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Julöcr, Freitag, den 12. Januar 1900.

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27. Jahrgang.

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würden, beispielsweise beim Etat des Reichs­kanzlers, und in der Stunde, in der diese Zeilen zu Papier gelangen, werden in diesem Sinne noch Verhandlungen geführt. Es ist nicht aus­geschlossen, daß schließlich die Wünsche der Re­gierung Berücksichtigung finden.

Parlamentarische Nachrichten.

h Das preußische Abgeordnetenhaus hatte heute so etwas wie einen großen Tag. Der Sitzungssaal war reich besetzt, nicht minder die Tribünen und die Tische der Herren Regierungs­vertreter; und die Stimmung war so wie an den Tagen, wo man besonders wichtige Aus­einandersetzungen und Enthüllungen erwartet. Aber mancher der Anwesenden, sowohl unten im Sitzungssaale wie oben auf den Tribünen mag durch den Gang der Verhandlung ein wenig enttäuscht gewesen sein, denn das Element der Sensation fehlte. Alles ging recht lieblich und friedlich zu, und schließlich paßte es sogar ganz gut in den Rahmen der Verhand­lungen hinein, daß StaalSminister o. Miquel behauptete, innerhalb der Regierung herrsche die vollkommene Einigkeit und Zusammengehörigkeit ihrer Mitglieder. Und dennoch bedeutet diese

werden, er war ja fremd und deswegen, wie die Leute glaublen, zu einer dominierenden Rolle unmöglich. Seine Leistungen freilich bewunderten sie im Stillen und fühlten sogar dunkel, daß der junge Majordomus der eigentliche König von Winkelstadt war, denn daß der Bürgermeister schlechte Geschäfte und ebenso schlechte V.'rse machte darüber war man we k vürdigerweise einig.

Wir wollen nun an einem nebligen November- Abende unsere beiden Freunde auf ihrem Gange begleiten. Dcr Assi trat halte seinen Freund zu dem heutigen Gang?, der eigentlich außer der Reihe lag, förmlich gepreßt, so daß Leopold zu ahnen begann, er beabsichtigte dabei etwas Be­sonderes. P ändernd schritten sie über die hol­perigen Schwellen und den knirschenden Kies und streiften mit den Augen die Akaziensträucher an den Böschungen, deren vergilbende Blätter wie ein trübes Lächeln im Nebelgrau spielten. Es war recht öde und düster ringsum; aber die jungen Männer trugen den Sonnenschein in stch, wenigstens machten sie sich keine großen Sorgen und hatten ein heiteres Thema angeschlagen. Der Assistent erzählte nämlich von dem lächer­lichen Gebühren des Bürgermeisters, den eine förmliche Verschönerungswuth befallen habe, und der in den Vorbereitungen zum Empfange des Landesherrn und der Minister die wunderlichsten Dinge treibe. Der Stadtwald werde förmlich vernich­tet, berichlete er, und die halbe Stadt sei auf den Beinen, um die schmutzigen Häuser in barm­herziges Grün zu kleiden. Der Mann zucke wie ein Blitz hin und her, und bei Nacht dichte er darauf los, daß ihm der Schweiß von der Denker­stirne rinne. Auch an der Novelle drechsle er zu-

tiren" und den Bahnwärtern Einträge zu machen hatte, pflegten ste entweder das sorglose Geplauder der Jugend oder ergingen sich auch in ernsten Ge prächen.dieihrergereiflen Natur und erworbenen Menschenkenntniß sehr zusagten. Der Assistent war auch schon tüchtig umhergeworfen worden und fühlte sich jetzt behaglich im warmen Neste. Wenn er auch nicht auf lauter Daunen lag, so machte er sich nicht viel daraus, denn wer lange auf Stroh gelegen hat, weiß immerhin ein Feder­bett zu schätzen.

