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^ttssstrsr- mit Nnterhattungs Aeilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung-
jj”14. Julüa, Donnerstag, den 18. Januar 1900.27. Jahrgang.
Deutsches Reich-
Berlin, 17. Januar.
O Die Arästbie« der Seide« Säufer )LS Landtages sind am heutigen Mittwoch vom Kaiser im Berliner Schlosse empfangen morden. Die Audienz war zu 1 Uhr Mittags angesetzt. Da der Kaiser aber vorher einige andere Audienzen ertheilte, fand der Empfang des Präsidiums des Herrenhauses erst um l1/. Uhr vnd nachher erst der Empfang der Herren vom Präsidium des Abgeordnetenhauses statt. In keiner der beiden Audienzen hat der Kaiser in seinen Aeußerungen politische Dinge berührt; aber von beiden Audienzen wird gerühmt, daß der Kaiser sich ganz besonderer Liebenswürdigkeit befleißigte. Die Kaiserin konnte die Herren nicht empfangen, da sie nach der Mittheilung des Kaisers ^soeben erst wieder durch schmerzliche Nachrichten von dem Befinden ihrer Mutter betroffen worden war. Die Audienz hat ungefähr 20 Minuten in Anspruch genommen.
O Der Dampfer „Mvudesrath" soll alsbald auch von den Engländern frei gegeben werden. Die ganz genaue Untersuchung der gesummten Dampferladung hat nichts ergeben, das von den Engländern beanstandet werden könnte. Die Hauptfrage ist und bleibt die Vorsorge, daß nicht weitere ähnliche Dinge in der Zukunft vorkommen. Nach einem halbamtlichen Telegramm soll die englische Regierung bereit sein, die entsprechende Gewähr zu bieten.
h Die Interpellation rvege« der Ae- fchkagnatzme der Dampfer ist nicht nur von Vertretern der einzelnen Fraktionen, sondern von deren sämmtlichen Mitgliedern, im Ganzen von 286 Abgeordneten, unterzeichnet worden. Eine Antwort der britischen Regierung auf den deutschen Protest ist erst heute Nachmittag eingegangen, obwohl es ja längst außer allem Zweifel stand, daß die britischen Behörden durch gewissenlose oder nachlässige Spione getäuscht worden sind.
h Die neue Ilottenvorlage wird dem Reichstage, wie die,Berl. Reuest. Nachrichten' wissen wollen, erst gegen Ende der nächsten Woche zugehen. Verhält es sich so, dann müßte man annehmen, daß im Bundesrathe wirklich vorher noch in aller Form eine Berathung der Vorlage stattfindet; sonst könnte sie ja sofort im Reichstage eingebracht werden. In den Zeitungen erscheinen allerhand Mittheilungen über Form und Inhalt der Vorlage. Man muß diese Mittheilungen mit großer Vorsicht aufnehmen. Daß die äußere Form auf eine Novelle zum bestehenden Flottengesetze hinauslaufen soll, so daß dem Anscheine nach das gegenwärtige Flottengesetz bestehen bliebe, ist von Anfang an in der halbamtlichen Presse angekündigt worden, also nichts Neues mehr. Es fragt sich nur, wie weit Schein und Sein hier mit einander übereinstimmen. Daß es sich um eine Verdoppelung der Schlachtflotte handelt, kann einem Zweifel nicht mehr unterliegen; und das ist doch eben nichts weiter als eine vollkommene Vorlage, die die alte umstürzt. Nach einer Meldung des ,Berl. Lokalanz.' soll die Vorlage aus drei Paragraphen bestehen. Von diesen soll der erste die Größe der Flotte bestimmen nach den einzelnen Schiffsgaltungen;
Der Slrudelkopf.
Volkserzählung von M. Sebaldus-Aug.Butschet.
18 ------ (Nachdruck verboten.)
Aber Leopold behielt trotz all' dem Unerwarteten den Kopf oben und übersah nichts. Er gab Melanie, die jetzt an der Spitze der Festjungsrauen stand, einen Wink. Sie trat erröthend vor, verneigte sich und sprach mit ihrer wohltönenden Altstimme:
»Gott zum Gruß, der Herbst bringt Segen, Doppelt Segen dieses Jahr,
Denn er führt Dich uns entgegen. Der unS stets ein Segen war.
Edle Herren, seid willkommen,
Freilich grüßt Euch nicht der März, Doch find Blumen hier entglommen, Augenschön in jedem Herz.
