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mit Anterhaltungs-Meikage „Musirirte Sonntags-Zeitung" petersgaAe Nr. 2 tDanuome).

Jul'öcr, Samstag,

Zweites Wtcrtt. l

Wochen-Rutidschau.

iNachdruck verboten.)

+ Fulda, 20. Januar.

Die neue Flotten-Vorlage ist unterwegs, vielleicht schon an den Reichstag gelangt, wenn der Leser diese Zeilen zu Gesicht bekommt. Sie kommt früher, als man vorher angenommen hatte; es scheint, als habe man von oben herab „etwas mehr Dampf" kommandirt, denn man will vermuthlich nicht die Stimmung ungenützt vorübergehen lassen, die durch die ungerechtfertigte Beschlagnahme deutscher Schiffe durch die Engländer erregt worden ist. „Flottenbe- geisterung — so schrieb in diesen Tagen ein westdeut­sches Blatt, das im Dienste der Kanonenfabrik Krupp arbeitet —ist keine Waare, die man einprökeln kann. Man sollte darum das Eisen schmieden, so lange es warm ist." Das Blatt meint, es bestehe jetzt Flotten­begeisterung wegen der Uebergriffe ter Engländer — aber selbst konservative Blätter haben ja darauf hin­gewiesen, daß gerade diese Angelegenheit nicht durch die Kanonen von Kriegsschiffen, sondern nur durch diplomatische Verhandlungen von einer Regierung zur andern erledigt werden kann. Die Vermischung dieser beiden Dinge mit einander ist darum nicht angebracht, so richtig es auch ist, daß das deutsche Volk Ent­rüstung empfindet gegen die Uebergriffe der Engländer. Daß Volk und Reichstag auch in diesem Punkte übereinstimmen, das beweist die Interpellation, die wegen der Schiffsbeschlagnahmen im Reichstage eingebracht und von allen Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten unterschrieben worden ist.

In der jüngsten Zeit hat sich der Reichstag mit dem Etat des Reichsamtes des Innern und im Zusammenhänge damit mit allerhand sozialpolitischen Fragen beschäftigt. Wichtig darunter ist namentlich die Annahme eines Antrages, wonach so bald als möglich dem Reichstage ein Gesetzentwurf vorgelegt werden soll über Versicherung auch der Hinter­bliebenen von Arbeitern. Der Antrag ist im Reichstage mit großer Mehrheit angenommen worden; aber Staatssekretär Graf Posadowsky, so sehr er mit dem Sinne des Antrages einverstanden war, machte darauf aufmerksam, daß zunächst erst die Aende- rungen und Erweiterungen der Unfallversicherung und der Krankenversicherung durchgeführt werden müßten. Die Kosten der Hinterbliebenen-Versicherung veran­schlagt der Staatssekretär auf jährlich 90 Millionen Mark. Von großem Interesse war in derselben De­batte die Mittheilung des Staatssekretärs, daß in Preußen ein Versuch gemacht werden soll mit der Anstellung weiblicher Hilfskräfte in der Ge­werbe-Aufsicht. Es sollen deren zwei angestellt werden, je eine in Berlin und in München-Gladbach. Die Steuerung steht bereits in dem neuen Etat für 1900.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat die erste Äerathung des Etats erledigt. Es ist Wenig von allgemeinem Interesse dabei vorgekommen. Der nationalliberale Abg. Sattler wollte noch ausdrück­lich vom Finanzminister von Miquel hören, daß wir Geld genug hätten sowohl für die Kanalvorlage als auch die Flottenvorlage, obwohl diese letztere doch eigentlich den preußischen Landtag gar nichts angeht. Herr von Miquel antwortete darauf mit berechtigtem Spotte: es wäre doch selbstverständlich, daß er auf diesem Standpunkte stehe als preußischer Finanzminister. Sehr treffend hielt der Centrumsabgeordnete Strom- beck der Regierung vor, daß diese noch immer das kulturkämpferische Rüstzeug in ihrer Waffenkammer verborgen hält. So lange dies der Fall sei, müßten die Katholiken annehmen, daß die Regierung auch noch immer nicht die Absicht aufgegeben habe, gelegentlich Gebrauch davon zu machen.