Allerdings sah sein Prinzipal „in dieser furcht­bar kritischen Zeit", wie er sich ausdrückte, diese Gänge nicht gerne. Aber der junge Mann kümmerte sich nicht viel darum, denn er wußte, daß er dem unbeholfenen Bürgermeister, der jeden Augen­blick den Kons verlor, förmlich unentbehrlich war. Jede, roena auch noch so kurze Abwesenheit machte dies klar, er hatte fast jedesmal irgend eine Dummheit gut zu machen. Weil der Dichter sich nirgends zu reuen und zu helfen wußte und den neuen und strengen Anforderungen von oben" in keiner We,se gewachsen war, so halte der As­sistent eine freie Stellung, die er zuweilen em wenig boshaft ausnützte. L:eß er z. B. den Prinzipal etwas allein machen, so gab es sicher einen Rüffel oder eine Ordnungsstrafe. Des­wegen war und blieb der gewandte junge Mann „die rechte Hand" des Linkshändigen und „war nicht mit Gold zu bezahlen". Merkwürdigerweise war der in allen Wassern Gewaschene trotz seiner Spöttereien über „den allen Zopf" fast durchweg beliebt, denn jeder bezog diese Witze­leien auf einen anderen usb glaubte sich selbst hautrein. Und gefährlich konnte er nicht so bald

ein näherer Anschluß an ihn könne für einen Staatsbeamten zu bösen Dingen führen. Der andere — der Bürgermeister — hieß es in allen Tonarten, sei ein eingebildeter und gewaltthätiger Bramarbas, dem die Bü-gerschaft bei nächster Gelegenheit eines archängen werde, so daß ihm Hören und Sehen vergehe. Es sei dem jungen Herrn sehr zu rathen, hieß es in allen Variationen, stch der eigentlichen „Noblesse" anzuschließen, die recht gut Weizen und Spreu zu unterscheiden wffse. Jeder Mann in Winkelstadt wußte von anderen, „wie er sich räuspert und wie er spuckt," und keinem war es recht, wie es der andere machte. Daß man an dem neuen „Stern" von allen Seilen zog und zerrte, um seinen Schein für die eigene Bahn zu gewinnen, lag in der Natur der Sache, und unser Held kam 'sich bald wre „zerrissen" vor. Mit einer Art von stillem Trotz — er müßte nicht der „Strudelkopf" ge­wesen sein — schloß er sich aber nur an die beiden Familien an, die wir genauer kennen.

Daß er damit „in ein Wespennest stach," ver­steht sich von selbst, und daß deutende Finger und halblautes Gezischel sich erhob, ist ebenso klar; aber er sah und hörte vorerst nichts davon. Ganz enge aber schloß er sich nur an den Assistenten des Bürgermeisters an, der ihm seiner heileren Laune und seines wirklich gediegenen Wissens wegen überaus gefiel. Vielleicht lag aber der Grund dieses Zusammenschließens haupt­sächlich darin, daß beide eine gewisse Ausnahme­stellung einnahmen und der verknöcherten Eng- Herzigkeit den stillen Krieg erklärt hallen.

Auf ihren Gängen über die Bahnlinie, auf denen der Stationsmeister „die Streck: zu visi-

geleitet werden in der Weise, daß die Gerichts­vollzieher gegen festes Gehalt angestellt werden unter Einziehung der Gebühren zur Staatskasse. Die Vergütungen für baare Auslagen werden den Gerichtsvollziehern belassen. Die Gerichtsvollzieher erhalten ihre Aufträge von den Parteien unmittelbar, sie haben ein Geschäftslokal zu halten und sich die Dienstbedürfnisse selbst zu beschaffen. Sie be­ziehen einen nicht pensionsfähigen Antheil in Höhe von 24 pCt. von den Gebühren in Partei­sachen, welche für die von ihnen erledigten Ge­schäfte zur Staatskasse vereinnahmt werden. Für erfolgreiche Erhebung von Geldbeträgen in amtlichem Auftrage wird ihnen eine besondere Ver­gütung gewährt. Gegenwärtig sind 1796 Gerichts­vollzieher vorhanden, eine Vermehrung auf 2097 Stellen ist in Aussicht genommen. Da bei den kleinsten Amtsgerichten die Gerichtsvollzieher eine aus­reichende Beschäftigung nicht finden, so sollen dieselben auch zu dem Dienst der Gerichts­schreiber, Kanzlisten und Unterbeamten herange­zogen werden. Als Gehalt sind in Aussicht ge­nommen 1500 bis 2700 Mk. mit Ansteigen von je 200 Mk. und Erreichung des Höchstgehalts nach 18 Jahren. Bei den nicht voll mit dem Gerichtsvollzieherdienst beschäftigten Beamten ist ein geringeres Gehalt in Aussicht genommen. Denjenigen Gerichtsvollziehern, welche jetzt ein höheres Einkommen beziehen, wird für 5 Jahre der Fortbezug des bisherigen Einkommens ge­währleistet. Es wird ihnen für diese Jahre die Differenz zwischen dem künftigen Gesammtein- kommen aus der Staatskasse (Gehalt, Wohnungs­geldzuschuß, 10 pCt. reiner Gebührenantheil, Entschädigung für Kostenerhebung) und dem früheren Einkommen bis zum Höchstbetrage von 4500 Mk. gewährt, vorausgesetzt, daß die von ihnen der Staatskasse verdienten Gebühren die gleiche Höhe erreichen.

