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Jutöcr, Donnerstag, den 1. Februar 1900.

27. Jahrgang.

zAegen des feiertags Maria Lichtmeß Mied die nächste Nummer unseres Blattes erst am Samstag ausgegeben.

Heber die Resolution wird erst in dritter Lesung abgestimmt.

Bei dem Titel „Telegraphen-Gehilfinnen" bemängelt Abg. Dasbach (Ctr.) die Häufigkeit der falschen Fernsprechverbindungen in Berlin, worauf Di­rektor im Reichspoftamt KraetKe erwidert, in vielen Fällen trage das Publikum die Schuld daran.

Der Titel wird bewilligt, ebenso der Rest des Or- dinariums.

Nächste Sitzung Donnerstag 12 Hhr: Post- Etat und Etat der Reichsdruckerei.

Ausland.

x Wien, 31. Jan. Staatsstreich-Ge­rüchte werden hier in Oesterreich in Umlauf

Deutsches Deich.

Berlin, 31. Januar.

st Das Aefiade« des Aög. Dr. Lieber hat am heutigen Mittwoch nicht so sehr zur Be­friedigung Veranlassung gegeben wie an den beiden Tagen vorher. Die Befferung hat heute ferne weiteren Fortschritte gemacht, so daß noch ein weiterer Arzt zur Behandlung hinzugezogen wurde. Indessen braucht man sich deswegen nach wie vor keinen Besorgnissen hinzugeben um das Leben des Patienten.

O Katholische IaKvkläl irr Htratzvnrg. Die .Germania' schreibt: „Liberale Blätter haben die Nachricht verbreitet, daß die Bemühungen um Errichtung der theologischen Fakultät zu Straß­burg gescheitert seien. Wir sind in der Lage zu erklären, daß diese Nachricht . . . durchaus unrichtig ist"

x Das Schutzakter für Mädchen soll nach dem Beschlüsse des Reichstages von 16 auf 18 Jahre hinaufgesetzt werden. Bekanntlich er­klärte im Reichstage der Vertreter der Verbün­deten Regierungen, eine solche Veränderung der gegenwärtig gütigen Bestimmung sei für die Re­gierungen voraussichtlich nicht annehmbar. Jetzt bringt auch die ministerielle ,Berl. Korresp? eine Darlegung, in der dasselbe gesagt wird. Das halbamtliche Organ spricht dabei die Hoffnung aus: „bei nochmaliger Abwägung der ... Gründe und Gegengründe werde der Reichstag hoffentlich sein zum § 182 (oes Strafgesetzbuches) abge­gebenes Volum bei der dritten Lesung des Gesetz­entwurfes zu Gunsten der bisherigen Bestimmung abändern, die das 16. Lebensjahr als Schutzgrenze festgesetzt . . .." Hoffentlich, muß man erwidern, wird das der Reichstag nicht so ohne weiteres thun. Zu wünschen ist vielmehr, daß die Regie­rung die überzeugenden Gründe des Reichstages anerkenne und annehme und dem Standpunkte der Reichstagsmehrheit sich anbequeme. Es ist sehr bedauerlich, daß die verbündeten Regierungen und ein Theil der Parteien den Bestrebungen zur erfolgreichen Bekämpfung der Unsittlichkeit so ge­ringes Verständniß entgegenbringen.

+ Die Wiedereinführung der ^täflet- strafe hübet den Gegenstand einer Petition, die Are stattliche Anzahl von Bürgern in dem Amte ®ünbe i. W an den Reichstag gesandt haben. In der Begründung der Petition wird ausge- führt, daß bei unseren jetzigen Strafgesetzen schuld und Sühne vielfach nicht in dem richtigen Verhältnisse zu einander stehen. Das öffentliche Rechtsbewußtsein sträube sich gegen die Thatsache, Verbrecher, die sich in der empörendsten «Me gegen Frauen und Kmder vergangen hatten, als „Staatspensionäre in unseren mit wem Komfort ausgestatteten Detentionsanstalten" behalten würden. Die Gegner der Prügelstrafe

eintreten werde, auch die französischen Bahnen bewilligen keine solche. Im allgemeinen stoße die geplante Vereinfachung der Beförderungs­formen und Beförderungsbedingungen auf Schwierigkeiten bei den süddeutschen Bahnen, die nichts von der Einführung der vierten Klaffe reiften wollen. Abg Hauß beklagt die Ver­schlechterung des Ortsverkehrs in Elsaß-Loth- tingen und empfiehlt die Einführung von Kilo- meterheften und Dauerkarten für Elsaß-Loth- ringen. Die Berathung wird am Donnerstag fortgesetzt.

