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JuLöcl, Dienstag, den 23. Januar 1900.
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27. Jahrgang.
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Deutsches Deich.
Berlin, 22. Januar.
O Imanzmtuifter von Miqnek muß noch boglBett hüten. Sein Befinden hat sich indessen gebessert. Das Fieber ist gewichen.
X Die Ikottenvorkage soll nach übereinstimmenden Berichten den Bundesrath noch diese Koche beschäftigen, so daß sie, wie in diesem Blatte bereits vor einigen Tagen berichtet wurde, etwa am Ende dieser Woche an den Reichstag gelangen könnte. Aus einer Quelle, die man für zuoerlässig halten kann, wird folgende Meldung verbreitet: „Die Bereitstellung der zur Alottennovelle erforderlichen Mittel soll der jährlichen Festsetzung durch den Reichshaus- Halts-Etat unterliegen. Als Gesammtkosten fürsechszehnJahre werden in der Begründung der Vorlage angegeben: 1) Anleihen im Betrage von 769 Millionen Mark, 2) eine durchschnittlich jährlicheSteigerung der außerordentlichen Einnahmen zu deckenden Marine-Ausgaben von elf Millionen Mark. Die jährlichen Ge- sammtaufwendungen für die Marine, ein schließlich Pensionen und Schuldzinsen sollen in annähernd gleichen Jahresraten von 169 Millionen Mark i. I. 1900 auf 323 Mill. Mark i. I. 1916 steigen. Es wird ausdrücklich betont, daß die Deckung der jährlichen Steigerung ohne neue Steuern erfolgen soll. Sollte sich dies in dem erforderlichen Umfange nicht ermöglichen lassen, so wäre vorübergehend der Anleihe- betrag zu erhöhen." So weit die Mft- theilung, die — wie erwähnt — vermuthlich aus zuverlässiger Quelle geschöpft ist. Sie hat auch den Anschein der Richtigkeit für sich. Zählt man nach dieser Mittheilung die Gesammtkosten der neuen Flottenvorlage zusammen, so gelangt man zu der Gesammtziffer von rund 1600 Millionen Mark, die bereits in diesem Blatte erwähnt wurde als der wahrscheinlich sich ergebende ganze Kostenbetrag aus der neuen Vorlage oder „Novelle", wie sie nun einmal Durchaus heißen soll. Abg. Trimborn hat am heutigen Montag auf die Gewitterwolken hin- gewiesen, die sich über diesem Reichstage zusammenziehen und aus denen leicht der Blitz der Auflösung herniederfahren könnte. Angesichts dieser neuen Mittheilung über die Kosten der Vorlage und namentlich über die Absicht der Reichsregierung, Anleihen in so hohen Beträgen zur Bestreitung dieser Kosten aufzunehmen, gewinnt die Wahrscheinlichkeit einer Reichstagauflösung wieder stark an Bedeutung. Gerade diese Absicht, eine Anleihewirthschaft von so riesigem Umfange zu treiben, wird ohne Zweifel im Reichstage auf sehr starken Widerstand stoßen. Man sollte meinen, daß auch der in Geldsachen so außerordentlich vorsichtige preußische Finanz- Minister v. Miquel seinen Widersprach erheben müßte gegen eine solche Pumpwirtbschast.
+ deutsche Segelschiff „Marie" war, wie berichtet, am letzten Freitag von den Engländern in der Räbe der Delagoa-Bai beschlagnahmt worden. Das Schrff halte, wie ebenfalls berichtet, nichts weiter wie Mehl von Australien nach Transvaal geladen; dieser Umstand an sich machte die Beschlagnahme unge-
Der Slrudelkopf.
Bokkserzählung von M. Sebaldus-Aug.Butscher.
22 ----— (Nachdruck verboten.)
