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J. p-rzell«» te Jetta. mit Unterhaltungs-Beilage „,

27. Jahrgang.

9 Regierung, Sozialreform und Sozialdemokratie.

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Die Sitzung des Reichstages am letzten Frei­tag war nicht allein interessant wegen der An­frage nach den Schritten der Regierung gegen bie Beschlagnahme deutscher Schiffe durch die Engländer. Auch der zweite Theil der Sitzung, : als der Etat des Reichskanzlers zur Berathung stand, hat sehr wichtige und intereffante Aus­einandersetzungen gebracht.

Herr von Ratborff, der ergraute, aber immer noch rüstige und bewegliche Vordermann bet Freikonservativen, brach eine Lanze gegen den Reichskanzler und gegen deffen Stellvertreter, den Staatssekretär Grafen Pofadowsky; aber er hatte weder den Erfolg noch die Lacher auf seiner Seite. Nicht einmal diejenigen zollten ihm Bei- ' fall, um deren schöner Augen willen er gewappnet auf dem Turnierplätze erschien: „Der Abg. von Rardorff — so wird dieser von der ,Kreuz-Ztg.' | abgekanzelt — der zuerst zum Etat des Reichs­kanzlers sprach, hatte offenbar keinen ganz glücklichen Tag." Und dieselbe ,Kreuz-Ztg.' gibt sogar zu, daß Herr von Ratborff auch in der Sache geschlagen würbe von bem Staats­sekretär Grafen Posabowsky: „In ziemlich scharfer Weife — so urtheilt bas genannte kon­servative Parteiblatt — wehrte sich Graf Posa- dowsky gegen bie Rardorff'schen Angriffe. In der Hauptsache können wir babei bem Herrn Staatssekretär die Richtigkeit seiner Ausführungen nicht abstreiten."

l Das Intereffante an der ganzen Sache ist, daß es sich bei diesem Redeturnier vornehmlich um die Sozialdemokratie handelte und um die Art, wie diese am besten zu behandeln und am erfolgreichsten zu bekämpfen sei. Herr von Ratborff gehört zu ben heißspornigsten unter denjenigen Geistern, bie ber Sozialdemokratie am liebsten mit Blut und Eisen den Garaus machen möchten; die sich nach dem „starken Manne mit den wenig empfindlichen Nerven" sehnen, der das Ungeheuer ganz einfach an der Gurgel fassen und erwürgen sollte. Und ba nun bie Regierung in bestimmtet unb klarer Weise auf bie vielen An­zapfungen aus ben Reihen ber Rechten heraus in biefem Sinne noch nicht geantwortet hatte, glaubte Herr von Ratbotff augenscheinlich, gerabe hier nicht sich ben Lorbeer erobern zu können. „Konnivenz gegen bie Sozialbemokra- tie" — Nachgiebigkeit gegen Revolution unb Umsturz machte Herr von Rarbotff ber Regierung zum Vorwurfe!

Reichskanzler Fürst Hohenlohe selbst nahm den Handschuh auf. In der vielleicht längsten Rede, die er bisher als Reichskanzler gehalten hat, sagte er unter anderem: „Ich halte den Aus­druck, den ich neulich einmal gelesen habe, für einen sehr weißen, daß die Sozialdemokratie eine vorübergehende Erscheinung sei. Dagegen kann ich das Gegentheil der Weisheit in den Hamburger »Nachrichten" finden,' welche ver­langen, daß die Regierung der Sozialdemokratie an die Gurgel springen solle, um sie zu erwürgen." Damit hat Fürst Hohenlohe die Zumuthungen, Gewaltmaßregeln gegen die Sozialdemokratie zu brauchen, ganz 'klar und bestimmt zurückgewiesen

Der StrudelKopf.

Bollserzählung von M. SebalduS-Aug.Butfcher. 21 ........ .. - (Nachdruck verboten.)

Mit einer Schneidigkeit, die dem Beherrscher von Winkelstadt geradezu phänomenal erschien, machte ihm ber Minister ben Standpunkt klar; es war eine Mohrenwäsche, bie an ber Gründ­lichkeit nichts zu wünschen übrig ließ.

Immer kleiner würbe ber Gemaßregelte unb seine Füße immer zitternber. Er mußte sich setzen unb zuletzt schossen ihm bie Hellen Thränen über bie feisten Backen.

