läßt das Mes ganz kalt; was kümmert cs sie, was da hinten jenseits der chinesischen Finanzmauer vor- geht!

Daß solche Zustände vollkommen ungesund und unhaltbar sein würden, liegt auf der Hand. Das sehen jetzt auch solche Leute ein, die sonst begeistert sind für die Miquel'schen Ideen einer sogenannten Reichsfinanzreform oder Grenz- Legulirung, und ein Blatt nach dem andern aus

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Kin Hohes Ziel'.

Original-Erzählung von W. Dora.

------ (Nachdruck verboten.)

Der Graf schaute sie kopfschüttelnd an; er I verstand sie nicht.

Aber er hatte Recht — warum zögerte sie? Warum zog sie ihre Hand nur weiter zurück, wenn der Prinz sie festhalten wollte? Warum senkte sie den Blick vor seinem Auge, wenn es von Liebe sprach? Bot er denn ihr nicht alles, sie nur wünschen konnte: Ehre, Glanz und ^uhlhum und ein ganzes Herz voll glühender

Der Fürstentitel paßte ihrem stolzen Sinn;

Stellung, hie sie hinausführte aus den ge­lohnten Kreisen-des heimischen Lebens, entsprach °le Ferne lockte sie; er war schön, geistreich Nd edel — das alles hatte sie sich schon hundert- 9efagt und dabei geseufzt; daß sie auch gar Ws an ihm zu tadeln fand.

unh Rsinhold wurde durch den Prinzen mehr , ö "sshr in das gesellige Leben hineingezogen @ni$t0$ten. Freude Cäciliens, der die Abende im r-^n weniger lang erschienen, seit er dort weilte; Um t bei ihm, was sie bis fttzt in ihrer

ll^bung so schmerzlich vermißt hatte — Ver- mß für das innerste Leben ihrer Seele.

ttQur lCI ‘en8 Mutter war viel zu klug, um den bem^n ^kehr zwischen den beiden mcht längst friehi» ö" haben, aber sie sah mit geheimer Be-

gung das wachsende Interesse ihrer Tochter

dem Lager der Anhänger dieser „Reform" gibt jetzt das Geständntß ab, es würde nichts dagegen einzuwenden haben, wenn die Ausgaben neuer Vergrößerungen der Kriegsflotte durch eine ErhöhungderMatrikularbeiträgeder einzelnen Bundesstaaten gedeckt würden.

Die bestehenden Thatsachen drängen mit aller Macht dazu, die Richtigkeit und Zweckmäßigkeit einer solchen Maßregel anzuerkennen. In Preußen hat das letzte Finanzjahr 25 Millionen Ueberschüsfe ergeben. In den Landtagen von Bayern, Württemberg und Baden haben die Finanzminister ebenfalls die glänzendsten Schilde­rungen entworfen von der ganz vorzüglichen Sage, in der die Finanzen der genannten Bundesstaaten sich befinden. Die Reichsschulden aber wachsen rapide, und die neue Flotten-Vorlage soll uns nach dem Plane der Regierung neue Reichsschulden bringen in der Höhe von drei Vrerteln einer Milliarde, vorausgesetzt nämlich, daß es cm Ende wirklich damit abgethan sein würde; und von allen Seiten her werden Vor­schläge gemacht, uip durch neue Reichssteuern die Kosten der verlangten Flottenvergrötzerungen auszugleichen. Konseroative Zeitungen gefallen sich sogar schon in allerhand Berechnungen darüber, was man wohl noch aus dem Bier und aus dem Tabak herauspressen könnte; und flugs bemächtigt sich das Berliner sozialdemokratische Zentralorgan ,Vorwärts' dieser ungeschickten Vor­schläge, um in seinem Sinne zu Hetzen und seiner, Lesern graulich zu machen mit Sätzen wie der folgende: „Die Milliardenbürde der neuen Vor­lage soll und wird von den Armen und Arbei­tenden getragen werden ..."

Das Reich hat das unbestreitbare Recht, die einzelnen Bundesstaaten im Noth- falle durch Erhöhung ihrer Matrikularbeiträge zur Bestreitung seiner Fehlbeträge heranzuziehen. M^s Reich hat das Recht; warum soll es seine Macht nicht ausüben zur Vollziehung dieses Rechtes, wenn alle Umstände und wenn namentlich die Grundsätze einer gesunden und volksthüm l ichen Wirthschafts- und Steuerpolitik dafür .sprachen? Biests letztere ist der Fall und darum fällt sogar dem Reiche im Jnterisse der ä.meren Volksschichten die Pflich t zu, von seinem Rechte und feiner Macht Gebrauch zu machen und die Einzel­staaten zur Deckung der Flottenkosten heran­zuziehen. Die stärkeren Schultern der begüterten Klassen sollen, so ist es im be­stehenden Flottengesetze beschlossen, zur Deckung außergewöhnlicher Ausgaben für die Kriegsflotte herangezogen werden. Auf dem Wege der Reichssteuern ist es schwer, fast um möglich, diesen Grundsatz auszuführen. In den einzelnen Bundesstaaten aber würde das verhältnißmäßig leicht zu bewerkstelligen sein.