Der Minister fuhr also unentwegt fort:
„Eine Persönlichkeit, die all die verschiedenen Eigenschaften besitzt, welche für derartig zerfahrene und verschimmelte Verhältnisie unbedingt nöthig sind, befindet sich mitten unter Ihnen und Sie brauchen nur zuzugreifen. Es ist der Herr Assistent Rauchschwalbe, dem die besten Zeugniffe zur 93er- sügung stehen, von dessen Amtstüchtigkeit Sie sich seit Jahren überzeugt haben, und der mein ganz besonderes Vertrauen hat. Er sei Ihnen empfohlen zur Wahl, die unbedingt genehmigt werden wird und den besonderen Verfall der Regierung hat. Sie werden mir vielleicht einwenden, daß diese Empfehlung eine Beeinflussung bkr Wahlfreiheit von oben sei, aber ich gebe Ihnen zu bedenken, daß die Neuzeit ganz andere Anforderungen stellt und Winkelstadt noch lange Ächt an der Spitze der Civilifation marschirt, trotz der Dichter, die so eigenartig ihren Pegasus leiten. Seine Erwählung" — setzte der Redner lächelnd hinzu — „dürste überdies vielleicht die Begründung eines Familienbundes bebeu en, der w gewisse Wunden des unter die Räuber Gefallenen wie der barmherzige Samaritan Wein Und Qel träufeln würde. Hat jemand etwas 'wzuwenden?" fragte er dann, indem er feine icharfen und blitzenden Augen Über die Ver- !?wmlung wandern ließ. Die Zuhörer wanden ach fast unter der Wucht dieser Ansprache und besonders die Anspielung, daß der hinterrücks
rechtfertigt, und so ist denn nach sofort erhobenem Proteste der deutschen Reichsregierung am heutigen Montag die Freigabe des Schiffes wieder erfolgt. Die britische Regierung hat an die Vereinigten Staaten von Amerika die Erklärung abgegeben, daß Nahrungsmittel nach einem feindlichen Lande verfrachtet, nur dann als Kriegskontre- banbe angesehen werden könnten, wenn sie für die Streitkräfte des Feindes bestimmt wären. Dies müßte aber auch unzweifelhaft erwiesen fein. Nach der Mittheilung eines franzöfischen Fachblattes haben mehrere Regierungen die deutschen Proteste gegen die Beschlagnahme deutscher Schiffe bei bet britischen Regierung unterstützt. Daß im übrigen die Beantwortung der Interpellation im Reichstage durch den Staatssekretär Grasen Bülow überall — ausgenommen allein in London — ihren vollen Beifall findet, beweisen die unzweideutigen Aeuße- rungen darüber, die sich überall in der Presse finden, in den Vereinigten Staaten von Amerika ebenso wie in Oesterreich-Ungarn, Rußland und Frankreich. Die Engländer mögen und werden nun hoffentlich auch daraus ersehen, daß ste durch ihr ungerechtes und unfteundliches Benehmen gegen die deutschen Schiffe fich wieder einmal in eine vollkommene Vereinzelung innerhalb der Kulturmächte versetzt haben.
