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27. Jahrgang.

IuLöa, Samstag, den 20. Januar 1900.

die hergebrachten Grundsätze der Neutralität ver­letzt und haben nicht die Rücksichten beobachtet, die sie einer befreundeten Nation schuldig find, und darauf hin hat die deutsche Regierung sofort nach der Beschlagnahme der Dampfer nachdrückliche Vorstellungen in London erhoben. Diese Vorstellungen find von dem er­wünschten Erfolge begleitet gewesen.

Die Dampfer find freigegeben worden, das wisien wir aus den Zeitungsmeldungen. Aber Staatssekretär Graf Bülow hat die weiteren erfreulichen Mittheilungen gemacht, daß die eng­lische Regierung in amtlicher Form ihr Be­dauern über die Vorfälle bei der Beschlagnahme der deutschen Schiffe ausgesprochen hat; ferner daß sie sich zu jeder angemessenen Geldent- s ch ä d i g u n g bereit erklärt; drittens daß sie ihre untergeordneten Organe angewiesen hat, in allen zukünftigen Fällen von solchen unnöthigen Gewaltmaßregeln abzusehen, und viertens daß sie auf den deutschen Vorschlag, ein Schiedsgericht zur Schlichtung des Streitfalles einzusetzen, die Antwort gegeben hat, sie glaube, daß es auch ohne die Einsetzung eines solchen Schiedsgerichtes zu einer vollkommenen Uebereinstimmung zwischen beiden Regierungen in der Beurtheilung dieser Vorfälle kommen werde.

Das sind sicherlich gute Erfolge der deutschen Regierungsmaßnahmen; und das ist gleichzeitig alles, was auf die Interpellation als Antwort überhaupt erfolgen konnte. Deswegen würde eine weitere Besprechung der Interpellation im Reichstage nicht nur nicht nützlich gewesen sein, sondern nur den Eindruck der voraufgegangenen Ausführungen abgeschwächt haben und deswegen ist es im deutschen Interesse und im Interesse der gegenseitigen Beziehungen sicherlich nur gut, daß der Reichstag auf die Besprechung der Interpellation verzichtet hat. Möglicherweise würde eine solche Besprechung auch rednerische Auswüchse gezeitigt haben, die dem deutschen Ansehen nichts weniger als förderlich gewesen wären. Wenn man die aufgeregten Zwischen­rufe hörte der Herren Liebermann von Sonnenberg und Genoffen — Rufe wie „Unverschämtheit" und „Wir werden den Eng­ländern die Flötentöne schon beibringen" — dann mußte man auf die unduftigsten Rede- blüthen bei einer Besprechung der Interpellation gefaßt sein. Und hätte das Abkommen, die Interpellation nicht zu besprechen, nicht schon seit Donnerstag fest gestanden, so würden diese Zwischenrufe ohne Zweifel sehr viel dazu beige­tragen haben, auch bei Freunden einer Besprechung der Interpellation diese Besprechung unbeliebt zu machen. ______

setzentwurf vor. Derselbe enthält in einem Punkte eine wesentliche Aenderung: danach sol in Zukunft von den Einzelregierungen der Bundesstaaten bestimmt werden, was als Geheimmittel gelten soll. Jetzt heißt es allge­mein: Geheimmittel dürfen von den Apothekern im Handverkauf nur dann abgegeben werden, wenn ihnen die Zusammensetzung derselben be­kannt ist. Die Fachpreffe der Apotheker erhebt Widerspruch gegen die neu geplante Bestimmung. Sie sagt, es könnte dann vorkommen, daß in den einzelnen Bundesstaaten nach und nach ganz verschiedene Bestimmungen eintreten würden über das, was als Geheimmittel anzusehen ist und was nicht; und diesem Einwande fehlt es augen­scheinlich nicht an Berechtigung. Es sollte ein Weg gefunden werden, der die Sache einheitlich für das Reich regelt, ohne den Rechten der ein­zelnen Bundesstaaten dabei zu nahe zu treten.

