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27. Jahrgang.

Iutöcr, Donnerstag, den 25. Januar 1900.

M20

den letzten

24

Schoo aus Osnabrück statt. Anwesend waren verschiedene Vertreter des Senates der Stadt Bremen, ferner der Präsident des Raphaelsver- eins, Herr Reichs- und Landtagsabgeordneter Cahensly-Limburg, Vertreter des Nord­deutschen Lloyd, der gesammte Klerus. Später erschien auch noch der Reichs- und Landtagsab­geordnete Dr. Lieber.

Ans -em Reichstage.

*<y 134. Sitzung vom 24. Januar 1900.

Am Tische des BundesratheS war Reichsschatzsekretär Freiherr von Thielmann. Die zweite Etats- berathung wird fortgesetzt beim Etat des Aeichs- schatzamtes.

Abg. KuLe vom Bunde der Landwirthe beschwert sich über die Verfälschung von Branntwein. Man müsse doch Gewähr dafür bieten, daß der Käufer unverfälschte Maare für sein Geld bekomme. Redner verbreitet sich weiter über die Noth der Landwirthschaft, die von den Freisinnigen immer bestritten wird, verliert sich aber bei der Behandlung dieses Themas ins Weite, so daß er von dem Präsidenten Grafe« ZSalkefirem unterbrochen und daran erinnert wird, daß der Etat des Reichsschatz­amtes zur Berathung steht.

kostet sechs, Paris-Metz zwei Franks, der Grenz- verkehr 1 Frank 25 Centimes.

• Dresden, 24. Jan. In dem Befinden der Herzogin Friedrich von Schleswig- Holstein ist eine wesentliche Aenderung bisher nicht eingetreten; die Hoffnung, das stark bedrohte Leben der Mutter unserer Kaiserin zu retten, ist noch immer sehr gering. Das heute früh aus­gegebene ärztliche Bulletin besagt: „Die Athemnoth

Luftweg hinab, so kommen Sie in eine Allee, die Sie bald in'S Schloß führt." —

Er dankie und schlug grüßend die bezeichnete Richtung ein.

Ec trat aus dem Gebüsche heraus, durch das der Weg bis jetzt geführt hatte und das Schloß lag vor ihm.

Das Mädchen aber stand noch droben auf der Höhe und schaute ihm nach, bis er zwischen den Bäumen verschwand; dann kniete sie auf die kleine Bank nieder, die vor dem Kreuze stand und betete.

Als sie sich endlich erhob, war die Dämme­rung schon stark hereingebrochen. Friedlich senkten sich die Abendschatten über das Land und über die stillen, dunklen Wasier des See's und da und dort leuchtete schon ein Licht im Thale auf. Es war so still hier oben; kein Lüftchen regte sich, selbst die Vögel in den Zweigen waren ver­stummt, nur tue Grillen zirpten im Grase und das Geläute der Abendglocken klang vom Dorfe heraus und verlor sich in dem sanft rauschenden Blattwerke des Bergwaldes.

* *

Ziemlich früh am Morgen ging Heinrich von Heimbach in dem eleganten Gartensaale seines Schlosses auf und nieder. Er war ein bejahrter Herr; sein spärliches Haar war stark ergraut, aber fein freundliches altes Gesicht war noch frisch, und seine kleine, beinahe dürftige Gestalt hatte noch eine Jugendlichkeit der Bewegungen, um die manch Jüngerer ihn hätte beneiden können.

Von Zeit zu Zeit hielt er in seinem Spazier­gange inne und schaute forschend nach einer jungen

Brate

It. Garmond zelle oder bete Raum 15 Pf., M Namen die Petstr zelle 25 Pf.; Wiederholung«« wird entsprechen!, Rabatt gewährt

H Deutsches ^14).

Berlin, 24. Januar.