a0 Einen bedeutsamen Isrtschritt in der Geweröe Inspektion beabsichtigt die preußische Regierung in diesem Jahre; in dem diesjährigen Etat werden nämlich Mittel verlangt, um die Gewerbe - Inspektoren von der bisherigen Ueber- wachung der Dampskeffel zu befreien und diese dem Central - Verbände der preußischen Dampf- keffel-Ueberwachungs-Vereine gegen Ueberlaffung der dafür einkommenden Gebühren zu übertragen. Diese Neuerung ist freudig zu begrüßen; in Württemberg waren schon mit dem l.Juli 1897 die bis dahin noch der Gewerbe-Aufsicht unterstellten Dampskeffel dem württembergischen Darnps- keffel-Revisions-Verein übertragen worden, und auch in Preußen war durch die am 1. April 1897 erfolgte Zuweisung der Schiffs - Dampfkessel und der Dampfkessel in landwirthschaftlichen Betrieben an die Üeberwachungs - Vereine für die meisten Bezirke eine nicht unwesentliche Entlastung der Beamten bewirft worden. Anderen Beamten, namentlich in gewerbereichen Gegenden, hatten die erwähnten Maßregeln die gewünschte, genügende Erleichterung nicht gebracht. So weist der Aufsichts-Beamte für Düsseldorf aus die im Jahre 1897 wieder eingetretene Zunahme der Dampfkessel - Prüfungs - Geschäfte hin; selbst im Duisburger Bezirke, welchem der größte Theil der Schiffskeffel unterstand, sei der Ausfall mehr als ausgeglichen worden durch die Aufstellung zahlreicher neuer Kessel in mehreren größeren industriellen Anlagen. Daß ein unabweisbares Be- dürfniß zu der oben erwähnten beabsichtigten Neuregelung vorliegt, geht u. A. aus der Mittheilung des Gewerbe-Inspektors zu Duisburg hervor, nach welchem dort im Jahre 1897 272 Tage ausschließlich und 191 Tage theilweise aufKeffel- Untersuchungen und nur 59 Tage ganz dem eigentlichen Gewerbeaufsichts-Dienste gewidmet werden konnten. Wie sehr schon durch die am 1. April 1897 erfolgte Aenderung bezüglich der Schiffs-
Angegriffene „unter die Räuber gefallen" fei, wollte ihnen nicht recht hinunter. Aber — sobald sie etwas darüber sagten, „kam es unter die Leute". Sie thaten daher alle, als hätten sie die harte Rede nicht verstanden. Der Assistent saß sehr würdig und doch bescheiden U'iter den weißen Häuptern, mit denen er es nicht verderben durfte. Sein Prinzipal aber kam zu der enbgiltigen Einsicht, daß es mit dem Minister und seiner Helene doch nichts sei und er sich unbedingt dem neuen Stern zuwenden müsse, wenn derselbe ihm nicht von dem Erzdemokraten, dem Doktor Schwertmann und der Verfertigerin der künstlichen Blumen weggeschnappt werden sollte.
Endlich sagte ei er der Räthe zwischen den halbgeöffneten Sippen hindurch:
„Er ist zu jung, deucht mich."
„Ja, ja, zu jung," murmelten einige nach.
„Ach was," meinte wegwerfend der Minister, „wenn Sie keinen anderen Einwand haben, so ist schweig»« besser, als reden. Er hat die Triebkraft der Jugend und die Umsicht der reiferen Jahre im schönsten Verein. Bei rechter Ausbildung machen die Jahre nichts. In seinem Alter war Pitt schon längst Minister."
„Mir geht etwas anderes im Kopfe herum," meinte ein anderer. „Es ist so eine Geschichte herumgeredet worden, als ob der Herr Assistent mit dem Doktor und feiner Tochter angebandelt habe, und es soll nicht ganz sauber dabei hergegangen sein. So etwas paßt uns nicht, und wenn vielleicht ein Erzdemokrat auf den Thron käme, würde das den Winkelstädtern in die Nase stechen."
kessel 2c. eine Entlastung eingetreten ist, die dem Ausstchtsdienste zu gute kam, erhellt schon daraus, daß die Revifions-Thätigkeit sich für den Bezirk Posen z.B. 1897 um 50 pCt. erhöhte, während die Zahl der Dampfkessel-Untersuchungen dort von 1421 auf 495 zurückging. Fast allgemein wird 1897 aus den preußischen Bezirken eine Steigerung der eigentlichen Revisionen mitgetheilt. Die neu geplante Maßregel wird gewiß eine weitgehendere Revisions - Thätigkeit ermöglichen und die Segnungen der Schutzgesetzgebung dem Arbeiterstande in erhöhtem Maße zu Theil werden lassen. Hoffen wir, daß diesem Schritte eine bedeutende Vermehrung der Aufsichts - Beamten, sowie eine Anstellung von Aerzten und Assistentinnen in der Fabrik-Inspektion bald nachfolgen wird.