X Der Ssst Ktat ist am heutigen Freitag von der Budget-Kommission des Reichs­tages zu Ende berathen worden. In den An­sätzen des Etats ist nichts weiter geändert wor­den. Es wurden sämmtliche Ansätze des Ordi- nariums und auch alle verlangten außerordent­lichen Forderungen genehmigt, darunter erste Raten für Postbauten in Berlin, Bitterfeld, Dresden, Düffeldorf, Essen, Frankfurt a. M., Freiburg (Breisgau), Hagenau (Elsaß), Jena, Kiel, Königs­berg, Mannheim, M.-Gladbach, Barmen, Bremen, Breslau, Gleiwitz, Namslau, Wiesbaden und einige andere. Sehr bemerkenswerth ist eine Mittheilung des nationalliberalen Abgeord­neten Dr. Hasse. Dieser erklärte, er habe Be­weise dafür in Händen, daß im Postverkehr mit Oesterreich-Ungarn von den österreichisch- ungarischen Beamten das Briefgeheimniß verletzt werde; er werde sein Material dem­nächst dem Reichskanzler zur Verfügung stellen. DieAbgg. Dr. Lieber (Centr.) und Dr. Mül- ler-Sagan (freis. Volksp.) bestätigten die Mit- theilung des Abg. Dr. Haffe durch die weitere Mittheilung, daß sie aus Oesterreich-Ungarn fast nur noch eingeschriebene Briefe bekämen. Staats­sekretär v. Podbielski betonte, daß die deutsche Post das Briefgeheimniß aus's strengste achtet. Der Weltpost-Berein fordert den Schutz des B rief - geheimniffes; er werde nachdrücklich in der Sache vorgehen, fobald er das erforderliche Material erhalten haben werde.

* Im Abgeordnetenhause haben sich die Aommifsione« gebildet. Vom Centrum ge­hören den Vorständen an in der Agrarkom­mission der Abg. Herold als erster Vorsitzen­der, in der Petitionskommission Abg. Willebrand als erster Vorsitzender, in der Rechnungskommission Abg. v. Hagen als stellvertretender Vorsitzender, ebenso in der Wahlprüfungskommission Abg. Lohmann.

• Ire WahtprSfungs Kommission des Reichstages hat gestern (Donnerstag) Abend und heute (Freitag) "Vormittag Sitzungen abge­halten. Die Kommission beantragt für ungiltig zu erklären die Wahl des kons. Abg. vonLoebell, Vertreter des Kreises Westhavelland, zu bean­standen die Wahl des Fürsten zu Inn- und KnypHausen, ebenfalls konservativ, gewählt im

Abgeordnetenhause eingebracht haben. Der An­trag ist ein alter Bekannter aus dem Jahre 1892. Schon damals traten die Freisinnigen mit einem entsprechenden Anträge an gleicher Stelle vor; aber Herr Herrfurth, damals Minister des Innern, winkte nachdrücklichst ab unter Mithilfe der Konservativen, die den Minister in der Ab­wehr der freisinnigen Wünsche lebhaft unter­stützten. Ursprünglich wurde der Eintheilung der preußischen Wahlkreise der Grundsatz untergelegt, daß auf rund 50,000 Einwohner je ein Abge­ordneter gewählt werden sollte; und die Ein­theilung wurde vorgenommen nach der Volks­zählung von 1858 und für die neuen Landes- theile nach der Zählung von 1867. Die Ein­theilung ist also noch nicht sehr alt, und von Anfang an hat manches dabei nicht gestimmt. Von Anfang an hat es Wahlkreise gegeben, die erheblich weniger als 50,000 Einwohner aufzu­weisen batten, und noch heute ist das so in einer ganzen Reihe von Wahlkreisen, namentlich in den Landstrichen an den Meeresküsten. Noch nach der Volkszählung von 1893 gab es Wahlkreise, in denen auf noch nicht 40,000 Einwohner ein Abgeordneter des preußischen Abgeordnetenhauses entfiel. Aber in manchen Wahlkreisen haben sich freilich die Einwohnerziffern ganz außerordentlich verändert, nämlich dort, wo die großstädtische und die moderne Entwickelung der Industrie sich voll entfaltet haben. So entfallen nach der Volks­zählung von 1893 auf je einen Abgeordneten im WahlkreiseBochum-Dortmund 201,676, inBeuthen- Kattowitz 202.586 und im dritten Berliner Wahl­kreise 273,207 Seelen. Aber solche Mißverhält­nisse sind eben doch nur vereinzelt vorhanden. Von den im 256 preußischen Wahlbezirken sind es immer noch 187, in denen auf einen Abge­ordneten nicht mehr als 100,000 Seelen kommen. Mißverhältnisse also sind im Laufe der Jahre entstanden, das ist nicht zu leugnen; und wenn diese Mißverhältnisse dort, wo sie allzu stark hervortreten, beseitigt oder doch ein wenig aus­geglichen werden könnten, so würde das im In­teresse der ausgleichenden Gerechtigkeit zu be­grüßen fein« Sollte aber der freisinnige Antrag Gesetz werden, dann müßte die Stadt Berlin im preußischen Abgeordnetenhause in Zukunst nicht weniger als 22 Vertreter haben, anstatt der jetzigen neun: und solche Sprünge wird die Mehrheit des Abgeordnetenhauses schwer­lich mitmachen wollen. Man klagt über die un­gesunde Entwickelung in der Verlheilung der Be­völkerung, über den krankhaften Volksandrang nach den großen Städten. Sollte man das Uebertriebene in dieser Erscheinung auch auf das Parlament übertragen wollen? Schwerlich. Gewisse Reformen könnte die Eintheilung der preußischen Wahlkreise brauchen; aber der Antrag der Freisinnigen geht zu weit, wie man aus dem Berliner Beispiel ersehen kann. Sollten auch vier oder fünf Vertreter der „vorübergehenden Er- scheidung" dcr Sozialdemokratie in das preußische Abgeordnetenhaus gelangen, so würde das kein Fehler sein, allermindestens nichts weniger als eine politische Gefahr.