® Die Wahkprüfuugs - Kommiffio« des Reichstages hat beschlossen, die Ungiltigkeit der Wahl des Abg. Sachse (Soz.) zu beantragen. Derselbe ist gewählt vom Wahlkreise Waldenburg in Schles. Für gilt: werden erklärt die Wah­len der Abgg. Stöcker (Siegen) und v. Kar- dorff (Wartenberg-Oels), beanstandet wird die Wahl des Abg. Dr. Hänel (Kiel).

* Korm, 31. Jan. In der gestern Abend stattgehabten Sitzung des Lokalkomitees für die nächste Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands wurde beschlossen, die Versammlung für die Tage vom 2. bis 6. Sep­tember einzuberufen.

möchten erwägen, daß im freien England Nie­mand an die Abschaffung der Prügelstrafe denke. Somit will die Petition, daß der Strafpro­zeßordnung ein Zusatzparagraph in etwa folgender Fasfung eingesührt würde: In den Fällen der §§ 77, 178, 211 bis 215, 224, 225, 226, 229, 307 und 317 des Strafgesetzbuches kann, wenn die strafbare Handlung einen be­sonders hohen Grad von Rohheit zeigt, auf Prügelstrafe erkannt werden." Dte Prügel­strafe sollte also nach der Meinung der Petenten den Charakter einer besonderen Ausnahme­strafe erhalten und nur verhängt werden dürfen durch einen besonderen Spruch des Richter­kollegiums. Die Petition fand in der Petttions- Komrnifsion des Reichstages lebhafte Befürwor­tung. Es wurden zwei Anträge eingebracht, einer auf Ueberweisung der Petition an cen Reichskanzler als Material und ein an­derer auf lieber gang zur Tagesordnung. Der elftere wurde mit 11 gegen 8 Stimmen ab­gelehnt, der letztere angenommen. Geheimrath Dr. von Tischendorf erklärte nur kurz, er sei nicht in der Lage, über die Stellung der ver­bündeten Regierungen oder des Herrn Reichs­kanzlers zu der Frage der Wiedereinführung bet Prügelstrafe eine Aussage zu machen.

n Keine DerViMgrmg der Kisenvahn- Garife. Aus dem Berliner Finanzministerium wird schleunigst der Nachricht widersprochen, daß die preußische Staatsbahn-Verwaltung eine Herab­setzung dec Personenfahrgelder beabsichtige. Eine Reform der Eisenbahn-Tarife, so versichern die ,Berl. Pol. Nachr.', sei „in Vorbereitung", aber es handele sich dabei nicht um Ermäßigung, sondern um „Vereinfachung" der Personengelder. Damit werden von neuem die Zweifel als berech­tigt bestätigt, die stets in der ,Fuld. Ztg/ allen Behauptungen entgegengebracht worden sind, als werde die preußische Staatsbahn jemals eine Herabsetzung der Personentarife einführen.

© Die Keratijuug des chewerve ItnfaK- verficherrmgs - Gesetzes wurde in der zustän­digen Kommission bis § 5 gefördert. Unter Zu­stimmung deS Regierungs - Vertreters wurde bei § 2 und § 3 ein vom Abg^ Fischbeck bean- tragterZusatz angenommen, wonach durch Statut dieVerstcherungSpflicht auf gereifte Hausgewerbe­treibende ausgedehnt werden tarnt.

+ Die Andgetkommisstorr des Reichs­tages hat heute (Mittwoch) einstimmig die Forderung abgelehnt für den Ankauf eines Grundstückes am Prinz Friedrich Karl-Ufer zum Bau eines Dienstgebäudes für die Kolonial- Centraloerwaltung. Diese Verwaltung ist jetzt zum größten Theile in gemieteten Räumen unter­gebracht. In Aussicht genommen war ein Grund­stück im Umfange von 310 Quadratruthen, das 1240000 Mark kosten sollte. Der Kaufpreis wurde als zu hoch befunden und deswegen die Forderung abgeleh.it. Alsdann kamen die Etats der Reichseisenbahnen zur Berathung. Abg. Riff-Straßburg fragte an, ob Vorkehrungen getroffen feien für die Bewältigung des R ise- verkehrs i.ach Paris, gleichzeitig, wie weit die Reform der Personent irife gediehen sei. Der preußische Eisenbahnminister Thielen erwiderte, daß die Bahnen für den Verkehr wohl gerüstet seien, daß aber eine Fahrpreisermäßigung nicht

» ti glich,

«Wshrl- 7T§«rei« Ägrrloh.'- bellgrD in i und au!- ^lM.b0Ps.

Aus dem Landtage.

