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fx« Inserat« I.pa»z«ll«r ix 5x16«. mit Unterhaktungs-Meikage „Zssustrirte Sonntags-Zeitung;'

JK 7-Jutöa, Mittwoch, den 10. Januar 1900. 27. Jahrgang.

[] Eröffnung des preuß. Landtages.

Richt der Kaiser, sondern Reichskanzler und Ministerpräsident Fürst Hohenlohe hat heute im Prunksaale des König!. Schlosses die neue Tagung des preußischen Landtages mit der Ver­lesung einer Thronrede eröffnet. Die Zahl der versammelten Mitglieder der beiden Häuser des Landtages war recht unbedeutend; es können im Ganzen nicht mehr als 120 gewesen sein. Dem schwachen Besuche entsprach die Stimmung, von der die Versammlung beherrscht war: die ganze Thronrede wurds schweigend angehört. Rur im Eingänge der Rede erklang Beifall, als Fürst Hohenlohe die Mittheilung von der glücklichen Geburt eines königl. Prinzen machte — des dritten Sohnes des Prinzen Heinrich von Preußen. Die Thronrede lautete:

Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!

Im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers und Königs heiße ich Sie an der Schwelle des neuen Jahrhunderts zur Wiederaufnahme Ihrer Arbeiten willkommen und begrüßeSieindiesem Augenblick in um so freudigerer Stimmung, als soeben aus Kiel die Nachricht von der Geburt eines neuen Sprossen des Königlichen Hauses erngetroffen ist.

Die Finanzen des Staates gestalten sich in Folge des anhaltenden Aufschwunges des gewerblichen Lebens und bei der dauernden Steigerung der Erträg­nisse der meisten Staatsbetriebe fortgesetzt günstig.

Wie in den Vorjahren, hat auch die Rechnung für das Etatsjahr 1898/99 mit einem beträchtlichen lieber« schuß abgeschlossen, und ebenso darf für das laufende Jahr ein befriedigendes Ergebniß erwartet werden. Der Staatshaushaltsetat für das Jahr 1900, dessen Ent­wurf Ihnen alsbald vorgelegt werden wird, hält in Einnahme und Ausgabe das Gleichgewicht und hat fast auf allen Gebieten der Staatsverwaltung erhebliche Mehraufwendungen zur Befriedigung kultureller und wirthschaftlicher Aufgaben in Aussicht nehmen können.

Insbesondere kann das Ergebniß der Staatseisen­bahnverwaltung trotz der wachsenden Schwierigkeiten und Kosten des Betriebes als dauernd zufriedenstellend bezeichnet werden. Dieses Ergebniß in Verbindung mit dem günstigen Abschlüsse der anderen Betriebsver­waltungen hat es möglich gemacht, ohne Inanspruch­nahme des Staatskredits, die Anlagen und Ausrüstungen der Staatseisenbahnen in erheblichem Umfange zu er­gänzen und zu vervollkommnen.

Den steigenden Anforderungen des Verkehrs und dem Bedürfnisse der mit Schienenwegen bisher nicht genügend bedachten Landestheile soll auch in Zukunft durch Erweiterung und Vervollständigung des Eisenbahnnetzes und durch Förderung von Kleinbahnunternehmungen Rechnung ge- tragen werden. Zu diesem Zwecke werden umfassende Mittel von Ihnen erbeten werden.

Die Staatsregierung hält nach wie vor an der Ueberzeugung fest, daß die Herstellung eines Schifffahrtskanals vom Rhein bis zur Elbe zur theilweisen Entlastung der Staatseisenbahnen, wie zur Hebung des binnenländischen Verkehrs nothwendig ist. Die vorjährige Gesetzesvorlage wird Ihnen daher, erweitert durch Vorschläge für die besonders dringliche Herstellung anderer Echifffahrtsverbindungen und Verbesserungen natürlicher Flußläufe im Interesse des Verkehrs wie namentlich der Landesmelioration, wiederum unterbreitet werden, sobald die betref- fenden Projekte fertiggestellt sind und deren wrrthschaftlrche und finanzielle Grundlage dargelegt ist. Als solche Projekte kommen in erber Linie in Betracht dre Herstellung eines Großschifffahrtsweges

Der Strudelkopf.

BolKerzählung von M. S e baldus-Aug.Butscher.

11 ------ (Nachdruck verboten.)