* Dresden, 22. Jan. Der Kohlenmangel in Folge des Streiks macht sich hier bereits bemerkbar. Der Rath sieht sich ge- nöthigt, den Betrieb des Licht- und Kraftwerkes einzuschränken, wodurch der Verkehr der elektrischen Straßenbahn und die elektrische Beleuchtung betroffen werden. Eine Reihe von Schulen soll geschloffen und die Schüler in den wenigen Schulen, welche weiter gehalten werden, bei beschränkter Unterrichtszeit unterrichtet werden. Der Raum in den Schulen läßt kein An- sammeln von Vorräthen zu. Die Stadt hat noch aufgetauft, was aufzukaufen war. Die vorhandenen Borräthe reichen noch etwa eine Woche.
Aus dem Reichstage.
•O 132. Sitzung vom 22. Jan. 1900.
Am BundesrathStische hat Staatssekretär Graf Posadowsky Platz genommen. Auf der Tagesordnung steht die erste Berathung der Novelle zu den Unfallversicherungs-Gesetzen.
Abg. HrtmSor« (Centr.): Die Vorlagen entsprechen im wesentlichen den Borschlägen der Kommission, die dieselben Borlagen vor drei Jahren durchberathen hat. DaS spricht für die Weisheit der Regierung, aber auch für di« Ihrer Kommission. (Heiterkeit.) Erfreulich ist es vor allen Dingen, daß die Versicherungspflicht auf eine Reihe vpn Gewerben ausgedehnt iwerden soll, die die Kommission damals ebenfalls einbezogen hatte. Erfreulich ist weiter die Berücksichtigung weiterer Kreis« beim Rentenanspruche und dir Ermöglichung einer höhern Rente. Für gewiffeFälle der dauernden Arbeitsunfähigkeit sollte man indessen eine weitere Erhöhung der Rente von 662/s auf 100 Prozent eintreten lassen. Ich werde in der Kommission einen solchen Antrag stellen, obwohl ich mir wenig Erfolg davon verspreche. Die Novelle bringt sodann eine wesentliche Vermehrung der Unfall-Schiedsgerichte mit sich. Dann werden manche der gegenwärtigen Uebelstände beseitigt werden, zu bedauern ist aber, daß man bei diesen Schiedsgerichten nicht, entsprechend den Vorschlägen der frühern Kommission, eine Vermehrung der Vertrauensmänner für die Aerzte vorgesehen hat, bei denen die letzteren sich Gutachten einholen können. Es wäre auch erfteulich gewesen, wenn man den örtlichen Unterbau der neuen Invalidenversicherung dienstbar gemacht hätte Das läßt sich vielleicht noch nachholeu. Gut ist es, daß das Rekurs! echt in den neuen Vorlagen unversehrt geblieben ist. Der Rekurs gehört zu den Dingen, die sich nicht wieder nehmen lassen, wenn ste einmal gegeben sind. Die Karrenzzeit hatte Ihre Kommission so vorgeschlagen, daß die Behandlung auch von der fünften bis zur dreizehnten Woche den Krankenkassen verbleiben solle, daß aber die Berufsgenossenschaften beit Krankenkassen dafür eine Entschädigung zahlen sollten. Es würde zu erwägen sein, ob wir nicht auch das in die neue B r- lage hineinbringen können Auf dem Gebiete der Schutz-
Der Assistent warf dem Ankläger einen lächelnden Seitenblick zu und sagte dann mit Würde: „Hierüber dürfen Sie ruhig sein. Wenn mich Ihr Vertrauen auf den ehrenvollen Posten beruft, fo gürte ich mir ein anderes Schwert um. Uebrigens werden jene albernenGerüchte bald ihre Berichtigung erfahren. Seine Exzellenz sind genau unterrichtet und wissen, daß an jener gedankenlosen und ehrenrührigen Beschuldigung und an der Ausschmückung eines harmlosen Vorganges kein wahres Wort ist. Wenn wir auf Altweibergewäsch nur eine Prise Schnupstaback gäben, so hätten ich und der „Strudelkopf", mit dem nicht zu fpaffen ist, längst geklagt und den alten Weibern ein Licht auf gesteckt."