x Iteöer den Ierkehr mit chetzeim- mittekn liegt dem Bundesralhe ein neuer Ge-

£ Deutschland und England

Gestern (Freitag) ist im Reichstag die I n t e r- uellation beantwortet worden, die von Ver­tretern aller Parteien des Hauses, nur die So­zialdemokraten ausgenommen, wegen der Be­schlagnahme deutscher Schiffe durch die Engländer eingebracht worden war. Die Interpellation ist außerdem von allen Mit­gliedern der Parteien unterstützt worden, sodaß «e die überaus stattliche Zahl von mehr als 300 Unterschriften trug — eine eindringliche Kundgebung der Gesammtheit der deutschen Volksvertreter im Reichstage!

Das Lob, das Staatssekretär Graf Bülow dem Begründer der Interpellation spendete, dem nationalliberalen Abg. Möller-Duisburg, war sicherlich vollkommen berechtigt und auch voll­kommen nach dem Sinne der überwiegenden Mehrbeit des Reichstages: die Begründung ent­hielt sich aller übertriebenen Ausdrücke und Be­hauptungen und traf doch das, was unberechtigt in dem Benehmen der Engländer ist, mit voller Schärte. Namentlich die Thatsache, daß der zuerst beschlagnahmte Postdampfer „Bundes­rath" ohne Recht und ohne irgendwie sicht­baren Grand volle drei Wochen in dem eng­lischen Natal-Hafen Durban zurückgehalten worden ist, fand durch den.Abg. Möller durchaus die scharf tadelnde Kennzeichnung, dre sie verdiente. Der Dampfer „Bundesrath" brauchte nicht erst nach einem englischen Hafen geschleppt zu werden, und die ganze Angelegenheit härte innerhalb zwei Tagen erledigt werden können.

- Nur muß man bedenken, daß es ein fest ge­regeltes internationales Seerecht roch nicht gibt; und auch die Postdampfer können nach den herr­schenden Bräuchen noch keine besondere ^Bevor­zugung in der Behandlung vor anderen Schiffen beanspruchen. Ern solches Seerecht zu schaffen, muß die Sorge der Zukunft sein im Interesse aller Nationen; und es ist sehr erfreulich, daß Staatssekretär Graf Bülow in seiner Beant­wortung der Interpellation die Bereitwilligkeit der deutschen Reichsregierung aussprach, die Hand zur Schaffung eines solchen Seerechtes zu bieten. Bereits in der internationalen Friedenskonferenz im Haag ist, wie bekannt, davon die Rede ge­wesen, aber leider haben dort, wie ebenso bekannt, die angestellten Bemühungen nicht den gewünschten Erfolg gehabt.