•QP Abgeordnetenhaus. —14. Sitzung v. 31. Jan. 1900.

Die zweite Etatsbersthung wird beim Etat der Forstverwaltung fortgesetzt.

Die Abgg. von Wendet-Steinsels und Gen. (kons.) beantragen folgende Resolution:

Die kgl. Staatsregierung wird ersucht, in Zukunft in den Etat der landwirthschaftlichen ^Verwaltung aus­reichende Beträge zur Förderung der bäuer­lichen Forstwirthschaft einzustellen und diese Beträge nach Bedarf den Landwirthschaftskammern zu überweisen. ,

Der kons. Abg. von "Aapprih begründet den An­trag. In erster Reihe weist er darauf hin, daß dadurch der Enlforstung des platten Landes gesteuert werden würde.

Abg. Weyer-Riemsloh (Centr.) beklagt das stetige Schwinden der Waldbestände in Westdeutschland in Folge der ständigen Ausdehnung der Industrie. Durch Annahme des Antrages könne der bäuerlichen Forst- wirthschaft und damit der Landwirthschaft ein großer Dienst erwiesen werden.

Minister Frhr. vo« Kammerstei« gibt zu, daß vielfach die Noihlage der Landwirthschaft die Waldbefitzer dazu gedrängt habe, sich ihres Waldbesihes zum Theil zu entäußern. Die Regierung erkenne daher das Be- dürfniß staatlicher Förderung der Forstwirthschaft auch unter den kleineren Ländwirthen durchaus an, und er hoffe, daß auch die Finanzverwaltung die Hand dazu bieten werde, wenn eine vernünftige Verwendung der Mittel gesichert sei. Aber auch jetzt geschehe darin sehr viel durch die Provinzialverwaltungen.

Abg. WamHoff (natl.) erklärt, seine Partei werde für den Antrag stimmen.

Der Antrag wird dann aber durch den Frei­herrn v. Wangenheim zurückgezogen mit dem Hinweise auf die entgegenkommende Haltung der Re­gierung.

Abg. Frhr. v. Keerema« (Ctr.): Die Landwirth­schaftskammern müßten es als ihre Aufgabe betrachten, das Verständniß für dte Wichtigkeit der Erhaltung der Forste^ in der ländlichen Bevölkerung zu verbreit:«. Gerade für den mittleren und kleineren Landwirth find die Waldungen von unersetzlichem Werthe. Zu starke Eingriffe in die private Forstwirthschaft sind aber be­denklich; man muß die persönliche Freiheit nicht be­schränken wollen.

Nach einigen Bemerkungen der Abgg. Lüders- Gronau (freik) und Schmidt-Nakel führt

Abg. Szmuka (Ctr.) aus, daß den kleinen Leuten aus den Staatsforsten unentgeltlich Waldstreu verab­folgt werden muffe, besonders in Oberschlesien.

Oberlandforstmeister Donner antwortet, daß dies schon hier und da geschehe.

Abg. Dr Kahn (Bund d. L) spricht gegen die Einfuhr des Quebracho-Holzes, während der sreis.

Abg. (äottjein der Ansicht ist, daß es eines Schutzes gegen diese Einfuhr nicht bedürfe. Hebrigens sei die Sache Reichsangelegenheit. Dieses Letztere be­stätigt auch Minister Frhr. v. Kammerstein.

Nach einer persönlichen Polemik zwischen den Abgg. Dr. Hahn und Gothein wird die Debatte geschloffen, die Einnahmen werden bewilligt. Dasselbe geschieht mit den Ausgaben nach einigen unwesentlichen Be­merkungen der freisinnigen Abgg. Kopsch und Dr. Hirsch.

Aus -em Reichstage.

139. Sitzung vom 31. Januar 1900.

Bei der Fortsetzung der Berathung des Post- Etats wird zunächst der Titel Hnterstaatssekretär ohne weitere Debatte bewilligt, ebenso werden nach Beantwortung einiger unwesentlicher Bemerkungen be­willigt die Forderung zur Prämiirung nützlicher Er­findungen und der Titel Oberpoftbirektoren.

Zudem Titel Ober-Postasststenten beantragt die Budget-Kommisston folgende Resolution: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, durch einen Nachtrags- Etat für 1900 die Gehaltsstufen für die Bureau- Assistenten und Kanzlisten des Ressorts der Reichspost- und Telegraphen-Berwaltung, sowie für die Oberpost- und Obertelegraphen-Assistenten, Post- und Telegraphen­assistenten und Poftverwalter anstatt auf 1500, 1700, 1900, 2100, 2300, 2500, 2700, 3000 Mark auf 1500, 1800, 2000, 2200, 2400, 26.0, 2800, 3)00 Mark anzu­setzen.