Der Minister nickte energisch und sagte dann wegwerfend:
„Bei derartigen Lappalien können wir uns hier nicht enthalten. Seine Hoheit wünscht in einer halben Stunde Winkelstadt den Rücken zu wenden. Wir rürfen, wie ich denke, die Angelegenheit vorerst als erledigt betrachten."
Damit packte er feine Akten zusammen und schien ebenfalls gern den Winkelstädter Staub von sich zu schütteln.
Aber er hatte die Rechnung ohne den Wirth gemacht, nämlich den Wirth zum „Eisernen Ritter", der Obmann des Bürgerousschusses war und sich jetzt mit einer Würde erhob, die ihm ungemein schlecht stand.
Er war schon seit Mittag giftig, weil er durch die „Hungerleiderei" — wie er es bei fich benannte — der hohen Herren um einen fetten Bissen gekommen war, und schon lange vorher,
Vorschriften für Leben und Gesundheit sollte man den Berufsgenoffenschaften größern Spielraum geben. Alles in allem stehen wir der Vorlage freundlich gegenüber. Die Mitglieder der neuen Kommission mögen indessen bedenken, daß schwere Gewitterwolken über diesem Reichstage fich zusammenziehen, aus denen eines Tages plötzlich der Blitz der Auflösung herntederfahren könnte. Allerdings ist es ja auch möglich, daß das Gewölk sich wieder verzieht. Auf jeden Fall bitte ich die Mitglieder der Kommisfion: arbeiten Sie flott, damit das Gesetz in Sicherheit komme! Ich beantrage zur Vorberathung der Vorlage eine Kommisfion von 21 Mitgliedern einzusetzen.
Der kons. Abg. Ireiüerr v. Aichttzofe« erklärt fich ebenfalls mit dem Gesammtplan der eingebrachten Vorlagen einverstanden, obwohl die Vermehrung der Schiedsgerichte die Landwirthschaft nicht unerheblich belasten würde. Bei der Unfallfürsorge für Gefangene will Redner eine Bevorzugung der gefangenen vor den freien Arbeitern vermieden wissen.
Auch der wildlib. Abg. Aoestcke-Deffau erkennt an, daß die Regierung die Vorschläge der Kommisfion von 1897 berücksichtigt hat und sich nicht betinfluffen ließ von den dagegen erhobenen Einwänden des Centralverbandes der deutschen Industriellen. Redner bedauert gleich dem Abg. Trimborn, daß die örtlichen Rentenstellen der Invalidenversicherung nicht auch der Unfallversicherung dienstbar gemacht werden sollen. Die Rekursfrist möchte Redner verlängert sehen. Mit der Ausdehnung des Verficherungszwanges ist Redner einverstanden. Die Regelung der Karrenzzeit hält Redner nicht für beftiedigend; die Erhöhung von Renten für völlig hilflose Personen wünscht auch Redner ebenso wie der Abg. Trimborn. Zum Schluffe gibt auch dieser Redner der dringenden Hoffnung Ausdruck, daß die Vorlage noch in dieser Tagung verabschiedet werde.
