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mit Nnlerhaüungs-Meilage „IlluMrte Sonntags-Ieitung" prtersgaKk Nr. 2 (Banwnie).

Julöa, Mittwoch, den 10. Januar 1900.

27. Jahrgang.

0 Das Wirtschaftsjahr 1899.

Auf dem Gebiete der wirthschaftlichen Ent­wickelung steht das Jahr 1899 für Deutschland einzig da. Das macht der industrielle Aufschwung: die Bergwerks- und die Hüttenindustrie können den Anforderungen, die an sie gestellt werden, nicht nachkommen, so daß das Jahr unter ganz empfindlichem Mangel an Kohlen und Eisen ge­schlossen hat. Das war bis jetzt bei uns in Deutsch­land noch niemals dagewesen, und deswegen kann man sagen, daß daß wirthschaftliche Jahr 1899 bisher für uns Deutsche einzig in seiner Art dasteht.

Die Periode des neuen wirthschaftlichen Auf­schwungs kann man von 1895 ab rechnen. Seit­dem hat bei uns die lebhafteste gewerbliche Thätig- keit geherrscht. Nur die Landwirthschaft und die Gewebe-Industrie blieben im Anfänge noch zurück; aber das Jahr 1899 hat auch für diese beiden außerordentlich wichtigen Erwerbszweige Besserung gebracht, so daß gegenwärtig wirklich niemand über schlechte Zeiten klagen kann.

Manche Leute glauben nun, wir befänden uns am Anfänge eines wirthschaftlich goldenen Zeit­alters. Denn, so meinen diese Schwärmer, schon im Jahre 1898 glaubte man den Umschwung, den Abfall zu schlechten Zeiten gekommen; bereits am Schluffe jenes Jahres sagte man für 1899 den Eintritt eines Niederganges voraus. Und nun hat dieses letzte Jahr statt des prophezeiten Nieder­ganges erneuten und noch stärkern Aufschwung ge­bracht! Aber das ist noch kein Beweis dafür, daß die von vielen Seiten her erhobenen Warnungs­rufe vor dem Umschläge zu mageren Jahren un­berechtigt sein sollten. Die Knappheit an Gold, die infolge des Burenkrieges eingetreten ist, und die außergewöhnlich hohe Anspannung des Kredits haben dazu geführt, daß die Reichsbank ihren DiskontsatzLauf sieben vom Hundert erhöhte, eine Maßregel, -bte bisher ebenfalls einzig dasteht in der Geschichte der Reichsbank. Das ist ein deut­liches Kennzeichen für die vorhandene außerordent­liche Krediterschwerung, 'und diese wiederum kann ganz leicht dazu führen, daß eine Reihe von kapital­schwachen Existenzen daß Zeitliche segnet und da­durch allerhand unangenehme Verwickelungen her- beisührt. Und das wiederum kann verhängnißvoll werden bei einer ohnehin schon gespannten Lage.

Die Lage aber ist bedenklich. Der Schwer­punkt der wirthschaftlichen Weiterentwicklung liegt heute mehr als je in England, aber wiederum in Südafrika. Und daß die Kriegsschläge, die Eng­land in Südafrika erhält, auf das wirthschaftliche Gebiet stark einwirken können, wer wollte eS leugnen? Sollten diese Einwirkungen auf Eng­land beschränkt bleiben, dann würden wir in Deutschland daS vermuthlich mit kühlem Gleich- muthe betrachten; aber leider liegt die Befürch­tung gar zu nahe, daß jeder Krach in England sofort auch auf dem europäischen Festlande und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika eine Krise heraufbeschwören würde.

Wie riesenhaft die Anspruchnahme des Kre­dits gewachsen ist, das sieht man aus einem Ver­

gleiche der Wechsel- und Lombardanlagen der Reichsbank während der letzten Jahre. Am 30. September des letzten Jahres hatte diese An- age die Riesensumme von 1238 Millionen Mk. erreicht, während sie an demselben Tage des Vor- ahres erst 1089 Millionen betrug und am 30. September 1894, also vor dem wirthschaftlichen Aufschwünge, nur auf 719 Millionen sich be­zifferte. Das steuerfreie Notenkontinent der Reichsbank aber war am 30. September 1899 um 371 Millionen überschritten, während vorher die stärkste Ueberschreitung am 31. Dezember 1898 nur 283 Millionen Mark betragen hatte. Und an demselben 30. September 1899 standen bei der Reichsbank einem Notenumläufe von 1383 Millionen Mark und sämmtlichen täglichen Ver­bindlichkeiten im Betrage von 1866 Millionen Mark nur 718 Millionen Baarmittel gegenüber, davon 687 Millionen Mark in Metall.

