Einzelbild herunterladen
 

FuldaerMZeitung

s

JuLba, Mittwoch, den 3. Januar 1900.

27. Jahrgang.

Fi» Me Xtixtttiox 3ot. Stee, lü- Jnfwate I.pa»z-ll«r ix Fxlda.

mit Nnterhakkungs-Weilage „ZlluKrirte Sonntags-Zeitungi'

t. Garmond ßt oder betest

rm 15 Pf., Re­klamen die Peti^ teile 25 Pf.; W Wiederholungen wird entsprechend Rabatt gewährt

Erscheint täglich, «.Ausnahme der Sonn« und Feier­tage. Lierteljährl.

ohne Bringerlohn «nd Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. SOPf.

»j« Krjssgssiotte und Landheer.

Neber die in der ,Fuld. Ztg.' schon erwähnte Aussprache, die der Kaiser am Neujahrstage tm Berliner Zeughause an die dort versammelten Offiziere gehalten hat, ist unmittelbar nachher durch den offiziösen Draht ausführlich berichtet worden. Namentlich eine Stelle in dieser Aus­sprache ist es, die ganz besondere Beachtung ver­dient. „Und rote mein Großvater für sein Land­heer — so führte der Kaiser aus, so werde ich für meine Marine unbeirrt in gleicher Weise das Werk der Reorganisation fortführen und durch­führen, damit sie gleichberechtigt an der Seite meiner Streitkräfte zu Lande stehen möge und durch sie das deutsche Reich auch int Auslände in der Lage sei, den noch nicht erreichten Platz zu erringen." Vor­her hatte der Kaiser von seinem Großvater ge­sagt, daß dieser letztere „in stiller Arbeit seine Reorganisation des Landheeres entworfen habe trotz des Widerstandes, den Unverstand ihm fetzte."

Die,Berl. Neuesten Nachr/, das Organ der an der Vergrößerung der Kriegsflotte ganz be­sonders interessirenden Großindustrie, nennen das ein „erlösendes Wort in der Flottenfrage". Sie meinen, jeder Deutsche sei jetzt „vollkommen in der Lage, seinen Standpunkt zu dieser Frage zu nehmen, der gegenwärtig bei weitem wichtigsten für unser Vaterland . . ." Das heißt also, die altbekannten Scharfmacher sind sofort wieder am Werke, um die Geister gegen einander aufzu­schüren und die ganze Flottenmelodie auf die Ton­art zu stimmen: für oder gegen den Kaiser. Das ist ein gefährliches Beginnen, gegen das man unbedingt Widerspruch erheben muß.

„In gleicher Weise" wie Kaiser Wilhelm I. will unser Kaiser das Werk der Reorganisation durchführen. Der Kaiser hat, als er diesen Aus­druck anwandte, sicherlich nicht an den Ver- fasiungsstreit gedacht, der an die Umgestaltung des preußischen Heeres unter seinem Großvater sich knüpfte, sondern hauptsächlich und vor allen Dingen daran, daß schließlich jenes Umgestaltungs- werk damals auch int Volke Anerkennung ge­funden und sich bewährt hat, trotz der An­fechtungen, die ihm vorher bereitet wurden. Und auf jeden Fall muß sich jeder, dem die Wohl­fahrt und der Friede unseres eignen Volkes am Herzen liegen, sorgfältig hüten davor, den kaiser­lichen Worten einen Sinn unterzulegen, als be­schäftige sich der Kaiser schon int voraus m t Gedanken an einen Konflikt wegen der neu ge­planten Flottenvergrößerung. Einen Hort des Friedens nennt der Kaiser das Deutsche Reich. Ein Herrscher, der so sehr von vem Friedens­gedanken eingenommen ist rote Kaiser Wilhelm, kann unmöglich danach trachten, in Konflikt, in Unftieden zu gerathen mit der Mehrheit der parlamentarischen Vertretung des deutschen Volkes!

0 Deutschland und Oesterreich.

In den jüngsten Tagen sind in Wien und in Budapest Worte gesprochen worden, die in deut­schen Ohren nichts weniger als angenehm klingen. Es ist dies in den Delegationen geschehen: in

Der Strubelkopf.

Volkserzählung von M. Sebaldus-Aug.Butscher. 6 ------ (Nachdruck verboten.)

Und wirklich, da lag etwas im Schlamm und Schmutz halb begraben, daS einer menschlichen Gestalt ähnlich sah, und wieder stieg ein drei­facher Weheruf zum Himmel, welcher sich schon ein wenig zu hellen begann.