»Es ist nur weniges, was ich in stillen Stunden hingeworfen," sagte Leopold erröthend, „und im Gedächtnisse habe ich nur einige Strophen, die mir die Erinnerung an das schon besprochene Eisenbahnunglück einmal in die Feder getrieben. Sie sind einsüch genug und machen keinen An­spruch auf besondere Schönheit." Dann trug er mit tiefem Gefühl folgendes vor:

„Es war in einer Sylvesternacht, Als Flocken vom Himmel stoben; Ein armier Knabe hat nicht bedacht. Daß still sie ein Leichentuch woben. Da gellte der Ruf das Thal entlang: unten haust Tod und Verderben!"

Die Herzen, sie schlugen so todesbang

Bei diesem gewaltigen Sterben.

Das war ein Jammer; in blut'gem Roth Erstrahlten die gräßlichen Trümmer, Das Wehe raste, es schwieg der Tod, And d'rüber Sterne Schimmer.

Es grub ein Knab' mit den Händen beid, Boll Blutschweiß das Antlitz, das bleiche. Und endlich — lag lebend die blonde Maid Bor ihm, und die Mutter als Leiche.

Dem armen Vater das Kind er gab, Die Maid mit den strahlenden Locken — Da fanden die Männer ein neues Grab, Der Herzschlag der Jungbrust blieb stocken. Das Donnerroß lag wie ein Leichenstein, Die Männer doch hoben und stießen.

Dies Jammerbild, soll das der Vater sein, Der Mann mit zerschmetterten Füße« ?

zwischen Stettin und Berlin, die Beschaffung ausreichender Borfluth im Oderbruche, die Ver­besserung der Verhältnisse an der unteren Oder sowie an der Spree und der Havel, die weitere Aus­bildung der Wasserstraßen zwischen Oder und Weichsel und die Herstellung des Masurischen Seekanals.

In das Extraordinartum des Etats der Staats­bauverwaltung sind die Mittel eingestellt worden, um den preußischen Nordseehafen Emden für die großen Seeschiffe, insbesondere auch der hanseatischen transatlantischen Dampserlinien, brauchbar zu machen. Es darf erwartet werden, daß das mit dieser Maßregel verfolgte nationale Ziel, einen wesentlichen Theil des rheinisch-westfälischen Industriegebiets von ausländischen Häfen unabhängig zu stellen, allmählich erreicht werden wird.

Die schwierige Lage, unter der die Land wirt h- schaft andauernd leidet, nimmt die ernsteste Aufmerk­samkeit der Regierung beständig in Anspruch. Die Regierung ist sich der Pflicht bewußt, diesem wichtigen Erwerbszweig auch fernerhin jede mögliche Fürsorge angedeihen zu lassen.

Die Erörterungen, welche im Anschluß an die H o ch - Wasserschäden von 1897 zur dauernden Sicherung schwer heimgesuchter Landestheile eingeleitet waren, sind für die Provinz Schlesien dem Abschluffe nahe, sodaß voraussichtlich eine entsprechende Vorlage noch in dieser Tagung wird gemacht werden können. In gleicher Weise wird Ihre Zustimmung zur Fortsetzung der für die getheilte Weichsel begonnenen Regulirungs- arbeiten erbeten werden. In beiden Fällen ist die Uebernahme des größten Theiles der Kosten auf den Staat vorgesehen.

Im Interesse der Förderung der inneren Kolonisation wird der im veraangenen Jahre nicht zur Verabschiedung gelangte Entwurf eines Gesetzes wegen Gewährung von Zwischenkredit bei Rentenguts­bildungen von Neuem dem Landtage zugehen.

Der schon für die letzte Tagung in Aussicht ge­nommene Entwurf eines Gesetzes wegen besonderer Besteuerung der großen Waarenhäuser wird Ihnen nunmehr vorgelegt werden und, wie die Staats­regierung hofft, zur Erhaltung und Stärkung des Mittelstandes in Handel und Gewerbe beitragen.

Das Bedürfnrß, die in Folge der Steuerreform des Jahres 1891 auf dem Gebiete des Gemeindewahl­rechts eingetretenen Verschiebungen im Wege der Ge­setzgebung auszugleichen, wird von der Staatsregierung fortgesetzt anerkannt. In Erfüllung der in der vorigen Session gegebenen Zusage wird daher inAnlehnung an das Ergebniß der Kommifsions-B e- rathungen ein Gesetzentwurf Ihrer erneuten Beschluß- faffung unterbreitet werden.