Ebenso riesenhaft sind in der jüngsten Zeit die neuen Gründungen angewachsen: das Aktien­kapital der Neugründungen hatte seit dem Jahre 1874 nur in einem Jahre die Summe von 400 Millionen Mark überstiegen, nämlich im Jahre 1889. Im Jahre 1898 aber hat dieses Kapital die bedeutende, noch niemals dagewesene Höhe von 463 Millionen erreicht! Und wie sind manche Aktien eingeführt worden: die Aktien der Bremer Wollkämmerei beispielsweise zu einem Kurse von 331, diejenigen der Zeitzer Eisengießerei zu 304 — was unter 150 eingeführt wurde, schämte sich beinahe schon wegen seines niedrigen Kurses.

Der Rückschlag muß und wird kommen. Und wer sich bei Zeiten vorgesehen hat, den werden alle die Anderen beneiden, die das vorher ver­säumt haben werden. Den Letzten beißen die Hunde!

•F Aus den Bundesstaaten.

Was das Jahr 1899 in Preußen an kenn­zeichnenden Vorgängen gebracht hat, ist so außer­ordentlich eingehend überall besprochen worden, daß es nicht nöthig ist, bei einem Rückblicke auf das abgelaufene Jahr noch einmal darauf einzugehen. Das ist um so weniger nöthig, als die Angelegen­heiten, um die es sich dabei handelt, noch gar nicht abgeschloffen sind, sondern noch mitten in ihrer Entwickelung stehen: Kanalvorlage und zeitgemäße Umbildung des Gemeindewahlrechtes. Die Kanal­vorlage kehrt in bedeutend erweitertem Umfange wieder, und ebenso wird dem preußischen Landtage alsbald eine neue Vorlage über das kommunale Wahlrecht gemacht werden. Dieses letztere ist erst vor wenigen Tagen in einem halbamtlichen Organe entgegen anderen Meldungen so bestimmt ange­kündigt worden, daß man nicht daran zu zweifeln braucht. Das Jahr 1900 wird also im preußischen Landtage der Hauptsache nach nur eine Fortsetzung des Jahres 1899 sein, und erst am Schluffe der der neuen Berathungsperiode des preußischen Land­tages wird sich ein umfassender Rückblick auf alle diese Dinge werfen laffen. Nur etwas ist schon im voraus klar: in diesem neuen Jahre wird es im preußischen Abgeordnetenhause nicht viel an­ders zugehen als im alten, wenn es die Regierung nicht anders als im alten anfängt. Namentlich wird sie es unterlaßen müssen, die Kanalvorlage mit anderen Sachen zu verquicken und zu ver-

Chrorük des Jahres 1899.

(Nachdruck verboten.) Juli.

11. Dreyfus landet in Guiberon und wird mittels Wagen nach Rennes gebracht.

1. Die hessische zweite Kammer nimmt (unter allge­meiner Heiterkeit) den Antrag auf Einführung einer Junggesellen-Steuer an.

2. Fortdauernde Unruhen in Spanien; in Valencia Barrikaden, in Barcelona Auftuhr.

3. Bergarbeiter-Streik im Herner Revier beendet.

4. Schluß der französischen Deputirtenkammer.

4. Volksversammlungen in Transvaal; Unabhängig­keit der Republik betont.

5. Im Volksraad des Oranje-Freistaates bedauerte Präsident Ste ij n die Versuche der Kriegspartei, die Einigung Englands und Transvaals zu Hinter­treiben.

6. Der Volksraad von Transvaal stimmt dem An­träge bei, daß das Wahlrecht mit rückwirkender Kraft an Ausländer nach siebenjährigem Aufent­halte in Transvaal ertheilt werde; die Spannung scheint gemildert.

6. Königin Wilhelmine gibt in Amsterdam ein Festmahl zu Ehren der Friedens-Konferenz.

6. Sympathischer Empfang des deutschen Kaisers an Bord des französischen Schulschiffes „Iphigenie".

6. Attentat auf den König Milan von Serbien; Attentäter verhaftet, Milan unver­letzt.

7. Freundlicher Depeschenwechsel des deutschen Kaisers und des französischen Präsidenten gelegentlich des Schulschiff-Besuches bei Bergen.

