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mit Unterhaltungs-Anlage „Mustrirte Sonntags-Zeitungs
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Deutsches Keich»
Berlin, den 8. Januar.
tt Der Kaiser fuhr gestern Vormittag beim Auswärtigen Amte vor und hatte eine Konferenz mit Herrn von Bülow. Nach der Frühstückstafel hörte der Kaiser die Vorträge des Staatssekretärs Tirpitz. Heute Morgen hatte der Kaiser eine Besprechung mit dem Staatssekretär Grafen Bülow im Auswärtigen Amte. Von 10 Uhr ab hörte der Kaiser im Königlichen Schlöffe die Vorträge des Chefs des CivilkabinetS von Lukanus, des Staatssekretärs Tirpitz und des Chefs der Marine von Senden-Bibran. — Das Auswärtige Amt hat noch immer keine Erwiderung auf die an die englische Regierung gerichtete Beschwerde wegen der Beschlagnahme deutscher Schiffe erhalten. — Der ,Reichsanzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung,wonach dieM ilitär-Strafgerichts- Ordnung vom 1. Dezember 1898 am 1. Oktober 1900 in Kraft tritt. — Der ,Reichsanzeiger" veröffentlicht ferner die Ernennung des bisherigen General-Konsuls in Budapest, Prinzen zu Hohen- lohe-Oehringen zum preußischen Gesandten am hessischen Hofe. — Dem nationalliberalen Abgeordneten Dr. Sattler, der bekanntlich zweiter Direktor im Staatsarchiv ist, wurde der Charakter als Geheimer Regierungsrath verliehen.
+ Aleichstag und preußischer Landtag beginnen an diesem Dienstag wieder mit ihren Berathungen. In beiden Parlamenten wird es nach aller menschlicher Berechnung zeitweise recht lebhaft zugehen. Im Reichstage werden dazu die Etatsberathungen ausreichende Gelegenheit bieten, so beim Marine-Etat und beim Kolonial» Etat; und allem Anscheine nach hat die Sozialdemokratie die Absicht, die Neujahrsansprache des Kaisers an die Offiziere im Berliner Zeughause und den Neujahrserlaß des Kaisers an das Heer zum Gegenstände ausführlicher Besprechungen zu machen. Und dann erst kommt die Hauptsache an die Reihe, die neue Flottenvorlage, über deren endliches Geschick noch vollkommenes Dunkel herrscht. Der preußische Landtag wird auch in diesem Jahre ein sehr reichliches Arbeitspensum zu erledigen haben. Allein aus der letzten Tagung find übrig geblieben die Kanalvorlage, die Aen- deruna des Gemeindewahlrechtes, der Entwurf über Zwischenkredite bei Rentengutsbildungen und die Neugestaltung der Polizeiverwaltung für Berlin und seine Vororte. Von halbamtlicher Seite wird außerdem eine erweiterte Nebenbahn- Vorlaae angekündigt. In voriger Tagung war die Vorlage, die sonst zum ständigen Repertoire gehört, gänzlich ausgeblieben. Die Regierung hielt damit zurück, um einen Druck in Sachen der Kanalvorlage auf die Konservativen auszuüben; wer weiß, ob nicht diesmal dasselbe Spielchen noch einmal versucht wird! Jedenfalls wird der Landtag die Nebenbahn-Vorlage nicht bei seinem Zusammentritte vorfinden.
4- Die Beschlagnahme deutscher Schiffe durch die Engländer geht lustig weiter: auch der von Hamburg nach der Delagoa-Bucht bi» stimmte Dan-pier „Herzog" von der deutschen Ostafrika-Linte ist von einem englischen Kriegsschiff aufgebracht und nach Durban gebracht worden. An Bord des „Herzog" befindet sich die
Der Strudekkopf.
Bokkserzählung von M. E e batbus-Aug. Bntscher. 10 ------ (Nachdruck verboten.)