Die Erfahrungen des öffentlichen Lebens taffen leider eine zunehmende und für die religiöse und sittliche Ent­wickelung des Volkes bedrohliche Verwahrlosung unter der Jugend erkennen. Um hier, soweit es mit den Machtmitteln des Staates möglich ist, Abhilfe zu schaffen, ist es geboten, die Zwangserziehung in ausgedehnterem Maße, als nach der bisherigen Lage der Gesetzgebung geschehen konnte, zuzulassen. Ihre Mit­wirkung dazu wird erbeten werden.

Meine Herren! Zu wichtigen Arbeiten sind Sie be­rufen! Möchten diese von Erfolg begleitet und durch die Erinnerung an das zur Rüste gegangene Jahrhundert geweiht sein, das durch Gottes gnädige Fügung das Vaterland zu Kraft und Größe geführt hat. Möge sich in dieser Tagung, wie in den kommenden, der Geist ein­trächtigen Zusammenwirkens zwischen Regierung und Volk bethätigen und damit das feste Fundament für die weitere gedeihliche Entwickelung des Vaterlandes allzeit gesichert bleiben!

Auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs erkläre ich den Landtag der Monarchie für er­öffnet.

Die Thronrede ist nicht dazu angethan, irgend­welche Sensation oder auch nur Bewegung hervor­zurufen; denn sie kündigt in trocken geschäfts­mäßigem Tone die Art der Gesetzesvorlagen an, die dem Landtage zugehen werden, und es ist auch nicht eine darunter, von der man nicht durch die voraufgegangenen Ankündigungen in ver Presse

Wohl lebt er noch heute, dop weh und matt Erzählt er mit rinnender Zähre, Daß er sein Bestes gelaffen hat

Dort unten im „Felde der Ehre." —

Das Antlitz des Vortragenden war bleich ge­worden bei dieser poetisch verklärten Erinnerung; auch das Gesicht des Assistenten erschien tiefernst, und aus Helenens Augen tropften langsam zwei große Thränen.

Ihre Mutter dagegen schien ein wenig gelang­weilt, und ihr dichterischer Gemahl drehte die Daumen umeinander. Erst nach einer Weile sagte der letztere väterlich:

„Alle Achtung, das Ding könnte schlechter sein. Es ist so etwas darin, wie — nun so etwa, wie wenn man den Kolben im Dampf- cylinder hin und her poltern hört. Aber man kann es nicht recht packen, es ist zu langbeinig und für Winkelstadt paßt so etwas nicht. Be­sonders die „blonde Maid" ist ganz verfehlt, so was gibt es hier nicht. Aber nichts übel nehmen, das Lied ist nicht ganz ohne, unser einer muß das verstehen."

„Ganz einverstanden," bestätigte mit sauer­süßer Miene die Gattin des großen Kritikers. „Mein Mann trifft immer den Nagel auf den Kopf. Wenn Sie sich an seinem Vorbild auf­ranken, wie die Dichter sagen, so könnten Sie vielleicht mit der Zeit schon etwas fertig bringen. Nur nicht nachlaffen, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen."

„Höchstens Sternschnuppen," bemerkte boshaft der Assistent, während aus Helenens Augen zornige Blitze brachen. Leopold aber erwiderte mit einer leichten Verbeugung:

bereits gewußt hätte. Daß unter den obwalten­den Umständen der Stand der Finanzen als ganz besonders vortheilhaft geschildert werden würde, konnte man sich ebenfalls vorher denken; daß es im Allgemeinen wirklich gut steht mit den preu­ßischen Staatsfinanzen, weiß man ja auch.

Von keinem der angekündigten Gesetzentwürfe erfährt man durch die Thronrede etwas Näheres über ihren Inhalt, ausgenommen bei der Kanal- Vorlage. Von dieser wird gesagt, daß sie den Rhein-Elbe-Kanal in der alten Form enthalten, außerdem aber Mittel fordern wird für Verbesse­rungen natürlicher Flußläufe, die Herstellung eines Großschifffahrtsweges von Stettin nach Berlin, die Beschaffung ausreichender Vorfluth im Oder­bruche, Verbefferung der Verhältnisse an der untern Oder, der Spree und der Havel, die weitere Ausbildung der Wasserstraßen zwischen Oder und Weichsel und die Herstellung des Masurischen See - Kanals. Darüber bestand bisher noch keine volle Gewißheit, ob der masurische Kanal auch in die erweiterte Kanal- Vorlage ausgenommen werden würde oder nicht. Jetzt weiß man das also ganz genau. Es macht einen vortheithasten Eindruck, daß die Thron­rede sich der Ausdrücke des Bedauerns darüber enthält, daß die erste Kanal-Vorlage abgelehnt wurde. Weniger vortheilhaft wirkt der Um­stand, daß auch nicht die geringste Andeutung darüber gemacht ist, wann etwa die neue Kanal­vorlage an den Landtag gelangen werde. Die Vorlage soll eingebracht werden „sobald die be­treffenden Projekte fertig gestellt sind und deren wirthschaftliche und finanzielle Grundlage klar gelegt ist". Bis das geschehen sein wird, kann unter Umständen recht lange Zeit verstreichen. Daß die neue Kanaloorlage in ihrer sehr be­deutenden Erweiterung geradezu riesenhafte Geldmittel beanspruchen wird, liegt im voraus klar auf der Hand.