Der erste bei dieser Gestalt, die fast einer Mumie glich, war Doktor Schwertmann, der seine todte Frau und sein gerettetes Kind ganz vergessen zu haben schien. Die anderen standen wie gebannt, und erst als er zwei Arbeitern winkte, bekamen diese Leben. Sie hoben den Leichnam — denn was konnte es anders sein? — aus der Grube, und der Arzt betastete ihn von oben bis unten. Auf einmal rief er:

«Jetzt glaube ich an Wunder, denn anders kann es nicht zugegangen sein! So viel ich sehe, liegt der brave Mann nur in tiefer Bewußtlosig­keit, aber er lebt unzweifelhaft, obwohl beide Füße gebrochen zu sein scheinen. Nur getrost, Leute, den flicken wir wieder zusammen."

Ein allgemeiner Freudenschrei durchzitterte jetzt die Luft, die stundenlang nur mit Stöhnen und Klagen erfüllt gewesen war. Leopold war mit einem Jubelruf auf den Vater zugeeilt, während Großvater und Mutter kraftlos, wie gebrochen von überschwenglichem Glück, in die Knie gesunken waren. Au die gebrochenen Beine dachte wohl Niemand als der Arzt, der dem Verunglückten jetzt das Gesicht mit Schnee rieb, und ihm dann eine Flasche mit Kirschenwasser

der ungarischen Delegation von dem ganz wackern, aber ziellos heißspornigen Gabriel Ugron; in der österreichischen Delegation von einigen radikalen Tschechen, nämlich von den Abgeordneten Pacak, Gregr und Kramarsch, von denen man solche Seitensprünge schon gewöhnt ist. Hier wie dort zogen die Redner gegen den Drei­bund zu Felde, aber in verschiedener Art und Weise; und alle vier sind gleichmäßig beseelt von einem geradezu leidenschaftlichen Hasse gegen die Deutschen, oder — um mit Herrn Ga­briel Ugron zu reden! — gegen die „Schwaben". Herrn Ugron hat es Frankreich angethan. Mit Frankreich Arm in Arm will er das Jahrhundert in die Schranken fordern; und die genannten Redner der Tschechen gaben nur dem Hasse gegen den Dreibund Ausdruck, ohne der staunenden Welt die Geheimniffe ihres Herzens darüber zu öffnen, was sie an die Stelle des Dreibundes setzen wollen. Wahrscheinlich Rußland. Aber in Petersburg kennt man seine Pappenheimer, und man dankt höflichst für die unerwünschten Liebesbeweise von der Moldau her.

Von den radikalen Tschechen kann man öfter solche rednerische Ausschweifungen hö en. Aber in der ungarischen Delegation ist derlei jetzt zum ersten mal vorgekommen. Auch die Unabhängigkeitspartei, bereit Führer Herr Ugron ist, hatte bisher niemals Unzufriedenheit mit dem Dreibunde geäußert. Aber Herrn Ugron gefällt die Rolle nicht, die nach seiner Ansicht Oesterreich-Ungarn int Dreibunde spielt. Nach seiner Anschauung hat im Dreibunde das Deutsche Reich allzu stark das Uebergewicht, Oesterreich-Ungarn eine zu bescheidene Rolle. Er findet, Oesterreichs Ungarn lasse sich von Deutsch­land am Gängelbande führen, und ihm gefällt vor allen Dingen des Deutschen Reiches Wirth- schaftspolitik nicht. Aber bei seinen magyarischen Landsleuten, seine allernächsten persönlichen Freunde ausgenommen, findet Herr Ugron für seine Ausführungen gar keinen Beifall. Nur einige slawische Zeitungen, die deutschfeind­lich auf jeden Fall sind und darüber ihre sonst ebenso heftige Abneigung gegen die Magyaren vergessen, loben ihn;' und man kann mit voller Bestimmtheit behaupten, daß diese erste unliebsame Erscheinung in der ungarischen Delegation durchaus nicht als ein Kennzeichen aufzufassen ist für bett Beginn einer anderen Stellungnahme der Ungarn im allgemeinen zu dem Deutschen Reiche und dem Dreibünde.