Es vereinigen sich also hier alle Umstände zur Empfehlung der Maßregel, für die Deckung der neuen Floltenlasten die Finanzüberschüsse der einzelnen Bundesstaaten heran­zuziehen und diesen es zu überladen, ihren Beitrag für die Kriegsflotte des Reiches durch Zuschläge zu decken, die sie mit irgendwelchen Steuern von denjenigen erheben, die den höchsten Steuerstufen ihres Landes angeboren. Auf diese Weise würde weder das Reich mit ■MB—M'WHHII» 11 —MOB—

für den jungen Gelehrten. Als sie Cäcilie vor Jahresfrist aus der Erziehungsanstalt zuruckge- holt hatte, wollten deren Thränen beim Abschiede von dem geliebten Kloster gar nicht aufhören zu fließen, und Frau von Saftorf, die kein Ver- ständniß batte für der Tochter weichen Gefühle, wurde endlich ungeduldig.

„Laß es nun genug sein der Trauer und Thränen," sagte sie, „'Zhi hast die Schul- und Kinderzeit jetzt hinter Dir und trittst in die Welt ein, deren Genüsse und Freuden Dich das Ver­lorene bald werden vergessen machen."

Da trocknete Cäcilie ihre Thränen, schaute sehr entschloffen zu der Mutter auf und sagte:

„Ich möchte erst gar nicht in die Welt ein­treten, Mama."

Frau v.Lastorf betrachtete mit grenzenlosem Er­staunen ihre Tochter. Sie verstand nicht recht, was sie meinte, denn sie selbst hatte in ihrem kalten Herzen nie das Bedfirfniß nach Religion empfunden, aber sie hörte den Widerspruch in des Mädchens Worten und das empörte sie.

Cäcilie war zur Schönheit erblüht, sie hatte im Studium die höchsten Preise errungen und die Lehrerinnen waren voll des Lobes ihrer Talente und ihres Wiffens. Frau von Saftorf zweifelte nicht, daß ihr Erscheinen in der Welt Aussehen erregen werde und daß eine glänzende Zukunft ihrer warte. Sie war voller Hoffnungen und Plane und sonnte sich schon tm Glanze der Tochter, und nun ward sie plötzlich gewahr, daß Cäcilie nicht das gefügige Werkzeug ihrer Pläne sein werde, wie sie erwartet hatte.

„Was soll das heißen?" rief sie, „ich will

neuen Schulden belastet werden, noch würde es möglich sein, daß die ärmeren Volksschichten mit weiteren Beiträgen für die Kriegsflotte herangezogen würden; und auf dieselbe Weise würde die Reichsregierung mit einem Rucke ihren neuen Flottenplänen einen großen Th eil der Unbeliebtheit nehmen können, die bei der großen Masse des Volkes diesen Plänen an- haftet. Warum also will denn die Reichs- regürung diesen Weg nicht gehen?--."

Deutsches üteidj*

Berlin, 2. Februar.

• Dis Aaiferreife «ach 3tom taucht von neuem in der italienischen und demgemäß auch in der deutschen Presse auf. Danach soll angeblich Kaiser Wilhelm für den Monat April in Rom erwartet werden. Dem gegenüber theilt die ,Post' aus anscheinend amtlicher Quelle mit, daß gegen­wärtig „überhaupt noch keine Dispositionen Über die Reisen des Kaisers getroffen seien." Eine voll­ständige Ableugnung der italienischen Meldung ist das, genauer betrachtet, nicht.

ti KrzSischof Srmar von Kok« sollte nach dem Berichte eines rheinischen nationalliberalen Blattes bri einer Feier zu Ehren des Kaisers­geburtstages in Paderborn einen Trinkspruch aus­gebracht haben, dessen Inhalt eine unmittelbare Aufforderung zur Annahme der Flottenvorlage, enthalten haben sollte. Die „Köln. Volksztg.' ver­öffentlicht jetzt den a'-ckhentischen Wortlaut des Trinkspruches. Danach ist in diesem Trinkspruch mit keiner Silbe von der F! otte die Rede, und es hat sich die in Essen erscheinende .Rheinisch- Westfälische Zeitung' mithin, wie die .Kölnische Volksztg' meint, durch die Verbreitung einer anderen Version nur einen schlechten Scherz erlaubt. In katholischen Kreisen hat schwer­lich jemand daran geglaubt, daß der Herr Erz­bischof die ihm in den Mund gelegten Worte ge­sprochen haben könnte.

