IM.SOPf.
Jutöcr, Mittwoch, den 17. Januar 1900,
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(Nachdruck verboten.)
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Aber melkwürdig! Seine Reimereien ihm auf einmal so kurios vor, so — so sch einig. Die Versfüße schienen ihm wie einherzutrippeln, während dieser junge sein Flügelroß wie ein Ritter tummelte.
Parlamentarische Nachrichte«.
+ Die Ilotte« Dortage ist heute (Diens» tag) dem Bundesrathe zugegangen: so meldet das halbamtliche Drahtbureau. Augenscheinlich ist die Sache dieser Vorlage im letzten Augenblicke noch möglichst beschleunigt worden; vermuthlich will man dem Rathe gewisser Blätter folgen und „das Eisen schmieden, so
dieses Aufdämmern hielt nicht lange an, denn der Assistent, der ja in allen Wassern gewaschen war, hatte selbst zugeben müssen, daß das Gedicht des Stationsvorstehers nicht populär sei. Demnach waren seine „Gedichte" der eigentliche wahre Jakob, und zudem war er Bürgermeister, und der junge Streber war fremd hier und durste sich nur auf dem Bahnhof breit machen. Damit tröstete sich der gute Mann.
Inzwischen spielte sich aber eine Scene ab, die sehr ernster Statur war und alles in Aufregung brachte.
Ganz nahe an den Geleisen standen die Festjungfrauen, in erster Linie Helene und Melanie, die sich, das Gesicht dem Bahnhof zugewandt — die erstere mit Leopold, die letztere mit dem Assistenten — unterhielten, denn das Zeichen zur Einfahrt des Zuges war noch nicht gegeben.
Die Stadträthe und ihre „Gemahlinnen" — heute gab es auf dem Perron keine Weiber, nicht einmal grauen — machten ihre halblauten Be-
Kaiser eine Vermittelung zwischen England und Transvaal zu versuchen. Herr Bernaert war auch Vertreter Belgiens bei der internationalen Friedens-Konferenz im Haag im Sommer vorigen Jahres.
-j-Die Kriräge 6er preußische« Domäne« sind abermals nicht unbeträchtlich gesunken — darauf hat schon Staatsminister v. Miquel in seiner Etatsrede am Mittwoch voriger Woche im preußischen Abgeordnetenhause aufmerksam gemacht. Dieser Zurückgang der Domänenerträge beschränkt sich nicht etwa nur auf einzelne bestimmte Bezirke, sondern macht sich in allen preußischen Provinzen bemerkbar, am schlimmsten in Schlesien, aber auch in den anderen Provinzen in recht unangenehmer Weise. Am wenigsten ungünstig sind diese Verhältniffe in Hannover. Aus diesen Thatsachen ersieht man am allerbesten, daß die Krisis in der Landwirthschaft nichts weniger als beendet ist.
* Die Aesuileuaugst treibt oft wunderliche Blüthen. Die Polen der Provinz Posen sollen, wie ein „genauer Kenner der Verhältnisse" jüngst berichtet hat, sich in einem „geradezu wunderbaren wirthschaftlichen Aufschwünge" befinden. Woher kommt das Geld? fragen die.Hamburger Nachrichten' und vermuthen ganz richtig, daß Jesuiten die „unbekannten Wohlthäter" feien.
ist lebhaft zu bedauern, daß das so vorzeitig ausgeplaudert wird. Die ,Hamb. Nachr.' ziehen alsbald den Schluß, daß das Reich solchen Leuten die Thore nicht öffnen dürfe, selbst um den Preis der Flottenoerstärkung nicht. Der .Reichsb.' stimmt ihnen lebhaft zu. Die beiden wackeren Blätter haben ja ganz recht, nur hätten sie mit ihrem Protest wohl warten können, bis jemand die Flottenverstärkung als Preis für die Jesuiten angeboten hätte.
• Der deutsche LavdwirtHschaftsrath wird seine diesjährige allgemeine Versammlung vom 5. bis 9. März in Berlin abhalten.