Was es heißen soll, daß der Gesetzentwurf über die Umbildung des Gemeindewahlrechtes „in Anlehnung an das Ergebniß der Kommissions- berathungen des vorigen Jahres erfolgen soll," wie die Thronrede fich ausdrückt, ist vollkommen unklar. Diese Kommissionsberathungen führten doch eben zu gar keinem Ergebnisse!

Am Schluffe der Tbronrede wird die Hoff­nung ausgesprochen, daß sich in dieser Tagung „der Geist einträchtigen Zusammenwirkens zwischen Regierung und Volk bethätigen und damit das feste Fundament für die weitere gedeihliche Ent­wickelung des Vaterlandes allezeit gesichert bleiben möge". Diesen Wunsch theilen mit der Regierung alle Staatsbürger. Möge nun namentlich die Regierung das Ihrige dazu bei­tragen, um diese Erwartung zur Thatsache werden zu lassen!

Deutsches Deich.

Berlin, den 9. Januar.

• Die .Nordd. Allg. Zeitung' schreibt: „Aus Kiel »st vor einigen Tagen die Meldung verbreitet worden, der Jteifer beabsichtige mit der Kai­serin im April dieses Jahres an Bord der Hohenzollern eine Reise nach Rom anzutreten

„Ich danke sür die gnädige Beurtheilung und werde mich bestreben! — wenn mich wieder so etwas ankommen sollte — mich an den leuchten­den Vorbild emporzuranken."

Diese höfliche Erklärung, deren Sarkasmus an „leitender Stelle" unverstanden blieb, wurde von dem genialen Elternpaare sehr günstig ausge­nommen, wenn auch die Mutter immer noch an der wohlbekannten „blonden Maid" würgte. Das „leuchtende Vorbild" aber sagte schmunzelnd:

„Sie sind doch nicht der „Strudelkopf" — wenigstens nicht immer — unter dessen Schutz­marke Sie laufen. Recht so, Bescheidenheit ziert die Jugend."

„Und das Alter," warf der Assistent ein.

,.Na," meinte gutgelaunt das Stadtoberhaupt, „bei gewiffen Verdiensten, die freilich nicht ge­nügend anerkannt werden, ist sie nicht mehr nöthig, und man sollte sein Licht nicht gar zu tief unter den Scheffel stellen, sonst löscht es aus."

„Aber der Geruch des Dochtes läßt die Un- chlittkerze noch im Sterben erkennen," warf der Schlagfertige wie harmlos ein.

„Meinen Sie mich damit?" fragte mit zorn- rothen Backen der Gewaltige, |

„Wie könnte mir so etwas einfallen?" lautete die geschmeidige Antwort. „Ihre Verdienste sind unbestreitbar und werden sicher noch ans Licht ge- ogen, „weil noch das Lämpchen glüht". „Aber >a hätte ich bald etwas vergessen," unterbrach sich der Assistent, indem er ein weitschichtiges Schreiben mit einem mächtigen Siegel aus der Tasche zog. „Hier klirrt vielleicht gerade der Schlüssel zum Thore einer goldenen Zukunft. Sie sind noch nicht auf der Rathsstube gewesen und können dem-

die mit einem Besuch Egyptens verbunden werde» solle. Wir sind ermächtigt, diese Angaben als Erfindung zu bezeichnen."

h Srinzesst« Kemrich vou Preußen ist am Morgen des heutigen Dienstag von einem Prinzen in Kiel glücklich entbunden worden. Da­mit besteht nun die prinzliche Familie aus drei Söhnen.