Der antis. Abg. Mekhaver» beantragt Rückver­weisung an die Kommission wegen mangelnden Materials: Abg. v. Karborff (freikons) hält dieselbe für überflüssig.

Abg. Dasbach (Ctr.) will dem Anträge Bielhaben zustimmen, wünscht aber die Vorlegung einer ausführ­lichen Denkschrift über die ganze Angelegenheit.

Nach Bemerkungen der Abgg Stöcker (wild-kons.) und Eickhoff (sreis. Vp.) führt der nationalliberale

Abg. Hraf Hrioka aus, daß die Sache ja ohnehin noch einmal in der Kommission geprüft werden solle. Sollte erst eine ausführliche Denkschrift eingefordert werden, so würde die Gefahr eiktstehen, daß der Etat nicht bis zum 1. April fertig gestellt werde.

Abg. vo« Kardoff erklärt Rückverweisung an die Kommission für überflüssig, da diese selbst bereits be­schlossen habe, diese Angelegenheit nochmals zu prüfen.

Abg. Schmidt-Warburg (Ctr.) will gleichwohl für die Zurückverweisung stimmen, damit die Reichstage ganz klar gestellt und ausführlicher Bericht erstattet werden könne. Nur dann könne der Reichstag die Sachlage richtig beurtheilen.

Auch der sozd. Abg. Singer ist für die Zurückver­weisung; dagegen kann

Staatssekretär vo« ^odviekski eine weitere Klar­stellung der Sache sich davon gar nicht versprechen Hebrigens wolle kein Mensch den Beamten streitig machen, was ihnen gebührt.

Nrch weiteren Bemerkungen der Abg. Dr. P a a s ch e (natl.), Dr. Müller-Sagan (sreis.), Bielhaben (antf J, Dasbach (Ctr.) und Schmidt- Warburg (Ctr.) wird der Titel unter Ablehnung des Antrages auf Zu­rückverweisung an die Budget-Kommission bewilligt.

IHEwrLtcsiO spalt. Garrm.nL. zeile oder bem Raum 15 Pf., Ks Namen die Peti» teile 25 Pf.; fcf Wiederholungen wird entsprechend Rabatt ß-wtihÄ

Bestellungen auf die»Fuldaer VRr Zeitung* werden noch fort­während angenommen.

2. psrzell«, tii Snlde. mit Mnterßaktungs-Meitage „Issuflrirte Sonntags-Zeitungs

Kin Hohes Ziel'.

Original-Erzählung von W. Dora. 7

------ (Nachdruck verboten.)

, »Aber Isabella, was machst Du denn?" Hazte sie, „wirst Du nicht auch endlich zu Bett «Hamen? eS muß ichon sehr spät fein?"

»Ich kann nicht schlafen !" rief Isabella, der 6 roobl that, ihrem Unmuthe Lust zu machen, «wem Kops schmerzt und all meine Pulse klopfen. U der abscheuliche Mensch!«

ri°& e richtete sich in ihrem Bette auf und 6 och den Schlaf aus den Augen.

gv, »Was ist denn geschehen? Von wem sprichst denn?" —

»•, "Von roem anders, als Dr. Schönberg, o «rtt,ch jhm nur sagen, wie ich ihn hasse!"

hnt »<®4önbetg?" fragte Cäcilie erstaunt, „was 9Qt » denn gethan?"

cv £®r hat mich furchtbar beleidigt," erwiderte er ' "Qbcr ich habe mich gerächt - ich denke, nun, was ich von ihm halte."

ich ^gte Eäcilie, „ich traf ihn, als

öam v on "erließ, im Vorsaale und er schien w Unb h"ler. Wir fliegen plaudernd von die Treppe hinauf und er hat sogar "Dir gesprochen." 5

emvor i hob den Kops aus dem Battisttuche auf u'Jn, sie ihr Gesicht gedrückt hatte, stand

Ä sich auf Cäcilies Bettrand.

daß "ich er das gethan? sagte er Dir,

v »ch rhn beleidigt hätte?"

„Ganz und gar nicht, er sprach im Gegen- theil, als ob Ihr die besten Freunde wäret.

„Der Heuchler!" rief Isabella empört, „ich glaube, der Mensch hat kein Herz und kein Gefühl."

„Und ich glaube im Gegentheil, daß er ein sehr großes, gutes Herz hat."

„Was verstehst denn Du von Männerherzen, Du kleine Heilige," lachte Isabella, deren Un- muth zu schwinden begann.

