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Jl°24.
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Jutöcr, Dienstag, den 30. Januar 1900.
27. Jahrgang.
12.
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2. Fortdauernde Ausgaben B. Sonstige Ausgaben für Marine-Zwecke
1. Marine-Pensionen
2. Verzinsung der Anleihen
Seele," sagte Reinhold, „für diesen unstillbaren Durst, den Goll ins Menschenherz gelegt hat, damit es fühle, daß er es für Höheres, als die Dinge dieser Welt erschaff, n hat, damit es sich erhebe über den Staub des Vergänglichen zu seinem^Schöpfer und Gott. Gerade die Geschichte wird Sie lehren, rote nichtig menschliche Macht und menschliche Größe ist. Der Herrscher, der Königreiche unter seinem eisernen Fuße gehalten, sinkt in Staub zurück, wie der Geringste seiner Unterthanen; der Held, der die halbe Welt erobert, stirbt einsam und verbannt auf fernem Meereseilande um dasselbe Volk, das Jesum bei seinem Einzug in Jerusalem Palmen streute und Hosannah rief, hat ihn ans Kreuz geschlagen. Ja, nichtig, eite! und vergänglich ist Alles, was nicht Gott ist und Irren ist alles Wissen, was nicht in Gott seinen Ursprung hat."
So sprach Reinhold lange und Isabella horchte ihm ganz stille zu. Man hatte sie nie gelehrt, der Religion eine Stelle in ihrem Leben einzuräumen und staunend sah sie zu dem Manne empor, der eine neue, ungeahnte Gelt des Geistes vor ihr öffnete. Ein Sonnenstrahl fiel in den Diamant und weckte funkensprühendes Licht.
Von diesem Tage an traf es fich häufiger, daß um die Zeit, die Isabella in der Bibliothek verbrachte, auch Reinhold fich dort einfand, und wenn das Mädchen dann den jungen Gelehrten mit dieser oder jener Frage, die ihre Lektüre anregte, in Anspruch nahm, so war er stets zu den eingehendsten Erörterungen bereit. Er war auf allen Gebieten des Wiffens zu Hause; er sprach so ruhig, so klar und verständlich und Isabella
lauschte stets, seltsam angeregt, seinen Worten und fühlte sich immer mächtiger gefesselt von dem Manne, den sie mit so hschmüthigem Vorur- tbeilc empfangen hatte. Ihre große Seele fühlte sich sympathisch angesprochen von dem hohen Fluge seines Geistes, aber sie kannte die Quelle nicht, aus der er seinen geistigen Reichthum schöpfte, die Fundamente nicht, auf denen er sein ganzes Leben aufgebaut.
Halb unbewußt gab sie sich dem Zauber seiner Nähe hin, und bald fehlte ihr etwas, wenn er nicht bei Tisch war, der Salon schien ihr leer, wenn er nicht darin weilte, ein Vergnügen langweilte sie, wenn er nicht daran Theil nahm. Sie las die Bücher, die er für sie aussuchte und deren Verständniß er ihr durch seine Erklärungen ermöglichte, und allmählich war es zu einer Art von stillschwelgendem Uebereinkommen geworden, daß sie um eine bestimmte Stunde in der Bibliothek zuiammentrafen.
Da ereignet^ sich eines Abends einer kleiner Vorfall, der plötzlich wieder den ganzen Stolz ihres Herzens roachrief und beinahe die schöne Eintracht ihres Zusammenlebens gestört hätte.
Es waren ziemlich zahlreiche Gäste, worunter auch Prinz Egon, in Heimbach und man hatte, wie gewöhnlich an schönen Abenden, dm Abend- thee auf der Terrasse getrunken.
Auch Reinhold war heute bei der Gesellschaft. Er stand, halbverdeckt von den Blätterranken, die aus einer riesigen Sandsteinoase niederhingen, an das Geländer der Terrasse gelehnt und betrachtete Isabella, die nicht weit davon in heiterster Laune sich mit ein paar Herren unterhielt. Da I
Dr. Hahn aufgetreten, um daran zu erinnern, daß Fürst Bismarck „sich für eine Auslandsflotte, nicht für eine Weltmachtpflotte sich ausgesprochen habe. Eine uferlose Weltmachtpolitik werde der Bund nicht unterstützen".