X Die Merkiner ^roduklenöörse wird aller Wahrscheinlichkeit nach bald wieder eröffnet werden. Sie wurde, wie man weiß, wegen der Widersetzlichkeit der Berliner Getreide- und Produktenhändler geschlossen, die sich durchaus dagegen sträubten, in der Berliner Getreidebörse die neuen gesetzlichen Vorschriften ordnungsgemäß durchführen zu lassen. Sie wollten durchaus nicht haben, daß, den Bestimmungen des neuen Börsengesetzes gemäß, landwirthschaftliche Sachverständigen an der Feststellung der Getreidekurse Mitwirken sollten. Das nannten die Leute ab-
dessen verlautet vielfach, daß die Regierung eine solche Beschleunigung nicht wünscht . . . Flottenbegeisterung ist keineWaare, die man ohne weiteres einpökeln kann, um sie je nach Bedarf hervorzuholen und zu gebrauchen. Sie muß namentlich bei uns zu Lande, wo man nur schwer und unvollkommen in Begeisterung zu gerathen pflegt, recht schnell ausgenützt werden; sonst verfliegt sie wieder und ist nicht mehr da, wenn man sie braucht."
Das ist keine anmuthige Sprache, die in diesen Worten das Leibblatt der Firma Krupp redet. Sie klingt gar zu sehr nach Spott und Hohn und sie läßt gar zu deutlich die Ver- muthung zu, daß sie aus der Ungeduld entspringt, die Millionen-Aufträge zu bekommen, die der Firma Krupp sicher sein würden nach einer Annahme der neuen Flotten-Vorlage im Reichstage. Jrn preußischen Herrenhause sagte in diesen Tagen im Hinblicke auf die Firma Krupp und ihren englischen Auftrag an Stahlgranaten Freiherr von Durant: „Erwerb, Besitz, möglichst schneller und möglichst müheloser Erwerb, das ist die Signatur (unserer Zeit), und sie ist gepaart mit einer ganz ungeheuer entwickelten Selbstsucht . . . Die Devise ist die, daß das Geschäft über alles geht: und auch in dieser Beziehung möchte ich hier dem Ausdruck geben, daß es in den Augen weiter Kreise unserer Bevölkerung in hohem Grade wünschenswerth wäre, wenn von unterer ersten Geschützgießerei, der Firma Krupp Veranlassung genommen würde, zu erklären, daß ein über sie verbreitetes Gerücht, die Firma liefere für England Geschütze zu einem ungerechten Krüge, ein unzutreffendes sei . . ."
Das Gerücht war nicht unzutreffend, das wissen wir nunmehr. Und deswegen ist es ganz angebracht, daß in parlamentarischen Kreisen die Absicht besteht, die Abschlüsse der Firma Krupp mit England auch im Reichstage bei nächster Gelegenheit zur Sprache zu bringen. Ter Graf Udo zu Stolberg-Wernigerode trägt sich, einer Meldung der .Deutschen Tageszeitung' zufolge, mit dieser Absicht. Und die Gelegenheit, diese Absicht auszuführen, wird ja sicherlich sehr bald gegeben fein.
Rade ersaßt wurde. Ein Riß, ein Schrei, und das Fräulein taumelte. Rasch griff ich zu und riß die Arme an mich, so daß nur die weiße Schleppe dem Ungethüm zum Opfer fiel, und dm Rädern das Bouquet, daß in tausend Fetzen zermalmt liegt. Das ist in Kürze der Zusammenhang, und es ist glimpflich genug abgelaufen."
„Ach, die herrliche Schleppe!" jammerte die Bürgermeisterin.
„Und die seltenen Blumen," setzte der Gemahl ganz fassungslos hinzu. „Du bist nicht hoffähig, was fangen wir nun an?"
„Einfältiges Altweibergeträtsch!" fuhr hier zornig aufflammend Doktor Schwertmann ein. „Anstatt Gott zu danken, daß die Sache so glimpflich abgelaufen ist, und auch dem Lebensretter, der Ihnen mit eigener Lebensgefahr die Tochter erhalten hat, belfern Sie über einm stleiderfetzen und ein paar lumpige Blumen. ZA das ein Narrenvolk, dem nicht einmal der gewaltige Tod den Staat sticht. Man möchte anS der Haut fahren über solche Jämmerlichkeiten!"
Aber er sand jetzt keine Zuhörer, beim fast noch Unerwarteteres geschah. Die „Zeichengellung", )as Abfahrtszeichen von der letzten Station, war »zwischen gegeben, aber überhört worden, und etzt dampfte der Zug mit den „hohen und höch- ten Herrschaften", was der Redakteur des ,Lrm- mund' zuerst bemerkte, schon in den Bahnhof herein.