7. Depesche des deutschen Kaisers an Dr. Hinz- peter: „Auch in Mir ein unbeugsamer Wille."

7. Breve Papst Leo Xlll. anläßlich des 50jährigen Jubelfestes der katholischen Gesellenvereine.

8. Krankheit des Weihbischofs Dr. S ch m i tz in Köln; Amputation.

9. Schluß des Konzils der Bischöfe des lateinischen Amerikas.

9. Feierliche Konsekration und Inthronisation des neuen Bischofs von Kulm Dr. Rosentreter.

10. Englands Versuche mit einer neuen Gewehrkugel ä la Dum-Dum-Geschoß.

10. Bayerische Landtagswahlen; Niederlage der Libe­ralen. Centrum Zuwachs.

11. Die ersten englischenTruppen erhalten den Befehl zum Abmarsche nach Süd­afrika.

12. Abgeänderter Entwurf des Transvaal'schen Wahl­rechtes dem Volksraad unterbreitet; Naturalisirung nach 2 Jahren, volles Wahlrecht, nach 5 Jahren andauernder Aufenthalt in Transvaal.

13. Von der Haager Friedens-Konferenz: Gesetze und Bräuche des Landkrieges; wieder neue und schöne Bestimmuugen, die, wie später erwiesen, nicht ge­halten werden.

14. Ermordung des Oberstleutnants Klobb und Leutnants Meunier durch Haupt­mann V o u l e t in der Nähe von Mnrdia (Afrika).

15. Die erste hessische Kammer verwirft die Jung­gesellen-Steuer.

17. Großfürst Michael wird russischer Thronfolger.

17. Ergebniß der bayerischen Abgeordneten - Wahlen: Centrum hat Mehrheit.

18. Unfall der deutschen Kaiserin bei Berchtesgaden; Fußverletzung.

18. Cecil Rhodes kehrt aus England nach Kapstadt zurück.

19. In englischen Kreisen wird die Krisis in denBe-

koppeln, wenn sie nicht neue Niederlagen auf sich herunterbeschwören will.

Für Bayern war das abgelaufene Jahr wichtig: im Anfang des Monats Juli wurden die Neuwahlen zur zweiten Kammer vorgenommen. Das Centrum leitete feine Wahlthätigkeit ein mit einem Rechenschaftsbericht über seine Arbeit in der Kammer während der voraufgegangenen Man­datedauer, und es erzielte damit einen vorzüglichen Erfolg bei der Wählerschaft, der alle die Unglücks­weissagungen seinerSchwarseher zuschanden machte. Denn heute hat das Centrum als geschlossene Partei wieder eine feste Mehrheit in der bayerischen Abgeordnetenkammer. Vereinzelt hatten die So­zialdemokraten Wahlmänner des Centrums gewählt und umgekehrt, die Liberalen stimmten deswegen ein lautes Wedegeschrei an. Aber gerade dieselben Liberalen hatten dasselbe Kunststückchen vorher dem Centrum vorgemacht, und wäre es nun nach ihnen gegangen, so würden sie sogar bei derselben Wahl mit der Sozialdemokratie paktirt haben. Es fehlte ihnen also jegliche Berechtigung zu den Klagen, die sie anstimmten; es war nur eine neue Auflage der alten Fabel von dem Fuchse, dem die Trauben zu hoch hingen und ihm deswegen angeblich zu sauer waren. Noch im alten Jahre hat die Ab­geordnetenkammer 52 Sitzungen abgehalten und zum Nutzen des Landes, namentlich des Mittel­standes, unter der Führung des Centrums ein reichliches Stück Arbeit geleistet.

Im Lande Bayern, nämlich in Nürnberg, tagte im letzten Jahre die Generalversammlung des so­genannten „Evangelischen Bundes". Das war diesmal eine ganz besonders „gelungene" Veranstaltung, so daß bis heute noch der Staats­anwalt umfängliche Arbeit damit hat. Rohe Be­schimpfungen des hl. Vaters, Beleidigungen deut­scher Bundesfürsten, schmähliche Verleumdungen der katholischen Kirche — das waren die Kenn­zeichen dieser „evangelischen" Versammlung. Und dieselbe Versammlung brachte es fertig, an den Priuzregenten von Bayern ein Ergebenheitstele­gramm zu senden mit der heuchlerischen Versiche­rung, daß die Bedeutung des „Evangelischen Bundes" — Friede sei! Das darauf aus dem Kabinet des Reg nten Dank erfolgte, hat in dem käthol. Lande Bayern nicht geringes Aufsehen ge­macht, aber kein freudiges!