* Der Kaiser empfing gestern Nachmittag t>»n Präsidenten des deutschen Vereins vom heil. Lande, Herrn Landrath a. D. Vorsitzenden des Vrovinzial-Ausschuffes der Rheinprovinz Jansen aus Aachen, sowie den Herrn Diözesan-Baumeister Renard aus Köln, welche die Pläne für den auf dem Grundstücke der Dormition zu errichten- tzenMariendom vorlegten und erläuterten. Die Mdienz währte etwa eine Viertelstunde; der Knpfang war sehr herzlich. Der Kaiser nahm M großem Interesse von den Projekten Rennt. J and prüfte dieselben eingehend. Der Kaiser sprach sich sehr lobend über die vorgelegten Ent- jjflrfe des Mariendomes aus und wünschte sie nicht geändert zu sehen. Auch der Plan eines „eu zu erbauenden Hospizes fand den vollen Bei­fall Sr. Majestät. Seine hohe Befriedigung äußerte der Monarch endlich über den Fortgang der katho­lischen deutschen Missionen im Orient. Wie schon früher verlautete, wünscht der Kaiser, daß die Seelsorge an der Marienkirche von deutschen Benediktinern ausgeübt werden soll. Der gegenwärtige Leiter des deutschen Hospizes und Seelsorger an der dortigen Kapelle ist der be­kannte Pater Schmidt aus dem Lazaristen- Orden.

X Der ZLosse'sche Erlaß gegen das rüchlignngsrecht der Lehrer ist, wie schon kurz gemeldet, durch den neuen Kultusminister Dr. Stud t aufgehoben worden. ES konnte das nur eine Frage der Zeit sein, nachdem Herr Dr. Bosse das Berliner Kultusministerium ver- laffen hatte; mußte doch Dr. Bosse selbst noch seinen eigenen Erlaß einschränken. In einer Ver­ordnung, die durch die,Berl. Korresp." bekannt wird, werden die Boffe'schen Erlasse außer Kraft gefetzt, weil die darin enthaltenen Vorschriften Schwierigkeiten und Bedenken begegnet sind; und es wird gleichzeitig angeordnet, daß es „hin­sichtlich der Ausübung des den Lehrern und Lehrerinnen zustehenden Züchtigungsrechtes nach wie vor bei den gesetzlichen Bestimmungen be­wendet." Gleichzeitig wird angeordnet, daß „Lehrer und Lehrerinnen jede vollzogene Züchti­gung nebst einer kurzen Begründung ihrer Noth- wendigkeit in ein anzulegendes Strafverzeich- niß sofort nach der Unterrichtsstunde einzutragen haben." Solchen Lehrern und Lehrerinnen, die diese Eintragung unterlaßen oder einer Ueber- schreitung des Züchtigungsrechtes sich schuldig machen, soll „neben der disziplinären Ahndung der Regel nach die selbständige Ausübung dieses Rechtes dauernd oder zeitweise" entzogen werden. Was der Bosse'sche Erlaß also als Regel aufstellte für einen großen Theil der Lehrerschaft, das soll nach der Verordnung des Kultusministers Studt nur als ©träfe über einzelne Lehrer verhängt werden, und durch nichts fo sehr wie gerade dadurch wird der Boss-'sche Erlaß noch nachträglich als verfehlte Maßregel gekennzeichnet.

ft Eine Ileform der höhere« Schule« sollte angeblich nach einer Meldung der ,Tägl. Rundschau' vom Kaiser beabsichtigt sein. Die Meldung ist als wenig wahrfcheinlich in der, Fuld. Zig.' nicht verzeichnet worden. Jetzt werden von allen Seiten Zweifel dagegen laut — ist

Staatssekrelär Ireiherr von Zhietman« antwortet, daß die Beschwerde über Verfälschung von Branntwein nicht in sein Ressort gehöre, also von ihm auch nicht beantwortet werden könne.

Der Etat wird bewilligt. Sodann geht das Haus über zur Fortsetzung der Berathung der Anträge der Abgg. Agker (sozd.) und Ken,mann (freis. Bp.) auf Erlaß eines IteichsverggeseHes. Beide Anträge fordern „baldigste Vorlegung" eines solchen Gesetzes.

Der sozd. Abg. Wieke-Halle schildert die Verhält- niffe in dem mitteldeutschen Braunkohlenrevter in den schwärzesten Farben und fordert den Abg. Arendt als Vertreter des mansfeldffchen Kreises auf, für die An­träge zu stimmen.

Abg. IranKe« (natlib.) spricht von den Berhältmffen der Grubenbesitzer in Westfalen und sucht darzuthun, daß dieselben keineswegs glänzend seien. Für die Ar­beiter aber sei außerordentlich viel geschehen; auch die achtstündige Schicht sei in den westfälischen Revieren durchgeführt.

