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27. Jahrgang.

Iulöa, Mittwoch, dm 31. Januar 1900.

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gebniß liefert. „Unter Berücksichtigung der muthmaßlichen Bevölkerungsvermehrung stellt sich die pro Kopf-Ausgabe 1900 auf 3 Mark — 1905 auf 4 Mk. 20 Pfg. - 1910 auf 4 Mk. 50 Pfg. — 1916 auf 4 Mk. 75 Pfg. Die Steigerung beträgt also in dem ganzen Zeitraum von 1900 bis 1916 pro Jahr und Kopf etwa 11 Pfg." — so kann man wörtlich lesen in dem amtlichen Schriftstücke, und daraus soll man nun die Ansicht gewinnen, daß die Vermehrung der Flottenlasten geringfügig sei. Es ist kaum zu begreifen, wie die Marine-Verwaltung so un­gemein kurzsichtig sein kann, von solchen Berech­nungen sich Erfolge in ihrem Sinne zu ver­sprechen. Genau das Gegentheil wird ja dadurch erreicht: wenn man diese Ziffern genauer anfieht, dann findet man mit Ent­setzen, daß die Flottenausgaben, nach dem Kopfe der Bevölkerung berechnet, in dem kurzen Zeiträume von sechszehn Jahren um nicht weniger als 58 Prozent wachsen. Und da man allgemein im Volke annimmt, und wohl auch mit Recht annimmt, daß gar nicht lange Zeit nach dieser Flotten­vermehrung neue Flottenvergrößerungen gefordert werden, gelangt man gerade auf dem von der Marine-Verwaltung vorgezeichneten Be­rechnungswege zu dem Schluffe, daß höchst wahrscheinlich im Verlaufe des ersten Dritttheils des zwanzigsten Jahr­hunderts die Flottenlasten, nach dem Kopfe der Bevölkerung berechnet, sich ver­doppeln werden.

Wie falsch diese Methode ist, kann man am deutlichsten aus der Thatsache ersehen, daß sofort das Berliner sozialdemokratische Centralorgan .Vorwärts" mit sichtlich ungemeinem Wohl­behagen und außerordentlicher Schadenfreude dieser Berechnung sich bemächtigt, sie weitersührt und dabei ganz richtig darlegt, wie viel Tage alsdann ein Arbeiter im Jahre arbeiten müffe, nur um die auf ihm ruhende Flottenlast abzu­tragen.

Diese Methode ist um so unbegreiflicher und thörichter, als ja durch die neue sogenannte „Novelle" gar nicht der Grundsatz verletzt werden soll, der bei der Berathung des letzten Flottengesetzes gesetzlich festgelegt worden ist, daß nämlich durch das Anwachsen der Ausgaben für die Kriegsflotte niemals die steuer­schwachen Schultern belastet werden sollen.

Warum erweckt denn nun die Marine-Ver­waltung durch ihre verfehlten Durchschnitts-Be­rechnungen mit aller Gewalt den Anschein, als wollte sie mit diesem Grundsätze brechen? Wahr­haftig, das war kein Meisterstück von Dir. Oktavio!

sich einen Moment krampfhaft in ihre Lippe, ihr Auge blitzte zornig und stolz warf sie den schönen Kopf empor — sie hatte ein anderes Geständniß erwartet. Die Welt lag huldigend zu ihren Füßen, Fürsten und Grafen bettelten um ihre Gunst und er — er hatte nur Mitleid für sie! Was war es denn, daß er es wagte, ihr die Bewunderung zu versagen, die ihr die ganze Welt so willig zollte? Ihr Stolz empörte sich bei dem Gedanken: ein Diener ihres Vaters, der wagte solche Kritik?!

„Sparen Sie Ihr Mitleid, bis Sie einen paffenden Gegenstand dafür finden," rief sie hoch­fahrend und kalt, — „eine Gräfin von Heim­bach bedarf seiner nicht."

„Ich wußte ja, daß Sie mir zürnen würden", erwiderte Reinhold und schaute sie traurig an. Sie fühlte sich fast beschämt vor seinem Blicke, aber ehe sie Zeit hatte, ihm zu antworten, kam Prinz Egon, zog sie in ein Gespräch und sie fetzte sich mit ihm auf eine nahestehende Bank.