Nichtsdestoweniger gibt es bestimmte Grund­sätze, die sich im Laufe der Jahre einge­bürgert haben und im allgemeinen von den Nationen berücksichtigt werden; aber auch diese Grundsätze sind von den Engländern jetzt verletzt worden: diese bedauerliche That­sache fand durch die Ausführungen des Abg. Möller die schärfste Beleuchtung und durch den Staatssekretär Grasen Bülow ganz,unzweideutige Bestätigung. Die Engländer haben durch die unfreundliche Behandlung der deutschen Schiffe

Deutsches R^ch»

Berlin, 19. Januar.

h Ilirrarrzmirrister Ir. v. Miquel ist an der Grippe erkrankt und genöthigt das Bett zu hüten.

+ Hine uene KintHeiluug der preutzi- fche» Wahlkreise bildet den Gegenstand eines Antrages, den die Freisinnigen im preußischen

Frirv- oiert-ljährl. ,,,-rri» grmgerlohn «kstrllgrld in । und aus» lM.S0Pf.

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Der Strudelkopf.

Volkserzählung von M. Sebaldus-Aug.Butscher.

20 ------ (Nachdruck verboten.)

Als das Mahl vorüber war, während dessen der Wirth zum „Eifer-en Ritter" fast in die Krämpfe fiel, denn er hatte in der festen An­nahme, es werde wenigstens der Stadtrath ein- geladen werden, ungeheure Vorräthe angeschafft, und erlitt nun, anstatt Gewinn einzuheimsen, große Verluste, fanden die Empfänge bei den zwei vorhin genannten Mm-stern statt, indessen die übrigen mit seiner Höhnt ein Spielchen wachten.

Wir wollen bei der kurzen Schilderung dem ..Strudelkopf" den Vortritt lösten, schon weil er den Titel zu unserer Geschichte geliefert und bei den WinkttstäStern so verhaßt war, daß ihm eine Entschädigung wohl zu gönnen ist.

Merkwürdigerweise wurden ihm nicht „die Schwaben" heruntergemacht", wie die Winkel» städter ihm prophezeit hatten, er wurde int Gegerr- theil sehr freundlich, ja geradezu herzlich von seiner Excellenz empfangen.

„Ich habe vor allem", begann ter V-rkehrs- winister, „den Auftrag von Seiner Hoheit, Ihnen mitzutheilen, daß für Ihren verunglückten Vater aus der Privatschaiulle des Fürsten eine lebenslängliche Jahrespension von zweihundert Thalern ausgeworfen werden wird, und zwar rückwirkend auf die Jahre, die seit jener unglück­seligen Sylvesternacht verstrichen sind. Theilen Sie dies freundlichst Ihrer Familie mit, es wird ihr manche Sorge ersparen."

Gerührt spra y Leopold seinen Dank aus, und die Thränen traten ihm in die Augen.

„Ihr braver Vater", setzte der Minister hin­zu, „hat diese fürstliche Gabe eigentlich Ihnen, seinem Sohne, zu verdanken, für jene wackere That, die Ihnen das Ehrenzeichen eingetragen und den Weg des Studiums außerordentlich ge­ebnet bat, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß Ihr Fleiß und Ihre Talente viel dazu beige­tragen Haber."

„Ich that nur meine Schuldigkeit", warf Leopold ein.

„Für einen Knaben war das mehr als Schul­digkeit", erwiderte ernst sein hoher Vorgesitzler, „es mar eine Heldertthat. Ihre Schuldigkeit haben sie auch spater immer gethau, Ihre Auf­gaben in musterhafter Ordnung gelöst. Ich weiß das, denn ich habe mir eingehenden Bericht er­statten lassen. Gewisse Größen von Winkelstadt", fügte er lächelnd bei, „dürften sich ein Beispiel daran nehmen, ganz abgesehen von der Dicht­kunst, die Ihnen ebenfalls nicht versagt ge­blieben ist."

Jetzt lächelten beide.