Abg. Sik»<K (natlib.) gibt dem Abg. Thiele zu, daß die Verhältnisse beim mansfeld'schen Bergbau be­sonders schwierig seien. Aber sollten die Wünsche des Abg. Thiele alle erfüllt werden, dann würde dieser Berg­bau überhaupt keine Erträge mehr abwerfen. Im übrigen hat Redner nichts dagegen einzuwenden, wenn eine ein­heitliche Regelung des Bergbaues durch ganz Deutsch­land oorgenommen würde, unter Wahrung der früher von dem Redner verlangten Einschränkungen.

Der freikons. Abg. Dr. Arendt führt aus, daß ge­rade im mansfelderschen Revier die Arbeiterfürsorge vorzüglich sei; deshalb sei auch dort die große Mehr­heit der Arbeiter mit ihren Verhältnissen zufrieden —

hält immer noch an, hat aber in Stunden hohe Grade nicht erreicht. Die Nacht

verlief unruhig, wenig Schlaf, Puls befriedigend. Nahrungsaufnahme etwas beffer. Der Zustand gibt zu augenblicklichen Besorgniffen keine Veran- laffung." (Siehe unter Neueste Nachrichten.)

* Kreme«, 24. Jan. Heute Morgen Vs 10 ,.....

Uhr fand die feierliche Einweihung der S t. bwerben die Raphaelskirche für katholische Aus- wanderer durch den hochwürdigften Domdechant

Km Hohes Ziel'.

Original-Erzählung von W. Dora.

------ (Nachdruck verboten.)

I.

Seh ich dich an, kommt mir zu Sinn Das Märlein von der alten Stadt: Ein tiefer Brunnen lag darin Drauß keiner noch getrunken hat!

Paul Heyse.

Aus dem Thore eines uralten Städtchens, am nordwestlichsten Ende des Bodensees, schritt ein Wanderer den vulkanischen Regelbergen des Hegaus entgegen. Tüchtig schritt er aus und bog nach einer halbstündigen Wanderung in einen Seitenweg ein, der ihn bald in einen dichten Bald führte.

Uralte Eichen wölbten sich zum Dache und Wer Waldesschatten umfing den Wanderer.

war im Juni und die Sonne hatte ihm trotz vorgerückten Tageszeit auf der schattenlosen Straße warm gemacht. Doppelt wohlig umfing M jetzt die schattige Rühle und tief aihmete er yie würzige Lust ein, während er auf dem schmalen, letzt stark ansteigenden Pfade weiter schritt. Als er die Höhe erreicht hatte, öffnete sich der Wald und em Bild von zauberischer Schönheit ent­faltete sich vor seinem Blicke. Tief unten lag träumend der See zwischen den grünen, sanft ""steigenden Gestaden mit ihren malerisch zer­beulen Städtchen und Dörfern, und aus der gttne herüber grüßten die schneeigen Häupter der ^chweizerberge. Die Sonne ging eben unter.

worauf

Abg. Wieke erwidert, einen Blinden werde man kaum sehen lehren: Abg. Arendt brauche sich nur wirk­lich umzusehen in seinem Wahlkreise, um zu finden, daß er, Redner, recht habe.

Abg. Aaevach vom Centrum macht auf Grund von Gerichtsverhandlungen darauf aufmerksam, daß thatsäch- lich Berieselungsanlagen v on Unternehmern nicht in Betrieb gesetzt wurden u. auch Unfälle daraus zurückzuführen sind. Leider ist eben die Profitwuth noch immer viel zu groß, und solche Mißstände würde man am besten beseitigen durch den Erlaß eines Reichsberggesetzes, über dessen Ausführung der Reichstag wachen kann. Die reichsgesetzliche Regelung empfiehlt sich auch wegen der Ansprüche von abgelegten und nach anderen Revieren verzogenen Bergleuten an die Knappschaftskassen. Redner wird für den Antrag Lenzmann stimmen.

Nach einem erneuten Wortwechsel zwischen den Äbgg. Arendt und Wieke wird die Diskussion ge­schlossen. Nach einem Schlußworte des sozd. Abg. Sachse werben die Anträge Agster und Kenzman« gegen die Stimmen der Rechten angenommen mit einem be­reits neulich begründeten Zusatzantrage des Centrums- abg Ketocha, in dem besondere Schutzvorschriften für die Arbeiter in Zinkhütten gefordert werden.

Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr: lex Heiutze.

doch eben erst, vor acht Jahren, eine allgemeine Schulreform durchgeführt worden. Vielleicht» ist die ganze Meldung zurückzuführen auf die Pläne, die neulich Staatssekretär Graf Posadowsky im Reichstage kennzeichnete: Zulassung der Abi­turienten der Realgymnasien zum Stubium der Heilkunde und dafür Vertiefung des lateinischen Unterrichtes in den oberen Riaffen dieser Schulen. Eine solche Maßregel könnte in geeigneter Weise nur gleichmäßig im ganzen Reiche eingeführt werden; ihre Einführung liegt also sicherlich noch im weiten Felde.

• Die Keform der Kise«öaH«-Iahr- gekder erscheint wieder einmal auf der Bild­fläche. Nach einer Zuschrift der .Deutschen Tageszeitung' will der preußische Eisenbahn­minister alle außerordentlichen Ver­günstigungen aufheben, also beispielsweise verlängerte Giltigkeit der Rückfahrkarten während des Sommers, ermäßigte Som.tagsfahrkarten und Aehnliches mehr. ®ie Personentarife sollen im allgemeinen um ein Drittel er­mäßigt, die Rückfahrkarten ganz be­seitigt werden. Das genannte Blatt sügt hin­zu: Wir geben diese Nachricht mit allem Vor­behalt. Das ist wohl auch nöthig.

x Die Dorkage «ver de« Ka» vo« Klei«vah»e« ist dem preußischen Landtage zu­gegangen — während der letzten Tagung ver­gebens erwartet, nunmehr mit erfreulicher Pünkt­lichkeit erschienen. Die Vorlage hat, wie vorher schon angedeutet wurde, einen stattlichen Umfang: sie umfaßt 5 Hauptbahnen, 15 Nebenbahnen und verlangt außerdem noch 4 Millionen für die Betheiligung des Staates an dem Bau einer Eisenbahn von Treuenbrietzen nach Neustadt a. Söffe und 20 Millionen zur Förderung des Baues von Rlein bahnen. Sie Gesammtforderung der Vorlage betragt 115,660,000 Mk. Sie 5 neu geplanten Hauptbahnen find folgende: Gleiwitz Emmannetsegen mit Abzweigung nach Antonienhütte (4,466,000 Mk.), Herford-Bünde (1,160,000 M.), Osterseld-Hammi. W. (18,200,000 Mark), Ganalgesheim-Münster a. Stein (Theil- strecke auf preußischem Gebiete 2,188,000 Mk.), Membach und Bischofsheim über Kostheim zur Ergänzung und Erweiterung der Bahnhofsanlagen bei Mainz (von Preußen zu bauender Theil 6,799,000 Mk.). Von den Nebenbahnen seien erwähnt: Rückers bis Reichsgrenze in der Grafschaft Glatz (4,843,000 Mk.), Münder a. Seifter nach Neundorf-Bad (2,190,000 Mk), Schwarmstedt-Wahnebergen (2,900,000 Mark), Vilbel-Höchst a. Nidder - Stockheim i. Hessen (2,829,000 Mk.), Finnentrop-Meschede mit Ab­zweigung nach Fredeburg (7,508,000 Mk.), Kob- lenz-Mayen (5,346,000 Mk.). Für die Bahnest von Gaualgesheim nach Münster a. St. und von Mombach nach Rostheim ist wegen ihrer militä­rischen Bedeutung eine Betheiligung des Reiches an den Baukosten mit 80 v. H. bezw. 60 v. H. vorausgesetzt. Für den Bau der Nebenbahnen rechnet man, wie gebräuchlich, auf eine ange­messene Betheiligung der Jntereffenten.

* Nach einer Mittheilung der deutschen Tele­graphenverwaltung ist die deutsche Strecke des Gekephons Karis-Aerlin fertig. Set ge- fammte Verkehr Berlin-Paris soll Ende Februar eröffnet werden. Sas Gespräch Paris-Berlin Mit ihren letzten Strahlen malte sie goldenen Purpur auf Berg und Wald und See, während sie im fernen Westen, wo Himmel und Wasser in einem Gluthmeer ineinander flössen, langsam in die Fluchen sank. —

Höher und höher stiegen die Schatten, bis zuletzt nur die Spitzen der Berge noch rosig er­glühten, bann verblaßten auch sie allmählich und grau und matt und färblo« lag die Welt.

Regungslos hatte der Wanderer auf der Höhe das majestätische Schauspiel betrachtet; nicht nur mit den Augen hatte er geschaut, seine ganze Seele hatte er niedergetaucht in diese Schönheit der Natur und jetzt erst, als er sich nach der Richtung des Weges umsah, gewahrte er, daß er nicht allein gewesen.