„Wer ist der Mann, mit dem Sie eben so eifrig sprachen?" fragte der Prinz, „ich muß ihm früher schon begegnet fein, die Züge sind mir so bekannt."

„Ich glaube. Sie täuschen sich," sagte Isabella und ihre Stimme bebte noch vom Zorn, der in

Kin Hohes Ziel'.

Original-Erzählung von W. Dora. --(Nachdruck verboten.) Isabella erblaßte; ihre kleinen Zähne preßten

Deutsches

Berlin, 30. Januar.

* Die deutsche Marine wird nach Annahme des Flottengesetzes auf Grund der in der Be­gründung dazu für die einzelnen Jahre gemachten Anschläge in den Jahren 1901 bis 1916 zu­sammen 4417180000 Mark kosten. Hier­von entfallen 1731 Millionen auf Mehrausgaben in Folge des Flottengesetzes. Der Höhepunkt der

T Die Begründung der neuen Flotten-Vorlage.

Man kann nicht sagen, daß die Begründung der neuen Flotten-Vorlage überzeugend wirkt. Im Gegentheil gewinnt man von ihr im allge­meinen den Eindruck, als fei sie mit ganz be­sonderer Schnelligkeit ausgearbeitet worden, unter der die Gründlichkeit leidet, und als hätte manch­mal der Verfaffer dieser Begründung selbst nicht recht gewußt, wie er diesen oder jenen Punkt zugkräftig begründen sollte. Mehr als einmal begegnet man Ausdrücken wie: das kann keine Schwierigkeit haben, das kann nicht zweifelhaft sein u. s. w. u. s. w. So wird von der noth- wendigen Vermehrung der Offiziere und Mann­schaften gesagt: „Die Beschaffung des . _. . er­forderlichen Berufspersonals bedingt die jährliche Einstellung von etwa 200 Seekadetten und 1000 Schiffsjungen. (Jnsg-sammt würde die Durch­führung des neuen Flottenplanes eine Vermehrung des militärischen Flottenpersonals um mehr als 35,000 Köpfe bedeuten! Red.) Daß sich Ein­stellungen in dieser Höhe durchführen laffen . . . erscheint nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht zweifelhaft." Militärische Kürze und foldatisches Siegesbewußtsein sind am rechten Orte recht angenehme Erscheinungen. Aber in der Begründung einer Vorlage, die dem Reiche so ungeheure neue Lasten auferlegt, sind sie weder angebracht, noch auch vortheilhaft im Jnterksse der Vorlage selbst. Was der Marine-Verwaltung von ihrem Standpunkte aus als „selbstverständ­lich" und als „nicht zweifelhaft" erscheint, das braucht für andere Leute, die auch noch andere als militärische Grundsätze gelten laffen, noch lange nicht ebenso selbstverständlich zu fein, am aller- wenigsten für den Deutschen Reichstag.

Allem andern voran stellt die Begründung den Schutz für den deutschen Seehandel. Man kann stark Zweifel daran legen, ob das ein sehr kluges Verfahren ist. Am Seehandel hat doch nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil des deutschen Volkes Interesse; und diejenigen Leute, die an diesem Seehandel zunächst und am stärksten be­teiligt sind, das sind die Inhaber der großen Handelshäuser in den Seestädten, das sind die Beherrscher des Großkapitals und die Leute, die obenan stehen in den Kreisen der Industrie, die ihre Rangordnung einrichten nach dem mehr oder weniger großen Reichthum des Einzelnen. Also gerade durch diese Beweismittel wird man recht geringen Anreiz ausüben auf die große Masse des Volkes, um so geringereu, als gleichzeitig wieder bei der Berechnung des Geldbedarfes der unglückselige Fehler begangen worden ist, die Steigerung der Ausgabenlasten durch die Aus­führung der neuen Flottenpläne im Durchschnitte auf den Kopf der Bevölkerung zu berechnen. Durch die Gegenüberstellung dieser beiden Gesichts­punkte — Schutz des Seehandels und Belastung nach dem Kopfdurchschnitte der Bevölkerung — wird gar zu leicht der Argwohn erweckt, daß die Masse des Steuern zahlenden Volkes die Lasten tragen soll, die großen Handelsfirmen in den Seestädten aber den Gewinn davon machen wollen. Und dazu kommt noch, daß die Berech­nung der Vermehrung der Lasten nach dem Kopfe der Bevölkerung ein sehr ungünstiges Er-

Ausgaben durch das Flottengesetz wird bekanntlich erst im Jahre 1920 eriGcht. Rechnet man die Ausgaben von 1916 bis itßO den vorigen hinzu, so kostet Deutschland die Marine 1901 bis 1920 die Summe von 5 773 600 000 Mark, wovon 2396 Millionen auf die Mehrkosten aus dem neuen Flottenplane entfallen. (Die französische Kriegs-Entschäd'gnng belief sich bekanntlich auf 5 Milliarden Frcs. ober 4 MiWrden Mk.)

