27. Jahrgang
Arriba, Freitag, den 5. Januar 1900.
(Nachdruck verboten.)
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Ssn« äu» Pwtes der Md<re» A-ueudriMM peter»saSe K». « (Mummte).
[] Sozialdemokratie u. Sozialreform in Deutschland im Jahre 1899.
In dem Lager der Herren „Genossen" ist es während des abgelaufenen Jahres 1899 nicht friedlich zugegangen. Das machte die Bern- steinerei. In London lebt einer der begabtesten der sozialdemokratischen Schriftsteller, B e r n st e i n, und gleichzeitig kommt ihm der Vorzug zu, in politischen Dingen ehrlich zu sein und gerade heraus seine Meinung zu sagen. Das an sich ist eine Eigenschaft, die den Obergenossen in Berlin, den Bebel, Singer, Liebknecht u. s. w. recht gefährlich vorkommt, gerade so, wie die Regierungen von ehedem diejenigen gern als „Demagogen", als Volksverführer verfolgten und einsperrten, die sich einfallen ließen, über politische Dinge die Wahrheit zu sagen. Bernstein in London will das „Volk" der Bebel und Singer dazu verführen, daß sie der Wahrheit gemäß etwas glauben sollen, was jenen durchaus nicht in ihr System hineinpaßt, und da geriethen sie nun nicht wenig in Harnisch über diesen gefährlichen Menschen in London. Der will bxe Genossen nicht nur glauben machen, sondern beweist es ihnen sogar durch Zahlen und eine Fülle von sachlichem Material, daß die ganze alte Ver- elendigungslehre fauler Zauber ist, daß vielmehr die wirthschaftlichen Verhältnisie des Arbeiters und kleinen Mannes während der letzten Jahre sich gebeffert haben und fortgesetzt in der Besserung begriffen sind, kurz und gut, daß der Arbeiter und kleine Mann auch unter dem Regiments der herrschenden bürgerlichen Gesellschaft wirth- schaftliche Fortschritte macht und nicht auf die Dauer durchaus unzufrieden mit seinem wirthschaftlichen Lose zu sein braucht. Aber gerade die absolute, die vollkommene Unzufriedenheit brauchen ja gerade die sozialdemokratischen Oberbonzen, um die Massen an sich zu fesseln; gerade das ist ja die Leimruthe, mit der sie alle die vielen Dummen fangen wollen; und nun kommt Bernstein in London und beweist ganz genau, daß das alles Schwindel ist — entsetzlich! Sechs Stunden hat sich Herr Bebel bei dem sozialdemokratischen Parteitage in Hannover im Schweiße seines Angesichtes abgequält, um zu beweisen, daß Herr Bernstein unrecht habe. Und zum Schlüsse hat er eine Resolution zur Annahme vorgeschlagen, die angeblich gegen Bernstein gerichtet sein sollte — in der That aber machte es diese Resolution wie die Katze in dem alten Sprüchworte mit dem heißen Brett sie ging sehr vorsichtig um Herrn Bernstein und seine unanfechtbaren Darlegungen herum, ganz einfach darum, weil sie Herrn Bernsteiu eben wegen der Unanfechtbarkeit seiner Darlegungen nichts anhaben konnte; und der Schluß dieser Komödie war außerordentlich ernsthaft. Herr
hätte er auch verdienen können," meint er. Und seitdem ich einmal seine Reimereien „Lumpenzeug" genannt habe, ist es vollends aus zwischen uns, das hat dem Faß den Boden ausgeschlagen."
Er mußte laut auflachen.
Und Leopold stimmte ein. Die Sache kam ihm sehr komisch vor, und er war auf die Bekanntschaft mit dem Bürgermeister, der Verse machte, den er aber nicht näher kannte — denn vor zehn Jahren hatte ihn diese Großmacht noch nicht gekümmert — sehr gespannt. Es war also doch ein wenig Humor bei der Geschichte, und er sprach den Entschluß aus, dieses Original aufzusuchen. Eben brach ein Sonnenstrahl durch die Tarnkappe, die sich Winkelstadt trotz des poetischen Bürgermeisters aufgesetzt und er meinte lächelnd:
„Siehe, die Sonne Homers, sie leuchtet auf uns!"