Es gab ein heilloser Durcheinander, und wenn nicht Leopold mit Wort und Hand; ja mit manche« Rippenstoß einige Ordnung geschaffen hätte, so wären die Herrichaften in ein Gekrabbel gerathen, wie es in einem Ameisenhaufen entsteht, wenn Jemand mit einem Stocke hineinfährt. Der Fürst
V Krupp sLieferungen fürEnglaud.
In den Werken der Firma Krupp in Essen E jetzt die Arbeit für England eingestellt worden; so wird berichtet. Diese Meldung sollte man für überflüssig halten. Oder glaubte dieser ober jener in der Firma Krupp, daß diese den englischen Auftrag an Stahigranaten trotz der Abmahnung der Reichsregierung ausführen könne? Hoffentlich nicht. Der angeblich so große und oufopferungs- freudige Patriotismus der Herren würde sonst in ein recht sonderbares Licht gerathen.
Also mit den Lieferungen unmittelbar an England ist es nichts. Fast gleichzeitig aber mit dem Bekannt werden dieser erfreulichen That- sache tritt ein unerfreuliches Gerücht auf von Lieferungen der Firma Krupp an England auf Umwegen. Italien soll nämlich, so behauptet die,Deutsche Zeitung' nach einer ihr zugegangenen Meldung, bei Krupp Bestellungen im Werthe von 50 Millionen Mark gemacht haben; und gleichzeitig erscheint in einem amerikanischen Blatte die Nachricht, es handele sich um den Ankauf älterer Krupp'scher Geschütze aus den Arsenalen einer südeuropäischen Macht, um die von den Buren den Engländern genommenen Geschütze bei deren Heer in Südafrika zu ersetzen.
Manches an diesen Gerüchten klingt wahrscheinlich, anderes nicht. Die Wahrscheinlichkeit derselben könnte man finden in der großen Freundschaft zwischen England und Italien und in dem Umstande, daß die italienischen Staatskassen immer außerordentlich gelbbedürftig sind. Italien selbst würde jetzt schwerlich aus eigenen Mitteln eine Bestellung von 50 Millionen bei Krupp machen. Aber soll man wirklich annehmen, daß die italienische Regierung zu solchen Lakaiendiensten für England sich hergeben möchte? Man kann dieser Regierung alles Mögliche zutrauen. Aber ehe man derlei wirklich annimmt, muß man doch wohl viel genauere Mittheilungen abwarten.
Eigenthümlich ist die Art, wie die von der Firma Krupp abhängige Presse auf die Maßregel der Regierung antwortet, die die Ausführung des englischen Auftrages unmöglich machte. Die .Rheinisch-Westfälische Zeitung' nämlich, das Essener Organ der Riesenfirma, verfällt in eine ziemlich ärgerliche Betrachtung über die neuen Flottenpläne und über die Art der Betreibung derselben durch die Regierung. Die Sache geht den Herren zu langsam, lange nicht schneidig genug; und dieses Gefühl wird in so kräftigen, nichts weniger als feinen Tönen zum Ausdruck gebracht, daß man sich etwas erstaunt fragt, wie gerade diese Zeitung dazu kommt, das von ihr <fonft so Überaus zart behandelte Thema von Patriotismus und Flotten- begeisterung so derb anzufaffen. „Hier heißt es, das Eisen schmieden, so lange es warm ist —" |o ermahnt die ,Rhein.-Westf. Ztg.' die Regierung mit dem Hinweise auf die Beschlagnahme deutscher Schiffe durch die Engländer. „Man sollte meinen, daß unsere leitenden Kreise angesichts solcher Strömungen und Stimmungen in immer weiteren Volkskreisen nichts eiligeres zu thun haben könnten, als die längst angekündigte Flottenvorlage im Reichstage einzubringen und ! deren schleunige Verabschiedung zu bewirken. Jn-
27. Jahrgang.
: Aber diese Art der Geschäftsbehandlung hat ibtC Erwartungen getäuscht, und nun geben die Händler
' klein bei. Am letzten Montag haben in de« Geschäftsräumen des staatlichen Börsen- kommissars Verhandlungen begönne« zwischen Vertretern der Landwirthschaft und des Produktenhandels in Anwesenheit von Mitgliedern der Ministerien der Landwirthschaft und des Handels; und als Ergebnjß dieser von neuem begonnenen Verhandlungen darf man, wie gesagt, die Wiedereröffnung der Berliner Getreide- und Produktenbörse erwarten.