So etwas wäre ihm im Traume nicht einge­fallen. Was, in bem gleichen Zimmer, inbem er so oft seinen gemüthlichen „S bafskopf" gekartet hatte, würbe er so ungewöhnlich als Schafskopf Eingestellt unb auf unerhörte Weise abgekanzelt!" Die Sinne versagten ihm ben Dienst so gut wie die ©liebet, unb schließlich sagte er mechanisch "Ja" zu allem unb so oft sein Peiniger es haben wollte. Zu einer einzigen Bemerkung raffte et sich empor, indem er sagte:

..Aber in poetischer Beziehung habe ich mir doch einige Verdienste erworben. Was ich im "Treumund" gebracht habe, hat allerseits Beifall gefunden, ober, was noch mehr heißen will, ben Jwib meiner Wibersacher erregt. Lesen Exzellenz n>»r meine „Sternschnuppen", unb es wird Ihnen wie Schuppen von den Augen fallen."

„Sancta simplicitaa", erwiderte mit einem wtnigen Auflachen ber Minister — zum Glück oerstanb bet Gemaßregelte fein Latein — unb «Uhr bann fort:

und 'außerdem in unmittelbarer Form den Aus­spruch des Kaisers bestätigt und durch seine Person gedeckt, daß die Sozialdemokratie als eine vorübergehende Erscheinung zu betrachten unb zu behandeln sei.

Dann aber hat Staatssekretär Gras Posa­bowsky bieses Thema aufgegriffen unb weiter ausgesponnen, und die Art, wie er das gethan hat, verdient den vollen Beifall aller einsichtigen Politiker. Sehr treffend kennzeichnete der Staats­sekretär die Entstehung der Sozialdemokratie: bie ersten Ursachen biefer Entstehung liegen auf bem wirthfchaftlichen Gebiete; erst nach­träglich hat sich bie politische Verhetzung einzelner Agitatoren bes vorhanbenenStoffes bemächtigt unb für ihre Zwecke ausgebeutet; unb sehr viele Leute, bie heute mit ber Sozialdemo­kratie gehen, sind gor nicht Sozialdemokraten. Unzufriedenheit mit ihrer Sage macht sie zu Mit­läufern der Sozialdemokratie; wiederum also sind es wi rthsch östliche Umstände, die solche Leute dazu bringt, sozialdemokratischen Agitatoren bei einer Wahl ihre Stimmen zu geben. Um nun die Sozialdemokratie zu bekämpfen, muß die Re­gierung das Uebel an der Wurzel anfassen: „Gegenüber dieser Bewegung," so sagte Graf Posabowsky, „muß eine kluge Regierung zunächst produktiv zu wirken suchen, und, meine Herren, das ist der Standpunkt der Kaiser!. Erlasse: Wir müffen das Menschenmögliche zu thun suchen, das Loos der arbeitenden Klas­sen zu heben, die irre geleiteten Massen von ihren Führern zu trennen und so ben irre gelei- teten Massen bas Bewußtsein beizubringen, baß nicht bie Agitation ihnen helfen kann, fonbern nur bie bestehende Staatsorbmmg unb bie bürger­lichen Parteien."

Eine beutlichere Absage mit Worten an bie Scharfmacher unb ihre Rath­schläge als biefe kann man sich kaum denken und dem Herrn Staatssekretär muß man auf­richtig Glück wünschen dazu. Auch von ben kaiserlichen Erlassen hat man Männer ber Re­gierung lange nicht mehr reben hören. Vielleicht ist es auch das leise Wehen eines sozialpolittschen Morgenlüftchens in ben oberen Schichten ge­wesen, bas bem Freiherrn von Stumm bas beutsche Klima ungemüthlich gemacht unb ihn veranlaßt hat, für mehrere Monate bie Gefilde Italiens aufzusuchen? Möge das fein, wie es wolle. Der Reichskanzler und fein Stellvertreter haben am letzten Freitag vortreffliche Worte ge> sprachen und allen aufrichtigen Freunden des Volkes und des Vaterlandes bleibt nur noch zu wünschen und dahin zu wirken, daß ben vor­trefflichen Worten nun auch in aller Zukunft bie sozialpolitischen Thaten unb ber nöthige Nachbruck in ber Verwirk­lichung biefer Worte folgen möchten. Bisher hat es baran bekanntlich mitunter gefehlt!

Deutsches Deich.

Berlin, 20. Januar.