* Mönche«, 11. Jan. Der neue Nuntius Msgr. Sambucetti trifft morgen (Freitag) in München ein. Derselbe wird am Sonntag vom Prinzregenten in Audienz empfangen und auf dem Hofballe der Hofgesellschaft vorgestellt. In Folge dessen fällt die sonst übliche Vorstellung der Herren der drei Hofrangklaffen bei dem Nuntius fort.

Der Slrudelkopf.

BollSerzählung von M. S e daldus-Aug.Rutscher. 13 ------ (Nachdruck verboten.)

Das alles waren nur so „leise Tritte", schwache Spnren hinterlaffend und ein wenig kraus von Anblick, und man mußte G-duld abwarten, wo- hm sie führten. Ob sich übrigens Leopold einem oder keinem, oder am Ende beiden Mädchen zu- neigte, wäre in diesen Tagen schwer zu sagen gewesen. Er machte Besuche in beiden Häusern, spielte mit dem Doktor Schach und wurde von dem Bürgermeister, der aus einer Aufregung in vle andere fiel, bet seinen neuesten Dichtungen iu Rache gezogen, trotzdem er, wie der Gewaltige leinet Frau gegenüber bemerkte, ihm gegenüber «ur ein „untergeordnetes Genie" war. Wte viel mlle Heiterkeit er dem jungen Manne damit be- *, ahnte er freilich nicht, denn dieser hieß °ües gut, was er auch fabrijiren konnte, und wrngirte zuweilen noch größere Ungeheuerlich- £tten in seine Reimereien hinein, die den „großen Tag" verherrlichen sollten.

Von seinen Besuchen bei den anderen Größen °n Winkelstadt war Leopold sehr befriedigt, »"N er hatte beschlossen, vorerst nur die komische fr rj. -er Kleinlichkeiten auszukosten. Ec ahnte oder vielmehr, er konnte dem Doktor "W glauben, daß die Bosheit dicht daneben ohne. Einen kleinen Vorgeschmack davon hatte " allerdings bekommen. Jeder hatte über den aoeren geschimpft und alle über den Doktor chwertmann und über den Bürgermeister. Der "pore sei ein Erzdemokrat, hieß es allseitig, und

Aus -em Reichstage.

125. Sitzung vom 11. Jan. 1900.

In 3. Lesung wird das Gesetz über die Kon­trolle desReichshaushaltes für 1899 gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ohne Debatte ange­nommen.

Sodann wird die zweite Lesung des Etats beim Etat des Reichsamtes des Innern fortgesetzt, und zwar bei dem Titel „Staatssekretär".

Äbg. Sachs« (foj.) beschwert sich über die unge­eignete Ausübung der Berginspektion. Der natk.

Abg. Kitvck bezeichnet die Bergaufsicht im Gegen- theil als vorzüglich. Der sozd.

Abg WokdenvuHr beschwert stch über die Schädigung von Wittwen und Waisen von Seeleuten durch die von der Seeberufsgenossenschaft zu niedrig festgesetzten Heuersätze, wdrauf

Dr. v. HVoedtke, Direktor im Reichsamte des Innern, erwidert, er würde stch gewundert haben, wenn Herr Molkenbuhr einmal nicht an der Seeberufs-Ge- noffenschaft stch zu reiben versucht hätte. Diese thue in der Thal aber alles, was in ihren Kräften steht

Abg. Schrader (freis Bg.) kommt noch einmal auf die Reichs-Wohnungsreform zurück und empfiehlt den Regierungen, alles zu thun, um die Schwierigkeiten zu überwinden, möglichst noch in dieser Tagung eine ent­sprechende Vorlage zu machen.

Der kons. Abg. Dr. Herler-Sachsen beschwert sich darüber, daß das Börsengesetz in einigen Punkten noch nicht durchgeführt sei: Erstens tagen noch Frühbörsen, die weder dem Börsenkommissar, noch der Marktpolizei unterstehen. Außerdem lasse man in Berlin eine wilde Getreide-Börse fortleben. Die Vermuthung des Red­ners, daß deswegen schon Verhandlungen schweben, wird vom Ministerialdirektor Dr. Förster bestätigt.