X Die Berliner .Volkszeitung' theilt mit, daß der Kaiser zu seiner diesjährigen Geburtstagsfeier eine Amnestie zu erlassen gedenkt für solche Vergehen, die mit Strafen bis zu sechs Monaten zu verbüßen sind.
X Industrie chründnngeu große« Stils in den preußischen Ostprovinzen werden, allen dagegen erhobenen Einwendungen zum Trotze, allem Anscheine nach nun doch bald vor sich gehen. Zu Danzig finden gegenwärtig darüber Berathungen statt, an denen die Oberpräsidenten der Provinzen Westpreutzen und Posen, Oberbürgermeister Witting aus Posen, Großindustrielle und die Vertreter einiger großer Bankinstitute theilnehmen. Die Einwendungen, die gegen die sattsam bekannten Gründungspläne erhoben worden sind, stammen gar nicht etwa nur aus landwirthschaftlichen Kreisen, im Gegentheil. Dafür ist der allerbeste Beweis eine Aeußerung der Handelskammer von Königsberg i. Pr., die sehr abfällig über diese Gründungspläne urtheilt. Namentlich diese rein künstliche, halb gewaltsame Aufpfropfung von großindustriellen Unternehmungen auf die Provinzen Westpreußen und Posen ist von der Königsberger Handelskammer scharf kritisirt worden, und in ganz ähnlichem Sinne haben sich Industrielle der Provinz Schlesien ausgesprochen, denen die Verhältnisse in den genannten Provinzen ebenfalls genau bekannt find. Sehr begierig muß man daraus sein zu erfahren, was für Industriebetriebe hauptsächlich ins Leben gerufen werden sollen. Es fehlt den Bezirken, die hier in Frage kommen, fast vollkommen an eigenen Erzeugnissen dazu.
h Wege« avgeölich «nerlanvte» Aotlest- 1ire«s für katholische Kirchenbauten ist unter anderen auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Glatz auch gegen Herrn Pfarrer Pauske in Oranienburg bei Berlin vorgegangen worden. Gegen das Strafmandat hatte Pfarrer Panske Widerspruch erhoben, und er ist nunmehr von dem Schöffengericht in Neurodein Schles. freigesprochen worden. Vorläufig ist nicht bekannt, ob der Staatsanwalt, von dem die ganze Sache ausgeht, bei diesem Urtheil sich beruhigen, oder ob er auch die höhere Instanz in Bewegung setzen will.
Der Strudekkopf.
Volkserzählung von M. SebalduS-Aug.Butscher.
Deutsches Deich.
sBerlin, 16. Januar.
h Die ArSstdie« der beiden Häuser des preußischen Landtages werden Mittwoch Mittags 1 Uhr in besonderer Audienz vom Kaiser empfangen.
• D*riuz Heinrich vo« Preuße« ist am letzten Montag an Bord des Dampfers „Preußen" von Singapur abgereift.
+ Staatsminister Aervaert, der Präsident der belgischen Kammer, wurde vom Kaiser am letzten Sonntag in Audienz empfangen. Nach einer unverbürgten Zeitungsmeldung soll dieser Empfang mit einer besonderen Sendung im Auftrage des Königs der Belgier und der Königin Wilhelmine von Holland zusammenhängen und mit Plänen und Wünschen dieser beiden, vielleicht doch noch gemeinsam mit dem Gewisse Leute dürften'S sich hinter die langen Ohren schreiben."
„Erzdemokrat," murmelte der Bürgermeister und retirirte in einen Winkel, um die Bosheiten hinunterzuwürgen und seine poetische Rede noch einmal wiederzukauen. Er gedachte nämlich die hohen Herren mit Versen zu empfangen und Überhaupt die Prosa ein für allemal zu den Akten zu legen.