„Das ist ein Wort!" rief begeistert der Dichter und warf auf Frau und Tochter einen vielsagenden Blick. Die erstere neigte nur ein wenig bas würdige Haupt, die letztere aber ging rasch und erröthend hinaus, um in der Küche nachzusehen. Jetzt nickte auch der Vater und fuhr schmunzelnd fort:
„Die Jugend ist schnell fertig mit dem Wort,"" — er hustete — „der Satz ist nicht von Dir, aber er könnte gerade so gut von mir sein, und wir wollen einmal sehen. So etwas ist oft iw Handumdrehen fertig, und Sie dürfen die Sache nicht überstürzen, sonst bekommt die Novelle kein rechtes Enbkapitel. Ich habe da in meinen Sternschnuppen" .Regeln für Liebende" zusammengestellt,"" — er langte ein Heftchen aus einem Wandschrank — „die Ihnen meine Frau vorlesen soll. Meine Stimme ist nicht zart genug für eine so zärtliche Sache. Bitte, Amalia! Es soll keineswegs eine Reklame sein, sondern nur eine Art Wegweiser für den Helden meiner Geschichte, der aber natürlich nicht daran gebunden sein soll, sondern thnn und lasten kann, was er will. Die persönliche Freiheit darf in einer Novelle so wenig ganz unterdrückt werden wie im wirklichen Leben. Ich kann so liberal sein wie der Doktor Schwertmann, der meine Gedichte „Lumpenzeug"" geheißen hat. Bitt«, urtheilen Sie selbst!""
Er lehnte sich in feinen Sessel zurück, schloß
Iutöcr, Dienstag,
zweite niederländische Abtheilung des Rothen Kreuzes, so daß nun auch die niederländische Regierung gegen die englische vorstellig gemacht worden ist wegen der Beschlagnahme der Dampfer. Aber die britische Regierung benimmt sich in dieser Sache so unfreundlich wie möglich; die deutsche Regierung hat auf ihre Anfrage noch nicht einmal eine Antwort aus London erhalten, und dabei liegt nunmehr der zuerst beschlagnahmte Dampfer „Bundesrath" schon so lange in Durban, daß auch das hochnothpeinlichste Verfahren längst beendet sein konnte. Wenn es die Engländer so weiter treiben, so wird bald der Tag gekommen fein, an dem die Mächte einsehen, daß es doch besser sei, sich die ganze Südafrika-Angelegenheit ein wenig genauer als bisher anzusehen. Rußland will augenscheinlich damit vorgehen. Die russische Regierung hat an die Kabinette eine amtliche Rundfrage gerichtet, ob nach ihrer Ansicht die Verhinderung aller Depeschen nach den Buren-Republiken, auch der amtlichen, mit dem internationalen Trlegraphen-Abkommen vereinbar sei; und wenn eine Rundfrage in dieser Weise veranstaltet wird, mit Umgehung der Macht, um die es sich in erster Reihe handelt, so bedeutet das in der Diplomatie schon nicht mehr eine freundschaftliche Auseinandersetzung. Auch andere Anzeichen lassen darauf schließen, daß die Ruffen das vollkommen unthätige Zusehen satt bekommen haben und Lust bekommen, sich zu regen. Die Beschlagnahme der deutschen Schiffe hat sogar in Paris ebenso große und vielleicht noch größere Erregung hervorgerufen als in Deutschland selbst. Augenscheinlich hat man es mit einem planmäßigen Vorgehen der britischen Regierung zu thun.
h, Kirre Hrientreife des Kaiserpaares soll nach neuerlicher Meldung des ,Hann Kur.' im nächsten Frühjahr geplant fein, „anschließend an feine Romreise". Angeblich soll diese Reise nach Egypten gehen. Thatsächlich ist indessen vor einigen Wochen halbamtlich behauptet worden, daß eine Romreise im nächsten Frühjahre gar nicht in der Absicht des Kaisers liege.
• Der Gesetzentwurf üver die Patent, aurvälte ist dem Reichstage zugegangen. Das neue Gesetz mit dem Befähigungsnachweise soll, wenn möglich, schon am nächsten 1. April in Kraft treten. Die gegenwärtigen selbständigen Patentanwälte sollen in die Liste auch ohne die neu vorgeschriebene Prüfung aufgenommen werden, wenn sie mindestens schon zwei Jahre Patentanwälte waren.