Der sozd. Abg. Stadthage« spricht von einem „bischen Sozialpolitik", das die Reichsregierung treibe, und das die „tiefe Mißstimmung" nicht werde beseitigen können, die angeblich unter den deutschen Arbeitern über unsere Zustände herrschen soll. Hier wolle man nun wieder den Arbeitern ein „lumpiges Almosen" bieten, während die Großgrundbesitzer von neuem durch die Vorlage bevorzugt würden. Nach der Ansicht des Redners soll auch in diesem Falle die Regierung wieder allerhand Verbeugungen vor Herrn v. Stumm gemacht haben und vor dem Centralverbande der deutschen Industriellen. WaS Herr v. Stumm vor drei Jahren in der Kommission des Reichstag s bekämpft habe, das sei in entsprechender Weise abgeändert oder Herausgelaffen worden. Die angekündigten Berbefferungs-Anträge würden ja doch nicht durchdringen. — Im Gegensätze zu dem Redner macht
Staatssekretär Graf ^osadomokq darauf aufmerksam, daß die anderen Redner alle die Berücksichtigung der früheren Kommisfionsbeschlüffe anerkannt haben. Die bürgerlichen Patteien würden ohne Zweifel einig darin sein, daß die Reichsregierung die Strafpredigt des Herrn Stadthagen nicht verdiene. (Sehr richtig! rechts.) Manches, das gibt Redner zu, bleibe noch zu wünschen übrig. Aber die verbündeten Regierungen hätten sich Beschränkung auferlegen müssen, um nicht das Ganze zu gefährden Der Staatssekretär schließt mit dem Wunsche, die Vorlage möchte recht bald zum,Ge- setze werden.
Am DienStag wird die Berathung fortgesetzt.
A«s dem Landtage.
•<!#> AVgeorduete«ha«L. — 7. Sitzung v. 22. Jan. 1900.
Am Ministertische hat sich Minister des Innern, Frhr. von Rheinbaben, eingefunden. Auf der Tagesordnung steht zunächst der von den Abgeordneten Dr. Barth (freis. Bei.) und Dr. Wi emer (freis. Vp.) eingebrachte Antrag auf neue Eintheilung der preußischen Wahlkreise. Der Antrag geht dahin:
„die königliche Staatsregierung zu ersuchen, eine „Abänderung des Gesetzes vom 27. Juni 1860, betr. „die Feststellung der Wahlbezirke für das Haus der „Abgeordneten, und des Gesetzes vom 17. Mai 1867 „entsprechend den in den letzten 40 Jahren eingetrete- „nen Verschiebungen der Bevölkerung in die Wege zu „leiten".
Die Begründung des Antrages besorgten die Abgg. Dr. Aarth von der freis. Vereinigung und Dr. weil der Assistent das Bier im „Lustigen Hansel" besser sand als bei ihm.
Mit einem fieberhaften Lächeln auf den wulstigen Sippen bemerkte er mit Nachdruck:
„Ich muß mich groß wundern, daß die Herren etwas vergessen haben, was nach meiner Ansicht der Sache gleich das richtige Gesicht gibt. Auch die Herren von der Regierung scheinen das Übersetzen zu haben, wenn sie sich auch mit dem eigenen Wein erleuchtet haben, weil sie dem meinigen nicht trauten. Mit dem Assistenten kann es in alle Ewigkeit nichts werden, weil er ja hier fremd ist Eine Erwählung würde ja alle alten Ordnungen über den Haufen werfen. Es ist noch nie ein Bürgermeister von Winkelstadt von auswärts gekommen, und unsere Altvordern würden fich bei einem solchen Mißgriff im Grabe umdrehen. Da behalten wir am Ende lieber den alten, der meinen Wein nicht verachtet."
Das ging den weisen Mannen von Winkelstadt wie Oel ein, und der Bürgermeister blickte triumphirend auf den Minister und den Assistenten, während die anderen beifällig murmelten.
Aber jetzt fuhr der Minister in hellem Zorne auf und rief, indem er mit der Hand auf fein Aktenbündel schlug:
„Hat man je seit Menschengedenken eine solche Bornirtheit gehört? Was? Weil er nicht von hier ist, soll dieser tüchtige junge Mann, der dem Amte völlig gewachsen ist, während nach genauer Erkundigung kein einziger Bürger „von hier" ihm das Wasser bieten kann, beiseite geschoben werden? Solle« denn diese verrotteten Vorur- theile hier in alle Ewigkeit verknöchern? Das Talent und die Tüchtigkeit haben vor allem die