Interessant ist eine Rede, die der Rektor der tech­nischen Hochschule zu Charlottenburg bei der Jahr­hundertfeier, die diese Hochschule veranstaltete, gehal­ten hat. In dieser Rede theilte der Rektor eine An- spra che des Kaisers mit, die der Monarch bei dem Empfange der Vertreter der technischen Hoch- schulen gehalten hatte. In dieser Ansprache ist die Sozialdemokratie eine „vorübergehende Erschei­nung" genannt, die sich mit der Zeit „austoben" werde. Im .Reichsanzeiger' wurde diese Ansprache bi8 Kaisers nicht in ihrem Wortlaute abgedruckt, son­dern nur auszugsweise. In der .Norddeutschen All­gemeinen Zeitung' ist aber hinterher ausdrücklich fest- gestellt worden, daß der Wortlaut der Ansprache des Kaisers von dem Rektor Prof. Riedler richtig mit« geteilt worden sei — gerade keine Ermunterung für die Herren Scharfmacher!

Daß die Firma Krupp in Essen einen großen Auftrag an Stahlgranaten für England an­genommen hatte, ist bekannt. Die Arbeiten sind in­dessen unterbrochen worden, nachdem die Regierung den Wunsch ausgesprochen hatte, daß dies geschehen möge, und dies auch durch die offiziöse .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' öffentlich kund gethan hatte. Im Reichstage wird vermuthlich noch die Rede davon sein. Im preußischen Herrenhause hat das Vorgehen der Firma Krupp bereits Tadel erfahren durch den Frhr. von Durant.

Die Polen in der Provinz Posen sollen sich nach dem Berichte eines „genauen Kenners der Verhältnisse" in einem „geradezu wunderbaren wirth- schaftlichem Aufschwünge" befinden — das also sind die Folgen der Polenpolitik der preußischen Regierung, die am liebsten mit einem Gewaltstreiche alles Polnische deutsch machen möchte. Aber die.Hamburger Nachr.'

wissen, woher das kommt: von den — Jesuiten! und der protestantische Berliner ,Reichsbote' nickt freu­dig seinen Beifall dazu. Wenn das nicht Thatsache wäre, sollte man nicht glauben, daß es in unserer Zeit noch so viele Dummheit geben könnte!

In Bayern hat das Centrum einen neuen Wahlerfolg errungen: in Regen ist an Stelle des Bauernbündlers Dr. Ratzinger der Centrumskan­didat Huber gewählt worden. Unter solchen Um­ständen begreift man es, daß der bekannte Dr. Sigl es vorgezogen hat, im Deggendorfer Reichstagswahl­kreise nicht gegen den Grafen Konrad von Preysing als Wahlbewerber aufzutreten. Er möchte sich nicht gern blamiren.

Das Ministerium Wittek in Oesterreich hat seine vorübergehende Aufgabe gelöst und macht einem neuen Ministerium unter Herrn von Ko erb er Platz, der im Kabinet des Grafen von Clary Minister des Innern war. Herrn von Koerber fällt die Aufgabe zu, die Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen in die Wege zu leiten. Wird ihm das gelingen? Die Bewunderung Europas würde ihm gehören, wenn es ihm gelänge. Aber zunächst müssen noch einige Zweifel daran gestattet sein; trotz des Nachdruckes, mit dem Kaiser Franz Joseph im persönlichen Ge­spräche mit tschechischen Abgeordneten die Nothwendig- keit des Ausgleiches betont hat.

In Süd afrika stehen die Dinge auf dem alten Flecke; wenigstens erfährt man nichts neues in Folge der Geheimnißkrämerei der Engländer. Aber ginge es diesen besser, dann würde das die Welt auch sicher­lich erfahren. Von Wichtigkeit ist, daß in England selbst die kriegsfeindliche Stimmung immer mehr an Ausbreitung gewinnt; die Regierung wird in den be­vorstehenden Parlamentsverhandlungen keinen leichten Stand haben.

Die Siegesnachrichten der Amerikaner von den Philippinen haben sich von neuem als das er­wiesen, was sie von jeher waren: als Schwindel. Jetzt haben die Eingeborenen sogar wieder einen großen Sieg erfochten; 146 Amerikaner wurden ge- tödlet, darunter ein Oberst. Die Aankees werden noch lange an dieser harten Nuß zu knacken haben.

cWj „Flottenbegeisterung".