O Mester das Kalkektire« für den Bau katholischer Kirchen und das Vorgehen der Staatsanwaltschaft in Glatz dagegen soll, wie der Korr. für die Centrumspreffe von befreundeter Seite mitgetheilt wird, im preußischen Abgeordnetenhause bei der ersten paffenden Gelegenheit gesprochen werden, die sich dazu bieten wird. Von großem Werthe für die Beurtheilung dieser Sache ist ein Wahrspruch, den das Landgericht zu Halle an der Saale ganz kürzlich gefällt hat. Danach ist unter „Kollekte" allerdings „die Einsammlung freiwilliger Gaben für bestimmte, dem Empfänger persönlich fremde Zwecke zu verstehen, es wird aber dabei eine Thätigkeit erfordert, die MMW»WWMM«WWW»WW«WW»MWW»WMWWW»W»WW die Augen und drehte die Daumen umeinander.
Die Frau Bürgermeisterin hatte sich schon mit einem Zwicker bewaffnet und las jetzt mit schmachtender Stimme, während sich Leopold in das Unvermeidliche ergab, die folgenden „Regeln für Liebende":
„Wird der Knabe einst ein Mann, Klopft bei ihm die Liebe an. Dies geschieht seit alter Zeit, Und bleibt so bis in Ewigkeit."
„Amen," nickce der Zuhörer.
„Anch dem Mägdlein steht der Sinn Nach dem Liebesmaien hin. Der das Herz gefangen nimmt. Wobei also beides stimmt."
„Stimmt, ist gut," murmelte Leopold.
„Doch brecht ja nichts über'S Knie, Harmonisch sei die Harmonie. Erst die Augen, dann die Hand, Und vergeßt nicht den Verstand."
„Großartig," beeilte sich Leopold zu sagen.
„Fragt die Eltern ob es recht; Dann erst miteinander sprecht; Hat die Sache Hand und Fuß, Sei erlaubt der erste Kuß."
„Sehr gütig," brummte der Heirathskandidat.
„Dann zeigt die Verlobung an, Und das Ding ist wohlgethan. Hochzeit schiebt nicht weit hinaus, Sangt das Geld, so kauft ein Haus."
„Einzig, einzig!" rief wie in Ekstase Leopold. „Ohne alle Uebertreibung — ich gebe nur der Wahrheit die Ehre — so etwas habe ich noch nie gehört!"
„Bitte, bitte," wehrte der Gefeierte ab, indem er die Augen wieder öffnete. „Man hat so feine
den 9. Januar 1900.
über die Empfangnahme und das Sammeln der Gaden hinausgeht. Es muß ein persönliches Bemühen, ein Aussprechen oder Angehen um die Gabe htnzukommen, entweder so, daß der Veranstalter der Kollekte die Leute nacheinander aufsucht oder aufsuchen läßt, oder so, daß er den an demselben Orte versammelten Leuten Gelegenheit gibt, ihre Gaben in einer zu diesem Zwecke aufgestellten Büchse oder in einem anderen Behälter ober bei einem Thürsteher niederzulegen". Alle diese Merkmale treffen nun auf die Einsammlung von milden Spenden für den Bau von Kirchen durch Zeitungsanzeige durchaus nicht zu. Noch mehr, das Urtheil des Landgerichtes in Halle sagt an einer anderen Stelle ausdrücklich, daß „eine vorliegende öffentliche Aufforderung zu freiwilligen Gaben allein keinen Grund zum Einschreiten dagegen bieten kann, weil der Thatdestand des wirklichen Einsammelns damit nicht erfüllt ist". Sonst müßte beispielsweise auch gegen die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' vorgegangen werden, weil diese durch öffentliche Aufforderung eine Sammlung von freiwilligen Geldspenden für Zwecke der deutschen Kriegsflotte eröffnete.
Ausland.
0 Kaag, 8. Jan. Die niederländische Regierung hat bei der englischen Regierung Schritte gethan, um für die zweite niederländische Abtheilung des Rothen Kreuzes, welche nach Südafrika unterwegs ist, freien Durchzug zu sichern.