Und wie ein verkörperter Sonnenstrahl trat eben Melanie, mit einem Körbchen am Arme, ins Zimmer und begrüßte den jetzt zum schönen jungen Mann herangewachsenen Helden jener Sylvesternacht mit einem lieblichen Erröthen und mit stockenden Worten. Sie schien sich nicht recht in den Umschwung der Dinge finden zu können, und auch der „Held" war ein wenig zaghaft.
Wir verzichten darauf, eine eingehende Personenbeschreibung von dem Mädchen zu machen, wie sie so oft wohl peinlich genau wie ein Steckbrief in den Romanen vorkommt, und bemerken nur, daß eine hübschere Blondine nicht leicht zu finden gewesen wäre. In dem feinen Gesichte, von Ringlocken umwellt, lag eine solche Anmuth und doch zugleich eine gewisse Strenge, daß der Besucher, deZr sie fremd vorkam, zwischen stiller Bewunderung und halber Scheu schwankte.
zu werden. Die verbündeten Regierungen werden, wie schon jetzt feststeht, die Novelle in der Form annehmen, wie sie aus dem Reichstage hervorgeht. Auch an diesem sozialpolitischen Fortschritt bat das Hauptverdienst vor allen Parteien das Cent rum; und wenn nun die Angestellten im Handelsgewerbe der neuen Erleichterungen sich erfreuen werden, die ihnen dieses Gesetz bringt, so mögen auch sie immer daran denken, daß sie den Dank dafür in allererster Reihe dem Centrum schuldig sind.
Wege« des Feiertags Hl. drei Könige wird die nächste Nummer unseres Blattes erst am Montag ausgegeben.
seinen Weg weiter an der Spitze der sozialpolitischen Cioilisation. Und vornehmlich der unermüdlichen, kenntnißreichen und aufopferungsvollen Arbeit des Centrums im Reichstage haben die Arbeiter es zu danken, daß das Jahr 1899 auch einen ansehnlichen sozialpolitischen Fortschritt gebracht hat: das neue Jnvaliden-Ver- sicherun gs-Gesetz, das nun mit dem 1. Januar 1900 in Kraft getreten ist. Dasselbe bringt ganz wesentliche Verbesserungen. Es erhöht den Betrag der Renten, kürzt die Wartezeit ab, erweitert den Kreis derer, die der Wohl- that der Versicherungen theilhaftig werden können, vereinfacht das Verfahren in vielen Stücken und sichert dem Arbeiterstande bis in die höchsten Instanzen hinauf werthvolle Mitarbeit zu bei dem ganzen Verficherungs- und Schiedsgerichtsverfahren.
Und nicht zu vergessen ist die neue Novelle zur Gewerbe-Ordnung, die auch ein Werk des Jahres 1899 ist und im Reichstage nut noch der Schlußabstimmung harrt, um Gesitz
Unwillkürlich ergriff Leopold die Rechte des hochsinnizen Mannes und sagte gerührt:
„So etwas habe ich mir gedacht. Hinter dem Entschlüsse, in so kleinlichen Verhältnissen weiter za leben, muß unbedingt bei einem Manne wie Eie etwas Großes stecken, irgend eine Idee, die brn Zopf der AlltagSphilister weit in die Höhe schnellt. Das lasse ich mir gefallen und werde mir ein Beispiel daran nehmen. Uebrigens," setzte er lächelnd hinzu, als der Arzt abwmkc-, „wird diese verknöcherte Kleinstädterei doch so ziemlich harmloser Natur siin."
„In dieser Annahme täuschest Du Dich gewaltig — vergib das vertrauliche „Du", das mir allein glatt über die Lippen geht — es steckt auch zuweilen wirkliche Bosheit dahinter, natürlich aber auch ein gutes Stück Lächerlichkeit. Von der ersteren nur soviel: Man hätte nach jener fürchterlichen Slyvesternacht, die mir mein braves Weib so jählings entriß, doch annehmen sollen, daß unter ordentlichen Christenmenschen nur noch das Mitleid in den Herzen Platz gehabt — aber weit gefehlt! Mein damaliges energisches Auftreten, die sofortige Uebernahme der Führerschaft bei der Hilfeleistung und die spätere Dekorirung hat mir den Bürgermeister — der nebenbei gesagt Verse macht, und welche! — zum erbitterten Feinde gemacht. „Das wäre seine Sache gewesen", behauptete er, der nirgends aus und ein weiß und ein Verlegenheitsmann ist, wie er im Buch steht. „Die Medaille
De«tsches Keich.