Abg. Itoere« (Centr.) bedauert, daß das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb von den Richtern viel­fach unrichtig angewandt werde. Die Folge davon sei, daß das Ausverkaufs-Unwesen immer noch fortbestehe.

Staatssekretär Graf ^osaiowsky erkennt das Bedauern als gerechtfertigt an, weist aber darauf hin, daß das Reichsgericht theilwetse die Schuld daran habe. Sollte keine Aenderung in der Auffassung eintreten, werbe man dem Gesetze eine klarere Fassung geben müssen.

Abg. Dr. Kitze (Centr.) gibt seiner Genugthuung darüber Ausdruck, daß eine Ausstellung für Arbeiter- Wohlfahrtseinrichtungen zustande gekommen ist. Im übrigen ist Redner der Ansicht, daß die erhobenen Be­schwerden über die Gewerbe-Aufsicht zum Theil über­trieben seien. Die Einzelstaaten haben doch von einem Jahre zum anderen die Zahl ihrer Aufsichtsbeamten vermehrt. Zur Reichssache sollte man aber die Gewerbe- Aufsicht nicht machen.

Staatssekretär Graf ^osadorvoky will ein Ein­vernehmen mit den verbündeten Regierungen dahin anstreben, daß die Berichte der Fabrikinspektoren einzeln nach einem bestimmten Formular gedruckt und auch einzeln abgegeben werden.

Der sozd. Abg. Sachse kommt noch einmal auf die Bergaufsicht zurück und tadelt namentlich Mißstände, die nach seiner Ansicht in Sachsen bestehen. Nach einigen weiteren Bemerkungen des Abg. Hilbck wird der Titel „Staatssekretär" bewilligt und darauf die Weiter- berathung auf Freitag 1 Uhr vertagt.

Sitzung des Abgeordnetenhauses und ihr ganzer Verlauf eine ausgesprochene Niederlage der preußischen Staatsregierung; denn die Redner aller Parteien, von der äußersten Rechten bis zur Linken, zeigten sich vollkommen einig in bei Mißbilligung der von der Regierung verhängten Maßregelungen gegen diejenigen politischen Beamten, die gegen die Kanalvorlage am Schluffe der letzten Tagung des Abgeordnetenhauses gestimmt hatten. „Im Namen der Regierung bemühten sich Mi­nisterpräsident Fürst Hohenlohe, Justiz­minister Schönstedt, Minister des Innern von Rheinbaben um die Begründung und Rechtfertigung der Beamtenmaßregelungen. Aber irgendwie überzeugend haben alle die Minister­reden zusammengenommen nicht gewirkt. Nament­lich die sehr kurze Jungfernrede des neuen Mi­nisters des Innern von Rheinbaben entbehrte dieser Zugkräftigkeit vollkommen. Fürst Hohen- lohe's Erklärung, genauer gesagt die Erklärung des preußischen Ministeriums, die zu verlesen Fürst Hohenlohe so liebenswürdig war, ist nichts weiter als ein Spiel mit Worten; und in den Thatsachen ändert es gar nichts, unter welchem Scheine des Rechtes die beamteten Abgeordneten gemaßregelt wurden. Sie sind gemaßregelt wor­den wegen ihrer Abstimmung gegen den Rhein- Elbe Kanal; daran können die schönsten und längsten Reden nichts ändern, so wenig wie daran, daß solche Maßregelungen gegen den Geist der Verfassung verstoßen, nach der kein Abgeordneter nachträglich wegen seiner Abstim­mungen zur Rechenschaft gezogen werden soll.

* Dem Aeichstage sind heute die vier Novellen zum Unfallversicherungsge­setz zugegangen: 1. Gewerbe-Unfallversicherungs-- gesetz. 2. Unfallversicherungsgesetz für Land- und Forstwirthschaft, 3. Bau-Unfallversicherungsgesetz 4. See-Uufallverstcherungsgesetz, ferner ein Ge­setzentwurf betreffend die Unfallsürsorge für Ge­fangene.