E-Das Aestnde« des Aög. Ir. Lieber ist am Freitag wieder bester gewesen als Donners­tag Es ist zu erwarten, daß noch mehrfach solche Schwankungen in dem Befinden des ver­ehrten Centrumsführers eintreten werden; im ganzen aber darf man nach wie vor begründete Hoffnung hegen auf vollkommene Genesung.

h Die Ke«tr«msfraktis» des Seichs Lages wird ihre Berathungen über die Flotten­vorlage Montag den 5. Februar Abends 8 Uhr beginnen und an den darauf folgenden Abenden fortfttzen. Wie bekannt, wird der Reichs­tag am Dienstag die zweite Sefung der lex Heintze fortfttzen und damit vermuthlich am Dienstag und am M ttwoch zu thun haben. Der Beginn der ersten Sesung der Flottenvorlage ist, wie berichtet, für Donnerstag den 8. Febr. in Aussicht genommen. Die nächste Woche aehört also zu einer der allerwichtigsten im Verlause der ganzen parlamentarischcn Zeit, namentlich auch deshalb, weil eS bei der lex Hrintze sich um Beschlüsse handelt und dabei die Verhältnisse so liegen, daß jede einzelne Stimme einen wichtigen Ausschlag geben kann. Die Anwesenheit sämmtlicher Mitglieder

nicht hoffen, daß man Dir den Kopf mit phanta­stischen Klosterideen verdreht hat?"

„Das soll heißen, daß ich. statt in die Welt, in ein Kloster eintreten möchte," sagte Cäcilie ruhig.

„Sieh doch, welch' allerliebste Neuigkeiten Du mir da eröffnest," rief Frau von Saftorf voll Entrüstung. „Da möchtest Du wohl am liebsten gleich zurück ins Kloster und den Schleier nehmen ?"

„Allerdings, Mama, das ist meines Herzens innerster Wunsch!“

„Ich bitte Dich, Cäcilie, verschone mich mit solchem Unsinn, zu beni ich doch niemals meine Einwilligung geben werde. Glaubst Du denn, ich hätte D'ch mit solchen Opfern erzogen, um Dich hinter Klostermauern zu vergeben? Aber freilich, Ta> kbarkeit und Kindesliebe find zwei Dinge, die fcie heutige Jugend nicht mehr kennt."

Bei diesem Vorwurf glitt Cäcilie auf ihre Knie nieder, f-ßte der Mutter Hände und de- dcckte sie mit Küssen und Thränen.

„O oerg b mir, wenn ich undankbar erscheine," flehte sie, „mein Herz blutet bei dem Gedanken, Dir Schmerz zu bereiten."

„Saft das," sagte Frau von Saftorf, die solche Zärtlichkeitsausbrüche nicht liebte, abwehrend und kühl, „wir wollen nicht weiter davon sprechen. Ich will diese phantastischen Ideen Deinen sieb­zehn Jahren zu Gute halten. Du kennst das Leben nicht und weißt nicht, was Du sprichst; darum sollst Du nun in die Welt eintreten und ihre Freuden rnd Genüffe kennen lernen, bann wollen wir einmal sehen, ob Du nach drei Jahren noch so sprichst."

der Centrumsfraktion im Reichstage ist darum mehr als je erforderlich — caveant consules!

-ftDie Katt«ug der Seide« Bokksparteien zur Ikotteuvorkage ist trotz "er entschiedenen Notizen der .Freis. Ztg.' über vollkommene Ein­stimmigkeit innerhalb dieser Parteien der Gegen­stand fortgesetzter Auseinandersetzungen in der Presse. Namentlich erscheint davon beachtens werth eine Bemerkung der.Nationalllberalen Korr-spond.', wonach die „Einstimmigkeit zu einem wesentlichen Theil darin bestanden habe, bet der Bekämpfung der Flottenvorlage möglichst jede Bekämpfung der geforderten glottenoermehrung selbst zu ver­meiden . . . . " Man könnte darauf sagen, daß die .Nationalliberale Korrespondenz' wohl schwer­lich Kenntniß haben kann von den intimen Vor­gängen innerhalb der freisinnigen und der süd­deutschen Volkspartei. Thaisächlich entspricht aber der Sinn der Bemerkung der,Nationalllberalen Korrespondenz' ziemlich genau dem Inhalte der bekannten Resolution, die von der Organisation der freisinnigen Volkspartei in Nürnberg ge­faßt worden ist; und deswegen ist sie der Beachtung werth.