„Vielleicht mehr, als gewisse andere Leute, die nicht einmal ihr eigenes Herz kennen", er­widerte Cäcilie, indem sie den Kops der älteren Freundin zwischen ihre Hände nahm und ihr mit einem schelmischen Lächeln tief in die dunklen Augen schaute.

Isabella hielt den Blick nicht aus. E; war ihr, als schauten diese klugen Augen in ihr innerstes Herz. Mtt einer raschen Bewegung machte sie ihren Kopf von len ihn umfassenden Händen frei, schlang in plötzlich aufreallender Er­regung, ihre Arme um Cäciliens Nacken und in einem Strome von Thränen lösten sich die wider­streitenden Gefühle ihrer Brust.

in.

Was bist du denn so wild bewegt?

Was treibt dich hin und wieder? '' Was wogt von heißem Drang erregt Dein Herze auf und nieder?

Friede. Rugerti.

Wochen stossen vorüber. Das Leben in Heim­bach ging fernen gewohnten Gang. Gäste tarnen und gingen; man musizirte, spielte, tanzte und

machte Ausflüge zu Wasser und zu Lande nach den schönsten Punkten der Gegend.

Isabella hatte nach jenem Auftritte im Garten mit einiger Scheu ihrem nächsten Zusammentreffen mit Reinhold entgegengesehen, allein er war ihr so ruhig begegnet, als wäre nichts geschehen, so daß auch sie allmählich vergaß, was zwischen ihnen vorgefallen war und bald war der alte, trauliche Verkehr zwischen ihnen hergestellt, als wäre er nie gestört gewesen.

Prinz Egon war noch immer der tägliche Gast in Heimbach und Jiabellas unzertrennlicher Begleiter. Er ritt an ihrer Seite, wenn man zu Pferd war, er lenkte das Schiff, in dem sie Platz genommen, und begleitete ihren Gesang, wenn man musizirte. Isabella lieft alles ruhig geschehen. Sie scherzte und plauderte mit ihm und lieft sich gerne von der türkischen Hauptstadt und den Wundern des Orients erzählen — aber mehr konnte er sich richt rühmen. Nie traf ihn ein wärmerer Strahl ihres Auges, nie sagte ihm das leiseste Enöthen, daß ihr Herz ihn willkommen heiße — und doch mußte sie ja längst reiffen, weshalb er kam — mußte die stumme Sprache der Siebe längst verstanden haben, wenn er auch noch nie gewagt hatte, sie in Worte zu kleiden.

Oft schon war er gekommen mit dem festen Entschlüsse, ihr sein Herz zu öffnen und eine Entscheidung zu fordern, und immer hatte sie seinen Entschluß zu vereiteln gewußt. Gewiß hatte sir bann gerade an dem Tage, Müdigkeit vorfchützend, einen Platz in Frau von Lastorf's Wagen genommen, statt an feiner Seite zu reiten, oder sie hatte bei dem Gange durch den Wald

hartnäck g Cäciliens Arm nicht losgelassen, um sie in ihrer Nahe zu halten und wenn es ihm endlich dennoch gelungen, ein Alleinsein mit ihr zu erreichen, dann hatte sie mit einem Scherze sein ernstes Wort zurückgedrängt.

Und doch war auch sie eine andere geworden. Ein sinnender Ernst lag über ihrem Wesen, eine Weichheit überkam sie bisweilen, die man früher nie an ihr gekannt hatte. Oft saß sie stunden­lang, still träumend an einem verborgenen Plätz­chen im Garten ober sie ritt fsüh Morgens hinaus, reo der Weg am einsamsten und der Wald am tiefsten war. Dann wieder war es ihr zum Gegentheil nicht laut und luftig genug, und sie konnte es nicht leiden, wenn das Haus ganz von Gästen leer war. Der Graf sah diese Veränderung im Wesen Jsaballas und knüpfte die frohesten Hoffnungen daran. Denn man glaubt ja so gerne, was man hofft

„Wird der Fürstentitel also mein stolzes Töchterchen befriedigen", fragte er eines Tages, indem er zärtlich den Arm um Isabella legte und sie an sich zog." „Ich kann Dir nicht sagen, Isabella, wie glücklich diese Verbindung mich machen wird; sie ist die Erfüllung meines schönsten Hoffens; aber — warum zögerst Du so lange?“

„Laß mir Zeit, Papa", bat das Mädchen leise.

»3^1 Isabella? Hattest Du nicht schon lange Zeit? Mehr als fünf Monate find es, seit der Prinz hier ist und er hätte, denke ich, endlich das Recht eine Entscheidung zu fordern. Isabella, Isabella, treibe nicht wieder ein freventliches Spiel mit feinem und meinem Hoffen."