„Flottenbegeisterung ist eine Waare, die sich nicht einpöckeln läßt, um sie im geeigneten Augenblicke hervorzuholen —" dieser kostbare Ausspruch eines Blattes, das planmäßig im Interesse der großen Kanonen- und Eisenpanzer- Jndustrie arbeit^, wird nicht so leicht wieder vergessen werden; denn er leistet in unfreiwillig vorzüglicher Kennzeichnung der Flottenmache Un­vergleichliches. Wenn man nun gleichzeitig in flottenfreundlichen Blättern, wie am letzten Mitt­woch in der.Täglichen Rundschau', Briefkasten- Bemerkungen liest wie die folgende: „Verschiedene Leser. Stoff zu Flottenreden . . . stellt Jynen die Geschäftsstelle des deutschen Flotten- vereinS gern zur Verfügung —* dann wird man ernüchtert, wenn man das nicht schon vorher war; dann gewinnt man einen höchst unerfreulichen Einblick in das innere Getriebe der ganzen künstlichen Mache de'.jenigen, die nach außen hin und für die Oeffentltchkeit sich so anstellen, als sei nach ihrer innersten Ueberzeugung Jeder ein schnöder Verräther am deutschen Vaterlande, der nicht mit dreifachem Hurrah Ja und Amen sagt zu allem, was in der neuen Flottenoorlage steht, wenn er diese auch noch gar nicht kennt.

Leider beginnen auch die Offiziösen von neuem, an diesem Rummel sich zu betheiligen. Mit einem staunenswerthen Fleiße suchen die Vertreter des offiziösen Telegraphenbureaus aller­hand Aeußerungen fremder Z-itungen zusammen, um sie für die Floitentreiberei zu verwerthen. So werden die Deutschen ganz neuerdmgs davon in Kenntniß gesetzt, daß eine Petersburger Zeitung, ,Nowosti', die „Erklärung" (!) abgibt, eine Vermehrung der deutschen Flotte sei unbedingt erforderlich . . „Die Floltenvorlage sei jetzt im

Jntereffe Deutschlands nicht nur nützlich, sondern auch nothwendig." Was in aller Welt geht die sogenannte „Erklärung" eines Petersburger Blattes den deutschen Staatsbürger und Steuer­zahler an, der vielleicht bei dieser Gelegenheit den Namen der angeführten russischen Zeitung in seinem Leben zum allererstenmal hört? Nicht das Geringste. Und außerdem ist eS ein gerade­zu unwürdiges Spiel mit dem deutschen Volks- gesühl, diesem zumutben zu wollen, daß es sich lenken und leiten lasse durch Aeußerungen, die in Zeitungen von Petersburg, Paris oder New- Aork stehen. Dazu kommt noch etwas anderes: man weiß aus der Erfahrung früherer Jahre, namentlich aus der Geschichte des Septennats- Rummels vom Jahre 1887, daß solche Aeußerungen auswärtiger Blätter häufig nichts weiter sind als die Wirkungen von Ursachen, die in Berlin selbst oder innerhalb einer deutschen Botschaft im Auslande zu suchen sind. Gegen einen freund­lichen Händedruck eines Botschafters sind auch viele fremde Zeitungsmänner nicht unempfänglich, namentlich dann nicht, wenn der Händedruck von der Mittheilung einer interessanten Nachricht be­gleitet ist, die sich vortrefflich in dem Blatte des fraglichen Zeitungsmannes verwerthen läßt; und

27. Jahrgang.

den 20» Januar 1900.

auf diese Weise entstehen dann solche Aeußerungen wie die vorher angeführte der Petersburger .Nowosti', die thatsächlich ohne jeglichen Werth sind und dennoch nachher von den Berliner Offiziösen benützt werden, um nicht zu sagen gemtßbraucht zu dem Zwecke, die deutsche Wähler­schaft zu beeinflussen.

Das ist ein unwürdiges Spiel und sollte auf keinen Fall von Neuem beginnen. Es hatte schon einmal feinen Anfang genommen nach der Hamburger Kaiserrede und vor der sogenannten Etatslesung im Reichstage; aber es wurde dann wieder ein Ende damit gemacht. Soll der Un­fug nun von neuem beginnen? Hoffentlich nicht; die Regierung würde mit der Anzettelung oder Duldung solcher Umtriebe ihrer Sache auf keinen Fall förderlich sein und ihren Ruhm wahrlich nicht erhöhen. Und hoffentlich wird sie doch nicht in einem solchen Jrrwahne sich befinden, daß sie glauben könnte, auf diese Weise „Flolten­begeisterung" anzufachen? Die Männer, die an der Spitze der politischen Reichsdinge stehen, haben bisher von solchen Zettelungen sich frei gehalten; zu ihrem Lobe sei es gesagt. Möchte das nun auch in der Zukunft so bleiben.