+ Unsere Stellnug inEuropa ist stark genug, um unsere Schiffe auf allen Meeren auch ohne ein einziges Kriegsschiff gegen England zu schützen. Wenigstens könnte sie es jeden Augenblick sein--so schreibt die agrar­

konservative .Deutsche Tageszeitung'in einer Be­sprechung der Beschlagnahme deutscher Schiffe durch die Engländer. Das ist ohne Zweifel richtig, aber gerade das Gegentheil einer Befür­wortung der neuen Flottenvorlage. Die Re­gierung stellt sich dagegen so an, als betrachte sie die Annahme di ser Vorlage schon im voraus als vollkommen sicher. In Oberschlefien — so schreibt ein Breslauer Blatt — soll in den nächsten Tagen eine Kommission des Reichs- Marine-Amtes eintreffen zur Besichtigung der oberschlesischen Eisen- und Hüttenwerke. Die Kommission soll ergründen, ob die oberschlestsche Eisenindustrie in der Lage sein werde, nach An­nahme der Flottenvorlage einen größeren Theil des erforderlichen Materials zu liefern.

• Staatssekretär Gras Uosadowskp hat zu einem parlamentarischen Mahle am 17. Januar Einladungen ergehen laffen. Es sind zu demselben geladen die Staatsminister, die Mitglieder des Bundesrathes und eine Anzahl von Parlamentariern.

• Avk- IreiHerr vo« Lme«e, Präsident der Centralgenossenschaftskasse, ist wegen leiden­den Gesundheitszustandes leider genöthigt gewesen, einen Urlaub von zwei Monaten anzutreten. Er hat fich heute nach dem Süden begeben.

W ® In der Ueschkagnahme der deutsche« Schiffe durch englische Kriegsschiffe ist heute aus London die erste amtliche Kundgebung in Berlin eingetroffen. Es wird erzählt, daß diese erste Antwort „eine baldige befriedigend eErledigung der Angelegenheit nicht ausgeschlossen er­scheinen lasse." Wir werden ja bald das Nähere erfahren.

X Im Reichsamte des Innern wird gegen­wärtig eine Verordnung betreffend die Sitz Ge- kegeuheit sür Aandets-Augestelkte ausgear­beitet, um alsdann dem Bundesrathe zur Be- schlußsaffung unterbreitet zu werden.

Parlamentarische Nachrichten,

x Das preußische Avgeordueteuhaus hat am heutigen Dienstag seine erste Sitzung in dieser neuen Tagung abgehalten. Der Präfident aus der vorigen Tagung, Abg. von Kröcher, eröffnete die Tagung nach dem alten Brauche mit dem dreifachen Hoch auf den König, in daS die zahlreich anwesenden Abgeordneten lebhaft einstimmten. Die zur Beschlußfähigkeit erforder­liches Anzahl von Abgeordneten ist im Bureau des Hauses angemeldet. Somit beraumt der Präsident die nächste Sitzung auf Mittwoch Bor- mittags 11 Uhr an. Zunächst wird die Wahl

nach nicht wiffen, daß heute über vier Wochen unser Fürst, der nach seinem eben erfolgten Regie­rungsantritte alle Städte des Landes bereist, auch unserem Winkelstadt die Ehre seines Besuches zu- gedacht hat und mit einem Extrazug in Begleitung aller Minister eintreffen wird. Hier ist das Schreiben aus dem geheimen Kabinett. Die Sache macht mir viel Spaß, denn, daß Winkelstadt sich einmal auf den Kopf stellt, kann ihm bei einen verschimmelten Zuständen nur vortheilhaft sein."

Der Bürgermeister war in jähem Wechsel roch und bleich geworden und athmete so schwer, daß er fich an dem Tische halten mußte. Dann riß er dem Assistenten das Schreiben aus der Hand, verbeugte sich aber, sich besinnend, sofort vor dem- elben — vor dem Schreiben nämlich — und agte in unbeschreiblicher Aufregung:

„Und das sagen Sie erst jetzt. Sie Unglücks­mensch? Man könnte ja darüber in Krämpfe allen. Wahrhaftig, es ist so — Geheimes Kabi- tett — Ankunft — huldvolle Gesinnung — Excel- enzen — in Gnaden gewog-n — das Weitere veranlassen — Kabinetssekretär — Siegel. Es tanzt mir alles vor den Augen."

„Na, wir haben doch noch keine Hochzeit," warf lachend der Assistent ein.

„Nehmen Sie sich in Acht, Sie Schwertmann, Nummero zwei. So etwas kann das Schnaufen nicht vertragen," rief ganz außer sich der Dichter. „Ich bin rein weg, was fangen wir nun an? Amalie, Du sitzest ja auch da wie verdonnert, chnell, schnell, die ganze Stadt muß umgeorgelt

werden."

(Fortsetzung folgt)