In verschiedenen Blättern findet man Ver­wunderung darüber ausgesprochen, daß der Minister des Aeußern Graf Goluchowski Herrn Ugron nichts geantwortet habe. Das könnte in der That auffällig erscheinen, ist es aber nicht, wenn man der Sache auf den Grund geht: das liegt nur an ganz äußerlichen Um­ständen. Graf Goluchowski versteht die magya­rische Sprache nicht; und ehe er sich die Rede des Herrn Ugron übersetzen laffen konnte, war die Sitzung der Delegation geschlossen.

Aber auch in der österreichischen Dele­gation hat Graf Goluchowski den Herren Gregr und Genossen nichr geantwortet. Daß der Minister deren Russenschwärmereien mit Stillschweigen überging, ist nicht verwunderlich. Auf solchen

an die Lippen setzte, die der Verunglückte gur­gelnd bis auf den Grund leerte, dann die Augen ein wenig öffnete, um sie aber sofort wieder zu schließen.

„Das ist für's erste", sagte heiter der Arzt, „und jetzt sofort mit ihm ins warme Bett."

Wohl stöhnte der Schwerverletzte auf, als man ihn auf die Tragbahre legte, und von warmen Teppichen bedeckt, wegtrug. Aber da­heim sah er dann, nachdem die Einrichtung der gebrochenen Beine, bei der ihm zum Glück tiefe Bewußtlosigkeit umfing, vorüber war, mit hellem Blick umher und lächelte sogar ein wenig, als ihm der gute alte Vater die Weinflasche an den Mund setzte. Etwas mußte er doch vom Syl­vester haben. Dann fiel er in einen dem Tode ähnlichen Schlaf.

„Der gute Nikolaus!" sagte am anderen Morgen der alte Stricker, der in der beschmutzten Bluse des Sohnes ein Viertelpfund holländischen Schnupftabak gefunden. „Es wäre doch ewig schade um ihn gewesen! Was doch für Mirakel geschehen können, sogar bei der Eisenbahn", setzte er dann bei. „Wirft ihn, wie der Doktor sagte, die Bestie von „Rothschilds Gaul" mitten in den Graben und legt sich dann wie ein Leichenstein darüber, daß er ganz heil davon gekommen wäre, wenn er nicht die Füße gebrochen hätte. Jetzt wird es aber wohl aus sein mit der Eisenbahn, die ich gar nimmer anschaucn mag. Was doch für schreckliche Sachen mit den verwünschten neuen Erfindungen geschehen! Es ist eine bucklige Welt, für die es kein Schaden wäre, wenn es mit ihr recht bald aus und zu Ende wäre, sie ist keine drei Batzen werth."

Unsinn kann im Ernste niemand antworten. Aber in den Ausführungen der tschechischen Redner hat auch der deutsche Kaiser eine bedeutsame Rolle gespielt; und daß Graf Goluchowski auch darauf keine Silbe antwortete, ist ein wenig be­fremdlich. Herr Gregr hat nämlich behauptet, die Sprachenverordnungen des Grafen Sabetti seien auf Einflüsse zurückzuführen, bie von B er lin her ausgeübt worden seien: der deutsche Kaiser habe seinem Unmuthe Über die Unterdrückung der Deutschen in Böhmen Ausdruck verliehen," und daraufhin seien dann eben die besagten Verord­nungen aufgehoben worden. Und das nannte Herr Gregr ein Zeichen für die Schwächung auch der innem Freiheit in Oesterreich. Daß auch darauf Graf Goluchowski nicht antwortete, könnte hier und da so ausgelegt werden, als enthielten die Behauptungen Gregr's einige Wahrheiten; und dennoch muß man sich mit aller Entschieden­heit gegen diese Annahme sträuben. Bei uns in Deutschland würden solche Verdächtigungen des österreichischen Kaisers mit zweifelloser Ent­schiedenheit gerügt worden sein.

Wenn man einen Tschechenführer wie Herrn Gregr in so heftiger Weise gegen alles donnern hört, was deutsch ist, so bekommt matt einen eigenthürnlichen Vorgeschmack von dem, was die Versöhnungsversuche z wisch en Deutschen und Tschechen bringen werden, die alsbald von neuem in Angriff genommen werden sollen. Die Stammesgenossen des Herrn Gregr, die Ab­geordneten Pacak und Kramarsch, betonten zwar int Gegensätze zu jenem, die Tschechen wollten Frieden mit den Deutschen schließen. Aber bis­her hat noch immer der radikale Völkerhaß bei den Tschechen schließlich den Steg davongetragen. Und es ist sehr die Frage, wer am Ende bei den Tschechen die Oberhand behalten wird: die Milden um Placak und Kramarsch, oder die Un­versöhnlichen nach dem Vorbilde von Gregr und Genossen. Vorläufig kann in dem Hauptblatte der Jungtschechen, in der ,Narodny Listy' zu Prag, Ausführungen ganz in dem Stile des Herrn Gregr lesen!