• Aer Großschifffahrtsweg Aerkirr- Stetti« hat gute Aussichten auf Verwirklichung. Neuerdings haben nach vorliegenden Zeitungsmeldungen auch die Stadt Charlottenburg und die Provinz Brandenburg ihre Bereitwilligkeit kimd gegeben, an der Aufbringung der Kosten sich ebenso zu betheiligen wie die Stadt Stettin. Daß in der neuen Kanal-Vorlage die westliche Linie vorgeschlagen werden soll, ist bereits hinlänglich bekannt. Ehedem hatte die Westlinie keine Aussichten auf Verwirklichung. Der Kaiser selbst war früher ein Gegner der westlichen Linie, wie er das sehr deutlich einmal einer Abordnung gegenüber ausgesprochen hat.
* Die Meldungen von neuen Schnkreform- plänerr des Kaisers werden in der ,Köln. Ztg/ als müßiges Gerede bezeichnet. An unterrichteten Stellen sei hiervon nichts bekannt, zudem würde eine abermalige Umformung des höheren Schulwesens ein bedenkliches, das Ansehen des Staates nicht förderndes Experiment bedeuten. — Stimmt!
+ Jer Mißbrauch der massenhafte»* Zweiggeschäfte tritt recht grell hervor, wenn man sich die Entwickelung des Berliner Detailgeschäftes in Zigarren ansteht. Im Jahre 1875 besaßen 42 Berliner Zigarrenhändler Zweiggeschäfte, alle zusammen 77 Zweig- geschäsle, nach dem Durchschnitte also jeder noch nicht zwei. Am Ende des Jahres 1899 hatten
beschließen will und später noch beschließen könnte. Aber wenn man in die Begründung der Vorlage hineinsteht, findet man, daß die Reichsregie, rung durchaus nicht so rücksichtsvoll mit dem Reichstage und den Wünschen seiner Mehrheit umgehen will. In der Begründung wird gesagt, daß nach dem Plane der Regierung 76 9 Millionen der nothwendigen Gelder durch Reichs- a n l e i h e n aufgebracht werden und für das Uebrige die laufenden Reichseinnahmen in Anspruch genommen werden sollen.
Das Thema von den Reichsanleihen dürfte bereits genügend erörtert sein: nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge ist nicht anzunehmen, daß im Reichstage eine Mehrheit vorhanden fei, die Ja sagen wolle zu diesen Riefenvermehrungen der Reichsfchulo. Der richtigste und gesundeste Dcckungs - Grundsatz würde der sein: wir verbauen alljährlich nicht mehr in die Kriegsflotte, als wir dafür ohne neue Steuern und ohne neue Anleihen für diesen Zweck flüssig machen können.
Interessant ist, wie der unlängst aufgetauchte Vorschlag, von Reichswegen einen Zuschlag zu erheben zu der Erbschaftssteuer von großen Vermögen, in der Presse von denjenigen Kreisen ausgenommen wird, die eine solche Steuer zum größern Theil zu tragen haben würden, nämlich in der Preffe der Großindustrie und des Großkapitals. So schreiben die ,Berliner Neuesten Nachrichten', Organ der Industrie-Gruppe Krupp und Genossen: „ ... Dies gilt auch (nämlich der Beweis der Unhaltbarkeit) von der Idee einer Reichs-Erbschafts-Steuer, die lediglich in dem kindischen Gedanken wurzelt, die Kosten der Verlheidignng des Vaterlandes auf die besitzenden Klassen abzuwälzen. . ."
Mit Verlaub, ein „kindischer Gedanke" ist das gar nicht. Er wird sich, wie in der ,Fuld. Ztg.' bereits ausgeführt worden ist, schwerlich verwirklichen lassen. Im übrigen aber beruht er aus dem außerordentlich gesunden Grundsätze, etwa weitere Ausgaben für die Flotte, für die die laufenden Reichseinnahmen eine Deckung nicht bieten können, den kapitalkräftigen Schultern aufzuerlegen, und in diesem Sinne entspricht er vollkommen den finanzpolitischen Gesichtspunkten, die durch gemeinsame Uebereinkunft von Reichsregierung und Reichstag in dem letzten Flottengesetze festgelegt worden sind.