Wenige Schritt vor ihm stand ein Rrenz am Wege und an feinem Fuße lehnte eine schlanke Mädchengestalt. Weiche Falten eines hellen Ge­wandes umfloffen ihre Glieder und lichtbraune Locken umrahmten ein Gesichtchen von zartester Schönheit. Auch sie schien ganz versunken in den Anblick der Natur, aber sie erschrak nicht, als sie den Fremden nun plötzlich vor sich sah. Niit großen Veilchenaugen schaute sie unbefangen zu ihm auf und es gab sich ganz von selbst, daß er sie anredete.

„Ich bin fremd hier," sagte er, „und möchte nach Schloß Heimbach gehen, können Sie mir den Weg weisen, den ich nehmen muß."

„Sie haben es in wenigen Minuten erreicht," erwiderte sie freundlich. „Sas Sach mit beu Zinnen, das dort zwischen den Bäumen hervor­ragt, ist Schloß Heimbach. Gehen Sie hier den

Airs dem Landtage.

Asgeordneieuha«». — 9. Sitzung v. 24. Jan. 1900.

Am Ministertische hat sich der Lrndwirthschasts- minister v. Hammerstein eingefunden. Die zweite Berathung des EtatS wird beim Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung fortgesetzt.

Der kons. Abg. v. Meudek-Steinfels: So glänzend die allgemeine Finanzlage ist, so winzig erscheint das, was für landwirthschaftltche Zwecke in den Etat ein­gestellt ist. Für wisfenschaftliche Forschungen werdm nur 50000, für die Förderung der Viehzucht nur 60000 Mark gefordert. Zur Förderung der landwirthschaft­lichen Vereine find 30000, zur Hebung des Obstbaues 15000 Mark eingesetzt. Das find alles in allem nur 150000 Mk für praktische landwirthschaftliche Zwecke; und man kann wahrlich nicht sagen angesichts dieser Zahlen, daß unsere Wünsche beim Finanzminister Gehör gefunden haben. Um so eindringlicher müffen wir an den Minister die Mahnung richten, daß er nicht in dieser Weise fortfahren, sondern recht bald ein flottes Tempo einschlage auf dem Wege der Fürsorge für die Landwirthschaft. Die Lage der Landwirthschaft ver­schlechtert sich immer mehr: es muß ein Gesetz geschaffen werden zur strengen Bestrafung des Kontraktbruches, Sarne, bie in einem Lehnstuhle lag unb einen offenen Brief in der Hand hielt. Ein leichtes Lächeln umspielte ihren schönen Munb, während sie bie Zeilen überflog, und sie zu Ende gelesen, faltete sie das Blatt gelaßen zusammen und warf es auf den kleinen Tisch neben ihr.

Der alte Herr blieb vor ihr stehen, schaute sie vorwurssvoll an und sagte:

„Ich glaube, Isabella, du thätest bester daran, dir den Inhalt dieses Briefes wohl und weislich zu überlegen, statt ihn immer wieder, in deiner gewohnten, übermüthigen Weise bei Seite zu werfen."

Er hatte sehr ernst gesprochen; sie aber legte den Kopf mit den dunklen Flechten, die wie ein Diadem über ihrer Stirne lagen, auf die Lehne ihres Stuhles zurück und schaute lachend zu dem alten Herrn empor.

„Ich bitte dich, Papa, nimm die Sache nicht so furchtbar tragisch," sagte sie, „es ist eben wieder einmal Einer, dem es nach dem schönen Heimbach gelüstet, und da er das Erbe nicht haben kann ohne die Erbin, nimmt er diese halt mit in den Rauf.

„Nein, Isabella", sagte der Graf ernst wie vorhin, „du thust dem Grafen Arnold Unrecht mit deinem harten Urtheil. Nicht zeitliches Vor- theil bewog ihn um deine Hand zu werben und du hast ihn durch dein Benehmen während der letzten Monate zu den begründetsten Hoffnungen berechtigt."

„Hoffnungen!" rief Isabella und ihre dunklen Augen blitzten stolz „was habe ich ihm denn für Hoffnungen gemäht, Papa? ich habe ihm erlaubt

I Fuldaer;

mit Nuterhakümgs-Meilage „Mukrirle Sonntags-Zeitungs w‘Ä* *Äärw*