Mit zusammengekniffencn Augen hatte es der ..Meistersänger" gelesen und er schüttelte dabei ben Kopf mehr als einmal. Das Gedicht lautete:
-Mein brausend Roß, wie schnaubst du in die Zügel, M« bebt daS Thal vor Deinem Donnergang I Drr weicht der Strom, Dir öffnen sich die Hügel, Du wieherst hell, D« stöhnst so todteSbaug und unermüdet peitscht die blanken Weichen Des Dampfes Schweif — wie klinget hell Dein Huf! Heut doppelt hell — es sei ein gutes Zeichen, und brausend fliegt entgegen Dir der Ruf: Sei uns gegrüßt. Du Fürst, von den Getreuen. Ähr Herren all, die Ihr die Zügel führt.
Mein brausend Roß. Du wirst gewiß nicht scheuen. Wenn Deine Stirn das alte Thor berührt. Du brachtest einst Verderben diesem Thale, Bring Segen heut und in das Dunkel Licht, Dann nimm mit Dir die alten Todtenmale, Den morschen Schild Dein Eisenhuf zerbricht!" — «Das ist ja eine heillose Reimerei!" murmelte »er Bürgermeister, dem die Verse im Halse stecken -u bleiben schienen.
. »Ein verfluchter Kerl!" stimmte der Assistent „Da haben wir die Konkurrenz ad oculos.
«reilich, populär ist dar Ding nicht."
„Aber auch kein „Lumpenzeug"," warf hier ^r. Schwerimann ein und lachte aus vollem Mise. Ihm gingen demnach die Verse wie Oel mitunter. „Man könnte da so allerlei herauS-
setzte er boshaft hinzu: „Dunkel — Licht " aue Todtenmale — morscher Schild u. f. w.
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~ v ▼ Tr v ▼ W wird entsprechet,
Rabatt gewShÄt
। sonderlicherweise eine „Verletzung ihrer Berufsehre". Sie streikten und machten sich eine Privatbörse zurecht in dem sogen. „Feenpalast", einem Vergnügungs-Etablissement in unmittelbarer Nähe der großen Berliner Börse. Natürlich zog diese Veranstaltung als eine offenbare Umgehunx des Börsengesetzes die Aufmerksamkeit der Behörde auf sich. Die Händler wurden aufgefordert, den Entwurf einer Börsenordnung zur Genehmigung bei der Regierung einzureichen; und da sie das nickt lhaten, wurde die neue Privatbörse polizeilich aufgelöst. Nachher haben die Händler in einer Reihe von nebeneinander liegenden Räumen Getreidegeschäfte „von Kontor zu Kontor" betrieben unter Vermeidung der börsenmäßigen Formen, merlungen über die beiden Paare und führten allerlei anzügliche Redensarten darüber, wie die sonderbar eingefädelte Geschichte sich noch auswachsen werde, als aus e nmal ein lauter Schrei ertönte, und ein wildes Durcheinander am Bahngeleise entstand. Man sah einen weißen Fetzen dahinflikgen undBlumenpartikel ausstieben, dann Helene rote ohnmächtig in den Armen des Stationsvorstehers liegen, der ihr ermuthigende Worte zurief.
„Es ist ein Unglück geschehen!" schrie alles durcheinander und stürmte aus sie los. Tobten- bleich stand Helene wieder aufrecht und schien kaum zu beachten, daß der Assistent jetzt ihre beiden Hände in den feinigen hielt und zärtlich auf sie einredete. Mit schlotternden Knieen kam der Bürgermeister näher und laut aufkreischend stürzte ihm seine Gemahlin voraus, um den Assistenten wegzudrängen und die gerettete Tochter an das Mutterberz zu drücken. Erst nach etwa einem Dutzend Ausrufungen, die sinnlos genug waren, kam Leopold, der ebenfalls sehr bleich geworden, zum Wort und erklärte den Sachverhalt.
Er war einfach genug, hätte aber schrecklich ernst werden können.
„Wir standen," so erzählte Leopold mit zuckenden Lippen, „in angeregtem Gespräche beisammen als die Rangiermaschine, die jetzt dort drüben auf dem Geleise hält, im Nebel erst auf einige Schritte erkennbar, daherkam. Ich dachte nicht im entferntesten an irgend eine Gefahr, als plötz- ich die überlange Schleppe von Fräulein Helene, )ie ungesehen von uns, sich auf das Geleise geschlängelt haben muß, eom Trittbrett oder vom
9fia>^3^na^3.y<iv3tllts i» Mita. mit Nnterßatümgs-Meikage „Zssuflrirte Sonntags-Zerümgi'