x Die KiseuSahvev tu Kkfaß Lothringen bildeten am Donnerstag fortgesetzt den Gegen­stand der Berathungen in der Budget-Kom­mission des Reichstages. Abg. Graf Oriola (natl.) machte bei dieser Gelegenheit auf den Unfug aufmerksam, der in Italien mit den allerbesten deutschen v-Wagen getrieben wird: die Wagen werden dort von italienischen Bahn- beamten zu Kneipgelagen benützt. Minister von Thielen bestätigt die Richtigkeit dieser Mitthei- lung, fügte ober hinzu, daß er bereits Schritte dagegen gethan habe. Abg. Müller-Fulda (Cir.) fragte an, welche Kohlenfracht-Ver- g ünstigungen für Italien, Frankreich und die Schweiz bestehen; durch solche Vergünstigungen werde die Kohlennoth und Kohlentheuerung in Deutschland noch gesteigert zum Schaden des deutschen Verbrauchers, namentlich des Sand- wirthes und der Arbeiter. Es gehen jährlich 16 Millionen Tonnen Kohlen ins Ausland, nur 6 Millionen werden cingefübrt. Minister von Thielen gab zu, daß es sich so verhalte. Die Vergünstigungen werden wesentlich zu Gunsten des Hafenverkehrs in Straßburg eingeführt; jetzt sei es schwer, sie wieder aufzuheben. Die Abg. Dr. Bachem (Ctr.), Bebel (Soz), Dr. Paasche (Natl.), Graf Stolberg (Kons.) und andere unterstützten die Auffaffung des Abg. Müller- Fulda, worauf dieser eine Resolution bean­tragt, die die Aufhebung dieser Sarifoerc,Anfü­gungen fordert. Die Resolution wurde mit 19 Stimmen gegen eine (die des Abg. Ri ff-Straß­burg) angenommen.

X Das Gewerve - N»fatkverficher«ngs- O-s-tz. wurde heute (Donnerstag) in der 21. Kommission des Reichstages bis § 5a gefördert; jedoch füllte die Berathung über d'esen wichtigen Paragraphen die ganze Sitzung aus. Schließlich werden die beiden ersten Absätze in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen wie folgt', „Im Falle der Verletzung werden als Schaden­ersatz vom Beginne der vierzehnten Woche nach Eintritt des Unfalls ab gewährt: 1) freie ärztliche Behandlung, Arznei und sonstige Heilmittel sowie die zur Sicherung des Erfolges des Heilverfahrens —■——M

„Und wenn dem so ist, bann wirst Du mir Deine Einwilligung geben zum Eintritte ins Kloster?" rief Cäcilie mit leuchtenden Augen, in­dem sie der Mutter Hände fester an ihre Brust drückte.

„Das sage ich nicht; aber ich werde dann Deinen Worten wenigstens mehr Gewicht beile­gen, als heute, wo ich sie lediglich als die Schwär­merei eines überspannten Kindes betrachte. Ge­nug nun und Übergenug, ich will kein Wort mehr davon hören. Du wirst in der Welt le­ben und mit der Welt, und ich werde dafür sorgen, daß jeder Verkehr mit dem Kloster ein Ende hat. Das aber laß Dir gesagt sein: reize mich nicht durch Deinen Widerstand, daß ich nicht Strenge anwenden muß, wo ich so gerne nur die Siebe walten ließe."

Mehr als ein Jahr war seitdem vorüberge­gangen. Cäcilie hatte, dem Befehl der Mutter gehorsam, nie mehr von ihrem Wunsche, ins Kloster zu gehen, gesprochen, aber nicht eine ein­zige Stunde hatte sie ihn aufgegeben. Ihre reine Seele blieb unberührt vom Gifthauche der Welt, in der sie lebte; sie hatte ihr Herz am Fuße des Kreuzes niedergelegt und mitten in Suft und Tand und Spiel ruhte es dort selig geborgen in Gott.

Mit wachsamem Auge beobachtete Frau von Saftorf ihre Tochter und bemerkte, daß sie in letzter Zeit lebhafter und heiterer war im Ver­kehr mit Menschen, daß sie weniger über die Langeweile des geselligen Lebens klagte und sich seltener von der Gesellschaft ausschloß. Sie schrieb diese Veränderung nicht mit Unrecht Reinholds