Aber dieser Wuthausbruch der ,Berl. Reuest. Nachrichten' kennzeichnet so recht scharf den Geist, von dem die Kreise geleitet sind, deren Interesse durch das genannte Organ vertreten werden: sehr viel verdienen durch neue Flottenbauten, das ist diesen Kreisen willkommen; aber Opfer bringen wollen sie dafür auf keinen Fall. Was soll der kleine Mann sagen, wenn das Großkapital so schloss es ablehnt, nach jKrästen die Lasten tragen zu helfen, die neue bewilligungen dem Volke etwa auferlegen könnten?
Hofe herrschende tiefe Trauer dem Kaiser seine Glückwünsche zum Geburtstage auf schriftlichem Wege übermittelt. Darauf „dankte der Kaiser umgehend in den huldvollsten Worten und gab dabei gleichzeitig her Hoffnung Ausdruck, daß auch in dem neuen Lebensjahre ihm die treue Mitarbeit des Fürsten zum Heile des Vaterlandes in ungeschwächter Kraft erhalten bleibe."
x Asig. Dr. Kieker, der mehrere Tage an seinem alten Magenübel recht schwer zu leiden hatte, befindet sich seit dem gestrigen Sonntag wieder in erfreulicher Besserung. Die Besserung hat auch am heutigen Montag angehalten, so daß die ausgesprengten Gerüchte über das Bestehen von schweren Gefahren für das Leben des verehrten Centrumsführers in das Reich der Fabel zu verweisen sind.
• Die erste ZSsrathttWg der IskoLlett- Workage soll nach dem gegenwärtig in Aussicht genommen Geschäftsemtheilungen des Reichstages am Donnerstag 8. Februar auf die Tagesordnung gesetzt werden. Es steht indessen noch gar nicht fest, ob diese Anordnung auch wird beibehalten werden können.
I nur noch 15 Berliner Zigarrenhändler Zweiggeschäfte, aber diese 15 Händler alle zusammen 359 Zweiggeschäfte, so - daß durchschnittlich auf jeden einzelnen Händler ungefähr 24 Filialen entfallen. Einer dieser Händler unterhält 82 Zweiggeschäfte, ein anderer 62 — also ganz nach dem wenig erfreulichen Geiste der Zeit eine vollkommen großkapitalistische Ausgestaltung des Berliner Zigarrenhandels! Der unliebsame Vorgang muß seine Gründe haben und diese Gründe liegen offenbar darin, daß der Großkapitalist durch die massenhafte Einrichtung von Filialen sehr erhebliche Vortheile erringt bei der Zahlung der Gewerbesteuer. Ec arbeitet in seinen einzelnen Geschäften unter günstigeren Steuerverhältnissen als der Kleinhändler in feinem einzigen Laden, und man gelangt auch hierbei wieder zu dem unerfreulichen Ergebnisse, daß der gewerbliche Mittelstand der verlierende Theil ist unter dem Einflüsse der modernen Entwickelung des Geschäftslebens, namentlich des Geschäftslebens in den großen Städten. Im Gegensätze hierzu hat eine Vereinigung von Berliner Kleinhändlern, die „Neue Vereinigung der Zigarrenhändler Berlins und Umgegend", den Beschluß gefaßt, von neuem die Einführung einer besonderen Besteuerung der Zweiggeschäfte in Vorschlag zu bringen; und wer es ehrlich meint mit dem Schutze des gewerblichen Mittelstandes, der kann nur wünschen, daß das Bestreben nicht erfolglos bleiben möge.
* Karlsruhe, 29. Jan. Den vereinigten Korporationen der technischen Hochschule wurde vom Rektor und Senat die Abhaltung des Kaiserkommerses untersagt, weil sie die katholischen Verbindungen nicht zur Theilnahme an dem Kommers aufgefordert haben. Recht so!
* Ariirkenan, 29. Jan. Die Mutter unserer Kaiserin ist gestern Nachmittag in der hiesigen evangelischen Stadtkirche an der Seite ihres Gatten beigesetzt worden. Das Kaiserpaar war Mittags 121/» Uhr in Begleitung des Prinzen Ferdinand zu Schleswig-Holstein hier eingetroffen. Die Trauerfeier in der Schloßkapelle begann gegen 2 Uhr. Der Sarg war über und über mit Kränzen bedeckt; darunter befanden sich solche vom Kaiser und der Kaiserin, dem Kaiser von Oesterreich, dem Kaiser von Rußland, dem König und der Königin von Sachsen. Das kaiserliche Paar reist heute Abend nach Berlin zurück.