Hoher Fürst, Du zeigst den Deinen,
Reich an Huld Dein Angesicht,
Und die Blumen, die Dir scheinen, Sterben nie und welken nicht!"
Sie hatte diesen von der fassungslosen Freundin übernommenen Willkommensgruß oft genug gehört, um damit einspringen zu können, und das war jetzt sehr angebracht.
„Schön, sehr schön," sagte der freundliche hohe Herr, „einfach, sinnig, innig. Wer ist der Verfasser, oder sind diese duftenden Verse in Ihrem eigenen Kopfe entstanden?"
„Hier ist der Verfasser," erwiderte Melanie erröthend, indem sie auf Leopold wies.
„Ah." machte der hohe Herr erstaunt, „dieser junge Mann scheint m allen Sätteln gerecht zu
der zweite soll die Eintheilung der Flotte in zwei Geschwader bestimmen, ein aktives Geschwader und ein Reservegeschwader; nach dem dritten Paragraphen sollen die nothwendigen Mittel alljährlich im Reichshaushalte bereit gestellt werden. Der Deckungsparagraph, daß nur die starken Schultern belastet werden sollen, soll beibehalten werden; aber auch der Weg der Anleihe soll beibehalten sein. Nach der,Franks. Zig.' haben sich auch in der Freisinnigen Volkspartei Freunde der Vorlage gefunden.
h Der wirttzschaftliche Ausschuß trat heute im Reichsamte des Innern zusammen und wurde vom Vorsitzenden Staatssekretär Posadowskp mit einer Ansprache allgemein handelspolitischen Inhalts eröffnet. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete die Vorlegung des Schenras zu einem neuen Zolltarif. Es wurde über dessen Verweisung an eine Kommission und über die Anhörung von Sachverständigen aus allen Interessentenkreisen Beschluß gefaßt.
+ Ileöer die Irage der Aerftchernug der Witwen «ud Waisen der Arveiter bringt die halbamtliche ,Berl. Korr/ eine längere Ausführung, in der noch einmal entgegen unrichtigen Behauptungen in der sozialdemokratischen Presse darauf hingewiesen wird, daß auch Staatssekretär Graf Posadowsky im Reichstage eine solche Versicherung in hohem Grade wünschens- werth bezeichnete. Dann aber wird auf alle die Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, die der Sache entgegenstehen: erst müssen die Novellen zum Unfallversicherungsgesetze verabschiedet, und dann muß erst eine Aenderung der Krankenversicherung vorgenommen werden, um die Unterstützungsdauer von 13 auf 26 Wochen zu verlängern. „Es ist — so schreibt die,Berl. Korr/ — für die verbündeten Regierungen ein Gebot der Nothwendig- keit, den Ausbau der bestehenden Versicherungsgesetze völlig zum Abschlüsse zu bringen und dann erst zu prüfen, ob die finanziellen Verhältnisse, die Steuerkraft und die ganze wirthschaftliche Entwickelung des Landes es erlauben, den . . . Schritt zu einer Wittwen- und Waisenverstcherung der Arbeiter zu thun." Merkwürdig — bei riesigen Flotten- und Militärforderungen sieht die Regierung die Zukunft nur in rosigem Lichte erstrahlen, als ob die fetten Jahre höchstens noch fetter werden könnten. Aber für die Beurtheilung anderer Dinge steigen ihre Bedenken auf über „die ganze wirthschaftliche Entwicklung des Landes". Hoffentlich übersieht man diese Bedenken auch nicht bei der Behandlung der neuen Flottenvorlage.
Parlamentarische Nachrichten.
• Avg. IreiHerr v. Stumm ist Dienstag Abend aus Gesundheitsrücksichten für mehrere Monate nach Italien abgereist.
X Das Mandat des Avg. Jacobsen soll, wie bereits kurz berichtet, nach dem Anträge der Geschäftsordnungs-Kommission des Reichstages nicht als erloschen betrachtet werden, obwohl Herr Jacobsen in Umständen sich befindet, die nicht gestatten würden, daß er als Kandidat für eine Neuwahl zum Reichstage ausgestellt würde. Er ist nämlich, wie bekannt, in Konkurs geralhen;
sein." Dann ließ er sich Melanie's Namen nennen und wandte sich sofort ihrem hinter ihr stehenden Vater zu.