Auch in Hessen mußten Neuwahlen zur Handelskammer vorgenommen werden, und auch hier haft das Centrum seine Stelle vortrefflich be­hauptet. Sofort nach der Eröffnung der zweiten Kammer hat das Centrum wiederum den volks- thümlichen Antrag eingebracht auf Einführung all­gemeiner und unmittelbarer Wahlen. Dieselbe Reform findet auch in Bayern volle Unterstützung des Centrums.

Nach wie vor war das Centrum in Württemberg rührig thätig. Es hat sich dort eine feste Stellung erkämpft, in der es von allen anderen politischen Parteien hoch angesehen ist. Hier ist im vergangenen Jahre unter Mithilfe des Centrums die Steuerreform unter Dach und Fach gebracht worden, die im Jahre vorher ge­scheitert war.

Im Großherzogthum Baden haben die Neu­wahlen zur zwecken Kammer den Besitzbestand der Nationalliberalen noch weiter verringert. Aber die Zweidrittelmehrheit, die die Opposition für

ziehungen zwischen England und Transvaal durch die Vorschläge Transvaals (Wahlrecht nach sieben Jahren) als beendet angesehen.

21. Der sozialdemokratische Privatdozent Dr. Arons, wegen seiner Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie vor das Disziplinargericht verwiesen, wird von diesem in erster Instanz freigesprochen.

22. Der neue päpstliche Nuntius Lorenzelli überreicht dem französischen Präsidenten sein Beglaubigungs­schreiben.

24. Schlußprotokoll der Friedens-Kon­ferenz; vier Konventionen (friedliche Schlichtung internationaler Streitigkeiten, Gebräuche für einen Landkrieg, Genfer Konvention für den Seekrieg angewendet, keine Explosivgeschosse) und fünf Wünsche (die Beschränkung der militärischen Lasten, Rechten und Pflichten der Neutralen, Kaliber der Gewehre und Marinegeschütze, Re­vision der Genfer Bestimmungen, Privateigenthum im Seekrieg); alle Mächte treten den Bestim­mungen bei.

26. General Heureano, Präsident der dominikanischen Republik ermordet.

27. Der ausführende Rath in Transvaal beschloßt, die Zahl der Vertreter des Rand im Volksraad von 2 auf 10 zu erhöhen.

28. Erlaß des preußischen Kultusministers an die Provinzial-Schulkollegien betr. den früheren Mai- Erlaß über die Grenzen der körperlichen Züch- igung in Volksschulen.

28. Große Transvaaldebatte im englischen Parlament; Kimberley, Salisbury, Balfour, Chamberlain verhüllen Englands Kriegsgelüste unter Redensarten und suchen Transvaal in's Unrecht zu setzen; „das englische Volk sei am Ende seiner Geduld angelangt."

Umbildung des Wahlrechtes braucht, ist noch nicht erreicht. Es gilt also weiterkämpfen. Denn das, was die Regierung unter dem Titel „Wahlreform" der Kammer präsentirt, ist geradezu ein Hohn auf ms Wort „Reform". Das liberale Ministerium des Herrn Eis en loh r ist noch im Amte, noch, und klammert sich an seine Aemter, obwohl ihm längst die Mehrheit in der Kammer fehlt. Aber auch dieses Ministeriums Stündlein wird schlagen. Denn auf die Dauer verträgt es sich nicht mit dem Geiste der Zeit, daß ein Ministerium fortge- etzt gegen eine parlamentarische Mehrheit die wlitischen Geschäfte führt!

Deutsches Deich.

Berlin, 9. Januar.