? WaldsHut, 29. Jan. Herr Landgerichtspräsident Reinhold Baumstack ist im Alter von 68 Jahren gestorben; derselbe ist in weiten Kreisen bekannt geworden durch feine Rückkehr in den Schooß der katholischen Kirche im Jahre 1869. R I. P.
Deutsches Deich.
Berlin, 29. Januar.
• Zreichskanzler Jürst Koße«loHe. so berichtet die halbamtliche ,Nordd. Allg. Ztg.', hat diesmal aus Rücksicht auf die am königlichen
£ Die Kosten der Flotten-Vorlage und ihre Deckung.
Einige Tage, bevor der Inhalt der neuen Flottenvorlage bekannt geworden war, ist be- richtet worden, daß die Kosten, die durch die neue Flottenvorlage bei ihrer Annahme ver- u sacht werden würden, auf etwa 1600 Millionen Mark sich belaufen müßten. Diese oberflächliche Vorausberechnung ist noch zu niedrig gewesen: nach der Berechnung der Regierung werden allein die jeweils einmaligen Ausgaben bis zur Erreichung der von der Regierung f verlangten Flotten stärke 1861 Millionen Mark betragen.
Dazu kommen aber noch viel mehr andere Ausgaben: die fortdauernden Ausgaben, die also auch dann bestehen bleiben in den alljährlichen Etats, sollen außerdem jährlich um 5,4 Millionen wachsen. Im Etat für 1900 betragen diese fortdauernden Ausgaben rund 74 Millionen, im Etat für 1901 also schon beinahe 80 Millionen und so fort. Wie ungeheuer die Vermehrung der Marine-Ausgaben durch die Annahme der neuen Flotten-Vorlage sich gestalten würde, darüber gibt den besten Aufschluß eine rechnerische Anlage, die die Reichsregierung selbst dem Entwürfe der neuen Flotten-Novelle beigefügt hat. In dieser Anlage finden wir folgende anschauliche Millionen-Tabelle:
3,9 5,4 7,2 9,4
15,2 24,6 33,6 39,4
Jnsgesammt 168,6 217,0 252,0 292,8 323,5 Millionen.
In der Anlage der Regierung wird hinzugefügt, so etwa könnten sich die Ausgaben von 1901 bis 1916 »erteilen; denn die Feststellung der jährlichen Ausgaben soll ja nach der Vorlage dem Reickstage überlassen bleiben. Allzu ungünstig wird die Manne-Verwaltung die Gestaltung der Ausgaben nicht dargestellt haben. Man wird im Gegentheil annehmen müssen, daß die Dinge sich in Wirklichkeit noch ungünstiger gestalten werden, als es hier dargestellt ist; und doch ergibt schon diese Zukunftsrechnung eine vollkommene Verdoppelung der jährlichen Marine- Ausgaben in dem kurzen Zeiträume von 1901 bis 1 906!
Und was wird nachher kommen — wenn nicht .etwa schon lange vor der Erreichung der jetzt geforderten Sollstärke der Flotte weitere Vergrößerungen derselben verlangt werden? Die Wahrscheinlichkeit spricht aus hundert Gründen dafür, daß es mit dieser Flotten-Novelle noch lange nicht abgethan sein wird! M«
In der Novelle selbst wird kein Wort davon angeführt, wie die Reichsregierung die Deckung dieser ungemein hohen Kosten sich vorstellt. Der dritte Paragraph der Novelle trägt zwar die Ueberschrift „Bereitstellung der Mittel", aber sagt baoon nichts. Nach diesem Paragraphen allein steht es ans, als wolle die Reichsregierung willen - los allem sich unterwerfen, was der Reichstag
3,6
12,3
+ Der Mrmd der Larrdwirthe wird am
Febr. seine Generalversammlung in üblicher Weise im Cirkus Busch in Berlin abhalten. Im Bunde der Landwirthe steht man zu einem erheblichen Theile der neuen Flotten-Vorlage sehr kühl gegenüber. Das Hauptorgan des Bundes, die ,Dtntsche Tageszeitung', Hal einen sehr tritt* scheu Ton gegen die Vorlage arigeschlagen, und und am letzten Freitag ist in einer Versammlung des Bundes in Posen der bekannte Bundesredner
A. Marine-Etat im Jahre 1900 1901 1905 1910 1916
1. Einmalige Ausgaben
Schiffsbau und Armirung 69,5 100,0100,0100,0100,0
Werft- und Hafenbauten 8,9 ~
Airs veru Reichstage.