Berlin, den 4. Januar.
* Der Hochw. Herr Bischof Augustinus RosentretervonKulm, welcher gestern Abend hier eingetroffen und im Monopol-Hotel abge- ftiegen war, wurde heute gemeinschaftlich mit dem Hochw. Herrn Bischof Hubertus Voß aus Osnabrück um 1 Uhr vom Kaiser in Audienz empfangen. Zu Ehren der beiden Kirchenfürsten veranstaltete heute Abend um 6 Uhr Kultusminister Dr. Studt ein Diner, zu dem auch verschiedene Herren aus dem Ministerium
Der Strudelkopf.
Volkserzählung von M. S ebaldus-Aug.Butscher.
Bernstein telegraphirte aus London, er nehme die Resolution des Herrn Bebel ganz gern selbst mit an. „Mir steht der Verstand stille" — so sagte Herr Bebel, um doch etwas zu sagen. Aber die Welt hat tüchtig gelacht auf Kosten der Herren Genossen, und man muß eigentlich die große Gutmüthigkeit und Gutgläubigkeit der in Hannover versammelten Genossen bewundern, daß sie nicht sammt und sonders bei diesem lustigen Ereignisse in ein schallendes Gelächter auf Kosten des Herrn Bebel ausbrachen.
Seitdem ist ein Vierteljahr vergangen, und schon beginnen die Bernsteiner sich wieder zu rühren. "Gleichzeitig hat ein französischer Parteitag der Sozialdemokratie gezeigt, daß in Frankreich die Genossenschaft in sich ebenso uneins ist wie bei uns; kurz und gut, das Jahr 1899 hat an allen Ecken und Enden bewiesen, daß die
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hältnisse, und damit würde, wenn alles beigebrachte Material seine Richtigkeit hat, der Nachweis geführt sein, daß eine Besserung dieser gegenwärtig ungünstigen und unleidlichen Verhältnisse möglich ist. Zunächst sucht die Regierung die Besserung anzustreben durch Herbeischaffung von gesundem Wasser und durch ein regelrechtes Abfuhrsystem, das auch den Chinesen aufgezwungen wird. Und außerdem arbeitet man energisch an der Verbesserung der Wohnungen. Im Reichstag wird wohl noch über dieses Kapitel ausführlich gesprochen werden.
* Rach einem soeben erschienenen Blaubuch über die Itottenftärke der Seemächte beträgt die Gesarnmtzahl der Kriegsschiffe einschließlich der im Bau begriffenen für England 488, für Frankreich 428, für Rußland 306, für Deutschland 208, für Italien 227, für Amerika 97 und für Japan 114.
* Der Wordostsee-Kauak hat in den ersten Jahren den Erwartungen hinsichtlich des Verkehrs nicht entsprochen, theüs weil der Taris zu hoch war, theils weil erst die Gewöhnung an den neuen Weg erfolgen mußte. Nach dem Inkrafttreten des Tarifs von 1896 ist, wie der soeben erscheinende Bericht der Handelskammer in Kiel hervorhebt, der Verkehr so gestiegen, daß in einigen Jahren nicht nur die Deckung der Betriebskosten, sondern auch ein Ueb er schuß für eine Verzinsung erwartet werden darf.
X Aersouakreform im Dienste der Zsteichspost. Jetzt ist die längst erwartete Verfügung des Staatssekretärs der Reichspost erschienen über die neue Regelung der Beamten- verhältniffe im Dienste der Post- und Telegraphen- Verwaltung des Reiches. Danach haben die Anwärter der höhern Laufbahn von nun an nicht nur das Reifezeugniß eines Gymnasiums, Realgymnasiums oder einer Oberrealschule aufzuweisen, sondern auch ein mehrjähriges akademisches Studium durchzumachen und sich zwei Prüfungen zu unterziehen. Anwärter werden vorläufig nicht angenommen. Die näheren Bestimmungen bleiben vorbehalten. Für die mittlere Laufbahn erfolgt die Annahme von Civilanwärtern ausschließlich als Post- und Telegraphengehilfen. Ausschließlich sind den Anwärtern dieser mittler» Laufbahn in Zukunft Vorbehalten die Stellen des Mittlern Dienstes, also die Stellen als Assistenten, Postverwalter, Sekretäre, Obersekretäre, Postmeister, Bureau- und Kaffenbeamten. Die neuen Annahmevorschriften gelten vom 1. Januar 1900 an. Von da ab soll unkündbare Anstellung erfolgen, „sofern im Einzelfalle keine Bedenken obwalten". Zur Sekretarprüfung können Vie Anwärter der Mittlern Laufbahn zugelassen werden, aber sie können diese Prüfung nur einmal wiederholen. Militäranwärter legen die Prüfung nach den bisherige« Bedingungen ab.