X Il-ö-r die Aussichten der Itsttei» Aorkage stellen die flottenfreundlichen Zeitungen mit heißem Bemühen Berechnungen an. Die heitere Zuversicht, die gleich am ersten Tage nach dem Bekanntwerden der Flotten-Vorlage von dem Berliner Krupp-Organ »Berliner Neueste Nach­richten" zur Schau getragen wurde, daß die An­nahme der Flotten-Vorlage in parlamentarischen Kreisen schon jetzt als sicher angesehen werde, ist aber wieder geschwunden, und alle Rechner ge­langen zu dem Ergebnisse, daß sich heute Über Annahme oder Ablehnung der Vorlage noch gar nichts sagen läßt. Sichere Ja-Stimmen sind die Stimmen der beiden konservativen Parteien, der Nationalliberalen und der freisinnigen Vereinigung; wenn man auch die Antise­miten als Ja-Stimmen in Rechnung bringen will, so erhält man insgesammt nicht mehr als 145 sichere Freunde der Vorlage innerhalb der Fraktionen. Von den fraktions­losen Abgeordneten könnten, wenn es hoch kommt, 15 als Freunde der Vorlage betrachtet werden; das würde alles zusammen höchstens 160 feste Ja-Stimmen ergeben. Eher werden cs weniger als mehr sein. Als Gegner kann man schon im Voraus bestimmt in Anschlag bringen die Sozialdemokraten, Polen, Elsässer, Deutschhannoveraner und sicher auch die aller­meisten Volksparteiler, zusammen etwa 120 Stimmen. Die Entscheidung liegt also einzig und allein beim Centrum.

4- Zur Aarrakvorkage werden bemerkens- werthe Stimmen aus der Provinz Posen laut. Dort befriedigen nicht die Aufwendungen, die in der Vorlage für die Regulirung der Warthe in Aussicht genommen werden sollen, so daß in einer Zuschrift der liberalen ,Voss. Ztg." aus Posen angedroht wird, e$ könnten neuerdings durch die Umgestaltung der Kanal- Vorlage au8 Freunden des Entwurfs Feinde des­selben werden. Auch das hat in den östlichen Provinzen böses Blut gemacht, daß für den Groß­schiffahrtsweg Berlin-Stettin die Westlinie in Aussicht genommen ist, während man im Osten bisher auf die Ostlinie rechnete — kurz, es scheint sich der Ausspruch eines schlesischen Parlamen­tariers bewahrheiten zu wollen, daß es sehr schwer, wenn nicht unmöglich sein werde, durch die sogen. Kompensationen alle Ansprüche zufrieden zu stellen.

x Aas Arsinde« des Avg. Ar. Lieber ist in fortschreitender Befferung begriffen, nach­dem bereits am Montag von einer Lebensgefahr nicht mehr die Rede sein konnte. Der hohen politischen Bedeutung und der persönlichen Be­liebtheit des Abg. Dr. Lieber entspricht die That­sache, daß sowohl Reichskanzler Fürst Hohenlohe als auch verschiedene Minister und Staatssekre­täre mehrfach nach dem Befinden des Patienten sich erkundigten, der sich der denkbar besten ärzt- damals, Du hast Recht. Hätten meine Wünsche sich erfüllt, so weilte ich vielleicht längst an den Ufern des Laplatastromes ober bes Ganges, ober wer weiß, wo in irgend einem Urroalbe. Aber es kam eben anders. Ehe ich meine Studien vollendet hatte, starb mein Vater, und ba meine Mutter nun allein und mittellos in der Welt stand, gab ich den Drang zur Ferne auf — um ihr Alter von Sorgen frei zu halten. Ich hatte mich loslösen wollen von allen irdischen Banden und fühlte mich plötzlich an die Erde gekettet — ich hatte nach dem Höchsten gestrebt und kämpfe nun den nüchternsten Kampf — ums tägliche Brod!"