•<*> 187. Sitzung vom 29. Januar 1900.
Am Tische beS Bundesraths haben die Staatssekretäre v. Podbielski und Frhr. v. Thielmann Platz genommen.
Die Kaiserin dankt durch ein Telegramm für die Beileidsbezeugung des Reichtages aus Anlaß des Ablebens ihrer Mutter; der Kaiser hat den Präsidenten persönlich beauftragt, den Mitgliedern des Hauses seinen besonderen Dank dafür auszusprechen.
Der Reichstag setzt die zweite Etatsberathung fort bei dem Etat für die Einführung des Scheckge- | setzes im Reichspostgebiete.
plötzlich, als hätte sie seinen Blick gefühlt, wandte sie sich nach ihm zurück und sagte:
„Ich möchte doch wissen, was Sie eben dachten, Herr Dr. Schönberg, als Ihre Augen so strenge auf mir ruhten?" «
„Das werde ich mich wohl hüten, Ihnen zu sagen, Gräfin," erwiderte er scherzend, „Gedanken sind zollfrei."
„Nein nein", rief sie in der ihr eigenen, ungestümen Weife. „Sle müssen bekennen, ich will wissen, welch' schwarze Gedanken Sie in Ihrem Kopse ausbrüten. Gestehen Sie nur schnell."
„Sie würden mir zürnen, Gräfin, wenn ich Ihnen sagte, was mir eben durch den Sinn gegangen, und eine Lüge sage ich nicht, auch wenn es die Höflichkeit erforderte."
„Ich will auch keine Lüge, ich will die Wahrheit, sprechen Sie doch, ich bitte dringend darum "
„Nun denn, so will ich gehorchen, aber bedenken Sie, daß ich ohne Ihren bestimmten Wunsch nie gewagt hätte, es Ihnen auszusprechen."
Isabella stieg das Blut ins Gesicht und ihr Herz schlug heftig. Ec war plötzlich so ernst geworden — was hätte er nicht gewagt, ihr auSzufprechen? war es Freude, war es Furcht vor dem Geständnisse, was sie erbeben ließ?
„Während ich Sie eben betrachtete," sagte Reinhold ernst, „erfaßte mich ein namenloses Mitleid mit Ihrer Seele. So jung, fo reich, so schön, dachte ich und doch so grenzenlos arm — so arm an jenen Gütern, die allein Werth haben für die Mitwelt, und die die goldene Brücke zur Ewigkeit bauen." (F. f.)
Original-Erzählung von W. Dora.
5 ------ (Nachdruck^verboten.)
Das kleine Menschenherz ist eben so unendlich groß, daß nichts auf Erden es auszufüllen im Stande ist. Das dachte aber Isabella nicht. Sie sehnte sich nach irdischem Glück und glaubte, es wüffe eines Tages ganz unverhofft da sein und lhr ungestümes Herz werde darin Ruhe finden und Befriedigung für alle seine unersättlichen Wünsche.
Da ging die Thür auf, Reinhold trat in's Zimmer. Jfabella's Hand erbebte auf dem Blatte M Buches, das Blut schoß ihr heiß in's Gesicht — war der Sonnenstrahl in ihr Herz gefallen?
„So ernste Lektüre?" sagte Reinhold, an Zsabella herantretend. Denn das Buch, welches sie in der Hand hielt, war ein Band „Weltgeschichte".
"Ein bischen Emst thut wohl Noth bei dem zerstreuenden Leben, das wir führen," erwiderte fte. „Wmn mich bisweilen ein Ekel befällt an
Menschen und ihrem kleinlichen Treiben, schlage ich die Geschichte auf und betrachte die großen Gestalten der Vergangenheit und ihre weltbewegenden Thaten, und wenn ich müde bin ”,n °em leeren Gerede der Menschen, fluchte ich Denkern./Erblichen, großen Dichtern und 'm"?. werden Sie an diesen Quellen ie -vefnedrglmg finden für den Durst Ihrer