• Anläßlich ber Feier des Hrderrsfestes hatten sich heute (Sonntag) bie hier anroefenben Personen, benen bet Kaiser Orden- unb Ehren-

„Das eben ist ein Fluch unserer heutigen Literatur, baß in ber Winkelpresse bas Lumpen­zeug Trumpf ist — es fällt mir fein anstänbigerer Ausbruck ein. Immerhin mag bie sonderbare Geistesverwirrung, der Sie verfallen sind, als mildernder Umstand gelten, und ich werde Ihnen die Sache so leicht wie möglich machen. Kommen Sie, die Leute warten."

Damit zog er den Halbbetäubten vom Stuhle empor und ging mit ihm davon. Mühsam hielt sich dieser aufrecht und fein verstörtes Gesicht ließ bei den gaffenden Leuten auf der Straße bie Bemerkung wie einen Windhauch entstehen:

„Dem muß auch etwas über die Leder ge­krochen fein, man meint in feinem fleckigen Gesicht noch bie Kirschensteine zu sehen, mit benen ihn bie großen Herren geschmissen haben."

Der atme Sünbet sagte nichts, hatte aber sehr rebellische Gedanken, wobei der Minister nicht gut wegkam.

„Das ist ja einer von ber siebenten Bitte. Was — Lumpenzeug — gerabe wie ber Doktor Schwert­mann — Geistesverwirrung — es ist ja zum AnSberhantfahren! Das ist selber ein Erzbemo- krat, wenn er auch Minister ist, unb daß er aus einem Bauernhause stammt, kann er mit seinen feinen Hanbschuhen nicht verbergen. Und bem sollte ich meine Tochter geben? Fällt mir im Traume nicht ein. Er hat zwar nichts bavon verlauten laffen, aber ich hätte vielleicht nur eine Anspielung machen dürfen unb er wäre wie ein umgekehrter Handschuh gewesen. Aber unsereiner hat auch seinen „Geist", er kann warten, bis ich mich so west hetabwürdige.

Der böse Minister wartete übrigens gar nicht,

zeicheu verlieh, im königlichen Schlöffe ver­sammelt. Dieselben empfingen von der General- Ordens - Kommission die für sie bestimmten Dekorationen, worauf bie neu ernannten Ritter unb Inhaber königlicher Orden in den Ritter­saal, bie Inhaber des allgemeinen Ehrenzeichens nach bet Schloßkapelle geführt würben. Das Kaiserpaar begab sich mit ben Prinzen unb Prinzessinnen des königlichen Hanfes nach bem Rittersaale, wo bie bei bem diesjährigen Fest er­nannten Ritter und Inhaber von Orden vot- gestellt wurden. Hierauf fand in ber Schloß­kapelle Gottesbienst und nach demselben im Rittersaale Galatafel statt, bei welcher ber Kaiser einen Toast auf bas Wohl ber neuen unb ber älteren Ritter ausbrachte. Nach Beenbigung ber Tafel begaben sich bie hohen Herrschaften in ben Rittersaal, wo ber Kaiser viele ber getabenen Persönlichkeiten durch Ansprachen auszeichnete. Es haben u. A. erhalten: Das Großkreuz bes Rothen Adler - Ordens mit Eichenlaub unb Schwertern am Ringe General von Bock unb Pollack, ber lommanbirenbe General des Gardekorps; den Rothen Adlerorden 1. Klaffe mit Eichenlaub Dr. von Oehlschläger, Präsident des Reichsgerichts und Vizeadmiral Thomsen; ben Stern zum Rothen Adlerorben 2. Klaffe mit Eichenlaub von Kiberlen- Wächter, Gesanbter zu Bukarest unb Graf von Plessen, Gesanbter zu Athen; ben Rothen Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub Dr. Faber, General-Superintendent zu Berlin, Freiherr von Ketteier, Gesandter zu Peking, Prinz von Ratibor, Gesandter zu Weimar und Baron Zorn von Bullach, Unterstaats- fetretär in Straßburg im Elsaß; den Rothen Adlerorben 2. Klaffe Prof. Dr. Enneccerus zu Marburg, Alexanber Prinz zu Hohenlohe- Schillingsfürst, Bezirks-Präsibent in Colmar, von Puttkamer, Gouverneur zu Kamerun; ben Rothen Adlerorden 4. Klaffe Reichstags- Abgeorbneter, Rittergutsbesitzer von Sa lisch; ben Äronenorben 1. Klaffe Magdeburg, Präsident ber Oberrechnungskammer in Pots­dam unb Freiherr von Thiel mann, Stdats- fetretär im Reichsschatzamte; ben Rtwtenorben 2. Klaffe Reichstags-Abgeordneter Graf Arnim, unb Dr. von Buchka, Direktor ber Kolonial» Abtheilung des Auswärtigen Amtes.