Ruhig und sachlich muß der Streit um die neue Flottenvorlage ausgefochten werden; nicht unter dem verschleiernden Einfluffe der ganz be­rechtigten Entrüstung über die Beschlagnahme der deutschen Schiffe durch die Engländer. Denn daß es ohne Streit nicht abgehen wird, min­destens nicht ohne sehr ernste Auseinandersetzungen mit mehr als einer Annäherung an den Konflikt, liegt auf der Hand. Und wer zu Bewilligungen geneigt ist, der ist es zum überwiegend größten Theile nicht deswegen, weil er sich tn überschäu- menber Hurrahstimmung befindet, sondern geleitet von der seufzend anerkannten Nothwendigkeit, unter dem Drucke der Rüstungen anderer Länder dem Waffen- und Kriegsmoloch ein neues Opfer zu bringen. Das aber hat mit sogenannter Be­geisterung nicht das Geringste zu thun. Und diejenigen, die von neuen Flottenvermehrungen nichts wissen wollen, fühlen deswegen für das deutsche Vaterland und für das deutsche Volk ebenso warm und ehrlich wie jene, die sich an- steklen, als könnten sie nicht anders leben, als an jeglichem Tage dreimal drei Hurrah auszu­bringen für die Flottensache; wahrscheinlich wärmer und ehrlicher als solche Leute, die spöttisch davor warnen, Flottenbegeisterung als eine Waare zu behandeln, die sich „einpökeln" laffe.

Deutsches

Berlin, den 19. Januar.

• Die Novelle zum Wüuzgesetze ist am Donnerstag von der 18. Kommission des Reichs­tages in Angriff genommen worden. Zum Be­richterstatter wurde der Centrumsabgeordnete Speck bestellt. Bei Artikel 1, der von der Einziehung der goldenen Fünfmark­stücke handelt, brachte der freisinnige Abgeord­nete Arendt einen Antrag ein, auch die goldenen Zehnmarkstücke einzuziehen, um die Goldbestände der Reichsbank aufzubeffern. Der Antrag fand nur Unterstützung durch den konservativen Abge­ordneten von grege; alle anderen Redner sprachen dagegen. Der Antrag wurde mit allen gegen drei Stimmen abgelehnt, Artikel 1 mit einem vom Abg. Speck beantragten Zusatze an­genommen, wonach die Bekanntmachung Über die Außerkurssetzung außer durch das Reichsgesetzblatt auch „durch die zu den amtlichen Bekannt­machungen der unteren Verwaltungsbehörden dienenden Tageszeitungen" zu erfolgen hat. Der zweite und der dritte Artikel, die von der Ein­ziehung der Zwanzigpfennigstücke in Silber und Nickel handeln, wurden mit unwesent­lichen Säuberungen des Wortlautes angenommen. Ein Antrag der Konservativen, 25 Pfennig-Stücke auszuprägen, wurde abgelehnt. Die Berathungen wurden am Freitag fortgesetzt. — Bei der Weiterberathung am Freitag handelte es stcb um den Artikel 4 des Gesetzentwurfes. Derselbe bestimmt, daß fortan statt zehn Mark der Ge- fammtbetrag ret Reichssilbermünzeu im Durch­schnitte für den Kopf der Bevölkerung vierzehn Mark betragen soll. Auf Antrag des Centrums­abgeordneten Herold-Fulda soll statt „vier­zehn" gesetzt werden „fünfzehn". Die weitere Berathung des Artikels wurde sodann auf nächsten Montag vertagt.

+ Landrath z. D. vo« Dallwitz, einer der gemaßregelten Kanalgegner, jetzt zum Regie­rungsrath ernannt, hat die Wiederwahl in seinem bisherigen Wahlkreise Lüben-Glogau abgelehnt. Man weiß noch nicht, ob die anderen gemaß­regelten und nun wieder in den Staatsdienjt übernommenen Herren es ebenso machen werden.

ft Der AAruverger Freisinn, der zur freisinnigen Volkspartei gehört, hat sich in einer Resolution für die neue Flotten- vorlage ausgesprochen. Es wird darin die

Nothwendigkeit anerkannt, die Marine zu ver­mehren entsprechend der Machtstellung des deut­schen Reiches. Aber die Resolution spricht sich gegen Vorlagen aus, die den Sollbestand der Flotte gesetzlich festlegen und die Kostendeckung durch höhere Belastung nothwendiger Lebens­rnitteln und Bedarfsartikel in Aussicht nehmen. Die Resolution spricht zugleich die Ueberzeugung aus, daß die Weltstellung der deutschen Industrie und des deutschen Handels hauptsächlich durch die Fortsetzung der durch die Handelsverträge eingeleiteten Tarifpolitik erhalten und gefördert werden.

Römische Briese.

XVI.

□ Rom, 18. Januar 1900.