• London, 8. Jan. Dle .Times' erklärt in einem lebhaft besorgten Leitartikel über die Petersburger Meldungen betreffend die M o b i l i f i r u n g der russischen Truppen an der afghanischen Grenze: Falls diese Meldungen die festgesetzte Politik des Zaren darstellen, würden sie sehr ernst zu nehmen sein. Es wäre dann rathsam, den Eifer der russischen Kriegs-Partei zu dämpfen durch eine theilweise Modilisirung der englisch en Flöt te.— Deramerikanische Botschafter hatte eine weitere Konferenz mit Salisbury. Die Zeitungen melden, die britische Antwortnote auf die amerikanischen Vorstellungen wegen der konfiszirten Maaren würde schon heute erfolgen.
ff, Wien, 8. Jan. Der.Neuen Freien Presse' zufolge wird das Ministerium Mittel so lange im Amte bleiben, bis das neu zu bildende Ministerium nicht nur was die Personenfrage, sondern auch was die sachlichen Vorbedingungen betrifft, als ein geschloffenes Ganze auf der Bildfläche erscheinen kann, was jedenfalls in der zweiten Januarhälfte der Fall fein dürfte.
0 Aew-Nork, 8. Jan. Der Präsident von Kolumbien, San Clemente, ist gestorben. Die Lage in Kolumbien ist dadurch sehr ernst geworden.
Der Krieg in Südafrika.
Endlich sind einmalwieder wichtige Nachricht en vom Kriegsschauplätze eingegangen. Ein ernster Kampf ist in Natal seit Freitag entbrannt, und man glaubt, daß hier die end
guten Stunden, in denen die Sternschnuppen vorn Himmel fallen. Aber lasten wir das jetzt, die Suppe ist aufgetragen."
Die Gesichter des Ehepaares waren wie verklärt, während auf Leopolds Antlitz eine fast verräiherische Heiterkeit lag. Auch Helene, die den Assistenten gerufen hatte, war wie dieser offenbar in guter Stimmung. Der junge Mann, der jetzt vorgestellt wurde, gefiel unserem Helden sehr gut. @r bäte ein frisches offenes Gesicht, in dem aber ein schelmischer Zug um die Lippen Vorsicht gebot. Er war nicht aus Winkelstadt und galt also nicht ganz als „voll" bei den „Honoratioren". Da er aber mehr als die „rechte Hand" des Bürgermeisters war, so durfte er wenigstens die zweite Violine spielen und — „harmontsch war die Harmonie". Der junge Mann schien sich übrigens sehr wenig um den „alten Zops" zu kümmern und warf hier und da mit Bemerkungen um sich, die auf dem Gesichte des dichterisLeu Prinzipals ein olympisches Stirnrunzeln erzeugten.
„Sind Sternschnuppen vom Himmel gefallen ?" fragte der Assistent leise lächelnd nach Leopold hinüber, als er das Heft liegen sah. „Sie müssen Glück haben."
„Und wer das Glück hat, führt die Braut beim," setzte mit nicht sehr zarter Anspielung die Bürgermeisterin hinzu.
Aber der Hausherr sah nur b#e „Sternschnuppen" und sagte ein wenig boshaft:
„Ich weiß wohl, daß Sie auf die schönen Künste nicht viel geben, wenn Sie auch nicht wie der Doktor Schwei tmann mit „Lumpenzeug" um sich werfen. Aber es gibt d-nn doch noch andere
27. Jahrgang.
gütige Entscheidung fallen werde — oder vielleicht schon gefallen sei. Aus den Berichten von englischer Seite geht hervor, daß die Buren am Freitag und Sonnabend zum Angriff gegen Ladysmith vorgegangen sind und zu gleicher Zeit General Buller vom Süden her den abermaligen Versuch unternommen hat, dem in Ladysmith eingeschloffenen General White zu Hilfe zu kommen. Leider sind die englischen Ber chte so unvollkommen und lückenhaft, daß über das Ec- gebniß der Kämpfe in Natal sich kein klares Bild gewinnen laßt. So viel aber scheint sich auch aus diesen Depeschen zu ergeben, daß die Engländer recht schlecht abgeschnitten haben.
Ferner stellt sich jetzt heraus, daß General French im Norden der Kapkolonie bei Colesberg thatsächlich empfindliche Schläge bekommen hat. Er ist, gerade wie Methuen und Gatacre, den Buren in die Falle gegangen und hat einen schimpflichen Rückzug antreten müssen. General French spricht in seinem Bericht von einem „ernsten Unfall", ist aber sonst hoffnungsfreudig genug, um dem Kciegsamt zu telegraphiren, die Sage sei „im Großen und Ganzen unverändert". Weiterhin haben sich Gatacres Vorposten aus Dordrecht zurückziehen müssen. Endlich ist noch die Nachricht eingegangen, daß Kuruman im Betschuanaland von den Buren erobert worden ist.