O Die Ikottenvorkage soll nach ber Melbung eines Berichterstatters ber ©egenftanb ber Berathung gewesen sein in einer Sitzung, die am letzten Samstag Nachmittag das preußische Staatsministerium abgehalten hat. Dem Bundesrathe liegt der Entwurf vor. Wenn jene Meldung richtig wäre, dann könnte nicht gut, wie anfänglich angenommen wurde, ber Bundes­rath schon fertig mit seiner Berathung der Vor­lage sein. Vielleicht wird dies absichtlich um einige Tage verzögert der äußeren Form wegen, damit es nicht so aussehen soll, als sei der Bundesrath gar nicht erst in eine eigentliche Berathung des Gesetzentwurfes eingetreten. Nach einer vereinzelt« n Meldung wird der Ausschuß des Bundesrathes für das Seewesen, dem die Flottenvorlage ord­nungsmäßig zur Vorberathung zugegangen ist, am Montag eine Sitzung abhalten, in der er mit der Berathung fertig zu werden gedenkt. Am sondern schritt eilig fürbaß, bis sie vor dem Rath­hause mit dem Assistenten zusammentrafen, der nicht mehr wußte, wo er seine Augen hinwenden sollte. In dem düsteren Gemache, das der dort seit Jahrhunderten auf gespeicherte Geist noch nicht zu erhellen vermocht hatte, war der hohe Rath versammelt und wartete der Dinge, bie ba kom­men sollten. Die Sache war übrigens schnell er» lebigt, ber Minister schien zubem wie ber Fürst heute Morgen keine Zeit übrig zu haben.

Er hielt folgenbe Ansprache:

„Meine Herren! Sie haben in einer Eingabe an bie Regierung einstimmig barauf angetragen, eine Amtsuntersuchung gegen den derzeitigen Bürger­meister dieser Stadt einzuleiten, die nach Ihrer Annahme unbedingt seine Entlassung herbeiführen müffe, ohne übrigens Ihre Beschwerbepunkte ge­nügend zu b> gründen. Es ist bas, gelinde gesagt, eine etwas sonderbare Zumuthung, die bei ber beobachteten Heimlichkeit unb ber ziemlich ober­flächlichen Beweisführung kein sehr günstiges Licht weber auf Ihre Geschäftskenntniffe noch auf Ihren Charakter wirft. Einen Wibersacher ober unbe­quemen Vorgesetzten aus bem Hinterhalte angreifen, ist nicht sehr löblich, unb ber Angeschuldigte hätte bas Recht, Punkt für Punkt möglichst zu entkräf­ten. Es hätte ihm bas wenigstens eine „Galgen­frist" gegeben, unb bei ber nun einmal gesetzlichen Lebenslänglichkeit wäre es vielleicht schwer ge­worben, ihn aus bem Sattel zu heben. Der also Ueberfallene ist aber derart empört über ben ihm gestellten Hinterhalt, baß er einen raschen durch­greifenden Entschluß gefaßt hat. Weil er zugleich einsieht, daß nicht Alles ist, wie es fein sollte, unb er auch in einem Alter steht, wo man sich

Dienstag soll bann nach betreiben Meldung der Bundesrath in einer außerordentlichen Sitzung bie Flottenvorlage verabschieden. Die Kosten, bie bie Ausführung ber Vorlage verursachen würbe, sollen nach derselben Meldung nicht weniger als 1600 Millionen Mark be­tragen. Noch vor wenigen Wochen sprach ber Reichsschatzsekretär von etwa 780 Millionen — fürwahr, bie Flotte reitet schnell!