„Doch dies ist außerdienstlich", setzte der hohe Herr mit feinem Lächeln hinzu. „Und außer­dienstlich ist auch eine andere Angelegenheit, über die sich diese anonymen Briefe" — er zeigte auf ein kleines Packet auf dem Tische — ver­breiten." Sie tragen den Poststempel von Winkelstadt, und Sie mußten dieselben wohl oder übel selbst befördern. Sie müssen hier recht er­bärmliche Feinde haben, sonst würden sie nicht zu so verwerflichen Mitteln greifen, die dem ohnehin fürchterlich verwahrlosten Neste wenig Ehre machen. Natürlich geben wir auf derartige

Wische nichts, immerhin aber habe ich mir von Ihrem Freunde, dem Assistenten, der einen sehr sympathischen Eindruck macht, das Nähere be­richten lassen und bin überzeugt, daß hier der Harmloseste in den Schmutz, der hier nicht nur figürlich eine große Rolle gespielt, gezogen wird. Allem nach wird die Angelegenheit, zu der ich Ihnen und Ihrem Freunde alles Glück wünsche, eine ziemlich heitere Lösung finden, und damit ist die Sache abaethan" — er warf die Briefe in den Ofen — „und wir beschmutzen unsere Hände nicht weiter damit. Immerhin muß aber eine derart niedrige Gesinnung und die Kleinlichkeit der hiesigen Verhältnisse überhaupt — ich habe so etwas aus Ihrem Empsangsgedichte herausge­lesen — Ihnen den Aufenthalt hier verleiden. Aber hoffen Sie auf eine bessere Zukunft. Mehr kann und will ich Ihnen für den Augenblick nicht sagen. Jedenfalls aber hat der hiesige Aufent­halt Ihre Menschenkenntniß bereichert. So, damit sind Sie entlassen, natürlich nicht aus dem Eisenbahndienst, sondern aus diesem etwas ärm­lichen Audienzzimmer. Auf Wiedersehen!

Das Herz geschwellt vor Freude, ging Leo­pold davon, um den Seinen die frohe Botschaft zu verkünden.

Auf dem Gange stieß er auf den Assistenten, der eben aus dem Zimmer des Ministers des Innern kam und wie Leopold vor Freude strahlte. In drei Worten theilten sie einander ihre Er­lebnisse mit — wir werden auch bezüglich des Assistenten bald im Reinen sein — und versetzten dann die Familie des Lokomotivführers durch die merkwürdigen Neuigkeiten in unaussprechlichen Jubel.

Sie fanden dort „ganz zufällig" auch Helene

und Melanie, denen das Nöthige rasch mitge- theilt wurde. Die erstere war von ihrer Mutter geschickt worden, um dem Lebensretter, den jte vielleicht dort treffe, eingehend zu danken, wäh­rend die letztere auf den Wunsch ihres Vaters zu kommen behauptete, der sagen ließ, er ahne öen völligen Umschwung in den Verhältnissen von Winkelstadt, er habe dies nicht gerade in den Sternen, immerhin aber in den Augensternen der hohen Herren gelesen.

Und dieser Umschwung vollzog sich der Haupt­sache nach, wahrend die Paare vergnügttch im Thor war thäuschen mit einander plauderten. Der Assistent hatte nämlich dem harrenden Bürger­meister die Klinke des Audienzzimmers in dre Hand gegeben und dieser stand nun in etwas ge­drückter Stimmung vor dem Minister. Er war in seiner Würde verletzt, denn der „junge Lecker" war vor ihm empfangen worden. Immerhin, so tröstete er sich, hatte der junge Mann beim Hinausgehen kein Ordenszeichen getragen, er aber hoffte als „ Lieger nach allen Dimensionen" dre Leute zu überraschen, die mit offenen Mäulern unten warteten.

Der Gestrenge hatte seine „Sternschnuppen" mitgenommen, für Winkelstädter Verhältnisse sehr schön gebunden, und trug sie in der Hand.

Nach einer etwas steifen Begrüßung — der Bauernsohn hatte zuweilen eine vornehme Manier, wie sich der Bürgermeister sagte — begann der Minister: ,

„Ich gehe schon lange mit dem Gedanken um — aus ganz zwingenden Gründen, die ich Ihnen nachher auseinardeisetzen werde — Ihnen einen Vorschlag in Güte zu machen, und es dürfte nur zu Ihrem Vortheile ausfallen, wenn Sie nicht