X Die Interpellation im Aeichsta-e wegen der Beschlagnahme deutscher Schiffe durch die Engländer wird aller Voraussicht nach im Anfänge der nächsten Woche zur Besprechung gelangen. Die Ver­treter der Reichsregierung haben den Wunsch ausgesprochen, diese Interpellation möge nicht sofort auf die Tagesordnung gesetzt werden; des­wegen, weil sie sich davon eine Förderung der deutschen Interessen nicht versprechen können. Diesem Wunsche ist dadurch Rechnung getragen, daß die Interpellation nun erst auf die Tages­ordnung einer Sitzung der nächsten Woche ge­setzt werden soll. Die Interpellation ist bekannt­lich gemeinsam von Centrum, von den Konser­vativen und Nationalliberalen eingebracht. ES kann Übrigens möglich sein, daß im letzten Augenblicke noch Aenderungen vorgenommen wer­den in der Behandlung dieser Angelegenheit. Die Reichsregierung scheint es nicht gern haben zu wollen, daß die Sache zum Gegenstände -iner besonderen Interpellation gemacht werde, während man im Reichstage bis gestern Nrchmittag über­wiegend der entgegengefetzten Anschauung war. Die Regierung würde es lieber sehen, wenn diese Fragen nebenher bei irgend einem Etat erörtert

mit Zlnterhakkmgs-Aeikage „Issustrirte Sonntags-Zeitungs

Ans dem Landtage.

Avgeordueteutza»». - 3. Sitzung vom 11.Jan. 190).

Am Ministertische sind erschienen: Fürst Hohenlohe und die Minister Dr. von Miquel, Schönstedt, Dc. Studt und spät r Frhr. von Rheinbaben.

Deutsches Derch.

Berlin, 11. Januar.

' Der^Dampfer „ZL««desrath" wird von den Engländern noch immer in dem Natal- Hafen Durban festgehalten. Angeblich wird die Beschlagnahme noch immer deswegen aufrecht er­halten, weil die Durchsuchung des Schiffes noch nicht beendet ist. Die Verhandlungen der beut« scheu Regierung mit London beziehen stch übrigens, wie verlautet, nicht nur auf die neuesten einzelnen Beschlagnahmen, sondern beschäftigen sich auch mit der grundfätzlichen Behandlung der ganzen Frage der Schiffsbeschlagnahmen überhaupt. Für ungerechtfertigte Schiffskaperei wird man von England natürlich die gebührende Entschädigung verlangen. Rach Drahtmeldungen, die über Lon­don in Berlin eintreffen, haben die bisherigen Durchsuchungen des Dampfers „Bundesrath" noch keine Kriegskontrebande zu Tage gefördert.

• Der deutsche Ikottevverei« hat am heutigen Donnerstag feine erste Generalversamm­lung in Berlin abgehalten, nachdem vorher eine gemeinsame Sitzung der Vertreter der Landesans- schüffe stattgefunden hatte.

□ Die Antisemiten nnd der Aärings- zoK. Eine Petition an den Reichstag hatte die Verdoppelung des Zolles auf Häringe verlangt, die Petitions-Kommifsion hatte dies be­fürwortet, der Reichstag lehnte diese Verdoppe­lung jedoch mit großer Mehrheit ab. Mit Recht wies Abg. Dasbach daraus hin, daß der Häring ein Nahrungsmittel der ärmeren Volksklassen, insbesondere der armen katho­lischen Bevölkerung sei und nicht noch zu Gun­sten von ein paar großen Schifferei - Aktiengesell­schaften vertheuert werden dürfte; selbst der „Bund der Landwirthe", welcher in der Kommission für diese Verdoppelung des Häringszolles gestimmt halte, wollte jetzt nichts mehr davon wissen. Nur die Antisemiten, welche stets das Wort vom „Schutz des kleinen ManneS" auf denLippen führen, aber keine Gelegenheit vorüber­gehen lassen, neue Lasten auf ihn zu wälzen, haben auch diesmal für eine 23 er« theuerung dieses Volks - Nahrungsmittels ge­stimmt, konnten aber nicht verhindern, daß die Erhöhung des HäringSzolles unter allgemeinem Gelächter des Reichstages abgewiesen wurde.

* Genaue Bestimmungen über die Ilev««- ge» des Neurlanvtcustaudes sind dieser Tage auf einen vom preußischen Kriegsminister dem Kaiser gehaltenen Vortrag ergangen. Es ist angeordnet worden, daß die Interessen der am meisten beteiligten bürgerlichen Berufskreise, namentlich Ernteoerhältnisse in den ein­zelnen Korpsbezirken bei der Wahl des Zeit- Mnktes möglichst zu berücksichtigen sind. Die Gestellungsbefehle sind den Einznberufer.den so früh wie möglich zu ermitteln.

* ®ine IlmrvaZedlvUg des Herichlsvolk ziehe»wesens soll dinch den neuen Etat ein­