+ Die englische Bresse äußert sehr ver­schieben über bie Beantwortung ber Möller'schen Interpellation burch ben Staatssekretär Grafen Bülow. Die liberale »Daily News' äußern sich barflber in sehr freundlichem Tone. Weniger liebenswürbig behandelt der konservative.Stand­ard' ben Grasen Bülow. Aber ganz nnliebens- würbig unb sogar unverschämt ist bie Sprache ber .Times'. Nur Überraschung und Bebauern" könne nach ber Ansicht dieses Blattes bie Ant­wort bes Grafen Bülow in England Hervorrufen. Beide Blätter kommen darin überein, daß Eng­land fein Recht auf Durchsuchung der Schiffe niemals aufgeben könne; und wirklich trifft gleichzeitig mit ben Telegrammen über bie Son» boner Zeitungsäußerungen bie Nachricht ein, daß wiederum ein deutsches Schiff beschlagnahmt worden ist: das deutsche Segelschiff „Marie"' von Australien kommend und mit Mehl für Transvaal geladen. Und babei hat England so­eben erst in einem anderen Falle, in dem es sich um ein amerikanisches Schiff handelte, ausdrück­lich zugegeben, daß Mehl nicht als Kriegs- fontrebanbe zu behandeln sei. Wenn es sich mit ber Beschlagnahme ber „Marie", über bie bisher noch wenig Nachrichten vorliegen, wirklich so verhält, wie diese ersten Meldungen berichten,' bann wirb es schwerlich möglich fein, biefe Thatsachen in Uebereinftimmung zu bringen mit ben Zusicherungen bes leitenden englischen Ministers Sorb Salisbury, wie sie vom Grasen Bülow am letzten Freitag im Reichstage gekenn­zeichnet worben sinb. — In parlamentarischen Kreisen erzählte man sich, wie schon telegraphisch gemelbet, bie Schadenersatzansprüche für ben von ben , Englänbern aufgebrachten Post- bampfer „Bunbesrath" seien auf 430000 Mark bemessen worden. Vorläufig aber kann von einer bestimmten Abschätzung dieser An­sprüche naturgemäß noch gar nicht bie Rebe sein; benn in so kurzer Zeit kann unmöglich von ber Rheder« eine genaue Aufstellung ihrer Schadenersatzansprüche gemacht werden.

h Die neue Kinlheikung der preußischen Wahkkreise nach dem Anträge, den bie Frei­sinnigen im preußischen Abgeorbnetenhause ein­gebracht haben, ist nicht nach bem Sinne ber preußischen Regierung. Wenigstens erscheint in einem halbamtlichen Organ eine Runbgebung in biefem Sinne, bie barauf hin­weist, baß „ein solches Vorgehen Preußens vor­aussichtlich ben Anstoß zu einer entsprechenben Maßregel im Reiche geben würbe unb daß bem zu Folge für bie Entschließung in Preußen bie Rücksichten auf das Reich unb feine Bedürfnisse besonders sorgfältige Beachtung erheischen. So lange Deutschland in der Sozialdemokratie eine Richtung bekämpfen muß, welche auf die Zerstörung der Grundlagen feiner Existenz aus­

mehr den schönen Künsten als dem Alltagshader zuwendet — was ihm bei seinem Vermögen leicht gemacht ist — so ist er Ihrem immerhin anfecht­baren Ansinnen zuvorgekommen und hat feine Entlassung genommen. Es gereicht ihm das nicht wenig zur Ehre, denn er besitzt einen derartig ausgebildeten SokalpatriotismuS, baß er gern einem anbern ben Platz räumt, ber jünger und vielleicht auch geroanbter ist unb das Wohl ber Stabt nach innen unb außen — und bas thut wahrlich noth — energisch fördert. Er legt also nach erfolgter Neuwahl, die nicht lange auf sich warten lassen wird, bie Zügel ber Ortsregiervng gelassen in anbere Hänbe."

Der Bürgermeister war mit jedem Worte ge- wachsen und fast bis zur Geistlosigkeit verblüfft. Das waren ja goldene Brücken, über die er feinen Rückzug nehmen konnte, und er ging wieder ernst­lich mit sich zu Rathe, ob er nicht doch am Ende dem gewandten und schneidigen Redner, der feine hinterlistigen Feinde wie Kraut und Rüben zu- sammenschnitt, feine Tochter zuwenden solle.

Der große Rath war ebenso verblüfft, und der Bürgermeister, der eilten so wohlgedeckten und gut vertheidigten Mckzug nahm, saß fast wie ein Sieger unter den heimtückischen Stadtvätern, von denen jetzt an den Tag kam, was sie bei Nacht unter den stirnwärmenden Schlafmützen aufgeheckt hatten. Aber Niemand sagte ein Wort, und auch der ebenfalls hoch überraschte Assistent konnte nur stumm die Hand seines Prinzipals drücken, dem „die Ehr unb das alternde Haupt" so fürsorglich in wohlgeölte Umschläge gebettet wurden.

(Fortsetzung folgt.)