Reinhold schwieg und legte den Kopf in die Hand. Es war, da er von feiner Jugend Hoffen und Entsagen sprach, als werde die alte Sehn­sucht wieder wach.

Voll innigster Theilnahme schaute der Prinz in sein bleiches Antlitz. „Armer Freund, ich ver­stehe Dich. Deiner großen, nach den höchsten Idealen strebenden Seele ist es schwer geworden, sich in enge, kleine Verhältnisse zu zwängen."

„Ja," sagte Reinhold, indem er mit der Hand über die Stirne strich, als könne er die trüben Gedanken dort Hinwegwischen, „das Opfer ist mir schwer geworden, aber ich habe es niemals be­reut. Wie konnte ich auch anders," fügte er weich hinzu, „es war ja nur ein schwacher Tribut der Dankbarkeit an die treueste, beste der Mütter! Doch sprechen wir lieber von Dir, Du verwöhn­tes Kind des Glückes, das stets nur die Sonnen­seite des Lebens gekannt hat, wie ist es denn Dir ergangen?"

ihr kochte, „er ist nur ein Bediensteter meines Vaters."

Da trat Reinhold, der Alles mit angehört hatte, rasch vor, verbeugte sich mit einem eigen« thümlichen Lächeln vor dem Prinzen und sagte:

„Erlauben Sie mir, mich Ihnen vorzustellen, mein Prinz: Dr. Reinhold Schönberg."

„Reinhold!" rief der Prinz und streckte ihm beide Hände entgegen, „wie war es nut möglich, daß ich Dich nicht augenblicklich wieder erkannte?"

„Zwölf Jahre sind eine lange Zeit, mein Prinz," sagte Reinhold, indem er herzlich in die ihm gebotenen Hände einschlug, „ich begreife, daß Sie in dem Manne den Knaben nicht wieder er­kannten."

„Sie?" rief der Prinz vorwurfsvoll, „willst Du mir die Jugendfreundschaft kündigen mit Deinem ceremoniösen „Sie?"

Isabella wandte sich ab. Sie wollte das Wiedersehen nicht stören; vielleicht auch mochte sie die beiden Männer ihre Erregung des Zornes und der Beschämung nicht sehen lassen, welche noch in ihren Zügen kämpften.

Prinz Egon schob seinen Arm in den Rein- hold's und zog ihn mit sich fort in den Garten hinaus nach einem stillen Plätzchen, wo sie sich ungestört ausfprecheu konnten.

„Freilich, wie konnte ich auch denken. Dich hier zu finden," Jagte er, „eher hätte ich Dich bei den schlitzäugigen Schönen des himmlischen Reiches gesucht, als in diefem Schlosse. Du hattest andere Pläne damals."

„Ja," erwiderte Reinhold und ein Seufzer entrang sich seiner Brust, „ich hatte andere Pläne

W Fuldaer

lieben und sonstigen Pflege erfreut in der Nieder­lassung der Grauen Schwestern in der Nieder­wallstraße in Berlin.

ft Iiuanzmimker von Miquel wird wieder einmal als amtsmüde bezeichnet. Nach einem Berliner Börsenblatte, das dem Minister durchaus freundschaftlich gegenübersteht, ist im Finanzministerium bei Gelegenheit des dort, wie üblich, abgehaltenen Kaiser Geburtstag-Mahles „io positiv" davon gesprochen worden, daß der Minister „Neigung bekunden möchte, sich von den Geschäften zurückzuziehen", daß das Blatt „davon Notiz nehmen zu müssen glaubte". Vermuthlich ist es dem Herrn Minister nicht unangenehm, wenn in dieser Weise von ihm berichtet wirb. Bisher hat man aber noch nichts erfahren bauen, daß Herr von Miquel im Ernste sich mit ber Ver­wirklichung bieser in ben Zeitungen verzeichneten Neigung trage. Das Befinden bes Ministers hat sich übrigens wieber so weit gebessert, baß er bauernb bas Bett verlassen unb in seiner Woh nung wieber Amtsgeschäfte erlebigen konnte.