* Der Kultusminister hat eine neue Arznei- taxe, die mit dem 1. Januar 1900 in Kraft getreten ist, veröffentlicht. Die allgemeinen Bestimmungen sind darin unverändert geblieben, dagegen sind unter anderem einige Aenderungen und erläuternde Zusätze über den Abschnitt, die Preise der Arbeiten, zur Vermeidung von irrthüm- lichen Auffassungen als zweckmäßig erachtet worden, war brünett, hatte schwarze Augen, blühende -Wangen und war sehr lebhaft, was zu den schwerfälligen Bewegungen der Eltern einen nicht unangenehmen Gegensatz bildete.
„Also der neue Herr Stationsvorstand?" sagte mit zusammengeknifften Augen das Stadtoberhaupt „Sehr verbunden. Wir haben Ihren Besuch schon früher erwartet, aber Würde bringt eben Bürde, ich weiß das ans eigener Erfahrung. Rehmen Sie gefälligst Platz. Sie werden zwar beim Doktor Schwertmann schon ausgeruht haben, denn ihm ist die Ehre zuerst geworden.
„Wie Du nur reden magst," fiel seine Gattin ein wenig bissig ein. „Das versteht sich doch von selbst, die Herren sind von früher her bekannt, und die Tochter ist ein Magnet ersten Ranges, die alle junge Herren anzieht. Wir sind zwar die ersten von Winkelstadt, wissen aber gewisse Rücksichten zu würdigen, man hat nicht umsonst Bildung genossen, und auch unsere Helene ist im Institut gewesen.
„Aber Mutter," fiel hier dre Tochter-erröthend ein, „das sieht ja wie ein Vorwurf 'aus. Der Herr Stationsvorsteher ist durch keine weitere Rücksicht gebunden und kann in gesellschaftlicher Beziehung thun und lassen, was er will. Ueber- dies find Doktors sehr respektable Leute, und zudem ist der Herr ja Lebensretter von Fräulein Melanie. Ich finde es nur natürlich, daß der erste Besuch den Freunden galt."
„Die zugleich meine Wohlthäter sind von Kindesbeinen an," fiel Leopold mit Würde ein. Das Wesen der Tochter berührte ihn weit sym- patischer, als das der Eltern, deren kleinliche Gespreiztheit fast seine Lachlust erregte. (F. f.)
Sozialdemokratie Überall Risse bekommt in ihrer Einigkeit, und daß große Aussicht vorhanden ist darauf, sie später einmal von selbst auseinanderfallen zu sehen, wenn man sie sich selbst überläßt. Aber unsere deutschen Gewaltpolitiker und Scharfmacher sind ganz anderer Ansicht. Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht und möchten gar zu gern durch Druck von außen der Sozialdemokratie den Kitt liefern, mit dem diese die entstandenen Riffe wieder verkleistern könnte. Daß das Centrum natürlich ganz anderer Ansicht und nicht so dumm ist, den Herren Genossen diesen Gefallen zu thun, das können die altpreußischen GewaUpoliliker und die großmögenden Herren aus dem Centralverbande der Industriellen nicht begreifen, und sie werfen fortgesetzt dem Centrum vor, es helfe der Sozialdemokratie ihre Geschäfte machen. Neuerdings erheben sie diesen Vorwurf namentlich deshalb, weit das Centrum die Zuchthaus-Vorlage so kurzer Hand abgethan hat; und sie rufen nach einem „starken Manne", der nicht gar zu empfindliche Nerven haben, sondern kurzen Prozeß machen und alles mit Feuer und Schwert ausrotten soll, was nach Umsturz riecht; was natürlich alles zusammen Waffer auf die Mühle der Herren Genossen ist. Das ist ihr bester Agitationsstoff!