Deutsches Deich.

Berlin, den 2. Januar.

h Das Staatsministerin« trat beute Nach­mittag 3 Uhr unter dem Vorsitze des Reichskanz­lers Fürsten Hohenlohe in seinem Dienstgebäude zu einer Sitzung zusammen. Man nimmt an, daß in derselben der Wortlaut der Thronrede festgestellt worden ist.

X Der ehemalige Centrumsabgeorbnete Amts- gerichtsrath a. D. Kocharm ist am Samstag in Berlin int Alter von 85 Jahren gestorben. Von 1872 bis 1898 gehörte er bent preußischen Ab- georbnetenbaufe, von 1874 bis 1898 bent beut« scheu Reichstage an; in beiben Parlamenten zeichnete er sich durch große Pflichttreue und Ar­beitseifer aus. R. i. p.

h Jer deutsche Ileichspostdampfer Itnn- desraty ist von den Engländern vor der De- lagoa-Bucht in Ostafrika beschlagnahmt und bis zur Stunde noch nicht wieder frei gegeben worden, obwohl sicherlich von Berlin aus sofort

Mit dieser tiefsinnigen Auseinandersetzung begrüßte der Mann „aus der guten alten Zeit" bie kaltlächelnbe Sonne des neuen Jahres. —

2. Kapitel. — Die Kleinstädter.

„Wir legen zehn Jahre zu den Begrabenen und blicken nur aus der Vogelschau auf das zu­rück, was sich inzwischen mit unseren Leuten be­geben hat. Zehn Jahre sind nach Umständen eine lange Zeit, sogar für die Jungen, und noch mehr für bie Alten. Die Jungen reifen auf unb bie Alten reifen aus und fallen dann wie gebräunte Haselnüsse ins Kirchhofgras.

So war auch der alte Stricker schon längst „abgefahren" in jenes Land, das keine Eisenbahnen kennt.

Sein Sohn, der verunglückte Lokomotivführer, lebte noch und war — wie der Doktor Schwert­mann gesagt — „zusammengeflickt", freilich nur geflickt, denn seine Dienstfähigkeit war dahin. In einem Handwägelchen schoben ihn die jetzt fast er­wachsenen Kinder, die er schlecht und recht mit seiner kümmerlichen Pension durchzubringen suchte. Er fand sich übrigens mit Fassung in sein Geschick und wurde treulich unterstützt von seinem braven Weibe und auch noch von anderen Leuten, die unsere Leser mit Leichtigkeit errath en können.

Der Doktor Schwertmann griff den guten Leuten mit seiner Tochter, bie jetzt groß unb „schön wie ein Bild" war, offen und heimlich unter bie Arme. Melanie war bas Wunder von Winkelstabt geworden unb viel umworben von ber bünngefäeten „Elite".

Das halbe Mädchen vermißte freilich bie so früh dahingeraffte Mutter schmerzlich unb auch