4- Die ZLudget Kommisfio« des Reichs­tages wählte am heutigen Dienstag zunächst eine Unterkommission für bie Vorberathung ber Post- Scheck-Orbnung. Die Unterkommission besteht aus ben Abgg. Müller- Fulba (Ctr.), Dr. P a a s ch e (ntl.), Graf Stollberg (kons.) unb Dr. Müller- Sagan (freis.) Aisbann setzte bie Kommission bie Berathung bes Kolonial-Etats fort,, unb zwar bei bem Etat für bassübwestafrikanische Schutzgebiet. Dabei brachte,Abg. Müller- gjUlba bie Ausschreitungen bes Prinzen Areuberg zur Sprache, ber Offizier bei der Schutztruppe war, unb sprach bie Hoffnung aus, baß strengste Bestrafung erfolgen werbe — eine Erklärung, ber ber Abgeorbnete Prinz Aren- berg sich anfchloß. Abg. Bebel will ben Fall Arenberg int Plenum des Reichstages zur Sprache bringen. Kolonialbirektor von Buchta theilte mit, baß bas Kriegsgericht bereits gesprochen habe, bas Urtheil unterliege ber kaiserlichen Be­stätigung. Die Forberungen für Bau unb Unter­haltung van Eisenbahnen würben nach längerer Debatte ebenso unverändert nach ber Vorlage ber Regierung angenommen wie bie übrigen fort­dauernden unb einmaligen Ausgaben. Desgleichen würbe unveränbert gutgeheißen ber Etat für bie Schutzgebiete in ber S üb fee. Damit ist ber Kolonial-Etat erlebigt bis auf bie Reichszuschüffe, bie noch besonders festgestellt werben sollen.

O Die Novellen zum Nufallverfiche- ruugs-Hesetze sind am heutigen Dienstag von der 21. Kommission des Reichstages in Angriff genommen worden. Eine Generaldiskussion findet nicht statt, dagegen sollen zwei Lesungen vorgenommen werben. Die Gewerbe-Unfall- Versicherungs-Vorlage kommt zuerst an die Reihe. Es wurden heute davon bte Paragraphen 1, la, 1b unb 1c in der Fassung der Vorlage angenommen. Mehrere von den Sozial­demokraten gestellte Abänderungsanträge wurden abgelehnt. Staatssekretär Graf Posadowsky gab die Erklärung ab, daß die Regierung im Laufe der Zeit den Kreis der Versicherten er­weitern will, die Einbeziehung des Handwerkes und des Gesindes aber in diese Vorlage für un­möglich hält. Dafür müßten später besondere Organisationen geschaffen werden.

„Mein Leben floß einfach dahin und läßt sich in wenig Worte zusammenfaffen. Nachdem ich vor zwölf Jahren das Kollegium in Feldkirch verlassen hatte, verbrachte ich die üblichen Semester auf der Universität und widmete mich dann der diplomatischen Karriere. Erst lebte ich einige Jahre als Gesandtschafts-Attach« in Wien, dann in London und bin nun seit vorigem Herbst der Gesandtschaft in Konstantinopel zugetheilt."

„Da wird wohl Deines Bleibens hier mchl lange fein?" sagte Reinhold.

„Anfänglich hatte ich allerdings vor, nur einige Wochen bei meinen Eltern in Wartey zu verleben, allein ich habe einen Magnet hier ge­funden, der mich unwiderstehlich fesselt unb ich bin um eine Verlängerung meines Urlaubs ein« gekommen, bie ich auch erhalten habe. Wtr Attaches sind keine so unentbehrlichen Persönttch- teiten, daß bas Wohl der Staaten durch unser Fehlen gefährdet wird, und wenn meine Wünsche sich erfüllen, so möchte es fein, daß ich gar nicht mehr ahf meinen fernen Posten zurückkehre. Aber," fuhr er seufzend fort, „ich bin noch weit vom Ziel-! Seit bald drei Monaten bin ich gier in fast täglichem Verkehr mit ihr und — J)in ihr noch um keinen Schritt näher gekommen."

Reinhold war merkwürdig still gewesen, wah­rend der Prinz gesprochen. Es war, als gleite ein Schatten über feine Züge und die Lippen preßten sich so fest aufeinander, als wollten ne bie Worte mit Gewalt zurückdrängen. Jetzt aber legte er feine Hand in die des Prinzen und sagte herzlich.

„Der Preis ist auch des Ringens werth, mein Freund; Gräfin Isabella ist ein schönes, hoch-

spalt. Garmond rttintfl M- W sexss

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