Das CentrUm aber marschirt unbeirrt'
zugezogen waren.
• Unter dem 14. Dezember v. I. ist eine kaiserliche Hrdre ergangen, wonach den Angehörigen der Armee, der Marine und der Schutztruppen aufgegeben wird, sich gegenfeitig die Ehrenbezeigungen in der Art und dem Umfange zu erweisen, wie sie den eigenen Vorgesetzten gegenüber vorgeschrieben sind.
* Von amtlicher Seite werden Erhebungen darüber angestellt, welche KavdelsverSivdttuge» mit Hransvaal die d e u t s ch e I n d u st r i e bis jetzt unterhielt, resp. welche Fabrik- und Engrosgeschäfte gewillt sind, später nach dort zu expor- :iren. So wurde insbesondere bei Berliner Konfektionsfirmen Nachfrage gehalten, ob und in welcher Höhe bis jetzt Konfektion nach Transvaal exportirt werben ist, eventuell ob Neigung vorhanden wäre, spätere Handelsbeziehungen mit diesem Land anzuknüpfen. Die Umfrage wirb, wie bep .Konfektionär' meldet, durch die sehr berechtigte Ansicht heroorgeeufen, daß Transvaal nach Beendigung des Krieges nicht mehr wie bisher in England seinen Hauptbedarf decken wirb, sonbern sicherlich bann beut fche Fabrikate in viel größerem Umfange als bisher einführen wird. Die obigen Erhebungen sollten ber deutschen Regierung eine Handhabe bieten, um den Export nach Transvaal auf günstiger handelspolitischer Basis zu fördern.
4- Die Denkschrift «6er Kiautschou, über deren Erscheinen in der ,Fuld. Ztg.' bereits kurz berichtet worben ist, bringt im Allgemeinen wenig Neues. Aber großes Interesse hat ber« jenige Theil ber Denkschrift zu beanspruchen, ber den gesunden Verhältnissen in unserem neuen ostasiatischen Schutzgebiete gewidmet ist. Bekanntlich hat sich herausgestellt, daß diese Gesundheitsverhältnisse in Kiautschou nichts weniger als gut sind. Aber die Denkschrift weist nach, daß dies nicht mit dem Klima von Kiautschou zusammenhä gt, sondern mit der Verunreinigung und Verseuchung des Bodens durch Chinesen und mit der Unzulänglichkeit der Wohnungsver-
Das Gespräch drehte sich um Leopolds neue Stellung, seine Familie, die Melanie oft besuchte, und jene Schreckensnacht, die sie nach ihrer Aussage oft träumend in der Rückerinnerung durchmachte und dann dem Himmel danke, daß der Morgen bas böse Bild verscheuche. Mit schönem Erröthen bekannte sie auch, daß sie jenen Wollenkittel wie ein Heiligthum bewahre und des Gebers lebenslängliche Schuldnerin bleibe.
In seltener und seltsamer Befangenheit nahm der Besucher bald Abschied, um dem poetischen Bürgermeister seine Aufwartung zu machen.--
Das Rathhaus, dem unser Held jetzt zustrebt, war alt und baufällig wie ganz Winkelstadt, das im Herbstnebel zu verwelken schien. Die Vorhalle, die Stiegen und die Gänge waren, wie in vielen alten Häusern, weit und breit, und die Zimmer eng und duster.
Er traf den Bürgermeister im Wohnzimmer, wo er eben „vesperte". Es ging das Gerücht, derselbe vespe e den ganzen Tag und lasse seinen Assistenten die ganze Ämtslast tragen. Der Gestrenge war sehr beleibt und seine Augen waren in Fett gebettet und sahen über die feisten Hängebacken mit einer gewissen erzwungenen Wurde.
Ebenso beleibt war die Ehehälfte, die in den Kaffeekränzchen— und, wie böse Zungen behaupteten, auch zu Hause — die erste Violine spielte und sehr schöngeistig angelegt war, wahrscheinlich weil sie einen Dichter zum Mann hatte.
Die beiden Ehegatten waren im glücklichen Besitze einer erwachsenen Tochter, die auch zugegen war und einen recht angenehmen Eindruck machte.
Helene — den Namen erfuhr Leopold bei der Vorstellung, die sich überaus feierlich gestaltete —