Nur geringen Trost vermag es den Engländern zu bieten, wenn die Londoner .Daily News' erfahren, die Vorbereitungen für die Entsendung einer weiteren Infanterie-Division nach Südafrika seien vollendet, und daß am Sonntag in Kapstadt das Transportschiff „Gascon" mit zwei Bataillonen eingetroffen ist. Die Regierung kündigt ferner die Bildung von vier weiteren Abteilungen Artillerie zu je 3 Batterien an, darunter eine Abtheilung Haubitzen. Wo aber die Artilleristen Herkommen sollen zur sachgemäßen Bedienung der Geschütze, unterläßt die englische Regierung anzukündigen.
Eine amtliche Depesche des Generals Buller aus dem Lager von Frere vom 6. Jan. besagt: Ich empfing um 1 Uby Nachmittags von General White folgende Mittheilung, bahrt vom 6. Januar 11 Uhr Norm.: Der Angriff deS Feindes, ber vom Süden aus eine Verstärkung erhalten hat, dauert fort. — General White machte um 12 Uhr 45 Minuten Nachmittags folgende Mittheilung mit dem Heliographen: Ich habe den Feind jetzt zurückgeschlagen, aber ich werde noch von großen Massen feindlicher Truppen umringt; besonder- ist im Süden ein neuer Angriff wahrscheinlich.
Eine weitere Depesche des Generals Buller aus dem Lager von Frere vom 7. ds. lautet: Ich erhielt folgende Depesche von White vom 6. Januar 3 Uhr 15 Minuten Nachmittags: „Angriff erneut, bin stark bedrängt." — „Ich habe keine weitere Information, aber das Gerücht läuft im Lager um, daß General White um 6 Uhr Abends den Feind besiegt und 400 Gefangene gemacht habe. Ich entsandte gestern alle entbehrlichen Truppen, um eine Demonstration bei Colenso zu machen."
Eine andere Depesche aus dem Lager von Frere meldet, die Buren seien bei Ladysmith so Männer, wie z. B. der Herr Stationsvorsteher hier — ein hochgebildeter Mann — die meinen Erzeugnissen gerechte Würdigung widerfahren kaffen. Nehmen Sie sich ein Exempel daran."
Der Assistent sah erstaunt auf Leopold, bet mit ber größten Ruhe bemerkte:
„Es unterliegt keinem Zweifel, daß jeder gebildete Mann derartige ,Gedichte' nach ihrem wahren Werth teuren muß. und ich bin vielleicht nicht ganz unbefähigt. ein Unheil abzugeben, da ich selbst ein wenig dichterische Anlage besitze."
„WaS Sie sagen," fuhr erschreckt der Bürgermeister auf, „die Konkurrenz wird immer größer."
Der Assistent lachte jetzt geheimnißvoll und sagte: „Das stimmt auffallend." Dann zählte er an den Fingern:
Der Herr Bürgermeister besingt die ganze Welt und noch zwei Häuser, ber Notar macht Gesangbuchverse, der Redakteur vom Wivkel- städter .Treumund' beliebert hohe und höchste Herrschaften, der Vorstand »om ,Kegelkranz' preist die holden Frauen, und jetzt tritt auch noch der Stationsoorstand auf die Bühne, der wohl Eisenbahn- und Liebeslieder singen wird. Das dürfte für bescheidene Ansprüche genügen."
Er lachte aus vollem Halse.
Sein Prinzipal war sehr ernst und zerrte an einem zähen gebratenen „Gockel", der ihm bei Lebzeiten bei solcher Behandlung sicher in's Gesicht gepflogen wäre. Dann ließ er nicht nach mit Bitten, und seine Frau und Tochter sekun- birten ihm, bis sich Leopold endlich herbeiließ, einige Verse vorzutragen. Der Dichter mußte dem neuen Konkurrenten unbedingt auf den Zahn fühlen. (F-O