„Das ist mir eine besondere Freude," redete er ihn lebhaft an. „Mein höchstseliger Batet hat mehr als einmal von den zwei Helden von Winkelstadt erzählt, und ich bin glücklich. Sie persönlich kennen zu lernen, nicht nur jener RubmeSthat wegen, bei der Sie, der schwer Betroffene, so selbstlos handelten, sondern auch Ihres frischen und geraden Wesens wegen, das in gewissen versumpften Zuständen wie eine mächtig reine Quelle wirkl, ich habe mir eingehenden Bericht erstatten lassen. Seien Sie meines Wohlwollens versichert."
Damit reichte er ihm die Hand, und dem starken Manne traten fast die Thränen in die Augen.
Der größte Theil der Honoratioren stand da wie vor den Kopf geschlagen.
Was, dieser Erzdemokrat, dieser Grobian erfreute sich einer derartigen Huld! Es war zum Umfallen.
So ging es flüsternd durch die Reihen der ersten Violinen, die noch unbeachtet beiseite standen, von einem Fuße auf den andern traten und die „Dreistöcker" zwischen den Fingern drehten.
Eben brach die Sonne, wie von dem sonnigen Wesen des Fürsten angezogen, aus dem Nebel, als einer der Herren der Begleitung den Fürsten auf die vernachlässigte, kleinlaut bei Seite stehende Deputation aufmerksam machte.
Aber der Fürst winkle ablehnend, denn er hatte den Manu im Fahrstuhl erblickt und sagte lebhaft zu Leopold, der eben mit seinem Vater ein paar Worte wechselte:
und sehr richtig führte am letzten DienStag der konservative Abg. von Levetzow in der Kommission aus, es würde zu ganz unsinnigen Konsequenzen führen, wenn ein in Konkurs befindlicher Mann nicht 'gewählt werden kann, aber das Mandat behält, wenn er nachher als gewählter Abgeordneter in Konkurs geräth. Auf demselben Standpunkte stand in der Kommissionsbe- rathung der Centrumsabg. Kirsch, der sich namentlich auch gegen die anderweit laut gewordene Auffassung wehrte, als ob während der Dauer des Konkurses nur die Ausübung des Mandates ruhe, dieses aber sofort wieder ausgeübt werden könne, wenn das Konkursverfahren beendet sei. Den entgegengesetzten Standpunkt vertraten in der Kommission die Abgg. Singer (Soz.), Büsing (Natl.), Roeren (Centr.) und Vielhaben (Äntis.), also den Standpunkt, daß das Mandat nicht erloschen sei, wie ja auch beschlossen worden ist. Diese Mehrheit der Kommission bestreitet gar nicht, daß die Auffassung der Minderheit Berechtigung hat. Aber aus taktischen Rücksichten steht sie auf dem entgegengesetzten Standpunkte, nämlich auf dem, daß man sich nicht auf Deutungen der Ver- fassung einlassen, sondern lediglich nach dem Wortlaute derselben sich richten dürfe. Man muß zugeben, daß auch diese Anschauung sehr viel für sich hat; und der Wortlaut der Verfassung kennt nur einen Fall des Erlöschens eines Mandates, nämlich die Be- sörderung in ein höheres Amt. Es ergibt sich somit eine Lücke in der Verfassung; und Abg. von Levetzow sprach mit Recht den Wunsch aus, daß so bald wie nur möglich die entsprechende Aenderung in der Verfassung vorgenommen werde. Sehr richtig wies auch der Abg. Büsing darauf hin, daß das Taktgefühl den Abg. Jacobsen zur freiwilligen Niederlegung seines Mandates hätte bestimmen sollen. Dieser bleibt nun wahrscheinlich Mitglied des Reichstages gegen den Wunsch seines Wahlkreises und gegen den Antrag seiner eigenen Partei — kein sehr erhebendes Gefühl für einen Reichstagsabgeordneten.
Aus dem Kanbtage.
Atzgeordttetetttzatts. — 5. Sitzung v. 17. Jan. 1900.
Am Miniftertische find erschienen die Minister von Miquel, von Thielen, Scharnstedt, Brefeld, Dr. Studt, Frhr. von Rheinbaben und Frhr. von Hammerstein. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Lesung des Etats.
Der kons. Abg. Hraf Limburg-Stirttm antwortet zunächst auf eine Bemerkung Richter's am Tage vorher, es liege nicht in der Art seiner Freunde, fortwährend dieselben Angriffe gegen die Regierung zu wiederholen, wie Herr Eugen Richter selbst.