In der politischen und parlamenta­rischen Welt Jtalien's herrscht Ruhe. Der Mailänder Mafiaprozeß und die Deputirtenkammer sind vertagt. Aufregende Debatten und sensa­tionelle 3'ugenauSfagen fallen somit fort. Desto mehr beschäftigt sich der Römer mit „seinem" Jubiläumsjahr. Ist er doch vor allen an- betn seiner Mitmenschen in bet glücklichen Sage, bie geistigen unb die materiellen Vortheile des heiligen Jahres gleichzeitig genießen zu können. Und das versteht er in einer ganz ausgezeichneten Weise. Doch davon ein anderes Mal. — DaS Wohlbefinden des hl. Vaters sowie seine frohe Stimmung, welche die bei der Eröffnungsfeier des Jubeljahres Anwesenden konstatiren konnten, hat erfreulicherweise angehalten und nicht der geringste Rückschlag nach all' den Anstrengungen und Aufregungen ist eingetreten. Man weiß den greifen Papst in den bewährten Händen feiner beiden Leibärzte Lapponi und Mazzoni. welche alle störenden EinflÜffe von ihrem hohen Klienten fern halten. Allgemeinen Beifall fand in Folge dessen die Nachricht von der Ehrung, welche die Katholiken von Novi Ligure den beiden Aerzten bereiteten. Es wurden nämlich beiden Herren goldene Medaillen mit dem Bildniß der Beiden und einer entsprechenden Inschrift überreicht, auS Dankbarkeit für die dem Papste geleisteten Dienste und für die fortwährende Sorge um fein leibliches Wohl. Auch die drei Neffen des Papstes stifteten dem Dr. Mazzoni eine kunstvoll ausge­führte Pergamentadreffe als Zeichen ihres Dankes für die so glücklich ausgeführte und verlaufene Operation vom März des vorigen Jahres. — Im Befinden des Kardinalvikars Jakobini ist eine leichte Besserung eingetreten. — Einen großen Schmerz aber verursachte dem greifen Papste der Tod des Don Emil Prinzen Altieri, de» kommandirenden Kapitains der vatikanischen Nobelgarde, in welcher er den Rang eines Ge­neralleutnants bekleidete. Der Verblichene war einer der treuesten Anhänger des Papstes und des Papstthums und feine Familie reprafentirt einer jener römischen Patrizierhäuser, welchen die alten traditionellen Tugenden mit dem Einzuge Jungitaliens nicht abhanden gekommen sind Fast 50 Jahre diente der Prinz in der Nobelgarde, deren Kommando den Chef er seit 1880 inne hatte. Der Verstorbene war Ritter des päpst­lichen ChristusordenS, des Piusordens, sowie Ehren-Bali der Malteser. Er hinterläßt drei Söhne, deren ältester Don Paul, Prinz von Viano, dem Vater im Kommando der Nobelgarde folgen wird. — An dem gleichen Tage starb in Bordighera der jüngste Sohn Garibaldi's, mit Namen Manlio. Derselbe war erst 27 Jahre alt und früher Leutnant in der italienischen Kriegsmarine. Sein Leide« zwang ihn bereits vor einigen Jahren feinen Ab­schied zu nehmen. Er hat niemals — int Gegen­satz zu seinen Brüdern — irgend welchen An- theil an der Politik genommen. Schon feit Mo­naten verschlimmerte sich fein Zustand zusehends und man sah sein nun erfolgtes Ableben bestimmt voraus. —

In diesen Tagen wird hier die große Pilger­schaft aus Ligurien erwartet, anderen Spitze mehrere Bischöfe stehen werden. Wann und in welcher Form Leo XIII. diese Pilger empfangen wird, ist noch nicht bestimmt. — In Rom find die vorbereiteten Akten für bie Seligsprechung der fei. Anna Katharina Emmerich eingetroffen, welche der Bischof von Münster übermittelt hat. — Dem Prof. Pastor in Innsbruck, dem Ver- faffer der Geschichte der Päpste, wurde bekanntlich von Leo XIII. der St. Silvesterorden verliehen. Die hiesigen katholischen Blätter besprechen jetzt das päpstl. Breve, welches in der lobendsten Weise für den deutschen Gelehrten abgefaßt ist. — Auf musikalischem Gebiete hatten wir in dieser Woche Hne Novität: die erstmalige Auf­führung des Oratoriums „Petrus" in der Kirche San Carlo auf dem Korso. Der Komponist ist ein Deutscher, der Franziskanerpater Hartmann, welcher als Organist an der Kirche von Aracoeli wirkt. ?. Hartmann wurde 1863 in einer kleinen