* Wege« ZLekeidigttttg des preußische« S1aatsmi«isteri«ms wurde der Redakteur der ozialdemokratischen ,Magd. Volksstimme' zu 200 Mk. Geldstrafe verurtheilt. Die Beleidigung wurde gefunden in einem Artikel, welcher der Regierung vorwarf, sie habe durch die Maßrege­lung der 22 beamteten Abgeordneten verfassungs­widrig gehandelt und sich ferner damit auf das Gebiet persönlicher Verfolgungen begeben. Das Urtheil des Gerichtes ist reich an interessanten Einzelheiten. Zunächst billigte das Gericht dem Angeklagten den Schutz des § 193 des Strafgesetzbuchs (Wahrung berechtigter In- teressen) zu, da er berechtigt gewesen sei, das Verhalten der Regierung zu besprechen. Sodann erklärte es, daß in der behaupteten Ver­fassungswidrigkeit eine Beleidigung nicht enthalten sei, weil nicht gesagt worden sei, die Verfaffungswidrigkeit sei eine bewußte gewesen. Ebenso stehe es mit der Behauptung, die Regierung habe sich auf das Gebiet der per­sönlichen Verfolgungen begeben. In den Aus­drücken „jämmerliche Aktion", „geflissentliche Zweideutigkeiten", „unglaublich thöricht", „Un­willen aller anständig Gesinnten" sei aber zweifel­los eine Beleidigung enthalten, deren sich auch der Angeklagte bewußt gewesen sein müffe. Be­sonders intereffant ist, was das Gericht über die Abmessung des Strafgrades sagte: „Die Unbe­scholtenheit des Angeklagten komme nicht straf­mildernd in Betracht. Der wirkliche Thäter sei doch die Zeitung, die der Ange­klagte mit seiner Person decke. Die Zeitung sei aber nicht unbescholten, sondern schon oft und sehr erheblich vorbestraft. Das müsse in Betracht gezogen werden und keineswegs könne einer solchen Zeitung das Privileg, milder beur* theilt zu werden, deshalb zugebilligt werden, weil sie ihre Redakteure häufig wechselt. Die bis­herige Unbescholtenheit würde den Angeklagten also keineswegs vor Gefängnißstrafe beschützt haben, wenn nicht die schon vorstehend angeführ­ten Milderungsgründe vorhanden gewesen wären. Der Thäter war die Zeitung, also eine Sache. Mit diesem Satze ist eine ganz neue An­schauung in die Rechtsprechung gedrungen. Man darf gespannt fein, was das Reichsgericht dazu sagen wird.

* Die .Köln. Ztg/ berichtet über eine erste IleZerraschnng, die das neue Bürgerliche Gesetzbuch gebracht hat. Den auf den 2. Januar 1900 zu gerichtlichen Terminen ge-

A.mvwirtßsch'tftttches.

Gefüllte Kohlrabi. Man entfernt alle Blätter, nur die ganz kleinen Herzblättchen bleiben stehen," man schält darauf vorsichtig die Kohlrabi und schneidet oben einen kleinen Deckel ab, an dem die Herzblättchen stehen bleiben. Der untere Theil wird vorsichtig mit abge­rundetem kleinem Messer ausgehölt und das heraus­gekratzte Mark kommt zur Fleischfüllung mit dazu. Diese Füllung besteht aus halb Schweine- und Rind­oder Kalbfleisch, auch etwas Geflügelreste kann man dazu verwenden. Das Fleisch muß sehr fein ohne Sehnen gehackt oder geschabt sein, mit Zwiebel, Pfeffer, Salz und dem feingeschabten Mark der Kohlrabi vermischt. Nun füllt man die ausgehöhlten Kohlrabi-Köpfchen mit der gut abgeschmeckten Farce und bindet mit Zwirn fest den Deckel mit den Herzblättchen darauf. Nun kocht man sie in Fleischbrühe oder Salzwasser (mit Liebig's Extrakt). Man kann diese gefüllten Kohlrabi zu Bouillon- Suppe dazu geben oder als Einzelgericht mit einer weißen, mit Capern und Zitrone abgeschmeckten Tunke.

Brühkartoffeln. Man schält die Karkoffeln, schneidet sie in hübsche Stücke, kocht sie in Salzwasser ziemlich weich und läßt sie gut abdämpfen Alsdann schüttet man sie in kräftige durchgegossene Fleischbrühe, fügt etwas Pfeffer, Muskatnuß, gehackte Petersilie und ein Stückchen Butter hinzu und kocht sie vollends gar, man muß aber darauf achten, daß die Kärtoffeln nicht zerkochen, da sonst das Gericht viel am Aussehen ver­liert Das Fleisch, welches man für diesen Zweck mit kochendem Wasser aufgesetzt hat, richtet man mit einer Meerettig-, Rosinen-, oder Senftmuce rc. an.

Abgerührte lSemmelklößchen anzurichten. Für diese werden 125 Gramm Milchbrod fein geschält, angeweicht, bann gut ausgedrückt und mit 70 Gramm Butter in einer Kasserolle auf dem Feuer so lange ge­rührt, bis sich die Masse vom Boden des Geschirres löst. Noch heiß verbindet man sie mit einem ganzen Ei, fügt, nachdem sie erkaltet ist, noch 3 Eigelde, Salz, ein wenig geriebene Muskatnuß, einen Löffel Mehl hin­zu, formt kleine Klößchen und läßt diese in Brühe aus Liebigs Fleischextrakt gar kochen.