Vorstellungen in London erhoben worden sind. Das deutsche Schiff ist von einem englischen Kriegsschiff nach bent englischen Hafen von Durban gebracht worben, ohne baß der bärtige Kommandant Auf­schluß über bie Gründe dieses Verfahrens gegeben hätte. „Kriegskontrebande" soll der Dampfer an Bord gehabt haben. Aber was für welche? Eng­land nimmt in dieser Frage eine eigenthümliche unb außerorbentlich eigenmächtige Stellung ein; es liebt nämlich, meistens ganz allein zu bestimmen barüber, was als Kriegskontrebande anzusehen sei unb was nicht, unb stets ist es damit gegen alle anderen Staaten mit der größten Rücksichtslosig­keit vorgegangen. Hier in diesem Falle kommt noch etwas Anderes hinzu: die Delagoa-Bucht gehört, bekanntlich den Engländern gar nicht, sondern den Portugiesen. Aber die Engländer spielen sich auf portugiesischem Gebiete ganz unverfroren als Herren auf und verletzen damit einen der ersten völkerrechtlichen Grundsätze. Die Londoner Presse schlägt bei der Besprechung der Angelegenheit einen außerordentlich hoch- müthigen Ton an; Deutschland möge gefälligst warten, bis das Prisengericht seinen Wahrspruch über den Fall gegeben habe; übrigens sehe es ja gar nicht fo aus, als ob man sich an leitender Stelle in Berlin überhaupt für den Fall interefftre 1 In Nordamerika sieht man die Wegnahme von fremden Schiffen durch die Engländer in der Delagoa-Bucht als einleitende Maßregel dazu an, daß die Engländer dieses ganze portugiesische Gebiet einheimsen. Sollte es so sein, bann würde ohne Zweifel dieser Fall gleichzeitig bie Einleitung bilden zu umständlichen diplomatischen Verhandlungen. In Nordamerika sieht man im Allgemeinen mit ebenso wenig freundlichen Augen auf die Engländer und ihr Vorgehen in Südafrika wie überall anderwärts; die Freundschaft ber angelsächsischen Vettern har einen argen Stoß daburch bekommen. Daß von Berlin aus bereits die nöthigen Schritte gethan worben sind, wird in der .Post' bestätigt unb gleichzeitig hinzugefügt: „Es barf erwartet werden, daß die englische Regierung den Zwischen­fall in dem Geiste behandelt, wie es den guten amtlichen Beziehungen zwischen Berlin und Lon­don entspricht." Uebrigens veröffentlicht die, Times' ein Telegramm aus Lorenzo Marquez, worin be­hauptet wird, daß der Dampfer „Bundesrath" Schiffspapiere mit sich geführt hat, welche den Beweis liefern, daß die an Bord befindlichen Passagierefämmtlich Mitglieder ber Rothen Kreuz-Gesellschaft waren. — Man glaubt hier, daß England, nachdem seine Landmacht als so unzureichend sich erwiesen hat, gerne zu dem Machtmittel greifen möchte, in welchem es feine ganz besondere Stärke sieht, nämlich zur Flotte. Diese könnte nur in der Delagoa-Bai wirksam in die kriegerischen Ereignisse eingreifen. Man hält es daher nicht für ausgeschlossen, daß England nach einem Vorwande sucht, um die Delagoa-Bai wegen ungenügender Wahrung der Neutralität Seitens Portugals zu besetzen.

• Kerr Mikior SchweinSurg ist auch aus der Geschästsleitung der ,Berl. Neuesten Nachr.' ausgeschieden. Von anderer Seite wurde gemeldet, er sei dazu „veranlaßt" worden; und bas klang auch recht wahrscheinlich. Jetzt er«

des Vaters Kops- und Barthaare hatte ber Tod ber geliebten Frau, die ihm bas Leben vergolbet, vor ber Zeit versilbert. Aber der Schmerz war von der Zeit, bie eben so barmherzig wie un­barmherzig sein kann, abgetönt in bie Herbstfarben ber Ergebung in den Willen des Allerhöchsten.

Der „Strubelkopf", wie man Leopold seines raschen und energischen Wesens wegen allgemein nannte, hatte unter Beihilfe seines Wohlthäters eine unerhört schnelle „Sortiere" im Eisenbahn­dienst gemacht — den Feldmesser hatte er links liegen lassen — und befand sich jetzt in blut­jungen Jahren schon als Stationsvorstand in Winkelstadt, fast als ein Wunder angestaunt von den alten Weibern und den jungen Mädchen.

Gleich nach ber geschilberten Katastrophe hatte man ihm — und auch dem Doktor Schwert­mann — die Rettungsmedaille an die Brust ge­heftet, die er heute noch stolz trug, während sie sein Wohlthäter mit einem schmerzlichen Lächeln in ein Fach seines Schreibtisches versenkt hatte.

Und jetzt, da wir wieder auf dem Laufende« sind, kann unsere Geschichte ihren Gang weiter gehen, durch Freud und Leid, die geschwisterlich alle Häupter mit Rosen und Dornen kränzen.

Der neue Löwe von Winkelstabt hatte erst vor einigen Tagen — es war im Spätherbst — seinen Posten angetreten unb man riß sich natürlich förmlich um ihn. Seine Herkunft aus armer Familie war rein vergessen, ja seine jetzige Stellung schraubte diese Familie um ein Erkleckliches in die Höhe. Der Sohn gehörte jetzt zu den „Honoratioren" von Winkelstadt und bas war in den Augen ber kleinen Leute ein beneidenswerthes Loos.