Abg. Dr. »0« Iazdzewski von der polnischen Fraktion beklagt die Vernachlässigung der polnischen Sprache lut den Schulen der polnischen Landestheile. Wenn die polnischen Kinder den Unterricht in einer Sprache erhalten, die sie nicht verstehen, dann dürfe man sich auch nicht wundern, wenn bei der Heranwachsenden Jugend auch die Moral immer schwankender werde.
Kultusminister Dr. Studt lehnt es ab, noch einmal die ganze alte Schulfrage durchzusprechen. Er macht nur darauf aufmerksam, daß die ganzen Verhältnisse in den polnischen Landestheilen anders geworden seien. Früher habe man sich nichts gewußt von der großpolnischen Agitation, wie sie jetzt bestehe. Jetzt wolle man gerade
„Ah, sollte das Ihr Vater sein, der bei jener entsetzlichen Katastrophe gewissermaßen lebendig begraben wurde und heute noch die Narben der Wunde zeigen kann, die er so gut wie ein wackerer Soldat auf dem Felde der Ehre sich geholt?"
Er gebrauchte merkwürdigerweise den gleichen poetischen Ausdruck, den Leopold in seinem Gedichte und schon als Knabe angewendet, und dem Bürgermeister ging ein Stich durchs Herz, denn auf einen so hochgestellten Konkurrenten hatte er nicht gerechnet.
„Gewiß, Hoheit," erwiderte Leopold ehrerbietig. „Mein Vater ließ es sich nicht nehmen, beim Empfange seines Landesherrn, dem er wie dem Lande in Ehren gedient, zugegen zu sein."
Lebhaft trat der Fürst auf den Verunglückten zu und reichie chm die Hand. Er redete ziemlich lange mit dem tiefgerührten Verstümmelten, aber man vernahm nur die folgenden Schlußworte:
„Wer fetren Posten ausfüllt mit der ganzen Kraft, auf Leben und Tod, der hat Anspruch auf die Achtung aller Gutdenkenden. Es soll Ihrer gedacht werden, braver Mann, es ist leider schon allzulange versäumt worden."
Damit wandte er sich endlich der Deputation zu, die wie auf Kohlen stand. Ec kniff das rechte Auge ein wenig ein und musterte den Bürgermeister, von dem ihm der Minister des Innern auf der Herfahrt heitere Geschichten erzählt hatte. Dann lächelte er ein wenig und die Minister lächelten ebenfalls. Das schien dem Stadtoderhaupt ein gutes Zeichen und er begann mit ziemlicher Zuversicht loSzuschlagen und sein Verslern vorzutragen. Die eigenartige poetische Anrede lautete:
die Schule in den Dienst dieser großpolnischen Agitation stellen.
Minister Irhr. vo» Meittvave« kommt darauf zurück, daß sowohl Abg. Richter als au» Abg. von Jardzewski die Aeußerung thaten, sie hätten keine Veranlassung, ihm und dem neuen Kultusminister Vertrauen entgegenzubringen. „Wenn man neu in ein Haus eintritt, so kann man nur darüber freuen, so willkommen geheißen zu werden, meint der Minister, begleitet von der Heiterkeit des HauseS. Alsdann vertheidigt der Minister die Politik des Oberpräsidenten von Köller von Schleswig-Holstein und die Art, wie dieser die Ausländer behandelt. Er nennt diese Politik außerordentlich erfolgreich und versichert, daß die Regierung daran festhalten werde; in Schleswig-Holstein und namentlich auch in den polnischen Landestheilen.
Der wilbkons. Abg. Dr. Kah«, Direktor des Bundes der Landwirthe, versichert den Minister der Unterstützung darin durch ihn und seine Freunde. Dagegen hat Redner den Eindruck, als wende die Regierung nicht alle Mittel an, die nothwendig wären zur Unterstützung des Mittelstandes und namentlich zur Erhaltung des Bauernstandes. Namentlich die staatlrchen Finanzorgane bevorzugten ja viel zu sehr die Unternehmungen des Großkapitals. Auch von der Wreder- eröffnung der Produktionsbörse in Berlin hat Redner den Eindruck, als ob die Landwirthschaft dabei zu kurz gekommen fei; das Börsengesetz werde immer noch nicht streng genug gehandhabt. Meliorationsarbeiten int Interesse der Landwirthschaft seien nothwendtg und wichtiger als alle Kanalbauten: die Regierung sollte möglichst schnell einen Plan für die Ausführung solcher Arbeiten aufftellen. Gerade Herr v. Miquel sei der geeignete Mann dazu. Die Bemerkung des Eisenbahnministers Thielen im Reichstage, die Landwirthe sollen nicht denken, daß sie allein auf der Welt seien, zeuge nicht von großer Freundschaft für die Landwirthschaft. Die Landwirthschaft wolle ja keine Bevorzugung; sie wolle nur wieder in ruhige Zustände gelangen, und vor allen Dingen sollten ihre Interessen bei der Vorbereitung der neuen Handelsverträge nicht vernachlässigt werden.
Minister v. Miquel antwortet, nur ein Tausendkünstler könne alle die Aufgaben lösen, die der Vorredner ihm gestellt habe. Ein solcher Tausendkünstler sei er aber nicht. Indessen sei man bereits habet, dte preußische Seehandlung mehr als bisher in den Dunst der Landwirthschaft zu stellen. Gerade in Preußen und im Reiche sei für diese letztere so viel geschehen, rote m keinem anderen Lande. Völkerrechtliche Verträge feten ehe Schranke, vor der man Halt machen müsse. O» es gelingen werde, diese demnächst anders zu gestalten, müsse man abwarten.
Abg. v. Kynettt (ntl.) sichert den beiden neuen Ministern Studt und Frhrn. v. Rheinbaben die Unterstützung seiner Partei zu für die Wahrung der deutsche« Interessen. Da die Steuern so große Ertrage abwerfen, sollte man nun andere Erleichterungen emtreten lassen, vor allem in der Ermäßigung der Gerichtskosten und der Stempelgebühren. Ganz besonders tritt Redner sür die neue Kanalvorlage ein.
Nach 5'h Uhr Abends wird die Wetterberathung auf Donnerstag 2 Uhr vertagt.
Ausland.
Q Wie«, 17. Jan. Den Blättern zu Folge ist das neue Kabinet nunmehr definitiv gebildet und wie folgt zusammenqesetzt: Dr. Körber, Präsident und Inneres, Welsersheimb, Landes- Vertheidigung. Wittek, Eisenbahnen, Dr. Härtel, Unterricht, Dr. Böhm, Finanzen, Hofrath Graf Giovanelli, Ackerbau, Spehs-Baden, Justiz.
4- Pom, 16. Jan. Papst Leo XIII. hat der Kaiserin-Regentin von China eine kostbare Porzellan-Vase von feinster Arbeit übersandt. Unter anderen schmückt die Vase eine Nachbildung der berühmten Schlacht Constantins bei der Ponte Molle. Msgr. Alphons Farres, Apost. Vikar von Peking, welcher sich wegen fernes Besuches ad limina in Rom befand, erhielt vom Papste den Auftrag, der chinesischen Kaiserin in
„Wenn sich nahen Majestäten, Ist das ganze Volk betreten. Doch das Zittern in der Knie, Säufligt sich tu Poesie.
Wenn sich nahen Exzellenzen, Muß man doch die Stadt bekränzen; Denn wer ist hier exzellent?
Einer, den man noch nicht so kennt!"
Maßloses Erstaunen malte sich auf dem Gesichte des Fürsten, während die Minister auf die Zähne bissen, um nicht laut hinauszulachen. Der Assistent aber schneuzte sich, denn er erstickte fast vor Heiterkeit. Aber der Poet von Winkelstadt, der nun einmal im Fahrwasser war, segelte muthig weiter. Die Fortsetzung lautete:
„Allerhöchste der Gewinnste,
Sind die Förderer der Künste, Die man nicht vergessen hat. In dem treuen Winkelstadt."
„Gut so," bemerkte mit einem undefinirbaren Ausdrucke im Gesichte der Fürst. „Sie sind ein gang eigenartiger Dichter. Trotzdem müssen wir auf weiteres verzichten, wir haben keine Zeit zu verlieren."
Damit ließ er den Redner verblüfft stehen und schritt durch den Wartesaal auf die Straße hinaus, gefolgt von dem „Kometenschweif".
Immerhin hatte der Minister des Innern — es war der „Ledige" — Zeit gefunden, seinem Landsmann, dem Assistenten die Hand zu drücken, was große Sensation hervorrief.
Schleunigst folgte die Deputation und die Festjungfrauen, während der unterbrochene Redner vor sich hinmurmelte:
„Pfui, das ist ein Anfang zum Uebelwerdm. „Die Förderer der Künste" befördern die Künstler einfach zum Tempel hinaus."